23.11.2016

Letzte Woche in Neuseeland 14. - 20.11.2016

Nur einen Tag nach unserer Wanderung - die Waden zwicken noch - haben wir ein " Blind Date " mit Maria und David. Beide sind bereits mehrere Long Trails gelaufen. Maria haben wir über ihren sehr ausführlichen Blog gefunden :
https://mariaelfe.com/continental-divide-trail-2015/
Zuletzt ist das deutsch-amerikanische Paar auf dem Continental Divide Trail gelaufen ( unserem nächsten Projekt ). Jetzt stehen sie in den Startlöchern für den Te Araroa, der ja bei uns noch nicht lange her ist. Grund genug, unser Interesse zu wecken und die Beiden einzuladen. Wer mich kennt, der weiss, dass Thomas der geselligere Teil von uns ist. Ich bin ja bei Besuch immer etwas sperrig. Aber unsere neuen Bekannten sind sehr liebenswert, spontan und völlig unkompliziert. Kurz entschlossen machen sie auf ihrem Weg zum Cape Reinga einen Zwischenstopp in Whangarei auf der Walkabout. Es wird ein richtig netter und lustiger Abend. Wir genießen die Gesellschaft und sind froh über diese Bereicherung unseres Bekanntenkreises. Viel zu schnell vergeht die Zeit beim Austausch von Geschichten und Erfahrungen. Ein halbes Jahr lang haben wir uns nur mit Seglern ausgetauscht, endlich gibt es mal wieder " Hiker-Trash ". Wir werden den CDT ungefähr zu der Zeit starten, wenn Maria und David ihr Ziel erreichen. Für uns war die größte Herausforderung die Planung, bzw. die Unplanbarkeit des Te Araroa.
Wir wünschen diesem tollen Team, dass sie jeden Schritt des 3000 Kilometer langen Weges genießen werden und sich nicht über die " natürlichen Lücken " im Trail ärgern ( so wie wir ). 
PS : Eine e-mail mit Informationen zu den Knackpunkten geht demnächst von Deutschland aus an euch raus.


Und noch einmal bekommen wir Besuch an Bord. Die beiden Brüder Steve und Steve ( ja, wirklich, kein Schreibfehler ) schaffen es gerade noch kurz vor unserer Abreise, ihr Segelboot von Tutukaka bis nach Whangarei zu bringen. Wir haben die Zwei im Frühjahr in der Riverside Marina kennengelernt und freuen uns, dass sie uns nicht vergessen haben. Sie sind lustig wie immer und sehr hilfsbereit. Die Steves bieten uns an, während unserer Abwesenheit hin und wieder ein Auge auf die Walkabout zu haben. Das nehmen wir natürlich gerne an. Wenn sie ab und zu die Leinen kontrollieren und schauen, ob das Boot Wasser nimmt ..... Das ist eine große Beruhigung für uns. Danke schön und auf ein gesundes Wiedersehen im nächsten Jahr ! 

Die Segel müssen mit Süßwasser gespült und getrocknet, danach heruntergenommen und zum Verstauen zu möglichst kleinen Paketen gefaltet werden. Auch alle Leinen und Zubehör sind salzverkrustet und werden gewaschen. Unsere Rollfock muss unbedingt zum Segelmacher, die Ränder sind stark ausgefranst. Kein Wunder, denn wir fahren die Genua eigentlich ständig, so dass sie ordentlich beansprucht wird.
Der Wasserfilter muss ausgewechselt werden. Das wäre schon in  Fidschi nötig gewesen, der Durchlass wurde immer geringer. Aber wir hatten vergessen, einen Ersatzfilter aus Neuseeland mitzunehmen. Nun haben wir uns so lange durchgewurschtelt, bis ein passender Wasserfilter leicht verfügbar ist. 
Eine wichtige Wartungsarbeit ist das Reinigen, Spülen und Konservieren unserer manuellen Entsalzungsanlage. Wenn wir die nicht ordentlich pflegen, dann ist sie vielleicht im Ernstfall unbrauchbar. Das Teil hat uns im letzten Jahr auf der 54-Tage-Passage von Chile zu den Gambiers sehr gute Dienste geleistet. Als nach drei Wochen die Wassertanks leer waren, mussten wir für unser Trinkwasser jeden Tag zwei Stunden von Hand pumpen. Das ist mühsam, aber es funktioniert.
Die Verdrahtung der Solarpaneele muss erneuert werden. Wir hatten bereits auf der Fahrt von Neuseeland nach Fidschi Probleme damit. Unterwegs hat Thomas die Verbindungen provisorisch repariert. Das Provisorium hat bis heute gehalten.
Unser Inverter ist kaputt. Der gibt sofort Alarm, wenn ein Gerät zum Laden angeschlossen wird. Thomas muss der Sache auf den Grund gehen, den Inverter auseinandernehmen und eventuell einen neuen einbauen.
Auch die Kabel vom Antennentuner müssen durchgecheckt und zum Teil neu verdrahtet werden. 
Wir möchten die innen eingebauten Wassertanks völlig leer pumpen, reinigen und sanieren. 
Außen am Schiff sollen die schlimmsten Roststellen behandelt werden, damit der Prozess verlangsamt wird und es während der nächsten Standperiode nicht noch mehr gammelt. 
Die Ruderwelle hat zu viel Spiel. Wenn die Walkabout vor unserer Weiterreise an Land steht, dann wird Thomas sich dafür eine Lösung ausdenken. An der Pinne muss etwas geändert werden, aber auch das hat Zeit bis zur nächsten Segel-Saison.
Der Motor wird noch einmal genauestens angesehen, denn dieses gute Stück von Volvo Penta darf nicht den Dienst quittieren.
Eine der Routine-Arbeiten ist es, das Werkzeug zu reinigen und zu schmieren. Auf einem alten Stahlboot rostet es schneller als man gucken kann.
Die Selbststeueranlage wird abgebaut und innen gelagert, weil sie sonst außen am Heck möglicherweise Schaden nimmt. Man weiß ja nie, wer während unserer Abwesenheit am und um unserem Boot manövriert.
Thomas hat eine stabile Plane bestellt, mit der wir das Cockpit abdecken und vor zu viel Regenwasser schützen möchten. Stolze 200,- Dollar sollte die Maß-Anfertigung kosten und in einer Woche abholbereit sein. Als sie nach 10 Tagen immer noch nicht fertig ist, stornieren wir den Auftrag. Thomas läuft sich in der Stadt die Hacken ab, aber mit gutem Erfolg. Er findet eine große Abdeckplane, die genau unseren Wünschen und Ausmessungen entspricht, für nur 50,- Dollar. 
Wir haben das Boot innen großzügig mit Süßwasser gewaschen, auch die Wände und Innenfächer mussten gründlich gereinigt werden. Danach wurde alles möglichst luftig verstaut, Kleidung usw. sauber und gut verpackt weggeräumt. 
Der Proviant nochmals durchgecheckt, verderbliche Lebensmittel wurden verschenkt. 
Alle beweglichen Teile von Deck abmontiert und in der Kajüte untergebracht. Matratzen und Seitenpolster hochgestellt, um Schimmel zu vermeiden.

An unserem letzten Abend in Whangarei haben wir Renate und Martin zum Essen eingeladen. Beide wohnen in der Marina auf ihren Segelbooten. In Neuseeland ist das erlaubt, dort braucht man keine feste Adresse an Land und keine Meldebescheinigung. Sowohl Renate als auch Martin brauen ihr eigenes Bier, einmal helles Lager und das andere dunkelbraun kräftig. Natürlich haben unsere Gäste Kostproben für uns mitgebracht. Thomas würde auch sehr gerne selber brauen, allerdings hätten wir dann ein Platzproblem auf der Walkabout.

Die drei Lüfter auf Deck werden geöffnet, zusätzlich im Niedergang ein durchlässiges Steckschott eingebaut, damit mehr Luft zirkulieren kann.
Müll wegbringen nicht vergessen, auch die Backskisten daraufhin kontrollieren. Ein Jahr im Wasser, ohne benutzt oder gelüftet zu werden, das ist eine lange Zeit für die Walkabout. Wir hoffen, dass der Schimmel sich in Grenzen hält und zu den üblichen Renovierungsarbeiten keine weiteren Schäden hinzukommen.
Sind die Elektroschalter alle ausgestellt, der Hauptschalter an der Batterie umgedreht, das Seeventil geschlossen ? Mehr können wir im Moment nicht tun. 
Wir kehren unserem Schiff den Rücken und sind ab jetzt für ein Jahr keine Segler mehr. Mehrere Monate Deutschland-Aufenthalt liegen vor uns. Wir freuen uns auf Familie und Freunde, aber wir werden auch arbeiten, um die Bordkasse wieder aufzufüllen. 
Von April bis Oktober 2017 möchten wir den CDT laufen, das sind 5000 Kilometer auf der kontinentalen Wasserscheide der USA. Starten werden wir in New Mexico, dann von Süden nach Norden wandern. Der Continental Divide Trail endet an der kanadischen Grenze. Erst danach werden wir wieder zum Boot zurückkehren und die Walkabout zu neuem Leben erwecken.

Unsere Homepage hat nun erst einmal Pause. Die nächste Etappe wird ab Frühjahr 2017 ausschliesslich unter unserer neuen Blog-Adresse weitergeführt.
www.walkabout-oceans-and-trails.de

aktuelle e-mail-Adresse : sy.walkabout@gmail.com



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14.11.2016

Northland section hiking Te Araroa 09. - 13.11.2016

So ganz bewegungslos möchten wir unsere verbleibende Zeit in Neuseeland nicht verbringen. Schon bei der Annäherung an die Küste und bei der Einfahrt nach Marsden Point konnten wir die grünen Hügel, den langgestreckten Ocean Beach sowie den Bream Head sehen. Wehmütig kamen Erinnerungen hoch an unsere tolle Zeit auf dem Te Araroa vor ziemlich genau einem Jahr. Gerade mal 5 Tage halten wir die Ruhe aus, dann planen wir eine mehrtägige Wanderung auf dieser ausgesprochen schönen Etappe der Nordinsel. Knapp 140 Kilometer liegen vor uns auf einer Strecke entlang der Ostküste. Wir suchen unsere Hiker-Ausrüstung zusammen, packen die Rucksäcke und fahren mit dem Mana-Bus bis nach Opua. Von dort aus nehmen wir die Fähre für 1,- Dollar pro Person auf die andere Seite der Bucht und starten gegen Mittag unseren knapp 140 Km langen Weg zurück nach Whangarei. Da wir diesen Teil ja bereits 2015 gelaufen sind, werde ich unsere Wanderung jetzt nur noch in Kurzform beschreiben, aber dafür mehr Bilder sprechen lassen. 

- Russell Forest Track : Fjorden des Waikare River, danach eine 5 Km lange Strecke durch den Papakauri Stream zwischen hohen Felswänden waten, Wasser knöcheltief, an einigen Stellen reicht es bis zum Po. Eine DOC-Shelter mit grüner Wiese ringsherum ist unser Tagesziel. Nach nur 5 Stunden auf den Füßen und gänzlich untrainiert meinen wir, dass es für den ersten Lauftag genug sei. Eigentlich wollten wir " Cowboy-Camping " machen und draußen schlafen. Haben es uns gerade mit Isomatten und Schlagsäcken auf den Bänken der Shelter gemütlich gemacht und schon fast die Augen zu, da kommt noch eine Gruppe mit 6 anderen Hikern. Alles junge Leute, knapp halb so alt wie wir, gutgelaunt und putzmunter. Nach dem üblichen Small Talk räumen wir unseren Kram zusammen und stellen unser Zelt etwas abseits auf. Schade eigentlich ....

- Morepork-Onekainga-Track : Dieser Weg führt uns entlang von Helena Bay, wo wir bei bestem Wetter super Ausblicke auf die Küste und die Poor Knights Islands genießen können. Weiter geht es über den Hansens Hill. Die Sonne scheint, die körperliche Anstrengung gefällt uns. Wir laufen bis nach 18.00 Uhr, mittlerweile haben wir die Hoffnung aufgegeben, dass der kleine Laden beim Campingplatz noch geöffnet hat. Nachdem wir 10 Stunden auf den Beinen waren, beenden wir den Tag auf einer Kuhweide kurz vor dem Dorf Whananaki. 


- Whananaki Coastal Track : Frühstück am Picknick-Tisch vor dem Camping Store vom Holiday Park. Die Inhaberin ist sehr freundlich und hängt unser Handy während dieser Zeit zum Laden an die Steckdose. Von dort aus führt unser Weg über eine 350 Meter lange Holzbrücke auf die andere Seite nach Whananaki South. Es soll die längste Brücke der südlichen Hemisphäre sein. Vorbei an Sandy Bay und Woolleys Bay, wo wir im letzten Jahr einen wunderschönen Zeltplatz gefunden haben. Danach sind wir eine neue Variante gelaufen, ein Stück am Strand entlang und bei Niedrigwasser über die Klippen geklettert. Ein kurzer, aber steiler Track führt zum Capitaine Bougainville Memorial. Dieses Denkmal am nördlichsten Punkt der Oruaea Bay erinnert an 16 Menschen, die 1975 in einem Sturm ihr Schiff verlassen mussten und dabei ums Leben gekommen sind. Links von uns der tiefblaue Pazifik mit seinen vorgelagerten Inselchen, dazu wieder vorsommerliche Temperaturen - Te Araroa zeigt sich von seiner besten Seite. 

- Matapouri Bush Track : Pinienwälder und Eukalyptusbäume entlang des Tracks, ein Wald, der uns damals so richtig gut gefallen hat. Ein Höhepunkt zum Ende dieses Weges ist der Tane Moana, ein riesiger Kauri-Baum mit einem Umfang von 11 Metern. Dieser größte Kauri an der Ostküste steht alleine im Wald und kann nicht mit dem Auto angefahren werden, deswegen haben wir dieses Naturwunder während unserer Pause ganz für uns alleine. Von dort aus ist es nicht mehr weit bis zur nächsten kleinen Ortschaft. Im Dorf Ngunguru versorgen wir uns im kleinen Inder-Lebensmittel-Laden mit neuem Proviant und, da gerade Abendessen-Zeit ist, gönnen wir uns im Imbiss nebenan eine Portion Fish and Chips. Ansonsten haben wir uns vier Tage lang nur von pappigem Brot mit Käse und Remoulade ernährt, als Leckerchen eine Tafel Schokolade dazu. Den Mackerel Forest müssen wir auslassen, weil er durch Privatland führt, nur bei Tageslicht begangen werden darf und zudem das Campen verboten ist. Egal - 4 Kilometer Wald, die wir uns sparen. Stattdessen fahren wir per Anhalter zum Beginn des nächsten Tracks. Mittlerweile hat es angefangen zu regnen, für die kommende Nacht und den nächsten Tag ist viel Niederschlag vorhergesagt. Der Einheimische, der uns bis nach Pataua North bringt, gibt uns einem sehr guten Tipp, wo wir unser Zelt aufschlagen können. Das Dorf Pataua besteht überwiegend aus Ferienhäusern und liegt um diese Jahreszeit noch völlig verlassen da, keine Menschen auf der Straße und keine Lichter in den Häusern zu sehen. Das Grundstück zum Recreation Center ist nicht abgesperrt, dort sollte es nicht weiter stören, wenn wir unser Lager am Rande der Wiese errichten. Aber wir haben Glück und finden es noch besser vor. Eine Halle mit Tischen und Bänken, in der sonst vermutlich gemeinschaftliche Aktionen stattfinden, zu beiden Seiten offen, lädt uns förmlich ein. Also gibt es ein gemütliches Abendessen am Picknick-Tisch unter Dach, unser kleines Zelt wird irgendwie zwischen die Tische gequetscht. Das ist natürlich die perfekte Lösung, um in der Nacht trocken zu bleiben. 

- Taiharuru Estuary Crossing : Heftiger Regen und Sturm in der Nacht, aber dank des Geheimtipps hatten wir es schön trocken und gemütlich. Morgens überqueren wir eine weitere ewig lange Holzbrücke bis nach Pataua South. Von dort aus geht es etwa 5 Kilometer auf einer wenig befahrenen Straße bis zum Taiharuru Estuary. Bei ablaufendem Wasser können wir ganz einfach zunächst entlang der Mangroven durch das seichte Wasser spazieren und anschließend unsere Wattwanderung ans andere Ufer machen. Dieser spannende Abschnitt hatte uns im letzten Jahr ausgesprochen gut gefallen. Jetzt sind wir viel schneller, weil wir den Verlauf der Passage bereits kennen. Mit matschigen Füßen erreichen wir den Deich auf der anderen Seite, aber dieses Mal haben wir sogar daran gedacht, Wasser zum Abspülen mitzunehmen.

- Kauri Mountain Track : Auf einer einsamen Landstraße wandern wir immer weiter bergauf, bis der Weg in einen schönen Mischwald abzweigt. Beim Gipfelzeichen oben auf dem Hügel war eigentlich unsere Frühstückspause geplant. Leider fängt es gerade in dem Moment an zu regnen und zu wehen. Also Regenzeug an, Rucksäcke mit den Ponchos geschützt, und ein paar Stufen weiter unten gibt es dann eine schnelle Stärkung mit Brot und Käse. 

- Ocean Beach Walk : Ein 8 Kilometer langer Strand-Spaziergang am Flutsaum, bei dem wir viel Freude an der neuseeländischen Vogelwelt haben. Hier ist es nun Frühling, beinahe alle am Flutsaum nach Futter suchenden Vögel stolzieren paarweise und mit ihrer Kükenschar um uns herum. Zum Ende des Ocean Beach platzen wir noch in eine Gruppe hübscher Mädchen, die mit Gänsehaut und weißen Bikinis für irgendwelche Foto- oder Filmaufnahmen posieren. Etwas weiter können wir Männer in schwarzen Neoprenanzügen beobachten, die mit ihrem Surfbrett im Wasser auf die richtige Welle warten.

- Bream Head Track : Start auf dem steilen Peach Grove Track, von wo aus wir eine neue Variante ausprobieren. Dieser Pfad ist allerdings deutlich länger, dafür aber schön wild und ursprünglich. Kein Touristenweg, sondern Te Araroa. Vermutlich sind wir beim ersten Mal falsch gelaufen, diese Route beschert uns gut 2 Stunden mehr als geplant. Vor uns liegt eine Bergkette, die mit dem Te Whara Summit beginnt und uns zum Schluss entlang der Flanke des Mount Lion führt. Immer wenn wir denken, dass wir es gleich geschafft haben, dann öffnet sich der Blick auf weitere Hügel. Inzwischen sind wir ganz schön geschafft, aber auch sehr motiviert, die nächsten Gipfel noch zu bezwingen. Belohnt werden wir durch absolute Einsamkeit und hervorragende Aussicht auf die Bream Bay, wo vor 9 Tagen die Walkabout in den Wellen kämpfte. Gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit schaffen wir die über 1000 Stufen hinunter zur Urquharts Bay. 

Im letzten Jahr hatten wir an einem Tag den Kauri Mountain, Ocean Beach und Bream Head. Danach war erstmal Feierabend - 3 Tage Pause in Whangarei, danach einen Tag Laufen und von Waipu wieder zurück für eine weitere Woche off-Trail mit Behandlung im Medical Treatment Center. Eigentlich hatten wir uns vorgenommenen, es diesmal etwas schonender anzugehen. Wollten am Ocean Beach ein paar Stunden am Strand verbummeln und dort zelten, den Rest dann am nächsten Tag machen. Aber das Wetter spielt nicht mit. Es ist kühl, immer wieder gibt es kurze Schauer. Absolut kein Wetter, das zum Verweilen am Strand einlädt. Deswegen sind wir einfach immer weiter gestapft und haben zum Schluss alle drei Tracks, zusätzlich 6 Kilometer Straße plus die Wattwanderung geschafft. Wir sind nun über 30 Kilometer in unterschiedlichstem und zum Teil anspruchsvollem Gelände gewandert, die Beine werden schon schwerer. Am Ende des Bream Head Trails gibt es einen Parkplatz mit Toilettenhaus und Wasser. Dort stehen einige Camper-Vans, allerdings haben es sich die meisten Leute bereits auf ihren Matratzen gemütlich gemacht. Die werden an diesem Platz übernachten und uns ganz bestimmt nicht mehr bis nach Whangarei fahren. Die Straße endet hier - Sackgasse - es wird zunehmend dunkel und beginnt zu regnen. Wir haben beide keine Lust, unser abgängiges Zelt im Nassen aufzustellen. Viel lieber würden wir heute noch nach Hause kommen, aber dazwischen liegen mehr als 30 Kilometer. Deswegen latschen wir noch einen Kilometer weiter die Straße entlang. Kaum Häuser, kein Licht und null Verkehr ..... aber in ein paar Hundert Metern Entfernung steht tatsächlich noch ein einzelner Wagen mit zwei Gestalten davor. Plötzlich kann ich wieder rennen, kurz bevor das Auto losfährt, klopfe ich an die Scheibe. Nein, die Beiden fahren nicht bis nach Whangarei. Aber sie haben anscheinend Mitleid, diskutieren kurz und bringen uns in halsbrecherischer Fahrt tatsächlich bis zum Steg. Wir sind unendlich erleichtert, das war wahrscheinlich unsere einzige Chance. Am Boot wartet eine Ueberraschung auf uns. Da liegt das Schlechtwetter-Zeug, welches wir in Fidschi verliehen hatten. Aber nicht nur das ! Ein ganzer Karton mit dem guten TUI-Bier, außerdem noch eine Flasche Wein und zwei Dosen Sauerkraut stehen auf dem Kajütdach. Wir hatten auf die Frage per e-Mail, ob wir Bier oder Wein möchten, nicht geantwortet .... Eigentlich hatten wir gar nichts erwartet, denn Backpacker müssen auf ihr Portemonnaie achten. Wäre wirklich nicht nötig gewesen. Wir freuen uns, wenn wir damit helfen konnten. Also, Bert, falls du dieses liest : Vielen, vielen Dank ! Und da wir in den nächsten Tagen noch Besuch erwarten, werden wir zumindest das Bier vor unserem Heimflug vernichten können. 
Wir haben leider nur noch eine Duschmarke. Deswegen müssen wir uns eine kurze schnelle Dusche teilen. Ein Blick auf die Waage in der Marina zeigt : Ich habe zugenommen. Nach dem ersten Schrecken stellt sich die Frage, wie das wohl angehen kann. Vielleicht Muskeln ? Einer meiner Schuhe ist an der Ferse durchgescheuert. Neue Hiking-Schuhe wird es erst nächstes Jahr in den USA geben. Die ersten Sandflies haben mich gefunden und zugebissen. Bin immer noch nicht immun dagegen. Wir beenden den Abend auf der Walkabout warm und trocken mit drei Dosen Red Beans ( Hiker-Hunger ) und leckerem TUI-Bier.

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04.11.2016

Passage von Fidschi nach Neuseeland - 1460 Seemeilen

Bei strahlendem Sonnenschein und feinem Wind können wir Segel setzen, sobald unser Anker oben und seefest verstaut ist. Mit einem Reff im Groß und der Genua auf steuerbord läuft die Walkabout mit durchschnittlich 5 Knoten schön am Wind. Die Selbststeueranlage wird auf 60• eingestellt und danach für den Rest des Tages und die kommende Nacht nicht mehr angefasst.
Der Kurs liegt mit 200• bis 210• Grad etwas neben der Ideallinie. Bis zu unserem Wendepunkt für die Ansteuerung Neuseelands haben wir ungefähr 800 Seemeilen vor uns. Zum Abend hin wird die Segelei ruppig, eigentlich mehr, als uns für den Anfang lieb ist. Das Boot stampft gegen die Wellen an, wir liegen ordentlich auf der Seite und müssen das Leben mit Schräglage erst wieder lernen. Erste Anzeichen von Seekrankheit machen sich bemerkbar. Gekocht wird heute noch nicht, nur Dose auf und warmgemacht. Wir segeln immer sehr nass, wenn der Wind von vorne kommt. Dazu setzt ein leichter Nieselregen ein, sobald wir die Küste von Viti Levu außer Sicht haben. In meiner ersten Freiwache am Abend versuche ich zu schlafen, was erfahrungsgemäß die ersten Nächte noch nicht so gut klappt. Um 21.00 Uhr bekomme ich in meiner Koje eine unfreiwillige Dusche ab. Ein gehöriger Schwall Salzwasser ergießt sich von oben, als ob Jemand einen Eimer ausgeleert hätte. Nun bin ich wieder hellwach und leicht genervt. Das frische Laken, 4 Kissen, der Boden und Skipper sind nass. Und das nur, weil wir vergessen haben, den großen Lüfter in der Mitte der Kajüte zu schließen. Eine Welle ist über dem Kajütdach gebrochen und hat den Weg durch den Lüfter ins Innere gefunden. Es rächt sich sofort auf einem Boot, wenn man nicht an Alles denkt. Der Vollmond geht auf, bleibt aber nicht lange zu sehen, sondern versteckt sich hinter einer dicken Wolkendecke. Immerhin beschert er uns eine helle erste Nacht, das haben wir beim Start gerne.

Morgens ist alles grau in grau - Regen. Die Wellenhöhe hat zugenommen, der Seegang ist durcheinander. Immer wieder kommt Wasser über, entweder steigt es auf der Leeseite über die Kante, oder wir werden von vorne nass gespritzt. Wir konnten etwas abfallen, Helferlein steht auf 70• eingestellt. Unser Kurs liegt jetzt gut an, Geschwindigkeit ist immer noch okay. 
Um Viertel nach 7 am Morgen reißt das Bändchen der Selbststeuerung auf der Backbord-Seite. Es knallt, das Boot läuft aus dem Ruder, aber der Schaden ist schnell behoben. Wir haben noch genügend Ersatzbänder griffbereit an der Reling hängen, da es sich um eine Soll-Bruchstelle handelt, die bei starker Beanspruchung nachgibt. Wir kennen unser kleines Schiff inzwischen so gut, dass wir uns blind darauf verlassen können. Genau das, was wir damals haben wollten : ein starker Langkieler aus Stahl mit neuem Mast und extra verstärktem Rigg. In letzter Zeit häufen sich die Angebote für Boote mit etwas mehr Raum und Komfort zu vernünftigen Preisen. Aber möchten wir wirklich tauschen ? Die Walkabout ist für uns wie ein alter Freund. Natürlich nagt der Zahn der Zeit am Schiff ( und an uns ), aber noch sind wir nicht bereit dazu. 
Die Regenfront ist hartnäckig. Nach mehr als drei Monaten Fidschi hatten wir zuletzt wirklich genug von Sonne und Schwitzen. Unsere Solarpaneele hat täglich so viel Strom erzeugt, dass wir den hätten verkaufen können. Aber nach zwei Tagen ohne Sonne müssen wir uns nun langsam Gedanken um unseren Energie-Haushalt machen. Das bedeutet, wir werden erstmal keine Geräte laden, damit wir nicht den Motor zur Energieversorgung starten müssen. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit reißt das Bändsel der Steuerung auf steuerbord. Monatelang wurde Helferlein zwischen den Inseln nicht benutzt, weil wir innerhalb der Riffe immer von Hand gesteuert haben. Nun gibt das Material schon nach wenigen Stunden unter Belastung nach. Anscheinend sind die Leinen in der Fidschi-Sonne spröde geworden. Ein weiterer Ausfall am Abend : Thomas hat einen Funk-Termin, aber die Anlage tut es nicht. Der Antennen-Tuner funktioniert nicht. Gestern ging es noch einwandfrei. Wahrscheinlich sind die Stecker und Verbindungen, die sich außen in der Backskiste befinden, nass geworden. Wir haben ständig viel Wasser übergenommen, dazu dieser ununterbrochene Regen, das hat die Elektronik wohl nicht schadlos ausgehalten. Dann wird heute eben nicht mehr gefunkt, Fehlerdiagnose und Reparatur müssen bis zum Tageslicht warten. 
Unsere Möhren sind bereits verdorben. Freitag auf dem Markt gekauft, heute am Montag müssen wir bereits die Hälfte davon wegschmeißen. Der geplante Möhreneintopf sieht daher eher wie Kartoffelsuppe mit Möhrenstücken aus. Die Südsee ist einfach kein Klima, in dem sich frische Sachen ohne Kühlschrank halten. 
In der Nachtwache bekomme ich Gesellschaft von einem großen grau-weißen Vogel. Es scheint ein noch nicht ganz ausgewachsener Basstölpel zu sein, der sich bei uns ausruhen möchte. Er dreht zunächst ein paar Runden über dem Boot, lässt sich dann auf der Solarpaneele nieder, ruckelt sich dort zurecht, steckt seinen Kopf zwischen sein Gefieder und schläft seelenruhig. 

Unser dritter Tag auf See beginnt wolkenverhangen, aber trocken. Wenigstens regnet es nicht mehr, dafür bekommen wir immer noch in kurzen Abständen Salzwasser-Duschen im Cockpit. Ein strammer Wind weht aus Süd-Ost, ganz wie es sein sollte. Wir machen rauschende Fahrt mit 5,5 - 6 Knoten Geschwindigkeit genau in Richtung Süden. Etwas ungemütlich und spritzig, aber sonst perfekte Bedingungen für eine schnelle Passage. Letztes Jahr von Tonga aus mussten wir härter am Wind kneifen. Gegen 9.00 Uhr morgens wird uns der Ritt zu wild, die Wellenhöhe ist gestiegen. Wir verkleinern die Genua, binden ein zweites Reff ins Groß und fallen etwas ab. Kaum Verlust an Geschwindigkeit, immer noch gut auf Kurs, aber so segelt die Walkabout viel ruhiger. Die Funke funktioniert wieder. Solarpaneele braucht Sonne !
Gegen Mittag hat der Wind Sturmstärke erreicht. Die Wellen werden immer höher und unberechenbar. Zudem zeigt sich Verschleiß an der Windsteuerung, die Halterung für die Steuerleinen scheint lose zu sein. Wir holen das Groß-Segel herunter und drehen bei. Der Wind drückt uns nun langsam Richtung Westen, aber da ist Platz genug. Allerdings beginnt die Walkabout beigedreht elendig zu schaukeln, weil nun kein Druck mehr in den Segeln ist. Da wir den Wind so genau von hinten haben, bekommen wir Regen und Gischt jetzt ungehindert ins Cockpit und müssen sogar den Niedergang dichtmachen. Thomas hat das Pech, seine Nachmittags-Wache komplett im strömenden Regen auszusitzen. Immerhin kann er während dieser Zeit die Arretierung für die Steuerung reparieren. Ansonsten kein Spaß .... Zum Abend hin entspannt sich die Lage etwas. Gegen 18.00 Uhr holen wir einen kleinen Fetzen Genua heraus und segeln mit achterlichem Wind auf einem falschen, aber angenehmen Kurs. Dummerweise liegt hier im riesigen Pazifik noch ein kleines Inselchen im Weg, das es nachts zu umfahren gilt. Das klappt ganz gut, wir passieren das Conway Reef etwa 20 Seemeilen an backbord. Danach hat auch die Wellenhöhe deutlich abgenommen. Wir setzen das Groß-Segel im zweiten Reff dazu und können nun wieder auf dem richtigen Kurs steuern. 

Als ich am vierten Segeltag aufwache, da scheint endlich die Sonne. In meiner Morgenwache kann ich mich damit beschäftigen, unsere nassen Klamotten, Handtücher und Polster zu trocknen. Alles ist wieder friedlich, der Wind pustet noch kräftig, aber die See hat sich beruhigt. Dann muss in der Kajüte aufgeräumt werden. Auf beiden Seiten hat es durch die porösen Dichtungen der Fensterscheiben geleckt. Das Problem kennen wir bereits, es tropft, wenn wir zu viel Wasser übernehmen. Dieses Mal hat es nicht nur ein bisschen getropft, sondern ein paar Mappen und Bücher sind richtig nass vom Salzwasser. Also muss die Ecke bzw. das Regal freigeräumt werden, die Sachen getrocknet und erstmal woanders ein Platz dafür gefunden werden. Etwas lästig, aber kein Grund zur Aufregung. Wenn ich nur daran denke, wie sehr ich mich auf unserer ersten Etappe darüber geärgert habe, wenn irgendwo Salzwasser eindringt ..... Inzwischen kennen wir die Schwachstellen bei unserem alten Schiff und räumen einfach wieder auf. Liegt das am zunehmenden Alter, an mehr Erfahrung oder an den Trails ? Insgesamt bringen wir es bis heute zusammen auf 16.000 Kilometer Long-Distance-Hike, die wir zu Fuß mit Zelt und Rucksack zurückgelegt haben. Als wir im Frühjahr 2011 das Logo mit den Füßen aufgeklebt haben, da war der Appalachian Trail bereits vage in der Planung. Allerdings wussten wir damals noch nicht, dass wir auf dem AT vom Hiker-Virus befallen werden und immer weiter laufen möchten. Bei diesem einfachen Lebensstil bekommt man einen Blick für das Wesentliche und regt sich nicht mehr so leicht über unwichtige Dinge auf. Das kommt uns auch auf unserem kleinen Boot zu Gute, wo andere Leute es wegen mangelndem Komfort keine Woche aushalten würden.
Die nächste Regenfront lässt nicht lange auf sich warten. Ab 18.00 Uhr haben wir wieder Nieselregen, auffrischenden Wind aus Süd und hackige See. Aber es geht gut voran, ein Viertel der Gesamtdistanz liegt bereits hinter uns. Und auf die Frage, ob wir nicht besser noch gewartet hätten .... Nein, viel lieber sind wir unterwegs, auch wenn es ruppig ist. Es liegt uns nicht, tage- oder wochenlang mehrere Prognosen zu analysieren und auf ein Wetterfenster zu warten, wenn alle notwendigen Arbeiten erledigt sind. Einziges Kriterium bei der Entscheidung : Es darf nichts richtig Schlimmes unterwegs sein. Walkabout ist ein gutes Schiff, und wir brauchen Wind zum Segeln, weil wir mit unseren 100 Litern Diesel nicht weit motoren können. Passt also alles - wenigstens in unserem Sinne. Am Nachmittag gelingt die erste Funk-Verbindung. Thomas kann unsere Positionsmeldung herausschicken, neue Wetterdaten anfordern und kurz ein Lebenszeichen an die Freunde von Meerbaer und Pacifico senden. Soweit alles okay. Mir geht es am vierten Tag ausgezeichnet, von Seekrankheit keine Spur, bin ausgeschlafen und genieße die Bordroutine. Thomas ist noch etwas angeschlagen, müde und hat Kopfschmerzen.

Ruhige Nacht. Immer noch Wolken am Himmel, aber dazwischen blitzen die Sterne. Der Wind hat nachgelassen. Wir laufen nur noch mit ca. 4,5 Knoten, auch der Kurs könnte besser sein. Aber es ist trocken, und man kann sich wieder an Bord bewegen, ohne blaue Flecke zu bekommen.
Es wird ein rundum sonniger Tag. Gegen Mittag ist es so ruhig, dass wir beide Reffs aus dem Groß nehmen. Schönes Segeln, nur leider in der falschen Richtung. Wir fahren zu weit nach Westen, eigentlich sollten wir reinen Südkurs bis zum Wendepunkt anlegen. Das " zu viel " müssen wir alles irgendwann zurück, bedeutet wieder einige Extra-Seemeilen auf dem Weg nach Neuseeland. Aber das soll uns nicht weiter stören. Heute ist ein toller Tag, wir fühlen uns rundum wohl. 
Am Nachmittag verbringen wir eine aktive Stunde damit, alle möglichen Segelstellungen auszuprobieren. Die Genua wird gegen die kleinere und festere Norderney-Fock ausgetauscht, das Groß zunächst ohne und dann wieder mit Reffs .... Wir wenden und gehen auf den anderen Bug, versuchen ein paar Grad besser an die Kurslinie zu kommen, fahren aber damit nur stramm nach Osten. Da ist sie wieder : unsere Südwand, die uns nicht durchlassen will. Bereits im letzten Jahr von Tonga aus hatten wir, wie viele andere Segelboote auch, das Phänomen dieser " Mauer " aus Gegenwind, allerdings damals ca. 400 Seemeilen tiefer. Es nützt alles nichts, wie machen alle Manöver rückgängig und segeln mit angezogener Handbremse hoch am Wind Richtung Süd-Westen. Die nächsten Tage soll der Wind so bleiben, genau aus Süd auf die Nase. Da können wir nur versuchen, den Schaden möglichst gering zu halten, d.h. langsam segeln und versuchen, eine gute Ausgangsposition für die Ansteuerung Neuseelands zu bekommen. Was macht das schon, ob wir zwei Tage früher oder später ankommen ?
Es wird bereits empfindlich kühl während der Nächte. Hoffentlich bereue ich es nicht demnächst, dass ich einen unserer Schlechtwetter-Anzüge abgegeben habe. Ich habe eine Jacke mit Hose an einen Backpacker verliehen, der auf einem Katamaran als Crew bis nach Neuseeland angeheuert hat und natürlich kein eigenes Segelzeug im Rucksack hatte. Normalerweise kommen wir mit einer Montur zurecht, weil wir uns mit den Wachen abwechseln. 
Knapp eine Woche unterwegs, und schon reicht unser Laken nicht mehr zum Zudecken in der Nacht. Vorerst genuegt eine zusätzliche Wolldecke zum Wärmen, aber spätestens in einer Woche werden wir die dicke Bettdecke auspacken müssen. Neuseeland - wir kommen näher !

Sonne, Wind, Wellen, Kurs - alles unverändert. Wir schleichen mit 3 Knoten pro Stunde dahin. Lästerzungen prophezeien uns bereits einen Landfall in Australien, wenn wir auf diese Weise weitersegeln. Uns kam heute in der Frühe die Idee, dass wir ja vor dem Einklarieren in Marsden Cove einmal um Neuseeland segeln könnten. Wenigstens die Nordinsel gegen den Uhrzeigersinn bis zu unserem Bestimmungshafen .... so hätten wir die zu viel nach Westen zurückgelegten Seemeilen jedenfalls nicht umsonst gemacht.
Die Stimmung an Bord ist sehr gut. Wir haben sogar noch Frisch-Proviant. Die letzten teuren Bananen mussten gegessen werden, eine Papaya und ein Kürbis aus Yasawa-I-Rara sind noch da. Gurke, ein paar Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch und Ingwer lagern im Keller, wo die Temperatur jetzt täglich kühler wird. Unsere Tomaten sahen gestern nicht mehr so gut aus, die Hälfte davon mussten wir wegschmeißen. Dafür haben die Aepfel und Birnen im Netz die Seereise bisher ziemlich unbeschadet überstanden. Das bedeutet, für Jeden ein Stück Obst täglich, wird wahrscheinlich bis zur Ankunft reichen. Alles, was an frischen Lebensmitteln noch übrig ist, müssen wir in Marsden Cove bei der Bio-Security abgeben. Einfuhr ist streng verboten.
Den ganzen Tag Sonne satt. Die Solarpaneele lädt, Batterien sind voll. Unser erster Wassertank ist leer. Nachts landet ein großer Fliegender Fisch bei Thomas im Cockpit. Nach einigen Versuchen gelingt es, den wieder zurück ins Wasser zu befördern. Der Himmel ist zum ersten Mal auf dieser Passage richtig sternenklar. Wir befinden uns jetzt auf dem 25. südlichen Breitengrad. Die Kleiderordnung hat sich geändert. Ich habe während meiner Nachtwache lange Hose, Socken, zwei Pullover und Jacke an. Thomas sitzt schon mit Mütze draußen. So kann man sich gleich an den Winter in Deutschland gewöhnen. 

Wenig Wind in der Nacht, und das genau von vorne. Beim morgendlichen Wachwechsel herrscht totale Flaute. Wir dümpeln ziellos in alle Richtungen. Um 8.00 Uhr morgens reicht es mir, wir bergen die Segel und starten die Maschine. Unter Motor fahren wir mit 4 Knoten Geschwindigkeit gemütlich und spritsparend auf das Nordkap Neuseelands zu. Lange geht das nicht gut, dann werden wir von geheimnisvollen Kräften wieder ausgebremst. Die Fahrt wird immer langsamer, das ist nicht effektiv, sondern nur Diesel-Verschwendung.
Also wieder rauf mit den Segeln, volles Zeug mit Genua. Funktioniert nicht, der Kurs ist zu schlecht. Setzen die Kreuzfock, aber es ist keine Verbesserung zu erkennen. Wir segeln nach Süd-West, und das sogar ziemlich schnell. Versuchen es auf dem anderen Bug, aber das geht noch weniger. Walkabout fährt nach Nord-Ost. Okay, unser Boot hat schlechte Am Wind-Eigenschaften, alle unsere Segel sind alt und ausgenudelt ..... aber so schlimm ? Ausreffen, dann wieder mit verkleinertem Groß im 2. Reff, auf Steuerbord-Bug oder auf Backbord-Bug ..... Es bleibt immer gleich unbefriedigend. Der Wind kommt von vorne und lässt uns nicht nach Süden durch. Morgen Abend soll es einen Winddreher geben. Hoffentlich hält sich das Wetter an die Prognose. Bis dahin möchten wir möglichst wenig Raum verschenken und drehen bei. Wollen einfach nur abwarten, bis wir den richtigen Kurs einschlagen können. Wir können es gar nicht glauben, aber unsere Logge vom Plotter zeigt beigedreht immer noch 2,5 Knoten an. Wir treiben viel zu schnell nach Nord-Westen, da will doch Keiner hin !
Langes Nachdenken und Rätselraten bringt uns nicht weiter. Dann schalten wir das Echolot mit eingebauter Logge hinzu, und uns geht ein Licht auf : Strömung von gut 2 Knoten lässt uns stetig weiter nach Nord-Westen abdriften. Deswegen können wir auch bei diesem schwachen Wind nicht gegenan kommen. Nach einem halben Dutzend Versuchen, mal auf der einen, mal auf der anderen Seite, geben wir auf und lassen das Schiff einfach mit kleiner Besegelung laufen. Irgendwann werden sich die Bedingungen doch mal zu unseren Gunsten wenden ? 
Statt sich über Dinge zu ärgern, die man nicht ändern kann, entspannen wir uns wieder und genießen die schöne Zeit auf See. Keine Stadt ruft, keine Verabredungen und kein Internet. Wir sind gerne alleine zu Zweit und nutzen die Ruhe, um unsere nächsten Jahre grob zu planen. Da sind zunächst der CDT, dann noch der PCT und die lange Heimreise um das Kap der Guten Hoffnung. Dabei sind einige Grundsatz-Entscheidungen zu treffen : Tonga und Fidschi noch einmal eine ganze Saison, oder sollen wir lieber zügig weiter ? Die Südsee ist schön, aber keine neue Herausforderung. Das Boot zweimal in Neuseeland oder einmal in Südafrika lagern ? Wollen wir die Walkabout überhaupt nach Hause segeln ? Neues Boot - ja oder nein ? Und wann ist der beste Zeitpunkt dafür ? Sollen wir noch weitere Deutschland-Aufenthalte einplanen, um zwischendurch Geld zu verdienen ? Es gibt viele Ideen, verschiedene Modelle für die Zukunft, alles hat seine Vor- und Nachteile. Wir müssen die Weichen erst im Frühjahr 2018 stellen, bis dahin sind noch alle Entscheidungen offen.
Als ich um 23.00 Uhr zu meiner Nachtwache aufstehe, da höre ich schon von unten, dass der Wind kräftig zugenommen hat. Ein erster Rundum-Blick oben zeigt : Es fetzt wieder richtig. Dieses verrückte Wetter hat es echt in sich, da kommt keine Langeweile auf. Die Küste Südamerikas hinunter und um Kap Hoorn kommt mir gerade viel einfacher vor, weil es berechenbarer gewesen ist. Okay, kleinste Besegelung, keine Elektrogeräte in der Plicht, weil es nass werden könnte. Wenn man bequem in einer Ecke sitzt, dann ist es gar nicht mehr so schlimm, wenn der Wind im Rigg pfeift. Meeresleuchten ! Sieht sehr schön aus, wie die brechenden Wellenkämme glitzern. Der Himmel ist schwarz und sternenklar, kein Mond zu sehen. Kühl ist es, heute wird noch ein Kapuzenpullover unter der Jacke angezogen.


Wir haben kein Schiff mehr gesehen, seit wir die Küste Viti Levus hinter uns gelassen haben. Sind jetzt seit einer Woche unterwegs, 7 ereignislose Nachtwachen liegen hinter uns. Thomas hatte einen Tropikvogel zu Besuch. Der ist tatsächlich bis ins Cockpit geflogen, war aber mit seinem Platz in der Plicht anscheinend nicht zufrieden.  Als der Vogel Anstalten machte, nach unten in den Salon zu flattern, da ist er in Ungnade gefallen und musste das Boot verlassen.
Sonntag früh die gleiche Situation wie gestern. Wind kommt immer noch aus Süd, dazu ein unruhiges Wellenbild. Motoren bringt gar nichts, da stampfen wir nur mit 2,5 Knoten in die Wellen. Also segeln wir langsam weiter Richtung Westen auf Kurs 240• und warten auf den angekündigten Ostwind.
Tagsüber möchte sich Niemand mehr während der Freiwache in die Koje legen. Wir sind total ausgeschlafen, und draußen im Cockpit ist es richtig schön. Sonnig, dazu ein kühlender Wind, einfach genau unsere Wohlfühl-Temperatur. 
Unsere Wetterdaten und die Beratung von Meerbaer über Funk sagen : Es könnte wieder länger dauern. Egal, uns geht es supergut, und wir haben keine Termine. Für die nächsten Tage wird ein Apfelkuchen gebacken, der zu Hause auch nicht besser schmecken könnte.
Kalte Nase während der Nachtwache .... Das bedeutet, wir haben immer noch Südwind. Haben nun schon die dicke Steppdecke zum Zudecken herausgeholt. Vor einer Woche haben wir noch unter der Hitze gelitten und auf die Fidschi-Sonne geschimpft, vor der man sich kaum schützen kann. Jetzt fahren wir gerade in den Neuseeland-Frühling, und von da aus geht es per Flieger in den Deutschland-Winter.

Montag früh gibt es endlich den ersehnten Wind-Dreher. Ein laues Lüftchen, eigentlich nicht der Rede wert, weht aus Nord-Ost. Wir können nun direkt Kurs auf das Nordkap anlegen, allerdings werden wir in diesem Tempo noch etwa 10 Tage benötigen. Mit 1,5 bis 2 Knoten " Geschwindigkeit " und ohne Schwell ist das Leben an Bord ruhig und gemütlich. Wir genießen ein ausgedehntes Frühstück bei Sonnenschein. Es gibt sogar Rührei, damit wir die letzten Eier aufbrauchen. Unsere Vorräte sind jetzt deutlich geschrumpft. Wahrscheinlich müssen wir gar nichts mehr bei der Bio-Security abgeben, denn wir werden noch eine Weile unterwegs sein. 
Rein zeitlich haben wir ungefähr die Hälfte geschafft. 700 Seemeilen seit Fidschi liegen hinter uns, in gerader Linie hätten wir noch ca. 600 Seemeilen vor uns bis zum Ziel. Aber wir segeln ja nicht in gerader Linie .... Im Moment segeln wir gerade eher wieder gar nicht, sondern dümpeln mit schlagenden Segeln dahin. Immerhin in der richtigen Richtung, das ist ja auch schon viel wert. Geduld .... Diesmal kein Problem für uns, denn es ist so schön unterwegs, es könnte uns fast nicht besser gehen. Nur der Pac and Safe-Supermarkt und der All you Can Eat-Mongole müssen leider noch ein bisschen warten.
Wir haben über Funk eine Nachricht von der Dörtita erhalten. Heiner und Kurt, die 3 Tage vor uns losgefahren sind, haben heute in Opua ( Neuseeland ) einklariert. Bei uns wird es noch eine Woche oder so dauern. Vielleicht holt uns ja sogar noch die Pacifico ein, die morgen starten wird ?

Was für eine wunderschöne Nacht ! Ein Meer von Sternen am Himmel, dazu geht eine gelbe Mondsichel am Horizont auf. Null Wind und keine Dünung, der Pazifik ist still wie ein Ententeich. Wir lassen ein paar Stunden den Motor laufen. Die Luft ist erstaunlich mild, kein kalter Südwind mehr, der uns aus der Antarktis entgegen bläst. Ringsherum blitzt das Wasser vom Meeresleuchten. Viele Sternschnuppen gesehen. 
Gegen Morgen kommt etwas Wind auf, dieses Mal platt aus Nord. Thomas bastelt gegen 5.00 Uhr unsere Besegelung um. Die Genua wird mit Spinnaker-Baum ausgebaumt auf der Steuerbord-Seite gefahren, das Groß-Segel kommt auf die Backbord-Seite. So laufen wir gute 4 Knoten mit Wind genau von achtern. Helferlein ist auf 180• eingestellt. Die Schiffsbewegungen sind angenehm, weil wir keine Wellen und keinen Schwell haben. Unser neuer Ansteuerungspunkt ist das Nordkap von Neuseeland, knapp 400 Seemeilen entfernt in Richtung Süden. 
Ab der Mittagszeit bildet sich ringsum eine tiefliegende Wolkendecke aus. Um 14.00 Uhr dreht dann ganz plötzlich der Wind um 180• und kommt wieder aus Süd, also genau von vorne. Das ist ja wie verhext ! Also Segelwechsel, Genua und Groß auf die Backbord-Seite und die Selbststeuerung auf Kurs hart am Wind einstellen. Die dicken Wolken sehen aus, als ob sie eine Barriere um uns herum bilden, die Walkabout ist mitten drin. Gerade mal 9 Stunden hatten wir ordentlichen Wind und vernünftige Geschwindigkeit, nun schleichen wir wieder mit 2 Knoten dahin. Vorbei ist es mit Sonnenschein, der Himmel ist grau und trübe. Ab 17.00 Uhr regnet es. Dann wieder totale Flaute und schlagende Segel. So langsam wird es echt mühsam.
Seit 4 Tagen haben wir die Angel draußen, aber bisher noch keinen einzigen Biss dran gehabt. Liegt es vielleicht daran, dass Thomas unseren allerbesten Köder verschenkt hat, den großen rot-weißen Luhr ?  Nein, wir sind wohl eher zu langsam für die Fische des Pazifiks.

Wieder ein kompletter Flauten-Tag auf unserer langen Passage nach Neuseeland. Viel Zeit zum Lesen und zum Reden. So viel Zeit für ungestörte Unterhaltung haben wir nur auf See oder wenn wir monatelang zu Fuß im Wald unterwegs sind.
Der Ozean um uns herum ist tiefblau wie die Walkabout. Eine langgezogene Dünung hebt das Schiff sanft auf und nieder. Das erinnert uns stark an unsere Atlantik-Ueberquerung .... Atlantikwellen mitten auf dem Pazifik. Den ganzen Tag über passiert gar nichts, kein Wind, kein Schiff, kein Fisch an der Angel. Wir wechseln in langen Abständen von einem Bug auf den anderen und kreuzen auf, so gut das die Walkabout kann. Praktisch bedeutet das : Wir kommen nicht vorwärts. Von 50 zurückgelegten Seemeilen in 24 Stunden sind höchstens 20 Seemeilen Fortschritt in Richtung Süden. Immerhin hat Thomas heute den ersten Albatros gesehen, einen Vorboten der südlichen Meere.
Unser Inverter scheint kaputt zu sein. Er fängt an zu piepen, sobald man den Stecker vom Netbook zum Laden einsteckt. Der kommt auf die Liste der zu erledigenden Aufgaben. Thomas wird ihn auseinandernehmen müssen. Aber das hat Zeit bis Whangarei, wir können unsere Geräte noch per USB laden.

Milliarden von Sternen am Himmel, der Ozean ist unheimlich ruhig. Gegen Mitternacht geht eine Regenfront durch, kurz und heftig, aber leider ohne nennenswerten Wind. Thomas hat in seinen 4 Stunden Nachtwache ganze 3 Seemeilen zurückgelegt. Wir sitzen weiterhin die Flaute im Kern des Hochdruck-Gebiets aus.
Tagsüber haben wir Sonne satt. Ist das nun Südsee-Urlaub ?
Wir haben an Frisch-Proviant nur noch 5 Kartoffeln und 4 Zwiebeln im Keller. Also stehen Hülsenfrüchte und Reis für die nächsten Tage auf dem Speiseplan. Da freut man sich so richtig auf den Supermarkt ! Not haben wir keine, wir könnten noch wochenlang mit unserem Proviant überleben. 

Und plötzlich ist der Wind da, obwohl für die nächsten beiden Tage noch weiter Flaute angesagt war. Der kommt sogar aus Süd-Ost anstatt aus Süd. So machen wir tatsächlich knapp 3 Knoten Fahrt in Richtung Nordkap. Wir nehmen diesen unerwarteten Windhauch natürlich gerne, fragen nicht lange " warum ? " und sehen zu, dass die Walkabout vorwärts läuft.
Unser zweiter Albatros zieht majestätisch seine Kreise über dem Wasser. Das sieht wegen seiner enormen Flügel-Spannweite sehr leicht und elegant aus. 
Während meiner Morgenwache begleiten uns Dutzende von Delphinen. Anscheinend sind sie nicht im Jagdmodus, sondern schwimmen lange Zeit langsam und entspannt neben unserem Boot her. Es kommen immer mehr hinzu. Weitere Gruppen nähern sich, als wären sie gerufen worden. Ein schönes Schauspiel und eine willkommene Unterhaltung, denn unsere ruhige Fahrt ist nicht besonders spannend.
Am Nachmittag bekomme ich die erste Moralkrise. Das bisschen Wind hat sich schon wieder verabschiedet, wir kommen schon seit 5 Stunden nicht mehr von der Stelle. Das Bordessen schmeckt nicht so richtig, ich habe Appetit auf etwas richtig Leckeres. Vielleicht am 3. November, falls wir es bis dahin schaffen - Grüner Spargel mit Butter und Parmesan auf der Pacifico. Mir ist langweilig, und mir fehlt die Bewegung. Es wird Zeit, dass ich mal wieder Auslauf bekomme.
Kurz vor Beginn der Nachtwache wird in den lange nicht mehr benutzten Kleiderkisten gewühlt. Man kann jetzt schon gut lange Unterwäsche gebrauchen. Thomas immer noch ohne Socken, aber mit Wollmütze. Für mich suche ich zur Mütze auch gleich noch Handschuhe heraus. Ich mag nicht frieren, wenn ich nachts draußen sitze. Und außerdem müssen wir die Wintersachen sowieso nach Deutschland und später auf den nächsten Trail mitnehmen.

Wir hatten wieder eine sehr ruhige Nacht, trocken und sternenklar. Das Meer so glatt wie mit Oel überzogen, gar keine Dünung, absolute Windstille. Das ist eine gute Gelegenheit, um effizient zu motoren. Thomas startet um 3.00 Uhr nachts die Maschine. Damit laufen wir insgesamt 4 Stunden mit einer Geschwindigkeit von mehr als 5 Knoten bei 2000 Umdrehungen. Viel Diesel dürfen wir nicht verschwenden, aber diese Aktion bringt uns endlich mal ein sichtbares Stück weiter nach Süden. 
Langweilig ist es auch nicht, sondern richtig was los in unserer Nähe. Zum ersten Mal seit Verlassen der Hauptinsel gibt es Schiffsverkehr. Da sind gleich mehrere helle Lichter in Sichtweite, wahrscheinlich größere Fischerboote. Die stören nicht auf unserem Kurs, sondern bleiben hinter der Walkabout zurück. Dafür bekommen wir Besuch von Grindwalen. Mehrere Gruppen zu jeweils 4 - 6 Exemplaren nähern sich behäbig und halten unser Boot wahrscheinlich für einen Artgenossen. Seit einigen Tagen begleiten uns außerdem schwarz-grau gestreifte Fische, die sich immer ganz nahe am Rumpf aufhalten. Sie bleiben dicht bei uns und schwimmen erstaunlicherweise nebenher, egal, mit welcher Geschwindigkeit wir unterwegs sind. Lotsenfische sind das, die dafür bekannt sind, dass sie größere Meerestiere begleiten. Anscheinend ist die Walkabout auf ihrer langsamen Reise von Fidschi nach Neuseeland inzwischen so gut angepasst, dass wir für einen großen Fisch gehalten werden. 
Im Westen ist mehrmals deutlich Wetterleuchten zu sehen. Unserer Erfahrung nach ist das immer ein Vorbote von schlechtem Wetter gewesen. Na, mal abwarten, was sich daraus entwickelt. Im Moment würden wir auch stärkeren Wind begrüßen, damit wir mal richtig segeln können. Nur bitte nicht von vorne ....
Nach 13 Tagen haben wir endlich die 1000 -Seemeilen-Marke geknackt. Es könnte schneller gehen .... aber wir genießen lieber die harmonische Zeit auf See als uns in der Marina mit Warten auf das richtige Wetter zu nerven.
Am Nachmittag passiert uns ein großes Frachtschiff in etwa 5 Seemeilen Entfernung Richtung Norden. Wir kommen heraus aus der Einsamkeit, es sind jetzt nur noch knapp 300 Seemeilen bis zur Küste. Ab 16.00 Uhr setzt ein handiger Süd-Ost ein. Das können wir so gerade hart am Wind anlegen. Endlich schaffen wir mal wieder aus eigener Kraft an die 5 Knoten Fahrt. Nach so vielen Flauten-Tagen ist die Schräglage der Walkabout richtig ungewohnt. Aber schön, wir sind zufrieden und wagen es, Spekulationen über unseren Ankunftstag anzustellen. Da gibt es doch am 3. November etwas zu feiern ! Leider dauert die Herrlichkeit nur 2 Stunden an, dann gibt es wieder Gegenwind. Aus der Traum von einer Ankunft Mitte der Woche.

Sonntag, der 30. Oktober - unser bei den Behörden angegebenes Ankunftsdatum. Ziel leider nicht erreicht, und immer noch kein Ende in Sicht. Tatsächlich bleibt der Wind stabil aus Süden, Tendenz zunehmend. Auch der Seegang steigt kontinuierlich. Die Walkabout stampft in die Wellen und wird ordentlich hin- und her geworfen. Die Mannschaft natürlich auch, vorbei ist es mit der Gemütlichkeit. Zunächst laufen wir nach Westen ab, weil wir bei dem starken Gegenwind null Fahrt nach vorne machen können. Die Idee mit dem Beidrehen verwerfen wir, weil wir dann nur wieder zurück treiben würden. In der Nacht kommen zwei Reffs ins Groß-Segel, ein kleines Stück Genua dazu, dann wechseln wir auf den anderen Bug und fahren so langsam Richtung Nord-Ost. Auch da wollen wir eigentlich gar nicht hin, ist aber das kleinere Uebel. So kommen wir nicht zum Nordkap von Neuseeland. Was für ein Kampf um wenige Seemeilen ! Der Wetterbericht morgens um 7.00 Uhr ist deprimierend. Die nächsten 30 Stunden soll der Wind weiterhin kräftig aus Süd blasen, danach ist dann endlich Aussicht auf Aenderung. Das bedeutet, wir werden die Lage aussitzen und versuchen, unsere Position hier möglichst stabil zu halten. Wenn es irgendwann endlich vernünftigen Wind zum Segeln gibt, dann haben wir immer noch 3 - 4 Tage bis zum Ziel vor uns. Langsam reicht es mit Flaute und Gegenwind. Wir haben auf dieser Passage, mal abgesehen vom Start, wirklich alle ungünstigen Bedingungen mitgenommen.
Ein großes Container-Schiff kommt uns auf steuerbord entgegen. Es sieht aus wie eine Ansammlung von bunten Hochhäusern. Offensichtlich haben die uns bemerkt, denn das Schiff nähert sich bis auf zwei Seemeilen und fährt dann in einem deutlichen Bogen um uns herum. Es ist immer wieder eine Erleichterung, wenn so ein Monstrum vorbeifährt und nur noch der Qualm in der Ferne zu erkennen ist. Nach etwa einer Stunde ist der Spuk vorbei und der riesige Pott nicht mehr zu sehen. 
Unser zweiter Wassertank ist leer. Wir haben noch etwa 30 Liter im letzten Tank. Bis der zur Neige geht sollten wir in Whangarei sein.

Aufgrund des beständigen Südwindes ist es während der Nachtwachen rattenkalt in der Plicht. Wir tragen volle Wintermontur, es fehlt eigentlich nur der Faserpelz-Anzug darunter. Morgens um 8.00 Uhr scheint jedoch schon die Sonne, und nur eine Stunde später wird es sogar richtig warm.
Morgens sehen wir in ca. 50 Meter Entfernung eine große Gruppe von Schwertwalen. Es sieht aus wie eine Versammlung, die Tiere scheinen miteinander zu kommunizieren. Sie sind nicht an der Walkabout interessiert, sondern bleiben dicht zusammen, bis sie alle gemeinsam abtauchen.
Wir kreuzen mit langen Schlägen, ohne dabei wirklich Distanz gut zu machen. Seit vorgestern, also in 48 Stunden, haben wir insgesamt nur 42 Seemeilen Richtung Neuseeland zurückgelegt. Bis zur Einfahrt nach Marsden Cove liegen immer noch ca. 300 Seemeilen vor uns. Bei gutem Wind gar kein Problem, dann sind wir in drei Tagen da.
Funkkontakt mit Meerbaer und Pacifico um 15.00 Uhr klappt nicht. Dafür können wir plötzlich segeln ! Der Wind hat auf Ost gedreht und verschafft uns 3 - 4 Knoten Geschwindigkeit auf beinahe direktem Kurs. Bitte weiter so !

Es läuft endlich ! Wir nähern uns mit durchschnittlich 5 Knoten in der Stunde dem Nordkap. Gestern rollten die Wellen nach dem Winddreher noch durcheinander. Das ergab eine hackige See, die Walkabout musste tüchtig gegenan stampfen. Starke Krängung und viel überkommendes Wasser machten das Leben an Bord ungemütlich. Aber nun hat sich der Seegang ausgerichtet, das Schiff fährt ruhig und gleichmäßig auf der Kurslinie. Das Wettrennen mit der Pacifico hat begonnen. Deren Position müsste ungefähr 150 Seemeilen hinter uns liegen, allerdings sind Hermann und Hilde ganze 9 Tage nach uns gestartet. Thomas hat über Funk-mail unsere Ankunft beim Zoll und in der Marina für Donnerstag angekündigt. 
Der Himmel ist bedeckt, alles grau in grau. Wir haben die Tropen endgültig hinter uns gelassen. Am Nachmittag scheint zwar die Sonne zwischen den Wolken, die Tages-Temperatur liegt allerdings nur noch bei 17• Celsius. Mir ist kühl, und selbst Thomas hat Socken herausgekramt. Wir sind wohl ein bisschen verwöhnt durch das letzte Vierteljahr in der Südsee.
Am Nachmittag kommt uns ein dicker Frachter entgegen, vermutlich mehrere Stockwerke mit Autos beladen. Er ist von Neuseeland unterwegs Richtung Norden und passiert in etwa 2 Seemeilen Entfernung auf steuerbord.
Die Funk-Verbindung klappt heute super, obwohl Meerbaer fast 2000 Kilometer weit weg vor Lautoka ankert. Ganz erstaunlich. Von Pacifico hören wir, dass die uns bald eingeholt haben. Wir haben nun ein Treffen am Donnerstag in Marsden Cove verabredet.
Inzwischen hat der Wind auf Nord gedreht und kommt genau von hinten. Die Walkabout sieht inzwischen aus wie ein Fischkutter. Auf beiden Seiten sind die Spinnaker-Bäume ausgebracht, dazu noch diverse Leinen, die das Ganze in der richtigen Position halten. Mit ausgebaumten Segeln laufen wir schnurgerade auf unserer Ideallinie, Geschwindigkeit immer über 5 Knoten. Allerdings ist das der unbeliebteste Kurs, was die Bewegungen angeht. Das Schiff rollt kräftig von einer Seite auf die andere, wir schaukeln pausenlos unangenehm hin und her. Im Inneren klappern jetzt in allen Fächern irgendwelche Gegenstände, die sich vorher noch nicht bemerkbar gemacht haben. Das ist der Preis für unser gutes Vorwärtskommen, aber das ist uns nun auch egal, weil wir endlich auf der Zielgeraden sind.

Wilder Ritt während der Nacht - dunkle Wolken von achtern treiben die Walkabout schnell vor sich her. Wir segeln konstant mit 5,5 bis 6,5 Knoten in der Stunde. So kommen wir natürlich sichtbar vorwärts. Man kann gespannt beobachten, wie der Meilenzähler hinunter rattert. Die Distanz bis zur Ansteuerung ist jetzt schon im zweistelligen Bereich. Während meiner Wache ziehen nur ein paar kurze Schauer vorbei. Thomas hat allerdings das Pech, dass in seiner Nachtwache sintflutartiger Regen hernieder geht. Er ist nass bis auf die Haut, und das stundenlang. Da hatte ich es besser in meiner Koje, obwohl bei den schlimmen Schiffsbewegungen nicht an Schlafen zu denken war.
Am frühen Morgen dreht der Wind auf West und bläst immer noch kräftig, dazu 3 - 4 Meter hohe Wellen. Thomas fährt eine Q-Wende und bringt das Groß-Segel auf die andere Seite. Mit 2. Reff und Genua auf backbord können wir gute Fahrt auf unserem Kurs 130• machen. Ein trüber Tag, alles grau, immer wieder Regen. Sehr schlechte Sicht, deswegen bleibt auch tagsüber das Licht im Masttopp an. Wir schalten zur Sicherheit sogar hin und wieder das Radar ein, weil wir knapp 50 Seemeilen vor der Küste mit Schiffsverkehr rechnen müssen.
Von gestern auf heute haben wir unser bestes Etmal auf dieser Etappe gemessen. Bei dem kräftigen Wind konnten wir in den letzten 24 Stunden über 120 Seemeilen zurücklegen.
Leider geht es nicht so weiter. Mittags lässt der Wind nach und dreht auf Süd-West. Ohne Reff im Groß plus voller Genua bringen wir es gerade noch auf knapp 4 Knoten an Geschwindigkeit. Die Sonne kommt heraus, wir können alle Sachen trocknen. Der Wind schläft immer mehr ein.
Nach der Funkrunde um 15.00 Uhr wollen wir zur Unterstützung die Maschine starten. Aber der Motor läuft nicht rund, irgendetwas stimmt nicht. Ich sitze an der Pinne und steuere, während wir immer langsamer werden. Dann geht der Motor aus. Das muss ja nun auch nicht mehr sein am vorletzten Tag ! Aber doch ..... die Maschine lässt sich wieder überreden, aber läuft unregelmäßig und stirbt dann völlig. Nützt nichts - Thomas muss in den Motorraum klettern und sich auf Fehlersuche beheben. Genug Oel ist vorhanden, die Lanze ist okay, der Tank ist noch mehr als halbvoll. Dann wird wohl die Leitung verstopft sein .... Motor-Müller kann es wieder richten. Nach knapp 2 Stunden Arbeit auf dem schaukelnden Boot hat er beide Kraftstoff-Filter ausgewechselt und die Leitungen gereinigt. Tatsächlich hatten wir eine Menge Dreck und Wasser im Vorfilter. Dann Daumen drücken und hoffen, dass der Motor anspringt. Unser Motor erwacht sofort wieder zum Leben und hört sich zum Glück gesund an. Mir ist schlecht vom Diesel-Gestank, aber wir sind beide froh, dass der Schaden mit eigenen Mitteln zu beheben war. 

Man glaubt es kaum, aber Mittwoch haben wir schon wieder Flaute. Wir werfen die Maschine an und motoren die ganze Nacht hindurch. Irgendwann möchten auch wir einmal ankommen, nach Möglichkeit vor der Pacifico.
Um uns herum herrscht starker Schiffsverkehr. Ich habe in meiner Nachtwache gleich drei Schiffe in Sichtweite. Eins kommt von achtern auf backbord näher, eins kommt mir auf backbord von vorne entgegen. Beide haben nur helle weiße Lichter an und führen keine Positionslampen. Die Fahrtrichtung lässt sich zuerst nur erahnen, aber bei genauer Beobachtung wird klar, dass sie an der Walkabout in etwa 1 Seemeile Entfernung vorbeifahren. Ein drittes Schiff nähert sich gleichzeitig achtern von steuerbord. So langsam wird es mir unheimlich. Ich überlege gerade, ob ich das Funkgerät oder den Radar anstellen soll, aber dann sind die ersten beiden Schiffe schon vorbei, und das dritte scheint sich zu entfernen. Kein Handlungsbedarf - also darf ich mich wieder entspannen. 
Mehrmals können wir schwarze Flossen um uns herum aus dem Wasser ragen sehen. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie Haie, aber die Spitzen sind eher rundlich. Es bleiben Tiere undefinierbarer Art, denn es zeigt sich kein einziges Exemplar oberhalb der Wasserlinie. Gastlandflagge, Quarantäne--Fahne und Vereinsstander werden gesetzt. Um 15.00 Uhr kündigen wir über Funk unsere voraussichtliche Ankunft für 17.00 Uhr bei Whangarei Harbour Radio an. So verlangen es die Vorschriften. Da wissen wir noch nicht, was uns auf den letzten 10 Seemeilen bevorsteht. Plötzlich haben wir wieder Gegenwind, und das nicht zu knapp. Wind, Wellen und Strömung gegenan - ein blöder Hack. Die letzten Seemeilen müssen wir uns hart erkämpfen. Auf Höhe des Bream Head, kurz vor der Einfahrt nach Marsden Cove, geht dann auch noch der Motor aus. Der Tank ist zwar noch nicht leer, aber wir haben mehr Diesel gebraucht als bei einer ruhigen Fahrt. Durch die wilde Schaukelei und das Gebolze in den Wellen hat die Maschine keinen Sprit mehr bekommen. Thomas zaubert einen letzten 10 Liter-Reservekanister aus der Backskiste. Von dem wusste ich gar nichts, aber gut, dass der nun da ist ! Der Wind ist zum Glück ablandig, das Einfüllen klappt gut, und unser Motor springt sogleich wieder an. 
Um 18.00 Uhr machen wir endlich die Leinen am Quarantäne-Steg in Marsden Cove fest. Unsere Pilotfische, die wir vor mehr als einer Woche zum ersten Mal bemerkt haben, sind auch da. Thomas ist sich ganz sicher, dass es dieselben sind, denn einer der gestreiften Fische hat eine markante Verletzung am Rücken. Jede Flaute und auch die schnelle Fahrt bei Starkwind haben sie mitgemacht. Inzwischen haben wir realisiert, dass wir eine Stunde zu spät sind. Wir hätten unsere Uhren umstellen müssen auf Neuseeland-Zeit. Das Marina Office ist nicht mehr besetzt. Sofortige Anmeldung über Funk bei Whangarei Maritime Radio ist Pflicht. Dort erfahren wir, dass wir heute nicht mehr von den Behörden abgefertigt werden. Also keine Dusche, kein Einkauf und kein Willkommens-Bier. Man darf den Steg nicht verlassen, bevor man offiziell einklariert hat. Wir sind inzwischen auch ganz schön müde von den vielen durchwachten Nächten und den letzten Motorstunden. Außerdem habe ich vom langen Steuern mit der Pinne Muskelkater in beiden Oberarmen, es gibt immer noch keinen elektrischen Autopiloten auf der Walkabout. Kurzum, wir sind ziemlich gerädert und schaffen es nicht, auf die Pacifico zu warten. Hermann und Hilde machen gegen 22.30 Uhr neben uns die Leinen fest, aber davon bekommen wir beide nichts mehr mit.

Freitag sind wir zum Frühstück bei den Nachbarn eingeladen, aber das ist uns wohl nicht vergönnt. Morgens um 8.00 Uhr, noch bevor wir einen Bissen von Hermanns selbstgebackenem Brot essen können, erscheint Bruce vom Zoll. Auf der Walkabout ist der Papierkram schnell erledigt, weil alles gut vorbereitet ist. Dann bekommen wir unsere Stempel mit Aufenthaltsgenehmigung für 3 Monate in die Reisepässe. Gleich danach kommt Mike von der Bio-Security an Bord. Wir haben bereits alles ausgefüllt, gehen noch ein Paar Fragen durch und lassen ihn stöbern. Frische Lebensmittel haben wir nicht mehr, kein Fleisch, keinen Honig .... wir kennen ja das Prozedere vom letzten Jahr. Mike kontrolliert unseren Reis und die Haferflocken auf Tierchen. Er lässt sich die
Holz-Souvenirs und unsere Muscheln zeigen ( alle bekommt er natürlich nicht zu sehen ). Dann fragt er noch nach Angelsusrüstung und Zelt, beides haben wir natürlich gereinigt. Meine Hiking-Schuhe schaut er sich genau an, da darf keine Erde mehr dran sein. Sauber. Das war es dann. Er nimmt unseren in zwei Plastikflaschen gesammelten Müll mit und ist zufrieden. Beide Männer sind sehr nett - alles easy. 
Gleichzeitig mit der Pacifico nehmen wir die letzten 12 Seemeilen in Angriff. Zu Anfang graue Wolken und Nieselregen, wieder Wind und Wellen von vorne, hackige See. Haben die Strömung mit uns, die bringt bis zu 2 Knoten mehr Fahrt. Gegenan wäre das für unser kleines Boot kaum zu schaffen.
Um 12.15 Uhr haben wir die Town Marina in Whangarei erreicht. Wir werden schon von Sharron am Steg erwartet und herzlich begrüßt. Willkommen in Neuseeland - wir fühlen uns hier wie zu Hause.
Insgesamt haben wir für die Etappe von Fidschi bis Neuseeland 18 Tage gebraucht und dabei 1460 Seemeilen zurückgelegt. Stefan von der Sabir sagt dazu : " Ihr lauft eben schneller als ihr segelt. " Das trifft es ziemlich genau - bis heute ist das der allerbeste Kommentar auf meiner Facebook-Seite.
Abends gibt es dann, mit einem Tag Verspätung, Hermanns Geburtstags-Essen. Sehr lecker und reichlich. Danke für die Einladung !





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16.10.2016

Robinson Crusoe Island Resort - Abschied von Fidschi

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14.10.2016

Vuda Marina - Lautoka - Warten auf das Wetterfenster 10. - 14.10.2016

Tatsächlich kommt der vorhergesagte Sturm am Montag. Mittags zieht sich der Himmel zu, es wird immer dunkler, dann nimmt der Wind rapide zu. Gleichzeitig beginnt der uns schon bekannte Fidschi-Regen, heftig und ohne Unterbrechung. Nachmittags zur Hochwasser-Zeit ist in der Marina richtig was los. Die Arbeiter rennen herum ( sehr untypisch für Fidschi ), um die herrenlosen Boote zu sichern. Kokosnüsse, Zweige, aber auch Plastikplanen und andere Gegenstände fliegen durch die Gegend. Der Wind erreicht über mehrere Stunden konstante 40 Knoten, in den Böen auch 45 Knoten, also Windstärke 8 - 9. Wir können beobachten, wie sich auf der gegenüberliegenden Seite die Masten der Segler parallel mit den Kokospalmen zur Seite legen und beinahe aneinander stoßen. Das sieht schon ziemlich bedrohlich aus. Auch bei uns ist es ziemlich eng. Der Nachbar zur Linken musste seine außen an der Reling angebrachte Solarpaneele demontieren, damit wir nicht damit kollidieren. Unser Boot neigt sich allerdings wegen der Windrichtung kräftig zur rechten Seite. Wegen der unterschiedlich hohen Bordwände drückt sich die Walkabout viel zu dicht an unser Nachbarboot " Nina ". Zum Glück sind Linda und Steve richtig nett und machen kein großes Aufheben davon. Wir binden unsere beiden dicken Sitzpolster als zusätzlichen Schutz außen an die Reling, weil wir aus Platzgründen nur zwei Fender haben. Der Großbaum, der zur Leeseite hin fixiert war, wird mittig justiert, damit er nicht auf die Reling vom größeren Nachbarboot knallt. Während der Spitze des Sturms stehen Thomas und Steve draußen im Regen und passen auf, wo es noch etwas abzudrücken gibt. Am Abend ist der Spuk erstmal vorbei, alles wieder ruhig in der Marina. Die nächste Front geht Dienstag am Nachmittag über uns hinweg. Wieder sehr viel Wind, aber nicht mehr so schlimm wie am Vortag. Dazu Regen, Regen, Regen .... Wir sind froh darüber, dass der Wetterbericht uns so genau vorgewarnt hat. Und wie gut, dass für unser kleines Boot noch Platz war ! Eigentlich war die Marina wegen der Windvorhersage bereits Tage vorher ausgebucht, aber die Walkabout liegt in einer Lücke, in die sonst kein anderes Boot gepasst hätte.

Am Dienstag ist Pizza-Night in der Strandbar der Vuda Marina. Pizza zum halben Preis wird immer gerne genommen, das ist eine willkommene Abwechslung zu Fisch und Eintopf. Wir haben uns dort mit der sehr netten Crew der Dörtita verabredet. Heiner und Kurt sind ganz unsere Wellenlänge - hoffentlich treffen wir uns einmal wieder. 
Die letzten Tage haben wir uns mit den Vorbereitungen für die Passage nach Neuseeland beschäftigt. Viel gibt es nicht zu tun, um unser Schiff für die große Fahrt klar zu machen. Die üblichen Routinearbeiten, wie immer : Wäsche, Putzen des Bootes, Reinigen der Schnorchel- und Hiking-Ausrüstung. Finde nur einen einzigen Zuckerrohr-Kaefer, ansonsten scheint das Schiff sauber zu sein. Thomas klettert zur Kontrolle des Riggs einmal in den Mast. Alles gut. Ueberprüfen und Laden der Elektrogeräte, einige Teile müssen geschmiert werden. Tanken nur 30 Liter Diesel, mehr geht nicht hinein. Wassertanks und zusätzliche Kanister sind voll. Beim Durchsehen des Proviants stellen wir fest, dass wir immer noch mehr als genug an Lebensmitteln im Keller haben. Viele Sachen darf man gar nicht nach Neuseeland einführen, deswegen wird es diesmal nur einen kleinen Einkauf in Lautoka geben. Eine Menge Papierkram muss vor unserer Abfahrt erledigt werden. So verbringen wir am vorletzten Tag viel Zeit damit, die ganzen Ausreise-Zettel für die Behörden in Fidschi und die Einreise-Dokumente für Neuseeland auszufüllen. Der Wetterbericht sieht ganz passabel aus für die nächste Woche. Nicht perfekt, aber es ist auch nichts Schlimmes im Anzug. Deswegen entscheiden wir uns Donnerstag spontan dazu, einfach am Freitag loszufahren und den Wind so zu nehmen, wie er kommt. Wir sind gedanklich schon in Neuseeland bzw. Deutschland. Also, warum sollen wir länger warten ? 
Mit dem 7.00 Uhr-Bus geht es noch ein letztes Mal nach Lautoka, um auf dem Markt Obst und Gemüse einzukaufen. Danach eine Stunde bei den Offiziellen, das Ausklarieren wird hier mit 60,- Dollar berechnet. Vor dem Büro treffen wir Neil von der " Red Threat ", und durch die Unterhaltung vergeht die langweilige Wartezeit angenehm schnell. Neil und seine Frau Jessi haben wir auf der Insel Taveuni kennengelernt, mussten uns aber gleich wieder trennen. Jetzt können wir uns auch gleich wieder verabschieden, denn der Weg der Beiden führt nach Vanuatu. Wir gönnen uns zum Schluss noch eine ausgiebige Süßwasser-Dusche und geben im kleinen Laden der Marina die letzten Fidschi-Dollar für kalte Getränke aus. Dann verlassen wir dieses gastfreundliche Land, in dem wir 900 Seemeilen in drei Monaten zurückgelegt haben. Wir rechnen mit gut zwei Wochen Segelzeit. Als geschätztes Ankunftsdatum haben wir in den Neuseeland-Papieren den 30. Oktober angegeben.

Wer uns unterwegs verfolgen möchte, der findet unsere aktuelle Position so :
http://www.winlink.org/userPositions
oben links im Feld bei Enter Callsign :  DM1TM

Homepage neu :    www.walkabout-oceans-and-trails.de
mehr Fotos bei facebook : Frauke Mueller-Schwenty

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07.10.2016

Yasawa-I-Rara " Welcome back " 05. - 09.10.2016

Der Wecker klingelt um 5.30 Uhr. Wir haben eine weite Strecke bis Yasawa-I-Rara vor uns und möchten unbedingt noch bei gutem Tageslicht ankommen. Thomas reißt bereits an der Ankerkette, noch bevor der erste Kaffee fertig ist. Um 6.15 Uhr haben wir den ersten kräftigen Biss an der großen Rolle und machen uns bereit zum Einholen. Der Fisch kämpft nicht, sondern er schwimmt im selben Tempo wie das Boot hinterher. Ist das etwa wieder ein Hai ? Wir werden es nie erfahren, denn er geht zum Glück ab, bevor wir ihn näher heranziehen können. Es ist auch noch nicht wirklich die Zeit zum Fisch-Ausnehmen. Eine halbe Stunde später, immer noch vor dem Frühstück, gibt es wieder einen heftigen Ruck an der Angel. Ein richtig schöner Fisch, von der Größe her schon fast wieder zu viel für zwei Personen. Es handelt es sich um einen stattlichen Red Snapper, der orange im Wasser leuchtet. Dieser Brocken ist dick genug, um ihn mit der Harpune zu töten und damit sicher über die Kante zu holen. Thomas fackelt nicht lange, damit er uns nicht wieder durch die Lappen geht. Unser Fisch hat einen kleineren Pilotfisch am Bauch hängen, den wir sofort wieder ins Wasser schubsen. Dann geht es ans Ausnehmen und Filetieren, es ist immerhin schon 7.00 Uhr morgens. Ergibt eine große Schüssel grätenfreies Filet, das reicht uns eigentlich, denn zwei Mahlzeiten sind mehr als genug. Nachmittags schläft der Wind ein. Wir sind trotz ungerefftem Groß und ausgebauter Genua zu langsam, um die enge Passage noch sicher bei Tageslicht zu schaffen. Deswegen lassen wir den Motor bei geringer Drehzahl mitlaufen, das bringt uns einen Knoten mehr an Geschwindigkeit. Passt so gerade - um 18.00 Uhr erreichen wir Yasawa-I-Rara und ankern auf unserer alten Position in 5,5 Meter Wassertiefe. Wie schön, wir sind alleine, das einzige Segelboot vor dem Dorf. Um noch an Land zu gehen, dafür ist es schon zu spät. Wir schreiben unserer Familie nur eine kurze Nachricht, dass wir angekommen sind und genießen dann die friedliche Stimmung in der Bucht. Die Ansicht hat sich seit unserem letzten Besuch deutlich verändert. Früher war es um 19.00 Uhr stockfinster im Dorf, die Menschen gingen sehr früh schlafen.  Seit Ende August sind nun alle Hütten mit Solarpaneelen versorgt worden. Bei den Abschieds-Feierlichkeiten für die Arbeiter durften wir damals sogar teilnehmen. Heute sehen wir auch spät am Abend noch viele Lichter am Ufer. Das verschlafene Dorf wirkt dadurch wie eine kleine Stadt - Solarstrom macht es möglich.

Am nächsten Morgen paddeln wir gemütlich an Land und sind fasziniert davon, wie schön es an diesem Ort ist. Türkisblaues Wasser, dazu ein weißer Sandstrand, Kokospalmen säumen das Ufer - ein Bild, wie es dem Klischee einer Südsee-Insel entspricht. Zunächst fragen wir nach dem Chef, der aber mal wieder ortsabwesend ist. Wir werden zum zweiten Stellvertreter ins Haus gebeten, komischerweise ist es ein anderer als beim letzten Mal. Auf jeden Fall sind der Zweite und seine Frau Tara sehr nett. Wir übergeben unser letztes Kava-Bündel, machen ernste Gesichter bei der Sevusevu-Prozedur und werden sodann herzlich willkommen geheißen. Bekommen eine Papaya geschenkt, eigentlich sollen wir noch mehr mitnehmen. Aber da gerade die Papaya-Zeit ist, ahnen wir schon, wie dieser Tag ausgeht und nehmen bloß eine davon an.
Anschliessend besuchen wir Sarah und Nix zu Hause. Sofort werden wir zum Essen eingeladen, das war ja klar. Sie nennen es " Lunch ", obwohl mir eher nach Frühstück zumute ist. So kommt es, dass wir bereits morgens  um 10.30 Uhr Haifisch-Gulasch in Kokosmilch und gekochten Barrakuda mit Cassava essen. Willkommen zurück im traditionellen Fidschi-Leben ! Das Hai-Curry ist sogar für mich lecker, ganz zart und schmackhaft in einer Soße, die ich ohne Brechreiz trinken kann. Wir nutzen die Gelegenheit, unsere Familie alleine zu beschenken, während der oberste Häuptling, der ja Sarahs Onkel ist, gerade nicht da ist. Paddeln also nochmal zur Walkabout, laden unser Dinghi voll und schleppen die Geschenke quer durch das Dorf. Das Auspacken ist ein bisschen wie Weihnachten. Wir haben Grundnahrungsmittel eingekauft, 10 Kilo Mehl, 5 Kilo braunen Zucker, 10 Liter Speiseöl. Außerdem haben wir noch diverse Lebensmittel abzugeben, die wir zu viel an Bord haben bzw. nicht mehr essen mögen. Sechs Wochen lang haben wir leere Plastikflaschen, verschließbare Gläser und Dosen gesammelt, die heiß begehrt sind - insgesamt drei Tüten voll. Außerdem haben wir DVDs mit Wunschfilmen brennen lassen, die besten Fotos auf Papier ausgedruckt, einen neuen Akku für Sarahs Handy und ein paar schöne Kleidungsstücke für Sarah und die Mädchen gekauft ( 2,- Dollar das Stück im Second-Hand-Laden ). Dazu geben wir alle Bücher, Schulsachen, Stifte, Spielzeug und Kinder-Schuhe ab, die wir seit Neuseeland an Bord hatten. Wir haben noch keinen Ort gefunden, wo diese Dinge nötiger gebraucht würden. Sollen die das doch im Dorf verteilen .... Am Nachmittag sind wir zum Tee eingeladen, heißes Wasser auf ein Blatt vom Limettenbaum aufgegossen, schmeckt wirklich intensiv nach Zitrone. Dazu werden aus unserem mitgebrachten Mehl und Oel Unmengen von Roti zubereitet. Das ist offensichtlich eine Bereicherung des Speisezettels, denn die Berge von Pfannkuchen sind auch bei den Nachbarn und Verwandten sehr beliebt. Thomas wird von Onkel Willi zu einer abseits vom Dorf gelegenen Plantage geführt. Dort pflücken die Männer für uns Papayas. Schließlich haben wir acht reife Früchte im Rucksack, alle essbereit und lecker duftend. Von Nix gibt es noch einen Kürbis geschenkt, mehr möchten wir nicht mitnehmen. Am frühen Abend sind auch der Häuptling und seine Frau wieder zurück vom Festland. Wir mögen diesen Teil der Familie nicht besonders, trotzdem statten wir ihnen einen kurzen Anstandsbesuch ab. Dann bekommen wir eine traurige Geschichte zu hören, wie ihnen bei der Blue Lagoon der Sprit für ihr Motorboot ausgegangen ist. Zwei verschiedene Segelboote haben ausgeholfen, sonst wären sie nicht nach Hause gekommen ..... Die haben doch tatsächlich von zwei anderen Booten Benzin geschnorrt. Das passt genau ins Bild. Bei ihrem ersten Besuch auf der Walkabout wurde erzählt, dass der Motor kaputt ist und eine hohe Summe für die Reparatur benötigt wird. Ob wir nicht etwas Geld dazu geben könnten ? Nein. Wir haben eine passende Lesebrille für die Dame des Hauses gekauft. Die nimmt sie natürlich gerne an, aber der Blick sagt : " Wie - mehr nicht ?" Während wir dort auf dem Boden der Veranda sitzen, läuft der Schweizer Katamaran " Red Harlekin " ein. Wir paddeln kurz vorbei, um die Beiden zu begrüßen und etwas zu plaudern. Irmina und Erwin laden uns zu Bier und Pastis an Bord ein. Nette Gespräche, in dieser Runde sind die Frauen gleichberechtigt, deswegen genießen wir den Abend sehr. Wir sehen uns hoffentlich wieder !

Eigentlich waren wir am nächsten Tag um 9.00 Uhr mit Sarah und Nix verabredet. Wir wollten auf die andere Seite der Insel laufen, dort Fische fangen und ein Barbecue am Strand machen. Aber die Beiden erscheinen nicht zur vereinbarten Zeit, da scheint ein Missverständnis vorzuliegen. Stattdessen lernen wir die " Schwester " der Krankenstation  kennen. Dee sieht aus wir ein bildhübsches Mädchen, sehr gepflegt, geschminkt, spricht perfekt englisch, mit guten Umgangsformen. Erst wenn sie den Mund aufmacht, dann merkt man an der tiefen Stimme, dass sie eine Transsexuelle ist, eine von mehr als 10.000 auf Fidschi. Wir schätzen Dee auf Mitte 20, sie wohnt ganz alleine in der Krankenstation und wird im Dezember nach 2 Jahren diese abgeschiedene Insel wieder verlassen, um in Australien zu studieren. Dee ist ein ganz besonderer Mensch, wirklich intelligent und interessant, was sie über die Leute und das Leben im Dorf zu erzählen hat. Sie bietet uns an, dass wir bei ihr duschen oder die Nacht in einem richtigen Bett im Gästezimmer verbringen dürfen. Als wir dankend ablehnen, da werden wir herzlich eingeladen, noch einmal wiederzukommen, um Filme zu gucken oder nur so zum Quatschen. Wir glauben, dass Dee einsam ist. Dies ist nicht der richtige Ort für einen jungen Menschen, der nicht hier geboren ist. Natürlich bekommen wir eine ausgedehnte Führung durch die Krankenstation. Diese ist besser ausgerüstet, als wir vermutet hätten. Die Erst-Versorgung ist 24 Stunden am Tag gewährleistet. Bei Problemfällen werden die Patienten mit einem Boot zum Festland gebracht oder sogar per Hubschrauber abgeholt und ausgeflogen. Zum Abschied bekommen wir noch eine Papaya geschenkt.
Da Sarah und Nix nicht zum Treffpunkt erschienen sind, machen wir uns auf den Weg zu ihrer Hütte. Die Planung hat sich geändert, denn heute ist in Yasawa-I-Rara ein ganz besonderer Tag .... irgendwie ist anscheinend immer etwas Besonderes. Die Fidschianer mögen die Geselligkeit. Aktion " Sauberes Dorf " ist angesagt. Rasenmähen, Müll-Aufsammeln, Reparatur-Arbeiten an diversen Dingen, die der Gemeinschaft nützen. Alle Männer machen mit, während die Frauen stundenlang mit der Vorbereitung eines Festmahls beschäftigt sind. Aber erstmal gibt es Frühstück. Nix war in der Nacht zum Tauchen und Speerfischen. Er hat einen Lobster für uns mitgebracht, den wir nun um 10.00 Uhr morgens mehr oder weniger begeistert verspeisen. Dazu wird natürlich Cassava gereicht, dieses Mal allerdings schön braun in der Pfanne gebraten. Außerdem  gibt es noch einmal Roti, heute mit Kokosmilch zubereitet. Was man alles mit Mehl und Oel zubereiten kann, wenn es verfügbar ist .... Sarah erzählt uns, dass sie nach Suva fahren muss, um endlich die Geburtsurkunden für ihre beiden Töchter zu beantragen. Die Mädchen sind 2006 und 2007 hier geboren und haben bisher ohne solche Papiere gelebt. Wozu auch ? Nun sollen sie endlich legalisiert werden, aber das geht nur in der Hauptstadt. Die Fähre von der nächstgrößeren Insel aus kostet 70,- Dollar für die einfache Fahrt. Wir bieten an, dass wir Sarah am Wochenende mitnehmen können, damit sie das Geld sparen kann. Dieser Vorschlag wird sofort hocherfreut von ihr angenommen. Allerdings haben wir den Eindruck, als ob Nix nicht so begeistert ist und die Stimmung zwischen den Beiden danach etwas angespannt ist. Wahrscheinlich hätte Sarah ihren Ehemann vorher um Erlaubnis fragen müssen, aber sie ist eine junge und intelligente Frau, die sich vielleicht nicht immer an die traditionellen Regeln hält. Nachmittags können wir uns ein paar Stunden ausklinken. Auf der Walkabout ist es aber fast nicht zum Aushalten. Es ist so heiß, dass barfuß laufen unmöglich ist. Auf dem Deck könnte man Spiegeleier braten. Da schnappe ich mir lieber das Kajak und mache eine kleine Paddeltour, danach noch einen Spaziergang im Schatten der Kokospalmen. Beim nächsten Landgang haben wir unseren Rucksack wieder vollgepackt. Wir stellen Dee zwei Dosen Ananas ( letztes Jahr in Tahiti eingekauft ) und zwei Tüten Marmelade ( noch aus Chile ) vor die Haustür. Außerdem trenne ich  mich von einer Kurspülung, die bei Dees wunderschönen schwarzen Haaren bessere Verwendung hat als bei mir. Sarah und Nix bekommen ebenfalls Ananas und Marmelade, die letzten Tomatensuppen und eine große Tüte Nesquick für die Kinder, außerdem noch ein paar Dosen Sardinen. Selbst der Frau vom Dorfchef bringen wir eine Dose Ananas, eine Tüte Marmelade und drei Dosen Sardinen. Alles Zeug, was wir gut entbehren können. Entweder, weil wir es selber nicht gerne mögen, oder weil wir einfach zu viel davon gekauft haben. Demnächst werden wir die Walkabout für ein ganzes Jahr einmotten, da sollen keine Lebensmittel mehr an Bord sein.
Abends wird die Aktion " Sauberes Dorf " mit einem gemeinschaftlichen Essen beendet. Dabei ist ganz klar definiert, dass die Männer zusammen im Kreis sitzen und Spaß haben. Die Frauen sitzen mit den Kindern abseits, dürfen auftischen, abräumen, haben aber ansonsten bescheiden im Hintergrund zu bleiben. Das ganze Dorf ist versammelt. Ich zähle mehr als 50 Personen, die auf getrennten Matten auf dem Boden hocken. Thomas sitzt neben dem Chef, der sich angeregt mit ihm unterhält und ihm fast in den Hintern kriecht .... Ich sitze kinderlos zwischen den dicken Muttis und komme mal wieder gar nicht gut klar mit meiner Rolle hier im Dorf. Selbst Sarah hat mich verlassen, denn sie muss noch eine weitere Feier vorbereiten. Nachdem ich die ersten 30 Lutscher verteilt habe, werde ich dann auch mal kurz vom Häuptling beachtet. Er fragt, ob ich noch mehr Lollys habe. GRRR !!! Zum Abendessen steht Reis in Kokosmilch auf der Festtafel, schon wieder Roti und eine neue Art von Fettgebackenem. Das gab es vorher noch nie. Liegt es vielleicht am mitgebrachten Mehl und Speiseöl ? Auf jeden Fall schmeckt es gar nicht schlecht, und man kann es gut mit den Fingern essen, ohne sich vollzuschmieren. Irgendwann verschwindet Thomas mit Nix, die holen einen Sack Kokosnüsse und paddeln damit zur Walkabout. Natürlich bringen sie auch noch eine Ladung Lutscher mit, die auch von den Erwachsenen gerne genommen werden. Sarah möchte baden gehen, und ich sitze mittlerweile ziemlich unglücklich zwischen den Dorfmuttis. Nett sind sie ja alle, aber nicht so ganz meine Welt. Englisch sprechen die älteren Frauen eher nicht, sondern unterhalten sich natürlich in ihrem Fidschi-Dialekt.
Ich bin froh, als Thomas und Nix zurückkommen und wir diese Veranstaltung verlassen können. Aber danach geht es noch weiter .... Der Sohn von einem Onkel hat einen besonderen Schulabschnitt beendet, den 2.nd Grade, und das wird in der Familie gebührend gefeiert. Wir haben die Ehre und sind zu diesem Familienfest herzlich eingeladen. Zunächst einmal müssen wir mindestens eine halbe Stunde im Kreis auf dem Boden sitzend warten, weil noch nicht alle Gäste da sind. Nach dieser Zeit fängt es für uns bereits an, unbequem zu werden. Dann folgt eine ausgedehnte Kava-Zeremonie, nur für die Männer aus dem engsten Familienkreis, nicht für Touristen. Jeder der beteiligten Männer murmelt seine Verse, trinkt und klatscht, bis die Runde durch ist. Wir sehen auf den Boden und langweilen uns. Nach dem Kava-Trinken folgt eine salbungsvolle Ansprache des Vaters an seinen 12-jährigen Sohn, der in festlicher Kleidung dort sitzt und ernsthaft zuhört. Einen Teil der Ansprache bekommen wir sogar ins Englische übersetzt. Das ist ja sehr nett, nun wissen wir wenigstens so ungefähr, worum es geht. Und dann gibt es schon wieder ein Festessen : gekochte Tonga-Makrele mit Cassava. Ich würde gerne ablehnen, aber das gehört sich nicht. Es ist immerhin schon die dritte Fidschi-Mahlzeit heute. Wir teilen uns eine Portion, so muss ich wenigstens die Brühe nicht austrinken, denn die bleibt bei Thomas in der Schüssel. Eigentlich bekommen wieder nur die Männer von der Festtafel, die Frauen und Kinder essen danach. Offensichtlich reicht der Fisch nicht für alle, Frauen und Kinder bekommen unansehnliche 2-Minuten-Nudeln in brauner Soße. Ich bin da als Gast wohl die Ausnahme ..... weiß gar nicht, was mir lieber ist. Wegen der Wetterprognose, die starken Wind und Regen vorhersagt, werden wir Yasawa-I-Rara bereits am Samstag verlassen. Es war sehr schön, noch einmal herzukommen und unsere Freunde zu besuchen. Aber nach drei Tagen reicht es mir schon wieder mit traditionellem Dorfleben und Familienanschluss. Diese Geselligkeit ist doch sehr anstrengend, der Speisezettel auch nicht gerade das, was ich gerne mag. Wir haben uns im Kopf bereits von Fidschi verabschiedet und freuen uns auf die vor uns liegende Ozean-Passage.

In der Nacht bläst es ganz ordentlich. Der Schwell lässt uns heftig am Anker schaukeln. Wir können beide nicht gut schlafen, so kurz vor dem Start nach Neuseeland macht sich innere Unruhe breit. Während ich dem Heulen des Windes lausche, kommt mir der Gedanke, dass es vielleicht doch keine so gute Idee war, Sarah mitzunehmen. Das erste Problem wird sein, dass Thomas morgen früh um 6.00 Uhr irgendwie an Land kommen muss, um sie mit dem Dinghi abzuholen. Bei diesen Wellen ist das nicht so einfach, ein Weg gegen den Wind und ohne Außenbord-Motor ist das Frühsport für meinen Mann. Es klappt aber relativ gut. Dann müssen wir noch bei dem Gekabbel das ganze Gepäck über die Reling heben und verstauen. Sarah hat eine Menge Zeug dabei, hauptsächlich Mitbringsel für ihre Mutter und älteste Tochter, die in Suva leben. Da sind zwei große Taschen Palmblättern zum Flechten von Matten, ein ganzer Karton voll mit Räucherfisch, ein schwerer Sack mit Kokosnüssen und eine Plastiktüte mit Seegras, gerade frisch am Strand eingesammelt. Das wird hier gekocht und als Pastete verarbeitet. Wir haben es bisher noch nicht probiert. Für uns gibt es natürlich auch Geschenke : 2 Kürbisse, Brotfrucht und Cassava, dazu noch eine Tüte schöner Muscheln. Nachdem alles seinen Platz gefunden hat, können wir sofort Segel setzen. Nur mit der Genua laufen wir 5 Knoten, später setzen wir noch das Groß mit einem Reff dazu. Alle meine Befürchtungen erweisen sich als unbegründet. Normalerweise nehmen wir auf längeren Passagen nicht gerne Besuch an Bord mit, vor allem nicht, wenn schweres Wetter angesagt ist. Aber Sarah ist da völlig schmerzfrei. Man könnte auch sagen : tiefenentspannt. Am Meer aufgewachsen und größtenteils aus dem Meer lebend hat sie überhaupt kein Problem mit Seegang und Schräglage. Der neue Handy-Akku, den Thomas für 40,- Dollar gekauft hat, erweist sich als Super-Investition. Sarah daddelt eigentlich den ganzen Tag nur im Internet herum und telefoniert mit allen ihren Verwandten, denen aus dem Dorf und auch den weiter entfernt wohnenden. Sehr schön, das hat sich gelohnt, nützliche Geschenke sind doch die besten. Wir passieren die Blue Lagoon, das MantaRay und die Insel Waya. Alles Orte, die wir in den letzten Wochen besucht haben. Nachmittags lässt der Wind deutlich nach, je weiter wir nach Süden kommen, umso ruhiger wird es. Und es ist wieder unerträglich heiß ! Selbst Sarah ist es zu warm im Inneren des Bootes. Sie schwitzt, das haben wir noch nie gesehen. Seit wann schwitzen Fidschianer ? Wir sind auf dem Weg von den Yasawa-Inseln zur Gruppe der Mamanuca-Inseln. Um 15.30 Uhr ist unser Tagesziel Navadra noch weit entfernt, deswegen starten wir den Motor. Tatsächlich schaffen wir es nicht mehr bei Tageslicht und fahren zum ersten Mal bei Dunkelheit innerhalb des Riffgürtels. In diesem Fall ist das kein Problem, weil wir die Bucht gut kennen und bereits drei eigene Ankerpositionen gespeichert haben. Um 19.00 Uhr erreichen wir nach 57,5 Seemeilen Navadra Island, wo bereits zwei andere Segler vor Anker liegen. Von denen sehen wir aber nur die Lichter, denn wir sind die Letzten, die einlaufen und am nächsten Morgen die Ersten, die wieder ankerauf gehen.

Haben wieder eine unruhige Nacht gehabt, die meisten Ankerplätze in Fidschi sind nicht gut geschützt. Um 6.00 Uhr klingelt der Wecker, wir starten sofort auf direktem Kurs Richtung Lautoka. Bereits um 12.00 Uhr kommen wir in der Vuda Marina an und werden in eine sehr enge Lücke am Steg gelotst. Wegen des angekündigten Schlechtwetters ist die Marina voll, aber wir haben zwei mal vorher angerufen und um einen Platz gefragt. Die Walkabout ist wie meistens das kleinste Boot, dafür findet sich fast immer noch ein Plätzchen. Wir sind froh, dass wir hier gut festgemacht liegen und beruhigt abwarten können, was da auf uns zukommt. Ich begleite Sarah mit ihrem vielen Gepäck noch zum Bus, der sie nach Nadi und von dort aus nach Suva bringen wird. Tränenreicher Abschied, denn es wird mindestens 2 Jahre dauern, bis wir uns wiedersehen.


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05.10.2016

Savusavu bis Yadua 01.10. - 04.10.2016

Mit dem ersten Tageslicht sind wir schon wieder unterwegs. Zunächst haben wir den Wind vorlich, später halb. Mit 4-5 Bft. ist das herrliches Segeln für die Walkabout. Kurz nach der Ausfahrt von Savusavu wird unsere Selbststeueranlage eingeklinkt, und " Helferlein " steuert den ganzen Weg zuverlässig. Am späten Vormittag ruckt es kräftig an der Angelrolle. Wir haben einen prächtigen Wahoo am Haken, genau die richtige Größe für uns Beide. Leider bekommen wir ihn nicht an Bord, weil er auf der Luv-Seite angebissen hat und die Reling durch unsere Schräglage ziemlich hoch ist. Der Fisch kann sich befreien und verschwindet in den Tiefen des Pazifiks. Sehr schade, den hätten wir gerne als Filet in der Pfanne gehabt. Stundenlang passiert dann gar nichts mehr, obwohl wir auf beiden Seiten lange Leinen nachschleppen. Direkt vor unserem Ansteuerungspunkt, also kurz vor Feierabend, gibt es einen heftigen Schlag auf unsere dicke Angelrolle. Die Leine ist zum Zerreißen gespannt, zum Glück ist die überdimensioniert und für große Fische gemacht. Hoffentlich kein Hai ! Thomas hat ordentlich damit zu tun, die Schnur einzuholen. Als nur noch wenige Meter fehlen, da sehen wir die Bescherung : ein enormer Barrakuda hängt sicher am Haken. Der ist furchtbar aggressiv, er wehrt sich tüchtig, springt in die Luft und schnappt. Wenn der einen ins Bein beißt, dann fehlt schnell ein Stückchen. Oder die Hand ist ab - je nachdem. Wir haben auf jeden Fall mächtig Respekt vor diesem Monstrum. Thomas zieht seine Schutzhandschuhe an, ich gehe mit nach vorne, um zu assistieren. Ein harter Kampf, der Bursche ist stark. Während sich die Angelleine immer fester um meine Hand wickelt, hat Thomas die rettende Idee : Wir haben noch die Harpune von Rainer an Deck festgezurrt. Ein gezielter Stich, damit hat der Barrakuda verloren und muss nur noch über die Reling an Bord gehievt werden. Inzwischen haben wir mit vielen einheimischen Fischern gesprochen und erfahren, dass die Ciguatera hier auf Fidschi kein Thema ist. Es wird alles gegessen, was aus dem Meer geholt wird. Anscheinend kann man jeden Fisch verzehren, auch die innerhalb des Riffes gefangenen Barrakudas stellen keine Gesundheitsgefährdung dar. Unsere Messung ergibt 12 Kilo Gewicht bei 1,25 Meter Länge. Was sollen wir bloß mit so viel Fisch ? Wir haben doch keinen Kühlschrank. Dieser dicke Fang ist uns zum Glück kurz vor unserem beabsichtigten Ankerplatz an die Angel gegangen. Vor dem Dorf Nabouwalu, wo wir schon einmal gelegen haben, gibt es eine größere Pier, an der meistens Leute sind. Wir bringen das Dinghi ins Wasser, und Thomas paddelt mit dem kompletten Barrakuda an Land. Dort verschenkt er den Riesenfisch an ein paar Einheimische, die sich über das unerwartete Festessen freuen. Ein kleines Schwanzstück bringt er wieder mit zurück zur Walkabout. Immer noch mehr als genug für ein Abendessen. Das war ein richtig toller Segeltag ! Haben 48 Seemeilen zurückgelegt, den Motor überhaupt nicht gebraucht, und morgen haben wir nur noch eine Distanz von 32 Seemeilen bis nach Yadua Island.

Am nächsten Vormittag kommt die Fähre und legt fast neben uns am Steg an. Wir können zuschauen, wie die Menschen aus dem Ort schon früh auf der Pier stehen und auf das Versorgungsschiff warten. Es scheint, als wäre hier ein Treffpunkt und Kommunikationszentrum für das halbe Dorf. Die Ausfahrt von Nabouwalu kennen wir bereits. Die Passage ist eng, aber wir fahren nach unseren eigenen Wegpunkten und haben immer mindestens 7 Meter Wasser unter dem Kiel. Dann geht es in das offene Bligh Water, wo der Wind wegen der Düsenwirkung ordentlich zunimmt. Auch die Wellen werden immer höher. Die Fahrt wird etwas ruppig, aber wir kommen schnell voran. Um 11.00 Uhr erneut Fisch-Alarm, es scheint wieder ein größerer Brocken angebissen zu haben. Beim Einholen der Angel sehen wir einen Yellowfin-Thunfisch, der sich im Wasser dreht und kräftig wehrt. Es glitzert silbern und gelb neben dem Boot, das ist wirklich ein wunderschöner Fisch. Mehrere Versuche, ihn mit der Hand zu packen und an Bord zu holen, scheitern. Unser Yellowfin möchte nicht gegessen werden. Obwohl er zusehends müde wird, kann er sich schließlich entwinden und verabschiedet sich. Wir sind ein wenig enttäuscht, denn diese Art ist echt lecker. Beim Untersuchen der Angel stellt Thomas fest, dass ein Haken vom Köder abgebrochen ist. Also deswegen konnte unser Abendessen entkommen - das nächste Mal dann lieber wieder mit der Harpune bei so einem Kaliber. Ab dem Mittag kommen wir in ein Gebiet mit Stromverwirbelungen. Das Wellenbild ist völlig durcheinander, wir werden ziemlich hin- und hergeworfen. Aber wir lieben diesen handigen Wind, mit dem die Walkabout durchschnittlich 5-6 Knoten läuft. Um 16.00 Uhr kommen wir auf der Westseite der Insel Yadua an und passieren einen Schlepper, der hier vor Anker liegt. Gleich dahinter laufen wir durch eine enge Rinne in die Bucht Cukuvou Harbour ein. Leider sind wir nicht allein, ein Katamaran mit französischer Flagge und ein Segelboot aus der Schweiz liegen an " unserem " Ankerplatz. Ein Beiboot mit drei Arbeitern vom Schlepper fährt kurz nach unserer Ankunft in die Bucht und hält bei jedem Boot an. Auch bei uns kommen sie längsseits und erzählen uns, dass vor drei Wochen hier ein Frachter bei einem Unwetter gesunken ist. Die Unglücksstelle ist zwar mit einer Boje markiert, aber zur Zeit ist Hochwasser und von dem Wrack nur eine winzig kleine Spitze zu sehen, die herausragt. Das gesunkene Schiff soll 50 Meter lang und 1000 Tonnen schwer sein. Umso erstaunlicher ist es, dass man bei dieser Tide nichts davon ahnen kann. Eine Menge Holz-Paletten sind bei der Kenterung über Bord gegangen. Viele davon liegen bereits am Strand, aber es könnten auch noch einige Paletten in der Bucht herumtreiben. Die Männer sind extra gekommen, um uns und die anderen Segler in der Bucht zu warnen. Sie warten auf Material, damit sie mit den Bergungsarbeiten weitermachen können. Wir laden sie zum Kaffee auf die Walkabout ein, aber anscheinend dürfen sie nicht so lange wegbleiben. " Müssen den Chef fragen. " Sie kommen nicht wieder, müssen wahrscheinlich auf dem Schlepper arbeiten. Inzwischen ist der Wind so stark, dass wir das Boot nicht alleine lassen möchten. Wir liegen auf 16 Meter Tiefe mit 60 Meter Kette und trauen dem Ankergrund noch nicht so richtig. In einer Stunde wird es dunkel, deswegen verschieben wir den Landgang auf den nächsten Tag.

Um Viertel nach acht starten wir bereits unsere erste Insel-Erkundung. Vom Strand aus gibt es einen Weg, der offensichtlich öfter begangen wird. Seitlich zweigen immer wieder schmale Pfade nach links und rechts ab. Vielleicht haben die Bewohner des Dorfes auf der Ostseite hier ihre Plantagen. Der Hurricane im Februar ist an Yadua wohl eher gnädig vorbeigezogen. Die Vegetation sieht intakt aus, selbst die hohen Kokospalmen scheinen unbeschädigt zu sein. Zum Frühstück unterwegs gibt es frisch geschlagenen Kokosnuss-Kern. Später werden wir noch einige Nüsse mit jungen Trieben mit auf unser Boot nehmen, aber erstmal möchten wir ohne Ballast aufsteigen. Eine relativ breite Spur führt uns auf dem Grat über mehrere kleine Hügel. Von oben haben wir zu beiden Seiten schöne Aussicht auf unsere Ankerbucht sowie auf die " verbotene " Insel Yadua Taba. Dieses an der südwestlichen Ecke vorgelagerte Eiland steht seit 1980 unter Naturschutz. Dort wurde 1979 der " Crested Iguana " gefunden, eine auf Fidschi endemische Echsenart, die nur noch auf 10 der mehr als 300 Inseln überlebt hat. In unserem Cruising Permit ist Yadua Taba nicht mit eingeschlossen, also " Betreten streng verboten ". Wir laufen über die Hügelkette bis zu einem kleinen Turm mit Solarpaneele drauf. Das wird ein Leitsignal für die Schiffe sein. Wir vermeiden es allerdings strikt, während der Dunkelheit in Riffgebieten unterwegs zu sein. Ansonsten sehen wir keine Hütten oder Unterstände, nur tropischen Regenwald. Das einzige Dorf ist weit entfernt, es gibt auf Yadua keine Resorts, kein Handy-Signal und kein Internet. Nach einer 4-stündigen Wanderung sind wir zurück am Strand. Bei ablaufendem Wasser paddeln wir zum Schiffswrack und schauen uns den havarierten Frachter aus der Nähe an. Der liegt komplett auf der Seite und ist mit armdicken Trossen zum Land hin gesichert. An vier verschiedenen Felsen sind die Leinen mit Gurtbändern verstärkt festgebunden.  Dabei wurden Schäkel von enormen Ausmaßen verwendet, ca. 50 Zentimeter Durchmesser, um die Trossen um die Klippen zu befestigen. Das Wrack wird sich zu keiner Seite mehr bewegen, bis die Bergungsarbeiten abgeschlossen sind. Zum Glück scheint nichts ausgelaufen zu sein, das Wasser ringsum und in der ganzen Bucht ist so sauber, wie es sein sollte. Die Mittagssonne brät, obwohl es zunächst bewölkt aussah. Ich mache noch einen weiteren Landausflug und wandere bei Niedrigwasser um die Klippen herum bis zu einem benachbarten Sandstrand. Thomas beschäftigt sich mit dem Wetter, denn ein dickes Tiefdruckgebiet zieht von Neuseeland herauf. Wir müssen eventuell unsere Pläne ändern. Die äußeren Inseln sind bestimmt kein guter Platz, um eine Schlechtwetter-Front abzuwarten. Wir überlegen nun, ob wir uns lieber in den Schutz einer Marina verkrümeln, anstatt uns bei der nördlichsten Yasawa-Insel dem Wind und Schwell auszusetzen.

Neueste Wetter-Informationen und Gespräche mit den anderen Seglern haben ergeben, dass es wahrscheinlich erst  ab dem Wochenende ungemütlich wird. Deswegen halten wir an unserem ursprünglichen Plan fest, werden noch einen weiteren Tag auf Yadua verbringen und morgen dann sehr früh Richtung Yasawa-I-Rara starten. Eine kleine Kletterpartie bringt uns zu einem Pfad, der auf die andere Seite der Insel führt. Dort finden wir einen weiteren Sandstrand und unzählige Kokospalmen voller Früchte. Heute haben wir unsere Machete dabei und pflücken einige Nüsse zum Mitnehmen. Mit vollgepacktem Rucksack wandern wir entlang der Küste um das Südende herum. Jetzt, 2 Stunden vor Niedrigwasser, könnte man ganz leicht zur verbotenen Insel Yadua Taba hinüber laufen. Stattdessen machen wir eine Exkursion auf den gerade trocken liegenden Klippen und finden viele schöne Muscheln und Korallenstücke. Die können wir unmöglich alle mitnehmen, da muss man unbedingt nochmal aussortieren. Wir beenden unsere halbe Insel-Umrundung beim Dinghi, wo Flossen und Schnorchel auf uns warten. Hier an der Riffkante sieht es aus wie in einem Unterwasser-Garten. Da wachsen riesige Gebilde in Form von Blumen, Pilzen, Sträuchern. So eine Vielfalt von verschiedenen Korallen-Formationen haben wir noch nirgends gesehen. Hunderte von kleinen bunten Zierfischen schwimmen durch diese bizarre Unterwasserwelt. In Bodennähe gibt es aber auch etliche dicke Brocken, die auf dem sandigen Grund nach Nahrung suchen. Heute ist das Wasser etwas trübe, weil wir viel Wind und Wellen haben. Aber trotzdem hat sich dieser Schnorchelgang absolut gelohnt. Yadua wird bei ruhigen Bedingungen einer der besten Plätze für Exkursionen unter Wasser sein. Am Nachmittag läuft ein roter Katamaran mit Schweizer Flagge ein. Den " Red Harlekin " kennen wir schon aus Savusavu, wo wir uns bereits kurz mit Erwin unterhalten haben. Die haben dasselbe Ziel wie wir, so dass ein Treffen auf den Yasawas sehr wahrscheinlich ist.


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29.09.2016

Viani Bay bis Savusavu 27.09. - 30.09.2016

Einen herzlichen Dank an die Betreiber des Paradise Taveuni Resorts. Unsere Rechnung für Getränke und Brot fällt um etwa 40,- Dollar niedriger aus als erwartet. Eigentlich zahlen wir nur ungefähr die Hälfte von dem, was wir gedacht hatten, obwohl die Chefin selbst die Rechnung erstellt. Kann das denn alles der " Happy Hour "- Bonus sein ? Nein, wahrscheinlich sind Allan und Terri sehr sozial eingestellt. Die wissen, dass wir als Segler kein dickes Portemonnaie besitzen und haben uns andere Beträge berechnet als auf der Preisliste für die 4-Sterne-Gäste stehen. Sehr nett - wir freuen uns.
Von Taveuni möchten wir hinüber zur zweitgrößten Insel Vanua Levu. Nur drei Stunden nach unserem Start erreichen wir die Viani Bay, welche uns von anderen Seglern empfohlen worden war. Eine idyllische Bucht, gut geschützt zwischen Bergen. Aber das Wasser ist überall tief, zwischendrin liegen Felsen. Es dauert lange, bis wir einen akzeptablen Platz in 18 Meter Tiefe gefunden haben und unser Anker endlich greift. Das hatten wir uns besser vorgestellt. Solche Empfehlungen von anderen Menschen sind ja immer sehr subjektiv. Wir liegen schön ruhig in der Viani Bay, was nach dem gestrigen Schwell und Gerumpel natürlich total angenehm ist. Aber es scheint hier auch ein bisschen langweilig zu sein. Das Ufer sieht nicht besonders einladend aus, kein Sandstrand, sondern man sieht nur dichte Mangroven ringsum. Wir unternehmen eine kleine Exkursion mit dem Dinghi in die angrenzende kleine Bucht. Da gibt es ein winziges Stück Strand, wo wir kurz an Land gehen. Weiterlaufen ins Inselinnere scheint unmöglich zu sein.  Es gibt keinen Pfad, nur dichte Vegetation, die uns nicht durchlässt. Nach 10 Minuten schon ist der Spaziergang beendet. Zurück zum Boot wird es dann doch noch ganz interessant. Wir haben gerade Hochwasser, und Thomas sucht sich einen Weg nahe am Ufer zwischen den Mangroven hindurch. Das geht wahrscheinlich nur gerade zu dieser Stunde, ohne auf dem Grund festzusitzen. Mit einem schwereren Dinghi oder mit Außenbord-Motor wäre es unmöglich, sich durch die Büsche und Wurzeln zu manövrieren. Bereits seit einer Woche sind wir nun auf der Wolken-Wind-Regen-Seite unterwegs, hatten aber immer nur gnadenlose Sonne. Am späten Nachmittag fängt es endlich einmal an zu regnen. Nur eine halbe Stunde lang, kurz und heftig, aber es tut so gut ! Thomas reinigt  im Regen schon mal eine Seite vom Unterwasser-Schiff. Für Neuseeland muss das sauber sein, und so lange dauert das nun gar nicht mehr. Mit Beginn der Dämmerung werden wir im Boot von kleinen Krabbeltieren heimgesucht. Zuerst kitzelt es nur hier und da, wir denken uns noch nichts Böses dabei und klatschen einfach drauf. Ein Blick zur weißen Decke lässt uns dann aber schnell aufspringen und alle Zugänge mit Moskitonetzen abhängen. Da tummeln sich sicherlich 20 fliegende Ameisen ums Licht herum, und anscheinend werden es jede Minute mehr. Mit unserem elektrischen Mückenschläger und dank der Netze bekommen wir die lästigen Viecher jedoch zum Glück bald in den Griff.
Eng mit der Empfehlung für die Viani Bay verknüpft ist der Name " Jack ". Das ist ein Einheimischer, der irgendwo in der Nähe wohnt und sich supergut auskennen soll in der Gegend. Uns wurde gesagt, Jack kommt zu den Booten, um sich vorzustellen und seine Dienste anzubieten. So soll man z.B. für 10,- Dollar pro Nase von ihm zu den besten Schnorchel- und Tauchplätzen gebracht werden. 
Das hörte sich richtig gut an, aber heute bekommen wir keinen Besuch von Jack, obwohl wir schon seit 14.00 Uhr da sind. Vielleicht ist er gar nicht zu Hause oder hat gerade keine Zeit für Segler-Unterhaltungsprogramm. Der Wetterbericht kündigt für morgen dichte Bewölkung an, für übermorgen schlechtes Wetter und viel Wind. Da kann man dann sowieso nicht schön schnorcheln, weil das Sonnenlicht fehlt. Deswegen beschließen wir, einfach weiter zu fahren nach Savusavu, obwohl wir liebend gerne mit Jack zum berühmten Rainbow Reef hinausgefahren wären.

Aufstehen um 5.45 Uhr - das wird ja immer früher. Aber wir hatten eine ausgezeichnete Nachtruhe. Die Viani Bay liegt frühmorgens still und malerisch da. Der Himmel ist bedeckt, wie angekündigt. Das macht den Abschied leichter. Heute haben wir uns eine lange Strecke vorgenommen. Dafür wartet dann am Abend eine Dusche und die leckere Copra Shed-Pizza auf uns. Wir sind anscheinend mal wieder alleine unterwegs. Thomas sieht, wie sich eine lange Wasserschlange davonmacht. Das ist eine der giftigen schwarz-weiß-geringelten Seeschlangen, denen wir lieber nicht begegnen möchten. Und dann, in der Mitte des Vormittags, haben wir ein ganz besonderes Erlebnis : Vor unserem Boot und neben uns brodelt das Meer. Da sitzen Seevögel auf den Wellen, tauchen ein und flattern wieder auf. Große Fische springen heraus, fliegen ein Stück durch die Luft und klatschen zurück in das Wasser. Dann stockt uns fast der Atem, denn ein riesiger dunkler Schatten nähert sich der Walkabout. Als das Ding direkt neben unserem Heck näher an die Oberfläche kommt, da können wir es als Walhai identifizieren. Dieser hat ungefähr eine Länge von 7 Metern, was neben unserem Boot von 9,30 Metern schon ganz gewaltig aussieht. Walhaie sind die größten lebenden Fische der Welt und gehören zu den gefährdeten Arten. Sie ernähren sich von Plankton, welches sie aus dem Oberflächen-Wasser filtern, und kleinen Fischen. Aber damit nicht genug ..... Um den Walhai herum, beinahe unter uns, kann man deutlich drei große Haie erkennen. Das sind die Räuber, vor denen die Fische fliehen, und deswegen schäumt das Meer um uns herum so gewaltig. Das Schauspiel dauert etwa eine Viertelstunde, dann ist nichts mehr zu sehen und das Wasser wieder beinahe glatt. Eine tolle Vorführung, an der Vögel, fliegende Fische, Haie und ein Walhai beteiligt waren. Faszinierend - nun sind wir schon seit 5 Jahren unterwegs, aber so etwas haben wir vorher noch nie gesehen. 
Bei der Annäherung von Savusavu ist der Himmel gritzegrau, und wir bekommen richtig Regen ab. Gute Entscheidung, nicht auf Schnorcheln zu spekulieren, sondern lieber das Schlechtwetter in der Stadt auszusitzen. Nach knapp 50 Seemeilen kommen wir gegen 16.30 Uhr in der Copra Shed Marina an. Hier haben wir nach unserem 3-Wochen-Törn von Neuseeland nach Fidschi am 7. Juli einklariert. Erster Erkundungsgang durch den Ort zeigt, dass sich seitdem nichts verändert hat. Abends sitzen wir gemütlich bei Pizza und Bier im Trockenen, während draußen ein heftiger tropischer Regenguss herniedergeht.


An der Rezeption werden wir von den indischen Mädels freundlich begrüßt. Auch der Arbeiter, dem Thomas im Juli unsere alte Gasflasche geschenkt hatte, kennt uns noch mit Namen. " Welcome back !" Bob, der ein vom Hurricane beschädigtes Segelboot wieder herrichtet, lebt immer noch in der Marina. Er hat tatsächlich die Wantenspanner eingebaut, die Thomas ihm gegeben hat. Jonny, der Mann ohne Beine, sitzt noch jeden Tag mit seinem Rollstuhl im Schatten eines Baumes vor dem Eingang zum Yachtclub. Er wartet auf Kundschaft, die ihm seine " original handgefertigten " Schmuckstücke abkaufen. Wir haben bereits bei unserem ersten Aufenthalt eine Kette von Jonny gekauft. Da wir uns damals gelegentlich mit ihm unterhalten haben, behandelt er uns nun wie alte Bekannte und erzählt von seinen Verwandten, die auf Koro Island durch den Hurricane alles verloren haben. Ob wir nicht etwas spenden können ? Unsere Schneiderin fährt im Auto vorbei, lehnt sich weit aus dem Fenster, ruft und winkt wie verrückt. Auch sie erkennt uns wieder und freut sich, obwohl wir nur unsere Polster bei ihr haben ändern lassen. Wir treffen unseren Taxifahrer Mahendra, mit dem wir von Savusavu aus im Juli einen Tagesausflug unternommen haben. Der weiß sogar noch, dass wir aus Deutschland kommen. Schließlich begegne ich sogar dem stämmigen Einheimischen, der seinerzeit mit uns die ( viel zu teure ) Führung durch den Botanischen Garten gemacht hat. Savusavu ist eine Kleinstadt, in der man wiedererkannt wird, wenn man zum zweiten Mal in der Saison aufkreuzt. Irgendwie ist es ja ganz nett, aber wir haben auch schnell genug vom Staub, der Hitze, der Geräuschkulisse. Viel lieber möchten wir zu abgelegenen Inseln mit schönen Stränden segeln. Deswegen erledigen wir unser Zeug so schnell wie möglich. Nach zwei Tagen schon sind wir wieder abfahrbereit. Wir sind den gesammelten Müll losgeworden, haben 70 Liter Diesel getankt, die Wassertanks sind voll. Auf dem Markt kaufen wir reichlich frischen Proviant für die nächste Etappe. Es gibt jetzt ein deutlich größeres Angebot als im Juli, die Pflanzen sind nachgewachsen, und die neue Ernte ist reif. Das macht sich auch an den freundlicheren Preisen bemerkbar. Es gibt sogar essbare Bananen, die man für vernünftiges Geld laufen kann. Thomas verschenkt mehrere Tüten mit Schraubenschlüsseln, Schrauben, Muttern etc. an einen Marina-Angestellten. Der Nachtwächter freut sich darüber, dass wir ihm mehrere Kochtöpfe überlassen. Die haben wir nun schon eine Weile spazieren gefahren. Auf  unseren neuen Herd passen sie nicht, für unsere Freunde in Yasawa-I-Rara sind die Töpfe unbrauchbar, weil dort nur auf dem offenen Feuer gekocht wird. Wir wechseln die untere Leiste an unserem Dinghi aus. Die Original-Leiste war schon ziemlich durchgescheuert, weil wir nicht gerade zimperlich sind und unser Beiboot öfter mal über Felsen schrappelt. Das neue Ersatzteil ist ein Geschenk der Pacifico, die ebenfalls mit einem Banana-Dinghi paddelt. Sehr gute Idee ! Die neue Leiste wurde von Hermann sogar passgenau zugeschnitten, Arbeitsanleitung gab es gratis dazu. Vielen Dank ! In der Coprashed Marina zahlen wir mit unserer kleinen Walkabout 54,- Fidschi-Dollar für drei Nächte bequem am Steg, das sind nur ungefähr 8,- Euro pro Tag. Dann folgt noch ein Gang zum Vodafone-Kiosk, wo wir unser Internet ein letztes Mal für weitere 30 Tage aufladen. Und dank der fast ständigen Verfügbarkeit von Fidschi- Internet macht unsere neue Homepage deutliche Fortschritte. Demnächst sind unsere verschiedenen Reise-Abschnitte alle in einem Blog zusammengefügt und sortiert. 


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28.09.2016

Taveuni 24.09. - 27.09.2016

Um 6.15 Uhr binden wir uns von der Mooring los und fahren los in Richtung Taveuni. Zunächst praktizieren wir " Amerikanisches Segeln ", d. h wir lassen den Motor zur Unterstützung mitlaufen. Der Wind ist zu schwach und kommt zu sehr von vorne. Ohne die Maschine sind wir so langsam, dass wir diese Etappe nicht bei Tageslicht schaffen würden. Mittags in der offenen Koro Sea wird der Wind kräftiger und kommt aus süd-östlicher Richtung. So können wir endlich mal wieder mit vollem Groß und Genua richtig schön segeln. Die Walkabout liegt ordentlich auf der Seite, Bewegungen wie auf hoher See. Das hatten wir schon länger nicht mehr, dass man innen alles sicher verstauen muss. Bereits um 16.00 Uhr haben wir 42 Seemeilen zurückgelegt und erreichen das Paradise Taveuni Resort. Wir werden über Funk nett begrüßt und dürfen an einer der vier Mooring-Bojen festmachen, die uns kostenlos angeboten wird. Dafür wird es natürlich gerne gesehen, wenn wir etwas verzehren. Das 4-Sterne-Resort ist nicht gerade unsere Preisklasse, deswegen können wir uns nicht zum Abendessen an einen der romantisch eingedeckten Tische setzen. Aber für ein paar Bier und eine Cola reicht es, außerdem bestellen wir ein Brot, das wir am nächsten Morgen frisch gebacken abholen können. 


Sonntag kann man nicht viel ausrichten in Fidschi, da ist alles geschlossen, und es fahren keine Busse. Morgens paddeln wir zu einem nahe gelegenen Strand, an dem ein paar Einheimische plantschen und picknicken. Schwarzer Sand mit Steinen - das ist der sogenannte " Sandy Beach ". Es ist nicht gerade das, was wir uns unter einem schönen Strand vorstellen. Aber wir gehen natürlich  ins Wasser, welches total klar ist. Beim Schnorcheln stellen wir fest, dass auch die Unterwasser-Welt erfreulich sauber ist. Kein Müll zu sehen, nur viele kleine Fische. Man kommt sich vor wie in einem Aquarium, denn diese bunten Zierfische kann man in deutschen Zoohandlungen kaufen. 
Auch um die Walkabout herum haben wir herrliches Wasser. Unter uns sind 20 Meter Tiefe, hier ist der Sand hell, und man kann bis auf den Grund sehen. Nachmittags springen wir nochmal vom Boot aus ins Wasser und erkunden die Küstenlinie entlang der Felsen. Hier gibt es ganz andere Fische zu sehen, auch einige dicke Brocken sind dabei. Wir entdecken Schwärme von bis zu 100 Exemplaren, die immer ganz dicht beieinander bleiben. Etwas weiter entfernt vom Resort finden wir Felsen, die mit leuchtend bunten Korallen besetzt sind. Die Sonne steht gerade hoch am Himmel, einzelne Strahlen bringen die zarten Korallengebilde richtig zum Funkeln. So etwas Tolles haben wir beim Schnorcheln bisher noch nie gesehen, noch nicht einmal im Coral Garden. Und leider wieder keine Unterwasser-Kamera dabei.....
Am Abend treffen wir uns zur Happy Hour mit den jungen Leuten vom Nachbarboot. Jessie und Neil von " The Red Thread " kommen aus Seattle in den USA. Sie waren uns bereits am Nachmittag sehr angenehm aufgefallen, weil sie einheimische Kinder auf ihrem Boot zum Spielen hatten. Voll cool, ein total nettes Paar, von dem wir uns aber leider gleich wieder verabschieden müssen. 

Montag haben wir uns einen spannenden Ausflug auf die andere Seite der Insel vorgenommen. Der Bus um 6.30 Uhr ist total überfüllt. Eine Stunde Stehplatz, eingequetscht zwischen Arbeitern, die in den nächsten Ort müssen. Morgens um 8.00 Uhr erreichen wir die kleine Stadt Naqara, wo es einige Geschäfte, ein paar Marktstände und sogar einen Geldautomaten gibt. Weiter geht es erst eine Stunde später, deswegen suchen wir uns eine Bude, wo wir Frühstück bekommen. Es gibt mit Gemüse gefülltes Roti, das sind dünne Pfannkuchen. Eher ungewöhnlich um diese Zeit, aber tatsächlich so lecker, dass wir eine zweite Lage bestellen. Dazu gibt es einen Pott Kaffee. Wir zahlen am Ende zusammen 7,- Fidschi-Dollar, das sind etwas über 3,- Euro. Weiter geht die holprige Fahrt im offenen Bus über staubige Straßen, zunächst die Westküste hinauf, dann um den Nordzipfel herum und auf der Ostseite wieder hinunter. Ganz nah entlang der Küste können wir uns gar nicht sattsehen an der Landschaft. Taveuni kommt uns vor wie ein großer grüner Garten. Die Insel ist vulkanischen Ursprungs und wegen der ergiebigen Regenfälle sehr fruchtbar. Je weiter wir nach Norden kommen, umso mehr Wasserläufe haben wir auf wackeligen Holzbrücken zu überqueren. Frauen waschen ihre Wäsche im sauberen Wasser der Flüsse. Aus dem offenen Bus heraus sehen wir immer noch viele der blauen Zelte, die von China nach dem Hurricane als Erste-Hilfe-Leistung gespendet wurden. Dazu fällt uns mal wieder der Spruch ein : " Nichts hält so lange wie ein Provisorium." Mit insgesamt 470 qkm ist Taveuni die drittgrößte der Fidschi-Inseln. Im Jahre 1990 wurde der Bouma National Heritage Park zum Schutze der tropischen Vögel und Pflanzen gegründet. Der Nationalpark umfasst heute 80 % der Gesamtfläche. Eigentlich hatten wir geplant, den Coastal Walk zu laufen, der in Lavena startet und zu irgendwelchen Wasserfällen führen soll. Um 12.30 Uhr erreichen wir die Endstation, sind jetzt immerhin schon seit 5 Stunden unterwegs. Leider müssen wir feststellen, dass unsere Planung nicht besonders gut war. Der Coastal Walk ist mit 3-4 Stunden veranschlagt. Das würde man gar nicht an einem Tag schaffen, wenn man den einzigen Bus zurück um 14.00 Uhr bekommen möchte. Und heute, am Montag, fährt gar kein Bus mehr von Lavena - nur Dienstag, Mittwoch und Samstag. Warum, das weiß Keiner so genau und erscheint uns auch nicht wirklich logisch. Wie gut, dass Thomas den Busfahrer  beim Aussteigen gefragt hat .... und wie gut, dass der offensichtlich den Fahrplan kennt ! Außerdem erfahren wir, dass unser Ausflug uns zu den Wainibau Waterfalls bringen würde. Wir haben eigentlich vorgehabt, die Tavoro Falls zu besichtigen ..... also ganz andere Wasserfälle, an deren Abzweiger der Bus mit uns vorbeigefahren ist. Und wir haben unser Zelt nicht dabei, können deswegen auch nicht spontan über Nacht irgendwo bleiben. Passt gerade alles nicht so richtig, wir hätten uns besser vorbereiten sollen. Hinzu kommt, dass wir nicht damit gerechnet haben, dass der Hinweg so lange dauern würde.
Unsere heutige Expedition hat schon wieder etwas von " Müller-Reisen ". Was nun ? Wir springen in Lavena gleich wieder in den Bus und lassen uns dorthin zurückbringen, wo die Wanderung zu den Tavoro Falls losgeht. Gegenüber gibt es ein Visitor Center, in dem wir 30,- Dollar pro Person entrichten müssen. Das ist ein unverschämt hohes Eintrittsgeld, gemessen an dem, was ein Arbeiter hier verdient. Eigentlich sind wir gar nicht bereit, diesen Preis zu zahlen, aber bei dieser ewig langen Anreise wollen wir auch nicht unverrichteter Dinge wieder umkehren. Um 14.00 Uhr fährt der einzige Bus zurück, da haben wir nun gerade mal 2 Stunden Zeit. Die Dame im Visitor Center meint, dass wir es nur bis zur ersten Ebene schaffen können. Der Bouma-Fall soll mit 24 Metern der höchste Wasserfall in ganz Fidschi sein. Von Jessie und Neil wissen wir, dass sie in dieser Zeit den zweiten Wasserfall erreicht haben. Wir sind immer noch bestens im Form und brauchen nur eine gute halbe Stunde bis dorthin. Trotz steiler Aufstiege, rutschigen Abschnitten, Fluss-Durchquerung und einiger Seil-Passagen ..... Der Tavoro Waterfall Track ist von den Eintrittsgeldern so gut gepflegt für die wandernden Touristen, dass es uns direkt lächerlich vorkommt. Am Liebsten würden wir den Pfad rennen, so sicher fühlen wir uns auf dem Weg, und so einfach ist das Klettern ohne 12-Kilo Rucksack auf dem Rücken. Wir setzen uns ein Zeitlimit und folgen dem immer steiler werdenden Track bis zum dritten Wasserfall. Etwas matschig ist der letzte Abschnitt, aber immer noch schnell zu bewältigen. Braune Frösche springen herum, einmal wäre ich fast darauf getreten. Und Krebse laufen über den Weg, die sind hier lila und ziemlich fix unterwegs. Oben bei der letzten Ebene haben wir immer noch genug Zeit für ein kurzes Bad zur Abkühlung. Dann treten wir zügig den Rückweg an, machen sogar noch eine kleine Pause an einer Aussichtsplattform mit Blick bis nach Vanua Levu. Pünktlich um kurz vor 14.00 Uhr stehen wir wieder an der Straße und freuen uns darüber, dass wir tatsächlich alle drei Wasserfälle geschafft haben, wenn auch nur im Schnelldurchlauf. Das gute Gefühl dauert nicht lange an, denn nun kommt die Dame aus dem Visitor Center, um uns zu erzählen, dass der Bus gar nicht hier abfährt. Wir sollen ungefähr 10 Minuten bis zum nächsten Dorf laufen, dann noch ein Stück darüber hinaus bis zu einem Strand. Da wäre die Haltestelle für den Bus - wohlgemerkt den einzigen und letzten für heute. Wir können es nicht fassen ! Warum hat die doofe Tussi das nicht vorhin gesagt, als wir uns darüber unterhalten haben ? Und wieso hat der Busfahrer das nicht erwähnt ? Wir befinden uns ziemlich genau am ganz anderen Ende dieser großen Insel und haben kein Uebernachtungsgepaeck dabei. Taxi dürfte sehr teuer werden, falls die überhaupt soweit fahren. Zimmervermietung gibt es in den Dörfern nicht. Egal, wir müssen uns sputen und laufen zügig bis zum genannten Dorf, wo wir den Bus anhalten, der hier gerade drehen möchte. Puh - geschafft ! Nun fahren wir sogar " Express " und sind nach etwas mehr als einer Stunde in Naqara. Mit Sitzplatz und bei Hochwasser holpern wir nur etwa einem Meter am Meer entlang, so ist die Rückfahrt ein richtiger Genuss. Schon allein dafür hat sich der Umstand und das Fahrgeld gelohnt. An der Westküste zurück haben wir über eine Stunde Zeit beim Umsteigen. Es ist gerade Schulschluss, ein buntes Treiben herrscht auf der Hauptstraße. Unsere Roti-Bude vom Vormittag hat leider schon geschlossen, aber wir finden einen indischen Imbiss, wo wir uns mit einem leckeren Nudel-Hühnchen-Gericht stärken. Kommen an der Bushaltestelle mit einer Fidschianerin ins Gespräch, die vier Jahre in Schweden gelebt hat und dann in ihre Heimat zurückgekehrt ist. Das ist ja krass - viel unterschiedlichere Welten gibt es fast gar nicht. Der nächste Klapperbus ist wieder bis zum Bersten voll mit Arbeitern, die nach Hause möchten. Um 18.15 Uhr erreichen wir dreckig und zerknautscht das Paradise Taveuni Resort. Insgesamt waren wir volle 12 Stunden unterwegs, davon 10 Stunden im Bus oder Wartezeit beim Umsteigen, gerade mal 2 Stunden des Tages sind wir im Nationalpark gerannt. In unserer Bucht ist es windig, Wellen laufen bis zur Rampe, an der wir das Dinghi zu Wasser lassen. Die Paddelstrecke im Dunkeln ist abenteuerlich, an Bord kommen schwierig, und ein heftiger Schwell lässt die Walkabout an der Mooring bocken. Nicht besonders gemütlich, aber wir sind ziemlich geschafft. Nur noch kurz den Staub abwaschen, Essen aufwärmen, und es geht früh ab in die Koje.

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24.09.2016

Makogai bis Koro Island 21. - 24.09.2016

Von der Insel Ovalau bis zur Insel Makogai benötigen wir nur einen halben Tag. Seit dem Start von der Vuda Marina waren wir ziemlich alleine auf dem Wasser - keine anderen Segler, kein Kreuzfahrer, noch nicht einmal den gelben Yasawa-Hopper haben wir gesehen. Anscheinend sind wir mal wieder abseits der herkömmlichen Routen unterwegs. Heute bekommen wir Gesellschaft, ein größeres Segelboot aus der Schweiz läuft gleichzeitig mit uns in die Dalice Bay ein. Der Eigner Feri ist mit seinem türkischen Bootsmann Deniz an Bord der " Alamic ". Er kommt auch sogleich vorbei, um sich vorzustellen und erzählt uns, dass er bereits seit 3 Jahren nur in Fidschi und Tonga unterwegs ist. Sein Boot wird immer sechs Monate in der Vuda Marina gelagert, damit  er zur Hurricane-Saison heimfliegen kann. Seine Frau mag nicht segeln - wie gut haben wir es, dass wir alles gemeinsam erleben !
Die Insel Makogai hat eine Gesamtflaeche von nur 8,4 qkm und befindet sich in staatlichem Besitz. Es gibt kein Resort, wahrscheinlich ist es für Investoren nicht attraktiv genug dort. Kein schöner Sandstrand, kein Internet, zu weit entfernt von der Hauptinsel mit ihren Antennen. Das Wasser ist schön klar und von tiefblauer Farbe. Bei der Einfahrt in die Bucht konnten wir den Grund bei 30 Meter Wassertiefe sehen. An Land sieht es nach geschäftigem Treiben aus, hier wird wohl richtig gearbeitet. Rohre, Steine und anderes Baumaterial, Rasenmäher und sogar ein Bagger stehen herum. Als erste Pflicht steht der Besuch des Oberhauptes auf dem Programm.Wir kommen wohl gerade zur Mittagspause, etwa ein Dutzend Männer sitzen und liegen im Schatten. Thomas fragt nach dem Boss, der uns sogleich in ein festes Haus nebenan führt. Uns werden sogar Stühle hingestellt, drei weitere Männer sitzen beim Chef und wohnen der Sevusevu-Zeremonie bei. Wir überreichen unser Kava-Bündel, gesenkte Köpfe, gemurmelte Worte, drei mal in die Hände klatschen ..... unsere Sevusevu-Gabe wird akzeptiert. Wir bekommen die Erlaubnis, überall auf der Insel herumstreifen zu dürfen, das Dorf zu besuchen, zum Schwimmen und Schnorcheln. So einfach ist das. Was uns zu Beginn unser Fidschi-Zeit sehr komisch und unangenehm war, das gefällt uns nun immer besser. Wenn man die traditionellen Bräuche einhält und mitspielt, dann wird man auch an den weit abgelegenen Plätzen sehr freundlich empfangen und bekommt sozusagen eine Eintrittskarte in die Dorf-Gemeinschaft. Wenn der offizielle Teil erledigt ist, dann darf man natürlich auch Fragen stellen und erfährt so einiges Wissenswerte über die Geschichte und Struktur des Ortes. Im Dorf Makogai auf der anderen Seite der Insel leben zur Zeit 8 Familien mit insgesamt 40 Personen. Das ist ja schön übersichtlich. Nach unserer Kava-Prozedur erkunden wir zunächst ein vorgelagertes Inselchen, das eine Stunde vor Niedrigwasser gerade zu Fuß erreichbar ist. Wir finden eine superschöne Muschel, 25 Zentimeter lang und unversehrt liegt sie da am Strand. Kein Bewohner im Inneren, deswegen nehmen wir sie mit. Es handelt sich um eine Tritons Trumpet Shell, die nicht ausgeführt oder gehandelt werden darf. Mal sehen, was wir damit machen und ob wir diese Muschel im Reisegepäck nach Deutschland bekommen. Im seichten Wasser zwischen den Klippen schwimmt eine kleine Seeschlange irrsinnig schnell zwischen den Ritzen hindurch. Vorsichtig - die sind giftig ! In der Nähe der Arbeiter-Kolonne finden wir eine riesige Giant Shell, die sicherlich mehr als 50 Zentimeter Durchmesser hat. Das ist hier ganz normal, denn auf Makogai wurden diese Riesenmuscheln in speziellen Tanks gezüchtet, um sie später in der Natur auszusetzen. Im Moment gibt es leider keine Aufzuchtbecken, weil der Hurricane sie zerstört hat. Die fleißigen Männer haben bereits etliche neue Beton-Becken gebaut, darüber Strohdächer als Sonnenschutz. Zur Zeit arbeiten sie an der Be- und Entwässerung, indem sie Rohre zu den Tanks verlegen. Früher sollen hier auch kranke Schildkröten gepflegt und aufgepäppelt worden sein, bevor sie gesund wieder in die Natur entlassen wurden. Aber im Moment gibt es nichts Spannendes zu sehen, kein Wasser und keine Meerestiere in den Becken. Makogai ist seit jeher in staatlicher Hand gewesen und ein Ort mit Geschichte. In früheren Zeiten war hier eine Lepra-Kolonie angesiedelt. 5000 kranke Menschen lebten im Nordzipfel der Insel und ernährten sich von dem, was selber angebaut wurde. Die ehemaligen Plantagen sind verwildert, aber ein Weg führt zu den Ruinen der ehemaligen Lepra-Station. Das muss eine richtige Stadt gewesen sein mit großen Gebäuden aus massivem Stein. Die Grundmauern der Häuser sind noch gut erhalten, links und rechts des Weges stehen verfallene Gemeinschaftseinrichtungen und Sanitäranlagen. Ganz am Ende befindet sich der Friedhof mit Grabstätten aus Beton und Steinkreuzen in mehreren Reihen. Alles ist verwildert und zugewachsen, grüne Ranken verschlingen fast die Gräber. Auf manchen Tafeln sind die Inschriften noch gut lesbar. Die ganze Atmosphäre hat etwas sehr Bedrückendes. Für den ersten Tag reicht es uns an Geschichte, wir paddeln zurück zum Boot und kramen einige Sachen aus den Ecken, die wir morgen in der Schule abgeben möchten.
Das Dorf liegt eine gute Stunde Fußmarsch entfernt über die Hügel. Auf einem Gipfel gab es bis vor einem Jahr noch eine Walbeobachtungs-Station. Davon ist nun nichts mehr zu erkennen, die wurde wohl vom Sturm zerstört. In der Dalice Bay, wo wir vor Anker liegen, sollen erst vor einer Woche vier Buckelwale geschwommen sein. Das haben uns die Männer gestern beim Kava erzählt. Also, wenn wir lange genug bleiben, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass wir Wale aus nächster Nähe sehen. Bereits auf dem Weg zum Dorf fällt auf, dass der Hurricane im Februar auf dieser Insel besonders schlimm gewütet hat. Umgestürzte Bäume und Kleinholz überall, die Kokospalmen sehen total gerupft und verbogen aus.  Der erste Blick auf die Häuser-Ansammlung zeigt, dass noch längst nicht alle Schäden beseitigt wurden. Mehrere Zelte stehen immer noch auf dem zentralen Dorfplatz, die als erste Hilfe für die obdachlosen Einwohner von Unicef und Rotary International gespendet wurden. Die Schule wurde gerade wieder neu aufgebaut, sehr stabil und schön bunt bemalt. Das haben die freiwilligen Helfer von " Sea Mercy " geleistet, eine Initiative von Seglern aus aller Welt. Eine Dankes-Tafel listet die Namen, Bootsnamen und Nationalitäten der Ehrenamtlichen auf, die erst vor Kurzem nach Fertigstellung der Schule die Insel verlassen haben. Wir haben einige Artikel im Gepäck, Spenden von " Sea Mercy ", die wir von Neuseeland mitgebracht haben. Stifte, Malkreiden, Schulhefte und Bücher für verschieden Altersstufen werden vom Haupt-Lehrer gerne angenommen. Und wir sind froh, dass wir das Zeug loswerden und etwas mehr Platz auf der Walkabout bekommen. Der Rest unserer Schulartikel soll für Yasawa-I-Rara sein. An der Makogai Elementary School werden zur Zeit 24 Kinder in vier Klassenräumen unterrichtet. Die beiden männlichen Lehrkräfte haben nur zwei bzw. vier Schüler ab 8 Jahre, die beiden Lehrerinnen jede neun kleinere Kinder zu betreuen. Die Jüngsten bauen sich sogar für uns mit ihrer Lehrerin für ein Foto auf. Wir verschenken unsere restlichen Lutscher ( die reichen natürlich für alle Kinder plus Lehrer ). Nach der Schul-Besichtigung laufen wir einen schmalen Weg zum Strand, wo wir endlich eine Stelle zum Baden finden. Kaum sind wir im Wasser, da schwimmt eine rot-braune Wasser-Schildkröte direkt auf uns zu. Zum Glück bemerkt die uns und dreht kurz vor uns ab. Der Rückweg über die Hügel ist zäh und schweißtreibend in der Mittagshitze. Danach zieht Thomas es vor, eine Weile im Schatten auf dem Boot zu verbringen. Ich habe noch Lust auf einen weiteren Ausflug und paddele mit dem Dinghi zur Nordspitze der Insel. Spaziergang bei Niedrigwasser am Strand entlang, Klettern über die Klippen, Muscheln suchen. Habe eine unheimliche Begegnung mit einer aggressiven Kokoskrabbe, die so groß ist wie mein Fuß und drohend eine ihrer Scheren gegen mich erhebt, während sie sich seitlich entfernt. Die soll man sehr gut essen können .... aber, nein danke. Ich bin froh, dass alle meine Zehen noch dran sind. 
Auf dem Heimweg werde ich von Thomas abgefangen, der schon mit einem kalten Bier bei Feri auf der Alamic sitzt. Ein interessanter Mensch, der sich nach 3 Jahren in Fidschi sehr gut auskennt. Er gibt uns wertvolle Tipps und setzt uns ein paar neue Ideen in den Kopf. Wir bleiben einige Stunden und müssen uns dann verabschieden. Morgen soll es weitergehen, aber wir haben verschiedene Richtungen geplant.


Ovalau, Makogai und unser nächstes Ziel Koro Island gehören zur Lomaiviti Group. Diese Inseln liegen nordöstlich der Hauptinsel und ungeschützt zwischen den offenen Gewässern Bligh Water und Kori Sea . Daher haben sie beim Hurricane im Februar ordentlich Schäden zu verzeichnen gehabt. Die schlimmsten Verwüstungen wurden auf Makogai, Koro und Vanua Balavu ( nördliche Lau-Gruppe ) angerichtet. Schon bei unserer Ankunft in Savusavu Anfang Juli haben wir ein Plakat mit einem Hilfe-Aufruf für Koro gelesen, und seitdem hatten wir diesen Ort auf unserer Wunschliste. Um 15.00 Uhr erreichen wir die Dere Bay und müssen feststellen, dass die Realität ganz anders ist als unsere Erwartungen. Man soll sich über Funk bei einem der Resorts anmelden, um eine Mooring zu bekommen. Aber nach 3-maligem Anruf hat immer noch Niemand reagiert. Anscheinend sind die beiden Anlagen geschlossen, es wird ordentlich gehämmert und gesägt in den Gäste-Häusern. Es gibt vier Mooringe, drei davon sind bereits von anderen Segelbooten besetzt. Die letzte sieht nicht besonders vertrauenerweckend aus, wahrscheinlich wurde sie nach dem dicken Sturm nicht mehr gewartet. Wir moechten aber hier in der Bucht ungern den Anker werfen, weil die empfindlichen Korallen damit leicht zerstört werden. Also hängen wir uns an die freie Boje. Thomas möchte das Boot nicht verlassen, weil der Wind am späten Nachmittag wie gewohnt auffrischt. Ich mache einen kleinen Landausflug, der mich aber nicht umhaut. Kein Strand, sondern nur Steine, Matsch und Mangroven entlang des Ufers. Die Moskitos sind zahlreich und penetrant, das Laufen macht keinen Spaß. Ich treffe unterwegs nur auf eine einheimische Familie, die im Schatten der Bäume sitzt und Berge von Kokosnüssen raspelte. Diese einfachen Menschen haben ihr Zuhause in diesem seit 7 Monaten verlassenen Winkel der Insel. Sie freuen sich offensichtlich über eine kleine Abwechslung und sind überrascht, weil ich über die Herstellung von Kokosöl Bescheid weiß. Es soll einen küstennahen Weg auf die andere Seite geben, der zu einer Krankenstation führt, wo man Spenden abgeben kann. Ich probiere mehrere Pfade aus, die durch ein unglaubliches Pflanzen-Dickicht führen und dann im Nirgendwo enden. Dabei begegne  ich nur einem einsamen Hund, der alleine herumstreunt. Die Insel Koro hat mehr als 100 qkm Flaeche und ist bekannt für ihre Vogel-Vielfalt. Tatsächlich höre ich eine Menge Schreie und unbekannter Geräusche, was mir ein bisschen unheimlich ist in diesem Dschungel. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit möchte ich alleine nicht weitersuchen, sondern beende meine Mission erfolglos. Falls es mal einen Weg gegeben hat, dann ist dieser noch nicht wieder begehbar. 
Die Mooring ist uns nicht geheuer, deswegen stellen wir den Ankeralarm auf sehr kleine Distanz ein. Werden in der Nacht mehrmals vom Alarm geweckt, obwohl eigentlich nichts los ist. Es ist fast windstill, deswegen haben irgendwann auch die Moskitos unser Boot gefunden. Sehr unruhige Nacht, schlechter Schlaf. 

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20.09.2016

Endlich wieder unterwegs ...... ab 18.09.2016

Auf der Insel Malolo Lailai tobt vom 16. bis 20.09. die Musket Cove Regatta, die älteste und größte Regatta im Süd-Pazifik. Auch wir hatten eigentlich vor, an diesem Spektakel teilzunehmen, um dort einige Bekannte wieder zu sehen. Allerdings hören wir, dass es schon am Wochenbeginn vor dem Start kuschelig eng wird an den Ankerplätzen vor der Musket Cove Marina. Es sollen am Montag vor dem Ralley-Wochenende bereits 70 Boote dort liegen. Die Walkabout ist sowieso nicht Regatta-tauglich, deswegen sparen wir uns die Teilnahme an den zahlreichen Rennen, Spielen und Party-Aktivitäten. Das wird uns zu voll dort, zu viel Spaß und jeden Tag Feiern bis zum Abwinken. Da nutzen wir doch lieber unsere letzten vier Wochen in Fidschi, um noch ein paar neue Inseln und abgelegene Plätze zu entdecken. Wir schreiben eine e-Mail an Pauline und René von der Bounty, melden uns ab und lassen schöne Grüße an die Crews der Red Cat und Heatwave ausrichten, mit denen wir uns locker verabredet hatten.
In den folgenden Tagen soll das Wetter sehr ruhig werden. Kein Wind, da müssen wir uns auf einige Motorstunden einstellen. Deswegen machen wir den Tank und die Reservekanister voll, 80 Liter Diesel für umgerechnet 55,- Euro. Auch die Rechnung für die Marina muss bezahlt werden, knapp 120,- Euro für unsere Zeit bequem am Steg. Das sollte man besser nicht öfter machen, denn draußen Ankern ist umsonst, und man hat keine Probleme mit Moskitos und Zuckerrohr-Käfern.


Klarer Himmel, Sonnenschein - wir sind froh, dass wir wieder sauberes Wasser unter dem Kiel haben und frische Luft atmen können. Der Plan ist es, uns bei wenig Wind die Westküste Viti Levus hochzuarbeiten und um die Nordküste zu schleichen. Von dort aus haben wir dann eine sehr gute Ausgangsposition für die östlichen Inseln der Lau-Gruppe. Auf jeden Fall möchten wir die Inseln Ovalau, Koro und Taveuni besuchen und einige Tage zu Fuß erkunden. Von da aus ist es nicht mehr weit nach Vanua Levu, wo wir uns eventuell in Savusavu neu sortieren und nochmal Proviant einkaufen können. Dann werden wir noch einmal zur nördlichsten Spitze der Yasawas segeln, wo wir unsere Freunde besuchen möchten. Der Weg dorthin soll, wenn möglich, mit einem Zwischenstopp über Yadua Island führen. 

Am ersten Tag kommen wir bei besten Bedingungen bis Vatia Beach, wo wir die Walkabout vor knapp zwei Monaten auf einem Felsen geparkt hatten. Nun kennen wir die Bucht bereits und ankern ganz " normal " in 5,5 Meter Wassertiefe. An Land gehen müssen wir hier nicht. Das kennen wir alles schon, die Straße und Umgebung sind langweilig. Wir genießen eine gute Nachtruhe. Es ist extrem ruhig, wir haben noch nicht einmal Schwell in der Bucht.

Für den nächsten Tag haben wir uns eine gute Etappe vorgenommen, deswegen stellen wir uns den Wecker. Um 6.20 Uhr sind wir bereits wieder unterwegs - ganz wie die Pacifico. Kein Wölkchen am Himmel zu sehen, den ganzen Tag Sonne satt und wenig Wind von vorne. Mittags haben wir einen Fisch an der Angel, den wir trotz Bestimmungsbuch nicht eindeutig identifizieren können. Sieht ein bisschen aus wie ein Barrakuda, vielleicht auch eine bisher unbekannte Makrelenart ..... Thomas stellt beim Filetieren fest, dass der ganze Fisch nur aus Gräten besteht. Selbst die ausgelösten Filets sind voller kleiner Gräten, das ist sicher kein Genuss. Wir finden es ungenießbar, die Fischfilets werden über Bord geworfen als Nahrung für andere Räuber. Okay, dann gibt es eben Möhren-Eintopf. Am späten Nachmittag umrunden wir die Nordküste der Hauptinsel genau bei Niedrigwasser. Das ist richtig spannend, zum Glück haben wir gutes Licht, um Untiefen zu erkennen. Die Passagen dort sind sehr eng, alle Riffe liegen trocken. Links und rechts ist " Land " zu sehen, ähnlich wie zu Hause im Wattenmeer. Nach 10 Stunden Fahrt haben wir 42 Seemeilen geschafft und beenden den Tag in der Viti Levu Bay. Wir benötigen mehrere Ankerversuche in 8,50 Meter Wassertiefe. Unser Anker will mal wieder nicht halten, der Grund besteht aus weichem Schlick. Thomas ärgert sich darüber, dass er mit dem schwarzen Modder das ganze Vordeck und sich selber einsaut. Aber dann ist alles gut, sternenklare Nacht und Vollmond.

Ungestörter Schlaf, schön still ist es gewesen. Um 6.30 Uhr geht es los, neuerdings wird der Anker schon vor dem ersten Kaffee hochgeholt. So schaffen wir ganz gute Strecken, obwohl wir für die Riff-Passagen perfekte Lichtverhältnisse brauchen.
Am Vormittag hatten wir ein aufregendes Erlebnis : Hai an der Angel, mindestens 1,50 Meter lang. Es ruckte kräftig an der Rolle, die Leine war kaum zu halten. Originalton von Thomas : " Da ist was ganz Dickes dran ! So einen Fisch hatten wir noch nie. Der schwimmt einfach mit. " Ich lege schon mal Handschuhe, Messer und Eimer bereit - wie immer. Als die Angel endlich fast eingeholt ist, da sehen wir den Hai direkt neben der Walkabout. Den möchten wir eigentlich gar nicht an Bord holen. Während wir noch überlegen, was wir nun machen sollen, kommt der Fisch frei und verabschiedet sich. Der Köder ist noch dran, allerdings zerkratzt und zerbissen von den scharfen Zähnen. Einer der starken Haken ist verbogen, den bekommen wir mit einer Zange wieder hin. Wir sind froh, dass der Angelhaken nicht im Hai steckte .... der hat Glück gehabt und tummelt sich hoffentlich fast unversehrt weiterhin im Pazifik. 
Der frühe Vogel ..... Bereits um 15.00 Uhr haben wir unser Tagesziel erreicht und werfen den Anker in der Wainaloka Bay im Süd-Westen der Insel Ovalau. Knapp 40 Seemeilen geschafft bei wenig Wind, keine Wellen, die uns bremsen. Kaum liegen wir ruhig in der Bucht vor einem kleinen Dorf, da kommt schon ein junger Mann mit einem Kayak angepaddelt. Das ist Jack, der uns einige Trink-Kokosnüsse bringt. Die sind bereits mit der Machete behandelt und gut vorbereitet. Wir müssen einfach nur noch die Spitze abkappen und genießen. Sehr nett ! Jack spricht leider nur schlechtes Englisch, so dass es keine lange Unterhaltung wird. Aber er freut sich, als wir ihn an Bord bitten und ist anscheinend begeistert von unserem bescheidenen 1-Raum-Boot. 
Abends stellen wir keinen Ankeralarm ein, denn die Bucht ist still wie ein Ententeich. Wainaloka Bay soll ein Hurricane-Hole sein, in dem man die gefährliche Cyclone-Saison über gut liegen kann. Aber das möchten wir lieber nicht ausprobieren. Wir werden die Walkabout wieder nach Neuseeland überführen und dort zwischen zwei Mooringe sicher vertäuen. 



 

17.09.2016

Wanderung im Koroyanitu National Heritage Park 15. - 16.09.2016

Drei Tage lang standen unsere Hiking-Rucksäcke fertig gepackt in einer Ecke. Frühmorgens sah das Wetter gar nicht gut für unsere Wandertour im Nationalpark aus. Der Himmel grau und bedeckt, die Gipfel der Berge unter dichten Regenwolken verschwunden. Mittwoch kamen dann unverhofft Hermann und Hilde in die Vuda Marina, da haben wir unseren Ausflug gerne nochmal verschoben. 

Donnerstag soll es endlich losgehen. Aber vorher werden wir noch zu einem gemeinsamen Frühstück auf die Pacifico eingeladen. Es gibt selbstgebackenes Schwarzbrot zum Kaffee, ein weichgekochtes Ei für Jeden, leckeren Apfelkuchen und nette Gesellschaft. So machen wir uns gut gestärkt auf den langen Weg. Zwei Busse bringen uns zum Abzweiger, danach laufen wir ca. 15 Kilometer weiter zu Fuß. Wir suchen das Dorf Navilawa, von wo aus unsere Wanderung auf den Mount Batilamu starten soll. Das ist gar nicht so einfach zu finden, denn auf unserer Karte ist nur eine einzige Straße eingezeichnet. In Wirklichkeit biegen aber andauernd irgendwelche Fahrspuren nach allen Richtungen ab, die zu entlegenen Häuser-Ansammlungen oder zu den Feldern führen. Unser Maps-Me auf dem Handy hilft auch nicht weiter, demnach gibt es hier keinen Trail. Also fragen wir, wo immer wir Menschen sehen, nach dem Weg. Allerdings scheint Navilawa nicht besonders bekannt zu sein, selbst in den benachbarten Dörfern bekommen wir oft nur ein Schulterzucken zu sehen. Wenn es überhaupt eine Antwort gibt, dann ist die Auskunft sehr vage ..... " Das ist noch weit." Oder sogar " Sehr, sehr weit entfernt." Aber wir geben nicht auf, schließlich sind wir voll motiviert und möchten gerne mal wieder richtig weit laufen. Wir kommen an einem Acker vorbei, wo ein Bauer mit seinem Sohn arbeitet. Natürlich pflanzen die Cassava an. Was sonst ? Sie sind sehr gesprächig und erzählen uns von ihrem Brauchtum des Sevusevu. Wir sollen nach dem Dorfältesten fragen und dort um Erlaubnis fragen, das Land betreten zu dürfen. Eigentlich müssen wir Kava bringen, aber wenn wir den nicht dabeihaben, dann dürfen wir unseren Obulus auch in Form von einer Geldspende entrichten. Von unserer geplanten Wanderung wird dringend abgeraten. Dieser Pfad soll seit 5-6 Jahren von Niemandem mehr begangen worden sein, und Hurricane Winston hat dann im Februar wohl den Rest erledigt. Na prima - das hört sich ja alles nicht sehr verlockend an. Nur ein kleines Stück weiter treffen wir einen älteren Mann, der seine zwei Kühe an einem Strick entlang der Straße spazieren führt. Der stellt dieselben Fragen und sagt genau das Gleiche : Sevusevu als Eintrittsgeld, Trail seit vielen Jahren verwildert und vom Hurricane zerstört. Nach 4 Stunden haben wir den in keiner Karte erwähnten Ort gefunden und fragen nach dem Chef. Sofort werden wir zu einer Gruppe von Männern geführt, die gerade ein Schwein in Einzelteile zerlegen und portionsweise in Bananenblätter einwickeln. Wir erfahren, dass die Hunde des Dorfes dieses Schwein gerissen haben. Ganz erstaunlich, denn wir sehen nur magere Promenadenmischungen von mittlerer Größe, die nicht besonders gefährlich erscheinen. Der Bürgermeister von Navilawa hält sich zur Zeit in einem anderen Dorf auf, aber wir haben seinen Stellvertreter vor uns. Thomas beginnt mit Entschuldigungen dafür, dass wir kein Kava-Bündel als Geschenk dabei haben. Wir stellen uns doof und tun so, als hätten wir dummen Touristen nichts von diesem Brauch gewusst. Dann bietet Thomas einen 20,- Dollar-Schein an, der mit offensichtlicher Freude angenommen wird. Damit erhalten wir die Genehmigung, das Dorf zu durchqueren und in die Berge zu steigen. Aber als wir von unserem Vorhaben berichten, unterwegs zu übernachten, da gestalten sich die weiteren Verhandlungen schwierig. Es ist mittlerweile schon 16.30 Uhr, und da möchte man uns nicht mehr gehen lassen. Außerdem sei der Weg zum Mount Batilamu viel zu gefährlich. Wir sollen im Dorf in der Lodge übernachten ( teuer !) und dann morgen die einfache Route zu irgendwelchen Höhlen laufen. Aber so haben wir das nicht geplant. Wir haben ja nicht umsonst Zelt, Matten und Decke eingepackt. Auf jeden Fall möchten wir nicht die Nacht im der Lodge verbringen und auch nicht   statt einer Bergtour den Ausflug zur Höhle machen. Die Unterhaltung wird schwierig, die Stimmung droht zu kippen. Ich halte besser die Klappe, bin nicht besonders diplomatisch in solchen Dingen. Es ist zäh, aber Thomas schafft es. Freundlich, aber bestimmt, beharrt er auf unserem Vorhaben und überzeugt die Herren davon, dass wir uns nicht leichtfertig in Gefahr begeben. Dann bekommen wir viele gute Ratschläge und eine genaue Wegbeschreibung, die etwa folgendermaßen aussieht : beim ersten Mangobaum links,  beim Zitronenbaum rechts, beim zweiten Mangobaum auf keinen Fall links absteigen, beim Bananenbaum nach rechts, auf keinen Fall den Pfad verlassen, an der Felswand dann das Seil zum Hochklettern suchen ..... Alles ganz einfach ! Wir müssen dem stellvertretenden Häuptling versprechen, dass wir sofort umkehren, wenn wir den Trail verlieren. Und wir sollen morgen von Abaca aus im Dorf anrufen und Bescheid geben, wenn wir gut auf der anderen Seite angekommen sind. Ganz wohl ist den Männern in der Runde nicht, offensichtlich machen sie sich Sorgen, dass uns etwas passiert. Aber letztendlich lassen sie uns ziehen. Wir bekommen noch einen einheimischen Begleiter für das erste Stück des Weges und atmen erleichtert auf, als der uns endlich alleine laufen lässt. Der Pfad ist zugewachsen, aber noch erkennbar. Die Beschreibung " von Baum zu Baum " passt haargenau. Es geht steil hinauf, und wir dürfen nicht bummeln, wenn wir noch bei Tageslicht ein paar Kilometer schaffen wollen. Und wir werden garantiert beobachtet, denn unter uns liegt das Dorf Navilawa. So wie uns vorhin der Weg entlang der markanten Bäume gezeigt wurde, genau so sieht die Männerrunde uns nun den Berg hinaufsteigen. Von oben haben wir schöne Ausblicke auf die immer kleiner werdende Ansammlung von Häusern im Tal. Wir folgen ganz genau der Route, wie sie uns erklärt wurde. Müssen sehen, dass wir einen Platz für unser Lager finden, denn das Tageslicht schwindet. Kurz hinter dem zweiten Mangobaum entdecken wir auf einem Hügel eine Stelle für unser Zelt. Nicht gerade eben, aber wir treten das Unkraut platt und richten uns dort ein. Viel Auswahl hat man nicht in diesem Urwald. Nach der langen Laufstrecke und dem steilen Anstieg zum Ende des Tages sind wir richtig kaputt. Ist doch mal wieder ungewohnt, sich so viel zu bewegen. Wir liegen schon vor 19.00 Uhr im Zelt. Was soll man auch sonst machen, wenn es draußen stockdunkel ist ? Trotzdem können wir erstmal nicht schlafen, das Liegen auf den Matten ist ungewohnt. Wir schauen uns den Sternenhimmel an. Es ist beinahe Vollmond. Schöne Nacht .... aber kalt wird es. Auf unserem Hügel weht ein kräftiger Wind und lässt die Zeltwände flattern. Das Laken reicht nicht zum Zudecken, zum Glück haben wir noch die Inlets der Schlafsäcke eingepackt. Es ist immer noch kühl, aber so kann man es aushalten. Mitten in der Nacht beginnt es zu tropfen. Kein Regen, sondern Kondensation im Inneren des Zeltes. Das erinnert uns daran, dass wir ein neues brauchen. Dieses ist wirklich durch, wir haben es auf unseren beiden Longtrails stark beansprucht und inzwischen mehr als 300 Mal auf- und abgebaut.
Wir stehen früh auf, weil das Liegenbleiben wegen der Tropferei nicht gemütlich ist. Und weiter geht es bergauf über einen Pfad, der kaum noch zu erkennen ist. Scharfe Halme zerschneiden uns die Schienbeine, Stachel und Splitter von den Büschen ringsum bohren sich in die Haut. Nicht toll, aber ich bekomme nicht so viel davon ab wie Thomas, der voraus geht. Und noch glauben wir ja, dass dieser Weg uns zum Ziel führt. Den so genau beschriebenen Bananenbaum finden wir leicht, aber dann hören unsere Pfadfinder-Fähigkeiten auf. Wir stapfen weiter durch das Unkraut, klettern über umgefallene Bäume und unter Luftwurzeln hindurch. Es ist sehr mühsam, denn irgendwas scheint sich immer an unseren Beinen festzuhalten. Es ist so, als ob dieser tropische Regenwald uns nicht durchlassen will. Die Wurzeln und äste bilden Stolperfallen, immer neue Hindernisse liegen vor uns und müssen umgangen werden. Es gibt auch mit viel Phantasie keinen Weg mehr, höchstens Ziegenpfade, vielleicht sind es auch nur Wasserspuren vom letzten Regen. Oberhalb des Bananenbaums verlieren sich alle Pfade, obwohl wir nur noch ca. 2 Kilometer vom Gipfel entfernt sind. Es sieht wirklich so aus, als ob hier seit Jahren Niemand mehr gegangen ist. Die Normal- Touristen starten im Dorf Abaca auf der anderen Seite, wandern dann mit Führer auf den Berggipfel und schauen von dort oben zum Dorf Navilawa hinunter. Kein Wanderer läuft andersherum , so wurde uns von der Männerrunde erzählt. Naja, wir dachten, das sei eine gute Idee und haben es probiert. Nur noch etwa eine Stunde weiter, dann sollten wir das Seil finden, mit dem man die Felswand hochklettern kann. Aber wir sehen keine Spur, der wir weiter folgen können, und landen mehrmals in einer Sackgasse. Umdrehen, zurück zum Bananenbaum und neuer Versuch in einer anderen Richtung..... Wir irren ungefähr 5 Stunden durch den Busch und hohes Gestrüpp. Dann reicht es uns - wir geben auf. Wir beschließen schweren Herzens, dass wir umkehren und absteigen nach Navilawa. Den Mount Batilamu werden wir vielleicht ein anderes Mal bezwingen. Für heute haben wir die Nase voll, außerdem wird das Wasser knapp. Der Rückweg geht erstaunlich schnell. Wir melden uns im Dorf zurück, damit der Chef sich keine Sorgen über unseren Verbleib machen muss. Dann beginnt eine endlos erscheinende Latscherei über die Schotterstraße. Alle Knochen tun inzwischen weh von der ungewohnten Anstrengung. Die Beine sind zerschunden, Hände und Unterarme zerkratzt und voller kleiner Splitter. Der langweilige Marsch über die kleine Straße führt am Dorf Korobebe vorbei. Dort sitzt ein älterer Mann im Schatten und grüßt freundlich. Wir kommen ins Gespräch und erfahren von ihm, dass es einen Bus gibt, der von hier bis zur Hauptstraße fährt. Um 15.00 Uhr, das ist in 10 Minuten, soll der hier sein. Das ist ja unglaublich ! Wir können unser Glück kaum fassen - ein Linienbus in dieser abgeschiedenen Gegend, und wir sind genau zur richtigen Zeit an der Haltestelle. Das spart uns mal eben locker 10 Kilometer Laufen. Tatsächlich kommt der Rappelbus pünktlich und nimmt uns für umgerechnet 1,50 Euro pro Person mit. Wir fahren durch einige kleine Dörfer, halten an jeder Milchkanne, an einer Schule steigen Dutzende von Kindern ein. Nicht bequem, aber sehr interessant. Nach gut einer Stunde Fahrt erreichen wir an der Hauptstraße unseren Abzweiger zur Vuda Marina. Hier müssen wir umsteigen. Thomas wartet auf die nächste Fahrgelegenheit, um zum Boot zu kommen, während ich den angefangenen Nachmittag noch einmal in Lautoka verbringe.

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10.09.2016

Nadi und Lautoka - City 08. - 14.09.2016

Nadi - Oberste Priorität nach 5 Wochen ohne Supermarkt : Essen. Gleich danach kommt der Kaufrausch. Besonders angetan hat es uns das riesige Angebot an frischem Obst und Gemüse auf dem Markt. Papayas, Mangos und Ananas sind reif. Die Tische der Händler biegen sich unter den Bergen von süßen Früchten. Nur Bananen sind dank Hurricane Winston immer noch rar und teuer. Auch den Handicraft-Market können wir nach so langer Abstinenz nicht einfach links liegen lassen. Wir schlendern von Stand zu Stand und lassen uns gerne überreden. Schließlich erstehen wir mehr Souvenirs als während unserer gesamten bisherigen Reise, auf jeden Fall mehr als nötig. Es sind einige schöne Stücke dabei, traditionelle Handwerkskunst, z. B. kaufe ich zwei Tapas, einen geflochtenen Fächer, Holzschnitzereien. Die Preise sind zu Beginn unseres Rundganges touristisch hoch, aber mit viel Zeit und Geduld werden die Artikel dann um mehr als 50 % günstiger. Gehandelt wird wie auf dem türkischen Basar.
Dieses Mal sind wir auch auf einen Besuch im größten hinduistischen Tempel eingerichtet. Wir haben Sulu, Hemd, langes Kleid und Schultertuch dabei und dürfen die prachtvolle Anlage von innen besichtigen. Sehr farbenprächtig und beeindruckend ! Zurück in der Vuda Marina gibt es einen Obstsalat vom Feinsten, danach eine saubere Dusche mit warmem Wasser. In Nadi haben wir die DVD " Castaway " besorgt und können uns am Abend den Film über die einsame Insel ansehen, von wo wir erst an diesem Morgen gestartet sind.
Am 12.09. kommt pünktlich um 7.30 Uhr unser Taxi. Leider ist unser Fahrer Ali krank, aber er hat einen Kollegen geschickt. Dieser ist allerdings nur halb so nett. Während Ali beim Abholen ohne zu murren mehr als eine Stunde am Flughafen gewartet und in der Zeit ein Nickerchen gemacht hat, besteht dieser Taxi-Fahrer auf einer Wartedauer von höchstens 30 Minuten. Und er lässt uns während des gesamten Check-In-Vorgangs im Flughafen-Gebäude nicht eine Minute aus den Augen, so als hätte er Angst, dass wir uns ohne zu Bezahlen aus dem Staub machen.

Lautoka - Zunächst einmal warten die üblichen Arbeiten auf uns. Hintereinander werden drei Maschinen Wäsche gewaschen und getrocknet, die Betten frisch bezogen, das Boot von innen geputzt. Unsere Wassertanks sind leer, Auffüllen können wir hier bequem mit Schlauch vom Steg. Eine Gasflasche muss zum Befüllen zur Gas-Station gebracht werden, die aber gleich um die Ecke liegt und zu Fuß gut erreichbar ist.
In Lautoka findet zur Zeit das Sugar Festival statt, das ist eine Art Kirmes mit Fahrgeschäften ( uralt ) und unzähligen Fress-Buden. Mir ist es hier zu rummelig, und auf einheimische Küche habe ich auch überhaupt keinen Appetit mehr. Samstag gibt es neben dem großen Wochenmarkt einen Flohmarkt, wo überwiegend gebrauchte Textilien und Topfpflanzen angeboten werden. Ich kaufe im Second-Hand-Laden eine feine Bluse für Sarah sowie ein paar Röcke und Kleidchen für ihre Töchter. Thomas lässt für die Familie einige DVDs brennen, gewünscht waren Kinderfilme und Fidschi-Spielfime. Es gibt nur einen einzigen Fernseher im Dorf, das übliche Unterhaltungsprogramm am Wochenende in der guten Stube läuft mit immer denselben DVDs. Für unsere Freunde Sarah und Nix lassen wir ein Dutzend Fotos entwickeln, die wir beim ersten Aufenthalt geschossen haben. Sarah besitzt ein altes Handy, aber der Akku ist kaputt und somit ist es völlig nutzlos. Thomas hat sich die Typenbezeichnung aufgeschrieben und kauft das passende Akku. Außerdem besorgen wir eine Lesebrille in der gewünschten Stärke für die doofe Tante, auch wenn wir die nicht mögen. Nützt ja nichts, denn sie ist die Frau vom Dorfchef, und wir brauchen seinen Segen, wenn wir uns nochmal ein paar Tage in Yasawa-I-Rara aufhalten möchten.
Am Sonntag macht neben uns ein großer Motor-Katamaran fest, der uns das Licht und beinahe die Luft zum Atmen nimmt. Aber dafür ist das Eigner-Ehepaar sehr nett. Da sie am Dienstag zurück nach Auckland fliegen, muss der Kühlschrank leergeräumt werden. Sie schenken uns den ganzen Kram, und so kommen wir in den Genuss ganz besonderer Lebensmittel, die wir uns sonst nicht leisten würden. Räucherlachs, Camembert, Parmesan, Hüttenkäse, 10 probiotische Joghurts, verschiedene Dips und Saucen, Wraps, einen halben Rotkohl, zwei Papayas. Alles leckere Sachen, die wir schnell wegessen müssen, da wir ja keinen Kühlschrank auf der Walkabout haben. Als Zugabe reichen die neuseeländischen Nachbarn noch drei angefangene Flaschen Wodka, Gin und Likör von Boot zu Boot. Toll - wir freuen uns und machen ein Festessen !
Ich wage mich zu einem Friseur. Bin bereits mehrere Tage um die zahlreichen Hairdresser herumgeschlichen und habe mich nicht hineingetraut. Die sind üblicherweise im Hinterhof und meistens in Verbindung mit einem Schneider, DVD-Verleih oder Handy-Laden. Lange Holzbänke im Inneren, auf denen immer nur Männer sitzen und warten ..... Nein, ich gehe in einen Beauty-Salon, natürlich nicht ohne vorher nach dem Preis gefragt zu haben. Für Haarschnitt und Kosmetik zahle ich insgesamt umgerechnet 12,- Euro. Da kann man nicht meckern, und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Es ist nur eine kleine Korrektur nötig, weil eine Seite länger ist als die andere.
Wir möchten noch eine Wanderung mit Rucksack und Zelt im Koroyanitu Nationalpark machen, dafür benötigen wir allerdings schönes Wetter in den Bergen. Danach soll es noch einmal an der Westküste Viti Levus hinaufgehen. Jetzt, wo wir wieder alleine an Bord sind, können wir längere Etappen planen und eventuell sogar noch die östlichen Inseln der Lau-Gruppe besuchen. Großeinkauf im Supermarkt, damit wir die nächsten vier Wochen unabhängig sind. Für unsere Familie in Yasawa-I-Rara besorgen wir zusätzlich einen Sack mit 10 Kilo Mehl, 5 Kilo braunen Zucker und 5 Liter Pflanzenöl als Mitbringsel. Wir werden also auf jeden Fall noch einmal zur nördlichsten Insel der Yasawas segeln, um unsere Sachen dort abzugeben. So langsam neigt sich die Fidschi-Zeit dem Ende zu, uns bleibt nur noch ein Monat in dieser Saison. Ab Mitte Oktober werden wir dann auf ein Wetterfenster für die Rückfahrt nach Neuseeland warten, wo wir die Walkabout für etwa ein Jahr parken werden.

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08.09.2016

Blue Lagoon, Manta Ray und die Castaway-Insel 30.08. - 07.09.2016

Schon wieder früh aufgestanden, ab heute geht es zurück in Richtung Süden. Am 12.09. müssen wir am Flughafen sein. Aber vorher warten noch einige tolle Ziele auf uns. Heute möchten wir bis zur Blue Lagoon kommen, die berühmt wurde durch den gleichnamigen Hollywood-Klassiker. Schönes Segeln nur mit der Genua bei Süd-Ost-Wind. Zunächst bleiben wir auf der Trawler-Spur von Nix und fangen einen mittelgroßen Wahoo. Ein weiterer Biss kurze Zeit später an der anderen Angel, aber der Fisch verabschiedet sich samt Köder, bevor wir ihn an Bord holen können. Mittags bieten uns ein Dutzend Delphine ein nettes Kino, indem sie sicherlich eine halbe Stunde um unser Boot schwimmen und vor dem Bug ihre Sprünge vollführen. Nach 23 Seemeilen haben wir unser Tagesziel fast erreicht. Es herrscht reger Verkehr von einheimischen Motorbooten. Die sind offensichtlich auf dem Wege zu einem Resort auf der anderen Seite der Bucht und ziemlich in Eile. Zuerst fährt uns eines dieser schnellen Boote achtern über die linke Angelschnur. Die Leine reißt, und unser Köder ist ab. Gleich darauf heizt ein weiteres schnelles Boot völlig rücksichtslos knapp hinter unserem Heck vorbei und reißt uns die rechte Angelleine ab, wieder ist ein Köder weg. Dann kommen wir in die Nähe der weltberühmten Blue Lagoon und bekommen fast zuviel bei dem Trubel, der dort herrscht. Eigentlich ist es uns hier viel zu voll. Willkommen in der Zivilisation ! Zwei Segler, beides schicke Katamarane, liegen direkt vor dem Blue Lagoon Beach Resort. Der gelbe Inselhüpfer, der mit den zahlungskräftigen Touristen zwischen den Mamanucas und Yasawas hin- und her pendelt, trifft kurz nach unserem Ankermanöver ein und fährt unnötig dicht hinter unserem Heck Richtung Strand. Diverse Motorflitzer jagen an uns vorbei, um die neuen Gäste abzuholen und machen ordentlich Wellen. Ein Kreuzfahrt-Schiff liegt in der Bucht. Die " Fiji Princess " liegt frontal vor dem schönsten Strandabschnitt an einer Mooring. Dieser ist für uns Segler gesperrt. Ein großes Schild verkündet : " Private Property - Keep Out ". Danke, das reicht schon .... am Liebsten würden wir den Anker sofort wieder hochholen und weiterfahren. Aber wir haben von anderen Seglern gehört, dass es beim Resort einen kleinen Laden geben soll. Nach vier Wochen ohne Supermarkt sind unsere Vorräte weitgehend aufgebraucht. Für ein bisschen Lebensmittel-Nachschub und ein kaltes Getränk lohnt es sich schon, eine Nacht zu bleiben und mal an Land zu paddeln.
Das Blue Lagoon Beach Resort ist nur für Privatgäste. Alle Wege zu den Unterkünften und in die gepflegte Parkanlage sind für Außenstehende nicht zugänglich. Lediglich über eine schmale Schotterstraße kann man einen Hügel hinaufsteigen und einen Blick auf die andere Seite der Insel werfen. Es gibt eine Bar mit Terrasse, da sind wir willkommen und trinken eine teure Cola. Wir lernen die 3-köpfige Crew vom Katamaran " Fidelio " kennen. Die Neuseeländer sind nun schon seit 5 Jahren nur in Fidschi unterwegs, immer dieselbe Route hinauf und hinunter. Der Opa an Bord feiert heute seinen 84. Geburtstag. Wir gratulieren und denken, dass wir in 30 Jahren wohl eher nicht mehr mit der Walkabout reisen werden. Gegessen wird zu Hause, es gibt das allseits beliebte Kürbis-Fisch-Curry mit Cassava. Schlechte Bilanz heute : nur 1 Wahoo, aber 3 Köder verloren.  Im Laden kaufen wir das Nötigste ein, um noch ein paar Tage bis zum nächsten Stadt-Aufenthalt gut zu überleben. Brot, Eier, Milchpulver, eine Mahlzeit Kartoffeln und einige Zwiebeln helfen uns schon weiter, allerdings laden die Preise nicht zu einem größeren Einkauf ein. Für uns, die wir nun schon eine Weile die entlegenen Inseln abklappern, gibt es einen besonders willkommenen Service : Wir dürfen hier unseren Müll entsorgen, den wir seit einem Monat gesammelt haben. Es wird sogar nach Wertstoffen getrennt, das ist in Fidschi schon recht selten. Und man kann für 5,- Dollar duschen. Da die Betreiber wohl die sparsamen Segler kennen, heißt es auf einem Schild ganz deutlich " 5,- Dollar pro Kopf ". Zusammen duschen wird also nicht günstiger. Fein sauber ist es hier. Aber die Blue Lagoon hat uns enttäuscht. Wir hatten sie uns kleiner und blauer vorgestellt, diese Bucht ist wirklich nicht spektakulär, außerdem ist viel zu viel los für unseren Geschmack. Aber für den kleinen Einkauf, die Mülltonnen und die schicke Dusche hat sich der Abstecher doch gelohnt.

Nach einer Nacht haben wir genug von diesem Platz und segeln mittags weiter. Schon wieder lacht uns das Angler-Glück. Ich weiß gar nicht, ob ich davon so begeistert sein soll. So langsam mag ich keinen Fisch mehr, aber zwischen meinen Männern ist eine Art Wettkampf ausgebrochen. Eine Stunde nach unserem Start haben wir eine große Blauflossen-Makrele an der Angel. Die würde uns doch eigentlich schon reichen für ein ordentliches Abendessen. Trotzdem bleiben beide Angelleinen draußen. Am späten Nachmittag nimmt der Wind plötzlich zu und kommt völlig untypisch aus Süd-West. Gegen 17.00 Uhr steuern wir unser heutiges Tagesziel Naviti Island an. Kurz bevor wir die Ankerbucht erreichen, da gibt es noch einmal Fisch-Alarm. Diesmal haben wir zur Abwechslung mal wieder einen Thunfisch am Haken. Nicht gerade klein, für eine Mahlzeit einfach zu viel des Guten. Zum Glück kennen wir die netten Mitarbeiter vom Botaira Beach Resort, von wo aus wir vor 11 Tagen nach Yasawa-I-Rara gestartet sind. Nils paddelt mit dem Kayak an Land und fragt, ob sie uns einen Fisch in die Kühlung legen können. Kein Problem ! Der Fisch ist gerettet, morgen früh können wir ihn dort wieder abholen.

Am nächsten Tag haben wir nur eine Stunde Fahrt vor uns, vom Botaira Beach Resort mal eben um die Ecke zum MantaRay-Resort auf Nanuya Balavu Island. Ein holländischer Trimaran und ein paar kleine Motorboote, die Touris zum Schnorcheln und Tauchen bringen, liegen am Ankerplatz vor dem Strand. Gestern haben wir eine Nachricht von der Meerbaer erhalten, dass sie auch zu den Mantas unterwegs sind. Wir freuen uns, unsere Freunde wieder zu treffen, die zu Beginn unserer Fidschi-Zeit in Savusavu " verloren gegangen " sind.  Eine erste Erkundung des Resorts verläuft positiv. Wir werden nett empfangen und dürfen uns einfach so unter die Gäste mischen. Wir sehen fast nur junge Leute zwischen 20 und 30 Jahren, die Unterkunft im Gemeinschafts-Haus scheint recht günstig zu sein. Gemütliche Atmosphäre herrscht hier, diverse Kissen und Sitzecken laden zum Entspannen ein. Aber wer möchte, der kann auch das volle Programm buchen : Schnorcheln, Tauchen, mit den Mantas Schwimmen, Jet-Ski, Paddel-Board, Rundflug mit dem Wasser-Flugzeug, Haie Füttern ..... Für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel wird etwas geboten. Uns interessieren aber in erster Linie kühle Getränke, ordentliche Toiletten und schon wieder Duschen. Einmal in der Woche kommt ein Versorgungsschiff, um für das Resort Lebensmittel und andere Waren zu bringen. Heute ist dieser Tag. Wir können staunend zusehen, wie viele fleißige Hände das Schiff ausladen und sich schnell immer mehr Kartons an Land stapeln. Da stehen dann Dutzende Kisten mit Bier, verschiedene Sorten, aber auch Wasser, Hygieneartikel, Matratzen und andere Waren, die für den Gästebetrieb gebraucht werden.
Es dauert mehrere Stunden, bis die Mitarbeiter der jeweiligen Abteilungen ihre Sachen vom Strand weggetragen und an ihren Bestimmungsort gebracht haben. Abends gibt es ein Fisch-Curry auf der Meerbaer und auf Wunsch des Jüngsten eine ewig lange Runde Monopoly. Gähn !
Endlich befinde ich mich dort, wo Frauen im Bikini herumlaufen dürfen. Das gefällt mit richtig gut. Hier kann ich mal ein paar  Stunden entspannt am Strand liegen und lesen. Thomas und Nils verbringen viel Zeit im wohltemperierten Wasser. Rainer von der Meerbaer hat ihnen Blei zum Tauchen und seine Harpune ausgeliehen. Damit versuchen sich meine Männer im Speer-Fischen, aber nur mit mäßigem Erfolg. Das Tauchermesser geht verloren, eine Schnittwunde am Finger, und der Pfeil von der Harpune wäre auch beinahe weg gewesen. Dafür bringen sie nur zwei kleine Fische mit nach Hause, die das Zubereiten kaum lohnen. Anne opfert am Abend ihr letztes Glas eingekochtes Hackfleisch, es gibt leckere Spaghetti Bolognese und danach Kniffel auf der Meerbaer.
Wir möchten unbedingt die Mantarochen sehen, aber die Tide ist noch nicht günstig. Man soll eine Stunde nach Hochwasser durch die Manta-Passage schwimmen, das wäre zur Zeit gegen 7.00 Uhr morgens. Aber so früh ist das Licht noch zu schlecht, man braucht Sonne und klaren Himmel für gute Sicht im Wasser. Egal, dann warten wir eben noch einen Tag oder zwei. Es ist so richtig schön hier beim MantaRay-Resort, auch wenn der Ankerplatz am späten Nachmittag und die Nächte durch ziemlich schwellig wird. Thomas und Nils vertreiben sich die Zeit mit Schnorcheln und Speer-Fischen. Am zweiten Tag mit der Harpune gibt es keine Verletzungen. Sie haben sogar zwei kleine Barsche erlegt, die filetiert und gebraten gerade für ein Fisch-Toast reichen. Außerdem wurden beim Tauchen zwei Haie gesichtet, einer soll 1,50 bis 2 Meter lang gewesen sein. Die habe ich wohl verpasst, denn ich verdrücke mich mit meinem Buch und mache lieber Strand-Urlaub.
Wir bekommen Besuch von Bill, der im benachbarten Resort um die Ecke arbeitet. Er hat eine kleine Gruppe von Gästen im Wasser, die er chauffieren und beaufsichtigen muss. Trotzdem kommt er mit seinem Motorboot längsseits und fragt, ob er sich unser Boot ansehen darf. Na klar, Besichtigungen sind jederzeit möglich und dauern auf der Walkabout auch nicht besonders lange. Kaffee mit viel Milch und viel Zucker gibt es noch gratis dazu. Bill ist ein netter Mann, spricht gut englisch und hat schon ein bisschen mehr von der Welt gesehen als die meisten Fidschianer.
Morgen möchte er wiederkommen, wahrscheinlich weil unser Kaffee so gut schmeckt.
Am dritten Tag vor dem MantaRay werden wir schon ein bisschen ungeduldig. Wir möchten uns die Passage einmal aus der Nähe betrachten. Vielleicht sehen wir ja wenigstens einen Mantarochen vom Dinghi aus. Also Wecker gestellt und frühmorgens raus. Thomas paddelt, was das Zeug hält ( und das ohne Frühstück ). Wir müssen vom Ankerplatz bis zum Durchgang zwischen den Inseln, das reicht an sich schon ohne Motor. In der Passage haben wir starke Gegenströmung, die Arme werden länger und länger. Zeitweise haben wir das Gefühl, dass wir auf der Stelle stehen und gar nicht mehr vorwärts kommen. Nils mit dem Kayak hat es da besser. Er ist leichter und wendiger als zwei Erwachsene im Banana-Boat. Ungefähr die Hälfte der Manta-Passage schaffen wir, aber dann drehen wir um. Keine Chance, mit dem Dinghi ohne Außenbordmotor gegen den Strom anzupaddeln. Dafür gehen wir fein schnorcheln. Mehr als eine Stunde lang erkunden wir die Unterwasser-Welt zwischen dem Boot und der Felsküste im 28 Grad warmen Wasser. Die Korallen sind hier längst nicht so schön wie vor Bora Bora und Raiatea. Es fehlen einfach die Farben, zumeist sind die Korallenstöcke braun-grau-schwarz, ganz vereinzelt sieht man einzelne Formationen in rosa oder lila. Aber es tummeln sich unzählige Fische entlang der steilen Riffkante. Der Artenreichtum ist enorm, ganze Schwärme von kleinen Fischen schwimmen um uns herum. Man könnte sie mit der Hand greifen. Einige große Exemplare sind auch dabei, bunt-gestreift oder in leuchtenden Neonfarben. Eine Seenadel von ca. 1,20 Meter Länge treibt gemächlich an uns vorbei. Wir entdecken zwei Schmuck-Langusten, die sich aber fast ganz in enge Spalten zurückgezogen haben. Nur die langen Fühler gucken heraus. Langusten sind nachtaktiv und werden in diesen Gewässern bis zu 50 Zentimeter lang. Gegessen haben wir sie schon auf Yasawa-I-Rara, wo Nix zwei Exemplare ganz elegant beim Speerfischen erlegt hat. Nachmittags kommt ein neues Schiff angesegelt, das wir im vorigen Jahr kennengelernt haben. Die Holländer Pauline und René mit ihrer " Bounty " waren zur gleichen Zeit wie wir in Neiafu / Tonga beim Bluewater Festival. Später haben wir die Beiden in Neuseeland wiedergetroffen, ein Wochenende in Opua und später in Whangarei, wo wir unsere Boote gelagert haben. Und nun sind sie hier in Fidschi und ankern direkt neben uns. Wir freuen uns, denn die Holländer gehören zur Kategorie " supernett und immer lustig ". René und Pauline kommen auch sogleich angeschwommen und laden uns zum Sundowner ein. Um 17.00 Uhr treffen wir uns auf der Bounty, die Freunde von der Meerbaer sind auch bereits da. Es gibt Bier, leckere Häppchen dazu, eine Boots-Besichtigung darf natürlich auch nicht fehlen. Geschichten über das Woher und Wohin sowie über andere bekannte Segler werden ausgetauscht. Schließlich haben wir uns lange nicht gesehen. Dann zaubert Pauline noch eine leckere Suppe aus der Kombüse, das ist schon mehr als man beim " Sundowner " erwartet. Die Zeit vergeht mal wieder wie im Flug. Wir verabreden uns für den nächsten Morgen, um gemeinsam in den zwei motorisierten Dinghis zur Manta-Passage zu fahren.
Pünktlich um 9.00 Uhr werden wir abgeholt. Thomas fährt im Bounty-Beiboot mit, ich steige bei den Meerbaers ein. So kommen wir ohne eigene Kraftanstrengung bis zum Anfang der Durchfahrt, wo Rainer beide Dinghis zum Aufpassen übernimmt und alle anderen Fünf ins Wasser springen. Es ist eine Stunde nach Hochwasser, und die Mantas sind tatsächlich da. Sie schwimmen gegen die Strömung durch die Passage und nehmen beim Dahingleiten ihre Nahrung, zumeist Plankton, aus dem Wasser auf. Wir haben Glück und lassen uns genau vor zwei großen Mantas ins Wasser fallen. Es ist der Wahnsinn ! Eines der eleganten Tiere schwimmt nur knapp einen Meter unter uns hindurch. Die gewaltigen Ausmaße von ungefähr 5 Metern Spannweite beeindrucken mich ebenso sehr wie die dunkelblau-schwarze Farbe mit den deutlich abgesetzten weißen Spitzen. Das Erlebnis ist so schön, es kommt einem richtig unwirklich vor. Anne gelingt es sogar, ein ganz tolles Foto frontal Auge in Auge mit dem Mantarochen zu schießen. Thomas hat unsere Unterwasser-Kamera dabei. Er macht einige Videos damit, aber wir wissen leider nicht, wie wir die zurechtschneiden und einsetzen sollen. Vielleicht später mal ..... Insgesamt gelingt es uns, 5-6 Mantarochen aus nächster Nähe zu sehen. Aber der Augenblick dauert immer nur sehr kurz, da die Tiere gegen die Strömung schwimmen, wir aber in Windeseile abgetrieben werden. Man schafft es nicht, gegen diesen starken Strom anzuschwimmen. Einige Male kommt Rainer mit dem Dinghi, um uns einzusammeln, ein Stück weiter in die Passage zu fahren und uns dann wieder auszusetzen. Dabei lachen wir uns jedes Mal halbtot, weil ich es nicht schaffe, mich aus eigener Kraft in dieses fremde Beiboot zu hieven. Das sieht dann so aus : mit beiden Füßen Schwung holen, ein Bein über die Bordkante, Anne zieht am Bein und Rainer zieht den Rest des Körpers hoch. Vielleicht hätte ich es unter Aufbietung all meiner Kräfte auch alleine geschafft - im Notfall sicherlich - aber ich war vor Lachen total geschwächt. Und anstrengend war es ! Nach 90 Minuten im Wasser sind wir alle total fertig und müssen erstmal nach Hause. Jeder zieht sich auf sein eigenes Boot zurück, um ausgiebig zu frühstücken und auszuruhen. Es war ein gewaltiges Erlebnis, das wir gerne nochmal wiederholen möchten. Danke für das Mitnehmen, ihr Lieben ! Hat riesigen Spaß gemacht mit euch.
Den Rest des Tages verbummeln wir. Nachmittags gönnen wir uns eine kalte Cola im Resort, Thomas und Nils gehen noch eine Runde Schnorcheln, ich entspanne mich am Strand. Es ist so richtig schön hier. Trotzdem werden wir morgen aufbrechen, denn neue Ziele locken.

Dienstag besteht der Frühsport daraus, fast 70 Meter Ankerkette von Hand einzuholen. Das dauert seine Zeit, aber um 7.30 Uhr sind wir unterwegs. Mäßiger Wind aus Süd-Ost und Sonnenschein satt. Nur mit der Genua auf Steuerbord machen wir gemütliche 4 Knoten Fahrt. Das ist genau die richtige Geschwindigkeit für den Salalani Tonga, wie uns die Einheimischen erklärt haben. Stimmt wohl, denn nach nur 10 Minuten haben wir die erste Tonga-Makrele von gut einem halben Meter Länge am Haken. Nur eine halbe Stunde später der nächste Fisch-Alarm. Es ist wieder eine Tonga-Makrele an der Angel, ebenfalls etwa 50 Zentimeter lang. Da lohnt sich das Braten schon ! Unterwegs liest Nils eine e-Mail mit einem Anhang, den er unterschrieben zurücksenden muss - und zwar heute noch. Da trifft es sich gut, dass wir gerade in der Nähe vom Octopus-Resort sind. So machen wir um 10.00 Uhr einen kleinen Zwischenstopp an dem uns schon bekannten Ankerplatz. Nils paddelt schnell mit dem Kayak an Land und erledigt dort im Büro seinen Papierkram, während wir auf der Walkabout warten. Bei der Weiterfahrt begleitet uns eine Gruppe Delphine über eine halbe Stunde lang und spielt vor unserem Bug herum. Schon oft gesehen, aber es ist immer wieder ein faszinierendes Schauspiel.
Wer früh aufsteht, der kommt auch früh an und hat noch was vom Tag. Bereits um 13.00 Uhr erreichen wir Navadra Island. Diese unbewohnte Insel hat uns so gut gefallen, da möchten wir gerne noch ein paar Stunden verbringen. Wir paddeln an Land, um einen Berg zu besteigen, den wir beim letzten Aufenthalt ausgelassen haben. Thomas und Nils möchten Ziegen jagen, was aber zum Glück erfolglos bleibt. Ich wandere lieber um einen Berg, der halb im Wasser steht und ziemlich steil aussieht. Schaffe  meine Umrundung entlang der Klippen nicht ganz, weil die Tide aufläuft und ich mich alleine nicht weiter wage. Bei unserer Ankunft lagen nur ein Motorboot und ein Segler vor Anker. Am späten Nachmittag kommt noch ein Bekannter in die Bucht gesegelt, Klaus mit seinem Schiff " Julia ", den wir in Opua kennengelernt haben.

Klaus hatte vorgeschlagen, uns am nächsten Vormittag mit seinem Motor-Dinghi zum Außenriff mitzunehmen. Sehr gerne hätten wir mit ihm dort geschnorchelt, aber der Himmel ist bedeckt. Das Licht ist zu schlecht, um unter Wasser gut sehen zu können, deswegen ändern wir unsere Pläne mal wieder ganz spontan. Unser neues Ziel ist die unter Naturschutz stehende Insel Monuriki. Hier wurde der Film " Castaway - Verschollen " mit Tom Hanks und seinem Volleyball Wilson gedreht. Schon bei der Annäherung stellen wir fest, dass dieses wirklich die Kulisse vom Film ist. Es sieht einfach superschön aus ! Ein langer weißer Sandstrand mit einigen Kokospalmen und kristallklares Wasser von hellblauer bis türkiser Farbe. Genau so stellt man sich eine abgelegene Insel ohne Zivilisation vor. Aber dort, wo es schön ist, da werden Touristen hingekarrt. Ein großer Segler und ein Motorboot liegen vor Anker, etwa 20 Urlauber spazieren am Strand oder tummeln sich im Wasser. Das sind Hotelgäste, die einen organisierten Ausflug zur Castaway-Insel gebucht haben. Na, die haben richtig Spaß bei diesem Bilderbuch-Wetter ( und Sonnenbrand ). Wir gehen etwas abseits von dem ganzen Trubel an Land und laufen zunächst die Küste ab. Die Insel Monuriki ist nur 1,1 Kilometer lang und 600 Meter breit, aber nicht überall so einfach zugänglich. Danach erkunden wir das Inselinnere, finden so etwas wie einen Pfad, der uns auf einen " Berg " führt. Diesen zugewachsenen Weg werden die Touris wohl eher nicht gehen, die bleiben lieber am Strand. Oben werden wir mit einer tollen Aussicht belohnt und entdecken sogar den berühmten Baum, an dem Tom Hanks sich im Film aufhängen wollte. Wir sehen aus dieser Höhe weiße Schaumkronen auf dem Wasser. Anscheinend hat der Wind ganz ordentlich zugelegt.
Um 15.00 Uhr werden die Gäste der anderen Boote abgeholt. Die Walkabout liegt plötzlich ganz alleine da, und wir haben die ganze Insel für uns. Es ist wirklich ziemlich windig geworden. Mir kommen leichte Zweifel, ob es eine gute Idee ist, an diesem ungeschützten Ankerplatz über Nacht zu bleiben. Nach kurzer Beratung entscheiden wir uns dazu, die nun einsame Insel noch ein paar Stunden länger zu genießen. Gerade jetzt, wo die Anderen alle weg sind, können wir die Film-Atmosphäre von " Verschollen " erst so richtig spüren.  Im Notfall, falls wir nachts ankerauf gehen müssen, könnten wir uns für ein paar Stunden bis zum Tageslicht an der Mooring-Boje der Professionellen festmachen. Die Männer wenden sich zur linken Seite, um einen interessant aussehenden Hügel und einige Mini-Inseln aus der Nähe zu betrachten. Ich laufe in die andere Richtung, um ein Stück entlang der Klippen zu klettern. Ohne die vielen Leute wird das hier zu unserer neuen Lieblings-Insel. Es ist schon fast dunkel, als wir endlich zum Boot zurückkehren. Der Abend und die Nacht sind nicht so gemütlich. Die Walkabout schaukelt und rollt und bockt am Anker. Viel Wind und Wellen ! Das an der Wand aufgehängte Kochbesteck klimpert, eine Wasserflasche fällt vom Tisch, das Nudelwasser läuft über. Einmal geht der Ankeralarm los, danach ist an Schlaf nicht mehr zu denken. Aber wir bereuen unsere Entscheidung nicht - auf jeden Fall ist Monuriki Island auf unserer Wunschliste. Wir sind jetzt zurück in der Inselgruppe der Mamanucas und möchten die Castaway-Insel auf jeden Fall noch einmal besuchen.

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07.09.2016

Blue Lagoon, Manta Ray und die Castaway-Insel 30.08. - 07.09.2016

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30.08.2016

Yasawa-I-Rara 21.08. - 30.08.2016

Wetterumschwung - die erste trockene Nacht seit längerer Zeit. Endlich konnten wir mal wieder das Luk über der Schlafkoje weit offen lassen und Sterne gucken, Vollmond noch dazu. Wir haben uns den Wecker gestellt und sind schon um 7.00 Uhr früh unterwegs. Haben uns einen längeren Törn vorgenommen bis zum nördlichsten Zipfel der Yasawa-Gruppe. Wenig Wind, um 11.00 Uhr starten wir den Motor zur Unterstützung. Gleich darauf ruckt die Angel, es scheint ein kräftiger Fisch zu sein. Schon wieder ein Schwarzflossen-Thun, dieser ist größer als alle bisher im Fidschi-Archipel gefangenen Fische. Am Nachmittag dann noch ein Biss, ein weiterer Thunfisch. Offensichtlich können die Männer gerade nichts Anderes fangen. Trotzdem lecker, mal als Curry, mal mit Kartoffeln und Senfsoße. Diesmal haben wir genug Fisch, dass wir die Filets knusprig braten können und trotzdem alle satt werden. Nach knapp 40 Seemeilen erreichen wir gegen 17.00 Uhr die Insel Yasawa-I-Rara, wo wir auf 7,50 Meter Wassertiefe vor dem weißen Sandstrand ankern. Am Ufer ist nichts los, keine Menschen und auch keine Tiere zu sehen. Es ist Sonntag, dieser Tag ist in Fidschi heilig und ganz der Familie gewidmet. Man darf nichts machen, Arbeiten ist verboten, auch Fischen oder Schwimmen sind nicht erlaubt. Alle Einheimischen bleiben in oder in der Nähe ihrer Hütten. Einzige Aktivität ist der gemeinsame Kirchgang, manchmal sogar zweimal am Sonntag. Da wollen wir natürlich nicht stören und bleiben den Rest des Tages auf dem Boot.

Trotz heftiger Windböen hat unser Anker super gehalten. Morgens ist das Meer zunächst noch sehr unruhig. Bei der erstbesten Gelegenheit, sobald der Wind einen Moment nachlässt, paddeln wir ans Ufer. Am Strand werden wir von ein paar Kindern empfangen, die uns gleich vertrauensvoll an die Hand nehmen. Leider kann ich die beiden Kleinsten nicht verstehen. Die Mädchen sind im Kindergarten-Alter und sprechen offensichtlich einen Fidschi-Dialekt. Englisch wird dann wohl erst ab der 1. Klasse unterrichtet. Aber das scheint kein Problem zu sein, die kleinen Mädels strahlen mich an, während die zwei Jungens dem Kapitän nicht mehr von der Seite weichen. Den ersten Erwachsenen am Strand fragen wir nach dem Dorf-Oberhaupt, so wie es die Tradition verlangt. Dieser ist gleichzeitig Priester, aber zur Zeit in der Hauptstadt, um in Suva irgendwelchen Regierungspflichten nachzugehen. Wir werden zu seinem Stellvertreter gebracht, dem " Second Headman ". Dort werden wir ins Haus gebeten, wo mehrere Personen im Kreis auf dem Boden sitzen und riesige Schüsseln mit Kartoffeln und Kürbis schälen. Zu diesem Höflichkeits-Besuch haben wir unsere " offizielle " Kleidung angezogen, Thomas im Sulu mit Fidschi-Hemd, ich ganz brav im langen Rock und Schultern bedeckender Bluse. Wir überreichen unser Kava-Bündel, die Sevusevu- Zeremonie ist kurz und schmerzlos. Der zweite Dorfchef ist jünger als wir, er scheint modern und aufgeschlossen zu sein. Nachdem wir uns eine Weile unterhalten haben, Fragen stellen durften und über unsere Reise erzählen mussten, werden wir ins Dorf entlassen. Wir sind nun hier als Gäste akzeptiert und dürfen uns überall frei bewegen. Der Besuch beim Chef und die rituelle Kava-Gabe sind sozusagen die Eintrittskarte in die Gemeinschaft. Bei unserer ersten Wanderung treffen wir vier kleine Mädchen beim Papaya-Pflücken. Begeistert lassen sie sich fotografieren. Etwas später lernen wir ein junges Einheimischen-Paar kennen - ein glücklicher Zufall, wie sich im Laufe der nächsten Woche herausstellen wird. Zunächst hilft uns Nix beim Kokosnuss-Sammeln. Er schnitzt sich in Windeseile einen langen Stecken, mit dem er uns ein paar Trinknüsse vom Baum holt. Zusammen mit seiner jungen Frau Sarah ist er unterwegs auf die andere Seite der Insel, um zu fischen. Wir dürfen sie begleiten, unterhalten können wir uns auf englisch. Nix muss Köder suchen und gräbt dafür mit beiden Armen im Sand tiefe Löcher. Er holt kleine Krebse heraus, die Momo genannt werden. Bei ablaufend Wasser werden sie gesammelt und dann als Köder an seiner primitiven Angelschnur befestigt. Damit laufen die Männer bis hüfttief ins Wasser, wo sich so Einiges an Fischen tummelt. Es gibt sogar giftige Wasserschlangen im seichten Wasser, vor denen man sich in Acht nehmen sollte. Währenddessen begleite ich Sarah entlang der Klippen, wo sie bei Niedrigwasser allerlei Muscheln und Krebse sammelt. Ein erfolgreicher Nachmittag, unsere neuen Bekannten sind sehr zufrieden mit ihrer Ausbeute und laden uns zum gemeinsamen Abendessen ein. Auf dem Heimweg ins Dorf machen wir noch einen Abstecher zu ihrem Acker, wo uns erklärt wird, was hier wächst und wie man es anbaut. Jede Familie in Fidschi bekommt von der Regierung ein eigenes Stück Land zugewiesen, Platz für ein Haus und zum Anpflanzen von Gemüse. Die Menschen im Dorf leben von dem, was die Erde hergibt, und sind fast völlig autark. Einmal im Monat kommt eine kleine rostige Fähre und versorgt die Bewohner mit Dingen vom Festland. Manchmal, wenn das Wetter nicht mitspielt, kommt das Versorgungsschiff auch nicht. Dann dauert es eben zwei Monate, bis die Waren geliefert werden, aber das stört hier Niemanden. Wir finden es herrlich ! Man kann hier einfach ohne Geld aus dem Haus bzw. von Bord gehen, denn es gibt sowieso nichts zu kaufen, kein Café, kein Restaurant. Nachdem wir bereits eine Woche in Yasawa-I-Rara mit den Einheimischen zusammen leben und essen, müssen wir vor dem Kirchgang das Portemonnaie suchen, weil wir es weit weggepackt und überhaupt noch nicht gebraucht haben.
Einige Fischer haben uns erzählt, dass es hier keine versteckten Felsen und Korallenköpfe gibt, die unserem Boot gefährlich werden können. Wir sollen doch näher an den Strand fahren, damit wir nur noch die halbe Strecke zu paddeln haben. Also wird nochmal umgeankert, schließlich liegt der Anker auf Sandgrund in 5 Meter Tiefe. Viel besser geht es nicht.
Abends sitzen wir zusammen mit Sarah, Nix, den beiden Töchtern und weiteren Kindern von Onkel, Tante oder Nachbarn in einer Blechhütte auf dem Boden. In der Mitte liegt eine bunte Tischdecke mit verschiedenen Schüsseln und Platten. Vor dem Essen wird ein Dank-Gebet gesprochen. Es gibt eine reichhaltige Mahlzeit mit den verschiedenen Fischen, Muscheln, Krebsen vom Nachmittag, alles eingelegt in Kokosmilch. Dazu werden Cassava ( Maniok ) und Reis gereicht. Gegessen wird mit den Fingern, was bei gekochtem Fisch in Soße gar nicht so einfach ist. Zum Schluss wird die Schüssel mit der kostbaren Kokosmilch-Fisch-Brühe ausgeschlürft. Vom langen Sitzen auf dem Boden schlafen die Füße und Beine ein. Alles sehr gewöhnungsbedürftig und für meinen Geschmack etwas zu exotisch. Aber genau das haben wir ja gesucht : das ganz ursprüngliche Fidschi, noch nicht vom Tourismus beeinflusst, traditionelles Leben in der Dorfgemeinschaft. Wir sind total froh darüber, dass wir gleich bei unserem ersten Rundgang diese wirklich nette Familie kennen gelernt haben. Obwohl sie selber nur das Nötigste zum Leben haben, werden wir reichhaltig beschenkt, bevor wir wieder zur Walkabout zurückkehren. Wir bekommen Cassava, Kürbis, Papayas, scharfe Pepperonis und Kochbananen zum Mitnehmen, alles aus eigenem Anbau. Damit machen sie uns eine große Freude, denn der letzte Einkauf in Lautoka ist bereits drei Wochen her und frisches Gemüse damit Mangelware bei uns.

Am nächsten Morgen haben wir Besuch an Bord von einem Einheimischen, der mit seinem kleinen Motorboot vorbeikommt. Die Leute sind immer sehr interessiert an der Walkabout. Irgendwie sind wir ganz froh, dass wir mit einem kleinen rostigen Stahlschiff unterwegs sind und nicht mit einer schicken Plastikyacht, die wie geleckt aussieht. Der Kontakt zu den Menschen gestaltet sich so viel einfacher. Willi bekommt einen Kaffee an Bord - mit viel Milch und Zucker, da sind die Fidschianer ganz scharf drauf. Er erzählt uns vom Champagne-Beach ganz in der Nähe. Das Land und damit auch der Strand gehören seiner Familie, und wir werden herzlich zum Spaziergang oder Schwimmen eingeladen. Heute geht es nicht, vielleicht morgen. Thomas und Nix haben sich zum " Trawlern " verabredet. Sie fahren mit der Walkabout zum Angeln vor die Küste. Nach mehr als 20 Seemeilen und 4 Stunden Motorfahrt kommen die Männer zurück. Ein Wahoo mit einer Länge von ca. 1 Meter ist das Ergebnis dieser Ausfahrt, dazu noch ein kleinerer Bonito. Wir sollen den Riesenfisch zusammen mit unseren neuen Freunden vernichten, aber wir können uns zum Glück erfolgreich dagegen wehren. Sarah und Nix teilen den Wahoo mit Verwandten und Nachbarn, wir behalten den kleineren Fisch und essen zu Hause. Das ist mir, ehrlich gesagt, auch lieber so. Abends schaukeln wir heftig im Schwell. Wo kommt bloß immer dieser viele Wind her ?

Mittwoch früh ist der Himmel bedeckt, es soll eine Wetter-Verschlechterung geben. Das ist genau richtig für eine lange Wanderung. Wir möchten gerne die weitere Umgebung erkunden und laufen zunächst auf einem ausgetretenen Pfad, später auf einer zugewachsenen Fahrspur. Nach 7 Kilometern erreichen wir eine Gabelung, der linke Weg führt offensichtlich zu einem anderen Dorf. Aber eigentlich wollten wir zum Champagne Beach, also kehren wir um und wählen einen Weg durch dichte Sträucher bis zur Küste. Richtig schöner weißer Sand erwartet uns dort, ein flach abfallendes Ufer, klares Wasser und ein völlig menschenleerer Strand. Inzwischen haben sich die Wolken verzogen, und die Sonne brennt vom Himmel. Idealer Platz zum Baden, die Wassertemperatur liegt bei 28 Grad, da kann man kaum von Abkühlung reden. 

Zurück geht es direkt an der Küste entlang. Wir klettern über die Klippen an steilen Felswänden entlang. Diese Route ist wohl nur bei Niedrigwasser möglich, manchmal müssen wir knietief ins Wasser. Schon von Weitem sehen wir eine gepflegte Anlage mit Swimmingpool, Sonnenliegen und Grill auf der Terrasse. Das scheint etwas hochpreisiger zu sein. Schon beim Namen " Angel Beach " kommt mir der Gedanke, dass ich mich bei so einem All-Inclusive-Urlaub wahrscheinlich zu Tode langweilen würde. In einer kleinen Bucht liegen mehrere Motorboote von Fischern. Direkt am Strand steht eine schicke Hütte, die gehört Moses ( dem 3.). Wir reden kurz mit den Männern, die hier wohnen. Sie sprechen gutes Englisch, sind alle sehr nett und werden immer zutraulicher, als sie hören, dass wir keine Hotelgäste sind. Eine Felsnase nach der anderen verlängert die Küstenlinie und unseren Rückweg enorm. Eine Ansammlung von bunten Hütten, die wir schon auf dem Hinweg von der Straße aus gesehen haben, entpuppt sich als verlassenes Resort. Die Häuschen sind stark beschädigt, Dächer undicht, Fenster kaputt. Eventuell ist der Hurricane im Februar hier durchgefegt und hat die Schäden verursacht. Oder diese Anlage wurde einfach aufgegeben und sich selbst überlassen. Die letzte Gäste-Belegung scheint schon länger her zu sein. Das sieht spannend aus, wir erkunden das Gelände und schauen in jedes Häuschen. Viele Hornissen haben sich im Inneren ihre Nester gebaut. Entlang der Wege stehen zahlreiche Kokospalmen mit Nüssen in der richtigen Höhe, die wir abernten und mitnehmen. Insgesamt sind wir mehr als 6 Stunden unterwegs und etwa 15 Kilometer über die Insel gelaufen. Als wir endlich die Bucht einsehen können, in der die Walkabout liegt, da finden wir das Boot nicht mehr an seinem Platz. Der starke Wind weht ablandig und hat uns etwa 150 Meter nach hinten rutschen lassen. Da liegen wir jetzt auf 7 Meter Wassertiefe, alleine in der Bucht mit viel Platz drumherum. Unser Anker ist geslippt, für weichen Sandboden anscheinend nicht so gut geeignet. Wir fahren wieder ein Stück vor, werfen den Anker auf 5 Meter Tiefe und noch 30 Meter Kette hinterher. Das soll wohl reichen, um uns an Ort und Stelle zu halten.

Am Donnerstag machen wir zunächst einen Spaziergang durch das Dorf, wo wir inzwischen bekannt sind und von Jedermann freundlich gegrüßt werden. Dann wählen wir die andere Richtung und laufen links herum am Strand entlang bis zu einem auffälligen Anlegesteg, sehr neu und aus teuren Materialien hergestellt. Ein Einheimischer erzählt uns, dass diese moderne Anlage für Kreuzfahrt-Schiffe gebaut wurde. In diesem Jahr war bereits ein Kreuzfahrer vor Ort, ab dem nächsten Jahr soll jeden Monat ein größeres Schiff anlegen. Dann werden Hunderte von Touristen durch dieses verlassene Dorf streifen und das Leben der Bewohner verändern.
Nachmittags gehen wir getrennte Wege : Thomas möchte Muscheln suchen auf der anderen Inselseite, Nils zum verlassenen Resort, ich noch einmal zum Champagne Beach. Der Rückweg mit dem Kayak ist anstrengend, Wind und Schwell machen das Anlegen schwierig. Habe noch einen Willi kennengelernt, den Bruder vom Onkel .... irgendwie sind die hier alle miteinander verwandt. 
Später am Tage geht ein Motorboot längsseits, in dem zwei Männer sitzen, die im Resort auf der anderen Seite arbeiten. Sie fragen, ob sie unser Boot besichtigen dürfen. Einer von den Beiden ist so kräftig, dass er den gesamten Durchgang ausfüllt und ich in der Kajüte beinahe Platzangst bekomme. 
Abends machen wir noch einen Besuch bei Sarah und den Kindern. Nix ist nicht da, er musste wegen einer Beerdigung auf eine andere Insel fahren und dort über Nacht bleiben. Wir verschenken ein Kilo braunen Zucker, den hatten wir Sarah schon am ersten Abend versprochen. Außerdem bekommt sie eine große Flasche Bodylotion, die sie sich gewünscht hat. Dafür gibt sie uns noch mehr Cassava und Belje, eine Art Spinat. 

Thomas lernt, wie Kokosöl hergestellt wird und wie Besen gebunden werden. Beides sollen Abschiedsgeschenke für die Arbeiterkolonne werden, die morgen ihren letzten Tag auf der Insel hat. Zur Mittagszeit erscheinen wir bei unserer Familie und werden schon wieder spontan zum Essen eingeladen. Eigentlich wollten wir nur  ein paar Einkochgläser und leere Flaschen abgeben, die hier sehr begehrt sind zum Einfüllen von allen möglichen Lebensmitteln. Ameisen, Ratten und sonstiges Getier haben ungehinderten Zutritt in die offenen Hütten, deswegen muss alles möglichst sicher verpackt sein. Zum Mittagessen sitzen wir draußen auf einer großen Decke im Kreis. Es gibt selbstgesuchte Krebse ( diesmal Landkrebse ) in Kokosmilch, das Grünzeug Belje und das nicht wegzudenkende Cassava. Es schmeckt gar nicht schlecht, man darf nur nicht so genau hingucken. Wir können eine Tüte abgepackten Thunfisch beisteuern. Nach dem Essen gibt es Tee. Das ist ein Glas kochendes Wasser mit je einem Blatt vom Limonenbaum, gerade frisch gepflückt. Unglaublich, was dieses Blättchen für ein Aroma abgibt ! Wir sind erstaunt darüber, mit was für einfachen Mitteln man Geschmack an das Wasser bekommen kann. Zum Tee wird kalter Reis gereicht, das ist nun wieder etwas ungewohnt für meinen Geschmack. Nix bietet uns an, dass wir uns am kommunalen Wassertank bedienen dürfen. Darin wird Regenwasser gesammelt, mit dem wir unseren Trinkwasser-Vorrat wieder auffüllen können. Sehr nett, aber wir nehmen erstmal nur zwei 5-Liter Kanister mit zum Boot. Außerdem bekommen wir zwei weitere Kürbisse geschenkt, die sind zum Glück lange haltbar an Bord. br />Nachmittags gehen die Männer zum Tauchen und Speerfischen - sehr erfolgreich. Sie holen mehrere Fische und zwei Lobster aus dem Wasser. Die Lobster werden sofort an Bord zubereitet, ein kleiner Snack zwischendurch. 
Abends gibt es eine Abschiedsfeier für die Arbeiter von Powerlite im Community Center. Im Auftrag der Regierung haben die Bewohner des Dorfes Solaranlagen bekommen. Es werden Fördergelder bereitgestellt für Projekte zur Unterstützung der Dorfbevölkerung. Die Leute von Powerlite versorgen nach und nach alle bewohnten Inseln mit Strom. Es gibt 62 Häuser im Dorf, und jede Hütte hat jetzt eine eigene Solarpaneele. Nix ist begeistert, denn früher musste er immer weit laufen, wenn er sein Handy laden wollte. Nun kann er es direkt vor seiner Hütte anschließen, die Sonne liefert Energie im überfluss. Wir haben uns mit unseren neuen Freunden verabredet, damit wir nicht so alleine bei der Feier auftauchen. Sitzen zuerst eine Weile draußen auf der Matte, bis mit zunehmender Dunkelheit die Moskitos über uns herfallen. Bisher kannten wir nur die Kochhütte und den Essplatz auf der großen Decke, jetzt werden wir zum ersten Mal in die " gute Stube " gebeten. Sehr armselig, es gibt keine Tische, Stühle, Schränke. Auch hier sitzt man auf einer geflochtenen Matte auf dem Boden. Der Schlafbereich ist durch einen Vorhang abgetrennt. Einige Kinder und zwei weitere Frauen sind zu Besuch, blättern in alten Zeitschriften und unterhalten sich lebhaft. Endlich geht es los, wir marschieren gemeinsam zum Community Center und bekommen unsere Plätze links auf der Veranda zugewiesen. Eine langatmige Kava-Prozedur beginnt, bei der nacheinander ein halbes Dutzend älterer Männer ihren Fidschi-Grog trinken und anscheinend wichtige Reden halten. Respektvolles Schweigen, Klatschen an den richtigen Stellen, dann ist dieser offizielle Teil endlich beendet. Zum Ende der Zeremonie werden wir vom obersten Chef und Priester persönlich begrüßt. Den kannten wir vorher noch nicht, weil er auf dem Festland beschäftigt war. Ich fühle mich sehr unwohl, denn ich sitze als einzige Frau alleine mit 30 Männern im Kreis. Alle anderen Frauen und Kinder sitzen auf der rechten Seite der Veranda. Wo ist das Mauseloch, in dem ich mich verkriechen kann ? Nach etwa einer Stunde auf dem harten Boden hockend kann ich kaum noch ruhig sitzen, Beine und Füße tun weh. Es stresst mich total, ständig darauf zu achten, dass die Knie trotz Rock immer züchtig bedeckt bleiben. Aber der Abend ist noch lange nicht vorbei, denn nun gibt es ein gemeinsames Essen. Die Teller werden fertig vor uns hingestellt, und meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Natürlich wird gekochter Fisch mit Cassava serviert. Die Chefs, die Solar-Arbeiter und Thomas bekommen jeweils ein schönes Mittelstück. Nils als Halbwüchsiger hat ein Schwanzstück auf seinem Teller, ich als einzige Frau in der Runde bekomme einen Fischkopf gereicht. Na prima, das passt ja gut zu meiner schon angeschlagenen Stimmung ! Dabei habe ich es als Frau vom Kapitän noch besser als die einheimischen Muttis und Kinder. Die müssen nämlich erst einmal warten, bis die Männerrunde fertig ist mit dem Essen. Danach dürfen sie abräumen und sich über die Reste der Tafel hermachen. Ich bin ganz schön bedient - das ist nicht meine Welt. Ich bin es gewohnt, von meinem Mann immer bevorzugt behandelt zu werden und bekomme zu Hause meistens das schönste Stück. Außerdem muss ich inzwischen dringend zur Toilette, die es laut Sarah hier im Gebäude geben soll ( ist ja nicht selbstverständlich ). Kann das Ende der Veranstaltung nicht abwarten und begebe mich eigenständig auf die Suche. Dabei lande ich dummerweise im Schlafraum der Arbeiter, wo zum Glück nur zwei der Männer herumliegen und mich verwirrt anstarren. Dann versuche ich es mal in der anderen Richtung, muss wieder an Allen vorbei - wie peinlich !
Endlich finde ich die sanitären Anlagen im Gemeinschaftshaus und bereue es sofort, dass ich mir nicht draußen ein Plätzchen hinter den Büschen gesucht habe. Es gibt kein Licht, kein Papier, Wasser und Seife sowieso nicht. Die Spülung funktioniert nicht, man pinkelt also einfach hinein und geht dann wieder. Dementsprechend penetrant ist der Geruch, der Boden ist schmierig .... und ich bin barfuß, denn die Sandalen mussten wir vor der Veranda ausziehen. Brrrr !!! Endlich habe ich den Abend überstanden, wir werden offiziell entlassen. Mir ist schlecht. Zurück auf dem Boot brauche ich ganz dringend Wasser und Seife, dann werden die Zähne gründlich geputzt, um den Geschmack vom Fischkopf loszuwerden. Koche mir einen starken Kaffee, danach trinke ich noch einen Jägermeister, um den Brechreiz zu bekämpfen und meinen Magen zu beruhigen. Was würde ich für ein Bier und eine Tüte Chips geben ! Oder ein ganz normales Restaurant mit Tischen und Stühlen, auch wenn es nur McDonalds ist. Ein harter Tag für mich - Thomas verspricht mir 4 Monate Wunschessen in Deutschland. 

Samstag klingelt der Wecker früh, denn Thomas hat sich mit Nix in der Plantage verabredet. So lernt er eine Menge darüber, wie die Menschen hier ihren Garten bestellen, um davon täglich Gemüse zu ernten. Der Acker muss umgegraben werden, und es wird Cassava angepflanzt. Diese Wurzel kommt täglich auf den Teller und ist ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Aber so ganz ohne Mühe wächst auch das nicht. Nix freut sich offensichtlich sehr über die Hilfe und Unterhaltung. Thomas kommt mit noch mehr Cassava und zwei Kürbissen zum Boot zurück. Später fahren wir gemeinsam an Land und besuchen den ersten Chef Rato zu Hause. Wir schenken seiner Frau ein großes Glas Nescafe und eine Dose Backpulver, außerdem einen Sack voller leerer Flaschen und Behälter. Thomas hatte schon am Vormittag mit ihr gesprochen und erfahren, dass die Frau vom Dorfchef Husten und Halsschmerzen hat. Daher habe ich eine Tasche mit Medikamenten zusammengestellt. Darin sind Hustenloeser, Halsschmerz-Tabletten, 2 Packungen Paracetamol, antibiotische Salbe und Brandsalbe. Wir haben von Allem zuviel an Bord. Am Nachmittag kommen dann Rato mit seiner Frau und einigen Kindern bzw. Enkelkindern auf die Walkabout. Thomas muss mehrere Male hin- und herfahren, da die meisten Dorfbewohner kein eigenes Boot besitzen. Zunächst zeigt Rato uns einen dicken Schäkel und fragt, ob wir einen größeren haben. Okay, den bekommt er natürlich sofort geschenkt. Wir denken uns noch nichts Böses dabei. Aber die beiden Aelteren sind etwas unangenehm und unverschämt. Sehr deutlich fragen sie, ob wir keine Lesebrillen mitgebracht haben. Der Häuptling bekommt eine Brille in der passenden Sehstärke, für die Augen seiner Frau haben wir leider keine passende. Dann möchte der Chef ein Etui dazu haben, ich gebe ihm meines. Die Gattin bittet mich, ihr beim nächsten Besuch eine Uhr mitzubringen. Zufällig habe ich eine Armbanduhr, die ich nicht benutze und ihr gebe. Zwei Blusen, die mir mit ihrer grellen Farbe nicht gefallen, werden ebenfalls gerne angenommen. Als wir außer Kaffee, Keksen und Lollys anscheinend nichts mehr anbieten, da kommt Aufbruchstimmung auf. Im letzten Moment sieht die Frau vom Chef eine Sonnenbrille aus einem offenen Schapp lugen und fragt, ob sie die haben kann. Okay, geschenkt, aber dann nichts wie an Land mit der Bande.
Wir sind nicht länger alleine. Eine Superyacht ist angekommen und hat nicht weit entfernt ihren Anker geworfen. Es handelt sich um die " Masteka ", eine Charteryacht mit australischer Flagge. Hier mal einige Preise : 2000,- Euro die Stunde, 13600,- Euro pro Tag und schlappe 112.000,- Euro für eine Woche. Das Ganze beinhaltet vollen Service und eine 6-Personen-Crew, die stets zu Diensten ist. Unglaublich, wieviel Geld manche Menschen so heraushauen ! Von der Wochenmiete könnten wir 10 Jahre lang reisen. Zur Zeit ist eine 6-köpfige Familie zu Gast auf der Superyacht, ein Ehepaar mit 4 Kindern. Also ein Besatzungsmitglied pro Kopf, da wird einem wohl jeder Wunsch von den Augen abgelesen. Aber das Beste an diesem neuen Schiff, nachdem wir 6 Tage alleine in der Bucht lagen, ist der Kapitän. Den kennen wir gut, es ist Matt von der Providence. Kennengelernt haben wir ihn im Frühjahr 2013 in Puerto Montt. In diesem Sommer haben wir ihn bereits in der Musket Cove und vor der Insel Mana getroffen. Damals hat Matt uns erzählt, dass er einen sehr guten Job auf einer Luxusyacht hat. Und nun liegen wir hier vor Yasawa-I-Rara nebeneinander vor dem Strand, die kleine Walkabout und das schwimmende 5-Sterne-Hotel. Die Welt ist klein. Wir freuen uns, ihn hier zu sehen. Schon bald nach der Ankunft fährt Matt mit zwei Fidschianischen Bootsmännern und einigen dicken Kava-Bündeln Richtung Land. Auch solche wichtigen Leute müssen ihren Antrittsbesuch beim Dorfchef machen und sich an die Sevusevu-Tradition halten. Im Vorbeifahren reicht Matt uns einen großen Beutel mit Eiswürfeln hinüber. Was für eine tolle Idee ! Es gibt zwar nach wie vor nur Wasser aus dem Kran, aber die Eiswürfel machen daraus etwas ganz Besonderes. 
Abends ist eine kulturelle Veranstaltung geplant, zu der wir von unserer Familie und dank der Fürsprache von Matt eingeladen werden. Die Gäste haben für diese Darbietung 100,- Dollar bezahlt, wir dürfen als Zaungäste etwas am Rande umsonst zuschauen. Es wird Musik und Tanz geboten, ganz ähnlich wie wir es bereits im Dorf auf der Insel erlebt haben. Danach breiten die einheimischen Frauen ihre Decken aus und bieten ihre handwerklichen Sachen, hauptsächlich Schmuck und Muscheln, zum Verkauf an. Ich komme während des Flohmarktes mit dem Familienvater ins Gespräch. Es ist Daniel Green aus London. Die ganze Familie scheint trotz ihres Mega-Reichtums echt nett zu sein. Sie sind sehr guter Stimmung, tanzen ausgelassen und haben riesigen Spaß auf dem Fest. Aber bloß kein Neid - Daniel Green erzählt mir, dass ihr Fidschi-Urlaub nur 9 Tage dauert und sie am Mittwoch wieder in den Flieger nach London steigen müssen. Wir dagegen segeln schon seit zwei Monaten durch das Fidschi-Archipel, haben in dieser Saison noch etliche Wochen vor uns und können jederzeit noch einmal hierhin zurückkommen.

Sonntag ist Kirchgang angesagt, das haben wir unserer sehr religiösen Familie versprochen. Also spazieren wir in festlicher Kleidung mit Sarah, der Tante und den Kindern über einen schmalen Pfad bis zur Kirche, die etwas außerhalb liegt. Matt und der Rato kommen später nach. Wir bekommen vom Häuptling eine dicke Bibel auf Englisch in die Hand gedrückt. Sarah erzählt uns, worum es in der Predigt gehen wird und zeigt uns die entsprechenden Stellen zum Nachlesen. Auch gut, kann ja nicht schaden. In der Kirche sitzen Männer und Frauen getrennt, nur wir bleiben zusammen und passen nicht ins Muster. Vorne im Kirchenschiff stehen wuchtige Sessel, darin sitzen 5 ältere Männer und machen eigentlich Nichts. Also, wer genau welche Funktion im Dorf erfüllt, das haben wir auch nach mehr als einer Woche noch nicht durchschaut. Dann beginnt der Gottesdienst mit melodischem Gesang eines kleinen Chores. Die zwei Sängerinnen faszinieren uns durch ihre klangvollen Stimmen und die Inbrunst, mit der sie ihre Lieder singen. Es gibt zwei kirchliche Gruppen im Dorf, wir besuchen die Methodistenkirche. Das Besondere daran ist, dass die Musik mit Instrumenten begleitet wird. Es gibt Gitarre, ein Tasteninstrument, und ein Jugendlicher spielt sogar Schlagzeug dazu. Die Musik klingt fröhlich und gefällt uns gut. In der anderen Kirche dürfen keine Instrumente benutzt werden, erklärt uns Sarah. Dorthin gehen die Dorfbewohner, die Kava und Alkohol trinken und rauchen. Unsere Familie ist abstinent und lebt sehr gesund von dem, was der Boden und das Meer hergeben. Wir finden diese Kirchen-Einteilung zwar etwas merkwürdig, aber um die Religion der Menschen zu verstehen, muss man wohl länger hier leben. Nach dem schönen Beginn durch den Chor kommt der Prediger auf die " Bühne ". Zunächst werden wir persönlich begrüßt und als die " Freunde von Deutschland " herzlich willkommen geheißen. Man bedankt sich für unseren Besuch und wünscht weiterhin Gottes Segen für uns und das Boot. Das klingt noch sehr nett, aber dann legt der Prediger richtig los. Er redet mit lauter Stimme auf die Menschen ein. Das klingt nun gar nicht mehr nett, er schimpft und wettert und schreit beinahe. Natürlich verstehen wir kein Wort von der Predigt, aber der Tonfall klingt drohend und beängstigend. Kein Wunder, dass die Kinder aus den ersten drei Reihen immer wieder durch die offenen Türen nach draußen verschwinden. Der Priester hält seine Ansprache auf fidschianisch. Das Einzige, was wir mitbekommen, sind die Worte " Pray the Lord " und " Amen " am Ende jedes Absatzes. Wir fühlen uns unwohl. Es kommt uns so vor, als ob die Menschen in den Bänken von dieser gewaltigen Stimme eingeschüchtert werden sollen. Wir geben einen größeren Schein, als der Klingelbeutel herumgereicht wird und hoffen, dass dieses Geld der Dorfgemeinschaft zugute kommt. Das ist durchaus angemessen, wo wir doch so lange kostenlos in der Bucht ankern. Von Matt haben wir erfahren, dass die Luxusyacht für eine Nacht vor Anker 800,- Dollar Landegebühr an den obersten Chef zahlen musste.
Nach zwei Stunden ist es geschafft. Wir sind diesmal beim Rato und seiner Frau zum Mittagessen eingeladen. Die wohnen direkt neben Sarah und Nix, deswegen wird es ein gemeinschaftliches Mahl in großer Runde. Ein Haufen Kinder sind mit von der Partie, die verwandtschaftlichen Beziehungen sind mal wieder nicht zu durchschauen. Vor dem Essen soll Thomas beten, aber er ziert sich. Ich springe ein und sage, dass er kein Gebet auf Englisch sprechen kann, worauf Rato dann das Tischgebet übernimmt. Es wird Cassava und Fisch in Kokosmilch serviert. Was auch sonst ? Zu meinem Glück gibt es heute zusätzlich Weißkohl, den Sarahs Onkel vom Festland mitgebracht hat. Eine willkommene Abwechslung - bei diesem ganzen gekochtem Fisch und Muschelzeug könnte ich gut zur Vegetarierin werden. In einer Ecke der Hütte liegen gleich drei Brillenetuis auf dem Boden, meines ist aber nicht dabei. Ich ärgere mich über diese offensichtliche Abzocke. Thomas repariert anschließend noch mal eben den Fernseher vom Rato. Der Bürgermeister bietet uns ein Haus und ein Stück Land an, wenn wir in Yasawa-I-Rara bleiben wollen. So einfach wäre das, aber wir möchten lieber nicht hier enden. Ich bin froh, als wir endlich entlassen werden und zurück zur Walkabout dürfen. 
Am Nachmittag gehen die Einheimischen nochmal in die Kirche, aber da haben wir ein besseres Programm. Matt hat uns versprochen, dass wir die Masteka besichtigen dürfen. Da lassen wir uns nicht zweimal bitten. Er selber muss die Gäste am Strand unterhalten, aber ein nettes Mädchen aus Neuseeland ( angestellt für den Service ) bekommt von ihm über Funk Bescheid und macht mit uns eine Boots-Besichtigung. Was für ein unglaublicher Luxus auf drei Etagen ! Man wagt es kaum, barfuß über den mit dicken Flauschteppichen ausgelegten Boden zu laufen. Alles vom Allerfeinsten, es gibt sogar einen Whirlpool an Deck. Das Mädel möchte uns alles Mögliche mitgeben, Getränke, frisches Obst .... Aber wir lehnen dankend ab, nur unsere Wassertanks hätten wir gerne wieder voll. Kein Problem, ein einheimischer Bootsmann füllt uns mehrmals die Kanister auf. Das ist schon eine große Hilfe, denn so müssen wir den Leuten aus dem Dorf nicht ihr Regenwasser wegnehmen. 
Für den Abend haben wir Sarah und Nix mit ihren Kindern zu uns an Bord eingeladen. Dafür backen wir einen leckeren Schokoladenkuchen, aufgepeppt mit einer großen Tafel Nuss-Schokolade. Die ist so weich, dass ich sie einfach mit dem Löffel aus der Packung in den Teig rühren kann. Ja, es ist zu warm in Fidschi für Schokolade. Um 18.00 Uhr ist der Nachmittags-Gottesdienst zu Ende. Thomas muss mehrmals fahren, um unseren Besuch mit dem Dinghi vom Strand abzuholen. Neben den eigenen Töchtern sind noch zwei andere Mädchen mitgekommen, die wir bisher noch nicht kannten. Der Kuchen wird begeistert aufgenommen und ist in Windeseile aufgefuttert. Eigentlich hatte ich vor, Sarah den Rest einzupacken und mit nach Hause zu geben, aber da bleibt kein Rest übrig.
Wir schenken unseren Freunden einige Lebensmittel und T-Shirts für die Mädchen. Zwischendurch kommt noch Matt mit seinem Motorboot vorbei. Er bringt einen großen Beutel Eiswürfel mit, allerdings sind diesmal auch etliche Bierflaschen darin. Falscher Zeitpunkt, um damit anzustoßen. Unsere Methodisten-Freunde sind strenge Alkohol-Gegner. Das Bier verschieben wir deswegen auf später, und Matt bekommt ein Stück Schokoladenkuchen. Wir sind mit 10 Personen auf der Walkabout. Es ist ein bisschen eng, aber ein total netter und lustiger Abend. Viel zu früh muss Thomas unsere Gäste zurück an Land bringen, weil die Kinder am nächsten Tag Schule haben und Sarah um 5.00 Uhr aufstehen muss.

So langsam denken wir ans Abschied-Nehmen. Wir haben die Menschen hier sehr ins Herz geschlossen. Ich habe aber langsam genug vom Dorfleben und einheimischem Essen. Wir beschließen, morgen in der Frühe aufzubrechen und eventuell noch einmal herzukommen. Es gibt da noch eine kleine Wunschliste und einige Dinge, die wir in Lautoka einkaufen und beim nächsten Mal mitbringen möchten. An unserem letzten Tag wandern wir zwei Stunden am einsamen Strand entlang. Zurück suchen wir uns einen Weg durch Wald und Buschwerk. Dann machen wir die Abschiedsrunde durch das Dorf und bleiben dabei oft zum Plaudern stehen. Wahrscheinlich kennen uns inzwischen alle Leute, mit vielen Menschen hatten wir persönlichen Kontakt. Eine ältere Frau zeigt uns, wie die typischen Teppiche aus Streifen von Baumrinde geflochten werden. Eine andere Mutti am Wegesrand gibt uns frisch gebackenes Cassava-Brot zum Probieren. Zu Hause würde ich es nicht kaufen, aber hier finden wir es richtig gut. Sehr schmackhaft und etwas würziger als der Cassava im gekochten Zustand, wie er zu jeder Mahlzeit serviert wird. Wir hören noch mehrmals, dass wir doch einfach bleiben können. Es gibt 62 Häuschen im Dorf, aber nur ungefähr 40 Hütten sind dauerhaft bewohnt.  
Wir bringen unserer Familie einige Sachen vorbei, die wir entbehren können. Marmelade, Haferflocken, Tütensuppen, Margarine, Backmischung, verschiedene Cremes und Schulsachen für die Kinder werden gerne angenommen. Habe noch ein paar T-Shirts ausgemustert, über die Sarah sich riesig freut. Für uns gibt es Eggfruit ( helle Auberginen) und Bele, grüne Blätter wie Spinat, als Geschenk. 
Abends veranstalten Sarah und Nix eine ganz besondere Abschieds-Mahlzeit für uns. In der Kochhütte lodert ein offenes Feuer in der Ecke. Im Inneren ist es sehr heiß und verqualmt, aber das fällt wohl nur uns auf. Heute wird der Fisch gegrillt und schmeckt ganz phantastisch. Dazu gibt es Brot vom Festland, das Beste, was wir bisher in Fidschi gegessen haben. Die Kinder beschmieren sich ihr Brot dick mit Margarine, tauchen es dann in ihr Getränk und essen diese Matsche so gierig, als sei es ein Hochgenuss. Sarah bereitet uns zum Abschluss der Mahlzeit einen dünnen Nescafé - eigentlich sollten sie den Kaffee für sich behalten, wir haben genug an Bord. Dazu werden trockene Kekse gereicht, noch eine Besonderheit, denn auch die gibt es nur an Festtagen. Wir werden am letzten Abend richtig verwöhnt, so gut das in diesen ärmlichen Verhältnissen möglich ist. Richtig gemütlich wird es in der guten Stube, in die Sarah mich mitnimmt, um mir ihre Abschiedsgeschenke zu überreichen. Unzählige Muscheln, kleine, große, auch ein paar seltenere Exemplare, sollen wir mitnehmen. Sehr lieb gemeint, aber eigentlich dürfen wir gar keine Muscheln nach Neuseeland einführen. Nils kann einige schöne Stücke mit nach Hause nehmen. Verpackt werden die Muscheln in einem von der Großmutter geflochtenen Körbchen. Dieses war die Kindergarten-Tasche der jüngsten Tochter, darüber freue ich mich am meisten. Das ist wirklich ein sehr persönliches Geschenk, so etwas kann man nicht im Laden kaufen. Wir werden bis zum Strand gebracht, wo wir uns dann schweren Herzens verabschieden müssen. Bei uns Frauen läuft das ein oder andere Tränchen. Selbst Nix, der sonst etwas langsam und nicht so emotional erscheint, kann kaum sprechen. Wir bekommen noch einen weiteren Kürbis zum Mitnehmen. Nun lagern schon vier Stück in unserer Bilge. Umarmung, Küsschen und das Versprechen, dass wir wiederkommen werden. Dann ist es geschafft - ab morgen segeln wir wieder zurück nach Süden und der Zivilisation entgegen.





 

22.08.2016

Yasawa-I-Rara ab 21.08.2016

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16.08.2016

Navadra Island, Waya Island, Naviti Island 12.08. - 20.08.2016

An unserem letzten Tag in der Musket Cove Marina auf der Insel Malolo Lailai zeigte sich das Wetter von seiner besseren Seite. Viel Sonne, die zum Schwimmen und Schnorcheln etwas abseits am Strand einlud. Außerdem haben wir eine kleine Wanderung auf den höchsten sichtbaren Hügel unternommen. Dabei sind wir durch zwei kleine Dörfer gekommen, die wahrscheinlich keinen Namen haben, weil sie nur aus ein paar Bretterbuden und Wäscheleinen bestehen. Aber auch wenn wir uns wie Störenfriede vorkamen, wir wurden überall freundlich gegrüßt. Alle Menschen, hauptsächlich alte Leute, hatten ein Lächeln für uns und riefen uns schon von Weitem ein herzliches " Bula " entgegen. Kein bisschen aufdringlich, einfach nur nett und interessiert. Von Ludger bekam ich noch einen kleinen Blumengruss geschenkt, einen Bund Kava, den er nicht mehr braucht, da er kurz vor dem Absprung nach Vanuatu ist. Abends gab es ein oder zwei Biere in der Strandbar bei toller Abendstimmung und entspannter Urlaubs-Atmosphäre. Von Ludger und Hilde müssen wir uns vorerst verabschieden, aber sowohl die Green Duck als auch die Pacifico werden wir spätestens in Neuseeland wieder treffen.

Freitag, den 12. August, starten wir bei leichter Bewölkung und südwestlichen Winden . Wir moechten endlich mal wieder eine etwas laengere Etappe zuruecklegen, etwa 30 Seemeilen haben wir uns vorgenommen. Mit voller Besegelung geht es an Riffen und unbewohnten Inseln vorbei. Um 16.30 Uhr erreichen wir Navadra Island und werfen den Anker in 15 Meter Wassertiefe.   Wir brauchen mehrere Anläufe, bis die Walkabout endlich nicht mehr rutscht. Mit 50 Metern Ankerkette hoffen wir auf eine ruhige Nacht. Es liegen bereits drei andere Segler in dieser Bucht, unser Schiff ist mal wieder das kleinste Boot.

Der Wind legt in der Nacht ordentlich zu. Heftiger Schwell lässt uns schaukeln, zwei mal geht der Ankeralarm los. Am nächsten Morgen verholen wir näher an den Strand, wo uns ein anderes Segelboot Platz gemacht hat. Das Manöver gestaltet sich schwieriger als erwartet, denn unser Jambo-Anker will nicht halten. Der Untergrund hier besteht aus gelbem Kalkstein. Der Anker slippt, das Boot wird vom Wind immer weiter vom Land weggedrückt. Schließlich liegen wir auf knapp 20 Meter Wassertiefe - kein Problem mit der in Neuseeland modifizierten Ankerwinde. Ein schöner Sandstrand zum Baden, Schnorcheln und Paddeln wartet auf uns. Natürlich machen wir auch einen langen Ausflug ins Inselinnere. Navadra Island ist unbewohnt, wir treffen nur auf ein paar wilde Ziegen. Eine Höhle weckt unser Interesse, und genau dort sehen wir eine große Fledermaus in die Luft steigen. Wir glauben zuerst, dass es sich dabei um einen schwarzen Vogel handelt. Aber es ist ein Flughund, der über uns hinweg fliegt und sich dann kopfunter in einen Baum hängt. So etwas haben wir noch nie in der freien Wildbahn beobachtet, und das auch noch am helllichten Tage !

Ruhig war es, haben gut und lange geschlafen. Die anderen Yachten hauen morgens früh alle ab. Kann es vielleicht sein, dass es eine schlechte Wetterprognose gibt ? Wir haben kein Internet und deswegen auch keinen aktuellen Wetterbericht. Auch gut, wir möchten auf jeden Fall gerne länger bleiben. Den ganzen Tag über gehört uns die Insel alleine. Wir machen wieder das volle Wassersport-Programm mit Schwimmen, Tauchen und Kayak-Fahren. Thomas und ich steigen auf den höchsten Berg, den können wir nicht einfach auslassen. Noch mehr wilde Ziegen auf dem Weg. Denen scheint es hier gut zu gehen, obwohl es keinerlei Süßwasser gibt. Von oben bietet sich eine phantastische Aussicht auf die Bucht mit ihren verschiedenen Wasserfarben. Alle Riffe und Untiefen sind sehr gut zu erkennen, die Farb-Schattierungen reichen von hellgrün bis tiefblau. Oben auf dem Gipfel angelangt gibt es einen Baum, der Schatten für unsere Rast spendet .... und Internetzugang. Kaum zu glauben auf einer unbewohnten Insel - Vodafone Fidschi läuft richtig gut. Wir können aus dieser Höhe ganz deutlich gleich fünf Riffhaie und zwei rotbraune Wasserschildkröten erkennen. Faszinierend ! Auf dem Rückweg sehen wir noch einen Flughund, der seine Runde dreht und sich dann in seinen Pausenbaum zurückzieht. Am späten Nachmittag bekommen wir einen neuen Nachbarn, aber die Leute stören nicht, weil sie sich nicht von Bord bewegen. Wir kochen auf der Walkabout, packen dann unser Dinghi voll mit allem möglichen Kram und fahren damit an Land. Wir haben zwar nichts zum Grillen, aber trotzdem gibt es ein schönes Lagerfeuer am Strand.

Sonntag werden wir von strahlendem Sonnenschein geweckt. Es wird ein richtig heißer Tag. Zunächst paddeln wir hinüber zur Nachbarinsel, gehen im lauwarmen Wasser baden und starten dann eine Erkundungstour entlang der Küste. Keine Menschen, keine Tiere, keine Wege .... Es gibt also noch nicht einmal Ziegenpfade. Nachdem wir bei Niedrigwasser den Hinweg entlang der Klippen gut gemeistert haben, steigen wir durch unwegsames Gelände auf bis zu einem dicht zugewachsenen Gipfel. Immer noch keine Spur, der wir folgen können. Es bleibt uns nichts Anderes übrig, als querfeldein den Berg hinunter zu klettern. Umgestürzte Baumstämme, Kokoswedel, Kleinholz und abgestürzte Geröllhänge sind die Spuren, die der Hurricane Winston hinterlassen hat. Es sieht nicht so aus, als ob seitdem wanderlustige Segler auf dieser unbewohnten Insel unterwegs waren.

Am nächsten Morgen werden wir ziemlich unsanft geweckt. Motorengeräusch ganz nahe, und schon werden wir gerufen. Ein Kreuzfahrt-Schiff nähert sich, zwei Bedienstete kommen mit einem PS-starken Motorboot zur Walkabout. Es wird uns sehr deutlich gesagt, dass wir umankern sollen. Es ist noch nicht einmal 8.00 Uhr, wir haben noch keinen Kaffee getrunken und werden unfreundlich angeblubbert. Am Meisten ärgert uns der arrogante Ton und die Drohung " andernfalls könnte unser Boot beschädigt werden ". Das ist wirklich eine Frechheit ! Thomas diskutiert durch das offene Vorluk mit den Männern und erklärt denen, dass wir nicht so einfach den Platz wechseln können. An zwei verschiedenen Stellen in der Bucht haben wir den Anker geworfen und hatten Schwierigkeiten mit dem Halt. Da möchte man nicht einfach mal eben ein neues Manöver starten, nur weil ein Kreuzfahrer mit Elite-Gästen näher am Strand liegen muss. Ob wir mit dem Kapitän sprechen wollen ? Thomas antwortet " Nein. Warum ? " Die Bediensteten von Fijis Cruise Line ziehen unverrichteter Dinge und ziemlich verärgert ab. Klar, die machen auch nur ihren Job, aber uns haben sie zur falschen Zeit im falschen Ton angesprochen. Nach kurzer Beratung entscheiden wir uns dazu, ankerauf zu gehen und abzuhauen. Wir haben sowieso keine Lust darauf, den Strand und die Insel mit 500 Touristen zu teilen.
Sehr gute Entscheidung ! Schon nach kurzer Fahrt haben wir einen schönen Schwarzflossen-Thun an der Angel. Den hätten wir nicht bekommen, wenn wir bei Navadra geblieben wären. Es sind nur 3 Stunden bei wenig Wind, dann haben wir Waya erreicht, das ist die südlichste Insel der Yasawa-Gruppe. Wir ankern auf 18 Meter Tiefe in der Likuliku Bay mit kristallklarem Wasser. Zum Mittagessen gibt es Thunfisch-Curry mit Reis. Auf der Nord-West-Seite von Waya liegt das Octopus-Resort, welches uns empfohlen wurde. Tatsächlich werden wir sehr freundlich empfangen, was richtig guttut nach unserem blöden Tagesbeginn. Eine kalte Cola an der Strandbar schmeckt einfach himmlisch. Das kann sich nur Jemand vorstellen, der ohne Kühlschrank in den Tropen reist. Der Tag ist noch jung, wir wandern in ca. 20 Minuten zum Dorf Nalauwaki auf der Nordseite. Zunächst laufen wir etwas schüchtern am Strand entlang und halten uns abseits der Häuser. Wir möchten die Einheimischen in ihren offenen Hütten nicht so aufdringlich begaffen. Dann hören wir Musik und entdecken, dass auf dem zentralen Platz vor der Kirche eine Veranstaltung für die Gäste vom Resort in Gange ist. Vorbeischleichen funktioniert nicht. Wir werden von einem Oberhaupt hinzugebeten, müssen die Schuhe ausziehen und uns zu den Anderen auf die Matte setzen. Okay, etwas später werden 30,- Fidschi-Dollar kassiert, also 10,- pro Person. Das ist schon okay, denn wir bekommen traditionelle Musik und Tanz vorgeführt. Die mit Baströcken bekleideten jungen Tänzer schaffen es sogar, den Kapitän und die Bordfrau zu mobilisieren. Beim " taralala " machen tatsächlich alle mit und schwingen die Hüften. Zum Abschluss wird Kava aus einer großen Schale angeboten. Dann bittet uns einer der aelteren Maenner, so eine Art Bürgermeister, noch eine Weile zu bleiben und die handwerklichen Arbeiten der Dorffrauen anzusehen. In Windeseile bereiten etwa 30 Frauen bunte Decken auf dem Rasen aus und legen ihre Schätze darauf aus. Es werden hauptsächlich Schmuck und Muscheln angeboten, einige wenige Holzarbeiten und Textilien sind auch dabei. Nichts, was uns umhaut. Nichts, was wir brauchen. Trotzdem kaufen wir das eine oder andere Teil, weil wir die Dorfbewohner gerne unterstützen möchten. Die Frauen und Kinder auf ihren Decken tun uns leid. Es sind maximal 10 Gäste vom Resort zu dieser Veranstaltung gekommen. Ungefähr 30 Familien möchten etwas verkaufen, so viele Decken mit selbstgebastelten Sachen warten auf Abnehmer. Dieser Flohmarkt lohnt sich überhaupt nicht, man kann ja nicht jeder Frau etwas abkaufen. Wir hoffen, dass der Erlös dieses Nachmittags in einen Topf geworfen und dann gerecht verteilt wird.

Dienstag bekommen wir Besuch von Max, den wir gestern auf dem Rückweg vom Dorf kennengelernt haben. Eigentlich wollten die drei Männer zum Angeln hinausfahren, aber dafür ist das Wetter zu schlecht. Der Wind hat tüchtig zugenommen, es kommen kabbelige Wellen in die Bucht gelaufen. Thomas holt Max, der pünktlich zur verabredeten Zeit am Strand steht, mit dem Dinghi ab. Es werden Kaffee und Kekse serviert, danach gibt es noch einen Jägermeister, bei dem unser Fidschianer die Augen verdreht. Angelschnur, Köder und ein kleiner Bund Kava wechseln den Besitzer. Wir bekommen ein paar schöne Muscheln geschenkt.
Nachmittags wandern wir auf den nördlichen Hügel der Insel. Zunächst gibt es noch einen Pfad, der zu einem Feld führt, auf dem ein Vater mit seinem Sohn Ackerbau betreibt. Wir fragen nach dem Weg zur Nordbucht und versuchen unser Glück in der angegebenen Richtung. Aber auch hier gibt es keine erkennbare Spur, der Hurricane hat die Bäume und Sträucher wie Mikadostäbe durcheinander geworfen. Trampeln und Klettern durch dichtes Buschwerk und abgerissene Aeste - wie auf dem Trail. Die Küste erreichen wir nicht, irgendwann drehen wir um und kommen noch einmal an dem Feld vorbei. Diesmal wird es ein längeres Gespräch mit Tumbo und seinem Sohn Moses. Sie bauen Cassava ( Maniok ) zum eigenen Verbrauch an. Auch hier war nach dem Februar-Sturm alles zerstört. Normalerweise geht der 10-jährige Sohn natürlich zur Schule, aber zur Zeit sind Ferien. Die Ehefrau Alessi arbeitet im Restaurant des Octopus-Resorts. Wir sollen ihr schöne Grüße von ihrer Familie ausrichten, wenn wir sie treffen. Wir fragen im Restaurant nach Alessi, aber die hat erst um 17.00 Uhr Dienstbeginn. Sie erscheint etwas später, während wir uns in der Strand-Bar eine Cola bzw. eine Trink-Kokosnuss zum Ausklang des Tages gönnen. Herzliche Begrüßung wie unter Freunden, Umarmung und Küsschen auf beide Wangen ....wir können es gar nicht so richtig fassen, denn eigentlich haben wir doch nur ein paar Minuten mit ihrem Mann und Sohn geplaudert. Die Einheimischen, die wir letztes Jahr auf Tonga kennengelernt haben, bezeichnen sich selber als " the friendly people ". Uns kamen sie eher mürrisch und verschlossen vor. Aber hier im Fidschi-Archipel stimmt es wirklich : Freundlichkeit, Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft bestimmen das Leben der Menschen.

Während der Nacht heult der Wind kräftig in den Wanten. Inzwischen bläst es mit Böen bis zu 40 Knoten, und in der Bucht stehen ordentlich Wellen. Eigentlich war ein Treffen mit Max abgemacht, aber die Verabredung platzt wegen Schlechtwetter. Wir trauen uns nicht von Bord bei diesen Bedingungen. Regen ohne Unterbrechung, und das schon seit gestern Nachmittag. Wenigstens haben wir genug Wasser, innerhalb kurzer Zeit sind alle Wassertanks gefüllt. Das Boot schaukelt sich ein, dieser Schwell ist nicht mehr angenehm. Beide Männer verdrücken sich leicht seekrank in die Koje. Am Nachmittag beschließen wir, in die geschütztere Nordbucht zu verholen. Grauer Himmel, schlechte Sicht, strömender Regen und viel Wind auf der Fahrt. Aber wir haben ein paar Wegpunkte von anderen Seglern auf unserem Plotter eingegeben, denen wir sehr genau folgen. Unter Motor dauert es nur gut eine Stunde, dann sind wir da und ankern in der Nalauwaki Bay direkt vor dem Dorf. Viel besser, hier liegen wir wesentlich ruhiger als auf der Westseite. Von Bord kommen wir allerdings nicht mehr bei diesem Schietwetter.


Auf unserem neuen Liegeplatz war es deutlich entspannter. Kein Ankeralarm, nur sanftes Geschaukel, weil keine Wellen in die Bucht laufen. Allerdings sind wir uns einig, dass der Ausblick auf den weissen Sandstrand vor dem Octopus Resort viel schöner war. Hier ist das Wasser so trübe, dass wir nicht hineingehen mögen. Wir möchten lieber wieder auf die andere Seite, der Wind hat gedreht und etwas abgenommen. Gegen Mittag geht es los, nur eine Stunde mal eben um die Nord-West-Ecke. Als wir vor unserem Traumstrand ankommen, da merken wir sofort, dass dies keine gute Entscheidung war. Immer noch weht der Wind hier auflandig, und immer noch laufen die Wellen in die Bucht. Die Situation hat sich gegenüber gestern nicht viel verbessert. Also drehen wir sofort wieder um und folgen unserer Kurslinie zurück zum Ankerplatz vor dem Dorf. Diese Aktion hätten wir uns sparen können. Aber wir sind ja gern unterwegs .... immer noch besser als Nichtstun und Langeweile. Viel mehr passiert an so einem trüben Regentag nicht. Kochen, essen, Karten spielen, einen Film von der Festplatte ansehen, ab in die Koje.

Freitag immer noch ergiebiger Regen. Uns fällt so langsam die Decke auf den Kopf, zumal es zu Dritt auf der Walkabout doch ziemlich eng ist. Also runter vom Boot und zu Fuß über den matschigen Weg bis zum Octopus Resort auf der anderen Seite. Viel los ist dort auch nicht, die meisten Gäste kommen gar nicht erst aus ihren Hütten. So viele Regentage hintereinander sind schon etwas frustrierend. Auf dem Rückweg treffen wir Max und machen die Bekanntschaft mit Rushi. Der möchte sich gerne unser Schiff ansehen. Sehr gerne - etwas Abwechslung kann nicht schaden. Rushi ist erstaunlich interessiert an unserem Norderney-Buch und Bildern der Familie. Nach einem Kaffee trägt er sich sogar in unser Gästebuch ein. In der Regel vergessen wir das, aber diesmal hat Thomas dran gedacht. Zum Abschied bekommen wir eine Empfehlung für das Botaira Beach Resort. Wir sollen denen einfach das Foto von Rushi zeigen, dann seien wir dort willkommen.

Wir wachen am Samstag auf und hören immer noch den Regen heftig auf unser Kajütdach prasseln. So langsam haben wir echt die Nase voll davon. Wir wollen hier weg, denn 5 Tage auf der Insel Waya bei überwiegend schlechtem Wetter sind mehr als genug. Gegen 11.00 Uhr klart es auf, und wir machen alles startklar. Aber bevor wir loskommen, erleben wir noch eine Ueberraschung. Neben uns nähert sich ein kleines Ruderboot mit drei Kindern drin. Es sieht nicht besonders seetüchtig aus, es muss permanent Wasser ausgeschöpft werden. Die Drei warten offensichtlich auf eine Aufforderung, dass sie an Bord kommen dürfen. Aber sie sind sehr zurückhaltend und machen erst nach mehrmaliger Einladung längsseits fest. Kaum sind sie auf der Walkabout, da gibt es allerdings kein Halten mehr. Sie turnen überall herum und schauen sich alles genau an. Joana, das Mädchen, ist 7 Jahre alt. Die beiden Jungs sind 6 und 8 Jahre. Alt genug, um alleine mit einem löchrigen Boot zum Fischen zu fahren. Bei dieser Vorstellung graust es wahrscheinlich jede deutsche Mutter. Aber wir sind überzeugt davon, dass die Dorfbewohner ihre Kinder immer im Auge haben und gemeinschaftlich aufpassen. Die kleinen Piraten ziehen nach ihrer Bootsbesichtigung mit einem Lutscher in der Hand und leuchtenden Augen ab. Gestern Abend ist noch ein größeres Segelboot angekommen. Auch dort versuchen die Kinder ihr Glueck, aber sie werden nicht an Bord geholt. Wir jedenfalls hatten unseren Spaß mit der Rasselbande.
Gegen 12.30 Uhr verlassen wir die Nalauwaki Bay. Schon nach einer Viertelstunde haben wir einen Biss an der Angel. Wieder ein Schwarzflossen-Thunfisch, heute wird er mit Kartoffeln und Senfsoße serviert. Nachmittags kommen wir an der Manta-Passage vorbei, aber die Tide ist nicht günstig, um mit den Mantas zu tauchen. Das sparen wir uns für den Rückweg nach Süden auf und segeln noch eine Bucht weiter bis zum Botaira Beach Resort auf Naviti Island. Direkt am Strand werden wir von einem Fidschi-Hünen in Empfang genommen. Das ist Tua, er arbeitet im Resort und lädt uns ein, die Anlage zu besichtigen. Alle Hütten sind komplett ausgebucht, zur Zeit wohnen hier 28 Gäste. Das ist ja sehr überschaubar, für uns aber sicher von Vorteil. Eine offene Bar lädt zum Feierabend-Bier ein. Rushi hat Recht gehabt : Alle sind sehr nett, wir fühlen uns willkommen. Einer der Gärtner macht sich mit Leiter und Stange daran, für Nils ein paar Kokosnüsse von den Palmen zu pflücken. Ich folge dem Schild " Track " und klettere ein Stück auf einem rutschigen Wanderweg den Hügel hinauf bis zu einer Antenne. Dort gibt es ein Handy-Signal und Internet-Empfang .... mich wundert das schon gar nicht mehr.


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09.08.2016

Start zu den Inseln der Mamanuca-Gruppe 04.08. - 11.08.2016


Am Mittwoch, den 03. August, werden wir pünktlich um 7.30 Uhr von Ali an der Marina abgeholt. Sein Chef Abdullah hatte uns bereits zwei Tage vorher mit einem Sonderpreis als Kunden geködert. Eine halbe Stunde Fahrt zum Flughafen, dann eine gute Stunde Wartezeit, in der unser Fahrer sehr gerne ein Nickerchen auf dem Parkplatz macht. Zurück zum Boot mit drei Personen und Gepäck - alles für 40,- Dollar, das sind ungefähr 16,- Euro. Am Nachmittag fahren wir noch einmal mit dem offenen Bus nach Lautoka und kaufen dort Proviant für die nächsten zwei Wochen ein, in denen wir uns wahrscheinlich außerhalb der Versorgungsmöglichkeiten bewegen werden. Die Vuda Marina ist ganz nett, allerdings müssen wir unsere Luken und den Niedergang mit Moskitonetzen verhängen. Schwarze Zuckerrohr-Käfer sind in dieser Region eine Plage. Sie sehen aus wie kleine Kakerlaken, können dummerweise fliegen und finden jede Ritze zum Eindringen.

Donnerstag müssen wir nur noch die Wassertanks füllen, einmal in den Mast klettern und kommen gegen Mittag los. Wenig Wind, mit ungerefftem Groß und Genua in voller Größe segeln wir gemütlich in Nandi Waters. In den nächsten Wochen möchten wir die Inseln der Mamanuca-Gruppe erkunden. Das sind etwa 20 Inseln, zum Teil winzige Eilande, westlich der Hauptinsel Viti Levu gelegen. Auf den Mamanucas wurde der Film " Castaway " mit Tom Hanks und Volleyball Wilson gedreht. Unser erstes Tagesziel ist Malolo Lailai Island, die südlichste Insel der Mamanuca-Kette. Vor der berühmten Musket Cove Marina werfen wir unseren Anker auf 13 Meter Wassertiefe am Rande vom Mooringfeld. Festmachen an einer Boje soll 18,- Dollar kosten, die sparen wir uns auf diese Weise.

Freitag herrscht schon am Morgen strahlender Sonnenschein und null Wind. Das ist eine super Gelegenheit für einen Ausflug zur Cloude-9 . Nach einer guten Stunde Motorfahrt haben wir die schwimmende Pizzeria erreicht und ankern in einiger Entfernung auf 9,5 Meter. Um uns herum ist das Wasser glasklar, man kann bei 15 Meter Wassertiefe den Grund sehen. Heller Sandboden, mit Korallenblöcken durchsetzt. Bei diesen ruhigen Bedingungen ist unser eingegrabener Anker gut zu erkennen. Um uns herum liegen 5 Motorboote, andere bringen noch mehr Touristen zur Cloude-9. Das ist ein Hausboot auf zwei Etagen, das Dach mit Stroh gedeckt, als Restaurant und Bar eingerichtet. Von der oberen Etage springen junge Leute ins Wasser und haben Spaß. Laute Musik hämmert, zum Glück liegt unser Boot etwas abseits vom Trubel. Wir schätzen, dass annähernd 100 Partygäste sich hier vergnügen und einen Sonnenbrand holen. Die Kleiderordnung lautet: Bikini und Badehose sind Pflicht. Wir sparen uns das Bad in der Masse und die teure Pizza. Mit Kayak und Dinghi fahren wir bis zu einer vielversprechenden Stelle zum Schnorcheln. Bunt sind die Korallen hier leider nicht, da haben wir letztes Jahr bei den Society Islands eine viel farbenprächtigere Unterwasser-Welt kennengelernt. Es gibt ein paar kleine Fische, leuchtendblau, gelb oder gestreift, jedoch weniger als erwartet. Deswegen paddeln wir noch weiter nach draußen bis in die Nähe des äußeren Riffgürtels. Dort sehen wir unter uns einige größere Fische und kleine Rochen, die durch das klare Wasser gleiten. Eigentlich ein schöner Tagesausflug, bestes Wetter zum Schwimmen und Schnorcheln, insgesamt hat uns dieses Gebiet allerdings nicht überzeugt. Da werden wir sicherlich noch bessere Tauch-Spots finden, wenn wir Wege und Inseln abseits der Massen entdecken. Am Nachmittag nimmt der Wind zu und kommt auf unserem weiteren Weg fast genau von vorne. Nach zwei Stunden Gestampfe durch die ansteigenden Wellen erreichen wir die Ansteuerungstonne von Mana Island. Eine sehr schmale Einfahrt, die jedoch mit Stangen beidseitig markiert hast, führt uns in engen Kurven bis in die Bucht vor dem Dorf. Es ist schlechtes Wetter vorhergesagt, aber dieser Ankerplatz war uns als geschützt empfohlen worden. Für einen Landgang ist es bereits zu spät, jedoch möchten wir sowieso länger bleiben.

Der Samstag begrüßt uns grau und nieselig. Trotzdem paddeln wir an Land und laufen bei Niedrigwasser rechtsherum am Strand entlang. Nach einer knappen Stunde sehen wir Wassertanks und in der Ferne eine große Hütte. Hier ist Ende mit unserem Spaziergang entlang der Küste. Ein junger Einheimischer kommt uns entgegen, entschuldigt sich und erzählt uns, dass wir nicht weiter dürfen - privates Resort. Das hätten wir uns ja denken können ..... also gehen wir wieder zurück und nehmen einen ausgetretenen Pfad über die Hügel bis zur anderen Inselseite. Plötzlich stehen wir vor einem ziemlich großen Schild : " Privatbesitz - Durchgang verboten ". So langsam wird es echt ärgerlich. Wir müssen umkehren und auf demselben Weg wieder Richtung Dorf laufen. Gerade als wir die ersten Häuser erreicht haben, da fängt es an, wie aus Kübeln zu schütten. Von jetzt auf gleich nimmt der Wind heftig zu und erreicht schnell Sturmstärke. Bis auf die Haut durchnässt stellen wir uns auf der Terrasse eines Backpacker-Hostels unter. Die Herberge liegt direkt am Strand, und so können wir sehen, wie die Walkabout bockt und wild am Anker zerrt. Der Wind hat gedreht und weht nun auflandig. Es kommt uns so vor, als ob sich unser Schiff seitlich bewegt hat und jetzt näher an der Riffkante liegt. Ein Blick auf das aufgewühlte Wasser macht uns schnell klar, dass wir keine Chance haben, zurück zum Boot zu rudern. Viel zu viel Wind und Wellen, der Regen wird fast waagerecht durch die Luft gepeitscht. Wir hoffen, dass die Lage sich wieder beruhigt, aber das Unwetter wird immer schlimmer. Nach einer Stunde Warten auf der Veranda werden wir vom Personal zum Aufwärmen hineingebeten. Inzwischen sind wir nicht nur nass, sondern auch kalt und sehr besorgt. Die warme Stube lockt, aber wir möchten unser Boot nicht aus den Augen verlieren. Thomas fragt einen Mitarbeiter der Tauchschule nebenan, wie lange der Sturm wohl andauern wird. Die Antwort : " Es wird wohl noch schlimmer werden. " Anscheinend kann der Mann sich in unsere missliche Lage hineinversetzen. Er bietet an, uns mit seinem stark motorisierten Tauchboot zur Walkabout zu bringen. Wir schleppen unser Dinghi und das Kayak vom Strand heran, beides wird in das Motorboot gehievt. Dann dürfen wir zu dritt einsteigen, unser Helfer schiebt uns bis ins hüfttiefe Wasser und springt dann selber hinein. Mit einem 60 PS starken Motor wird es eine schnelle und nasse Fahrt. Zum Schluss müssen wir noch unsere Fahrzeuge bei heftigen Seegang und hüpfendem Boot über die Reling zerren. Klappt zum Glück alles ohne gequetschte Finger und besondere Vorkommnisse. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit sind wir endlich wieder auf dem Boot und sind sehr erleichtert. Wir stellen den Ankeralarm ein, der sofort lospiept. Kurze Ueberlegung, ob wir ein Stück weiter verholen und den Anker an einer anderen Stelle neu ausbringen sollen. Aber im Moment scheint alles stabil zu sein, und wir halten es für sicherer, bei diesem Getöse und so nah am Riff das Schicksal lieber nicht herauszufordern. Der Anker liegt auf 12,5 Meter Wassertiefe, Thomas gibt noch Kette nach, so dass wir schließlich an 60 Meter Ankerkette hängen. Das sollte eigentlich reichen. Nun müssen wir einen ungemütlichen Abend mit heftigem Rollen und Schaukeln überstehen. Sitze bis um 3.00 Uhr in der Nacht draußen. Selbst bei Niedrigwasser stehen hohe Wellen in unserer Bucht. Das Schiff dreht sich wie verrückt an der Ankerkette, es klappert überall an Bord, Gegenstände fallen aus den Schapps. Wir fühlen uns wie bei Windstärke 8 auf See. Zum Glück wird Nils nicht seekrank .... oder vielleicht auch doch. Er legt sich in die Koje, kaum dass wir an Bord sind, und steht diesen Abend nicht mehr auf.

Sonntag wachen wir ziemlich zerknittert auf. Es regnet immer noch, der Wind hat etwas nachgelassen. Haben eine bescheidene Nachtruhe gehabt. Es ist nichts passiert, das Boot hat sich nicht weiter zur Kante bewegt. Die 60 Meter Ankerkette sind schon eine Menge, unser Boot wiegt nur 6,5 Tonnen. Zuletzt haben wir 60 Meter Kettenlänge in Patagonien gebraucht, aber bei dem gestrigen Unwetter war es auch auf Fidschi angebracht. In der Bucht von Mana Island liegt außer uns noch ein weiteres Segelschiff, dass wir bereits seit Frühjahr 2013 von Puerto Montt / Chile kennen. Matt lädt uns zum Kaffee auf die Providence ein und gibt uns als Berufs-Skipper einige gute Tipps für die Region. Freundin Maria ist neu an Bord, aber auch sehr nett. Für Montag sagt der Wetterbericht Sintfluten an Regen voraus. Die möchten wir nicht hier erleben, wo wir mehr oder weniger auf dem Boot eingesperrt wären. Deswegen fahren wir unter Motor zurück bis zur Musket Cove Marina. Diesmal machen wir sofort an einer Mooring fest, auch wenn wir dafür zur Kasse gebeten werden. Die Sicherheit und ruhige Nächte sind es uns wert. Außerdem ist unser Platz sehr geschützt und der Weg zum Ufer ganz nah, so dass wir eigentlich bei allen Bedingungen an Land paddeln können. Matt und Maria mit der Providence sind bereits vor uns angekommen. Außerdem freuen wir uns, einen alten Bekannten vom Vorjahr wieder zu treffen. Ludger liegt mit seinem Katamaran " Green Duck " in unserer unmittelbaren Nachbarschaft. Er schenkt uns eine echte Papier-Seekarte von den Yasawas, der nördlicheren Inselgruppe. Er braucht sie nicht mehr, wir finden es toll. Danke, Ludger !

Montag ist ein ebenso trüber wie regenreicher Tag. Inzwischen ist alles floddernass. Segelkleidung, normale Anziehsachen, Regenjacken und -hosen, Handtücher liegen draußen auf einem Haufen. Kondenswasser tropft von den Scheiben, Fenster öffnen ist unmöglich. Unten in der Bilge haben wir unsere Eier gelagert, ein Zuckerrohr-Käfer hat den Weg bis hierhin gefunden. Erstaunlich, weil wir die Eier nach dem Kauf gleich umgefüllt und die Kartons an Land gelassen haben. Auch an der Ananas sitzen schwarze Krabbeltiere, zum Glück liegen diese im Cockpit. Kurz vor Mittag wagen wir uns an Land, uns fällt sonst die Decke auf den Kopf. Im Marina-Office müssen wir eine Menge Formulare ausfüllen. Gegen Zahlung einer Gebühr bekommen wir jeder eine membership-card gedruckt und sind damit lebenslänglich Mitglieder im Musket Cove Yacht Club. Am Nachmittag gegen 16.00 Uhr trudeln unsere Freunde von der Pacifico ein. Die hatten auch erstmal genug vom Regen und unruhigen Ankerplätzen. Hilde und Hermann haben Besuch an Bord, haben aber viel Platz und ein großes Herz. Wir werden sogleich eingeladen und verbringen ein paar gemütliche Stunden auf der Pacifico. Wir haben uns seit Savusavu nicht mehr gesehen, und dementsprechend haben wir uns viel zu erzählen. Endlich gibt es mal wieder kaltes Bier ! Und für unser Frühstück bekommen wir ein Halbes von diesem wunderbaren selbstgebackenen Hermann-Schwarzbrot geschenkt. Wird sofort weggegessen, superlecker ! Wenn wir irgendwann mal einen Backofen haben, dann werden wir uns gerne revanchieren. Danke, ihr Lieben !

Dienstag immer noch Regen ohne Unterbrechung, keine Besserung in Sicht. Früh am Morgen kommt Ludger zum Kaffee und Quatschen vorbei. Danach paddeln wir hinüber, setzen uns zur Crew der Pacifico auf die überdachte Terrasse des Cafés. Ein kleines Stück Laufen, Slalom um die Pfützen. Dann nutzen wir die vorbildlich sauberen Sanitäranlagen zum ausgiebigen Duschen. Gerade abgetrocknet, eben vor die Tür und schon wieder nass bis auf die Haut. Das ist nun schon der dritte Tag - eine harte Geduldsprobe. Man kann einfach gar nichts machen außer im Regen spazieren gehen. Die parkähnliche Anlage ist sehr schön und gepflegt, aber wirklich Spaß macht das nicht. Immerhin haben wir genug Wasser gesammelt, alle Tanks sind wieder voll. Abends legt der Wind zu, es schaukelt ordentlich an der Mooring.

Und morgen - am Mittwoch - soll es endlich besser werden. Dann werden wir als Erstes eine lange Wäscheleine spannen, um unsere Klamotten zu trocknen. Haben beschlossen, noch einen weiteren Tag zu bleiben, damit wir die Umgebung der Musket Cove Marina bei schönem Wetter auskundschaften können. Daumen drücken !


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01.08.2016

Vuda Marina und Nadi 01.-03.08.2016

Gestern sind wir von der Saweni Bay aus 4 Kilometer in die andere Richtung bis zur Vuda Marina gelaufen. Haben uns dort die knifflige Einfahrt angesehen sowie die im Kreis angeordneten Liegeplätze. Dann wieder 4 Kilometer zurück an vereinzelten Häusern und einem indischen Tempel vorbei. Der Wind hat gedreht und stark zugenommen, Thomas muss ordentlich gegenan paddeln. Montag Nieselregen, null Wind, aber nur 1,5 Stunden Fahrt unter Motor. Wir verholen unser Boot in die Vuda Marina, weil wir am Mittwoch früh Besuch erwarten und hier in der Nähe des Flughafens sind. Spannende Einfahrt zu den Liegeplätzen, es ist gerade Niedrigwasser und nicht viel Platz links und rechts. Die Walkabout hat 1,70 Meter Tiefgang, das Echolot zeigt mitten in der Fahrrinne zur Marina nur noch 2 Meter Tiefe unter unserem Kiel an. Mit dem Bug voran fahren wir bis knapp vor die Betonmauer, zwei lange Leinen auf backbord und steuerbord zum Festmachen. Mit zwei weiteren Leinen wird das Schiff vom Heck aus nach hinten an Bojen ausgerichtet. Alles etwas kompliziert, wir sind diese Art des Festmachens nicht gewöhnt und haben einige zu kurze Leinen bereitgelegt. Am Nachmittag möchten wir schon einmal die Stadt Nadi auskundschaften. Insgesamt 6 Kilometer Fußweg, ein netter Autofahrer, der uns ein Stueck mitnimmt und vier verschiedene Busse hin und zurück. Nadi liegt etwa 10 Kilometer vom Internationalen Flughafen entfernt. Die Stadt hat ca. 32.000 Einwohner, aber hier sieht man auch viele Touristen. Es gibt Duty-free-Shops, Boutiquen und Souvenirläden. Der größte hinduistische Tempel der südlichen Hemisphäre befindet sich am Ende der Hauptstraße. Der Sri Siva Subramaniya Swami-Tempel wurde erst 1994 eröffnet und kann besichtigt werden. Wir bestaunen dieses farbenprächtige Bauwerk aber nur von außen, denn wir waren nicht auf einen Tempel-Besuch eingerichtet und sind nicht angemessen gekleidet.

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30.07.2016

Ausflug nach Lautoka 30.07.2016


Ankerplatz in der Saweni Bay auf 5 Meter Wassertiefe. Am Nachmittag laufen wir durch Hitze und Staub bis zur Hauptstraße. Von dort fährt ein offener Bus bis nach Lautoka, mit 53.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Fidschis. Das Angebot auf dem Markt ist riesig, mehrere Supermärkte gibt es, allerdings ist das Warensortiment auch hier eingeschränkt. Leider sind keine Papayas und Bananen zu bekommen oder sind einfach unbezahlbar. Der Hurricane Winston im Februar hat die Ernten zerstört, es dauert noch einige Monate, bis alles wieder nachwächst. Rückweg wieder im Klapperbus für 1,- Dollar pro Person, danach nochmal eine halbe Stunde Fußmarsch und ein erfrischendes Bad am Strand. Endlich haben wir hellen Sandstrand direkt vor der Türe bzw. vor dem Boot. Allerdings denken sich das auch andere Leute, mit der Walkabout liegen heute 10 Segelboote in der Saweni Bay. Kein Wind, kein Schwell, fein ruhig ist es hier - wunderschöne Abendstimmung.


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27.07.2016

Vatia Beach 27.07. - 29.07.2016


Am Nachmittag hatten wir eine Begegnung der besonderen Art. Direkt neben unserem Boot schwamm eine ca. 1,50 Meter lange Gelblippen-Seeschlange. Diese Schlangen werden auch Nattern-Plattschwanz genannt und sind sehr hübsch gezeichnet in hellgrau mit schwarzen Querbaendern am ganzen Körper. Sie kommen im gesamten Süd-Pazifik vor, sind hochgiftig, aber in der Regel nur nachtaktiv. Ein Zusammentreffen im Wasser ist damit so gut wie ausgeschlossen. Eigentlich wollten wir vor dem Resort Vatia Beach den Anker werfen - stattdessen sitzen wir seit 16.00 Uhr auf einem Felsen fest. Trotz Ausguck vorne am Bug - das Wasser war von gleichmäßiger Farbe, keine Schaumkronen, keine Kräuselwellen, absolut nichts Auffälliges zu sehen. Wie gut, dass wir ein solides Stahlboot haben. Bin dann mit dem Dinghi an Land gepaddelt und habe Bier geholt. Man muss ja das Beste aus der Situation machen. Eine Tuete Chips ist auch noch da - Party perfekt. Niedrigwasser ist um 18.30 Uhr - wir werden wahrscheinlich so gegen 22.00 Uhr freikommen, dann auf unserer Kurslinie ein Stück zurück fahren und vor dem Strand den Anker für die Nacht ausbringen. Pos.: 17•25.406 Süd und 177•44.995 Ost = Felsen, bitte nicht nachmachen ! Schon kurz nach 21.00 Uhr schwimmt die Walkabout wieder. Etwas weiter entfernt vom Land möchten wir gerne bleiben, aber wir benötigen mehrere Versuche. Unser Anker will in dem weichen Treibsand-ähnlichen Modder ( habe ich beim Anlanden mit dem Dinghi zwischen den Zehen gehabt ) nicht halten. Endlich packt der Haken, das Boot steht in Park-Position. Auf 5 Meter Wassertiefe und mit 25 Meter Ankerkette dazu fühlen wir uns ganz gut. Stellen zusätzlich noch den Anker-Alarm ein, der dann auch prompt mitten in der Nacht losgeht. Der Wind hat enorm zugelegt, und heftige Böen pfeifen um uns herum. Also, die geschützten Ankerplätze haben wir bis jetzt noch nicht gefunden.

Am nächsten Morgen findet endlich der gemeinsame Landgang statt. An der Rezeption werden wir sehr nett empfangen und melden uns zum Abendessen an. Die Anlage ist ein Eco-Resort, nicht schicki-micki für die Reichen, sondern eher für Alternativ-Urlauber konzipiert. Vernünftige Preise, Produkte aus eigenem Anbau, sehr umweltbewusst. Uns erinnert es an einen Campingplatz oder Backpackers- Hostel mit einfach eingerichteter Gemeinschaftskueche und grossem Sozial-Raum. Spannende Wanderwege gibt es hier nicht, wir laufen lediglich 5 Kilometer auf einer staubigen Piste bis zur Hauptstrasse und zurueck. Am Rande stehen ein paar Haeuser, links und rechts mehr Kühe als Menschen. Das "special dinner" findet um 19.00 Uhr zusammen mit den Hausgästen statt. Es gibt Huhn, Fisch, gefüllten Spinat und Taro aus dem Erdofen. Schon am Nachmittag konnten wir dabei zusehen, wie die Grube ausgehoben und zum Anfeuern vorbereitet wird. Das Essen schmeckt gut, wenn auch alles mit leichtem Rauchgeschmack behaftet ist. Ein netter Abend mit interessanten Gesprächen. Ein junges Paar Mitte Zwanzig ist bereits seit 9 Monaten mit einem " Around the World " - Ticket unterwegs. Unter Anderem 7 Monate mit einem gemieteten Campervan durch Australien, danach Neuseeland, jetzt 2 Wochen Badeurlaub auf Fidschi, danach Indonesien .... Bei der Vorstellung, was denen diese Reise kosten wird, wird uns ganz schwindelig. Von dem Geld koennen wir wahrscheinlich 5 Jahre lang auf einfachem Niveau reisen. Zum Abschluss des Abends wird auf der Terrasse aus einer großen Schüssel das Traditions-Getränk Kava serviert. Ein kleiner Fidschi-Sprachkurs gehört ebenfalls dazu. Wir haben einen richtig lustigen Abend im Vatia Beach Resort erlebt - unbedingt empfehlenswert, weil dieses Programm nicht für den Massen-Tourismus entwickelt wurde.


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25.07.2016

Vanua Levu nach Viti Levu 22.07. - 26.07.2016

Das ausgemusterte Groß-Segel haben wir unserer Schneiderin geschenkt. Einer der Arbeiter in der Marina freut sich über eine nicht mehr benötigte Gasflasche. Bob, der im Hurricane Winston sein Boot verloren hat und sich nun ein ebenfalls beschädigtes Schiff neu zusammenbastelt, bekommt einen dicken Wantenspanner von Thomas geschenkt. Immer wieder - besonders nach Monaten nur mit Rucksack unterwegs - stellen wir fest, dass wir viel zu viel Zeug an Bord haben. Dienstag hören wir über Funk, dass Ilja und Stefan mit ihrer SY Sabir gerade in der Waitui Marina nebenan angekommen sind. Abends gibt es mit den Beiden ein lustiges Butennörderneer-Treffen. Obwohl wir nichts verabredet haben, sind wir uns letzten Sommer bereits in Tahiti begegnet, dann noch einmal in Opua/Neuseeland und nun zufällig in Savusavu. Die Meerbaer macht am Mittwoch früh die Leinen fest. Natürlich verbringen wir einen großen Teil des Tages und zwei Abende mit unseren Freunden, die von Hamburg aus dieselbe Route gesegelt sind wie wir und seit Puerto Montt / Chile meistens in unserer Nähe sind. Neben unserem Frisch-Proviant besorgen wir auf dem Markt ein paar Bündel Kava als Gastgeschenk für die Stammes-ältesten, sozusagen unsere Eintrittskarte in die entlegenen Dörfer. Und Thomas bekommt endlich seine traditionelle Ausgeh-Kleidung. Wir kaufen ihm einen knielangen Wickelrock, " Sulu " genannt, mit passendem Fidschi-Hemd. Sieht schick aus !

Freitag, den 22. Juli, legen wir endlich ab. Bereits nach einer Stunde draußen ziehen die ersten Squalls über uns hinweg, die kräftige Böen mitbringen. Wir binden zwei Reffs ins Groß und verkleinern unsere Genua. Die Seekarte spricht in diesem Gebiet von "water turbulences" - und tatsächlich ist das Wellenbild sehr unruhig. Die Strom-Verwirbelungen laufen meistens quer unter unserem Boot durch. Schön schaukelig ist es, und manchmal wird es auch ordentlich nass in der Plicht. Vorsichtshalber machen wir alle Steckbretter rein und die Luken dicht. Die Sonne scheint, wir haben gute Sichtverhältnisse. Im Dunkeln werden wir hier im Fidschi-Archipel nicht segeln, sondern jeden Abend einen neuen Ankerplatz aussuchen. Durch die Nasonisoni Passage führt eine schmale Rinne zwischen den Riffen hindurch in die Wainunu Bay. Genau an der engsten Stelle sollte laut Seekarte eine Tonne sein, aber die ist offensichtlich nicht mehr dort, wahrscheinlich auch ein Opfer des Hurricanes im Februar. Kurz nach Niedrigwasser segeln wir nur mit klitzekleiner Genua und Schiebestrom durch den engen Schlauch. Handiger Wind, immer noch fast 5 Knoten Fahrt. Um 15.00 Uhr fällt unser Anker in 8 Meter Wassertiefe, wir bringen 40 Meter Kette aus und stellen den Ankeralarm ein. Nur ein halber Tag auf See, etwas mehr als 26 Seemeilen haben wir entlang der Küste Vanua Levus zurückgelegt. Besonders geschützt ist unser auserwählter Platz nicht, konstante 6 Windstärken und heftige Böen pfeifen ums Boot. Aber der Anker hält bombenfest, schrappelt nur etwas über Felsen. Kein Ankeralarm weckt uns in der Nacht, dafür prasselt es laut auf unser Kajütdach. Wegen dem heftigen Regen müssen wir alles dichtmachen und schwitzen um die Wette.

Ameisen und Moskitos haben wir wohl hinter uns gelassen. Noch ein paar einzelne Exemplare, aber die sind schon deutlich weniger geworden. Der erste Test mit der verbesserten Ankerwinde klappt super. Thomas kann die 40 Meter Ankerkette gegen den starken Wind an Bord bringen, ohne dass er sich völlig verausgabt. Es wird wieder ein schneller Törn bei 6 Beaufort aus Süd-Ost, wir segeln ohne das Groß-Segel und machen nur mit einem kleinen Stückchen Genua ganz leicht 6 Knoten Fahrt. In Höhe der Solevu Bay sehen wir in einiger Entfernung einen Buckelwal. Unseren Anker werfen wir in 5 Meter Tiefe vor dem Dorf Nabouwalu, 20 Meter Kette hinterher. Es ist wieder früh am Nachmittag, deswegen lassen wir unser Dinghi zu Wasser und machen einen kleinen Landgang. Ein Spaziergang entlang der Mangroven-Küste, der Ort ist weder attraktiv noch spannend. Wir werden von einem Bewohner zu sich in den Garten gerufen und zum Abendessen eingeladen. Das ist sicher nett gemeint, aber der Mann ist uns zu betrunken ( es ist Wochenende ). Uns ist nicht wohl damit, wir kaufen eine Flasche Bier im einzigen Laden und kochen lieber selber an Bord.

Die Nacht war ruhig, wir schlafen durch, bis wir von Motorengeräusch geweckt werden. Das Versorgungsschiff " Spirit of Love " hält auf uns zu, dreht und wendet sich mit dem Heck zur nahegelegenen Mole. Was für ein bescheuerter Name für eine rostige alte Fähre ! Bereits um Viertel nach 8 lichten wir den Anker und steuern durch die enge Riff-Passage von Hand. Es herrscht wieder allerbestes Segel-Wetter mit 5 - 6 Windstärken aus der richtigen Richtung. So läuft die Walkabout ganz flott und mühelos. Um 10.00 Uhr früh haben wir einen kräftigen Biss an der Angel. Thomas holt einen 70 Zentimeter langen silbrig-glänzenden Fisch an Bord. Ein Barracuda - den möchten wir nicht essen, weil wir keine Lust auf Fischvergiftung haben. Diese Räuber sind bekannt dafür, dass es nach deren Verzehr zu tödlichen Ciguatera-Vergiftungen kommen kann. Also wieder ab ins Wasser damit - der Tag ist ja noch jung. Nur eine Stunde später schlägt die Angelrolle wieder aus. Diesmal haben wir mehr Glück, ein ca. 40 Zentimeter langer Bonito ( Thunfisch) wird gerade noch rechtzeitig hochgezogen. Er hat bereits ein paar Biss-Spuren am Körper. Wahrscheinlich hat den gerade eben schon ein Hai angeknabbert. Gut, dass wir es rechtzeitig bemerkt haben, sonst wäre unser Abendessen futsch gewesen. Kurz vor Mittag haben wir dann noch einmal Fisch-Alarm. Aber da ist leider schon nichts mehr dran am Haken, als wir die Angel eingeholt haben. Seit unserem Start am Freitag bläst ein kräftiger Süd-Ost und beschert uns eine schnelle Passage durch Bligh Water hinüber nach Viti Levu. In der Nananu-Passage haben wir Wind von vorne plus Gegenströmung, deswegen werfen wir für die letzte Stunde den Motor an. Um 16.00 Uhr fällt der Anker in 13,5 Meter Wassertiefe, dazu bringen wir 50 Meter Kette aus. Heute haben wir wieder 38 Seemeilen schönstes Segeln erlebt. Unsere auserwählte Bucht vor dem Inselchen Nananu-I-Cake gefällt uns ausgesprochen gut. Um uns herum kristallklares Wasser, endlich können wir zum Schwimmen direkt von Bord springen. Wir liegen hier alleine, zwei weitere Ankerlieger sind in der nächsten Bucht zu sehen. Die Inseln sind mit Palmen dicht bewachsen, kleine Sandstrände wechseln mit Mangroven ab. Normale Wohnhäuser scheint es nicht zu geben, dafür deuten einheitliche Hütten auf Touristen-Resorts hin. Wir beschließen, hier ein paar Tage zu bleiben und die Gegend zu erkunden.
 
Mächtig viel Wind in der Nacht, die Walkabout schaukelt tüchtig, aber der Anker hält gut. So soll es sein ! Wir machen einen Ausflug mit unserem Dinghi zum nächstgelegenen Strand. Dort kommen wir gleichzeitig mit ein paar Fischern an, die hier am Riff ihr Angelglück versuchen möchten. Tolle Muscheln gibt es bei Niedrigwasser am Flutsaum, leider können wir nur einige wenige Exemplare mitnehmen. Mehrere Stunden wandern wir in der Mittagshitze über die Insel, ohne eine Menschenseele zu treffen. Wir sehen nur eine Herde von fünf Pferden vor uns auf dem Weg. Wem die wohl gehören ? Das Laufen ist ungewohnt und anstrengend, es geht über etliche Hügel hinauf und hinunter. Das sind wir ja gar nicht mehr gewohnt, dazu gnadenloser Sonnenschein und die hohe Luftfeuchtigkeit. Als wir bereits wieder die Richtung zum Boot eingeschlagen haben, da wird der Weg plötzlich breiter und ist tatsächlich asphaltiert. Dann entdecken wir ein großes Haus, daneben Stallungen und einen Unterstand für ein Auto. Niemand zu sehen - wir wundern uns und biegen vor dem Haus ab zur Küste. Dort gibt es einen alten Anleger, an dem drei Männer beschäftigt sind. Die Arbeiter erzählen uns, dass dieses eine private Insel ist und in dem Haus der Besitzer wohnt. Man hätte um Erlaubnis fragen sollen .... aber das ist jetzt wohl sowieso zu spät. Unsere Runde beenden wir am Strand entlang und paddeln noch weiter zur nächsten Insel. Hier sieht man einen gepflegten Holzsteg, mit Palmblättern gedeckte Hütten und ein größeres Gebäude. Allerdings wirkt das Ganze ziemlich verlassen. Ein Motorboot mit zwei Männern nähert sich und legt an. Einer der Beiden steigt aus und geht an Land, wahrscheinlich sowas wie ein Hausmeister. Den anderen fragen wir natürlich aus und erfahren, dass dieses ein privates Resort ist, allerdings zur Zeit geschlossen. Wenn wir kalte Getränke möchten oder im Restaurant essen, dann soll es auf der anderen Seite noch ein geöffnetes Resort geben. Aber das schaffen wir nicht mehr bei Tageslicht. Thomas hat eine Stunde lang gut damit zu tun, uns wieder nach Hause zu rudern. Unser Landausflug hat uns ganz schön ins Schwitzen gebracht. Zum Abschluss des Tages gönnen wir uns deswegen ein erfrischendes Bad und leckeren Obstsalat.

Es ist wohl eine zugige Ecke hier oben im Norden der Hauptinsel Viti Levu. Der nächste Tag gestaltet sich dermaßen unruhig, dass wir uns nicht von Bord trauen. Es bläst und pfeift im Rigg, auf dem Wasser in der Bucht tanzen weiße Schaumkronen. Wir würden zwar sehr einfach bis zum Strand kommen, allerdings könnte der Rückweg gegen den Wind ohne Außebord-Motor schwierig werden. Also erstmal kein Landgang. Eine gute Uebung für uns, denn wir wollten ja unser Reisetempo drosseln und ruhiger werden. Der Tag beginnt also mit ausgiebigem Kaffeetrinken, danach wird ein Kuchen gebacken. Dank unserem Vodafone-Stick und der breiten Antennen-Abdeckung auf Fidschi haben wir Internet an Bord und können unsere Post erledigen, an der neuen Homepage basteln, anderer Leute Blogs verfolgen, ein richtiges Buch lesen ..... Gegen Mittag schon ist mir langweilig - wir sind einfach nicht für das Nichtstun geeignet.


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17.07.2016

Fidschi - Vanua Levu - Savusavu

Nachdem wir 15 Seemeilen vor Tonga abgedreht haben, sind wir zügig und bei besten Segel-Bedingungen bis nach Vanua Levu durchgerutscht. Das bedeutet zu deutsch " großes Land " und ist mit 5600 qkm die zweitgrößte Fidschi-Insel. Die im Süden gelegene Hauptinsel Viti Levu hat eine Gesamtfläche von 10400 qkm. Fidschi besteht aus 332 Inseln, davon sind über 100 dauernd bewohnt. Unser erster Eindruck bei der Annäherung : grün, alles total grün und sehr hügelig. Bei der Einfahrt am Morgen nähert sich von hinten eine schicke Segelyacht mit deutscher Flagge. Das ist die 20 Meter lange Red Cat mit den beiden Eignern, einem befreundeten Paar und Bootsmann Alex an Bord. Mit denen zusammen werden wir später noch einen netten Abend im Restaurant der Marina verbringen. Nicht ganz unsere Liga, aber trotzdem gut für interessante Gespräche beim Bier.
Es ist kaum zu glauben, aber nun liegen wir schon seit über einer Woche in Savusavu am Steg der Copra Shed Marina. Sehr angenehm, so können wir einfach unabhängig voneinander ausgehen. Unser Platz ist ausgesprochen günstig, da der Preis nach Bootslänge abgerechnet wird. So zahlen wir für diesen Luxus mit unserer Walkabout nur etwa 10 Euro mehr als draußen an einer Mooring - pro Woche. Da kann man nicht meckern. Viel los ist in dieser überschaubaren Marina nicht, aber natürlich kommen wir mit vielen Leuten ins Gespräch. Amerikaner, Kanadier, Neuseeländer, Franzosen, nur zwei deutsche Boote außer uns. Wir machen die Bekanntschaft mit einem jungen Mann aus der Schweiz, welcher auf einer der umliegenden Inseln einige Monate Freiwilligen-Arbeit leistet. Er hat die Walkabout von der Straße aus gesehen und kommt uns am Steg besuchen. Sehr interessiert an unserer Reise und sehr erstaunt, denn er hat noch nie so ein kleines Boot gesehen, das über die Weltmeere schippert. Die Leute haben einfach keine Ahnung davon, dass die Größe eines Schiffes überhaupt nichts mit der Sicherheit zu tun hat. Allerdings muss ich zugeben, dass ich hier auf Fidschi zum ersten Mal einen Kühlschrank vermisse. Savusavu mit seinen knapp 3500 Einwohnern soll laut unserem Reiseführer einer der schönsten Orte Fidschis sein, allerdings haben wir diese Schönheit bis jetzt noch nicht entdeckt. Der Yachtclub ist nett, es gibt ein paar kleine Geschäfte und Restaurants, Busbahnhof, eine Tankstelle, mehrere Geldautomaten ( Vorsicht ! ) und einen Bäcker mit einem mageren Angebot. Währung ist der Fidschi-Dollar, die Preise für das tägliche Leben sind okay, in Fidschi-typischen Lokalen kann man sogar richtig günstig essen. Einen Großteil der Bevölkerung stellen die Inder, zur Zeit etwa 40 %. Die Amtssprache ist englisch - sehr praktisch. Gesprochen werden aber ebenfalls Fidschianisch und Hindustani. Wir lernen schnell ein paar wichtige Wörter auf Fidschianisch, z. B. " Bula " für " Hallo ! Guten Tag ! " oder " Vinaka " für " Danke ". Ausnahmslos alle Einheimischen begegnen uns sehr freundlich. Die einzige Hauptstrasse ist staubig und lebhaft, ringsherum verwilderte Gärten und nicht zu bändigender Urwald. Hurricane Winston, der im Februar über das Land gefegt ist, hat starke Spuren hinterlassen. Am Ufer und im flachen Wasser verrotten viele Boote. Ein paar Einheimische versuchen, das ein oder andere Schiff wieder flott zu machen. Auf unseren Ausflügen ins Hinterland sehen wir überall demolierte Häuser, eingestürzte Holzhütten und Wellblech-Baracken ohne Dach. Es ist heiß, dazu herrscht eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Man geht also duschen, und gleich danach strömt der Schweiß schon wieder aus allen Poren. Die Sonne brät gnadenlos jeden Tag, die Hitze macht uns ziemlich platt. Dabei befinden wir uns hier gerade mitten im Winter. Es gibt nur elf Stunden Tageslicht, gegen 7.00 Uhr morgens wird es hell, und um 18.00 Uhr ist es schlagartig zappenduster.
Wir machen zusammen mit Hilde und Hermann einen Tagesausflug per Taxi, damit wir etwas mehr als die Hafen-Perspektive kennenlernen. Der indische Taxi-Fahrer Mahendra holt uns morgens um 9.00 Uhr vor der Marina ab und bringt uns zunächst zu den nahegelegenen Hot Springs. Aus mehreren Quellen sprudelt und dampft siedendheißes Wasser. Die Einheimischen aus den umliegenden Häusern nutzen dieses, um dort ihr Essen zu kochen. Tatsächlich steht in der Mitte ein mit einem Kartoffelsack abgedeckter Kochtopf im Wasser. Weiter geht die Fahrt, zunächst an der Küste entlang und dann ins Landesinnere bis zum Botanischen Garten. Hier werden wir bereits von einem Führer erwartet, der von uns pro Person 20,- Dollar kassiert. Unverschämt teuer ! Aber der Park ist gepflegt, die Wege sind gut in Schuss, wir sehen eine Menge wirklich beeindruckender Pflanzen. Das Einzige, was stört.... dass wir von unserem Fahrer einfach ohne Absprache dahingekarrt wurden und sofort wieder tüchtig zur Kasse gebeten werden. Als Nächstes werden wir zu einem unüberschaubar großen Privat-Grundstück gebracht, das in früheren Zeiten einer reichen Dame gehört hat. Es wird kein Eintrittsgeld verlangt, dafür hören sich die Erzählungen von Mahendra wie das Verkaufsgespräch eines Immobilienmaklers an. In diesem Resort mit eigenem Swimmingpool-Pool stehen 5 schicke Villen für zahlungskräftige Gäste bereit. Die alte Lady ist bereits vor 10 Jahren verstorben, seitdem versuchen die Erben, das Anwesen für 2 Millionen Dollar zu verkaufen. Gärtner halten das riesige parkähnliche Grundstück in Ordnung, selbst der Pool ist mit Wasser gefüllt und sauber. Mittagspause im Hongkong-Restaurant, danach kauft Hermann ein Bündel Kava als Gastgeschenk. Unser nächstes Ziel ist ein Wasserfall, allerdings führt die Straße an einem kleinen Dorf vorbei. Hier lässt uns der Fahrer aussteigen. Wir werden vom Dorfältesten begrüßt, der Kava wird überreicht, zusätzlich müssen wir noch 10,- Dollar Wegegeld bezahlen. Es folgt ein Ritual mit zahlreichen gemurmelten Beschwörungsformeln und lautem Händeklatschen. Danach steht unserer Weiterfahrt nichts mehr im Wege. Das Dorf können wir leider nicht besichtigen, da der Sonntag auf Fidschi heilig ist und keine Störungen geduldet werden. Ein kurzer Fußweg bringt uns zum Wasserfall, man kann sich sogar ins kalte Wasser wagen.
Zum Abschluss dieses Tages gibt es am Abend eine private Kava-Zeremonie auf der Pacifico. Wir möchten das Zeug ja mal probieren, bevor es ernst wird und wir es in den entlegenen Dörfern aus Höflichkeit mittrinken müssen. Wir nennen die schlammgraue Flüssigkeit " Pfütze " - und ungefähr so schmeckt es auch. Man verspürt recht schnell ein Kribbeln im Mund, die Lippen werden taub, die Zunge wird schwer. Viel mehr passiert nicht, trotzdem ist es ganz lustig.
In den nächsten Tagen sind wir alleine und unternehmen ein paar kleine Paddeltouren mit unserem Dinghi in der Savusavu Bay, unter Anderem zum Hausboot von Curly und zur SY YabYum von Andrea und Heinz aus Oesterreich. In Whangarei haben wir uns noch am letzten Tag vor der Abreise ein kleines Kayak gekauft. Dieses sit-on-top Kayak muss jetzt unbedingt ausprobiert werden. Dafür machen wir einen Ausflug zur Nachbarinsel Nawi, auf der gerade ein schickes Resort gebaut wird. Leider ist die Insel in Privatbesitz, so dass wir nicht auf Erkundungstour gehen können. Kaum an Land, da kommt schon ein Angestellter mit dem Fahrrad angefahren und erzählt uns, dass das Betreten verboten ist. Aber der Mann ist sehr nett und erlaubt uns, an diesem flachen Sandstrand ein bisschen zu üben. Es klappt besser als erwartet. Ich glaube, ich kann mich mit unserem neuen Wassertaxi anfreunden.
Wir möchten gerne den Hauptort der Insel kennenlernen und fahren dafür morgens früh mit dem Linienbus nach Labasa an der Nordküste. Für nur umgerechnet 3,- Euro pro Person bekommt man gut 2 Stunden Fahrt von Savusavu im Süden bis auf die andere Seite Vanua Levus geboten. Es geht schaukelig durch das bergige Landesinnere. Auch hier sind die Zerstörungen durch den Hurricane Winston allgegenwärtig. In der Mitte des Busses über dem Fahrer hängt ein großer Fernseher, auf dem die neuesten Videos laufen. Laute Musik-Berieselung nonstop während der ganzen Fahrt, das gibt Kopfschmerzen. Wir sind froh, als wir endlich aussteigen können.
Labasa ist mit 24.000 Einwohnern schon eine richtige Stadt. Der Markt ist wesentlich größer als in Savusavu. Obst, Gemüse, Gewürze und handwerkliche Arbeiten werden in zwei Hallen angeboten. Dahinter am Flussufer reihen sich wackelige Bretterbuden aneinander, an denen es ein reichhaltiges Angebot an frischem Fisch zu kaufen gibt. Touristen ? Fehlanzeige. Es kommt uns so vor, als wären wir die einzigen Ausländer zwischen den hier lebenden Fidschianern, Indern und Chinesen. Nach Labasa fährt wohl Niemand, um Urlaub zu machen. Kein Wunder, die Stadt ist nicht besonders attraktiv. Eine Moschee und zwei Hindu-Tempel, das wissen wir aus dem Reiseführer. Wir finden diese Gebäude auch ohne Tourist-Info und Stadtplan. Einer der Tempel ist weithin zu sehen, schön bunt, und mit Elefanten verzierte Tore wirken fröhlich und einladend. Durch das nur angelehnte Tor wagen wir uns auf das Grundstück und werden von einem jungen indischen Mädchen empfangen. Schon am Eingang habe ich meine Schultern mit einem Tuch bedeckt, nun ziehen wir noch die Schuhe aus und werden barfuß zu einer Art Veranda geführt. Hier gibt es einen prunkvollen Sessel, ein Sofa mit Brokatdecken und eine schlichte Bank, auf der wir warten. Dann erscheint der Erste Priester aus den hinteren Räumen, begrüßt uns freundlich und fragt, ob wir den Tempel besichtigen möchten. So bekommen wir eine Führung und einen kleinen Eindruck von der indischen Kultur. Gegen 16.00 Uhr finden wir uns wieder am Busbahnhof ein. Inzwischen herrscht reges Treiben - was für ein Gewimmel ! Die Schule ist aus, es ist Wochenende, alle Kinder und Jugendlichen aus den Internaten fahren nach Hause. Weiße, graue, blaue und rosafarbene Schuluniformen bestimmen das Bild. Wir bekommen zum Glück gerade noch einen Sitzplatz. Der Bus fährt abends die längere Tour, wieder kostet es nur 3,- Euro pro Person, dazu die neuesten Videos und Musikhits inclusive. Im Dunkeln geht die holprige Fahrt über die Dörfer, wo die Eltern ihre Kinder an den Haltestellen abholen. Das Aus-dem-Fenster-Schauen ist richtig spannend.
Trotz unserer Hitze-Apathie haben wir inzwischen unsere To Do- Liste abgearbeitet und sind bereit zum Auslaufen. Das kaputte Segel ist abgeschlagen und unser altes Groß-Segel wieder montiert. Thomas war oben im Mast, das Rigg ist gründlich kontrolliert. An dieser Stelle herzlichen Dank an Manni Hausmann, der uns nach unserem Kran-Unglück 2011 sehr geholfen hat und viele Stunden an unserem neuen Mast gebastelt hat. Saubere Arbeit, und er wollte dafür keinen Cent als Bezahlung annehmen. Unsere Einladung steht immer noch ! Das Gasproblem ist gelöst, die Solarpaneele arbeitet einwandfrei, wir haben Strom ohne Ende. Unsere Polster wurden nochmal geändert, die nette Schneiderin kam direkt an Bord. Die Matratzen haben viele Stunden draußen in der Sonne gelegen, um dem Schimmel entgegenzuwirken. Viel Diesel haben wir auf dem Hinweg nicht gebraucht, aber dennoch 35 Liter nachgetankt. Unsere Wassertanks sind wieder voll, 100 Liter Wasser haben wir gebunkert, da dieses auf den entlegenen Inseln ein Problem werden könnte. Unser Motor ist frisch gewartet. Die Ankerkette liegt komplett an Deck, wurde Zentimeter um Zentimeter genau angesehen und mit neuen Markierungen versehen. Unser Cruising Permit ist fertig ausgestellt und erlaubt uns, alle anderen Inselgruppen ohne weitere Formalitäten anzulaufen, sogar die Lau-Gruppe im Osten. Eigentlich ist alles bereit, es fehlt nur noch der Einkauf. Wir brauchen Frisch-Proviant für die nächste Etappe und viel Kava als Gastgeschenk für die Stammesältesten, damit wir die Erlaubnis bekommen, durch die Dörfer zu laufen. Wahrscheinlich werden wir Savusavu am Mittwoch verlassen. Es wird höchste Zeit - wir haben Ameisen an Bord. Die kleinen Krabbeltiere kommen über die Leinen an Deck, den Honigtopf im Schapp haben sie bereits gefunden. Aber wir warten noch auf unsere Freunde von der Meerbaer, die Freitag aus Neiafu / Tonga gestartet sind und Montag oder Dienstag ankommen werden.

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07.07.2016

Neuseeland bis Fidschi - 1889 Seemeilen vom 14.06. - 07.07.2016

Mittwoch, den 8. Juni, um 20.30 Uhr abends ist die Crew endlich wieder komplett. Die Walkabout ist reisefertig, sogar der Proviant ist schon an Bord. Es gibt eine verbesserte Ankerwinde, drei neue Batterien, neue Lichtmaschine, anderes Wasserfilter-System, die Scheiben der Sprayhood wurden ausgetauscht, neue Batterie-Ueberwachung und Kontroll-Paneele installiert, die Bord-Elektronik wurde überholt.... Frisch renoviert und gut in Farbe sieht unser Boot richtig schick aus. Thomas hat viel gearbeitet, und es hat natürlich auch Einiges an Geld gekostet. Jedes Jahr wieder fragen wir uns : " Lohnt sich das ? " Ja, es lohnt sich, die Walkabout immer wieder fit zu machen. Wir möchten unser Boot eines Tages sicher zurück in den heimischen Hafen segeln.

In den nächsten drei Tagen hatten wir Besuch von Sarah und Charles aus Montreal/Kanada. Die Beiden haben wir am letzten Tag des Trails in Bluff kennengelernt, danach zufällig noch einmal in Invercargill und in Dunedin wiedergetroffen. Freitag abends waren wir zu Gast bei Sharron, unserer guten Fee von der Town Marina. Es wurde gemeinsam gekocht und lecker gegessen. Anschließend haben wir einen privaten Dia-Vortrag gehalten und der Gruppe eine Auswahl Bilder vom Te Araroa gezeigt. Die Bordfrau hatte in Deutschland einen kleinen Unfall, deswegen sind wir im Zweifel, ob wir so überhaupt losfahren können. Am Montag dann vorsichtshalber Termin beim Medical Treatment Center, um die immer noch geschwollene und schmerzende Hand vorzustellen. Dort bekommt sie guten Rat und das " okay " zum Starten. Am letzten Abend gönnen wir uns ein Abschieds-Essen beim Mongolen " all you can eat ".
Der Wetterbericht ist nicht schlecht, deswegen möchten wir Whangarei und die Riverside Drive Marina kurzentschlossen am Dienstag verlassen. Mittags ist alles vorbereitet und seeklar, aber der Motor springt nicht an. Ewiges Gebastel, Thomas hängt im Motorraum, Steve von der SY Crazyhorse kommt zu Hilfe. Inzwischen hat es angefangen zu regnen. Um 16.00 Uhr macht die Brücke zu, durch die wir hindurch müssen. Etwas später haben die Männer den Motor am Laufen. Aber nun kommen wir heute wohl doch nicht mehr weg, oder ? Steve kennt den Brückenwärter und ruft auf dessen Handy an. Unser Wunsch wird erfüllt - um 18.00 Uhr öffnet er die Brücke nochmal extra für die Walkabout. Inzwischen ist es stockdunkel, aber zum Glück kein Verkehr im Hatea River. Wir tasten uns entlang unserer alten Kurslinie bis nach Marsden Cove, wo wir im Oktober einklariert haben. Die Einfahrt ist mit roten und grünen Tonnen gut markiert, also recht gut zu befahren. Wir legen uns einfach an den erstbesten freien Steg.

Mittwoch früh kommt Marylin zu Besuch auf die Walkabout, ein Funk-Amateur, der von Thomas den Empfang von Wetterdaten mittels Pactor-Modem lernen möchte. Gleich im Anschluss erscheint Paul vom Zoll an Bord. Schnell und professionell bekommen wir unsere Ausreisepapiere und müssen damit Neuseeland in den nächsten zwei Stunden verlassen. An- und Abmelden in der Marina, innen und außen alles seetüchtig festzurren, Müll wegbringen, eine letzte Dusche, Mittagessen. An der Tankstelle füllen wir unseren Tank mit 80 Liter Diesel, dazu kommen weitere 30 Liter in Reservekanistern. Um 13.30 Uhr Ortszeit machen wir die Leinen los und tuckern mit einem Knoten Gegenströmung durch den Fluss. Ein bisschen Wehmut kommt auf, denn zu beiden Seiten sind Teile des Te Araroa zu sehen. Links liegt der Bream Head, rechts der kilometerlange Strandabschnitt von Marsden Cove bis nach Waiapu. Erinnerungen an schweisstreibendes Auf und Ab, unzählige Stufen, Laufen mit Rucksack gegen Wind und Regen .... Neuseeland hat uns sehr intensive Erfahrungen beschert, tolle Landschaften, coole Menschen. Wir kommen auf jeden Fall wieder !

An den ersten Tagen haben wir nur Sonnenschein und wenig Wind. Genauso, wie wir es beim Anfang einer neuen Etappe mögen. Wir kommen zwar nur langsam vorwärts, aber dafür sind die Schiffsbewegungen sanft. Es gibt nicht viel zu tun, entspanntes Segeln, so dass wir uns wieder gut an das Leben auf See gewöhnen können. Die ersten Nachtwachen sind immer hart, aber diesmal wird die Umstellung auf unseren 4-Stunden-Rhythmus durch helle Nächte mit sternenklarem Himmel und zunehmendem Mond erleichtert. Draußen zu sitzen ist richtig schön, allerdings muss man sich warm anziehen mit Faserpelz, Mützen und Handschuhen. Gleich in der ersten Nacht begleiten Delfine unser Boot. In Küstennähe begegnen uns zwei große Schiffe, danach ewig lange nichts mehr - endlich wieder alleine auf dem Ozean. Wir hatten einen guten Start und fühlen uns richtig wohl an Bord. Kaum seekrank, so dass es schon am dritten Tag eine warme Mahlzeit gibt. Nichts klappert und scheppert im Inneren - sehr angenehm. Wir schaffen es sogar, unsere Freiwachen fast komplett zu verschlafen. Dadurch sind wir zu Beginn total ausgeruht und können dem angesagten Tiefdruck-Gebiet gelassen entgegensehen. Am Samstag gelingt der erste Funk-Connect, so dass wir unsere Position herausgeben und neue Wetterdaten abrufen können.
Tatsächlich legt der Wind am vierten Tag zu und bläst ordentlich aus Ost. Die See wird unruhiger, die Wellenhöhe steigt. Damit werden auch die Schiffsbewegungen ungemütlich. Aber wir kommen zügig voran. Tages-Etmale von 116, 125, 112 und 117 Seemeilen in Folge sind für die Walkabout richtig gut und lassen die Entfernung zum Minerva Riff schnell schrumpfen. Nach 5 Tagen dreht der Wind und kommt mit ca. 25 Knoten aus Süd. Wir müssen die Besegelung wechseln und die beiden Spi-Bäume setzen. Beim Bergen des Groß-Segels reißt dieses an der Kante des Oberlieks aus, einfach nur so beim Herunterziehen per Hand. Wir hatten dieses Segel gebraucht gekauft, letztes Jahr hat es uns dann über 8710 Seemeilen bei der Pazifik-Ueberquerung gute Dienste geleistet. Einmal wurde es bereits in Tahiti genäht, aber das Material ist müde. Wir sollten es vielleicht doch besser wieder austauschen und nur noch als Reserve mitnehmen. Am Nachmittag dann der erste Regen unterwegs, es kommt unangenehm von hinten unter die Sprayhood und in die Kajüte geweht. Aber die Temperaturen sind deutlich gestiegen. Nachts können wir jetzt schon ohne Jacke draußen sitzen, die Bettdecke ist fast zu warm zum Schlafen. Ein ca. 30 Zentimeter langer Fliegender Fisch knallt nachts neben dem Cockpit an Deck. Wir sind wieder in den Tropen.

Der erste Funkkontakt mit der Meerbaer gelingt, obwohl unsere Freunde in 990 Seemeilen Entfernung in Nukualofa sind. Spannende Begegnung am frühen Abend : False Killer Whales ( zu deutsch Kleiner Schwertwal ) schwimmen ganz dicht neben dem Boot. Diese Meeres-Säuger werden 5 - 6 Meter lang. Einer von beiden ist verletzt, eine breite Wunde wie von einem Biss klafft tief am Rücken. Nach einer Woche beginnt der Bananen-Marathon. 7,5 Kilo Bananen, obwohl in unterschiedlichen Reifezuständen gekauft, wollen möglichst alle gleichzeitig gegessen werden. Wir sind immer noch schnell unterwegs, allerdings können wir unseren Kurs Richtung Minerva Riff nicht halten. Der Wind dreht weiter auf Ost und danach Nord-Ost. Aber wir lassen das Schiff erst einmal laufen, weil es so schönes Segeln ist und hoffen auf Wind-Drehung. Irgendwann sind wir schließlich viel zu weit nach Westen von unserer Kurslinie abgekommen. Immer noch bläst der Wind kräftig, so dass die Walkabout mit 6 Knoten Fahrt in die falsche Richtung prescht. So kann das nicht weitergehen, oder wir werden Probleme bei der Ansteuerung von Fidschi bekommen. Nachdem Thomas über Funk einen neuen Wetterbericht eingeholt hat, beschließen wir, dass wir vorerst beidrehen, um nicht noch weiter in diesem Tempo gen Westen zu fahren. Gesagt, getan - beim Einholen des Groß-Segels entdecken wir einem neuen Riss, diesmal im oberen Drittel in der Mitte. Okay, das Segel ist offensichtlich durch, wir müssen uns ein neues kaufen. Wieder einmal wird es geklebt, hoffentlich hält das nun noch ein Weilchen durch. Thomas sagt " Es ist das Tape nicht mehr wert, das wir zum Reparieren verbrauchen."

Die erste Woche hatten wir perfekte Bedingungen und sind sehr gut vorwärts gekommen. Zu Beginn unserer zweiten Woche auf See ist dann Ende mit guten Tages-Ergebnissen. Morgens um 9.00 Uhr haben wir die Segel eingeholt und beigedreht. Dann passiert den ganzen Tag nichts mehr. Der Wind bleibt weiterhin so ungünstig für unseren Kurs, dass wir nichts Anderes tun können als Abwarten. Wer will schon gegenan motoren ? Wir machen abwechselnd unsere Wache, halten Ausguck und lesen viel. Abends gibt es ein kleines Unterhaltungsprogramm der heimischen Tierwelt. Zunächst kommt ein großer Basstölpel gemächlich angeflogen, dreht eine Runde ums Boot und lässt sich dann nur ein Paar Meter von uns entfernt nieder. Er steckt seinen Kopf unter Wasser und sucht anscheinend nach Nahrung. Kurz darauf springt ein Gelbflossen-Thunfisch hinter dem Tölpel aus den Wellen und taucht gleich wieder ein. Nur einen Augenblick später kommt ein gelb-grün schillernder Mahi Mahi aus dem Wasser geschossen, dreht eine Pirouette in der Luft und landet elegant wieder im Wasser. Was für ein schönes Tier ! Für uns wären beide Fische viel zu groß gewesen, da wir keinen Kühlschrank an Bord haben und keine anderen Segler in der Nähe sind, mit denen man teilen könnte. Auch während der Nacht ändert sich die Windrichtung nicht. An Segeln ist so nicht zu denken. Abwarten und Tee trinken ..... eigentlich geht es uns ja ganz gut an Bord. Wunderschöne helle Nacht mit Tausenden von Sternen, die Luft ist mild geworden, alles ist friedlich um uns herum. Am nächsten Morgen um 11.00 Uhr bekommen wir endlich den erhofften Nordwind und setzen die Segel. Genau 26 Stunden haben wir beigedreht gelegen und sind während dieser Zeit etwa 20 Seemeilen zurück nach Süden getrieben. Nun müssen wir Kurs nach Osten gutmachen. Die Walkabout segelt nicht gerne am Wind, mehr als 3,5 Knoten sind auf diesem Kurs nicht herauszuholen. Aber egal, wenigstens läuft es wieder, und wir haben ja alle Zeit der Welt.

Die nächste böse Ueberraschung : unsere Toilette macht Probleme, sie pumpt nicht mehr ab. Eines der schlimmsten Dinge, die an Bord kaputtgehen können. Aber wir haben Glück - Thomas findet den Fehler recht schnell, nachdem er ein paar Schläuche und Ventile auseinandergenommen hat. Nur eine knappe Stunde hat die Reparatur gedauert, dann läuft alles wieder wie geschmiert.

Nach 10 Stunden unter Segeln stimmt die Richtung schon wieder nicht mehr, deswegen holen wir das ganze Tuch herunter und drehen erneut bei. So ist der Schaden am geringsten .... Haben wir auf dem Weg von Tonga nach Neuseeland im letzten Oktober von einer " Südmauer " gesprochen, die uns tagelang nicht durchgelassen hat, so erleben wir jetzt das Phänomen einer " Nordwand ". Wir kommen einfach kein Stück weiter nach Norden. Tagelang eiern wir ohne Fortschritte in einer Distanz zwischen 130 und 150 Seemeilen vom Minerva Riff herum. Dort wollten wir ursprünglich einen Zwischenstopp einlegen und auf den richtigen Wind warten. Wie wir über Funk erfahren, liegen im Minerva Riff zur Zeit zwei Segelboote, die kurz vor uns gestartet sind und warten ebenfalls auf ihre Chance. Aber unsere Walkabout kommt noch nicht einmal bis dahin. Im Moment sieht es nicht gut aus, die beiden anderen Segler haben auch keine besseren Bedingungen als wir. Die aktuellen Wetterkarten lassen für die nächsten 4 Tage noch keine Aenderung erkennen. Das Barometer bewegt sich keinen Millimeter. Ganz einfach ausgedrückt : stabile Wetterlage mit dem Wind genau aus der verkehrten Richtung. Egal, was wir auch anstellen, es geht tagelang nicht vorwärts. Da ist es nur gut, dass wir uns so wohlfühlen auf See. Wir sind völlig in unserer Mitte und im Einklang mit der Natur. Für viele Fahrtensegler sind die langen Segelstrecken eher ein notwendiges Uebel, um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Meistens wird schon lange vorher von der Ankunft geredet und alles darauf ausgerichtet, möglichst bald wieder die Annehmlichkeiten der Zivilisation genießen zu können. Wir empfinden das ganz anders, für uns ist der Weg das Ziel. Seit der Atlantik-Ueberquerung 2011 gefällt uns der Zustand ausgesprochen gut, lange Zeit auf See zu sein. Schon früher haben wir mit unserem kleineren Boot " Njörd " lange Törns zu den anderen Inseln oder zum Festland unternommen, nur um dort mal eben zwei Stunden an Land zu gehen. Hier auf dem Pazifik sind wir wunderbar entspannt und alleine. Das ist wie Urlaub ! Seit 14 Tagen haben wir kein anderes Schiff mehr gesehen. Für uns wäre Segeln in der Karibik ein Alptraum - viel zu überlaufen.

Es ist heiß geworden. Tagsüber brät die Sonne in der Plicht. Nachts landen Fliegende Fische an Bord und verbreiten ihren intensiven Geruch. Innen im Schiff sind die Temperaturen kaum auszuhalten. Demnächst wird unser Ventilator wieder zum Einsatz kommen. Und dann wird es Zeit für schöne Ankerplätze zum Schwimmen und Schnorcheln.

Zwei Wochen unterwegs .... eigentlich dachten wir, dass wir es innerhalb dieser Zeit bis nach Fidschi schaffen. Aber es ist immer noch kein Ende in Sicht. Morgens hören wir in der täglichen Funkrunde, dass die Segelyacht " State of Mind " zusammen mit einem weiteren Boot nun schon seit 4 Tagen im Minerva Riff Süd feststeckt und sich heute ein paar Meilen weiter bis Minerva Nord vortasten wird. Die haben in der Riverside Drive Marina direkt neben uns am Steg gelegen, ein paar Meter länger, schicker Segler .... aber nützt alles nichts ohne den richtigen Wind. Am Abend ist es dann völlig vorbei : totale Flaute, die Segel schlagen nur noch. Der Pazifik um uns herum ist ruhig wie ein Ententeich, deswegen starten wir den Motor und versuchen, ein paar Meilen in Richtung Norden zu fahren. Ausgerechnet in dieser Nacht regnet es mehrmals heftig. Wir werden an der Pinne sitzend von den tropischen Güssen durchweicht. Da klingen mir ja schon wieder die guten Ratschläge in den Ohren " Ihr braucht einen elektrischen Autopiloten ". Nein, brauchen wir nicht und wollen wir auch nicht haben. Mehr als 23000 Seemeilen haben wir jetzt mit der Walkabout ohne elektrischen Autopiloten zurückgelegt, das wird auch in Zukunft so bleiben. Allerdings habe ich am nächsten Tag Muskelkater vom Steuern per Hand - zwei ganze Nachtwachen unter Motor gefahren, das macht immerhin 8 Stunden Arbeit. So stark wurden meine Oberarm-Muskeln seit der Kanu-Woche auf dem Whanganui nicht mehr beansprucht.

Unsere Abfahrt aus Neuseeland war gerade noch rechtzeitig. Seit unserem Start aus Whangarei jagt dort ein Tiefdruckgebiet das nächste. Nach gut zwei Wochen auf See bekommen wir die Ausläufer des letzten Tiefs noch bis zum 23. Breitengrad zu spüren. Es gibt endlich Wind - viel Wind. Innerhalb kürzester Zeit ist der Himmel zugezogen mit dunklen Wolken, und dann geht es los. Kriegen wir jetzt etwa noch eins auf die Mütze ? Erstmal wird die Genua verkleinert, dann kommt das erste Reff ins Groß. Reicht nicht, Genua noch weiter einrollen, das zweite Reff ins Groß binden und vom Kurs abfallen. So geht es. Der Wind pfeift heftig, der Seegang wird sofort aufgewühlt. Walkabout hat ordentlich Schräglage. Bei diesen Verhältnissen ist kein gemütliches Bordleben mehr möglich. Da kann man sich auf unserem Boot am Besten in die Ecke setzen oder liegen. Ein Gang zur Toilette wird schon zur großen Herausforderung. Nach all dem Gedümpel auf der bisherigen Ueberfahrt ist das nun mal wieder ein ganz anderer Schnack. Jetzt müssen wir uns nur noch entscheiden, wo wir hinfahren wollen. Nach Suva auf der Hauptinsel Viti Levu sind es noch ca. 400 Seemeilen, Nadi auf der Westseite liegt in ca. 470 Seemeilen Entfernung, bis nach Savusavu auf der nördlicheren Fidschi-Insel Vanua Levu hätten wir noch ca. 450 Seemeilen auf direktem Kurs vor uns. Oder sollen wir vielleicht doch lieber den Süden von Tonga anlaufen und in Nukualofa einklarieren ? Bis dahin hätten wir nur noch gut 200 Seemeilen Distanz vor uns liegen. Allen Orten gemeinsam ist, dass man nicht am Wochenende ankommen sollte. Entweder wird man von den Behörden außerhalb der regulären Arbeitszeiten gar nicht abgefertigt, was bedeuten würde, dass wir das Boot vor Montag nicht verlassen dürfen. Oder aber die Offiziellen kommen an Bord und verlangen dafür horrende Extra-Gebühren. Muss ja Beides nicht sein. Inzwischen ist Mittwoch, also werden wir mal sehen, wohin der Wind uns bringt und an welchem Wochentag wir ankommen können.

Vorbei ist es mit Urlaub und gemütlich in der Sonne segeln. Am Freitag, mehr als zwei Wochen nach dem Start, erwischt uns nochmal ein kräftiges Tief. Morgens um 8.00 Uhr beim Wachwechsel fangen die Segel an zu schlagen, und der Wind dreht ganz plötzlich um 180 Grad. Ringsum haben sich schwarze Wolkenwände zusammengebraut, was bedeutet, dass wir schnellstens die Segelfläche verkleinern sollten. Der Seegang wird immer höher, kurze steile Wellen laufen durcheinander und schütteln das Boot durch. Starkwind mit 40 Knoten, in Böen noch mehr, lässt uns vorwärts fliegen. Wir fahren zunächst Nord-West-Kurs, nach einigen Stunden wenden wir auf den anderen Bug und laufen Richtung Süd-Osten ab. Inzwischen haben wir das vierte Reff im Groß und das Vorsegel ganz eingeholt. Immer noch machen wir mit dieser Mini-Besegelung etwa 6 Knoten rauschende Fahrt. Hoffentlich hält das geflickte Groß-Segel durch. Ein Segel-Austausch auf hoher See ist kein Spaß. Nach 22 Stunden ist der Spuk vorbei, der Sturm lässt nach, und die Wellen glätten sich. Allerdings regnet es den ganzen Tag ohne Unterbrechung, von morgens 8.00 Uhr bis abends um 22.00 Uhr. Das Dumme daran ist, dass wir den Wind genau von hinten bekommen. Damit weht es uns bis ins Cockpit, unter die Sprayhood und bis in die Kajüte. Wir müssen alle drei Steckbretter einsetzen und das Luk vom Niedergang schließen, damit es uns nicht in die Koje regnet. Zusätzlich dichtet Thomas noch die Lüftungsschlitze vom Motorraum mit Tape ab, damit unsere Maschine nicht absäuft, falls doch mal eine Welle richtig einsteigen sollte.
In etwa 50 Meter Entfernung zum Boot entdecken wir zwei Pottwale, die uns eine Weile begleiten.
Es ist Meeresleuchten - die weißen Schaumkronen der sich brechenden Wellen sehen in der stockfinsteren Nacht etwas gruselig aus. Das Schiff legt sich weit von einer Seite auf die andere und rollt und rollt. Innen purzeln diverse Gegenstände aus den Schapps. An Schlaf ist so nicht mehr zu denken, zumindest nicht bei der Bordfrau. Draußen sitze ich während meiner Wache mit Schwimmweste und Sicherungsgurt angepickt und mache nicht viel mehr als Aufpassen und ab und zu den Kurs korrigieren. Meine rechte Hand ist immer noch nicht wieder voll einsatzfähig, so dass ich für alle Manöver und Leinenarbeit meinen allerbesten Arbeiter wecken muss.
So langsam wird es anstrengend. Wir entscheiden uns dazu, zunächst Tonga anzulaufen, um ein paar Tage auszuruhen und neuen Frisch-Proviant an Bord zu nehmen. Thomas sieht erneut den hohen Blas eines Wales in einiger Distanz voraus, aber so nahe wie in Patagonien kommen wir hier nicht an die Riesen heran.

Samstag abends befinden wir uns nur noch 15 Seemeilen vor der Ansteuerung nach Nukualofa. Schon den ganzen Tag über sind wir mit angezogener Handbremse ( d. h. gerefften Segeln ) gefahren, damit wir nicht in der Dunkelheit einlaufen müssen. Die Nacht über wollten wir mit ausreichend Sicherheitsabstand beidrehen und die Stunden verbummeln, dann frühmorgens bei Tageslicht in die Bucht einlaufen. Soweit der Plan ..... aber unsere Pläne ändern sich mal wieder. Wir erfahren um 20.00 Uhr über Funk, dass auf Tonga am Montag ein Feiertag ist und deswegen nicht gearbeitet wird. Irgendein Mitglied der Königsfamilie hat Geburtstag. Das hätte für uns zur Folge, dass wir uns die Nacht hier draußen um die Ohren schlagen muessen, morgen gegen Mittag ankommen, aber Sonntag und Montag noch nicht von Bord können, weil die Offiziellen von Zoll und Immigration erst am Dienstag zum Einklarieren erscheinen. Nein, da haben wir keine Lust drauf, diese Warterei erscheint uns ziemlich sinnlos. Also ändern wir ganz spontan unseren Kurs und legen auf Fidschi an. Etwa 430 Seemeilen in gerader Linie, das könnten wir in 5 Tagen schaffen, wenn dieser kräftige Wind aus Süd-Ost beständig bleibt. Dusche, Einkaufen und Ausschlafen werden also nochmal um ein paar Tage hinausgeschoben. In der Nacht sehen wir an unserer Steuerbord-Seite stundenlang den hellen Lichtschein der Insel Tongatapu. Dazu gibt es eine klar umrissene dunkle Scheibe mit einer sehr schmalen Mondsichel am Himmel. Endlich, nach mehr als zwei Wochen, entdecken wir auch Lichter auf dem Ozean. Ein Fischkutter bei der Arbeit, so küstennah kein Wunder.

Sonntag früh um 9.00 Uhr gibt es einen kräftigen Ruck an der Angel. Ein junger Mahi Mahi von 1,10 Meter Länge hat angebissen, genau die richtige Größe für uns Zwei. Der Fisch kämpft lange, aber Thomas gewinnt. Nach dem Ausnehmen und Putzen bleiben ungefähr 3 Kilo feinstes Filet übrig. Unser heutiges Festmahl ist gesichert. Das wertet unseren Speiseplan doch ganz enorm auf. Wir hatten in den letzten drei Wochen auf See Kartoffelsuppe, Bohnensuppe, Möhreneintopf, Rote Beete-Suppe, Kürbissuppe, Linsensuppe, Reis sowie Nudeln mit Tomatensauce als Hauptmahlzeit. Der Frisch-Proviant ist uns schon vor ein paar Tagen ausgegangen, da wir bereits viel länger unterwegs sind als geplant. Lediglich etwas Knoblauch ist noch da. Außerdem haben wir natürlich genug Konserven und etliche Kilos Reis an Bord, die wahrscheinlich bis zur Rente reichen werden.
Unsere Solarpaneele erzeugt keinen Strom mehr. Die Verbindungen der außen verlaufenden Kabel sind durchgegammelt. Das ist nicht das erste Mal, deswegen ist der Fehler schnell erkannt und repariert. Nun lädt das gute Stück wieder, wenn die Sonne scheint, und unser Strom-Haushalt ist in Ordnung.

Es war eine sehr gute Entscheidung, kurz vor Tongatapu abzudrehen und die Nase Richtung Fidschi zu wenden. An den letzten vier Tagen herrscht allerschönstes Segelwetter. Wir haben genau den richtigen Wind, manchmal bläst er ganz kräftig, aber immer von achtern. So kommen wir schnell voran und verbringen die Zeit an Bord mit der Planung unseres nächsten Longtrails in den USA. Nachts ist Sterne-Gucken und Musik hören angesagt. Besondere Vorkommnisse : Eine Gruppe von 5 - 6 Mahi Mahis schwimmt eine ganze Weile hinter unserem Schiff her. Die golden in der Sonne glänzenden Rückenflossen sind ein prächtiger Anblick. Aber geangelt wird nun nicht mehr - der Fang von Sonntag hat uns drei Mahlzeiten beschert, das reicht erstmal. Ein langer Baumstamm mit Wurzelballen und dicken Aesten dran treibt etwa 20 Meter neben dem Boot vorbei. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie sich das anfühlt, wenn die Walkabout im Dunkeln mit so einem Hindernis kollidiert. Wahrscheinlich wäre der Schrecken größer als der tatsächliche Schaden am Schiff.
Die Navigation zwischen Tonga und Fidschi erfordert große Aufmerksamkeit. Wir nähern uns von Süd-Osten und müssen uns den besten Kurs durch das Insel-Gewirr der Lau-Gruppe suchen. Unzählige Mini-Eilande, Korallenriffs, Felsen und sonstige Unterwasser-Hindernisse liegen auf unserem Weg. Es sollen nicht alle Gefahrenstellen kartographiert sein, bzw. es ist allgemein bekannt, dass die Positionen so manches Mal nicht stimmen. Tagsüber lassen wir besondere Vorsicht walten und halten penibel Ausschau nach verdächtigen Wasser-Verfärbungen oder brechenden Wellen. Aber wir müssen auch während der letzten beiden Nächte da durch. Dabei verlassen wir uns auf unseren Radar-Plotter mit elektronischer Seekarte. Zusätzlich haben wir alle möglichen Informationsquellen genutzt und umfahren zweifelhafte Stellen weiträumig. Ein bisschen hat das Segeln in diesem Gebiet wohl auch mit Glücksspiel zu tun. Nur noch 180 Seemeilen liegen vor uns bis zum Ansteuerungspunkt Savusavu, als wir die ersten sichtbaren Inseln der Lau-Gruppe an steuerbord vor uns liegen haben. Kambara, Maramba und Vuanggava Island passieren wir mit einem Sicherheitsabstand von etwa 5 Seemeilen. Eine hohe Dünung wirft Schiff und Mannschaft hin und her, in der Ferne sind brechende Wellen zu erkennen. Unser gewählter Kurs geht gut daran vorbei. Trotzdem ist es etwas unheimlich, nach drei Wochen in dieser Wasserwüste plötzlich Hügel aus dem Meer aufragen zu sehen.
Unsere letzte Nacht präsentiert sich ruhig und sternenklar. Ein Schiff kreuzt unseren Weg. Gegen 5.00 Uhr morgens ist am Horizont ein heller Schein zu sehen : die Südküste von Vanua Levu, der zweitgrößten Fidschi- Insel. Querab blinkt der Leuchtturm von Vuna Point auf der Insel Taveuni. Wir versuchen, anhand der Segelstellung unsere Ankunftszeit so einzurichten, dass wir früh, aber nicht vor Dienstbeginn, den Yachthafen erreichen. Passt gut, alles wunderbar gelaufen.

Unsere Passage von Neuseeland nach Fidschi hat ungewöhnlich lange gedauert. Aber bis auf nur zwei blöde Tage ( stundenlanges Motoren sowie Dauerregen ) war die Stimmung an Bord immer sehr gut. Zweimal haben wir während unserer Fahrt die Datumsgrenze überquert. Der Zeitunterschied zu Deutschland sollte jetzt wieder 10 Stunden betragen, wir sind der Nordhalbkugel voraus. Am Donnerstag, den 07. Juli, laufen wir morgens früh um 10.00 Uhr Ortszeit in Savusavu ein. Bei der Einfahrt in die Bucht werden wir schon von Hilde und Hermann erwartet. Unsere Freunde von der Pacifico überreichen uns im Vorbeifahren eine Tüte mit frisch gebackenem Schwarzbrot und einer halben Wassermelone. Sooo lecker - danke schön ! Darauf folgt eine Einladung für den Abend, Essen und Trinken sind für heute gesichert. In der Copra Shed Marina werden wir freundlich empfangen und bekommen auf Wunsch einen Platz am Steg zugewiesen. Eine Menge lästiger Papierkram ist zu erledigen, ein Dokument nach dem anderen muss ausgefüllt werden. Der ganze bürokratische Wahnsinn zum Einklarieren kostet uns insgesamt 250,- Dollar. Nach der Abfertigung durch Zoll, Immigration, Bio-Security und Gesundheitspolizei muss das Boot aufgeklart werden. Ein bisschen Flurschaden gibt es immer. So ist auf dieser Etappe eine Dose Cola explodiert und hat die ganze Kajüte vollgespritzt - klebt trotz Putzen noch überall. Ein anderes Mal ist eine Tüte Sahne am Herd umgekippt und hat sich bis auf den Fußboden und zwischen die Bodenbretter ergossen - riecht nicht gut trotz sofortigem Wegwischen. Unser Banana-Dinghi muss aufgebaut werden, bevor wir einen ersten Landgang mit Stadt-Erkundung machen können. Dann natürlich Duschen, Wäsche waschen, Bett frisch beziehen, unsere Seekoje aufräumen und die Walkabout wieder zum Wohnen herrichten. Nach 22 Tagen und Nächten auf dem pazifischen Ozean und 1890 zurückgelegten Seemeilen wissen wir einen ruhigen Platz und ungestörten Schlaf so richtig zu schätzen.




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25.04.2016

Nach dem Trail ist vor dem Trail !

Es hat alles wunderbar geklappt. Unser neuer Freund aus den Backpacker Hostels lässt es sich nicht nehmen, uns morgens um 8.00 Uhr mit seinem Wagen zum Flughafen zu bringen. Mit einer Stunde Verspätung ist unser Flieger von Dunedin gestartet, und wir haben innerhalb von 2,5 Stunden eine Strecke in der Luft zurückgelegt, die wir vorher in 4 Monaten zu Fuss gelaufen sind. Das ist schon sehr seltsam !
Am Kissing Point haben uns Anne und Rainer von der Meerbaer herzlich mit einem Willkommens-Bier empfangen und unseren Schlüssel gebracht. Die Walkabout sieht sehr gut aus, wenn man von den Rostspuren absieht. Innen alles okay, die Bilge ist trocken, nirgendwo Schimmel. Wir haben sofort den Test gemacht .... und der Motor sprang an ohne Mucken. Da haben wir die Gelegenheit genutzt und gleich bis in die Riverside Marina verholt. Es passte von der Zeit her wunderbar, wir konnten noch kurz vor Schließung der Brücke hindurchfahren und uns direkt an den Steg legen. Die Salmon von Rosi und Klaus hing gerade im Kran und wurde zu Wasser gelassen. Abends sind wir noch bei Hilde und Hermann auf der Pacifico zu Besuch gewesen. Auch Biggi und Jochen sind hier, die uns in Opua so nett beherbergt haben. Ihr Boot, die Flying Dog, steht allerdings noch an Land und bekommt gerade den letzten Schliff. Das deutsche Dorf ist wieder zusammen, es gibt viel zu erzählen. Bereits am ersten Vormittag haben wir Sharron getroffen, unseren guten Geist aus der Town Marina, die uns in vielen Angelegenheiten immer mit Rat und Tat zur Seite stand. Freitag ging es dann noch einmal zum Verabschieden auf die Pacifico, bevor diese nach Marsden Point zum Ausklarieren gefahren sind. Abends waren wir bei unseren Freunden auf der Meerbaer eingeladen. Anne und Rainer hatten uns bereits vor einiger Zeit eine Lammkeule versprochen, damit wir wieder zu Kräften kommen. Gesagt, getan - danke für das leckere Essen. Es war, wie immer, ein langer und geselliger Abend. überhaupt sind alle unsere lieben Bekannten sehr darum bemüht, dass wir ordentlich Kalorien zu uns nehmen. Schon am ersten Abend gab es von Rosi und Klaus eine große Tafel Schokolade zur Begrüßung. Samstag waren wir nachmittags auf der Salmon zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Auch hier ging die Zeit bei netter Unterhaltung schnell um. Während wir draußen in der Plicht saßen, konnten wir beobachten, wie Laura Dekker mit ihrem Boot ablegt. Laura ist dadurch bekannt geworden, dass sie mit 15 Jahren alleine zu einer Weltumsegelung gestartet ist. Sie hat das Projekt in den Jahren 2010 - 2012 erfolgreich beendet und ist damit der jüngste Mensch, der eine Solo-Weltumsegelung gemacht hat. Sie wurde als Tochter einer deutschen Mutter und eines niederlaendischen Vaters im Jahr 1995 in Whangarei / Neuseeland geboren. Whangarei ist eine tolle Stadt, wir sind sofort wieder "zu Hause". Es gibt Vieles zu erledigen und organisieren. Unter Anderem habe ich meine Hiking-Schuhe zwecks Umtausch zu Kathmandu gebracht, meine kaputten Sandalen wurden bei Stirling Sports abgegeben. Ich hoffe darauf, dass ich das eine oder andere Paar ersetzt bekomme. Die Schuhe werden zum Hersteller Salomon bzw. Teva geschickt. Mal sehen, was daraus wird. In den kommenden Wochen gibt es eine Menge Arbeit für Thomas, um die Walkabout wieder reisefertig zu machen. An erster Stelle steht die Anschaffung einer neuen Ankerwinde, wir brauchen neue Batterien und Polster, die Lichtmaschine muss repariert werden, Bordelektronik überholt, Rost-Entfernung, viele Anstriche ..... Die Bordfrau wird in dieser Zeit einen Heimat-Urlaub auf Norderney machen und sicherlich auch keine Langeweile haben. 

Ein bisschen Statistik und Ausblick auf das, was noch an Long-Trails auf unserer ToDo-Liste steht :
Vom 07.11.2015 bis zum 16.09.2016 sind wir insgesamt 3010 Kilometer auf dem Te Araroa gelaufen. Eigentlich waren es sogar noch etliche mehr, aber Sidetrails, Umwege und Extra-Kilometer wegen Verlaufen zählen nicht mit in der Rechnung. Dafür haben wir 5 Monate und 9 Tage gebraucht. Allerdings sind wir nur 162 Tage auf dem Trail gewesen, weil wir uns 34 Ruhetage gegönnt haben. Die längste Etappe, die wir ohne Pause durchgelaufen sind, waren 300 Kilometer oder 13 Tage. Für Neuseelands Long-Trail haben wir auf den Tag genauso lange gebraucht wie für den Appalachian Trail im Jahr 2012. Allerdings hat der AT eine Länge von über 3500 Kilometern, das sind 500 Kilometer mehr. Diese Zahlen bestätigen unseren Eindruck, dass der Te Araroa ganz eindeutig der schwierigere von beiden Trails ist. Mit seinen anspruchsvollen Routen, ständig wechselndem Terrain und den hohen Anforderungen, was Organisation und Logistik betrifft, hat uns der Te Araroa ganz schön überrascht. Wir dachten : " 500 Kilometer weniger - das machen wir mal eben." Aber wir haben diesen Weg von Cape Reinga im Norden bis nach Bluff im Süden total unterschätzt. Während der letzten 5 Monate haben wir 12 Kilo an Gewicht verloren - jeder natürlich. Ab jetzt müssen wir gut aufpassen, dass wir nicht sofort wieder explosionsartig zunehmen.
Da wir ja nun bereits die beiden schwierigsten Trails hinter uns haben, können wir uns nun mit der Planung der nächsten beschäftigen. Wir möchten so bald wie möglich die beiden längsten Trails der USA laufen, da wir ja nicht jünger werden. Im Moment tendieren wir dazu, im Jahr 2017 den Continental Divide Trail, kurz CDT, in Angriff zu nehmen. Dieser geht entlang der nordamerikanischen Wasserscheide von der mexikanischen Grenze bis nach Kanada und hat eine Gesamtlänge um die 5000 Kilometer. Im darauf folgenden Jahr, also 2018, möchten wir sehr gerne den Pacific Crest Trail laufen. Der PCT befindet sich an der Westkueste der USA und hat eine Länge von 4300 Kilometern. Zwischendurch werden wir natürlich immer wieder eine Saison mit der Walkabout segeln. 

aktuelle e-mail-Adresse :
sy.walkabout@gmail.com

Demnächst soll es eine neue Homepage geben, die etwas anders aufgebaut sein wird. Wir arbeiten daran .....




 

21.04.2016

Bluff bis Whangarei 17.04. - 22.04.2016

In unserem Zimmer ohne Fenster haben wir schlecht geschlafen. Gestern ging spätabends auch noch der Feueralarm los, weil in der Toilette geraucht wurde. Alle sollten nach draußen, bis die Lage geklärt war. Nicht sehr entspannend ! 
Sonntag sind wir schon früh wach - wie immer. Ausschlafen müssen wir erst wieder lernen. Auf jeden Fall möchten wir uns von Lex verabschieden. Genau wie gestern klingeln wir an seiner privaten Tür, und genau wie gestern öffnet er uns kauend und über das ganze Gesicht lachend. Der Mann hat richtig Spaß an seiner Arbeit mit den überwiegend jungen Leuten im Hostel. Allein wegen unserem sympathischen Gastgeber hat sich die Nacht in der Backpackers Lodge gelohnt. So lustig und dabei so herzlich, da kann man über die nicht so tolle Unterbringung großzügig hinwegsehen. Für alle, die der englischen Sprache mächtig sind, hier ein Zitat von der Homepage der Backpackers Lodge in Bluff. Lex sagt dort über sich selber :
 “I am a people person. Life is for living and enjoying. Here, I meet adventurous people from all over the world. I have had some great chats. My geography is improving all the time.”
Beim Trampen haben wir heute sofort Glück. Hier gibt es nur wenige Touristen-Autos, und die Locals wissen, was wir geleistet haben. Schon bald hält ein Wagen mit einem einheimischen Ehepaar auf dem Weg nach Invercargill. Gestern sind wir den ganzen Tag gelaufen, um hierher zu kommen. Und heute bringt uns das Auto in weniger als einer halben Stunde wieder zurück zum Tuatara. Um 10.00 Uhr morgens können wir dort einchecken, wo wir vor genau 24 Stunden zum großen Finale gestartet sind. Das fühlt sich schon etwas komisch an. 
Vor dem Tuatara Backpackers sitzt unser netter Bekannter von gestern, der uns am Wegweiser so herzlich gratuliert und später sein Zimmer überlassen hat. Das ist ja nun schon wieder eine witzige Begegnung ! Ein erster Erkundungsgang durch die Stadt führt uns zur Tourist-Info. Dort bekommen wir für die Vollendung des Te Araroa jeder eine Medaille geschenkt. Thomas kauft ein neues netbook, weil wir auf dem Boot keins mehr haben. Ich halte mich da lieber an kleinere Dinge wie Souvenirs aus dem Museums-Shop. Wir genießen es, im großen Supermarkt einkaufen zu können, ohne es weit tragen zu müssen. Abends kocht Thomas in der Gemeinschaftsküche leckeres Essen : Kohlrabi, Rosenkohl und panierte Schnitzel. Hört sich vielleicht seltsam an, aber auf solche Sachen mussten wir lange verzichten.

Montag besuchen wir die öffentliche Bücherei, um unsere Internet-Angelegenheiten zu erledigen. Dort treffen wir D.J., der gerade aus Bluff gekommen ist. Er hat nur zwei Tage länger bis zum Ziel gebraucht als wir. Neil ist noch unterwegs, wie wir per SMS erfahren. Eine Magen- und Darmgrippe hat ihn so sehr erwischt, dass er ein paar Tage pausieren musste und den Te Araroa wahrscheinlich erst zum Ende der Woche beenden wird. Es regnet den ganzen Tag ohne Unterbrechung. Wir sind froh, dass wir es uns in unserem Zimmer gemütlich machen können. 

Dienstag fahren wir mit dem Bus nach Dunedin. Es ist schon seltsam, die Landschaft Neuseelands aus dem Fenster heraus so schnell vorbeifliegen zu sehen. Nach 3,5 Stunden sind wir da. Unser erster Eindruck : Dunedin ist viel schöner als Invercargill.
Im OnTop Backpackers haben wir ein sauberes Zimmer, in dem wir uns die nächsten zwei Tage wohlfühlen können. Und wem laufen wir in die Arme, als wir mit unseren Rucksäcken über den Flur laufen ? Unserem Bekannten, der nun schon fast ein guter Freund geworden ist. Sonntag in Bluff, Montag in Invercargill und heute sehen wir uns in Dunedin wieder. Immer im selben Hostel, und das alles ohne Absprache. Es gibt schon verrückte Zufälle ! Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite, blauer Himmel und Sonnenschein. Thomas war beim Friseur. Diesmal ist es besser gelungen als beim letzten Friseur-Besuch. Ich verbringe einige Zeit in der Touristen-Info und im DOC-Office, die neben Karten und Büchern immer viele schöne Dinge zum Verkauf anbieten. 

Mittwoch wachen wir erneut viel zu früh auf und beschließen, eine kleine Tour durch die Stadt zu unternehmen. So ganz ohne Laufen geht es eben nicht. Wie gut, dass es in Dunedin die Baldwin Street gibt, die steilste Straße der Welt. Da kommen wir endlich mal wieder ins Schwitzen. Aber eigentlich kommen wir uns etwas fehl am Platze vor. Wir sind nun leider keine Hiker mehr, sondern nur noch zwei ganz gewöhnliche Touristen.

Donnerstag bringt unser netter Bekannter uns mit seinem Wagen zum Flughafen. Wenn alles klappt, dann werden wir schon um 13.30 Uhr in Whangarei ankommen. Dann geht es mit dem Taxi zum Kissing Point, wo unsere Freunde von der Meerbaer uns bereits mit dem Schlüssel von der Walkabout erwarten. Wir müssen unser Boot ausräumen, putzen und wieder bewohnbar machen. Thomas hat mit der Elektrik und dem Motor zu tun, der hoffentlich ohne Mucken anspringt. Vielleicht sehen wir sogar noch unsere lieben Seglerkameraden von der Pacifico, die kurz vor dem Start sind, weil ihr Visum ausläuft.

Freitag möchten wir dann in die Riverside Marina verholen. Dort legen wir uns zunächst an den Steg. Am 26.04. haben wir einen Krantermin. Dann kommt das Boot aus dem Wasser, um die notwendigen Arbeiten an Land durchzuführen. Anfang Juni werden wir wieder zurück in die Südsee segeln, die Inselwelt von Tonga und Fidschi erkunden. 


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20.04.2016

Riverton - Invercargill - Bluff 14.04. - 16.04.2016

Heftiger Regen in der Nacht. Wir sind heilfroh, dass wir uns bis hierhin gequält haben.

Ein ruhiger Ort, der zum Bleiben einlädt, supernette Gastgeber und alles perfekt für unsere Bedürfnisse eingerichtet. Der Aufenthaltsraum, die Gemeinschaftsküche, Dusche und Toiletten liegen ganz nahe bei unserem Zimmer. Alles überdacht, so dass man noch nicht einmal nass wird oder schmutzige Füße bekommt, wenn man nachts einmal raus muss. Perfekt ! Aber das Wetter sieht einladend aus, morgens ist es trocken und windstill. Ideale Bedingungen für die vor uns liegenden 10 Kilometer am Strand, deswegen trennen wir uns schweren Herzens von diesem gemütlichen Platz. Der Tihaka Beach Track liegt vor uns. Endlich wieder am Meer ! Die Luft tut gut, die Morgenstimmung an der Colac Bay ist wunderschön. Heute haben wir die Wahl : Entweder wir geben Gas und schaffen ganze 42 Kilometer bis nach Invercargill, oder aber wir lassen es entspannt angehen und werden gegen Mittag in Riverton eine Bleibe suchen. Zelten möchten wir nicht mehr. Die Nächte sind inzwischen einfach zu kalt geworden. Unser Zelt haben wir vor 4 Tagen nass eingepackt und seitdem auch nicht mehr trocken gekriegt. Lieber richten wir unsere Tagesetappen nach den Orten, in denen wir möglichst günstig, aber warm und trocken, unterkommen möchten. Schon bald wird uns klar, dass wir es nicht bis nach Invercargill schaffen werden. Wir haben überhaupt keine Lust, in den letzten Tagen noch weiter zu stressen. Der Tihaka Beach ist kein flacher Sandstrand, an dem man schnell vorwärts kommt. Wir laufen über Kieselsteine in allen Größen, dazu sinken wir am Flutsaum immer wieder mit den Füßen ein, so dass wir auf keinen Fall unsere gedachten 5-6 Kilometer pro Stunde machen können. Deswegen lassen wir es gemütlich angehen und nehmen uns nur die Strecke bis Riverton vor. So können wir diesen Strand-Spaziergang bei gutem Wetter richtig genießen. Wir klettern über die Klippen am Ufer und staunen über die bizarren Felsen, in die das Meer tiefe Rillen gewaschen hat. Zwischendurch geht der Weg immer mal wieder bergauf und verläuft über Hügel mit Weideland. Hier oben weht ein strammer Wind. Die Schaumkronen auf dem Wasser verraten uns, dass wir mindestens 6 Windstärken haben. Bäume und Büsche sind von der Naturgewalt seltsam zur Seite gebogen, als würden sie sich vor dem Wind ducken. Es herrscht wirklich ein rauhes Klima hier im Süden. Unsere Freunde Claudia und Jürgen von der " La Belle Epoque " haben kürzlich erst ganz Neuseeland umrundet, indem sie an der Pazifikküste im Osten hinunter bis nach Bluff und auf der Westseite durch die Tasman See bis nach Cape Reinga im Norden gesegelt sind. Eine bemerkenswerte Tour abseits der gewöhnlichen Segelrouten - starke Leistung, wie uns heute ein Blick auf den aufgewühlten Ozean verrät. Wir spielen " Urlauber " und bummeln die Küste entlang, so langsam, wie man nach 2900 Kilometern strammen Laufens eben gehen kann. Sogar zum Muscheln suchen nehmen wir uns Zeit. Wir finden einige schöne Exemplare, die wir die nächsten 90 Kilometer im Rucksack tragen werden. Ein Neuseeland-Falke mit braun-weissem Gefieder zieht am Himmel seine Kreise. Der kann mit bis zu 230 Kilometern in der Stunde fliegen und soll damit der weltweit schnellste Vogel sein. Leider ist die Population rückläufig, da er am Boden nistet und seine Eier oft von Räubern gefressen werden. Das letzte Stück des Weges führt durch Mores Reserve, einen Park mit einem gut gepflegten Weg durch besonders schönen Wald. Es handelt sich um ein Renaturierungsprojekt, welches von drei engagierten Männern ins Leben gerufen und von der Bevölkerung sehr gut angenommen und weitergeführt wurde. In einem etwas angestaubten Backpackers mieten wir uns ein Zimmer für die Nacht und verbringen einen ruhigen Nachmittag. Zum Abend hin wird der Sturm immer stärker, heftig rüttelt der Wind an den Fensterscheiben. Wir sind glücklich über unsere Entscheidung, die letzten Nächte nicht im Zelt zu verbringen. Hier können wir die Heizung anstellen und entspannt dem Prasseln des Regens lauschen. Morgen werden wir es dann ganz sicher bis Invercargill schaffen.

Voll motiviert starten wir morgens um 11.00 Uhr unsere Wanderung von Riverton nach Invercargill. Früher ist es wegen der Tide nicht möglich, den Oreti Beach Track zu laufen. Zwei Stunden nach Hochwasser geht der Weg bequem am Wasser entlang. Erinnerungen an den Ninety Mile Beach werden wach, dort, wo alles begann. Nach unserem Start von Cape Reinga sind wir ganze vier Tage lang nur am Sandstrand gelaufen und haben uns die ersten Blasen geholt. Ist das wirklich schon mehr als fünf Monate her ? Heute liegen zunächst 22 Kilometer auf feinem Sandstrand vor uns, ganz so, wie wir ihn von zu Hause aus kennen. Ein gewaltiger Unterschied zu Norderney : keine Touristen und keine Hunde-Spaziergänger weit und breit. Unglaublich, diese Stille und Einsamkeit ! Rechts von uns liegt die Tasman See, in der Ferne ist die Silhouette von Stewart Island am südlichen Horizont zu erkennen. Zur linken Seite befindet sich eine flache Dünenkette, dort wächst der Strandhafer. Austernfischer und Möwen spazieren am Flutsaum und picken nach Futter, auch dieser Anblick ist nichts Neues für Insulaner. Etwas Besonderes sind allerdings die schwarzen Schwäne, die von hier aus nach Norden in die Wärme fliegen. Und wieder können wir einen Falken am Himmel beobachten, der offensichtlich auf Beute aus ist. Zwei verrostete Auto-Wracks stehen leicht eingegraben bei ablaufendem Wasser im Sand, entweder falsch geparkt oder absichtlich hier zum Verrotten " vergessen ". Ein niedlicher Heuler liegt am Flutsaum. Der sieht gesund und munter aus, wir gehen in möglichst weitem Abstand dran vorbei. Ein Stück weiter sehen wir eine größere Robbe, die munter in den flachen Wellen schwimmt und taucht. Das Wetter ist genau richtig für diese Etappe. Die Sonne scheint, und wir genießen die frische Seeluft. Erst nach 15 Kilometern Strand-Spaziergang treffen wir die ersten Menschen. Es sind einheimische Fischer, die hier nach essbaren Muscheln suchen. Mit von der Partie sind auch zwei Männer aus Tonga und Samoa ( in traditioneller Kleidung und barfuß ), die offensichtlich die " grobe Arbeit " erledigen. Wir unterhalten uns eine Weile mit den Fischern, die sichtlich erfreut über unser Interesse und die Abwechslung sind. Bis hierhin sind wir mit beinahe trockenen Schuhen gekommen, obwohl einige kleine Ströme unseren Weg gekreuzt haben. Der Waimatuku Stream ist allerdings zu breit, da gehen wir knöcheltief mit nackten Füßen durch. Eiskalt ist das Wasser, es lädt nicht zum Baden ein. Uns kommen ein paar Reiter mit Pferde-Sulkys entgegen. Das sieht einfacher aus als selber laufen - ist aber sicher auch kalt, denn schließlich bewegen sich nur die Pferde. Pause machen ist frisch, da muss man schon Pullover, Mütze und Handschuhe anziehen. Um 18.00 Uhr erreichen wir Invercargill, in nur 7 Stunden sind wir unserem Ziel 32 Kilometer näher gekommen. Wir verlassen den Trail in Richtung Innenstadt und mieten uns für die Nacht im Tuatara Backpackers ein. An der Rezeption werden wir sehr nett empfangen, der Preis für ein Zimmer mit Gemeinschaftsbad ist okay, und es ist erstaunlich sauber überall. Ein Glücksgriff sozusagen, da wir nicht reserviert haben und jedes Mal von unserer Unterkunft überrascht werden. Gelaufen sind wir genug, das Tagesziel ist erreicht. Ganz in der Nähe gibt es ein " Little India ", da gönnen wir uns ein leckeres Abendessen. Ganz wie zu Beginn, als wir vor dem Start des Te Araroa drei Tage in Auckland verbracht und dort das " Little India " entdeckt haben. So langsam schließt sich der Kreis. Nur noch 1-2 Tage liegen vor uns, da kommen schon einige melancholische Gedanken auf.

Der Plan für heute : 34 Kilometer bis nach Bluff durchlaufen, wenn das Wetter sich hält. Angesagt sind viel Wind und Regen, aber vielleicht können wir schneller sein und das Ziel erreichen, bevor uns die Front einholt. Beim Frühstück im Gemeinschaftsraum erleben wir eine nette Ueberraschung, denn wir treffen einen alten Bekannten wieder : Jürgen, der seit fünf Monaten mit dem Fahrrad durch Neuseeland reist und nebenbei die " Great Walks" wandert. Kennengelernt hatten wir ihn auf unserer einwöchigen Kanu-Tour, wo wir auf mehreren Campingplätzen gemeinsam gezeltet haben. Danach gab es noch ein zufälliges Wiedersehen im Wanganui Holiday Park, alles Mitte der Nordinsel ..... und jetzt hier im Backpackers in Invercargill, ganz am Ende der Südinsel. Die Welt ist klein, Neuseeland ist noch kleiner. Wir trinken natürlich einen Kaffee miteinander und tauschen die Erlebnisse der letzten Wochen in Kurzform aus, dann verabschieden wir uns wohl zum letzten Mal voneinander. Der heutige Weg wird nicht besonders attraktiv sein, das wissen wir aus unseren Planungs-Unterlagen und von anderen Hikern. Zunächst starten wir mit 10 Kilometern auf dem Estuary Walkway, der zwischen der Küste und der Hauptstraße aus dem Boden gestampft wurde. Schön ist das hier nicht, aber immerhin besser als das, was noch kommen wird. Zwischen uns und dem Ende des Trails in Bluff liegen nämlich nervtötende 16 Kilometer entlang der Interstate, natürlich ohne Fußgänger-Streifen. Thomas bastelt wieder seinen Abstandshalter aus Stock und gelbem Flattertuch, den er sich quer hinter den Rücken klemmt. Damit kommen uns die Autos hoffentlich nicht ganz so nahe, wir möchten nicht am letzten Tag auf dem Highway nach Bluff angefahren werden. Der Verkehr ist enorm, alle fahren schnell, sogar Trucks, Abschleppwagen und Autos mit Boots-Anhängern brausen dicht an uns vorbei. Ich schalte mein Gehirn ab und versuche, diese Strecke möglichst schnell hinter mich zu bringen. Thomas bekommt die Hasskappe und schimpft auf die " Erfinder " des Te Araroa. Irgendwann ist es vorbei, ein Wegweiser bedeutet uns, dass wir die Interstate jetzt verlassen dürfen. Der Ortseingang Bluff liegt vor uns, aber unser Weg geht nach rechts über Hügel und Klippen um den äußersten Landzipfel herum. Ein letztes Mal bergauf, ein letztes Mal über Weiden mitten durch die grasenden Kühe hindurch. " Moin Mädels !" ruft Thomas den glotzenden Wiederkäuern zu. Die Stimmung bessert sich zunehmend, ebenso nimmt der Wind zu. Es bläst uns fast von den Steinen, aber es bleibt immer noch trocken. Wir kommen zu einem Aussichtspunkt, an dem ein Monument an ein Flugzeug-Unglück aus dem Jahre 1998 erinnert. Eine kleine Privatmaschine ist damals nur 1,8 Meilen von Bluff entfernt ins Meer gestürzt, dabei sind fünf Menschen ums Leben gekommen. Wir laufen knapp 8 Kilometer auf dem Foveaux Walkway entlang der Südküste um Bluff Hill. Dann ist es vollbracht, wir können den magischen Wegweiser sehen. Das ist Stirling Point, der südlichste Punkt des Te Araroa. Wir haben ganz Neuseeland " end to end " durchwandert. Das sollte eigentlich ein ganz besonderer Moment sein, voller Emotionen, Stolz, Rührung, Tränen ..... aber die Wirklichkeit sieht leider mal wieder ganz anders aus. Wir trauen unseren Augen nicht, als wir gegen 18.00 Uhr müde und verschwitzt nach 34 heute gelaufenen Kilometern endlich am Ziel ankommen. Das darf doch nicht wahr sein ! Dort steht ein Reisebus an der Straße, und draußen tummeln sich etwa 30 flinke Asiaten. Die posieren und hampeln alle vor " unserem " Wegweiser herum, machen das Victory-Zeichen und fotografieren Selfies ohne Ende. Dabei haben die noch nie im Leben etwas vom Te Araroa gehört. Wir sind ernüchtert, erschüttert, enttäuscht und können es nicht fassen ! Wir sind jetzt hier, und die Asiaten mit ihrem Reisebus sind einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Es erscheint uns alles so unwirklich und grotesk, wie in einem schlechten Film. Wir wollen schon ohne ein Sieger-Foto von dannen ziehen, weil uns die Situation so blöd vorkommt. Aber ein junges Paar rettet uns den Tag, indem es uns anspricht und fragt, ob wir gerade den Te Araroa beendet haben. Dann werden wir von ihnen so herzlich beglückwünscht, dass wir es doch endlich begreifen können. Das ist lieb, das klingt ehrlich, sie freuen sich mit uns. Auf den nächsten zwei Kilometern bis ins Dorf beginnt es zu regnen. Aber wir haben es geschafft, nun ist es uns egal, ob die Rucksäcke nass werden. Wir möchten gerne die Nacht im Bluff Backpackers absteigen, aber dort ist alles komplett ausgebucht. Damit haben wir nun überhaupt nicht gerechnet, weil wir doch in den letzten Unterkünften fast immer die einzigen Gäste gewesen sind. Das ist ja nun wieder dumm gelaufen ! Wir überlegen kurz, ob wir ein teureres Hotelzimmer nehmen oder lieber gleich per Anhalter zurück nach Invercargill sollen. Die jungen Leute, die uns vorhin am Stirling Point so herzlich gratuliert haben, sind kurz vor uns eingetroffen und haben das letzte Zimmer gemietet. Nun bestehen sie darauf, dass wir ihren Raum bekommen, weil wir so müde und nass aussehen. Die Beiden sind mit einem Leihwagen unterwegs und fahren dann einfach gleich zurück nach Invercargill. Aber vorher laden sie uns noch auf ein Bierchen im Gemeinschaftsraum ein und möchten, dass wir vom Trail erzählen. Ein anderes Mädel, ebenfalls sehr nett und mit Work & Travel-Visum in Neuseeland, mischt sich ins Gespräch ein. Es gibt Bier und Chips, also doch noch eine kleine Party ! Ein Franzose möchte morgen den Te Araroa starten und von Süden nach Norden laufen. Oh Mann - der Typ hat überhaupt keine Ahnung und keine vernünftige Ausrüstung ! Kein Zelt, keine Stöcker, keine Karten und keinen Plan. Im DOC-Büro hat man ihm erzählt, er könne ganz einfach immer von Hütte zu Hütte laufen. Die Leute, die dort sitzen und solche Auskünfte geben, sind noch nie länger als ein Wochenende in Neuseeland gewandert. Wir geben ihm einige Tipps, unsere Karten und letzten Buchseiten kann er auch mitnehmen. Dann schenken wir dem naiven Franzosen noch meine Hiking-Stöcker, über die er sich mächtig freut. Das andere Paar überlassen wir dem Betreiber des Hostels zum Verleihen oder Verschenken. Unser Zimmer ist günstig, nur 45,- Dollar die Nacht, aber eher für nicht so verwöhnte Gäste eingerichtet. Bettwäsche gibt es nicht, die müsste man extra bezahlen. Unser Raum hat zwei Türen und kein Fenster. Die Vorhänge an den Türen kann man von außen zur Seite schieben und hineingucken. Alte Möbel, bunt zusammengewürfelt, Tücher und Farbe an den Wänden. Es gibt eine Toilette innen für -zig Leute, eine weitere im Außenbereich. Die Dusche sieht nicht so aus, als ob ich sie benutzen möchte. Heute möchten wir nur noch schlafen und packen ein letztes Mal unsere Schlafsäcke aus. Morgen werden wir dann früh sehen, dass wir zurück nach Invercargill kommen und uns ein schönes Zimmer im Tuatara mieten.




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19.04.2016

Longwood Forest - das Schlimmste kommt zum Schluss ? 12.04. - 13.04.2016

Wir konnten eine lange Nachtruhe in unserem Prinzessinnen-Zimmer genießen. Nach dem Frühstück gibt es noch eine ausführliche Haus- und Hofbesichtigung, danach bringen Catherine und Ian uns zurück zum Trailhead, wo sie uns gestern eingesammelt haben. Ein ganz herzliches " Dankeschön " an unsere netten Gastgeber ! Um 11.00 Uhr starten wir den Longwood Forest Track, der gleich mit 2,5 Kilometern Anstieg beginnt. Eigentlich sind wir schon zu spät dran, um die 28 Kilometer bis zur Martins Hut in diesem schwierigen Gelände zu schaffen. Die nächsten 54 Kilometer sind unsere letzte mit " hard tramping " bezeichnete Tour, das bedeutet, es wird noch einmal anstrengend. Außerdem haben wir nur noch diese eine Schutzhütte auf dem Weg nach Bluff, danach müssen wir zelten oder versuchen, unsere Etappen nach den Unterbringungs-Möglichkeiten zu planen. Nach zwei angenehmen Stunden führt unser Weg in den Wald ..... und in den Morast. Von Anfang an präsentiert sich der Longwood Forest nass und rutschig. Wir versuchen zunächst, die größten Pfützen zu umgehen und dem Matsch irgendwie auszuweichen. Aber das erweist sich schon bald als völlig unmöglich. Die Füße sind nass, der Modder läuft uns von oben in die Schuhe. So viel Schlamm hatten wir noch nicht einmal in den schlimmsten Wäldern zu Beginn der Nordinsel. Am Anfang nehmen wir es noch locker, immer mit dem Gedanken " ist ja bald vorbei ". Aber dann wähle ich eindeutig die falsche Seite des Pfades und versinke bis zum Oberschenkel in einem braunen Tümpel. Igitt ! Davon bin ich jetzt gar nicht mehr begeistert, das ist richtig ekelhaft. Nicht nur Schuhe und Strümpfe, jetzt sind auch noch beide Hosenbeine nass und von Schlamm durchtränkt. Nicht lange danach habe ich wieder Pech und sinke bis zu den Knien ein. Bekomme mein Bein aus eigener Kraft nicht wieder heraus und muss aufpassen, dass ich meinen Schuh nicht verliere. Irgendwie ist das alles gar nicht schön, ich habe überhaupt keine Lust mehr auf diesen Weg. Mag nun nicht mehr vorauslaufen und überlasse Thomas die Führung. Gegen Mittag erreichen wir den Gipfel des Bald Mountain, wo wir einige Arbeiter treffen, die an der dortigen Antennen-Anlage beschäftigt sind. Die Männer sind ausgesprochen freundlich und sehr interessiert an unserer langen Wanderung. Aber hier oben weht ein kräftiger Wind, es ist viel zu kalt, um lange stehen zu bleiben. Im Abstieg suchen wir uns ein halbwegs windgeschütztes Plätzchen an der Straße, wo wir eine dringend nötige Rast einlegen wollen. Aber kaum haben wir uns warme Sachen angezogen, die nassen Schuhe aus und uns auf den Boden gesetzt, da fallen dicke Tropfen vom Himmel. Diese Pause ist uns wohl nicht gegönnt, denn 5 Minuten später schneit es. Schnell packen wir alles zusammen, ziehen die Regenkleidung an und hasten weiter. Ein paar Kilometer bis zu einem Steinbruch können wir zügig voran kommen. Auf dieser Strecke halten insgesamt drei Autos an, die uns mitnehmen möchten bis zum nächsten Ort. So oft sind wir noch nie gefragt worden, ob wir mitfahren wollen. Und jedes Mal antworten wir : " Nein danke, wir laufen den Te Araroa." Die Arbeiter müssen uns für verrückt halten, dass wir es vorziehen, bei diesem Wetter lieber wieder in den Wald zu verschwinden. Um 16.00 Uhr stehen wir beim Steinbruch an einem DOC-Schild, nach diesem sind es noch 6 Stunden bis zur Martins Hut. Das schaffen wir nie im Leben bei Tageslicht, denn es wird jetzt schon ab 18.30 Uhr dunkel. Aber wir haben uns entschieden, dass wir es bis zur Schutzhütte versuchen wollen. Schnell geht natürlich in diesem feuchten Gelände gar nicht gut. Ich falle nochmal auf den Hintern in den Dreck, nun ist auch der letzte Zipfel meiner Hose nass. Habe mir nicht wehgetan, denn man fällt weich im Matsch, aber so langsam habe ich genug von dem Mist. Auf den Ebenen zwischen den Hügeln laufen wir ebenfalls nur im Sumpf. Weiches Moos und Tussock, aber alles steht zentimetertief unter Wasser. Das fühlt sich so an, als wenn man sich auf einem riesigen Schwamm fortbewegt, der unter uns nachgibt. Immer wieder drückt eiskalte Flüssigkeit in die Schuhe, die Füße sind mittlerweile total gefühllos. Etwa in der Mitte der Langwood Range wird es bereits dunkel. Links kann man die Lichter einer großen Stadt erkennen, das müsste Invercargill sein. Rechts sieht man das Meer, die Tasman See, die Colac Bay und den Landzipfel von Riverton. Ausgerechnet hier oben fängt es an zu hageln, das treibt uns noch schneller voran. Inzwischen laufen wir mit Stirnlampen und haben Mühe, den schmalen Pfad im Morast zu finden. Thomas stapft voraus und sucht die sparsamen Markierungen. Ich stolpere im Dunkeln über eine Wurzel und falle nochmal kräftig in den Dreck. Mein Fuß ist in einem Loch hängengeblieben und hält mich fest. Ich bekomme ihn nur wieder heraus, indem ich meinen Schuh ausziehe, den lasse ich erstmal drin stecken. Die Vorderseite ist nun auch ruiniert, meine Handschuhe sind nass, der Rucksack ebenfalls. Jetzt fließen doch noch ein paar Tränen bei mir, die ersten während des gesamten Te Araroa. Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, bin müde und mag gar nicht daran denken, dass wir morgen nochmal so eine Etappe durch den Modder vor uns haben. Eine Stunde Abstieg liegt ebenfalls noch vor uns, steil und rutschig. Inzwischen ist uns alles egal, wir laufen durch jede Pfütze und jeden Matsch. Die Dunkelheit macht uns natürlich noch deutlich langsamer. Aber wir schaffen es bis um 20.00 Uhr zur historischen Martins Hut. Und wir werden für unsere Strapazen belohnt, denn wir haben die Unterkunft für uns alleine. Diese Hütte stammt aus dem Jahr 1905, hat Löcher im Boden und in den Wänden. Die Tür schließt nicht richtig und hat zentimeterdicke Spalten im Holz. Thomas macht ein Feuer im Kamin, aber es kommt nicht so richtig in Gang, weil das Holz zu feucht ist. Zugig und kalt ist es im Inneren, aber immerhin bietet uns die Hütte Schutz vor Regen und Sturm. Trotz der erschwerten Bedingungen haben wir für die Strecke keine 6 Stunden gebraucht, sondern haben es vom Steinbruch aus in 4 Stunden geschafft. Und obwohl wir erst um 11.00 Uhr losgekommen sind, haben wir noch 28 Kilometer bis zur Martins Hut durch übelsten Matsch zurückgelegt. Für mich war dieses der allerschlimmste Tag von insgesamt 9400 gelaufenen Kilometern ( AT 2012, AT 2014 und Te Araroa zusammen ). Morgen kann es eigentlich nur besser werden !


Die ganze Nacht hindurch prasselte heftiger Regen auf das Dach der Martins Hut. Unsere über 110 Jahre alte Hütte ist uns vorgekommen wie ein Palast. Wir haben sehr gut geschlafen, es war warm genug und trocken. Allerdings habe ich in einem wachen Moment den Gedanken gehabt, dass wir wahrscheinlich am nächsten Tag durch den Matsch schwimmen können. Bitte nicht - ich habe seit gestern wirklich genug von Schlamm und Pfützen ! Und der Anfang des Trails war genau, wie er gestern aufgehört hat. Wieder hinein in den Modder, die Schuhe waren sowieso ruiniert. Wir laufen auf dem Ports Water Race Track. Ein schmaler Pfad führt direkt neben einem künstlich geschaffenen Wassergraben entlang. In den Jahren des Goldrauschs ab 1870 haben die Chinesen die Rechte an diesem Land erworben und hier im Wald eine Stadt gegründet. Dieser Kanal wurde in einer unglaublichen Länge über 25 Kilometer von den Chinesen gegraben, um die Wasserversorgung der Goldgräber und ihrer Familien zu gewährleisten. Die fleißigen Arbeiter haben insgesamt 14 Monate gebuddelt, ihre kleine Stadt existierte etwa 60 Jahre lang. Was für eine unglaubliche Leistung ! Wir sind schwer beeindruckt, während wir Kilometer um Kilometer neben diesem von Menschenhand erschaffenen Kanal abspulen. Relikte aus der alten Zeit liegen vergessen und rostig im Wald. Alle paar Hundert Meter sind sogenannte Gullys im Weg, das sind tiefe Einschnitte, die wir hinunter und auf der anderen Seite wieder hinauf klettern müssen. Das geht mal mehr und mal weniger gut, je nachdem, wie steil die Abhänge sind. Rutschig sind diese Passagen durch den vielen Regen, manchmal sind die Gräben auch einfach eingestürzt. An manchen Stellen haben Erdrutsche den Trail ganz verschüttet. Umgestürzte Bäume, über die wir steigen müssen, lassen auf starke Stürme schließen. Manchmal umgehen wir solche Hindernisse und suchen dann unseren Trail auf der anderen Seite wieder. Erstaunlicherweise wird der Pfad nach etwa der Hälfte besser als erwartet. Baumstämme dienen als Brücken über die Gräben. Wir kommen recht schnell voran, ganz im Gegenteil zu gestern. Kleine Vögel begleiten uns die meiste Zeit. Das sind die Fantails, sehr hübsch mit ihrer gelben Brust und ihrem breit gefächerten Schwanz. Von Ian haben wir gelernt, dass diese niedlichen Piepmätze nicht deswegen so zutraulich sind, weil sie den Menschen zum Freund haben wollen. Nein, sie flattern so nahe um uns herum, weil wir für sie die Insekten aufscheuchen. Irgendwann wird uns der Ports Water Race Track ziemlich langweilig. 25 Kilometer sind und bleiben eben 25 Kilometer, und die Landschaft in diesem Moos-Wald ändert sich über viele Stunden nicht. Es ist relativ dunkel und feucht um uns herum. Erst um 16.00 Uhr sehen wir das erste Mal helles Tageslicht, als sich die Baumreihen lichten. Wir haben ungehinderten Ausblick nach links auf die Colac Bay, die wir morgen umrunden werden. Der Longwood Forest ist geschafft, wir sind raus. Sehr schön ! Von da aus haben wir noch 8 einfache Kilometer auf der Straße vor uns, die wir in Rekordzeit absolvieren. Wir erreichen Colac Bay Campingground gegen 18.30 Uhr und werden sehr nett empfangen ( nachdem wir die Schuhe draußen ausgezogen haben ). Der Betreiber fragt, ob wir den Te Araroa laufen und überlässt uns ein schönes Doppelzimmer zum Sonderpreis von 50,- Dollar die Nacht. Als Belohnung für 30 Kilometer in diesem überwiegend schwierigen Gelände lassen wir den Abend in der angrenzenden Taverne ausklingen. Mittwochs gibt es zu jeder Pizza einen halben Liter Bier gratis dazu. Heute ist Mittwoch - die Pizza ist gigantisch lecker, das Bier schmeckt auch gut. Die Waschmaschine kämpft mit unseren Matsch-Klamotten, während wir beim Essen sitzen. Wir hatten das Schlimmste befürchtet, aber es war ein rundum gelungener Tag.




 

18.04.2016

Takitimu Track bis Otautau 09.04. - 11.04.2016

Unsere Nacht war gut, der Jäger ein netter Zimmer-Genosse. Vor uns liegt der Takitimu Track, laut unserem Buch eine 4-Tages-Tour. Wir beginnen morgens sehr früh mit einem Aufstieg durch Buchenwald. Links und rechts sind hohe Berge zu sehen. Wir laufen zum Warmwerden zum Bog Burn Saddle, der zwischen dem nördlichsten Gipfel der Takitimu Range Mount Hamilton ( 1487 m.) und dem Mount Clare ( 1490 m.) liegt. Um uns herum sind in den ersten beiden Morgenstunden die ganze Zeit unheimliche Geräusche zu hören. Gut, dass der Jäger uns so viel interessante Details zur Hirschjagd erzählt hat. Ebenfalls gut, dass er für uns zu Demonstrationszwecken in sein Rohr geblasen hat. Sonst würde uns das Röhren und Grunzen sicherlich mehr beunruhigen. So aber wissen wir, dass mindestens vier Jäger in der näheren Umgebung unterwegs sind und in ihr Jagdrohr blasen. Wahrscheinlich rufen die sich gerade gegenseitig, eventuell sind auch die Brunftrufe eines Hirsches dabei. Wir sind trotzdem etwas nervös und hoffen, dass die Männer sich an die Grundregeln halten und nicht in der Nähe des Trails schießen. Der Waldboden ist feucht und rutschig. Immer wieder müssen wir durch Matsch und tiefe Pfützen. Als wir aus dem Wald herauskommen, da liegt eine helle Lichtung vor uns. Sieht schön aus, aber hier ist es noch feuchter. Weite Strecken laufen wir durch Sumpfgebiet, dann durch mannshohes Gras mit Schlammlöchern dazwischen. " Tussock-Slalom " nennt Thomas diese Etappe. Der nächste Sumpf präsentiert sich ebenfalls mit gefährlichen Löchern und zur Abwechslung Kuhfladen dazwischen. Te Araroa zeigt heute nochmal alles, was er zu bieten hat. Den ganzen Tag haben wir nasse Füße und stecken manchmal knietief im Matsch. Das macht keinen Spaß, das ist Südinsel zum Abgewöhnen ! Thomas rutscht an einem steilen Abhang aus und landet sanft auf dem Hintern. Ich folge ihm und falle rücklings in den Schlamm. Hose, Pullover, Rucksack sind nass und schmutzig. Der Modder reicht mir bis zum Kragen. Der Wald hier ähnelt denen von der Nordinsel, alles voller Moos und verrotteter Baumstämme. Wir sind froh, als wir die Aparima Hut erreichen, weil wir vorher keinen geeigneten Platz für eine Rast gefunden haben. Gleichzeitig mit uns kommt eine Familie mit zwei sehr lebhaften Kindern an. Eigentlich möchte ich gerade lieber meine Ruhe haben und setze mich nach draußen, aber da stören die Sandflies. Zum Glück steht nebenan noch die alte Hütte, in die wir uns zurückziehen können. Nicht schön, schmutzig und dunkel, aber wir machen die Tür zu und können endlich entspannt unsere Mittagspause genießen. Gegen 16.00 Uhr brechen wir wieder auf. Angeblich sollen es 6 Stunden bis zur nächsten Hütte sein. Das kann ja nicht bei Tageslicht klappen, um 18.30 Uhr wird es schon dunkel. Mit Stirnlampen suchen wir uns mühsam den Weg durch hohe Farne und Matsch. Der Wairaki River Track ist fast gar nicht markiert. Immer wieder erschweren umgestürzte Bäume das Vorankommen. Es geht gnadenlos hinauf und hinunter. Die Beine sind schwer, ich habe keine Kraft mehr. Zum Ende des Tages gibt es noch eine Ueberraschung für uns. Der Wairaki River muss durchquert werden, und das nur mit unserem sparsamen Licht der Lampen. Eiskalt ist das Wasser, aber wenigstens sind die Schuhe jetzt wieder sauber. Um 21.30 Uhr, nach drei nervigen und kräftezehrenden Stunden in der Dunkelheit, sind wir endlich am Ziel. Auf diesem anspruchsvollen Trail haben wir 30 Kilometer geschafft, das ist doch eine stolze Leistung. Die Lower Wairaki Hut ist alt, hat Etagenbetten für 4 Personen, aber wir sind alleine. Damit ist alles gut, die Quälerei hat sich gelohnt. Aus den nassen Klamotten heraus, warme Sachen anziehen, Tee kochen, warmes Essen gibt es auch noch. Danach fallen wir zufrieden in Tiefschlaf und stellen ausnahmsweise mal keinen Wecker für morgen. 

Ausgezeichnete Nachtruhe und keine Lust, die Hütte zu verlassen .... Die Fortsetzung des Takitimu Tracks liegt vor uns, der gestrige Teil hat uns nicht besonders begeistert. Morgens ist es auch zunächst wieder zum Abgewöhnen. Beim Versuch, einen senkrechten Abhang zu erklimmen, rutsche ich auf der feuchten Erde aus und falle vornüber bäuchlings in den Matsch. Hände, Hose, Pullover, nun ist auch die Vorderseite ruiniert. Ich fluche und schimpfe auf den Te Araroa und seinen Erfinder, der hier wahrscheinlich nie selber gelaufen ist. Dieser Track ist echt zum Abgewöhnen. Wir haben zwei Stunden schweißtreibenden Anstieg vor uns bis auf die Telford Tops. Dort finden wir eine schwarze Kappe von einer Olympus-Kamera. Ob die wohl Stefan gehört, der uns ein paar Tage voraus ist ? Wir nehmen sie auf jeden Fall mit, die wiegt ja nichts. Hier oben bekommen wir die Belohnung für unsere Anstrengung : Aussicht bis zum Südende Neuseelands. Dort hinten liegt Bluff ! 150 Tage lang sind wir bis hierhin gelaufen, nun ist ein Ende in Sicht. Das ist ein euphorischer Moment für uns, aber das Glücksgefühl hält nicht lange an. Eiskalter Wind weht uns um die Ohren, so dass wir uns schnell an den Abstieg machen. Zum Glück geht es nur noch auf gutem Pfad bergab bis zu einer Wiese, auf der ein einsames Klo steht und die deswegen " Campsite " genannt wird. Auch hier ist es sehr frisch, wir halten uns nicht lange auf. Von der Lower Wairaki Hut bis zur Telford Burn Campsite haben wir tatsächlich 4 Stunden gebraucht - für nur 8 Kilometer. In gutem Gelände laufen wir in dieser Zeit locker 20 Kilometer. Aber es kann nur besser werden, denn vor uns liegen jetzt noch 19 Kilometer über privates Farmland. Hier gibt es viele Einschränkungen, man darf diese Strecke nur bei Tageslicht gehen und nicht unterwegs zelten. Etwa 500 schwarze Milchkühe stehen eng zusammengepfercht in einem Paddock ohne Wiese, aber mit Futtertrögen. Auf der anderen Seite der Straße dürfen sich etwa 200 Bullen auf einer saftigen Weide austoben. Sie kommen ganz mutig bis an den Zaun heran und mustern uns neugierig. Junge Kühe, die noch nicht gemolken werden müssen, laufen einfach frei herum. Der Weg windet sich ungefähr 12 Kilometer lang über die Hügel, natürlich immer hinauf und hinunter. Von einem hohen Berg aus kann man das Meer sehen - es ist wirklich nicht mehr weit. Zum Abschluss laufen wir noch gut eine Stunde über Schafweiden. Damit haben wir das Privatland gerade noch vor Anbruch der Dunkelheit durchquert. Naja, jedenfalls beinahe .... ein schönes Waldstück kurz vor dem Ende des Grundstücks lädt zum Zelten ein. Die Bäume geben uns Schutz vor dem hässlichen Wind, und ein kleiner Strom in der Nähe liefert das Wasser für unser Abendessen.

Nieselregen am Morgen, wir laufen mit Regenhose und Poncho los. Ein Jeep überholt uns kurz vor der Straßenkreuzung, an der das Privatland zu Ende ist. Ich hatte gerade noch überlegt, wie das wohl aussieht, wenn wir so früh aus dem Wald kommen. Peinlich ! Aber der Fahrer grüßt, winkt uns zu und lächelt freundlich. Also, wenn das der Besitzer war, den scheint es nicht gestört zu haben. Heute haben wir den Woodlaw Track vor uns, der ebenfalls 19 Kilometer lang ist und durch privates Farmland verläuft. Auch hier bei der Birchwood Station gelten viele Regeln, an die man sich halten muss. Rechts von unserem Weg stehen einige braun-weiß gefleckte Rinder mit Ringellocken auf der Stirn. Entweder ist das eine besondere Rasse, oder der Bulle, den wir vor ein paar Tagen gesehen haben, hat seine Erbanlagen vielfach weitergegeben. Von hinten kommt ein Trecker angefahren, zwei aufgeregte Hunde springen vorweg. Der Fahrer ist sicher schon um die 80, wahrscheinlich der Urvater dieses Groß-Grundbesitzes. Er bleibt stehen, lacht über das ganze Gesicht und freut sich über eine Unterhaltung mit uns. Der Opa erzählt, dass manchmal Wanderer an seiner Haustür klingeln und um Wasser bitten. Er hat eine Karte aus Stuttgart an der Wand hängen, aber er sagt, er weiß gar nicht, wo Stuttgart ist. Der alte Herr ist echt niedlich. Das Wetter ist heute nicht so nett. Richtiges April-Wetter, immer wieder Regenzeug an und Regenzeug aus. Etwas lästig. Nun geht der Weg von der Straße ab und über Weideland aufwärts. Links von uns liegt ein Eukalyptus-Wald, die hohen weißen Stämme wachsen kerzengerade in die Höhe. Durch Hunderte von Schafen hindurch laufen wir über Hügel hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter. Danach folgt der Island Bush Track, ein schöner Weg durch exotischen Mischwald. Kurz bevor wir wieder auf eine Straße treffen, kommen wir an einer riesigen Weide mit Kälbern vorbei, sicherlich an die 200 Stück. Hier im Süden gibt es wieder sehr viel Farmland und Viehzucht, dafür kaum Touristen. Seit 14.30 Uhr haben wir versucht, die Eltern von Sharron zu erreichen. Anscheinend sind die heute nicht zu Hause. Was für ein Pech, denn wir sind inzwischen an der Merrivale Road angekommen, von wo es nach Otautau geht. Wir setzen uns genau beim Abzweiger an den Straßenrand und wollen noch eine Stunde warten. Der Boden ist kalt, inzwischen regnet es auch wieder. Nicht so optimal, aber die Aussicht darauf, ein nasses Zelt im Regen aufzubauen, scheint auch keine gute Alternative zu sein. Um 17.30 Uhr erreichen wir Catherine und Ian, eine halbe Stunde später werden wir abgeholt. Uns wird ein wunderschönes Gästezimmer zur Verfügung gestellt. Ganz in weiss und Pastellfarben gehalten, flauschige Teppiche, weiche Decken und Kissen, ein Frisiertisch mit Spiegel, schöne Bilder und Deko-Artikel. Ich nenne es " Prinzessinnen-Zimmer ", wahrscheinlich hat Sharron hier früher gewohnt. Das Haus ist schon mehr als 150 Jahre alt und riesig. Es gibt überall dicke Teppiche, barocke Spiegel, Vitrinen mit Gläsern und teurem Geschirr auf dem langen Flur, eine Badewanne mit Löwenfüßen und goldenen Wasserkränen - uns kommt das einfach unbeschreiblich luxuriös vor. Die heiße Dusche ist die beste Dusche seit langer Zeit. Wir mögen beide gar nicht aufhören, was wahrscheinlich daran liegt, dass wir so kalt geworden sind. Danach gibt es ein gemeinsames Abendessen und zwei gemütliche Plauderstündchen. Wir sind herzlich eingeladen und dürfen so lange bleiben, wie wir möchten. Aber wir müssen doch nach Bluff !






 

17.04.2016

Queenstown bis Te Anau 05.04. - 08.04.2016

Ninas Geburtstag - und ich kann noch nicht einmal gratulieren, weil wir schon sehr früh wieder unterwegs sind. Morgens beim Aufstehen verspüre ich leichtes Magenzwicken und Uebelkeit, beachte das aber nicht weiter. Im Bus vom Reisebüro befinden sich ungefähr 20 junge Leute, die eine geführte Wanderung unternehmen. An einer Parkbucht hält der Fahrer an, lässt alle aussteigen, um die schöne Aussicht mit der Kamera festzuhalten. D.J. und wir beide bleiben sitzen, wir hatten schon seit Wochen immer wieder tolle Blicke auf " See mit Bergen " . Im kleinen Dorf Glenorchy macht der Bus Pause, und wir müssen umsteigen in einen kleineren Wagen mit Allrad-Antrieb. Das macht Sinn, denn ab hier verlassen wir die herkömmliche Touristen-Route. Eine kurvenreiche Schotterstraße, die immer schmaler wird, soll zum Beginn des nächsten Tracks führen. Drei Mal fährt unser Auto in den Senken durch Wasser, welches von oben über die Straße fließt. Dabei hat es seit Tagen nicht geregnet. Nun können wir uns gut vorstellen, dass diese Strecke manchmal unpassierbar ist. Aus dem Fenster heraus sehen wir eine Weide voll mit Alpaka-Jungtieren. Nach mehr als 2,5 Stunden Fahrt sind wir endlich in Greenstone, wo der Mavora Lakes Walkway beginnt. Mir ist inzwischen richtig schlecht. Nur ein paar Minuten nach dem Start landet mein Mageninhalt in den Büschen neben dem Weg. Wir überlegen kurz, was wir machen sollen. Umdrehen und noch einen weiteren Tag in Queenstown verbringen ? Eigentlich möchte ich lieber weiter, es wird schon gehen. Und wir haben nur vier Tage vor uns, bis wir wieder in einen Ort kommen. Also marschieren wir etwas langsamer als sonst los. Der Trail fängt gut an, uns gefällt es hier draußen viel besser als in der Stadt. Einige Hängebrücken machen die Ueberquerungen leicht. Eine tiefe Schlucht beeindruckt uns, unter einer Brücke fließt in einem engen Schlauch das tosende Wasser des Greenstone River. Mehrere Wasserfälle sprudeln auf der rechten Seite aus den Bergen. Links liegt der Gipfel vom Tooth Peak mit 2061 Metern Höhe. Vor der Slip Flat Hut liegt ein anderer Strom vor uns im Weg. Wir versuchen, auf dicken Steinen hinüber zu kommen, aber das erscheint uns zu riskant. Die Felsen sind glatt wie Schmierseife. Etwas weiter stromaufwärts gibt es eine Brücke, diesen Umweg nehmen wir ausnahmsweise in Kauf, um sicher und trocken auf die andere Seite zu gelangen. Bereits nach drei Stunden erreichen wir die Greenstone Hut, die für 20 Personen eingerichtet ist. Wir machen Mittagspause, bleiben aber nicht lange allein. In Minuten-Abständen trudeln neue Wanderer ein, insgesamt sind es schon 10 Personen, als wir fertig sind mit unserer Rast. Das ist ja gar nichts für uns, wir möchten schnell weiter. Aber ein älteres Kiwi-Ehepaar spricht uns an und ist ganz aus dem Häuschen. Die kennen uns tatsächlich, denn wir haben uns beim Aufstig auf den Pirongia getroffen und kurze Zeit unterhalten. Das war Ende Dezember auf der Nordinsel, also eine gefühlte Ewigkeit lang her. Und nun treffen wir uns mehr als drei Monate später ganz im Süden wieder, das ist schon ein merkwürdiger Zufall. Auch D.J. und Moonflower sind inzwischen bei der Greenstone Hut angekommen. Uns wird das alles zu viel. Wir sollten gut aufpassen, dass wir nicht in die nächste Gruppe hineinlaufen. Weiter führt der Weg durch dichten Wald mit moosigen Bäumen. Wir müssen über Wurzeln und Steine steigen, dann durch Matsch und Sumpf. Das erinnert stark an unsere ersten Erfahrungen in den Wäldern der Nordinsel. Aber inzwischen sind wir abgehärtet, was Schlammpfützen und nasse Schuhe angeht. Der Mavora Lakes Track verläuft entlang des Greenstone River und des Mararoa River, da darf man keine trockenen Füße erwarten. Schon um 17.30 Uhr erreichen wir die Taipo Hut, wo unser Freund Neil gerade ein reichhaltiges Abendessen kocht. Später kommt auch noch D.J. hinzu, damit ist die 4-er Hütte komplett. Eine niedliche kleine Maus leistet uns zusätzlich Gesellschaft. Die ist sehr vorwitzig und wagt sich sogar bei Tageslicht auf die Anrichte. Unser Mäuschen scheint sehr hungrig zu sein. Wir füttern sie reichlich mit Brot und Käse, damit sie in der Nacht nicht randaliert. Ich selber mag nichts Warmes zu mir nehmen. Meine Uebelkeit wird vom Essensgeruch in dem kleinen Raum noch verstärkt. Habe lange Zeit Bauchschmerzen, während ich schon im Schlafsack liege. Trotzdem bin ich froh, dass wir nicht umgedreht sind. Statt der vorgesehenen 7 - 10 Stunden von Greenstone bis zur zweiten Schutzhütte haben wir die Strecke in nur 6 Stunden geschafft, obwohl ich gesundheitlich leicht angeschlagen bin.


Anscheinend haben wir die kleine Maus gut satt gefüttert, denn während der Nacht hat sie sich nicht gerührt. Wahrscheinlich hat sie mit dickem Bäuchlein irgendwo zufrieden in einer Ecke geschlafen. Morgens ist es lausig kalt in der Hütte, unsere Atemwolken sind sichtbar. Meinem Bauch geht es noch nicht besser. Eine Perenterol-Tablette haben wir noch, die nehme ich zum Frühstück ein. Dann starten wir unseren Tag mit einer Hängebrücke über den Mararoa River. Es bleibt nicht lange bei trockenen Füßen, denn es sind noch einige weitere Seitenarme zu überqueren. Wir laufen entlang der Flanke des Mount Mavora mit 1990 Metern Höhe. Anschließend folgt ein weites Sumpfgebiet, das bedeutet natürlich mal wieder patschnasse Schuhe. Nach gut drei Stunden sind wir an der Boundary Hut, wo wir eine ausgiebige Mittagspause verbringen. Neil läuft vorbei, aber D.J. möchte ebenfalls in der Hütte Rast machen. Von dort aus wird der Mavora Lakes Walkway schön einfach. Es geht 6 Kilometer auf einem ausgewaschenen Forstweg bis zur Careys Hut direkt am See. Kurze Pause, dann kommt D.J. Schon hinterher und möchte den Tag hier in der Hütte beenden. Für die Nacht und den morgigen Tag ist starker Regen angesagt. Keiner ist mehr scharf darauf, bei diesem Wetter zu zelten. Aber uns ist es um 15.00 Uhr noch viel zu früh, um Feierabend zu machen. Es war bisher ein einfacher Lauftag, wir mussten uns über keine Berge quälen. Unser Ziel ist ein Campingplatz am Mavora Lake, noch etwa 10 Kilometer weiter. Hier muss es schon feste geregnet haben, denn tiefe Pfützen und Schlammlöcher machen den Weg dahin etwas unbequem. Irgendwann stehen wir vor einem hohen Zaun. Was soll das denn nun ? Auf unserer Seite der Wiese steht eine Markierungsstange, auf der anderen Seite des Zaunes gehen die Markierungen weiter. Wir sind ganz eindeutig auf dem Trail, aber da war Jemand den Wanderern nicht besonders freundlich gesonnen. Stacheldraht in mehreren Reihen übereinander, aber wenigstens nicht elektrisch. Auf dem Te Araroa haben wir beim Uebersteigen der Weidezäune schon so manches Mal einen gewischt gekriegt. Wir setzen unsere Rucksäcke ab, schieben sie unter dem Zaun hindurch und robben am Boden entlang unter diesem Hindernis hindurch. Unser Pfad führt lange am See entlang, man kann über Kiesstrand direkt am Ufer gehen. Bei allen vorigen Seen gab es touristische Dörfer und Wassersport-Aktivitäten. Hier am Mavora Lake herrscht absolute Einsamkeit. Auf der anderen Uferseite schieben sich die Berghänge bis ganz nahe ans Wasser heran. Kein Haus zu sehen, keine Straße, einfach gar nichts. Wir genießen diesen schönen Weg, der später in Mischwald übergeht. Hier stehen Hunderte von Pilzen in allen Größen und Farben. Es sieht ganz so aus, als hätten sie sich zu Gruppen und Familien zusammengefunden. Total faszinierend, am Liebsten würden wir die alle fotografieren. Um 17.30 Uhr erreichen wir den Campingplatz, der zu dieser Jahreszeit unbewirtschaftet ist. Neil hat bereits sein Zelt aufgeschlagen und kocht schon wieder fleißig. Zum Ende hin treffen wir mehr Thru-Hiker als je zuvor und haben ständig Gesellschaft. Alleine war einmal ..... aber das haben wir ja bald auf dem Boot wieder. Abends im Zelt habe ich schlimme Magenkrämpfe. Das dürfte jetzt ruhig mal langsam besser werden, sonst müssen wir in Te Anau nochmal ein paar Ruhetage einlegen. 

Am nächsten Morgen stellen wir fest, dass dieses Campingplatz-Gelände riesig ist. Es gibt unheimlich viel gerade Flächen für Zelte und Autos, zahlreiche Picknick-Tische, Toiletten, mehrere Grill-Plätze. Zur Zeit ist absolut nichts los, wir sind die einzigen " Gäste ". Für Camping-Touristen und selbst für die Einheimischen ist es wohl zu kalt. Aber diesen einladenden Ort am Mavora Lake werden wir uns merken, um ihn nächstes Jahr mit dem Auto zu besuchen. Wir laufen über eine Hängebrücke auf die andere Seite, wo eine gut ausgetretene Spur wieder zwischen Bäume führt. Sehr schönes Laufen, ein sanftes auf und ab im Wald. Es sind keine großen Höhenunterschiede mehr zu bewältigen, so dass wir ganz entspannt spazieren können. Am Mararoa River haben wir mehrere Möglichkeiten zur Auswahl und entscheiden uns für den Weg direkt am Fluss entlang. Das war wohl die bessere Option, wie wir später von Neil erfahren, den wir bei seiner Pause an der Schotterstraße einholen. Er ist den Wegweisern weiter in den Wald hinein gefolgt und hatte schwer mit umgestürzten Bäumen zu kämpfen. Von da an laufen wir wieder gemeinsam und treffen eine weitere deutsche Thru-Hikerin, die wir jetzt zum ersten Mal sehen. Anna hat neue Schuhe und sich damit schlimme Blasen an den Füßen eingehandelt. Sie hat bereits um 12.00 Uhr beschlossen, dass sie heute nicht mehr weiterlaufen mag. Anna hat eine klapperige Wellblech-Hütte als Quartier für die Nacht gewählt, weil das Wetter schon ziemlich gruselig aussieht. Wahrscheinlich soll das ein Bus-Unterstand sein, aber es kommt sowieso kein Bus in dieser Einöde. Gerade groß genug, um einer Person Schutz vor Regen und Sturm zu bieten. Anna hat ihr Zelt als Unterlage auf den Boden gelegt, darauf Isomatte und Schlafsack ausgebreitet und die offene Vorderseite mit einer Plane abgedichtet. Kalt ist ihr trotzdem schon, weil sie bereits seit einigen Stunden hier ausharrt. Zusammen mit Neil laufen wir noch einige Kilometer weiter die Straße entlang und suchen eine geeignete Stelle zum Zelten. Inzwischen regnet es, zunächst nur leicht, aber zum Abend hin wird es heftiger. An der Lake Mavora Road schlagen wir uns über einen Zaun in die Büsche und räumen uns einen Platz unter Bäumen frei. Tannenzapfen und äste müssen weg, der unebene Boden begradigt werden. Wasser haben wir auch keins mehr, dafür geht Thomas nochmal ein ganzes Stück Richtung Fluss. Neil ist weitergelaufen, kommt aber nach einer halben Stunde zurück. Er erzählt mir, dass er einen überdachten Platz unter einer Scheune gefunden hat, wo wir trocken stehen können. Und er bringt uns 4 Liter Wasser, die er aus einem Kran bei einem verlassenen Haus einfach abfüllen konnte. Ich habe unser Zelt gerade fertig aufgebaut, und Thomas ist immer noch unterwegs, um Wasser vom Fluss zu holen. Tropfnass steht Neil da und meint es gut mit uns, obwohl er dafür noch einige Extra-Kilometer zurücklegen musste. So ein lieber Kerl ! Wir bleiben die Nacht unter den Bäumen, was sich bald als schwerer Fehler herausstellt. Der Wind entwickelt sich zum Sturm, der durch die Hecke kanalisiert wird. Ich habe das Zelt falsch ausgerichtet, der Eingang weist genau in die Richtung, aus der es ordentlich bläst. Unser Zelt wackelt und zittert und ist kurz vor dem Zusammenbrechen. Dazu Regen, Regen, Regen ..... Es dauert gar nicht lange, da wird es ungemütlich auf meiner Seite. So ein Mist ! Ich liege in einer Pfütze, weil es hineingeregnet hat und sich das Wasser unter mir sammelt. Der Schlafsack ist bereits nass, und draußen tobt immer noch das Unwetter.

Wir hatten eine unruhige und feuchte Nacht. Nicht nur Schlafsack und Isomatte, sondern auch unsere Papiere, das Info-Material und mein Tagebuch sind klatschnass. Anna läuft vorbei, während wir aufklaren und zusammenpacken. Wenig später holen wir sie wieder ein und unterhalten uns mit ihr bis zur Hauptstraße, von wo sie zur Stadt trampt. Wir haben noch weitere 3 Kilometer vor uns, bis wir den Daumen heraushalten dürfen, denn wir laufen jeden Meter vom Te Araroa. Knapp eine Stunde müssen wir auf eine Mitfahr-Gelegenheit warten. Gegen 14.00 Uhr sind wir endlich in Te Anau, wo wir erst einmal unsere Klamotten im Park trocknen. Die Sonne scheint zwar ein wenig, aber es ist trotzdem kalt. Ein Stadt-Aufenthalt ohne übernachtung bedeutet immer Stress. Wir brauchen Proviant für die nächste Etappe, Essen für 8 Tage muss eingekauft werden. Dann geht es in die Bücherei, um dort am Computer den wichtigsten Internet-Kram zu erledigen. Thomas bucht unsere Flüge nach Whangarei für den 21.04. ab Dunedin. Wie wir dorthin kommen, das wird sich noch finden. Wir haben eine e-mail von Sharron, mit der sie uns Zoll-Dokumente sendet. Und sie gibt uns die Adresse ihrer Eltern, die auf einer Schaf-Farm ganz im Süden wohnen. Wir sollen uns unbedingt dort melden, wenn wir in der Nähe sind. Wir müssen Kontakt zur Riverside Marina aufnehmen und klären, wann wir dort einen Platz für die Walkabout bekommen, am Besten gleich mit Krantermin. Ich versuche noch, eine Ueberweisung an Stefan für seine " Hass hilft "- Aktion zu machen, aber das klappt so auf die Schnelle nicht. Bitte auslegen - ich überweise, sobald wir wieder beim Boot sind. Strom für unsere Geräte brauchen wir auch dringend, dafür müssen wir uns noch eine Weile ins Café setzen. Ja, und das alles in nur drei Stunden, inclusive Essen. Mit Uebernachtung im Ort geht sowas entspannter ab, aber wir möchten nicht schon wieder Geld für ein Zimmer ausgeben. Eine nette Einheimische sammelt uns an der Hauptstraße ein. Sie erzählt uns, dass sie 6 Jahre lang kein Auto hatte und in dieser Zeit oft per Anhalter gefahren ist. Nun möchte sie etwas davon zurückgeben, indem sie möglichst viele Leute mitnimmt. Sehr gut für uns, denn so sind wir um 17.30 Uhr wieder am Trailhead und könnten es noch vor Anbruch der Dunkelheit bis zur ersten Hütte schaffen. Der Weg ist einfach, wir laufen auf einer schmalen Straße zwischen Bauernhöfen hindurch. Ein kräftiger Bulle steht mitten auf dem Te Araroa. Der scheint in Einzelhaft zu sein, denn die anderen Tiere links und rechts sind eingezäunt. Aber dieser Bulle wirkt gar nicht aggressiv, sondern steht nur ruhig da, als wir ihn passieren. Eigentlich sieht der sogar ganz lieb aus mit seinen lustigen Ringel-Löckchen auf der Stirn. Danach haben wir leichte Probleme, den richtigen Weg über matschige Kuhweiden zu finden. Mit dem letzten Tageslicht erreichen wir die Lower Princhester Hut. Draußen stehen zwei Geländewagen, aus dem Kamin qualmt es ganz ordentlich. Wir hoffen, dass in der 6-er Hütte noch zwei Pritschen für uns frei sind und klopfen zaghaft an die Tür. Glück gehabt ! Es hat sich nur ein Jäger hier für die Nacht eingerichtet, die anderen Jäger sind alle im Wald unterwegs. Ein sehr netter und gesprächiger Einheimischer, der uns viel über die Tierwelt in Neuseeland und das Jagen erzählt. Das Feuer raucht und stinkt, aber es wärmt schön. Die Lower Princhester Hut befindet sich gerade unterhalb der Baumgrenze, das bedeutet, Frostgefahr in der Nacht. Wir bekommen jeder eine Flasche Cidre geschenkt und haben einen gemütlichen Abend zu dritt. 



 

04.04.2016

Wanaka bis Queenstown 31.03. - 04.04.2016 - neu

Es zieht uns jetzt mit aller Gewalt nach Bluff, deswegen bleiben wir nicht in Wanaka, obwohl es uns ausgesprochen gut gefällt. Nächstes Jahr kommen wir wieder, und dann mit mehr Zeit zum Bummeln und Urlauben. Jetzt möchten wir vorrangig den Te Araroa beenden, und das funktioniert nur mit Weiterlaufen. Allerdings gönnen wir uns ein schönes Abendessen in einem koreanischen Restaurant. Das ist etwas ganz Besonderes, denn außer den üblichen PBP ( Pommes, Burger, Pizza ) sind wir in Neuseeland erst ein einziges Mal " richtig " essen gegangen, und das war in Auckland vor dem Start zum Trail. Nun also zum zweiten Mal .... Lecker war's ! Allerdings ist Thomas nicht satt geworden und musste sich anschließend noch ein gebratenes Hähnchen aus dem Supermarkt mitnehmen.Donnerstag früh können wir den reparierten Walking-Stock beim Sportgeschäft abholen. Bezahlen müssen wir dafür nichts, selbst das Trinkgeld wird abgelehnt. Das ist natürlich supernett und eine große Hilfe für die letzten 420 Kilometer. Danke schön ! Der Trail gestaltet sich heute nicht besonders aufregend, aber einige Kleinigkeiten am Rande bleiben uns in guter Erinnerung. Da ist zunächst einmal ein gepflegter Weg, den wir eigentlich durch Zufall entdecken, weil ich einem Toiletten-Schild folgen möchte. Es geht eine kleine Treppe hinauf, dann folgt eine schmale Allee, zu beiden Seiten durch eine schöne Hecke begrenzt. Am Ende steht ein kolossaler Baum, der uns ein paar Minuten fasziniert. Es handelt sich um einen Giant Sequoria, einen Riesen-Mammutbaum. Er gehört zur Ordnung der Koniferen und ist eigentlich nicht in Neuseeland heimisch, sondern kommt besonders häufig in den Sierra Nevadas in Kalifornien vor. Dieser Baum gehört zwar zu den gefährdeten Arten, aber unser Exemplar strotzt auf jeden Fall vor Kraft und Gesundheit. Te Araroa führt zunächst am Ufer des Lake Wanaka entlang. Ein schöner Wanderweg, der auch von Radfahrern genutzt wird, und dementsprechend einfach zu laufen ist. In dichtem Abstand stehen Fässer mit Regenwasser und lustigen Aufschriften dran. So in etwa übersetzt : " Ich bin durstig. Nimm dir ein paar Minuten Zeit und gieße mich. Danke von den Pflanzen. " Daneben liegen Eimer oder andere Behälter zum Wasser-Verteilen - gute Idee. Immer weiter geht es um den See, entlang Roys Bay und an einem privaten Yachtclub vorbei. Da bekommen wir schon wieder Lust auf's Segeln. Hier ist nicht viel los, der Herbst geht seinem Ende zu, und für Wassersport ist es dem Neuseeländer zu kalt. Nach 15 Kilometern machen wir eine Pause mit Eis und Cola beim Glendhu Bay Lakeside Holiday Park. Die Betreiber sind sehr nett zu uns, obwohl es hier viele böse Schilder gibt und anscheinend alles verboten ist. Von da aus dürfen wir ein paar Kilometer Straße laufen bis zum Parkplatz am Beginn des Motatapu Alpine Tracks. Dort liegt Farmland vor uns, hohe Zäune begrenzen riesige Damwild-Gehege. Wir müssen durch merkwürdige Tore klettern, die nicht bis zum Boden gehen und wie Fenster geöffnet werden. Das ist ja mal ganz was Neues. Der Fern Burn Stream fließt über lange Strecken neben uns. Die Natur wird plötzlich wieder wild und schön. Mischwald, viele umgestürzte Bäume zu beiden Seiten, Felsen und sprudelnde Bäche, hin und wieder ein kleiner Wasserfall. Dann folgt ein Aufstieg über 500 Höhenmeter. Ein steiler Pfad führt nach oben zur Fern Burn Hut. Dort treffen wir den Kiwi-Kanadier Neil wieder, den mit unserem Wunschzelt. Außerdem haben sich drei Jungens in der Hütte breitgemacht, ein Deutscher, ein Franzose und ein junger Mann aus Tschechien. Die haben alle ein Work & Travel-Visum, gehen aber lieber wandern als arbeiten. Die Drei sind ja ganz nett, aber sie benehmen sich, als hätte Mama immer zu gut hinter ihnen weggeräumt. Diese Unordnung, dieses Chaos, so viel Zeug, und das für eine einzige Nacht in der Hütte ! Sie bleiben abends noch länger auf und fangen dann später an, in der oberen Etage die Matratzen laut hin- und herzuschieben, im Rucksack zu kramen etc. - Die Kinder sind einfach noch nicht müde. Sind ja auch nicht so viel gelaufen wie wir heute, sondern mit dem Auto bis zum Parkplatz am Damwild-Gehege gefahren. Naja, irgendwann ist dann doch endlich Ruhe in der Fern Burn Hut.


Kalte Winterluft, Nebel und Niesel erwarten uns am nächsten Morgen. Wir sind alle nicht besonders motiviert und beginnen den Tag mit einem ausgedehnten Frühstück. Neil hatte uns bereits beim Kennenlernen vor zwei Wochen erzählt, dass er Leute sucht, mit denen er zusammen gehen kann. Seine bisherigen Begleiter sind verletzungsbedingt ausgefallen, und offensichtlich läuft er nicht gerne alleine. Nun fragt er uns, ob wir mit ihm zusammen wandern möchten. So ganz wohl ist uns ja nicht damit, aber man kann ja auch schlecht " nein " sagen. Also wackeln wir zum ersten Mal in einer Kleingruppe los, nicht ganz unser Ding, aber Neil ist wirklich nett und unauffällig. Wir starten im Regen. Dieser Tag hat es in sich, auf jeden Fall erhöhte Anforderungen. Zunächst müssen wir auf den Jack Hall's Saddle in 1275 Metern Höhe. Das ist noch kein Ding, ein relativ einfacher Anstieg am frühen Morgen. Aber so geht es weiter, und zwar den ganzen restlichen Tag. Schon nach 2,5 Stunden statt der angegebenen 4 Stunden erreichen wir die Highland Creek Hut und machen dort Mittagspause - zusammen mit Neil. Danach gleich wieder 450 Höhenmeter hoch und steile 450 Höhenmeter hinunter bis ins Motatapu Valley. Leider ist trotz oder gerade wegen der vielen Höhen nichts von der Landschaft zu erkennen. Ab und zu tauchen ein paar Bergspitzen aus den Wolken auf, aber das war es dann auch schon. Ein Freund von uns hat den Motatapu Alpine Track mit der Tararua Range verglichen. Wer also tolle Fotos angucken möchte von dem, was wir heute verpasst haben, der gehe bitte auf www.followstef.com - Wir laufen den ganzen Tag nur im Regen und sehen gar nichts. Links von uns liegt der Knuckle Peak mit 1804 Metern Höhe, aber selbst dieser Gipfel bleibt im Verborgenen. Schade eigentlich, aber man kann ja nicht immer Glück mit dem Wetter haben. Manchmal tauchen seltsame Gesteins-Formationen gespenstisch aus dem Nebel auf. Hinunter zum Motatapu River wird der Weg richtig eklig, weil der Regen die steilen Hänge inzwischen mehr als rutschig gemacht hat. Aber danach freuen wir uns über ein kleines Waldstück, eine angenehme Abwechslung und ein fast gerades Stück. Hier schießen Unmengen von Pilzen aus dem Boden. Das gefällt uns, die sind hübsch anzusehen. Auf einmal wachsen sie überall, verschiedene Formen und in knallbunten Farben. Der Herbst ist tagsüber warm und meistens noch sonnig, dazu feucht, das mögen die Pilze wohl. Auf dicken Steinen können wir den Motatapu River überqueren, ohne ins eiskalte Wasser hinein zu müssen. Noch zweimal über einen Bach springen, dann ein Stück Weide überqueren, endlich sind wir an der Roses Hut. Nur 17 Kilometer geschafft, aber bei diesen durch Regen erschwerten Bedingungen und dem knackigen Höhenprofil geht nicht mehr. Erstmal 'raus aus den nassen Klamotten, dann Tee kochen, damit wir wieder warm werden. Wir sind natürlich nicht alleine. Neil ist da, außerdem sitzen noch Moonflower und D.J. am Tisch. Alle laufen den kompletten Te Araroa, das passt uns ganz gut in den Kram. Thru-Hiker sind abends müde und liegen früh im Schlafsack.

Wir stehen alle früh auf. Morgens herrscht zum Glück Ruhe. Jeder kocht sein Süppchen und seinen Kaffee und hält erstmal den Mund. Sehr angenehm ! In der Nacht hat es weiterhin geregnet, aber der Himmel lässt auf Besserung hoffen. Es nieselt nur noch ganz leicht, als wir alle fünf kurz nacheinander losziehen. Nun sind wir schon keine Klein-Gruppe mehr. Vor uns läuft Moonflower, dicht hinter uns Neil und D.J. - mich nervt es, wir laufen lieber alleine zu zweit. Die knapp 500 Meter Anstieg zum Roses Saddle legen wir in Rekordzeit zurück, um wenigstens etwas Abstand für eine Pipi-Pause zu gewinnen. Schweißgebadet kommen wir auf dem Sattel in 1270 Meter an und können erstmal eine Schicht Kleidung ausziehen. Das Wetter wird schön. Nun bekommen wir eine Vorstellung davon, was wir gestern verpasst haben. Tolle Berg-Landschaft ringsum, und wir wandern auf schmalem Grat mitten durch diese atemberaubende Natur. Man kann den Vormittag gut in drei Etappen einteilen : eine Stunde Aufstieg, eine Stunde Abstieg, dann eine Stunde durch den Arrow River. Anstatt die höher gelegene Schlechtwetter-Route über die Hügel zu nehmen, laufen wir mehrere Kilometer im Flussbett. Das Wasser ist meistens nur knöcheltief, an manchen Stellen reicht es bis zu den Knien. Es ist zwar kalt, aber gut auszuhalten, weil inzwischen die Sonne scheint. Nach 3 Stunden anstatt der veranschlagten 4-5 Stunden erreichen wir unser erstes Ziel. Macetown war in den Jahren 1863 bis ungefähr 1920 eine Goldgräber-Siedlung. Heute ist Macetown eine verlassene Geisterstadt. Einwohnerzahl : Null. Ein paar gut erhaltene Häuser, einige Ruinen und Steinhaufen sind alles, was von der früheren Pracht übrig geblieben ist. Dafür gibt es schöne Plätze zum Campen mit Feuerstellen und dicken Baumstämmen als Sitzgelegenheit. Hier möchten wir eine ausgiebige Pause machen und unsere Sachen trocknen. Es dauert gar nicht lange, dann setzt sich Moonflower, die wir irgendwo überholt haben, zu uns. Nur 5 Minuten später erscheint Neil, dann kommt noch D.J. dazu. Also Pause zu fünft - nichts, was wir uns aussuchen würden. Immerhin hören wir den neuesten Hiker-Tratsch und wer schon alles den Trail verlassen hat. Das deutsche Paar, mit dem Neil unterwegs war, musste in Christchurch abbrechen. Alex hat ebenfalls wegen einer Verletzung aufgegeben. Der Israeli hatte keine Lust mehr auf Te Araroa und macht jetzt nur noch ein paar besonders schöne " Great Walks ". Die Französin Clem hat eine riesige Etappe von Boyle Village bis nach Wanaka einfach ausgelassen, dafür haben wir zu Fuß genau vier Wochen gebraucht. Und dieser ist mit dem Bus gefahren, ein anderer per Anhalter weiter ..... ja, es gibt viele verschiedene Gründe,  einfach nicht mehr weiter zu laufen. Auf dem Appalachian Trail erreichen nur etwa 15 - 20 % der Gestarteten das Ziel, zum Te Araroa haben wir noch keine Statistik gesehen.   Auf jeden Fall scheint es so, als würden wir jetzt das Feld von hinten aufrollen. Dadurch, dass wir länger keine ganzen Tage verbummelt haben, haben wir inzwischen einige Leute eingeholt. Wir sind einfach zu schnell geworden, um die Hütten noch für uns alleine zu haben. In Macetown endet der Motatapu Alpine Track, hier startet der 12 Kilometer lange Big Hill Track. Wir verlaufen uns gleich nach der Pause zunächst mal wieder, das ist schon länger nicht mehr passiert. Allerdings sind wir auch schlauer geworden und kennen inzwischen die Tücken vom Te Araroa. Nach einer Viertelstunde bemerken wir unseren Fehler und kehren um, bis wir wieder auf dem richtigen Weg sind. Dann geht es tatsächlich noch einmal stramm bergauf. Der Big Hill Saddle liegt nur 1060 Meter hoch, aber wir quälen uns beide ordentlich mit diesem Anstieg in der Hitze. Vielleicht ist das die Summe der vielen in den letzten Tagen geleisteten Höhenmeter .... oder der fehlende Ruhetag in Wanaka .... oder wir sind einfach nur müde, weil wir inzwischen schon fast 5 Monate auf dem Trail laufen. Abwärts auf der anderen Seite geht es viel besser. Der Weg wird immer leichter und führt uns in einen schönen Mischwald. Das ist ein sehr angenehmer Abschluss eines schon wieder anstrengenden Tages. Wir müssen einfach nur noch hinauslaufen bis nach Arrowtown. Unterwegs im Wald überholen wir D.J., treffen ihn dann aber eine Stunde später vor dem einzigen kleinen Geschäft im Dorf wieder. Auch Moonflower und Neil lassen nicht lange auf sich warten. Die Beiden haben ebenfalls nach der Pause den falschen Weg gewählt, sind allerdings etwa 3 Kilometer gelaufen, bis sie umgedreht sind. Es beginnt wieder zu regnen, während wir draußen vor dem Laden stehen. Die anderen Drei möchten zum Holiday Park und sich gemeinsam ein Cabin mieten, damit sie die kommende Nacht trocken verbringen können. Aber das ist nichts für uns. Der Ort gefällt uns überhaupt nicht. Hier leben anscheinend überhaupt keine normalen Menschen, es ist alles nur auf Touristen ausgerichtet. Gold-Schmuck, Alpaka-Wolle, exklusive Schokoladen, teure Souvenirs - richtiges Alltags-Leben scheint es in Arrowtown nicht zu geben. Die sagenhafte Bäckerei mit ihrem berühmten deutschen Brot und den unvergleichlich guten Fleisch-Pasteten hat am Samstag um 18.00 Uhr geschlossen. Wir beschließen, noch ein Stück weiter zu gehen, so dass wir aus dem Ort herauskommen. Nach etwa 3 Kilometern finden wir ein Gelände mit einem offenen Tor, ein anscheinend verlassener Platz. Ein Schild vorne weist auf eine Baufirma hin, aber die arbeiten sicher nicht am Sonntag. Also werden wir wahrscheinlich Niemanden stören und auch nicht gestört. Ganz hinten auf der Wiese gibt es einen Unterstand, unter dem Ziegelsteine, Plastikrohre und Säcke mit weißem Zeug lagern. Daneben ist gerade genug Fläche, um unser kleines Zelt aufzustellen. So haben wir diese Nacht sogar ein Dach über dem Kopf, ohne dafür teuer zu bezahlen. Erst im letzten Moment bemerken wir, dass sich nicht weit von uns entfernt ein ausgedehntes Damwild-Gehege befindet. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit sehen wir gerade noch, dass dort hinten mehr als ein Dutzend Hirsche auf der Weide stehen.

Der Regen konnte uns nichts anhaben, weil wir unter dem Wellblechdach einen trockenen Standort hatten. Allerdings war die Straße nicht weit entfernt und erstaunlich stark befahren, sogar während der Nacht. Gegenüber auf der anderen Seite haben die Hirsche geröhrt, was das Zeug hält. Sehr laut, sehr ausdauernd und etwas unheimlich sind diese Laute. Vielleicht auch nur, weil man solche Geräusche von Tieren um Wald nicht gewöhnt ist. Trotzdem haben wir besser geschlafen als mit anderen Personen zusammen in einer Schutzhütte. Beim Start morgens um 7.00 Uhr ist es trocken. Aber schon eine halbe Stunde später beginnt es zu nieseln, kurz darauf regnet es richtig. Macht nichts, wir packen uns und unsere Rucksäcke wasserdicht ein und latschen weiter. Keine 30 Kilometer mehr sind es auf dem Queenstown Cycle Track, bis wir ins Trockene kommen. Der Weg ist einfach und langweilig, das Wetter macht es nicht besser. Zunächst laufen wir durch das Millbrook Resort, da sträuben sich uns die Haare. Das ist wieder so ein künstlich aus dem Boden gestampfter Ort, offensichtlich für gut betuchte Rentner geplant. Schöne Wiesen, kunstvoll geschnittene Hecken, ein super gepflegter Golfplatz neben der Hauptstraße. Sogar die Bäche und Teiche scheinen begradigt worden zu sein, und die Pflanzungen wirken alles Andere als natürlich. Also nein, da möchten wir noch nicht einmal begraben werden. Der Lake Hayes Walkway führt uns am westlichen Ufer des gleichnamigen Sees entlang. Von da aus laufen wir in immer stärker werdendem Regen Richtung Frankton. Mittlerweile sind nicht nur die Schuhe durchweicht, auch der Poncho hält nicht mehr alles ab. Die Gegend wird immer hässlicher, irgendwann befinden wir uns mitten im Industriegebiet von Frankton. Hier laufen wir nicht nur im Matsch, sondern in den Pfützen schwimmt eine Menge Müll, und es stinkt. Das einzig Gute ist ein Shopping-Center, wo wir im Café Society eine lange Pause zum Trocknen und Aufwärmen machen. Dank Internet-Zugang können wir ein relativ günstiges Zimmer für die kommende Nacht reservieren. Mit der Aussicht auf Dusche, Waschmaschine, Trockner, Heizung und ein weiches Bett machen wir uns gleich viel besser gelaunt auf den Weg. Der Frankton Arm Walkway bringt uns direkt bis nach Queenstown, wo wir nach 25 langweiligen Kilometern gegen 15.00 Uhr ankommen. Unsere Herberge liegt etwas außerhalb und - natürlich - hoch oben am Berg. Ein steiler Aufstieg wird mit einer großartigen Aussicht über die Stadt, die angrenzenden Berge und die Bucht belohnt. Unser Zimmer in Reavers Lodge ist viel besser als im Internet beschrieben, so dass wir ohne Zögern noch eine Verlängerungsnacht buchen. Das entspannt die Lage doch beträchtlich und kann sicher nicht schaden. Seit Twizel haben wir keinen Ruhetag mehr gehabt, und das ist immerhin schon wieder 10 Tage her. 

In unserem Zimmerpreis ist ausnahmsweise sogar Frühstück mit inbegriffen. Aber das tun wir uns nicht an. Der Speiseraum ist nur von 7.30 bis 9.00 Uhr geöffnet, da müssten wir uns ja am off-day einen Wecker stellen .... Und wenn nur die Hälfte der jungen Leute, die hier im Gebäude wohnen, zum Frühstück gehen, dann gibt das ein schönes Gerangel. Wir trinken unseren Kaffee im Zimmer und machen uns dann auf den Weg in die Stadt. Queenstown hat ungefähr 20.000 Einwohner, aber Touristen ohne Ende. Man kann hier beinahe alles machen, was Geld kostet. Eine Seilbahn ( Skilift ) bringt ohne Unterbrechung Menschen in die Höhe. Es wird Gleitschirm-Fliegen, Bungee-Springen, Helikopter-Flüge, Kanu- oder Jetboot-Fahren angeboten. Organisierte und geführte Wanderungen in die nahe und ferne Umgebung, Touren zu den Schauplätzen von Herr-der-Ringe usw. - alles teuer und völlig überlaufen. Queenstown rangiert in unserer Beliebtheits-Skala in der Mitte zwischen Auckland ( hässlich ) und Wellington ( unbedingt empfehlenswert ). Die Lage hier ist wirklich außergewöhnlich schön, aber die hektischen Menschenmassen ( = Urlauber ) lassen bei uns keine Entspannung aufkommen. Wir stöbern in den verschiedenen Sportgeschäften und Outdoor-Läden, aber mehr als zwei Paar Socken kaufen wir nicht. Lange halten wir den Stadtbummel nicht aus, dann zieht es uns wieder in unser gemütliches Zimmer. Ein Problem hatten wir noch zu lösen : Der Trail endet mal wieder auf der einen Seite vom Lake Wakapitu, auf der anderen Seite an der Greenstone Warf geht es dann weiter. Der Te Araroa Trust nennt dieses eine " natürliche Lücke " und überlässt es den Hikern, wie sie das organisieren. Man kann es natürlich per Anhalter versuchen, was aber schwierig ist und lange dauern kann. Die zu umfahrende Strecke beträgt immerhin 90 Kilometer, mehrere kleine und schlechte Straßen führen in die Pampa. Da ist nichts los, es kann ewig dauern, bis ein Auto in die Richtung fährt. Eine andere Möglichkeit wäre ein Bus nach Glenorchy, von dort aus mit dem Wassertaxi weiter über den See bis zum Trailhead. Diese überfahrt soll sehr teuer sein. Wir entscheiden uns für die sichere und günstigste Variante. In einem der zahlreichen Abenteuer-Reisebüros buchen wir zwei Plätze im Bus nach Greenstone, wo wir dann direkt am Startpunkt des nächsten Tracks aussteigen können. Kostet mal eben " nur " 104,- Dollar für Beide, aber da müssen wir wohl in den sauren Apfel beißen. Wir haben keine Lust, hier unnötig Zeit mit Herumstehen an der Straße zu verlieren. Der Bus wird für die 90 Kilometer etwa 2,5 Stunden unterwegs sein, da kann man sich den Zustand der Straße in die Einsamkeit gut vorstellen. Leider müssen wir schon um 8.00 Uhr früh zur Abfahrt unten in der Stadt sein. Das bedeutet, es wird wieder nichts mit Ausschlafen, und Frühstück schaffen wir auch morgen nicht. Wir hoffen nur, dass diese Lücke im Te Araroa nun die letzte Hürde auf dem Weg zum Ziel sein wird.




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30.03.2016

Twizel bis Wanaka 25.03. - 30.03.2016

Der letzte Tag in Twizel beginnt mit einem allzu guten Frühstück im Café. Ich hatte mir extra nichts bestellt, weil ich kurz zuvor im Zimmer noch ein halbes Pfund griechischen Joghurt mit Blaubeeren gegessen und einen Dreiviertel Liter Milch getrunken hatte. Das musste weg, möchte ja Niemand tragen. Aber unsere Serviererin kommt mit zwei voll beladenen Tellern an, aus Versehen natürlich. Bezahlt haben wir nur eins, aber sie lässt uns beide Gedecke stehen. Ausgerechnet heute, wo ich keinen Hunger habe und Thomas noch mit seinem Magen zu kämpfen hat. Noch dazu ist dieses ein ausgesprochenes Männer-Frühstück, von dem ich fast nichts mag. Fettige Wurst, Speck, Eier, Rösti, gebackene Tomaten, Toast .... ein Toast mit Spiegelei bekomme ich noch 'runter, Thomas isst seinen Teller leer und noch die Hälfte von dem Gratis-Teller. Mehr geht nicht, wir möchten schließlich noch laufen. Unser Weg heute ist einfach und wenig spektakulär. Es geht über einen Damm und danach lange Zeit am Südufer des Lake Ruataniwha entlang. Wir passieren eine riesige Lachsfarm, ein paar Angler bei der Arbeit, am Fluss stehen einige Wohnmobile. Pause machen wir an einem kleinen Staudamm. Danach beginnt der Lake Ohau Track, wir wandern weitere 7 Kilometer um einen anderen See und am Fluss entlang. Eine Gruppe Radfahrer staunt über unsere vollgepackten Rucksäcke und spricht uns an. Wir werden sehr nett ausgefragt und mit vielen guten Wünschen auf den weiteren Weg entlassen. Eigentlich hatten wir geplant, diese Nacht auf dem Campingplatz im Lake Middleton Reserve zu verbringen. Hier muss man sich selbst registrieren und das Geld in eine Box werfen. Die Uebernachtung soll 20,- Dollar kosten, was ja an sich nicht viel Geld ist. Wir machen einen kleinen Abzweiger und schauen uns das Gelände an. Keine Picknick-Tische, das Wasser soll man abkochen, die Toiletten sind weit entfernt. Nein, das gefällt uns nicht, dafür möchten wir nicht zahlen. Nur einen Kilometer weiter macht die Küstenstraße einen Bogen und bietet Platz für ein kleines Wäldchen. Dort finden wir ein lauschiges Plätzchen zwischen Bäumen, direkt am Ufer des Lake Ohau. Schön ruhig gelegen, weil weit genug von der Straße entfernt. Dicke Baumstämme laden zum gemütlichen Sitzen ein, wir haben Blick auf den See und die dahinter liegenden Berge. Perfekt - und gratis ! Tagesbilanz 31 Kilometer, obwohl wir erst um 11.00 Uhr aus Twizel gestartet sind und einen ganz entspannten Tag hatten.

 
Kühl ist es, wir stehen erst bei Tageslicht auf. Tolle Stimmung am Morgen, während wir unseren Kaffee mit Aussicht genießen. Die Wolken hängen tief über den Bergen, der See liegt still vor uns. Nach einem kurzen Stück entlang der Straße erreichen wir den Glen Mary Ski Club, zu dieser schneelosen Jahreszeit auch eher ein einfacher Camping-Platz. Dort können wir netterweise nochmal unseren Abfall entsorgen und die Toilette benutzen. Dann geht es los auf den East Ahuriri Track. Vor uns liegt die Ohau Range mit dem 1917 Meter hohen Ohau Peak. Ein steiler Aufstieg entlang des Freehold Creek bringt uns ordentlich ins Schwitzen. Vom See aus sind einige Hundert Höhenmeter zu bewältigen, bis wir die Baumgrenze erreicht haben. Dann geht es weiter auf schmaler Spur mit fließend Wasser auf dem Trail. Tussock und andere Stachelpflanzen machen uns das Leben sauer. Wir laufen durch ein riesiges Sumpfgebiet, da bleiben Schuhe und Strümpfe nicht lange trocken. Die langen Hosen sind ebenfalls klitschnass, weil wir uns die ganze Zeit durch hüfthohes Gras kämpfen müssen, alles feucht vom Nebel. Wasserfälle ergießen sich aus den Bergen gegenüber in die Tiefe. Nachdem wir den höchsten Punkt überquert haben, dürfen wir absteigen ins East Ahuriri River Valley. Steinmännchen weisen uns den Weg - manchmal wenigstens. Schräges Laufen entlang von steilen Bergflanken, ein Bein immer kürzer als das andere. Das fühlt sich fast so an wie auf See, wenn Walkabout hart am Wind segelt und auf der Seite liegt. Danach wieder Sumpf .... und Disteln .... und ein Dutzend Mal den Fluss queren oder über Bäche springen, die von oben in die Schlucht fließen. Dicke runde Steine bilden die Zahl " 2500 " für uns und alle folgenden Te Araroa-Hiker. Wir nähern uns mit Riesenschritten dem Ziel .... ein Grund zum Freuen, aber uns wird auch etwas wehmütig bei dem Gedanken ans Ende. Unsere letzten Kilometer heute führen über trockene Wiesen mit Stoppelgras und Löchern drin. Der linke Stock von Thomas gibt nun endgültig seinen Geist auf und ist nicht mehr zu gebrauchen. Wir stolpern mehr schlecht als recht bis zu unserem Tagesziel, dem Ahuriri River. Dieses ist der längste und breiteste Fluss ohne Brücke auf dem Te Araroa, den wir durchqueren müssen. Die beiden anderen, die bereits hinter uns liegen, sind ja zur Hazard Zone erklärt worden und damit nicht Teil des Trails. Das Laufen war heute nicht einfach, dafür ist das Fjorden umso leichter. Nachdem wir einen steilen Abhang mehr hinunter gerutscht als gestiegen sind, stehen wir vor dem Ahuriri-River. An dieser Stelle hat der Fluss etwa eine Breite von 30 Metern und fließt recht schnell. Aber es sieht gut aus, klares Wasser lässt uns bis auf den Grund sehen. Der Wasserstand ist normal, weil es schon seit Tagen nicht mehr feste geregnet hat. Da müssen wir noch nicht einmal lange nach einer geeigneten Stelle zum Durchqueren suchen. Wir verhaken uns im Kiwi-Stil, wie wir es von Sue und Allan gelernt haben. Mit einem Arm fest hinter dem Rücken des Partners, am Gurt des Rucksacks eingehängt, hat man viel mehr Standfestigkeit als alleine. Wir waten also zu zweit direkt auf kürzestem Wege durch den Fluss. Die Strömung ist stark, aber das Wasser reicht uns nur knapp bis über die Knie. Kein Problem, obwohl es viele warnende Worte zu dieser Fluss-Passage gab. Auf der anderen Seite suchen wir uns sofort einen Platz, wo wir uns trocknen und aufwärmen können. Wir klettern über einen Zaun, da wir unser Zelt lieber etwas im Schutz der Hügel aufstellen möchten. Habe ein bisschen schlechtes Gewissen, weil die Weide nach Privatbesitz aussieht. Keine Kühe, dafür Unmengen von Kaninchen-Kötteln. Kaum haben wir unser Zelt fertig aufgestellt, da kommt ein junger Mann um die Ecke. Schon wieder ein Deutscher, der einige Monate durch Neuseeland wandert. Fabian hat sein geheimes Lager nur ungefähr 20 Meter von uns entfernt eingerichtet. Auf meine Frage, ob er auch über den Zaun geklettert ist, antwortet er " Nein, ich bin drunter durch geklettert. " Danke, lieber Bauer ! Wir sind froh, dass wir so gut durch den Ahuriri River gekommen sind. Während wir noch um Dunkeln draußen unseren Abend ausklingen lassen, huscht ein Marder über die Wiese. Das hellgrau-weiße Tierchen ist richtig possierlich und flitzt schnell von einem Gebüsch zum nächsten. Es schnuppert kurz an unseren Sachen, ist aber offensichtlich eher auf Kaninchen-Beute aus. Noch etwas später ertönt ganz in unserer Nähe lautes Geschrei von einer Wildkatze, die wir aber nicht zu Gesicht bekommen. Das kann ja wieder eine unruhige Nacht werden bei den vielen Tieren um uns herum.

Wir starten jetzt jeden Morgen später, wenn nichts Besonderes anliegt. Es wird erst gegen 7.30 Uhr hell und ist meistens kalt und grau beim Aufstehen. Beim Frühstück sitzen wir mit Handschuhen und Daunenjacke. Dutzende von Kaninchen und Hunderte von Sandflies leisten uns Gesellschaft. Wir hatten eigentlich gedacht, dass wir diese Plagegeister mit den niedrigeren Temperaturen losgeworden sind. Aber nein, es gibt sie leider immer noch, und sie stechen gnadenlos in jedes Stückchen freie Haut. Zwei Stunden später kommt die Sonne heraus und knallt uns auf's Haupt, während wir ungeschützt über Kuhwiesen stapfen. Diese Temperatur-Unterschiede sind wirklich extrem in Neuseeland. Der junge Deutsche ist kurz vor uns losgelaufen, aber er nimmt einen falschen Abzweiger. Thomas sieht das und pfeift laut. Fabian dreht sich sofort um und bemerkt seinen Fehler - der hört sogar auf den Norderneyer Pfiff. Heute beginnen wir den Breast Hill Track. Schon bald müssen wir über einen Fluss queren, dafür wechseln wir Schuhe gegen Sandalen. Während unserer Umziehpause überholt Fabian uns, wählt aber schon bald wieder einen verkehrten Abzweiger. Thomas muss ihn erneut zurückpfeifen. Von da an laufen wir ein gutes Stück zusammen. Der junge Mann hat ein work & travel-Visum für ein Jahr und saugt alle Informationen über Te Araroa, Zelte, Rucksäcke und Reisen allgemein auf. Rechts von unserem Weg steht ein Doppel-Zaun, der äußere Teil Stacheldraht, innen ein sehr hohes Gitter. Sogar Berge und ein Waldstück sind eingezäunt. Dort steht ein olivgrüner Jeep in der Landschaft, da drin sitzen ein Fahrer und zwei " Jäger " in Tarnanzügen. Die zahlen sehr viel Geld dafür, dass sie in diesem eingezäunten Areal auf Hirsche schießen dürfen. Eigentlich wird das Damwild hier für die Fleisch-Produktion gezüchtet und als Delikatesse verkauft. Aber in diesem riesigen Gehege sehen wir nur kapitale Hirsche mit stattlichen Geweihen, die als Trophäen begehrt sind. Jagd-Tourismus ! Was für ein mieser Sport ! Unsere erste Pause machen wir an einer privaten Hütte. Zwei mittelalterliche Frauen kommen vorbei und sind nicht besonders freundlich. Sie fragen als Erstes nach unserem Ziel anstatt " Guten Tag " oder ähnliche Höflichkeitsfloskeln zu sagen. Dann gibt es lange Gesichter zu sehen, weil wir zu derselben Hütte laufen wollen. Egal, die Damen haben wir schnell abgehängt und werden natürlich gerne die besten Liegen beziehen. Vor uns liegen 5 Kilometer Aufstieg bis auf den Mt. Martha Saddle, das sind insgesamt 900 Höhenmeter stetig bergauf. Oben ist es grau und kalt, der Himmel hat sich kurz vor'm Sonnenbrand wieder komplett zugezogen. Ein eisiger Wind weht uns beinahe aus der Spur. Steinwüste .... die Landschaft ist noch eintöniger geworden. Ein totes Schaf liegt auf dem Weg. Das sieht gar nicht gut aus und riecht übel. Vom Sattel führt der Trail auf kleinerem Gestein und Geröll in Serpentinen abwärts. Abgerutschte Hänge müssen überklettert und Bäche übersprungen werden. Keine Markierungen. Es geht heute mal wieder nur langsam voran, vielleicht fehlt uns auch die richtige Motivation. Die letzten Tage war die Landschaft nicht besonders toll, dafür der Weg umso beschwerlicher. Das Wetter wird schlechter, so dass wir nach Möglichkeit übernachtungen in Hütten planen, sofern es welche gibt. Um 17.15 Uhr erreichen wir die Top Timaru Hut auf 900 Meter Höhe. Die sieht schick aus, hell und freundlich. Die Top Timaru Hut ist erst 2011 renoviert worden, voll isoliert und bietet Platz für 6 Personen. Fabian liegt bereits auf einer Pritsche, wir richten unser Nachtlager auf den beiden anderen Betten unten her. Eine halbe Stunde später fängt es an zu regnen. Soweit ist alles gemütlich, aber dann poltern die beiden unfreundlichen Frauen herein und bringen eine Menge Unruhe mit. Sie breiten sich in der kleinen Hütte aus, machen Licht an, lassen die Tür weit auf und die Sandflies herein. Die Wanderfrauen sind unverschämt laut, endloses Knistern und Kramen bis spät in den Abend, obwohl schon drei Leute versuchen zu schlafen. Leider kann man sich die Gesellschaft in einer Schutzhütte nicht aussuchen.

Ganz bewusst stehen wir als Erste auf und sehen zu, dass wir unseren Kaffee in Ruhe trinken können, bevor die beiden Frauen den kleinen Tisch für sich beanspruchen. Haben uns für den heutigen Tag ordentlich viele Höhenmeter vorgenommen. Statt zur Stodys Hut, wohin die Damen laufen, werden wir die übernächste Hütte anvisieren. Immer noch befinden wir uns auf dem Breast Hill Track mit insgesamt 54 Kilometer Länge. Gleich in der ersten halben Stunde müssen wir durch den sprudelnden Fluss. Schuhe nass, Strümpfe nass, Füße eiskalt. Wenigstens habe ich Handschuhe, um die Finger zu wärmen. So geht es lange Zeit weiter, wir patschen in schöner Regelmäßigkeit durch das kalte Wasser. Zwischendurch müssen wir Felsvorsprünge umgehen, indem wir die Abhänge hinauf und nach wenigen Metern wieder hinunter klettern. Und es gibt richtigen Wald ! Der Trail wird plötzlich trotz aller Mühen so, wie wir es lieben. Endlich sehen wir wieder Bäume und haben federnden Waldboden unter den Füßen. Die grandiose Natur Neuseelands - nach einigen langweiligen Tagen präsentiert sich die Landschaft nun wieder spektakulär schön. Nachdem wir ungefähr 20 Mal durch den Timaru River von einer Seite auf die andere gewechselt sind, dürfen die Schuhe trocknen. Wir entfernen uns vom Fluss und balancieren stundenlang auf schmaler Spur am Hang entlang. Solch ein schräges Laufen ist auf die Dauer gar nicht toll für die Gelenke. Außerdem anstrengend, weil man sich die ganze Zeit sehr konzentrieren muss, um nicht im Geröll abzurutschen. Zwei Füße passen hier nicht nebeneinander, immer fein einen hinter den anderen setzen. Was ist die Steigerung von steil ? Steiler ? Supersteil ? Der Aufstieg zur Stody Hut hat es in sich. Unsere Unterlagen rechnen mit 1,5 - 2 Stunden für die zwei Kilometer bergauf. Wir brauchen nur gut eine Stunde, aber wir sind gut im Training. Diese Etappe schaffen wir nur, indem wir uns stur und verbissen bis zur Baumgrenze den Berg hinauf arbeiten. Das zwickt ganz gut in den Waden. Um 14.30 Uhr kommen wir schweißgebadet an der Stodys Hut an, die auf 1080 Meter Höhe liegt. Wir fühlen uns, als hätten wir heute bereits 2000 Höhenmeter 'rauf und 'runter gemacht. Unsere Mittagspause verbringen wir lieber in der Hütte, die keinen Holz- oder Betonboden hat, sondern der Grund besteht nur aus dunkler Erde mit ein paar Steinen dazwischen. Schön ist es dort nicht, aber Sonne haben wir bereits genug gehabt, und innen sind wir vor den Sandflies sicher. Als Krönung des Tages möchten wir noch auf der höheren Route über den Breast Hill. Dieser Weg lohnt sich nur bei klarem Wetter wegen der Aussicht, also nutzen wir die Gunst der Stunde. Ein einfacher Farm Track führt 10 Kilometer weit in Serpentinen über immer größere Hügel. Wir können meilenweit im Voraus sehen, wie sich unser Weg die Berge hinaufschraubt. Eigentlich keine anstrengende Sache, aber immerhin müssen wir nochmal 500 Höhenmeter aufsteigen. So langsam macht es sich bemerkbar, dass der Weg zur ersten Hütte auch schon ganz knackig war. Wir sind müde und wünschen uns, dass der Briest Hill endlich näher kommt. Aber es hat sich gelohnt ! Auf dem Gipfel mit seinen 1578 Metern Höhe bietet sich uns ein Alpen-Panorama vom Feinsten. Ringsherum Berge, blauer Himmel, und wir haben eine tolle Aussicht auf den Lake Hawea und den Lake Wanaka dahinter. Da können wir uns heute schon ein Bild von unserer Route der nächsten Tage machen. Hier oben pustet ein kräftiger Wind. Es wird Zeit, den Sonnenhut gegen eine warme Mütze zu tauschen und einen Kapuzenpullover über's T-Shirt zu ziehen. Dann machen wir eine ausgiebige Foto-Session, um die Super-Aussicht von allen Seiten festzuhalten. Der Abstieg zur Hütte dauert nur knapp eine Stunde, begleitet von Alpenglühen auf der linken Seite und einem Sonnenuntergang über dem See. Richtig kitschig, wunderschön ! Wir müssen uns beeilen, es wird schon bald dunkel. Um 20.00 Uhr etwa biegen wir ab auf einen Seitenweg zur Pakituhi Hut, die in knapp 1300 Metern Höhe liegt. Inzwischen ist es ordentlich kalt geworden, und wir sind froh, dass wir es bis zur Hütte geschafft haben. Tagesziel hoch gesteckt - und erreicht. Leider können wir uns nicht lange freuen, denn durch die großen Fenster erblicken wir mehrere Gestalten, die offensichtlich gerade eine Koch-Show veranstalten. Wir sind todmüde und kaputt, im Inneren der Pakituhi Hut tobt das Leben. Auch das noch, das hat uns gerade noch gefehlt nach so einem anstrengenden Tag ! Vier junge Männer, die offensichtlich noch viel Energie haben und sich angeregt und laut unterhalten. Die äußeren Matratzen sind belegt, immer schön links und rechts in der unteren sowie in der oberen Etage. Auf unsere Frage, wo wir denn schlafen können, bekommen wir zur Antwort : " In der Mitte ist frei, also oben und unten. " Oh nein - auch das noch ! Einer der Jungens merkt, wie unwohl mir damit ist und räumt sein Lager von oben nach unten. Das ist wirklich nett, denn so können wir wenigstens nebeneinander liegen.

Ich kann in der Nacht von meiner Matratze in der oberen Etage aus dem Fenster heraus den Sternenhimmel sehen. Das ist schon sehr exklusiv - und kostenlos. Der Gang zum weit entfernten Oertchen in der kalten Nacht ist allerdings weniger zu empfehlen. Dafür darf ich mir morgens früh dann einen schönen Sonnenaufgang begucken, während alle anderen noch schlafen. Später gibt es ein geselliges Frühstück zu sechst, heute hat offenbar keiner Eile. So übel sind die jungen Burschen gar nicht, wie wir bei näherem Kennenlernen feststellen. Es handelt sich hierbei um einen Deutschen, der mit seinem australischen Freund eine Wochenend-Tour macht. Außerdem ist da der nette Mann, der uns seine Matratze zur Verfügung gestellt hat, ein waschechter Neuseeländer mit ganz lieben Augen. Den größten Unterhaltungswert hat jedoch ein Holländer, der uns gestern eher unangenehm aufgefallen ist. Er hat vor 3 Monaten den Te Araroa begonnen, aber schon nach kurzer Zeit abgebrochen. Nun reist er per Auto-Stopp durch die Südinsel und macht selbst ausgesuchte mehrtägige Wanderungen. Dabei achtet er sehr genau darauf, dass auf seinen Routen genügend Hütten in vernünftigen Abständen liegen, weil er kein Zelt besitzt. Der Holländer erzählt uns, dass er so monatelang Urlaub in Neuseeland machen kann, ohne Geld für eine Unterkunft bezahlen zu müssen. Ganz schön schräg, dieser Typ - aber irgendwie auch clever. Eigentlich ist die Runde ganz lustig, und die Gespräche sind interessant. Gestern Abend waren wir wohl nur genervt von dem Trubel, weil wir so fertig waren. Auf jeden Fall starten wir spät, bis nach Wanaka möchten wir heute sowieso noch nicht laufen. Ein steiler Abstieg liegt direkt vor der Haustür. Die Zeit-Empfehlung von 3 - 4 Stunden für 5 Kilometer macht mir Angst. Alles, was wir gestern mühsam aufgestiegen sind, das müssen wir nun wieder hinunter. Zunächst besteht das Gelände aus schroffen Felsen, die wir abwärts klettern. Fast senkrecht geht es etwa die Hälfte des Berges hinunter bis zu einem Sattel. Danach wird der Abstieg etwas gemäßigter. In schmalen Serpentinen führt ein schmaler Pfad immer weiter hinab bis zum Lake Hawea. Wir brauchen nur knapp zwei Stunden, um die insgesamt 950 Höhenmeter tiefere Straße direkt am See zu erreichen. Den schlimmsten Abschnitt des Tages haben wir geschafft, ab hier wird unser Weg sehr einfach. Wir laufen zunächst den Gladstone Track, danach den Hawea River Track. Ein kombinierter Rad- und Wanderweg führt durch das Lake Hawea Reserve ganz entspannt um den See herum. Wir kommen durch ein Dorf mit gleichem Namen und machen eine lange Pause im einzigen Café. Nicht, weil wir die lange Auszeit benötigen, sondern weil Inhaber und Bedienung so nett sind. Es gibt leckeren Kaffee, Pommes, Hamburger, Strom aus der Steckdose für unsere Handys und Internet. Keiner guckt dumm, Niemand drängelt, weil wir 2,5 Stunden hier herumsitzen. Zum Schluss kommt sogar noch die Besitzerin an unseren Tisch und fragt, ob wir den ganzen Te Araroa laufen. Daraufhin dürfen wir uns in ihr Gästebuch eintragen, in dem wir beim Durchblättern viele andere Thru-Hiker wiederfinden. Nach dieser langen Unterbrechung fühlen wir uns wieder frisch und ausgeruht. Wir entfernen uns vom Lake Hawea, um weitere 15 Kilometer auf einem schönen Kiesweg bis nach Albert Town zu wandern. Auf einer 70 Meter langen Hängebrücke überqueren wir den Clutha River, der ordentlich breit ist und mit starker Strömung fließt. Gleich dahinter beginnt das nächste Dorf, von dem wir bis gestern noch nicht einmal den Namen kannten. In Albert Town finden wir sogar einen kleinen Laden, in dem wir uns kalte Getränke kaufen. Nur eine halbe Stunde später erreichen wir den vom Holländer empfohlenen Campingplatz. Hier soll die Uebernachtung nur 7,- Dollar pro Person kosten. Aber wofür ? Es gibt wieder keine Picknick-Tische, keine Duschen, nur ein paar Dixie-Klos. Das Wasser soll man aus dem Fluss nehmen, was wir ja sowieso schon seit Monaten machen. Dafür erscheint uns selbst der günstige Preis nicht gerechtfertigt. Wir gehen ein Stück weiter bis zum nächsten Campingplatz, der etwas besser ist. Hier gibt es zumindest Wasser aus dem Kran, aber dieses Gelände liegt direkt neben der Hauptstraße. Gefällt uns auch nicht so gut, dann laufen wir mal noch ein bisschen. Anstrengend war der Tag bisher nicht, wir haben noch genug Energie. Unser Weg schlängelt sich direkt neben dem Fluss entlang. Ein Radfahrer kommt uns entgegen und fragt, ob wir einen ganz in schwarz gekleideten Mann gesehen haben. Nein, da steht nur ein Angler mit heller Hose und Gummistiefeln im Fluss. Ein winzig kleines Waldstück zwischen der Straße und dem Clutha River lädt uns zum Bleiben ein. Nicht privat, kein " Camping verboten "-Schild, also erlaubt und umsonst. Es fallen ein paar Tropfen Nieselregen, während wir unseren Tee trinken, aber der erwartete Regen bleibt aus. Wir sitzen noch im Dunkeln draußen, als sich ein Licht auf dem schmalen Weg am Ufer nähert. Wieder ein Radfahrer, der uns fragt, ob wir einen 17-jährigen Burschen am Fluss bemerkt haben. Schwarz gekleidet ? Ja. Der Mann stellt sich vor und erzählt uns, dass er zu einem Suchtrupp von Search & Rescue gehört. Dann wünscht er uns einen erholsamen Schlaf und verschwindet in der Dunkelheit. Hoffentlich werden wir in der Nacht nicht noch öfter von Polizei oder Suchtrupp gestört.

Wir können beide lange Zeit nicht einschlafen. Stundenlang ertönt lautes Geschnatter und Gegacker von Gänsen oder Enten auf dem Fluss. Es ist Nacht - warum schlafen die denn nicht ? Sonst keine weiteren Störungen ..... Ich habe mit Mütze und Handschuhen im Schlafsack gelegen. Morgens ist es bitterkalt. Dichter Nebel liegt wie eine Wolke über dem Fluss. Durch die Feuchtigkeit sind das Zelt und unsere Schlafsäcke nass. Aufstehen und zum Anziehen herausgehen kostet große Ueberwindung. Wenn man erst einmal unterwegs ist, dann geht es. Um 9.30 Uhr kommt die Sonne heraus, da kann man schon die Handschuhe und eine Schicht Kleidung ablegen. Wir laufen den Outlet Track, eine12 Kilometer lange Route, die bis zum Ort Wanaka führt. Dies ist ein sehr schöner Weg, der auf beiden Seiten von interessanten Bäumen gesäumt ist. Besonders beeindruckend sind mächtige Trauerweiden und hohe Eukalyptusbäume. Wir befinden uns hier im Mount Aspiring Nationalpark, der Mount Aspiring mit seinem Skilift zieht aber im Moment noch keine Wintersportler an. Schon gegen 11.00 Uhr kommen wir in Wanaka an. Unser erster Eindruck : tolles Städtchen ! Zunächst besorgen wir uns Frühstück im Supermarkt und einen " Coffee to go " , mit dem wir uns auf einer Bank in der Sonne stärken. Wir stöbern in einem Outdoor-Laden und erfahren dort, dass die Temperatur morgens früh bei nur 2 Grad lag. Brrrr - das haben wir gemerkt. Dann geht es in die öffentliche Bücherei, um unseren Internet-Kram zu erledigen. So langsam müssen wir uns um einen Platz kümmern, wo wir die Walkabout an Land stellen und dran arbeiten können. Am Nachmittag beziehen wir ein nettes Zimmer im Base-Backpackers, erstaunlich hoher Standard und super sauber. Die Wäsche wird diesmal nur im Handwaschbecken erledigt. Thomas macht den Proviant-Einkauf für die nächste Etappe und bringt seinen Stock zur Reparatur. Morgen früh kann er den wieder abholen, dann geht es direkt weiter bis Queenstown. Es sind nur noch 420 Kilometer bis nach Bluff. Wir schätzen, dass wir so ungefähr in 3 Wochen fertig sind mit dem Te Araroa.



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23.03.2016

Methven bis Twizel 14.03. - 24.03.2016

Aufstehen am Montag um 4.45 Uhr, damit wir pünktlich an der Haltestelle sind. Es ist noch stockdunkle Nacht, Tausende von Sterne sind am Himmel zu sehen. Und dann fahren wir 1,5 Stunden mit dem Schulbus in die Pampa. Die Straße wird immer schmaler, bald gibt es nur noch eine Schotterpiste. Rechts von uns liegt das Fluss-Delta des Rakaia River, den wir mit unserem Abstecher nach Methvin umfahren haben. Der Rakaia River ist ausdrücklich nicht Teil des Te Araroa. Der Trail endet auf der einen Seite, am anderen Ufer geht es weiter, die Kilometer dazwischen werden nicht mitgezählt. Der Te Araroa Trust macht es sich ganz einfach, der Rakaia River wurde zur Hazard Zone erklärt. Das bedeutet also im Klartext : " Seht selber zu, wie ihr hier 'rüberkommt. Wenn etwas passiert, dann übernehmen wir keine Verantwortung." Von einer Durchquerung wird dringend abgeraten, denn dieser Fluss hat viele Einzelströme, die stellenweise zu tief zum Fjorden sind. Einige Hiker gehen natürlich trotzdem auf eigene Faust hindurch. Wir nicht, wir sind ja schon etwas reifer und vorsichtiger als die nur halb so alten Jungens. Deswegen Methvin und der Schulbus mitten in der Nacht .... Links von uns ragt eine schroffe Felswand in die Höhe. Die Straße ist so eng, dass zwei Autos nicht aneinander vorbei passen. Was für eine einsame Gegend ! Bis um 7.30 Uhr hat unser Bus erst ein Kind eingesammelt. Wir werden genau am Trailhead abgesetzt und stehen gerade rechtzeitig am Waldrand, um einen sehenswerten Sonnenaufgang über der Pampa zu fotografieren. Dann beginnen wir den Clent Hills Track. Zunächst steigen wir 700 Höhenmeter auf zum Turtons Saddle. Nur ein kleines Stück weiter steht ein weißes Toiletten-Häuschen mitten in der Landschaft, ein kurioser Anblick. Dahinter in einer Senke steht die A-Frame Hut, eine sehr schöne Hütte für 3 Personen. Dort gibt es sogar zwei Gartenstühle, die wir uns nach draußen stellen, um unser Frühstück in der Morgensonne einzunehmen. Eine mittelalterliche Wandersfrau kommt vorbei und quatscht uns ununterbrochen voll. Sie hört einfach nicht mehr auf zu reden ..... und als ihr dann wohl gar nichts mehr einfällt, da fragt sie uns, was wir denn von der aktuellen Flüchtlings-Situation in Deutschland halten. Oh Mann ! Nichts wie weg .... Nur zwei Stunden später erreichen wir die Comyns Hut, eigentlich stehen dort sogar zwei Hütten nebeneinander. Die ältere von 1890 ist ziemlich zerfallen, wurde aber einfach stehen gelassen, als die " neue " Hütte 1957 erbaut wurde. In der Comyns Hut wohnen anscheinend zwei Männer, die aber gerade nicht zu Hause sind. Nach einer kurzen Pause machen wir uns wieder auf den Weg, der heute kaum markiert und schwierig ist. Wir folgen dem Turtons Stream und dem Round Hill Creek. Immer wieder müssen beide Flüsse durchquert werden. Es geht -zig Male hin und her, hinein ins eiskalte Wasser und wieder auf die andere Seite. Zur Abwechslung laufen wir parallel zum Ufer über Geröll, aber die meiste Zeit des Tages bleiben wir mehr oder weniger im Fluss. Am Nachmittag entfernen wir uns endlich vom Wasser und hoffen, dass die Schuhe trocknen können. Nun lernen wir eine neue Schikane kennen : Stechginster, Tussock, lange Halme von Irgendwas versperren uns den Weg. Da müssen wir durch. Ich bin nicht gerade begeistert. Wegen der Fluss-Passagen habe ich Shorts an, und diese Stachelpflanzen zerkratzen mir beide Beine. Die Landschaft wirkt auf mich ziemlich öde. Um uns herum sind zwar hohe Berge, aber die Farben erscheinen eher gedeckt in Grau- und Brauntönen. Wir haben heute noch keine Bäume gesehen.  So langsam nervt mich alles. Der Rucksack mit dem 8-Tage-Proviant macht mich fertig. Um 17.30 Uhr bin ich nur noch müde und nicht mehr zu gebrauchen. Eigentlich hatten wir uns die Double Hut als Ziel vorgenommen, aber davon lassen wir ab. Das schaffen wir heute nicht mehr zu einer anständigen Zeit. Wir wissen nicht genau, wo wir sind, weil wir kein GPS haben. Ist aber eigentlich auch egal. Bei der erstbesten geeigneten Stelle kurz vor dem Clent Hills Saddle bauen wir das Zelt auf und gehen noch bei Tageslicht schlafen. 


Haben insgesamt 12 Stunden gelegen - das war wohl nötig. In der Nacht hat es leicht geregnet. Anziehen und Packen ist etwas umständlich. In unserem Zelt kann sich nur eine Person bewegen, der Rest muss draußen stattfinden. Die Wiese und Sträucher ringsum sind total nass, da bleiben Schuhe und Strümpfe auch nicht lange trocken. Es ist kalt hier oben, wir befinden uns kurz vor dem Clent Hills Saddle mit 1480 Metern Höhe. Wir starten mit Regenhose über der langen Kleidung, Mütze auf dem Kopf und Socken über den Händen. Zunächst einmal ein Aufstieg bis auf den Sattel, dabei wird uns bereits warm. Der Pfad ist genau so schlimm wie gestern. Brusthohe Gräser, so dicht, dass man keine Spur am Boden sehen kann. Das ist das " spear grass " - in der Uebersetzung " Gemeines Straßengras ". Der Erdboden ist durchsiebt mit Löchern und Rinnen der vielen Gebirgsbäche. Hier gibt es übrigens viele Kaninchen. Man muss ganz höllisch aufpassen, dass man sich nicht die Knochen bricht. Meine Laune wird immer schlechter, denn ich hatte mir diese Etappe einfacher vorgestellt. Selbst an der Landschaft kann ich mich nicht erfreuen. Braune Berge, graues Geröll und grün-gelbe, trockene Pflanzen. Alles, was piekt und sticht, scheint auf unserem Weg zu wachsen. Ständig müssen wir uns durch dieses Stachel-Gestrüpp zwängen, heute zum Glück mit langer Hose. Einmal stolpere ich über einen Steinbrocken, den ich im hohen Tussock-Gras nicht gesehen habe. Autsch ! Es ziept im Knöchel, geht aber gleich wieder besser. Kurz darauf strauchele ich in ein Loch und knicke um. Das ist ebenfalls einen kleinen Moment schmerzhaft, aber offensichtlich ohne Folgeschäden. Unsere Bänder und Sehnen sind inzwischen wahrscheinlich so dehnbar wie Gummiband. Dann erwische ich eine ganz blöde Stelle, trete auf weiches Moos, aber der Untergrund gibt nach. Ehe ich kapiere, was gerade passiert, liege ich schon auf dem Rücken in einem sumpfigen Loch. Bis zum Knie steckt mein linkes Bein in einem Teich. Der Matsch läuft in den Schuh hinein. Ich komme alleine nicht mehr hoch, weil mich der schwere Rucksack nach unten zieht. Kann noch nicht einmal die Gurte vom Rucksack lösen, um mich zu befreien, weil meine Liege-Position so ungünstig ist. Aber mein Retter naht ! Habe ich schon erwähnt, dass ich den Clent Hills Track so richtig sch..... finde ? Jetzt erst recht ! Meine gerade sauber angezogene Hose ist matschig bis über's Knie, ein Schuh und die linke Socke triefen vom Schlamm. Aber sonst ist nichts passiert außer einem kleinen Kratzer auf der Nase. Ich bin weich gefallen und habe mir nicht wehgetan. Gegen 11.00 Uhr fängt es an zu nieseln. Wir besitzen kein Regen-Cover, deswegen ziehen wir unsere Regenponchos über, um die Rucksäcke zu schützen. Als Nächstes müssen zwei Flüsse passiert werden. Dann geht es bergauf über den Mellish Saddle, der ist nicht weiter schwierig. Von da aus laufen wir wieder durch stacheligen Gorse Bush und Tussock-Gras, Löcher und Hindernisse, wohin man tritt. Wir kommen am Abzweiger zur Double Hut vorbei, aber die lassen wir absichtlich links liegen. Diese Hütte bedeutet 1 Kilometer Umweg auf dem Hinweg, dann noch 1 Extra-Kilometer zurück zum Trail. Nein danke, unser Weg ist so schon lang genug. In diesem holperigen Gelände brauchen wir fast 5 Stunden bis zur Manuka Hut, viel länger als erwartet. Es wird höchste Zeit für eine ausgiebige Pause, weil wir heute früh in der nassen Umgebung auch nicht richtig gefrühstückt haben. Endlich gibt es Kaffee - leider ist der nicht besonders lecker, weil das Wasser aus dem Bach vor der Tür sehr erdig schmeckt. Die Manuka Hut ist ein Schuppen mit Wellblech-Dach und nacktem Beton-Fußboden. Die Holztür hat zentimeterdicke Spalten, auch durch die zwei kleinen Fenster zieht es ganz ordentlich. Der Wind hat zugenommen, und es regnet jetzt richtig feste. Um 15.00 Uhrbeschließen wir, die Nacht hier zu verbringen, weil wir keine weitere Schutzhütte mehr in erreichbarer Nähe haben. Noch 32 Kilometer liegen vor uns bis zur Durchquerung des Rangitata River, vorher können wir nur zelten. Und wenn es lange so weiter regnet, dann müssen wir eventuell noch einen weiteren Tag abwarten, bis der Wasserspiegel sinkt. Mit Daunenjacke und Mütze bekleidet sitzen wir an einem wackeligen Tisch, bis endlich ein wärmendes Feuer im Kamin lodert. Im Register lesen wir, dass im dritten Strom vor der Hütte, der am weitesten entfernt liegt, das Wasser besser schmeckt. Stimmt - etwas weiterer Weg, aber sehr guter Tipp ! Und wir finden einen Eintrag von Faustine, einer Französin mit einer Körpergröße von ca. 1,50 Meter : " Dieser Track ist ein Verbrechen gegen kleine Leute." Die Aermste - wir sehen sie förmlich in dem mannshohen Stachelgras verschwinden. 

Wir haben schon wieder 12 Stunden lang sehr gut geschlafen. Während der Nacht hat sich ein richtiger Herbst-Sturm entwickelt. Regen ohne Unterlass, aber morgens nieselt es nur noch leicht. Beim Aufstehen ist es sehr frisch in unserer Hütte, aber Thomas kann das Feuer im Kamin wieder zum Leben erwecken. Ein Blick aus der Tür nach draußen lässt uns staunen : Neuschnee auf den Bergen, über die wir erst gestern gekommen sind. Die vorletzte Nacht haben wir auf 1400 Meter Höhe gezeltet, da hätten wir morgens früh im Schnee gestanden. Wie gut, dass wir in unserer Schutzhütte geblieben sind ! Und wir waren schon wieder alleine dort, besser geht es nicht. Regenhose, Jacke, Mütze, 2 Paar dicke Socken über die Füße, 1 Paar Socken über die Hände gezogen - dick verpackt laufen wir los. Nach etwa 10 Minuten sind Schuhe und Strümpfe bereits nass vom Gras. Wir haben Mühe, richtig warm zu werden. Ein kleiner Anstieg auf den Emily Hill bringt uns auf die richtige Temperatur. Es geht über den Sattel und an der Südflanke entlang durch Tussock und Stachelzeug. Danach wird der Weg einfacher und führt abwärts bis zum Lake Emily. Der See ist klein und unscheinbar, aber Dutzende von schwarzen Schwänen scheinen ihn zu mögen. Wir kommen an der Castleridge Station vorbei, einer riesigen Schaf-Farm. Hier verlässt der Te Araroa den Hakatere Conservation Park und verläuft an den Maori Lakes entlang. Diese Seen liegen idyllisch von Schilfgras eingerahmt und sind ebenfalls von schwarzen Schwänen besiedelt. Wir marschieren über einen Forstweg, der bald in eine Schotterstraße übergeht. Nach dem Passieren der Buicks Bridge beginnt der Clearwater Track, leichtes Laufen über ebene Felder mit Stoppelgras. Die Richtung ist einfach zu finden, wir müssen nur auf die Lücke zwischen Mount Guy und Dogs Hill zuhalten. Ausnahmsweise verläuft unser Trail weder über den einen noch über den anderen Berg, sondern durch das Tal zwischen den beiden Hügeln. Für uns, die wir ja kein GPS besitzen, hat Jemand mit Kieselsteinen eine " 2300 " auf der Wiese gelegt. Schon wieder 100 Kilometer weiter, durch die längeren Etappen scheinen die Distanzen bis zum Ende rasend schnell weniger zu werden. Links von uns liegt der Lake Clearwater, nach dem dieser Track benannt ist. Im Süden sind schneebedeckte Gipfel zu sehen. Der Tag bleibt grau, die Wolken hängen tief. Wir machen nur zwei klitzekleine Pausen, in denen uns sofort kalt wird. Die Füße stecken seit dem Start am frühen Morgen in nassen Schuhen und Socken, eisig trotz schnellen Laufens. Dafür kommen wir sehr gut voran. Irgendwann wundern wir uns darüber, dass wir schon wieder kräftig aufsteigen. Das war aus unseren Informationen nicht ersichtlich. Trotzdem folgen wir brav weiter den orangenen Markierungsstangen, immer höher hinauf bis zu einem DOC-Schild. Hier stellen wir beim Abgleich mit unserer Karte fest, dass wir meilenweit vom Trail entfernt sind. Statt dem Te Araroa weiter ins Tal zu folgen, was sicher weniger anstrengend gewesen wäre, haben wir einen zusätzlichen Berg bestiegen und eine Extra-Runde gedreht. Es ist bereits 17.15 Uhr, zum Umkehren ist es zu spät, der Rückweg wäre weiter als nach vorne zu gehen. Egal, wir laufen dann jetzt einfach auf dem Mystery Lake Track, der sich später wieder mit dem Te Araroa vereinigt. Es sind ja nur 9,5 Kilometer bis zu unserem Ziel, das Schild gibt hierfür eine Laufzeit von 4 Stunden an. Hört sich nicht nach einer einfachen Nummer an. Wir stolpern durch nasses Gras und Sumpfgebiet um den Mystery Lake herum. Bei schönem Wetter wäre dieser Weg vielleicht ganz nett, aber an so einem Schietwetter-Tag ist das nicht so toll und noch dazu richtig überflüssig. Aber wir finden unseren Trail trotz Nebel und Niesel wieder. Es wird immer später und kälter, der Wind weht uns kräftig um die Ohren. Wir suchen nach einem Zeltplatz, flache Wiesenstücke gibt es genug, sind aber für uns völlig unbrauchbar. Hier weiden freilaufende Kühe, und anscheinend ist jeder Quadratmeter Fläche von Kuhfladen verunreinigt.Um 20.00 Uhr kommen wir endlich am Potts River an, wo wir morgen zur Durchquerung des Rangitata River starten werden. Schnell machen wir noch einen Pott Tee, dazu gibt es nur kaltes Abendessen. Wir sind nach 32 Kilometern plus Extra-Runde total kaputt.

Letzte Nacht sind wir drei Mal durch fürchterliches Possum-Geschrei aufgewacht. Thomas ist schließlich aufgestanden und hat mit Stöckern nach den Unruhestiftern geworfen, die sich frech im Baum über unserem Zelt niedergelassen haben. Morgens dichte Bewölkung, die Berge sind kaum zu erkennen. Beim Kaffee wird uns ein faszinierendes Schauspiel geboten. Eine riesige Schafherde wird von einer Weide gegenüber auf die Straße und weiter auf unsere Wiese getrieben. Hunderte von Schafen stehen dicht vor uns und glotzen uns blöd an. Mehrere Männer und 7 gut ausgebildete Hunde haben lange damit zu tun, die nervösen Tiere in die entgegengesetzte Richtung über die Straße auf eine andere Weide zu treiben. Spannendes Kino - die verstehen ihr Handwerk, besonders die Hüte-Hunde machen ihren Job sehr gut. Zunächst überqueren wir den Potts River auf einer Brücke und biegen von der Straße ab ins Fluss-Delta. Eine Weile müssen wir diesem Fluss folgen bis zur Mündung in den Rangitata River. Vor dem Zusammenschluss dieser beiden Wasserläufe soll die beste Stelle zum Fjorden sein. Gleich der erste Strom soll der Indikator dafür sein, ob ein Durchwaten bei diesen Bedingungen möglich ist. Wenn das Wasser trübe ist, dann kommt noch zu viel von den oberen Gebirgsströmen nach. Der letzte Regen ist 24 Stunden her, unser Fluss ist relativ klar. Also Umziehen und hinein ins kalte Nass. Ruckzuck wird es tiefer - ich kann gerade noch meinen Pullover hochziehen. Das Wasser reicht mir bis zum Bauchnabel, Shorts und die untere Hälfte vom Rucksack sind nass. Thomas versucht es ein paar Meter weiter links. Bei ihm geht das Wasser schon bis zum Brustgurt. Es ist eisig, aber nach ein paar Minuten sind wir sicher am anderen Ufer angelangt. Dieser Seitenarm soll der tiefste Strom sein. Wenn man hier durchkommt, dann sollen auch alle folgenden machbar sein. Also suchen wir uns zuversichtlich den weiteren Weg durch das zerklüftete Fluss-Delta des Rangitata River. Immer wieder durchwaten wir neue Wasserläufe mit erstaunlich starker Strömung. Der Rangitata hat sich mit seinen vielen Verästelungen weit ausgebreitet. Zwischen den Strömen befinden sich bei dem heutigen Wasserstand kleine Inseln aus Kies und Geröll. Nach ca. 3 Stunden haben wir die andere Seite des Flusses erreicht. Geschätzt sind wir bereits 6-7 Kilometer gelaufen, die aber nicht zu unserem Tagewerk zählen, weil Te Araroa ja an einem Ufer endet und am anderen weitergeht. Den Rangitata River mit dem Auto zu umfahren, das hätte einen Umweg von 130 Kilometern bedeutet. So kostet uns das Abenteuer inclusive Trocknen und Tee-Trinken zum Aufwärmen nur einen halben Tag. Es wird noch richtig schön ! Gegen Mittag lichtet sich die Wolkendecke, blauer Himmel lässt sich blicken. Die Sonne kommt heraus, das tut so richtig gut nach den vielen kalten Bädern. Nach unserer Pause müssen wir wieder hinein in die nassen Schuhe und Strümpfe. Wir brauchen noch eine weitere Stunde, um uns unseren Pfad durch Kies und Gestrüpp zum 5 Kilometer entfernten Trailhead zu suchen. Um 14.30 Uhr sind wir endlich wieder auf dem Te Araroa und starten den Two Thumb Track. Ab hier dürfen wir endlich die Kilometer zählen .... und gleich geht es wieder in das nächste Fluss-Delta. Diesmal folgen wir 3 Stunden lang dem Bush Stream, wieder nur quälend langsames Vorankommen. Wie gewohnt laufen wir mit unseren Wanderschuhen durch eiskaltes Wasser. Mal kommt man auf der einen Seite besser vorwärts, dann scheint es auf der anderen Seite leichter zu sein. Und weil es so schön ist .... machen wir einige Querungen zu viel, weil wir einen Abzweiger verpasst haben. Deswegen müssen wir wieder zurück, noch einige Male durch den Bush Stream, dann endlich geht es weg vom Fluss und sehr steil bergauf. Nach einer weiteren Stunde Anstieg erreichen wir unseren Berggipfel. Auf dem Platz vor der Crooked Spur Hut sehen wir eine kleine Zelt-Stadt. Ungefähr ein Dutzend Zelte in gelb, orange, rot und hellblau stehen dort. Das können keine Thru-Hiker sein, die haben leichte Zelte in gedeckten Farben, mit denen man unauffällig in der Landschaft stehen kann. Der Zaun um die Wiese herum ist vollgehängt mit nassen Hosen, Socken und anderem Zeug. Hilfe ! So viele Leute - wir sind erstmal schockiert, aber da müssen wir jetzt durch. In der Crooked Spur Hut wohnen diese Nacht allerdings nur zwei junge Frauen. Es sind Jägerinnen, die über die laute Gruppe draußen ebenso wenig begeistert sind wie wir. Uns machen sie bereitwillig Platz, wir beziehen die Betten auf der einen Seite, die Jägerinnen schlafen auf der anderen Seite. Besonders gesprächig sind die Beiden nicht. Es hätte also schlimmer kommen können. Die Crooked Spur Hut ist alt, spärlich möbliert und aus rohen Baumstämmen zusammengezimmert. Nackter Beton-Fußboden, eine kaputte Scheibe wurde mit Holz zugenagelt, und das Dach hat unzählige Löcher. Macht aber nichts, wir haben die unteren Etagenbetten gewählt, da werden wir sicher nicht nass. Eine der jungen Frauen macht ein Feuer im Kamin, aber das klappt nicht besonders gut. Es qualmt und stinkt und brennt in den Augen. Da werden unsere Klamotten noch tagelang fürchterlich nach Rauch riechen. Unsere Bilanz heute ist etwas frustrierend - den ganzen Tag viel geackert, aber nur 10 Kilometer geschafft, die wir zählen dürfen.


Im Hüttenbuch hat sich die Gruppe mit 15 Personen eingetragen. Zum Glück bleiben wir zum Frühstück mit den beiden Jägerinnen alleine. Die träumen davon, an diesem Wochenende einen kapitalen Ziegenbock zu schießen. Wie die dann so ein Tier von 80 Kilo zerlegen und mitsamt ihren schweren Rucksäcken den Weg hinunter zum Auto transportieren werden, das können wir uns allerdings gar nicht gut vorstellen. Thomas findet eine funktionstüchtige Stirnlampe, die nehmen wir natürlich mit. Zum Aufwärmen gibt es gleich einen satten Aufstieg. Wir wandern in 1,5 Stunden über einen Sattel von 1500 Meter Höhe. Beim Abstieg ärgern wir uns wieder über Tussock, hohes Gras, wohin man sieht. Das bedeutet, wir müssen sehr gut aufpassen, damit wir nicht über die eigenen Füße stolpern. Bin heute wohlweislich in langer Hose und dicken Socken losgelaufen, damit mir die Stachelpflanzen nicht noch mehr die Beine zerkratzen. Trotzdem ist der Weg anstrengend, weil man sich sehr konzentrieren muss. Nach 3,5 Stunden statt der geplanten 5 Stunden, die auf dem DOC-Schild standen, erreichen wir bereits die Stone Hut. Das ist wieder eine der alten Original-Hütten, nicht modernisiert, sondern im ursprünglichen Zustand erhalten. Sehr schlicht, Wellblechdach, aber dafür wunderschön auf einer Lichtung mit Wiese gelegen. Es ist erst Mittag, deswegen machen wir nur kurze Pause und marschieren bald weiter. Wieder geht es durch Tussock-Pflanzen, die hier anscheinend auf jedem Berg wachsen und seit Tagen unser Bild bestimmen. Wie gerne würden wir zur Abwechslung Bäume sehen und durch Wald laufen ! Wir müssen den Packhorse Stream überqueren. Da gehe ich barfuß hindurch, weil ich nicht schon wieder nasse Schuhe haben möchte. Klappt ganz gut, runde Kiesel am Grund und wenig Strömung. Nochmal führt unser Pfad bergauf. Wir kommen über einen weiteren Sattel, dann durch hüfthohes Gras wieder hinunter. Der Sweeps Stream liegt im Weg. Den versuche ich zunächst auf dicken Steinen zu überwinden, aber die Felsbrocken sind sehr glitschig. Auf halben Wege durch den Fluss entscheide ich mich für die weniger gefährliche Variante " einfach Durchlaufen ". Nun sind Schuhe, Strümpfe und meine lange Hose klitschnass. Ein paar Minuten später müssen wir nochmal auf die andere Seite, wir gehen erneut mit voller Montur durch's kalte Wasser. Ja - und das war's dann mit River Crossing für heute. Ich ärgere mich ein bisschen darüber, dass unsere Planungs-Unterlagen so ungenau sind. Hätte ich gewusst, dass wir nur zwei Mal innerhalb von 10 Minuten durch den Fluss waten müssen, dann hätte sich der kurzzeitige Wechsel zu Shorts und Sandalen gelohnt. Sonst ist eigentlich nichts Spannendes passiert, der Tag plätschert so dahin. Einzige Besonderheit : Thomas bewirft mich plötzlich und unerwartet mit einem Schneeball. Zum Glück bleibt es vorerst bei wenig Schnee in den Ecken, wo die Sonne nicht scheint. Schon früh sind wir an der Royal Hut, wo angeblich schon Prinzessin Anne und Prinz Charles als Kinder Urlaub gemacht haben. So richtig königlich sieht es im Inneren nicht aus, sehr einfach und sparsam möbliert, aber für uns ist es absolut ausreichend. Die Hütten-Taktung ist zur Zeit blöd, so dass wir bereits um 16.00 Uhr Feierabend machen. Eigentlich würden wir lieber noch ein paar Stunden weiterlaufen, aber vor uns liegt der Stag Saddle, mit 1925 Metern der höchste Punkt auf dem Te Araroa. Die Entfernung bis zur nächsten Schutzhütte ist mit 6 Stunden angegeben, das schaffen wir heute nicht mehr. Und wir haben überhaupt keine Lust, bei diesen Temperaturen auf halbem Wege in der Höhe zu zelten. Dafür ist unser altes Tarp Tent einfach nicht geeignet. Ja, es lebt immer noch und wird uns jetzt auch bis zum Ende dieses Trails begleiten. Für den CDT und den PCT werden wir uns dann ein neues Zelt in den USA kaufen. Der Wetterbericht ist nur noch schlecht. Es ist schon wieder Regen angesagt, der dort oben wahrscheinlich als Schnee herunterkommen wird. Da bleiben wir lieber in der Royal Hut und machen es uns gemütlich. Aber vorher gibt es noch eine ausgiebige Wasch-Zeremonie im eiskalten Bush Stream. Wir freuen uns schon jetzt riesig auf die nächste warme Dusche in ein paar Tagen. Was im normalen Leben so selbstverständlich ist, hier wird es zum Luxus, den wir sehr zu schätzen wissen. 

Schon früh am Abend läuten wir die Nachtruhe ein, weil wir wieder alleine geblieben sind. Aber an Schlaf ist erstmal nicht zu denken. Es knistert und raschelt überall. Im Hüttenbuch haben wir Einträge von anderen Wanderern gelesen, die von einem " lustigem Nachtleben " erzählen. Deswegen waren wir schon vorgewarnt und haben mit Mäusen, Ratten etc. gerechnet. Thomas ist um die Hütte gegangen und hat alle sichtbaren Löcher und Tunnel mit Steinen zugestopft. Allerdings möchten die Tiere wohl doch zu uns hinein. Wir hören, wie die Steine hin- und hergeschoben werden. Das muss doch etwas Größeres sein, vielleicht Kaninchen oder Wildschweine ? Es hört sich total laut an, weil die Hütte aus Blech ist und das Geröll scheppernde Geräusche verursacht. Und dann kratzt es auch noch an der hölzernen Tür - das wird mir jetzt aber wirklich unheimlich. Ich kann stundenlang nicht einschlafen und werde immer unruhiger. Haben wir vielleicht Vollmond ? Nein, noch nicht, wie ich bei einem Gang nach draußen feststellen kann. Vielleicht eine ungesund ausgerichtete Wasserader, die stört ? Eigentlich glaube ich nicht an solche Dinge, aber diese Hütte hat ein schlechtes Karma. Um 2.30 Uhrschaue ich das letzte Mal auf die Uhr, dann schlafe ich wohl doch endlich ein. Aber nicht lange, denn morgensum 5.30 Uhr geht tatsächlich die Tür knarrend auf. Ein junger Mann poltert herein, nass bis auf die Haut und halb erfroren. Total fertig lässt er seinen Rucksack und seine triefenden Sachen auf den dreckigen Boden fallen und krabbelt nackt in seinen Schlafsack. Kein " Entschuldigung " und kein " Guten Morgen ". Thomas sagt, der Typ sei völlig fertig und neben der Spur gewesen. Er muss die ganze Nacht unterwegs gewesen sein, bei Regen und Sturm über den höchsten Punkt auf dem Te Araroa. Das ist ja so schon eine Schnapsidee, aber zu dem schlimmen Wetter muss er sich auch noch verlaufen haben. Wer weiß, wie viele Stunden der in der Kälte herumgeirrt ist .... Was für ein lebensgefährlicher Wahnsinn ! Wie gut, dass wir gestern Abend kein Feuer gemacht haben. Da es hier im Umkreis keine Bäume gibt und nur sehr wenig Holzvorrat neben dem Kamin lag, habe ich ins Buch geschrieben : " Wir lassen das Holz für Jemanden, der es nötiger braucht. " Und da liegt er nun, der junge Mann .... Was für eine komische Vorahnung - diese Hütte ist mir unheimlich ! Erstmal unterwegs geht es mir trotz wenig Schlaf gleich besser. Es ist schneidend kalt, endlich brauchen wir all unsere Winter-Kleidung und dazu Socken als Handschuhe. Wir haben 5 Kilometer Aufstieg zum Stag Saddle vor uns, zum Teil sehr steil, aber das können wir gut. Wir haben genug Berge auf dem Appalachian Trail überwunden, das Training lässt uns hier die Steigungen leichter nehmen.Um 10.00 Uhr stehen wir auf dem höchsten Punkt des Te Araroa. Aber wir möchten noch höher hinaus. Vom Stag Saddle laufen wir über eine Flanke bis zur nächsten Range, wo die Berge über 2000 Meter hoch sind. Diese Variante ist auf der Te Araroa-Seite als alternative Schönwetter-Route erwähnt. Nun, das Wetter kann sich gerade nicht entscheiden. Sonne, Regen, Wolken-Mix, Regenbogen. Wir genießen unsere Wanderung auf der westlichen Route jedoch sehr. Der Weg ist nicht markiert, ein schmaler Pfad führt von einem Bergkamm zum nächsten. Das muss viel schöner sein als der Weg unten im Tal durch Tussock und Geröll im Flussbett. Links und rechts von uns liegen hohe Berge. Auf einem gegenüberliegenden Hang entdecken wir zwei Ziegen, die den Jägerinnen entkommen sind. Voraus haben wir eine phantastische Aussicht auf unser nächstes Ziel, den Lake Tekapo mit seinem azurblauen Wasser. Von hinten nähern sich dunkle Wolken, das sieht bedrohlich aus. Der Wind hier oben wird schon fast zum Sturm, ist aber für uns nicht so schlimm, weil wir ihn im Rücken haben. Als wir uns umdrehen, da trauen wir unseren Augen kaum. Hinter uns hat es geschneit, eine frische Schneedecke bedeckt die Berggipfel, über die wir gerade eben noch gelaufen sind. Vor uns über dem See bildet sich ein kräftig bunter Regenbogen, kurz darauf erscheint noch ein zweiter Regenbogen gleich daneben. Vom Grat steigen wir immer weiter ab, bis wir uns wieder auf der Ebene von Tussock-Gras befinden. Das hatten wir ja lange nicht, und gefehlt hat es uns auch nicht. Um 13.00 Uhrkommen wir an der Camp Stream Hut an, wo wir eine verdiente Mittagspause machen. Haben heute wir schon viel geleistet, und der Tag ist noch lang. Von der Hütte aus führt unser Weg mehrmals über den Camp Stream, dann einmal über den Coal River, welcher quer zum Trail verläuft. Aus dem Fluss-Tal heraus müssen wir einen supersteilen Berg erklimmen, dann ist es genug mit Klettern. Oben angekommen beginnt der Richmond Track. Wir haben nur noch eine langweilige Ebene vor uns. Auf schmaler Spur geht es über vertrocknete Schafweiden, 14 Kilometer schnelles Laufen. Das ist sowas von öde, dass sich die letzten Kilometer wie Kaugummi in die Länge ziehen. Unterwegs auf freiem Feld zelten wäre nicht besonders schlau, weil der Wind kräftig über das flache Land fegt. Also Zähne zusammenbeißen und weiter .... Wir sind heilfroh, als wir gegen 20.00 Uhrendlich am Ziel ankommen. Der Lilybank Road Car Park liegt direkt am Lake Tekapo, wo wir einen geschützten Platz am Ufer finden. Von hier aus sind es morgen nur noch 15 Kilometer bis nach Tekapo Village, wo wir einen Ruhetag einlegen möchten. Leider müssen wir feststellen, dass wir eine unserer Stirnlampen verloren haben, wahrscheinlich bei unserem Aufbruch in der Dunkelheit bei der Royal Hut. Naja, Thomas hat vorgestern eine Lampe gefunden, nun ist unsere weg. Das gleicht sich dann ja wieder aus. Wir möchten noch Tee zum Feierabend trinken, aber das Gas reicht nicht mehr. Das Wasser wird gerade noch lauwarm, wir werfen trotzdem zwei Teebeutel hinein. Der Zucker ist auch alle, also gibt es kalten Tee mit Süßstoff. Geht alles ! Schon morgen kommen wir in einen kleinen Ort, wo wir Nachschub kaufen können. 

Heute stehen eigentlich nur 15 Kilometer strammes Laufen auf dem Plan. Wir möchten in drei Stunden, also vor der Mittagszeit, in Lake Tekapo Village ankommen, um unseren Ruhetag früh zu beginnen. Mein Rücken fühlt sich heiß und wund an vom Tragen. Es wird Zeit, mal wieder ausgiebig Körperpflege zu betreiben und die Muskeln zu entspannen. Unser Weg führt direkt am Ufer des Lake Tepako entlang. Viel Wind, auf dem See sind richtige Wellen zu erkennen. Lake Tekapo ist mit seinen 90 qm der größte Binnensee der Region Canterbury. Ein malerisches Alpen-Panorama liegt vor uns. Die schroffen Berge hinter dem tiefblauen Wasser bieten uns eine wunderschöne Ansicht, aber auch die wird auf Dauer langweilig. Wandern auf einer Straße zieht sich immer in die Länge, auch wenn die Umgebung sehr reizvoll ist. Und es tut den Füßen gar nicht gut, wie eine neue Blase an Thomas' Ferse mal wieder bestätigt. Durch den Lake Tekapo Regional Park gelangen wir ins Dorf, welches nur ungefähr 400 Einwohner hat. Aber dafür umso mehr Touristen .... Ein riesiges Observatorium steht auf einem Berg. Außerdem ist die altertümliche Kirche " Church of the Good Shepherd " berühmt und ein großer Anziehungspunkt für Gäste aus aller Welt. Für uns bedeutet das allerdings nur, dass wir hier im Ort nicht bleiben können. Ich laufe über eine Stunde durch Lake Tekapo Village und frage in jedem Hostel, Motel, YMCA, im Holiday-Park und in der Touristen-Info nach einem Zimmer. Leider nichts zu machen, alles ist ausgebucht oder aber viel zu teuer für uns. Nur einen Platz zum Zelten könnten wir noch bekommen, aber das entspricht nicht unseren Wünschen. Dafür möchten wir nichts bezahlen, irgendeine Stelle findet sich auch am Wegesrand für umsonst. Also wird es hier und heute noch nichts mit unserem off-day, wir werden einfach weitergehen. Im kleinen Supermarkt versorgen wir uns mit Essen und Trinken. Während wir das an einem Picknick-Tisch verzehren, bricht ein Bügel von meiner Lesebrille ab. Wie praktisch - da kann ich mir nebenan gleich eine neue Brille besorgen. Und wir kaufen uns Handschuhe, die wir in den nächsten Wochen sicherlich noch gut gebrauchen können. Dann marschieren wir weiter, es sind ja nur 67 Kilometer bis zur nächsten Stadt. Es geht wieder nur über Straßen, das heißt, schön einfach und schnell. Wir haben zwei Tage für diese Etappe bis nach Twizel geplant. Zunächst müssen wir 5 nervige Kilometer entlang der viel befahrenen Interstate laufen. Unterwegs machen wir eine unfreiwillige Pause, weil Thomas lange Zeit damit verbringt, unsere Walking-Stöcker wieder zusammen zu bauen. Die Dinger sind dermaßen korrodiert, dass die sich nicht mal eben wieder auf normale Länge einstellen lassen, und einer der Stöcke bleibt trotz aller Bemühungen instabil. Wir sind jetzt auf dem sogenannten Tekapo-Twizel Track, immer stur geradeaus über eine verlassene Schotterstraße. Links von uns stehen Schafe einträchtig zusammen mit frisch geschorenen Alpakas auf einer Weide. Zur rechten Seite tummeln sich noch viel mehr Alpakas mit Jungtieren in voller Fell-Pracht. Wir befinden uns irgendwo im Nirgendwo, die Gegend ist Militärgebiet, wie uns Schilder verkünden. Und dann kommen uns 6 junge Männer in Armeekleidung und Kampfausrüstung entgegen, Gewehre über der Schulter hängend. Es sieht so aus, als machten sie eine Schnitzeljagd, aber es wird wohl eher ein Orientierungslauf gewesen sein. Sie freuen sich offensichtlich über die Abwechslung und sind einem kleinen Plausch nicht abgeneigt. Wir fragen, wie weit sie heute schon marschiert sind und bekommen von den müden Männern zur Antwort : " 15 Kilometer " - Also, 15 Kilometer hatten wir schon um 11.00 Uhr morgens voll. Da wir eigentlich in Lake Tekapo Village bleiben wollten, um unsere weiteren Karten zu drucken, sind wir nun auf dieser Etappe ohne Planungs-Unterlagen. Deswegen sind wir sehr erstaunt, als wir auf dieser Straße ins Nichts plötzlich fast über eine Hütte stolpern. Ein winzig kleines Holzhaus steht da am Straßenrand, man hätte es genau so gut für einen Schaf-Unterstand oder ein Plumpsklo halten können. Aber es ist tatsächlich eine Schutzhütte mit Etagenbett für 2 Personen. Ohne Fenster, also stockfinster im Inneren, aber wir haben ja Taschenlampen. Die Telegraph Hut gehört nicht dem DOC, sondern wird vom örtlichen Wanderverein unterhalten. Der Mackenzie District stellt die Bude den Te Araroa-Hikern zur Verfügung. Ein Schild an der Holztür besagt, dass sie ungefähr von 1916 stammt. Im Inneren ist es angenehm sauber bis auf ein paar Krümel Rattenkot am Boden. Eigentlich ist es um 18.00 Uhrnoch zu früh, um den Tag zu beenden. Aber in Anbetracht des pfeifenden Windes auf freiem Feld und der Regen-Vorhersage beschließen wir, lieber die Nacht mit einem schützenden Dach über dem Kopf zu verbringen. Immerhin haben wir trotz der mehrstündigen Pause in Lake Tekapo Village trotzdem 30 Kilometer Strecke auf dem Weg nach Bluff geschafft. 

Ratten-Alarm ! Kaum dass wir am Abend das Licht ausgemacht hatten, da ging es los. Knistern, Rascheln, Knabbern und kleine Füße, die schnell über den Boden huschen. Wir haben mehrmals mit der Taschenlampe geleuchtet, konnten aber den frechen Nager nicht entdecken. Auf jeden Fall war es eine sehr unruhige Nacht, wir haben beide kaum geschlafen. Einmal ist mir die Ratte sogar über den Schlafsack gelaufen. Da nützen auch Ohropax nichts. Das Tierchen muss wohl durch den Kamin ins Innere gekommen sein, denn Löcher zum Hineinschlüpfen konnten wir nicht entdecken. Trotzdem klingelt unser Wecker früh, denn wir haben uns eine lange Strecke vorgenommen. Belohnt werden wir mit einem blutroten Sonnenaufgang, den wir aus der offenen Tür unserer Hütte heraus beobachten können. Kalt ist es mal wieder .... Westlich vor uns liegen mehrere Bergketten mit schneebedeckten Gipfeln. Rechts von uns ragt der majestätische Mount Cook mit seinen tief heruntergezogenen Gletschern in die Höhe, mit 3724 Metern der hoechste Berg Neuseelands. Nichts los auf unserer Schotterstraße am frühen Morgen, links und rechts weiterhin abgesperrtes Militärgebiet. Nach den ersten 10 Kilometern deutet Viehwirtschaft darauf hin, dass wir uns langsam wieder der Zivilisation nähern. Eine Weide steht voll mit jungen Bullen, die sind pechschwarz und gar nicht scheu. Diese Halbstarken kommen ganz nahe an den Zaun heran und fixieren uns mit ihren dunklen Augen, von Angst keine Spur. Wir laufen immer weiter auf den Lake Pukaki zu, der uns riesig erscheint. Dabei ist dieser See mit seinen 180 qm nur doppelt so groß wie der Lake Tekapo. Das Wasser hier sieht allerdings nicht so einladend aus, sondern ist von hellgrün-grauer Farbe, die eiskalt wirkt. Die Strecke zieht sich immer weiter, Lake Pukaki kommt einfach nicht näher. Irgendwann haben wir es dann doch geschafft und machen eine Pause direkt am Ufer. Thomas hat mehr und mehr Probleme beim Laufen und muss seine Blase verarzten. Von nun an halten wir alle zwei Stunden an, um die Schuhe auszuziehen und die Füße auf Blasen und Scheuerstellen zu untersuchen. Direkt am Lake Pukaki beginnt der Alps 2 Ocean Trail, das ist ein kombinierter Weg für Mountain-Bikes und Wanderer. Der scheint aber bei den Radfahrern nicht besonders beliebt zu sein. Wir treffen in 8 Stunden genau eine Frau mit Mountain-Bike, sonst Niemanden. Hier herrscht absolute Einsamkeit, es sammelt sich wohl alles in den kleinen Touristen-Dörfern. Von unserer Piste aus können wir den Ozzie Rock sehen. Das ist eine seltsame Fels-Formation, die aus zwei großen Steinen besteht. Aus der Ferne wirkt diese Skulptur wie ein Vogel, der auf dem Rücken liegt und seinen Schnabel in die Luft reckt. Etwas weiter entlang des Schotterweges steht ein Hinweis-Schild, welches in Richtung See zu öffentlichen Toiletten weist. Sehr verwunderlich, wo es doch hier fast keine Menschen zu geben scheint. Das gucken wir uns an, und tatsächlich entdecken wir ein junges Paar, welches anscheinend zum Baden im Lake Pukaki unterwegs ist. Wir machen eine Mittags-Rast etwas abseits des Oertchens. Thomas hat mit seinem Handy plötzlich Internet-und Telefonsignal. Das trifft sich gut, da können wir unsere Unterkunft für morgen reservieren. Aber auch das ist mal wieder nicht so einfach, auch die Kleinstadt Twizel scheint ausgebucht zu sein. Nach mehreren Telefongesprächen können wir ein Zimmer im Backpackers ergattern. Mal wieder mit geteiltem Alles, aber immerhin ein richtiges Doppelbett und eine Tür zum Abschließen. Ein eigenes Bad mit privater Toilette wäre ja schon ganz nett .... aber nützt ja nichts. Wir sind reif für einen Tag Pause, dann eben wieder ins Backpackers, kostet auch " nur " 90,- Dollar pro Nacht. Und weiter geht's um den See herum, unsere Strecke wird anscheinend nicht kürzer. Die Pukaki Power Station liegt direkt auf dem Weg, das ist ein enormes Wasser-Kraftwerk. Das Haupt-Gebäude ist in den See gebaut, über der Straße liegen meterdicke Rohre, eine Unterführung für Fahrzeuge und Fußgänger verläuft direkt darunter. Wunder der Technik - wir sind schwer beeindruckt von diesem Bauwerk. Der Alps 2 Ocean Trail verläuft weiter parallel zur Interstate, wo unser Weg über eine schmale Kies-Spur in ein kleines Wäldchen führt. Dort lernen wir Neil kennen, einen Kiwi, der schon viele Jahre in Kanada lebt und jetzt in seiner Heimat Neuseeland den Te Araroa läuft. Neil ist schon im Oktober gestartet und stolzer Besitzer unseres Wunsch-Zeltes. Wir schauen es uns ganz genau von allen Seiten an und sind begeistert von diesem Z-Pack-Zelt für zwei Personen. Genau dieses werden wir uns auf jeden Fall vor Beginn unseres nächsten Trails in den USA bestellen. Eine Stunde später entdecken wir einen Picknick-Tisch am Ufer. Wasser gibt es genug im See, so dass wir hier gleich zweimal nacheinander Tee kochen und Abendbrot essen. Anschließend Zähneputzen und nochmal einen Kilometer weiter bis zum Pines Camp, wo wir die Nacht verbringen möchten. Es ist viel los, richtig voll sieht es von Weitem aus. Kleine Mietwagen mit Zelten daneben, Camper-Vans, Wohnmobile, Motorrad-Fahrer ..... Dies ist ein ganz legaler Campingplatz, zwar ohne Wasser und sonstige Einrichtungen, aber dafür kostenlos. Kein Wunder, dass Pines Camp so beliebt ist bei den Urlaubern, wo man doch sonst selbst für's Zelten ordentlich zur Kasse gebeten wird. Wir suchen uns ein lauschiges Plätzchen im kleinen Kiefernwald, da wir ja kein Auto abstellen müssen. Dort haben wir sogar etwas Platz um uns herum, stehen geschützt unter Bäumen und kriechen sofort ins Zelt. Unsere persönliche Bestleistung : 12 Stunden unterwegs, davon 9 Stunden gelaufen und 42 Kilometer geschafft. Wir sind sehr zufrieden mit unserem Tagewerk.

Unser Tekapo-Twizel Track führt über den Pukaki Staudamm. Immer noch befinden wir uns auf dem langen Alps 2 Ocean Trail, der die beiden Orte verbindet. Heute laufen wir über einen schönen Weg aus Kies durch frische Pinien-Aufforstung. Immer noch kein Regen, obwohl wir jeden Tag damit rechnen. Das gefällt uns richtig gut, der Wetterbericht hat sich anscheinend geirrt. Immerhin 4 Radfahrer kommen uns am frühen Morgen entgegen, das ist mehr, als wir gestern den ganzen Tag über gesehen haben. Ueber den Pukaki Flat Track und durch das Bendrose Reserve gelangen wir nach Twizel. Das ist eine Kleinstadt mit etwa 1000 Einwohnern, nicht besonders spannend. Aber es sind Osterferien, und im Ort ist alles ausgebucht. Nächste Woche findet hier eine Ruder-Veranstaltung statt, zu der werden 8000 Gäste erwartet. Das Verhältnis Einwohner zu Touristen wird dann ähnlich sein wie auf Norderney. Wie gut, dass wir zu der Zeit schon wieder auf dem Trail sind ! Wir beziehen unser Zimmer im Backpackers und sind begeistert. Da wir in der Lodge einquartiert wurden, ist unsere Unterkunft besser als erwartet. Sauber und ordentlich, es werden sogar Handtücher gestellt. Wir haben einen Wasserkocher im Zimmer und einen Mini-Fernseher mit zwei Programmen. Aber die größte Ueberraschung, sozusagen unser Highlight : eine winzige Kammer mit eingebauter Dusche für sehr schmale Leute und eine eigene Toilette. Was wollen wir mehr ? Das war bei der telefonischen Buchung anders gesagt worden, aber wir wollen uns nicht darüber beschweren. Wen kümmert es da schon, dass man für eine Stunde Internet 5,- Dollar bezahlen soll und eine Portion Waschmittel an der Rezeption 2,50 Dollar kosten soll ? Internet gibt es günstiger in der Bücherei oder im Café. Und ich kaufe eine ganze Packung Waschmittel im Supermarkt für 2,15 Dollar. Der Rest wird dann eben verschenkt.

Die Wäsche ist wieder sauber und trocken. Unsere Planung für die letzten 600 Kilometer ist in vollem Gange. Thomas hat einen Stapel bunter Ausdrucke aus dem Copy-Shop mitgebracht. Unsere letzten Karten und Informationen für die zweite Hälfte der Südinsel - ist gar nicht mehr so viel, so langsam ist ein Ende abzusehen. Der Proviant-Einkauf wird nur für eine 5-Tage-Etappe sein, da müssen wir nicht ganz so viel schleppen. Eigentlich wäre ich noch gerne zum Friseur gegangen, aber der nächste freie Termin ist erst morgen um 13.00 Uhr. Da sind wir schon wieder unterwegs. Für den Rest des Tages ist Ausruhen und Essen angesagt, damit wir wieder ein Kilo mehr auf die Rippen bekommen. 

Wegen einer Magenverstimmung haben wir noch einen Tag in der Weltstadt Twizel verlängert. Mussten leider umziehen, weil unser Zimmer nicht länger frei war. Eine Gruppe von 100 Mädchen wird heute erwartet, die werden Gemeinschaftsraum und die Küche belagern. Es könnte laut werden, aber dafür gibt es vom Manager 5,- Dollar Preis-Nachlass. Erneuter vergeblicher Versuch, einen Termin beim Friseur zu ergattern. Absolut nichts zu machen, erst nächste Woche wieder ..... Nun habe ich mir die Haare gerade selber geschnitten ( mit einer Nagelschere ). Geht alles. Meine Salomon-Schuhe, die ich mir erst Anfang Februar in Wellington gekauft habe, gehen schon wieder kaputt. Dabei bin ich erst 750 Kilometer damit gelaufen. Muss ich mir etwa nochmal andere Hiking-Schuhe besorgen ? Zwei volle Ruhetage fühlen sich an wie Wellness-Urlaub. Füße und Knie sind wie neu, es kann gerne weitergehen. Mittlerweile hat sich der Himmel bedrohlich zugezogen. Schwarze Wolken schieben sich heran. Es sieht aus, als sollte es gleich ein heftiges Unwetter geben. Besser heute als morgen .....


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12.03.2016

Arthur's Pass bis Methven 10.03. - 13.03.2016

Schon wieder früh aufstehen .... also, Urlaub kann man das hier nicht nennen. Packen, unser kleines Häuschen putzen, Kaminholz wieder auffüllen, um 9.00 Uhr Schlüssel abgeben .... Frühstück gönnen wir uns ausnahmsweise im Café an der Tankstelle, wo wir unsere Tierärztin wiedersehen. Die ist natürlich nicht alles gelaufen, muss aber nun in Arthur's Pass erstmal ein paar Tage Pause machen. Ein anderer uns bekannter Hiker erzählt, dass er mit dem Bus nach Greymouth fährt, weil er hier im Dorf kein Bett bekommen hat. Trampen zum Trail versuchen wir gar nicht, weil es nieselt und viel zu kalt zum Herumstehen ist. Wir beginnen mit 15 Kilometern entlang der Straße, nur die Hälfte davon dürfen wir zum Te Araroa zählen. Das ist der Klondyke Track, der Rest ist freiwillige Zugabe. Endlich gibt es wieder Landwirtschaft. Auf einer Weide zur linken Seite stehen Hunderte von Schafen. Rechts sehen wir junge Bullen, pechschwarz und kräftig gebaut. Wir staunen über Unkraut am Rande, hier wächst Schafgarbe in ungewöhnlicher Vielfalt. Es gibt weiße Blüten, aber auch rosa und lila Varianten. Nach der Hälfte unserer Straßen-Etappe treffen wir auf Julia, die bis hierhin mitgenommen wurde und nun versucht, per Anhalter zum nächsten Track zu kommen. Wir marschieren einfach, dabei wird man schön warm. Endlich sind die 15 Kilometer geschafft, 3 Stunden hat's gedauert. Als wir auf einen Feldweg Richtung Wald einbiegen, da folgen wir einer beeindruckenden Hecke aus dicht gepflanzten und beschnittenen Fichten, ungefähr 10 Meter hoch. Kurz darauf erreichen wir die Bealey Hut, zu der wir gestern auch beinahe gelaufen wären, wenn wir nicht Omas Häuschen bekommen hätten. Glück gehabt - die Hütte ist nur klein mit 3 Etagenbetten, im Buch haben sich 5 Hiker zum Uebernachten eingetragen. Das wäre eng und doof geworden, die Alternative Zelten im Regen auch nicht viel besser. Von der Bealey Hut an beginnt der Harper River Track, der wieder zahlreiche Fluss-Querungen für uns bereithält. Aber zunächst erleben wir eine Ueberraschung. Sue und Allan kommen uns beim ersten Aufstieg entgegen, die Wiedersehensfreude ist groß. Eigentlich hatten die Beiden für heute eine 50 Kilometer lange Radtour geplant, aber das Wetter war ihnen morgens zu schlecht dafür. Stattdessen gehen sie in die Berge und machen eine mehrstündige Wanderung, einfach so zum Spaß. Nur nochmal zur Erinnerung : 70 Jahre alt. Hut ab ! Wir laufen entlang der Nordflanke des Mount Bruce ( 1630 m.) auf einem einfachen Weg durch Kiefernwald hinauf und hinunter. Mittags klart der Himmel auf, die Sonne kommt heraus. Vor uns liegt ein Ansichtskarten-Panorama. Rechts von uns ist das Tal mit den vielen Flüssen und Strömen zu sehen, durch die wir gestern gekommen sind. Voraus liegen die hohen Berge der Black Ranges, die Gipfel sind schneebedeckt. Auf einem besonders hohen Berg entdecken wir einen Gletscher, der im Sommer nicht weggeschmolzen ist. Jetzt befinden wir uns schon wieder in der Mitte vom Herbst. Das muss der Mount Murchison sein, mit seinen 2400 Metern der höchste Gipfel der Region Arthur's Pass Nationalpark. Wir steigen auf zum Lagoon Saddle, nicht besonders schwierig. Oben auf 1140 Meter Höhe steht die Lagoon Saddle A-Frame Shelter mitten auf einer hellen Lichtung. Das ist eine ganz reizende 2-Personen-Hütte mit Giebeln, die bis zum Boden reichen. Das Spitzdach und weitere Einzelteile sind schön bunt bemalt. Mit ihren rosa und lila Farben wirkt die Lagoon Saddle Shelter wirklich einladend, aber um 15.00 Uhr ist es uns noch zu früh zum Bleiben. Wir folgen weiter dem Harper River, einige Male geht es mit trockenen Schuhen auf Trittsteinen über den Fluss. Eine lange Hängebrücke bringt uns an einer breiteren Stelle sicher auf die andere Seite. Die nächste Hütte ist besonders originell und hat Geschichte. Auf den ersten Blick wirkt sie dunkel und schmutzig, denn die West Harper Hut besitzt keinen Holz-Fußboden. Unten gibt es also nur Erde ( oder Dreck ), ähnlich wie in einem Hühnerstall. Die klapperigen Etagenbetten haben keine Matratzen, sondern durchhängende Mulden aus festem Canvas-Stoff. Das alles wirkt sehr zünftig, ein bisschen wie im Wilden Westen. Erbaut wurde die West Harper Hut im Jahre 1957, die ist also älter als wir. Als Not-Unterkunft oder für umherstreifende Jäger sicherlich ausreichend, aber wir haben ein besseres Ziel. Wir haben zwar schon eine ordentliche Distanz zurückgelegt, aber wir fühlen uns noch gut genug für eine weitere Etappe. Gut in Form und voll motiviert geben wir nochmal richtig Gas. Eine ganz neue Art von Hängebrücke über den Hamilton Creek macht uns so richtig Spaß. Normalerweise vibrieren und schwingen diese Dinger zu beiden Seiten. Diese neue Brücke hat ein festes Brett in der Mitte und wippt beim Laufen auf und nieder. Am Liebsten würde ich noch ein paar Mal hin- und hergehen, aber dafür ist es schon zu spät. Um 20.00 Uhr, eine halbe Stunde vor Anbruch der Dunkelheit, erreichen wir die Hamilton Hut. Das ist eine relativ neue und große Hütte, schick eingerichtet mit Betten für 20 Personen. Ein großzügiger Gemeinschaftsraum mit mehreren Tischen und Holzbänken, zwei getrennte Schlafräume, außen eine geräumige Terrasse. Diese Hütte trägt den Spitznamen " Hamilton Hilton " zu Recht. Aus dem Fenster heraus hat man eine wunderschöne Aussicht über das weite Fluss-Delta. Hier machen wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Kea. Dieser ur-neuseeländische Vogel ist sehr neugierig und bekannt dafür, dass er sich gerne an Schuhen und Ausrüstung zu schaffen macht. Auch dieser Kea kommt mutig auf die Terrasse gehüpft, um an unseren Sachen herumzupicken. Wir sind die einzigen Gäste in der Hamilton Hut, da kann man gar nicht meckern. Ein wundervoller Kamin, aus dicken Fluss-Steinen gemauert, bestimmt den ganzen Raum. Bald knistert ein wärmendes Feuer, und wir genießen bei Kerzenlicht unseren späten Feierabend. Im Register-Buch der Hamilton Hut entdecken wir einen lieben Gruß von Stefan, darüber freuen wir uns natürlich sehr. Wer Interesse an seinem sehr unterhaltsamen Blog hat, mit dem er neuerdings auch einen guten Zweck verfolgt : www.followstef.com 


Wir werden vom Geschrei des Kea geweckt. Ein Blick aus dem Fenster zeigt uns, dass die Wiese vor der Hütte weiss gefroren ist. Eisgrass - sieht sehr schön aus. Schon bald bullert unser Kamin und verbreitet seine angenehme Wärme im Raum. Dann kommt die Sonne heraus und bescheint das tiefe Tal vor der Terrasse. Wunderschöne Morgenstimmung ! Wir haben eine neue Denk-Aufgabe, müssen eine Möglichkeit finden, wie wir am Ende dieses Tages nach Methvin kommen. Für einen größeren Proviant-Einkauf und Waschmaschine brauchen wir 1-2 Tage in der Stadt. Die nächste Nacht könnte kalt werden. Wahrscheinlich müssen wir irgendwo auf dem Weg zum Lake Coleridge zelten. Es gibt da in der Nähe zwar eine Lodge, aber man kommt dort nur mit einer Reservierung unter. Wir haben weder Internet noch Handy-Empfang, also scheidet diese Möglichkeit aus. Kurz nach dem Start geht es gleich los mit zahlreichen Querungen durch Fluss und kleinere Seitenarme. Die sind zwar nicht besonders tief, aber schon bald versuchen wir gar nicht mehr, die Schuhe trocken zu halten. Immer wieder laufen wir über Kies und große Steine durch's Flussbett, kreuz und quer und hin und her. Eine Zahl, aus Kieseln gelegt, lässt Freude aufkommen : 2200 Kilometer sind geschafft ! Wir treffen zwei einheimische Angler, die gerade an einem Strom Frühstückspause machen. Da gehen wir natürlich kurz hin zum Schnacken, so viel Zeit muss sein. Die Beiden sind extra aus Christchurch gekommen, um einen Tag ihres Wochenendes hier am Harper River zu verbringen. Eine Weile verfolgen wir die Spur eines Allrad-Fahrzeuges, aber dann verliert sie sich. Wir müssen unseren Pfad selber suchen, denn Markierungsstangen sind Mangelware. Dabei landen wir so manches Mal in Buschwerk und Dornengestrüpp. Dichte Sträucher mit orangefarbenen Beeren wachsen auf der stoppeligen Wiese, die sehen beinahe aus wie Sanddorn. Die Strecke aus dem Harper River-Tal zieht sich ordentlich in die Länge. Es wird fast langweilig. Schöne Natur, aber nicht besonders spektakulär. Wir haben schon so viele Superlative erlebt, dass wir diesen wenig anstrengenden Teil gar nicht richtig zu schätzen wissen. Ein letztes Mal versperrt uns ein Fluss den Weg. Der Avoca River ist breit und fließt mit einer ordentlichen Strömung dahin. Den durchqueren wir lieber zu zweit, eingehakt auf neuseeländische Art. Dahinter endet der Harper River Track. Te Araroa verläuft lange Zeit am Rande eines elektrischen Zaunes entlang. Man kann nicht erahnen, wofür dieser neue und sehr stabile Zaun durch die Landschaft gezogen wurde. Wer oder was soll hier ein- oder ausgesperrt werden ? Wir haben noch viele Kilometer langweiliges Wandern auf einer Schotterstraße vor uns. In Harper Village stärken wir uns an einem Picknick-Tisch vor einem privaten Haus. Niemanden stört es, die Menschen grüßen uns einfach nur freundlich. Telefonieren klappt immer noch nicht. Haben kein Handy-Signal, deswegen können wir auch kein Bett im Hostel organisieren. Also laufen wir dann mal weiter, immer schön die Harper Road entlang Richtung Lake Coleridge. Von hinten nähert sich ein Auto und stoppt neben uns. Im Wagen sitzen unsere beiden Angler, denen wir morgens von unseren Plänen erzählt haben. Sie möchten uns bis nach Methven mitnehmen, ein kleiner Ort, der knapp 50 Kilometer abseits vom Trail liegt. Das Angebot passt uns sehr gut ! So können wir doch den Anruf in der Lodge vergessen und müssen auch nicht unterwegs im Zelt schlafen. Zwischen uns auf der Rückbank steht eine Kühlbox mit Bier, aus der wir uns bedienen dürfen. Wir üben uns in Bescheidenheit und teilen uns eine kleine Flasche. Dann schauen wir uns die Landschaft aus der Autofahrer-Perspektive an. Mehrere kleine Seen glitzern blau-grün links von der Straße, auf der rechten Seite liegt der große Lake Coleridge. Wir fahren an riesigen Gehegen mit Damwild vorbei, Männlein und Weiblein fein säuberlich durch hohe Zäune voneinander getrennt. Irgendwann stellt Thomas fest, dass wir völlig verkehrt sind. Unser Fahrer kennt sich anscheinend doch nicht so gut aus in der Gegend. Nach einer Stunde Fahrt zeigt ein Schild genau dieselbe Entfernung an wie bei unserem ersten Abzweiger. Es sind immer noch 42 Kilometer bis nach Methvin, wir haben eine große Ehrenrunde gedreht. Die Männer sind ziemlich cool und nehmen es locker. Um 17.30 Uhr setzen sie uns endlich am Ortseingang ab. Wir finden auf Anhieb eine preiswerte Unterkunft auf einem etwas abseits gelegenen Campingplatz. Nicht besonders schick, aber ruhig ist es hier und irgendwie ganz urig. Ein sehr netter Betreiber erkennt uns als Te Araroa-Hiker - an der Hautfarbe, nicht am Geruch, wie er sagt. Wir bekommen ein " Cabin " für 70,- Euro die Nacht, einfach möbliert, aber völlig ausreichend. Dort können wir sogar auf einer Elektro-Platte kochen und einen Heizlüfter anstellen. Wunderbar ! Was will man mehr ?

Beim Aufstehen zeigt das Thermometer in unserer kleinen Holzbude 14 Grad, und das, obwohl bis nachts um 2.00 Uhr der Heizlüfter gearbeitet hat. Gestern spät abends zum Duschen über den Campingplatz oder nachts mal zur Toilette laufen - nicht besonders attraktiv. Es geht stramm auf Ende Herbst zu. Wie sich das wohl demnächst im Zelt anfühlt ? Methven ist ein Ski-Ort, zur Zeit noch ohne Schnee und Touristen. Wir haben einige bekannte Hiker getroffen, die alle diesen Umweg gemacht haben, um irgendwie an Futter für die nächste Etappe zu kommen. Te Araroa ist und bleibt eine logistische Herausforderung. Auch wir haben Proviant für 8 Tage eingekauft. Die Wäsche ist wieder sauber, Planung und Internet-Kram sind erledigt. Für Montag früh um 6.00 Uhr sind zwei Plätze im Schulbus reserviert, der uns bis zum Startpunkt des nächsten Trail mitnimmt. Das bedeutet, wir müssen quasi mitten in der Nacht aufstehen, um pünktlich an der Haltestelle zu stehen. Lieber würden wir nochmal unser weiches Bett genießen, aber der Schulbus ist die zuverlässigste und mit 20 Dollar pro Person auch eine kostengünstige Art, um aus diesem Dorf wieder weg zu kommen. Vom Lake Coleridge aus wandern wir in 8-10 Tagen zum Lake Tekapo. Hoffentlich werden wir nicht wieder vom Wetter ausgebremst und müssen in einer vollen Hütte abwarten. Es gibt auf dieser Strecke weiterhin unzählige Fluss-Ueberquerungen. Der Wetterbericht ist schlecht, viel Regen in Sicht. Nasse Füße von oben und unten, aber wir halten durch bis zum Ende.


 

10.03.2016

Locke Stream Hut bis Arthur's Pass 09.03. - 10.03.2016

Der Eintrag zum Deception-Mingha Track folgt später, da wir gerade nur einen kurzen Schlechtwetter-Stopp in Arthur's Pass machen. Nur soviel vorweg : Es war eine absolut einmalige Tour in grandioser Natur. Das Besondere daran : Wir haben diesen Track von zwei Seiten kennengelernt. Am ersten Tag herrschte sonniges Bilderbuch-Wetter, am zweiten Tag heftiger Regen und Sturm in der Höhe. Uns geht es gut, wir schlafen heute warm und trocken. 


Um 6.00 Uhr früh klingeln gleich mehrere Wecker. Alle Hiker, die Richtung Süden unterwegs sind, möchten die schlimmsten Fluss-Querungen hinter sich bringen, bevor neuer Regen den Wasserstand wieder ansteigen lässt. Wir starten zusammen mit Sue und Allan, die uns eine kostenlose Unterrichtsstunde im River-Crossing geben. Gleich beim ersten Strom wird Thomas von Allan fest untergehakt und in hüfttiefes Wasser gezogen. Der Fluss fließt schnell und kräftig, doch Allan zeigt, wo der Schwächere stehen muss und wie man es im Gleichschritt sicher auf die andere Seite schafft. Er rempelt Thomas zu Demonstrationszwecken sogar an, so dass dieser kurz ins Schwanken kommt. Aber dank dieser Kiwi-Technik, hinter dem Rücken am Hüftgurt des Rucksacks fest mit dem Partner verschränkt, hat man einen viel sichereren Stand. Wir passen gut auf und lernen unsere Lektion von diesem erfahrenen Einheimischen. Immerhin ist Allan seit seinem 15. Lebensjahr, also seit 55 Jahren, Mitglied im Wanderclub. Er kennt die Berge und Flüsse Neuseelands wie seine Westentasche. Eine Ueberquerung vom Taramakau River machen wir sogar als Vierer-Kette, in einer Reihe fest miteinander verbunden. So gibt Jeder dem Anderen Halt, und wir kommen problemlos durch den bauchtiefen Fluss mit seiner starken Strömung. Dann verabschieden wir uns herzlich voneinander, und jeder sollte eigentlich seiner Wege gehen. Aber wir werden die Beiden nicht los ( oder die uns nicht ). Meine Güte, was sind die schnell ! Da können wir kaum mithalten. Immer wieder treffen wir aufeinander, auch wenn wir versuchen, nicht zusammen zu gehen. Unglaublich fit und gelenkig, die nehmen wir uns gerne zum Vorbild. Wenn wir das mit 70 auch noch können, dann ist alles gut. Nach 1,5 Stunden erreichen wir den Abzweiger zur Kiwi Hut. Der Weg ist nun nicht mehr markiert, zu beiden Seiten wachsen stachelige Büsche und Disteln. Eine ganze Weile müssen wir uns unseren Pfad selber suchen. Irgendwann befinden wir uns mitten in einem Labyrinth aus Gorse Bush ( Stechginster ). War die kurze Hose beim Fjorden doch absolut notwendig, jetzt bereue ich es gerade sehr, mit nackten Beinen in dem dornigen Gestrüpp zu laufen. Endlich sind wir durch diesen Irrgarten durch, aber Allan und Sue sind uns schon wieder voraus. Die haben anscheinend einen besseren Weg gewählt. Wir laufen 5 Stunden ohne Pause durch. Bloß nicht schwächeln, wir sind schließlich fast 20 Jahre jünger. Ein letzter breiter Fluss muss durchquert werden, der Otira River macht keine Probleme. Hier endet der Harper Pass Track und das Taramakau Valley, was wir so richtig bedauern. Spektakuläre Natur, hohe Berggipfel rundherum, ein Fluss hinter dem anderen .... langweilig war das hier ganz bestimmt nicht. Auf einem Wander-Parkplatz zwischen Trail und Straße haben Allan und Sue ihren umgebauten Bus stehen, mit dem sie ihre Ausflüge unternehmen. Wir werden noch zu Kaffee und Keksen eingeladen, tauschen Adressen aus und versprechen, uns nächstes Jahr wieder zu treffen. Nach unserer Rast haben wir etwa eine Stunde auf der Straße bis zum Beginn des nächsten Tracks. Allan wollte uns fahren, aber " nein, danke " - wir laufen ALLES. Neben der Straße weiden Kühe, viele niedliche Kälber stehen zwischen den Muttertieren. Es ist wieder diese seltsame Rasse, schwarz mit breitem weissen Streifen am Bauch. Brombeersträucher mit dicken dunklen Früchten stehen am Rand und warten nur darauf, gepflückt zu werden. Die sind sowas von reif und lecker, dass wir nur langsam vorankommen. Dann führt unser Weg über die Morrison Footbridge ins Deception Valley, nach dem alles beherrschenden Deception River benannt. Und hier geht dieser wunderbare Tag noch besser weiter. Das Wetter ist sonnig und warm, die Farben um uns herum unglaublich schön. Nasse Schuhe haben wir schon seit dem frühen Morgen, und das wird auch bis zum Feierabend so bleiben. Wir steigen durch eine Schlucht im Flussbett des Deception River immer höher und höher. Dieser Track ist mal wieder ein sehr anspruchsvoller Teil des Te Araroa. Ich weiß nicht, wie oft wir heute durch Flüsse, Seitenarme, kleinere Ströme und Bäche gewatet sind. 50 Mal ist wahrscheinlich zu wenig, 100 Mal ist sicherlich übertrieben. Wir klettern und kraxeln über große und kleine Steine. Wenn es am Rande nicht weitergeht, dann muss man durch den Fluss weiter nach oben. Beeindruckender kann man die Kraft des Wassers nicht erleben. Wir sehen eine seltene Blue Duck, die auf einem Wasserstrudel schwimmt und nicht von der Stelle kommt. Auf der linken Seite der Schlucht stürzen sich Wasserfälle von den Bergen in die Tiefe. Wir genießen jeden Moment dieser Tour und können uns nicht sattsehen. So ganz nebenbei legen wir trotz des schwierigen Geländes eine ordentliche Distanz zurück. Um 19.30 Uhr erreichen wir die Upper Deception Hut, das hätten wir morgens noch nicht zu hoffen gewagt. Die Hütte ist alt und schäbig, aber wir sind alleine. Wir können noch die nassen Fußabdrücke der Vierer-Gruppe auf dem Boden sehen. Die waren laut Eintrag im Buch eine halbe Stunde vor uns da und sind noch weitergezogen. Wie schön, wir machen es uns so angenehm, wie es geht. Nach der turbulenten Geselligkeit der vergangenen zwei Tage in der Hütte können wir diese Zweisamkeit nun richtig genießen.  Kerzen an, Teetrinken, warmes Essen und mit langer Unterwäsche ab in den Schlafsack. Was für ein grandioser Tag ! 

Morgens ist es stockfinster und bitterkalt in unserer hochgelegenen Hütte. Man kann unsere Atemwolken sehen. Kerzenlicht macht die Atmosphäre doch gleich viel schöner. Im Schlafsack sitzend und mit Daunenjacke bekleidet gibt es den ersten Kaffee. Nach der zweiten Tasse ist der Kaffee alle. Wir müssen mal wieder einkaufen .... aber als Erstes müssen wir uns überwinden und nach draußen gehen. Lange Hose ist kein Thema, denn das River-Crossing geht gleich weiter. Schon nach ein paar Minuten müssen wir ins eisige Wasser steigen, immer wieder geht es knietief hindurch. Zur Abwechslung klettern wir über dicke Steine, stapfen durch loses Geröll am Ufer oder suchen uns einen Pfad in viel zu kurzen Wald-Abschnitten. über steile Abhänge rutschen wir einfach auf dem Hosenboden hinunter. Das ist sicherer, und es ist sowieso alles nass und dreckig. Es nieselt, wir frieren. Eigentlich ist es kein Problem, sich morgens warm zu laufen. Aber der Deception-Mingha Track ist so schwierig, dass wir einfach zu langsam sind, um richtig auf Temperatur zu kommen. Die Glieder sind ganz steif von der Kälte. Habe das Gefühl, mir frieren bald die Hände ab. Handschuhe müssen her ! Inzwischen hat der Wind tüchtig zugelegt und bläst uns fast von den Füßen. Es regnet jetzt heftig. Wir sind schon um 9.00 Uhr durchnässt bis auf die Unterhose. Was gestern bei Sonnenschein so wunderschön war - das ist bei diesem Unwetter nur eklig. Das schlechteste Wetter der Welt soll es auf dem Mount Washington geben, das haben wir 2012 auf dem Appalachian Trail hautnah erlebt. Aber hier und heute erleben wir gerade den zweitschlimmsten Tag.
 Nach 2 Stunden Kampf gegen Sturm und Kälte erreichen wir die Goat Pass Hut. Hier erschrecken wir eine Frau, als wir triefend in den Raum treten. In der Hütte ist es a....kalt - die liegt nämlich noch 200 Meter höher als die Upper Deception Hut. Die sind dort zu zweit, dick angezogen mit Jacke, Handschuhen und Mütze. Wollen auf Wetter-Besserung warten und dann die 2 Kilometer nach Norden bis zu unserer letzten Hütte wagen. Wir halten uns nicht lange auf, denn wir möchten nur nach unten ins Tal. Die nassen Sachen ausziehen, abtrocknen, umziehen, Pause machen und dann wieder in die nassen Klamotten steigen ..... Das scheint uns nicht besonders attraktiv zu sein. Es regnet immer noch weiter, wir haben Angst, dass wir die letzten Fluss-Querungen nicht mehr schaffen. Endlich haben wir den höchsten Punkt erreicht, wo der Wind uns ins Gesicht peitscht. Inzwischen habe ich ganz taube Beine und Füße von Regen und Sturm und kaltem Fluss-Wasser. Der Weg über den Goat Pass ist mit Bretterstegen ausgestattet, weil es darunter sumpfig ist. Das ist schön bequem, so können wir schneller laufen. Allerdings haben wir unsere Mühe damit, uns in den Böen auf den Brettern zu halten. Hinter dem Pass wird es etwas besser. Auf der linken Seite der Schlucht stürzen sich die Kennedy Falls tief hinunter ins Tal, auch bei diesem Wetter ein beeindruckender Anblick. Dann entfernen wir uns endlich vom Fluss und dürfen windgeschützt in einem kleinen Waldstück wandern. Eine schwierige Schlucht gilt es noch zu umgehen, indem wir über Dudley's Knob klettern. Das letzte Hindernis vor der Straße ist der Bealey River, den wir wieder gemeinsam eingehakt durchwaten. Ein kleines Stück nur laufen wir bergauf, dann hält SOFORT ein Auto. Ein junges Paar aus Indien, welches einen 3-wöchigen Urlaub in Neuseeland mit dem Mietwagen macht, lässt uns pudelnass einsteigen und bringt uns nach Arthur's Pass. Supernett - wir sind so froh ! Dort gibt es eine Tankstelle, wo man ein paar Kleinigkeiten teuer kaufen kann. Aber auch eine Toilette zum Abtrocknen, Umziehen, heißen Kaffee, Pommes und Cheeseburger. Uns geht es schon gleich wieder viel besser. Dann brauchen wir nur noch eine Unterkunft, denn der Regen hat an Intensität zugenommen. So möchte ich nicht ins Zelt. Der kleine Touristen-Ort ist komplett ausgebucht. Sogar im Gemeinschafts-Schlafsaal des Backpackers ist kein Bett mehr frei. Aber Thomas macht das Unmögliche möglich. Er telefoniert eine Weile herum und überredet den Besitzer einer Lodge, uns das kleine Häuschen seiner Großeltern zu vermieten. Er nennt das " Cabin - very Basic " für 50,- Dollar die Nacht.  Okay, wir haben keine Dusche, und im Garten gibt es nur ein Long Drop, das ist ein Plumpsklo mit Sägespänen statt Spülung. Natürlich auch keinen Fernseher und kein Internet, aber dafür haben wir einen Kamin. Der wird sofort ordentlich eingeheizt, uns wird warm, alle Sachen werden trocken. Es gibt keine Sandflies, das bedeutet, wir können endlich mal barfuß sitzen. Eine Wohltat für die Füße, die zwei Tage nacheinander immer nur in nassen Schuhen steckten. Wir legen uns die Matratzen aus den Etagenbetten auf den sauberen Teppichboden und finden unser Wohnzimmer mit den alten Möbeln, Büchern und Bildern richtig gemütlich. Ein kleines Hexenhaus mitten im Wald, in dem wir gerne noch einmal für länger wohnen möchten. Heute sind wir seit genau 4 Monaten auf dem Te Araroa unterwegs. 


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09.03.2016

Boyle Village bis Locke Stream Hut 05.03. - 08.03.2016

Schleppender Start - wir brauchen 4 Stunden, Start - wir brauchen 4 Stunden, um von Hanmer Springs wieder zurück zum Trail zu kommen. Zunächst passiert gar nichts, dann hält ein stabiles Go-Cart für 4 Personen. So etwas haben wir noch nie gesehen. Man muss sich das etwa so vorstellen wie zwei nebeneinander geschweißte Tandem-Räder. Daumen 'raushalten war hier eigentlich ein Scherz, aber das Gefährt stoppt neben uns. Wir lernen Lisa und Bert kennen, ein cooles Paar aus Hamilton, die dieses kuriose Fahrzeug ganz im Süden gekauft haben und nach Hause bringen wollen. Sie haben damit schon 1000 Kilometer auf der Straße zurückgelegt, übernachtet wird immer im Zelt. Unter dem Verdeck hängt die frisch gewaschene Wäsche zum Trocknen. Die Beiden räumen etwas um, damit Platz für unsere Rucksäcke entsteht. Dann bekommen wir ein paar Anweisungen zum Treten und Schalten, Helme auf den Kopf, und los geht es. Lisa sitzt rechts am Lenkrad und ist "The Driver " - Bert ist blind, was man auf den ersten Blick gar nicht bemerkt. Auf diese Weise kommen wir radelnd etwa 10 Kilometer weiter. Vor einem hohen Berg müssen wir aussteigen, da kommt das Go-Cart mit vier Personen und Gepäck nicht hoch. Hier an der Straße stehen wir geschlagene zwei Stunden, ohne dass sich Jemand erbarmt. Schließlich sind wir das Warten leid und laufen ein paar Kilometer bis zur nächsten größeren Straße. Dabei passieren wir eine Brücke, an der gerade Bungee Jumping stattfindet. Viele junge Leute schauen etwas irritiert und machen schlaue Sprüche, als wir mit unserem schweren Gepäck bergauf schwitzen. Es wird immer später, so langsam bin ich ziemlich genervt. Dann hält endlich ein schmutziger Kleinwagen, drinnen ein russisches Paar und nur sehr wenig freier Raum. Rucksäcke, Kleidung und Camping-Ausrüstung liegen auf der Rückbank und im winzigen Kofferraum verteilt. Irgendwie schaffen sie noch Platz für uns und unser Zeug, die Stöcker zwischen uns, Rucksäcke auf dem Schoß - es geht irgendwie. Das russische Paar stammt aus Moskau und ist 14 Tage mit einem Leihwagen in Neuseeland unterwegs, ebenfalls mit schmaler Reisekasse. Solche Leute halten für uns an, auch wenn es eng wird. Die schicken Touri-Autos, Wohnmobile, Camper-Vans ignorieren uns und fahren einfach vorbei. Er fährt beruflich auf Forschungs-Schiffen zur See und wird demnächst eine Expedition in die Arktis begleiten. Auch in Argentinien und Chile sind die russischen Weltenbummler bereits gewesen, wodurch sich natürlich interessante Gesprächsthemen ergeben. Das Beste an unserer Art zu reisen ist der Kontakt zu den Menschen unterwegs. Um 14.30 Uhr stehen wir endlich wieder in Boyle Village, wo wir den Te Araroa verlassen haben und auf den nächsten Track starten. Ganz schön spät, um noch eine richtige Tages-Etappe zu laufen. Stefan, der uns inzwischen eine Woche voraus ist, hat uns bereits per SMS vorgewarnt. Der TUI Track gehört wirklich nicht zu unseren Favoriten. Es gibt eine Schlechtwetter- bzw. Hochwasser-Route, damit kann man abkürzen, indem man einfache zwei Stunden entlang der Straße läuft. Aber wir haben weder das Eine noch das Andere ..... unser sportlicher Ehrgeiz ist es, den Te Araroa ganz und ohne zu Schummeln zu laufen. Der Weg hat es tatsächlich in sich. Gleich zu Anfang müssen wir durch den Boyle River, der hier so tief ist, dass sogar die kurzen Hosen nass werden. Danach gibt es eine Passage durch Geröll am Flussbett entlang, anschließend sumpfiges Gebiet mit tiefen Matschpfützen, bis der Doubtful River den Weg versperrt. Den müssen wir ebenfalls durchqueren, knietiefes Wasser mit erstaunlich starker Strömung. Am anderen Ufer angekommen bleibt es mühsam. Beim Schuhe-Wechseln werden wir fast von den Sandflies aufgefressen. Das bedeutet : bloß nicht stehenbleiben, keine Pause. Es ist einfach nicht zum Aushalten, wenn man sich nicht fortbewegt. Auch der weitere Verlauf bleibt feucht und rutschig, immer wieder versuchen wir, um den Modder herum zu turnen. Irgendwann liegt ein kleiner Teich im Weg, den wir nicht umgehen können. Ein halbherziger Versuch, über äste und Steine auf die andere Seite zu balancieren, misslingt. Okay, nun sind die Schuhe endgültig nass. Endlich haben wir den TUI-Track hinter uns, knapp 4 Stunden für 12 Kilometer Strecke. Nun beginnt der Kiwi-Track, und der ist um ein Vielfaches schöner. Wir starten mit einem angenehm einfachen Pfad bergauf neben einem Damwild-Gehege entlang. Von da aus geht es endlich wieder in einen dichten Laubwald. Kein Matsch mehr, sondern weicher Waldboden, der unter unseren Füßen federnd nachgibt. Dieser Trail gefällt uns ausgesprochen gut, aber das Gewicht auf unseren Schultern mit 8-Tage-Proviant drückt ordentlich. Später Start, dann der anstrengende TUI Track .... wir finden heute nicht so richtig unseren Rhythmus. Nach nur 3 weiteren Kilometern entdecken wir an einem Bach einen einladenden Platz mit dicken Baumstämmen zum Sitzen und bauen dort unser Zelt mitten auf dem Weg auf. Es ist erst 19.00 Uhr, aber in der Nacht wird wohl Niemand mehr kommen.  


Weiter geht es auf dem sehr schönen Kiwi Track, der lange Zeit dem Hope River folgt. Wir befinden uns im Lake Sumner Forest Park und sind in bester Lauf-Stimmung. Schon nach 1,5 Stunden erreichen wir die Hope Shelter, wo wir einen netten Biologen aus Christchurch kennenlernen, der während seines Urlaubs die Südinsel in kleinen Abschnitten durchwandert. Auch Mark ist ein sehr interessanter Mensch, der demnächst vorhat, nach Chile und Argentinien zu reisen. Erstaunlicherweise möchte er dort die mehrtägige Tour durch die Dientes de Navarrino laufen. Diese Rund-Wanderung haben wir Anfang 2013 gemacht, während wir auf unser Wetter-Fenster für Kap Horn gewartet haben. Eine superschöne Hiking-Tour in grandioser Natur, die wir auch unbedingt noch einmal wiederholen möchten. Mark bekommt von uns ein paar Tipps, Namen und Adressen aus Ushuaia sowie Puerto Williams, e-mail-Adresse, Homepage zum Fotos-Angucken ..... Dann trennen sich unsere Wege, denn seine Pläne führen nach Norden, wir folgen dem Te Araroa Richtung Süden. Eine Hängebrücke bringt uns auf die andere Seite des Hope River. Unsere nächste Station ist die Hope Kiwi Lodge, leichtes Gelände, in dem wir gut und schnell vorwärts kommen. Schicke Hütte, voll möbliert, aber wir laufen nach der Mittagspause zügig weiter. Kurz danach steigen wir hinauf und kommen über den Kiwi Saddle. Dieser Weg bergauf war sowas von einfach, dass wir den höchsten Punkt gar nicht bemerkt haben, sondern uns plötzlich schon wieder auf dem Weg nach unten befinden. Zwischen den Bäumen hindurch können wir zur Linken Blicke auf den Lake Sumner erhaschen, welcher blau-grün in der Sonne schimmert. Am Ufer des Sees stehen zwei Kühe bis auf halber Beinhöhe im Wasser, ein sehr befremdlicher Anblick. Sie erschrecken sich und traben an Land zu ihrer Herde, als wir näher kommen. Ein Stück weiter erblicken wir eine dritte Kuh, die sich ziemlich weit ins tiefe Wasser vorgewagt hat. Sie stört sich nicht weiter an uns, sondern stapft gemächlich weiter durch den See. Der Three Mile Stream liegt vor uns, eine Hängebrücke neueren Datums führt hinüber. Unser Pfad führt über matschige Wiesen und Kuhweiden, es bleibt immer schön flach. Wir sehen ein Paar besonders hübsch gezeichneter Enten, deren Namen wir noch herausfinden müssen. Beide haben braun-grün-schillerndes Gefieder, eine davon hat einen weißen Kopf, die andere einen dunklen. Dann stehen wir plötzlich vor einer ewig langen Hängebrücke, die auf mich nicht besonders Vertrauen erweckend wirkt. Unten sieht man nur den Gitterdraht, zum Teil angerostet, darunter der schäumende Hurunui-River. Der Draht, der zum Festhalten dient, ist auf mehreren Metern mit Klebeband umwickelt. Und dann diese Länge ..... 164 Schritte haben wir gezählt. Durch die Distanz kommt das Ding natürlich ordentlich ins Schwingen. Heißt ja auch " Swing Bridge " auf englisch. Wir entdecken die Spuren von Kiwi-Vögeln auf dem Weg. Sie scharren Mulden in die lose Erde und in das Blätterwerk am Boden, wenn sie nach Nahrung suchen. Ab dem Nachmittag scheinen unsere Rucksäcke immer schwerer zu werde. Das Gewicht drückt und quält mich ordentlich. So langsam reicht es, wir möchten endlich Feierabend machen. Da kommt ein DOC-Schild wie gerufen, auf dem steht die Entfernung zur nächsten Hütte mit 30 Minuten angegeben. Wir laufen also eine halbe Stunde weiter, nur um vor einem weiteren DOC-Schild zu stehen, welches den Hinweis gibt, dass es noch 30 Minuten sind bis zur Hurunui Hut. Grrrr - ich fühle mich mal wieder leicht verarscht und verfluche die Leute von der DOC, die diesen Trail vermutlich noch nie selber gelaufen sind. Also müssen wir nochmal die Zähne zusammenbeißen, alle Kräfte mobilisieren, denn ab hier geht es das letzte Stück steil bergauf. Um 19.30 Uhr kommen wir an der Hurunui Hut an, die groß und gemütlich eingerichtet ist. Zwei junge Frauen wohnen schon hier, eine Tierärztin und Julia, eine Hebamme. Beide stammen aus Deutschland und laufen jeweils nur Teile vom Te Araroa. Sie suchen sich " die Sahnestückchen " aus. Es gibt schlechtere Gesellschaft, wir sind froh, dass wir es soweit geschafft haben. Immerhin knapp 30 Kilometer, das war am Morgen noch gar nicht unser Plan. 

Julia und die Tierärztin können heute nicht lange schlafen, weil unser Wecker um 6.00 Uhr klingelt. Aber es regnet, so dass wir länger bleiben, um den ersten Schauer in der Hütte abzuwarten. Wir starten gegen 9.00 Uhr im Nieselregen. Ganz in der Nähe steht eine glückliche Kuh in einem kleinen Teich und glotzt uns neugierig an. Etwas weiter liegt eine tote Kuh auf dem Weg, kein schöner Anblick. Zum Glück ist hier Platz genug, um mit zugehaltener Nase dran vorbei zu laufen. Bereits nach 1,5 Stunden dampft es aus dem Berg, und es riecht leicht nach Schwefel. Ein kleiner Abstecher führt zu den Hot Springs. Das ist eine natürliche heiße Quelle im Wald. Wir nutzen die Gelegenheit für ein warmes Bad und setzen uns in den Pool. Ist allerdings nicht so ganz nach meinem Geschmack, denn der Boden ist modderig. Schwebeteilchen, verrottete Blätter, Holzstückchen und was weiß ich werden aufgewirbelt und steigen in einer Wolke auf. Man kann auch nicht ganz untertauchen, dafür ist das Becken zu flach. Der Oberkörper, der Kopf und die Hände werden von Sandflies attackiert, während wir versuchen, unsere Körper im warmen Wasser zu entspannen. Danach ist man schmutziger als vorher. Wir beeilen uns, schnell den Hang hinunter und hinein in den eiskalten Fluss. Hier können wir uns richtig einseifen, die Unterwäsche wird gleich mitgewaschen. Es prickelt schön am ganzen Körper, eine richtige Kneipp-Kur, herrlich erfrischend und belebend. Von dort aus ist der gesamte Trail matschig, immer wieder kommen uns beim Aufstieg Rinnsale von fließendem Wasser entgegen. Te Araroa folgt über weite Strecken dem Hurunui River, es bleibt nass. Mittagspause machen wir in der Hurunui No. 3 Hut, wo wir einen jungen Mann aus Deutschland kennenlernen, der mit einem Work-and-Travel-Visum für ein Jahr durch Neuseeland reist. Draußen regnet es sich richtig ein, während wir Rast machen und uns unterhalten. Trotzdem müssen wir irgendwann los, sonst kommen wir nie bis nach Bluff. Eine weitere tote Kuh liegt im Bach, den wir übersteigen müssen. Da ist nicht mehr viel dran, die Haut ist durchscheinend, und man sieht schon die weißen Knochen. Total eklig, lieber nicht länger hinsehen und schnell weg von hier. Auch beim Wasser-Nehmen sollten wir demnächst etwas vorsichtiger sein. Dann erwartet uns die nächste Riesen-überraschung : eine V-Brücke, auf englisch 3 Wire Emergency Bridge. Diese besteht aus drei Drähten, jeweils etwa einen Zentimeter dick, die wie ein " V " über den Fluss gespannt sind. Auf dem unteren Draht muss man vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzen und so bis auf die andere Seite balancieren. Die beiden anderen Drähte links und rechts dienen zum Festhalten. Na prima, mir bleibt auch nicht's erspart ! Das ist noch einmal eine ganz bösartige Steigerung der wackeligen Hängebrücken mit Gitter am Boden. Nächste Station für uns ist die Cameron Hut, wo wir zunächst alleine sind. Irgendwann wird unsere Ruhe empfindlich durch Motoren-Geräusch gestört. Wir können es kaum glauben, aber da fährt tatsächlich ein Allrad-Fahrzeug vom DOC bis vor die Hütte. Drei Männer steigen aus, poltern hinein, grüßen nur knapp. Sehr unfreundlich und unangenehm laut sind die, werfen mehrere große Rucksäcke und Kartons mit Vorräten auf die Bänke. Scheinen sich hier für mehrere Tage einquartieren zu wollen - Benehmen mangelhaft. Wir sind froh, dass dieses nicht unser Nachtquartier werden soll und nehmen schnell Reißaus. Es geht höher und höher, wir steigen fleißig auf, aber der Weg verläuft weiter am Hurunui River entlang. Eine kleine 2-Personen-Hütte liegt noch etwas unterhalb des Gipfels. Dieses Harper Pass Bivvy ist nicht mehr als eine Not-Unterkunft bei sehr schlechtem Wetter. Dort steht nur ein wackeliges Etagenbett, die beiden Pritschen haben so gut wie keine Kopf-Freiheit nach oben. Also setzen wir uns einfach kurz auf den Boden, um einen Müsli-Riegel zu essen. Es dauert leider keine 5 Minuten, da haben die Sandflies uns auch drinnen gefunden. Dann kommt der letzte steile Anstieg bis auf den Harper Pass, unsere heutige Tagesaufgabe. Te Araroa kreuzt die südlichen Alpen über den Harper Pass auf 962 Meter. Diese Höhe ist für uns inzwischen eine Lachnummer. Es geht zwar über eine kurze Distanz schweisstreibend hinauf, aber gefühlt kann das nicht länger als eine halbe Stunde gewesen sein. Oben ist die Sicht gleich Null, Nebel hüllt uns ein, der Nieselregen nimmt immer mehr zu. Also halten wir uns nicht lange auf, sondern machen uns gleich an den Abstieg auf der anderen Seite des Passes. Hinunter durch loses Geröll klappt es auch einfacher als erwartet, obwohl der Boden inzwischen nass und rutschig geworden ist. Unser Weg führt nun durch feuchten Nebelwald, immer wieder überraschend und abwechslungsreich. Interessante Pilze gibt es hier : grell orange-rote Auswüchse an Baumrinden oder grau-weiße tumorartige Gebilde, die Assoziationen an Hirnmasse wecken. Besonders gut gefallen mir die tellergroßen flachen Pilze, goldgelb und hellbraun, die genau wie Pfannkuchen aussehen. Bei dem Gedanken läuft mir das Wasser im Munde zusammen. Riesige Farne und sogar Palmen stehen um uns herum. Bäume, Felsen, die ganze Welt sind mit hellgrünem Moos überzogen. Thomas gefällt es so richtig gut hier im Wald, ich möchte eigentlich nur noch ankommen und 'raus aus den nassen Klamotten. Es hat sich inzwischen heftig eingeregnet, wir haben überall fließendes Wasser auf dem Trail. Vor uns liegen über weite Strecken tiefe Matschlöcher, die wir anfangs zu umgehen versuchen. Einige Fluss-Durchquerungen und der weitere Verlauf des Weges auf Kieselsteinen im Flussbett machen es unmöglich, die Schuhe trocken zu halten. Die Felsen und Baumstämme zum Balancieren sind glitschig. Nachdem wir mehrmals abgerutscht und im Wasser gelandet sind, geben wir es auf und stapfen einfach nur noch hindurch. Nass und kalt erreichen wir endlich die Locke Stream Hut, wo man uns freundlich empfängt. Ein wanderbegeistertes Ehepaar aus der Gegend, beide schon über 70, lädt uns zu einer wärmenden Tasse Tee ein. Und wir treffen Jennifer und John wieder, ein amerikanisches Paar, die wir nur einmal in Te Kuiti kurz gesprochen haben. Die Beiden sind die Nordinsel bis Wellington gelaufen und von dort nach Bluff gefahren. Die Südinsel durchwandern sie wegen des bevorstehenden Winters in der anderen Richtung, also von Süden nach Norden. Diese Art von Thru-Hike wird Flip-Flop genannt, deswegen haben wir sie nie wieder getroffen. Es gibt viel zu erzählen, aber um 21.00 Uhr haben sich alle müden Wanderer zur Ruhe begeben.

Während der Nacht konnten wir heftigen Regen ohne Unterbrechung auf das Hütten-Dach trommeln hören. Gar nicht gut für unsere Pläne, denn den nächsten Track kann man nicht bei erhöhtem Wasserstand laufen. Es liegen Dutzende von Fluss-Querungen auf dem weiteren Verlauf des Weges, die nach starken Regenfällen viel zu gefährlich sind. Erstmal wird länger geschlafen, dann ausgiebig gefrühstückt. Jeder schaut interessiert, was wohl bei den Anderen im Topf köchelt. Gegen 11.00 Uhr hört der Regen endlich auf. Unser Bach vor der Hütte führt ganz eindeutig viel mehr Wasser als gestern am Abend. Thomas wandert zusammen mit dem sehr erfahrenen Allan bis zum ersten Fluss, um sich ein Bild der aktuellen Lage zu machen. Viel zu hoch, zur Zeit noch keine Chance zum Durchkommen. Wir sitzen also bis auf Weiteres in der Locke Stream Hut fest. Jennifer und John laufen los, denn der Weg nach Norden ist frei von tiefen Wasserläufen. Das ältere Ehepaar beschließt, bis um 14.00 Uhr abzuwarten und dann zu entscheiden. Das Wasser sinkt bis dahin kein Stückchen, deswegen bleiben sie noch eine weitere Nacht. Und wir sind vernünftig genug, um auf den Rat dieser beiden Einheimischen zu hören, die mit dem Wetter und den Flüssen in Neuseeland bestens vertraut sind. Auch wir werden heute nicht mehr starten, sondern einen langweiligen Tag in der Hütte verbringen. Hier gibt es noch nicht einmal etwas zum Lesen - wieder eine harte Geduldsprobe für mich. Aber man wird ja immer vernünftiger mit dem Alter, leichtsinnig sind wir ganz bestimmt nicht. Am Nachmittag fällt eine Vierer-Gruppe von Te Araroa-Hikern ein und bringt sehr viel Unruhe mit. Ich habe bereits aufgeräumt und Platz zum Schlafen in unserem Raum geschaffen, aber die jungen Leute kochen und essen nur, danach wollen sie sich 10 Kilometer weiter bis zur Kiwi Hut durchkämpfen. Auch gut, es wird wieder ruhiger. Nur kurze Zeit später treffen zwei junge Frauen ein, die genau von dieser Hütte kommen und nach Norden möchten. Der Weg bis zur Kiwi Hut wäre also zu schaffen, trotzdem bleiben wir lieber und hoffen, dass der Wasserstand morgen niedriger ist. Die Neuankömmlinge, das sind eine Tänzerin aus Neuseeland mit ihrer Freundin, die aus Australien stammt. Beide wirken auf den ersten Blick wie verzogene Püppchen. Später stellt sich heraus, dass die Beiden doch sehr unterhaltsam und witzig sind. Sie ziehen bei uns ein. Hoffentlich schnarche ich nicht wieder. Weil mir von der ganzen Unterhaltung auf Englisch der Kopf dröhnt, gehen Thomas und ich ein Stück spazieren. Nur so, ohne Rucksack, auch mal ganz schön ! Wir sitzen gemütlich auf einer Wiese am Fluss, da kommt unsere Tierärztin Julia um die Ecke. Sie hat innerhalb von zwei Tagen ganz bequem die Strecke zurückgelegt, die wir gestern gemacht haben. Unsere fleißige Lauferei hat uns aber kein Stück weitergebracht. Gestern haben wir Stress gemacht, weil wir vorwärts kommen möchten. Heute nun gammeln wir hier herum und schlafen mit Julia in derselben Hütte. Blöder Regen .... das hätte nun wirklich nicht sein müssen ! Aber auch dieser unfreiwillige off-day geht irgendwie vorbei. Zum Abend hin wird es sogar noch ganz lustig, denn wieder guckt Jeder bei den Anderen zu, was es dort zu Essen gibt. Neidische Blicke hier und dort, " Koch "-Rezepte werden ausgetauscht. Hiker-Essen ist weder gesund noch lecker, da ist man immer froh über neue Anregungen und Abwechslung im Speiseplan. Inzwischen sind so viele Personen zum Uebernachten in der Locke Stream Hut, dass wir noch nicht einmal genügend Sitzplätze am Tisch haben. Aber eigentlich sind alle nett, es wird noch richtig gemütlich. Bevor wir uns zurückziehen verabreden wir uns noch mit Sue und Allan. Wir werden früh um 6.00 Uhr aufstehen und die Fluss-Querungen gemeinsam mit den " alten Hasen " machen.


 

05.03.2016

Hanmer Springs off-days 03.03.-04.03.2016

Wo sind wir hier bloß hingeraten ? Es ist absolut nichts los auf dem Highway, der den Osten mit dem Westen der Insel verbindet. Was in der Nacht ein Vorteil war, weil wir neben einem Autobahn-Rastplatz relativ ruhig gezeltet haben, das ist nun gerade sehr schlecht. Wir stehen schon um 7.15 Uhr an der Straße und halten den Daumen 'raus. Berufsverkehr ? Null, absolut nichts, Fehlanzeige. So kommen wir nicht weg. Nach einiger Zeit dummen Herumstehens geben wir das Trampen auf und latschen die paar Kilometer zurück bis zur Tankstelle. Ganze zwei Autos kommen uns während dieser Zeit entgegen, in unsere Richtung fährt keines. Thomas ruft bei einem Bus-Unternehmen an, um Plätze nach Reefton oder Westport zu buchen. Laut den Angaben vom Te Araroa Trust soll hierhin morgens gegen 10.00 Uhr ein Bus fahren. Aber es stellt sich heraus, dass auf der Info-Seite im Internet mal eben die Abfahrtszeiten komplett falsch sind. Die Zeiten zur Ostküste wurden mit denen zur Westküste vertauscht. Morgens gibt es nur einen Bus, der nach Hanmer Springs oder Greymouth fährt. In unsere gewünschte Richtung gibt es nur eine einzige Verbindung, und das wäre erst um 17.00 Uhr am Nachmittag. Das ist uns natürlich viel zu spät. Wir wollen ja schließlich nicht den ganzen Tag in Spring Junction herumhängen, wo es nur eine Tankstelle gibt und sonst nichts. Aber warum lange ärgern ? Man muss eben flexibel bleiben, wenn man so unterwegs ist wie wir. Ganz spontan entscheiden wir uns für die andere Richtung und reservieren zwei Plätze im Morgenbus bis nach Hanmer Springs. Das Dumme ist nur, dass wir ja gestern Abend noch per Anhalter nach Westen gefahren sind. Wir müssen nun zunächst wieder zurückfahren bis nach Boyle Village, von wo wir gestern gekommen sind. Von dort aus geht es dann erst weiter bis Hanmer Springs. Der Weg ist länger als nötig, das Bus-Ticket natürlich dadurch auch teurer. Unser Tag fängt etwas kompliziert an.


Gegen 12.00 Uhr mittags erreichen wir Hanmer Springs und stürmen sofort den kleinen Supermarkt. Alles recht teuer hier, aber das soll uns jetzt auch egal sein. Viel zu lange haben wir auf frisches Zeug und leckere Sachen verzichten müssen. Da war die anstrengende 8-Tage-Tour über die Richmond Range bis nach St. Arnaud, wo es nichts zu kaufen gab. Gleich danach ging es in 5 Tagen über den Waiau-Pass, immer mit der gleichen faden Leichtgewicht-Verpflegung. Und jetzt haben wir Hunger ! Gleich gegenüber im Park verzehren wir ein frisch gebratenes Hähnchen mit Beilagen, dazu gibt es zwei Liter Orangensaft. Der kleine Ort gefällt uns ausgesprochen gut. Ein hübsches Dorf mit nur ca. 850 Einwohnern, idyllisch inmitten von hohen Bergen gelegen. Hanmer Springs ist ein für seine heißen Quellen bekanntes Thermalbad, weswegen hier alles sehr touristisch geprägt ist. Ein Grund, weswegen wir eigentlich gerade nicht hierher wollten. Zu teuer wegen der vielen Touristen .... aber es geht noch. Ueberall parken Wohnmobile, schicke Ferienhäuser und Hotels prägen das Stadtbild. Schöne Parks und einige nette Cafés, im Dorf herrscht entspannte Urlaubs-Atmosphäre. Thomas gelingt es, ein schönes Zimmer in einer Nebenstraße zu einem akzeptablen Preis aufzutreiben. Da können wir sogar richtig selber kochen und lassen es uns gutgehen. Die Mitarbeiter in der Touri-Info, in der öffentlichen Bücherei und im Supermarkt sind alle nett. Was brauchen wir mehr ? Es gibt natürlich auch viele schnuckelige Geschäfte hier, in die wir aber besser gar nicht hineingehen. Kaufen können wir ja sowieso nichts. Wer soll das tragen ? Auf jeden Fall fühlen wir uns sehr wohl und erholen uns vor der nächsten anstrengenden Etappe. 
 


 

03.03.2016

Waiau-Pass 27.02. - 02.03.2016

Tag 1 : St. Arnaud bis John Tait Hut
Viel zu schnell ist unser Aufenthalt in St. Arnaud schon wieder vorbei. Nur ein Ruhetag, alles Wichtige erledigt, Samstag geht es weiter. Der Trail führt rund um einen großen See. Der Lake Rotoiti leuchtet blau in der Sonne und sieht wunderschön aus. Aber wir sind wohl zur falschen Zeit am falschen Ort, denn am Wochenende findet hier ein Jetboot-Wettbewerb statt.
Sonst sind wir immer froh, wieder unterwegs zu sein, aber durch das Rennen wird unsere Freude an der Natur stark beeinträchtigt. Das Geraeusch und der Gestank der Motoren verfolgt uns, waehrend wir die erste Stunde um den See laufen. Der Travers-Sabine Circuit ist ein mehrtägiger Wanderweg, der viel von Touristen begangen wird und dementsprechend gut gepflegt wird. Schnell haben wir die erste Hütte erreicht. Die Lakehead Hut ist für 28 Personen mit Matratzen ausgestattet, also riesig im Vergleich zu allen vorherigen. Leider ist es hier nicht besonders sauber, Tagesgäste können anscheinend ihren Müll nicht wieder mitnehmen. Nach einem zweiten Frühstück packen wir draußen auf der Terrasse unsere Sachen. Eine Biene sticht mich, mal wieder ganz ohne offensichtlichen Grund, in die Kniekehle. Ich habe eine lange khakifarbene Outdoor-Hose an. Bitte, was soll ich denn noch machen, um mich zu schützen ? Der Stich ist sehr schmerzhaft. Ich bin erstmal wieder richtig sauer. Naja, beim schnellen Laufen verdrängt man den Schmerz schnell. Der Travers River begleitet unseren Weg. über mehrere Brücken wechseln wir ständig von einer Seite zum anderen Ufer und wieder zurück. Gegen 18.00 Uhr kommen wir an der John Tait Hut an und beschließen, den Tag hier zu beenden. Eine lebhafte Familie mit zwei Kindern wohnt hier schon seit gestern und hat sich ordentlich ausgebreitet. Wir müssen uns einen Platz am Tisch und auf der Anrichte erkämpfen, weil die alles zugestellt haben. Und das Schlimmste ist die nun folgende Dauer-Berieselung. Der etwa 5-6 Jahre alte Junge hat es anscheinend nicht gelernt, dass man auch einmal den Mund halten kann. Die nächsten drei Stunden plappert er ohne Luft zu holen in einer ziemlich nervigen Tonlage mit seinem Vater .....oder er macht Geräusche irgendwelcher Art, wenn Papa ihn nicht genügend beachtet. Mutter und Tochter sind eher unauffällig. Während wir schon im Schlafsack liegen, geht die Tür auf, und Jemand ruft "Good evening". Ein müder Wanderer, der sich sofort auf die Matratze legt und schläft. Ein weiterer später Gast sucht sich im Dunkeln einen Platz zum übernachten in der Hütte, außerdem kommt noch eine Gruppe an, die allerdings auf der Wiese zeltet. Das scheint wieder eine unruhige Nacht zu werden. 

Tag 2 : John Tait Hut bis Blue Lake Hut
Der Wecker klingelt um 6.00 Uhr, wir stehen im Dunkeln auf und kochen erstmal Kaffee. Am Liebsten würde Thomas noch ordentlich Krach machen als Rache für die Geräusch-Kulisse vom gestrigen Abend. Und dann muss ich meinen Kaffee tatsächlich ohne Zucker trinken, weil uns wohl beim Umfüllen der großen Tüte in kleinere Zipp-Beutel ein Missgeschick passiert ist. Alles riecht und schmeckt nach Seife, anscheinend haben wir aus Versehen eine Tüte verwendet, in der wir vorher Waschmittel aufbewahrt hatten. Aber wieso nun beide Portionen versaut sind, das bleibt uns Beiden ein Rätsel. Wer mich kennt, der weiß, wie süß ich meinen Kaffee oder Tee gewöhnlich trinke. Den verdorbenen Zucker schütte ich ins Klo und schmolle erst einmal, weil mir nun bittere Zeiten bevorstehen. Heute beginnen wir den Travers Valley Track. Morgens beim Start ist es so kalt, dass wir darüber nachdenken, demnächst Handschuhe zu kaufen. Zunächst haben wir mehrere wackelige Hängebrücken zu überqueren, aber daran sind wir inzwischen gewöhnt. Der Weg führt mal auf dieser, mal auf der anderen Seite des Sabine River entlang. Dieser imposante Fluss begleitet uns den ganzen Vormittag. Unsere erste Pause verbringen wir in der Upper Travers Hut, wo wir die Bekanntschaft mit einem Paar aus Tschechien machen. Sehr nette junge Leute, die seit einer Woche auf dem Travers-Sabine Circuit wandern und immer noch frische äpfel zur Verfügung haben. Wir wundern uns doch sehr darüber. Was müssen die vor 7 Tagen alles an Proviant geschleppt haben ? Kurz danach treffen wir eine Deutsche, die für den DOC ( Departement of Conservation ) einen Freiwilligen-Dienst leistet. Sie wohnt in den Hütten und kontrolliert diese auf Sauberkeit, bezahlte Tickets etc., am Tage bleibt genug Zeit für ihr Hobby " Wandern ". Wir unterhalten uns kurz über unsere bevorstehende Route und den aktuellen Wetterbericht. Dann machen wir uns an den Aufstieg zum Travers Saddle, immerhin 450 schweißtreibende Höhenmeter liegen vor uns. Belohnt werden wir mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein in 1787 Meter Höhe. Nebenan können wir den Mount Travers ( 2338 Meter ) in voller Pracht bewundern. Es ist warm, kein kalter Wind weht, so dass wir auf dem Sattel erneut eine ausgedehnte Rast machen. Es ist einfach zu schön hier, um sofort wieder abzusteigen. Um uns herum sehen wir schroffe Berge, in deren Kuhlen sogar noch Schnee liegt, der vom letzten Winter übrig geblieben ist. Wir befinden uns hier im nördlichen Teil der neuseeländischen Alpen. Immer wieder warnen Schilder vor Lawinen-Gefahr, aber wir laufen den Te Araroa zu einer Zeit, in der eher mit Erdrutschen zu rechnen ist als mit Schnee-Lawinen. Beim Abstieg bieten sich phantastische Ausblicke auf entfernte Wasserfälle, die sich mehr als 100 Meter senkrecht in die Tiefe stürzen. Und das alles gratis in freier Natur, ohne Führer und Eintrittsgeld. Eine feste Holzbrücke führt uns über eine wahnsinnig enge Schlucht. Nur etwa 5 Meter in der Breite ist dieser Einschnitt zwischen den Bergen, aber dafür ca. 40 Meter tief. Unter uns im dunklen Graben können wir von der Brücke herunter die Gischt des tosenden Wassers erkennen. Wir sind tief beeindruckt und heilfroh, dass wir dort nicht hindurch müssen. Viel zu früh erreichen wir die West Sabine Hut, die wir uns eigentlich als Ziel für die Nacht vorgenommen hatten. Für einen Weg, der mit 6-8 Stunden Laufzeit angegeben war, haben wir nur gute 4 Stunden gebraucht. Soviel zur Planung auf dem Te Araroa .... Es sitzen bereits 5 Personen in der Hütte und haben ihren Kram überall verteilt. Und es sind noch 4 weitere Matratzen hergerichtet, wahrscheinlich von Wanderern, die Tagesausflüge in der näheren Umgebung unternehmen und zum Schlafen wiederkommen. Nach kurzer Beratung entscheiden wir uns dazu, heute noch eine weitere Etappe in Angriff zu nehmen. Der Weg zur nächsten Hütte ist mit 3-4 Stunden Laufzeit veranschlagt, um 17.00 Uhr brechen wir wieder auf. Ein Paar mit schwerem Rucksack kommt uns entgegen, die werden wahrscheinlich auch noch in der West Sabine übernachten. Wir eilen weiter und staunen über Felsen, die schon von Weitem hellrot leuchten. Die rote Farbe ist pflanzlichen Ursprungs, wie sich bei näherer Betrachtung herausstellt. Es handelt sich hierbei um Flechten, die in dieser Gegend dicht an dicht auf den Kieselsteinen wachsen wie ein Teppich. Noch eine kurze Pause mitten im Wald, bei der wir von zutraulichen Vögeln unterhalten werden. Das hübsche Männchen vollführt neben uns eine Art Balztanz, während das etwas kleinere Weibchen ganz nah neben uns hin- und herflattert. Gar nicht ängstlich kommen sie immer näher und sitzen schließlich fast bei Thomas auf dem Kopf. Diese zierlichen Piepmätze mit gelbem Gefieder am Bauch heißen Rockwren, zu deutsch Felsen-Zaunkönig. Sie gehören in Neuseeland zu den gefährdeten Arten und sind die einzigen echten alpinen Vögel hier im Land. Unser Weg geht nun über in den Blue Lake Track. Der Urwald-ähnliche Wald wird immer dichter und unzugänglicher. Ein schmaler Pfad bringt uns wieder in die Höhe, dabei müssen wir über Baumstümpfe und loses Gestein steigen. Thomas stürzt und rutscht einige Meter nach unten ab. Ich merke das noch nicht einmal, weil ich vorauslaufe. Links von uns brodelt und schäumt der Sabine River, rechts von uns plätschert ein schmaler Ausläufer des Flusses. Habe nichts gehört außer den Geräuschen des Wassers, aber zum Glück ist außer ein paar Kratzern an Armen und Beinen nichts passiert. Gegen 19.30 Uhr erreichen wir die Blue Lake Hut, die auf 1340 Metern Höhe gelegen ist. Eine sehr nette Frau um die 60, aus Auckland stammend, empfängt uns mit einem warmen " Welcome ! " Außerdem hat sich hier noch ein älterer Herr für die Nacht einquartiert. Wolfgang kommt aus Frankfurt und ist schon zum 11. Mal in Neuseeland unterwegs. Teils mit dem Fahrrad oder auf mehrtägigen Wandertouren erkundet er sein Lieblings-Urlaubsland. Wir verbringen noch eine schöne Stunde mit interessanten Gesprächen und fühlen uns so richtig wohl in dieser angenehmen Gesellschaft. 

Tag 3 : Blue Lake Hut bis Caroline Bivvy
Am nächsten Morgen lassen wir es ausnahmsweise gemütlich angehen, weil wir ja gestern weiter gelaufen sind als geplant. Heute ist unser wichtigster Tag, die Bezwingung des Waiau-Passes liegt vor uns. Gemischte Gefühle, denn diese Passage gilt als schwierig und darf nur bei besten Wetter-Bedingungen in Angriff genommen werden. Zunächst ist es noch kalt und grau, als wir aus der Hütte treten. Ein kleiner Seitenweg führt zum Blue Lake, diesen Ausflug wollen wir uns nicht entgehen lassen. Der Blue Lake liegt 1200 Meter über dem Meeresspiegel und ist der See mit dem erwiesenermaßen klarsten Wasser der Welt. Wissenschaftliche Messungen haben eine Sichtweite von 70 Metern ergeben. Das Wasser ist also supersauber und superkalt. Der See liegt blau-schimmernd eingebettet zwischen den hohen Bergen. Die Gipfel und die Wolken spiegeln sich im kristallklaren Wasser - ein unbeschreiblich schöner Anblick, als Postkarten-Motiv würde man es als kitschig empfinden. Und wie um die Idylle vollkommen zu machen, da schwimmen tatsächlich zwei der seltenen Blue Ducks ( Saum-Schnabelenten ) in Ufernähe. Diese kommen nur in Neuseeland vor und gehören zu den besonders gefährdeten Tierarten. Es soll laut aktuellen Zählungen nur noch zwischen 1200 und 2000 Exemplare geben. Unser Paar scheint sich nicht an Wanderern zu stören, sie paddeln immer näher heran, und schließlich wagen sich unsere beiden Blue Ducks direkt neben uns an Land. Das ist schon ein faszinierendes Schauspiel, wir dürfen einfach ein Teil dieser Natur sein. Unglaublich dankbar für dieses einmalige Erlebnis starten wir beschwingt den steilen Aufstieg zum Lake Constance. Dieser See ist größer und sieht grün aus. Er ist nicht so klar wie der Blue Lake, da die von den Bergen herunter gewaschenen Sedimente eine natürliche Trübung verursachen. Aber auch der Lake Constance bietet uns einen tollen Anblick, wie er da so still und ruhig zwischen den Bergen eingebettet liegt. Kurze Pause, bevor der richtig harte Teil des Tages beginnt. Von nun an geht es steil bis supersteil, beinahe senkrecht, über ein rutschiges Geröllfeld nach oben. Die kleinen Steinchen sind lose und bewegen sich ständig unter unseren Füßen. Es geht immer nur zwei Schritte hoch und einen Schritt zurück. Man hat stellenweise das dumme Gefühl, dass man überhaupt nicht vorwärts kommt. Dreiviertel des Aufstiegs sind geschafft, da setzt ein leichter Nieselregen ein. Oh nein, bloß das nicht, Regen können wir nun überhaupt nicht gebrauchen ! Sollen wir vielleicht besser umkehren und den Pass an einem Tag mit besserem Wetter überqueren ? Schließlich sind wir fast oben, bis auf knapp unter 2000 Meter Höhe haben wir uns hochgekämpft. Nun nur noch 500 Meter weiter mit " ganz  normaler " Steigung. Der Himmel wird immer dunkler, die Markierungsstangen sind kaum noch zu erkennen. Auf dem Sattel gibt es eine Art Terrasse, eine fast ebene Fläche. Dort könnten wir mit unserem Zelt ein Not-Biwak einrichten und abwarten. Aber wir haben Glück, die schwarzen Wolken ziehen vorbei, und außer ein paar Tropfen bekommen wir nichts weiter ab vom Regen. Aussicht gibt es natürlich keine, darauf möchten wir auch nicht warten. Wir halten uns nicht lange auf, sondern machen uns gleich an den Abstieg. Ein Wasserfall ergießt sich aus den Bergen, das ist die Quelle des Waiau River, nach dem dieser Pass benannt wurde. Nach unten geht es über schroffes Gestein, welches trotz vorherigen Nieselregens trocken und gut begehbar ist. Ich hatte schon befürchtet, dass wir supersteile Geröllfelder hinunter rutschen müssen. Aber dann traue ich meinen Augen nicht ..... Vor uns liegen beinahe senkrechte Felswände, da geht kein Weg dran vorbei. Wir müssen richtig klettern, das heißt, mit Händen und Füßen und auf allen Vieren irgendwie an den Felsen entlang bis zur nächsten Stufe abwärts hangeln. Die Stöcker Stören dabei enorm, die werfen wir einfach ein Stück voraus nach unten. Hand über Hand müssen wir uns abwärts tasten. Thomas ist schon auf sicherem Boden angekommen, da macht es auf einmal " Klick " in meinem Kopf ..... und ich mag nicht mehr weiter. Ich hänge in der Felswand und habe komische Gedanken in meinem Kopf. Denke daran, dass hier schon einmal ein junger Wanderer tödlich verunglückt ist und dass mich mein schwerer Rucksack in die Tiefe reißen könnte. Aber dann gelingt es mir, mich wieder zusammen zu nehmen. Quatsch - das schaffe ich ! Ich weiß doch, dass ich es kann ! Langsam und sehr konzentriert, immer darauf achtend, dass ich drei sichere Haltepunkte habe .... so taste ich mich Stück für Stück vorwärts, bis ich wieder festen Boden unter den Füßen habe. Geschafft ! Nach diesem unerwartet schwierigen Abstieg freuen wir uns darüber, dass der Weg keine weiteren Gemeinheiten bereithält. Es geht beinahe einfach in Serpentinen immer tiefer nach unten. Wir sehen schon von Weitem einen entgegenkommenden Wanderer, der sich ausgesprochen langsam und vorsichtig bewegt. Das kann doch kein Thru-Hiker sein, so wie der läuft. Wir staunen nicht schlecht, als der Mann an uns vorbeikommt, denn er trägt eine große Tupper-Dose vor dem Bauch. Er hat einen schweren Rucksack auf und zusätzlich an den Trägern nach vorne diese Plastikdose angehängt. Darin sind Schraubgläser mit Nutella und Erdnussbutter, Verbandsmaterial, ein Ersatz-Akku für sein Handy und aller möglicher anderer Kram wasserdicht aufbewahrt. Und das Beste daran : auf den Deckel der Tupper-Dose hat dieser schräge Typ einen Kompass aufgeklebt, damit er IMMER die richtige Richtung findet. Wir sind ziemlich fassungslos und beobachten noch lange, wie der Mann mit der Plastik-Box vor dem Bauch sich langsam den Berg hochschiebt. Verrückte gibt es wohl überall, auch im Wald und in den Bergen. Nach insgesamt 5 Laufstunden haben wir den Waiau-Pass bezwungen und gönnen uns eine lange Pause an der Upper Waiau Forks-Campsite. Inzwischen scheint die Sonne, es ist heiß. Aber ich sitze mit langer Hose, dicken Socken und Daunenjacke im Gras. Die Sandflies drohen uns aufzufressen. Noch weitere 5 Kilometer haben wir uns vorgenommen, weil wir denken, ab jetzt kommt einfaches Gelände. Aber von wegen ! Ausgedehnte Geröllfelder halten uns auf, es geht nur noch sehr langsam vorwärts. Des Weiteren liegen noch mehrere Fluss-Ueberquerungen vor uns. Immer wieder ziehe ich meine Hiking-Schuhe aus und die Sandalen an. Auch das kostet viel Zeit. Lichtblicke sind kurze Stücke mit schönem Waldweg dazwischen, allerdings geht es auch hier wieder auf und ab. Zum Ende des Tages hin dürfen wir über grüne Wiesen mit Klee und Löwenzahn laufen, das ist wie ein Geschenk nach den heutigen Strapazen. Erst gegen 19.30 Uhr erreichen wir das Caroline Bivvy, eine Hütte für gerade mal zwei Personen. Der Riegel ist von außen geschlossen, es kann also Niemand drin sein. Wir freuen uns schon, aber nur so lange, bis wir die Tür öffnen. Die Hütte hat kein Fenster, ist kleiner als ein Toiletten-Haus, dunkel, schmutzig und stinkt nach Rauch. Es gibt noch nicht einmal Matratzen im Etagenbett, sondern nur durchhängende Stoffbahnen aus einer Art Kartoffelsack, in die man sich legen könnte. Nein, danke ! Als Not-Unterkunft im äußersten Notfall vielleicht akzeptabel, aber wir werden hier ganz bestimmt nicht drin schlafen. Caroline Bivvy ist richtig gruselig. Wir suchen uns einen Platz für's Zelt etwas außerhalb auf einer Wiese. Hier erleben wir dann die größte Sandflies-Plage aller Zeiten. Die sind einfach überall, schwimmen in unserem Tee, krabbeln im Essen und Stechen in jeden freien Zentimeter Haut. Das ist nicht besonders entspannend, wir verkriechen uns so schnell wie möglich. Ich stelle fest, dass ich mein Schweisstuch verloren habe. Das ist sonst immer außen am Rucksack festgeknotet. Nun hängt es sicherlich irgendwo im Gebüsch und wartet darauf, dass ein anderer Wanderer es mitnimmt. Egal, ein bisschen Verlust ist immer. Für uns war es mal wieder ein Tag der Superlative. Wir sind sehr froh darüber, dass sich das Wetter gehalten hat und auch darüber, eine weitere Hürde auf dem Weg nach Bluff gemeistert zu haben. Der Waiau-Pass liegt hinter uns, mit seinen 1870 Metern die höchste Erhebung des Trails auf der Südinsel.

Tag 4 : Caroline Bivvy bis Anne Hut
Brrr, es ist lausig kalt am Morgen. Dunkle Wolken haengen tief ueber den Bergen. Das Zelt und die Wiese sind floddernass vom Nebel. Wir denken, dass wir uns gleich warmlaufen, aber schon nach etwa 10 Minuten macht uns der Fluss einen Strich durch die Rechnung. Da geht der Weg hindurch, also Schuhe aus, und wir muessen knietief durch das eisige Wasser waten. Die Fuesse und die Beine werden ganz gefuehllos, schon nach kurzer Zeit ziehe ich meine Daunenjacke an, damit ich wenigstens oben herum aufwaerme. Aber dann gibt es einen Grund zum Freuen, denn aus Kieselsteinen gelegt steht dort am Ufer geschrieben :  " 2000 Km " - wieder ein Meilenstein geschafft auf dem Weg nach Bluff. Ab jetzt sind die verbleibenden Kilometer nur noch dreistellig. Einige wilde Gaense stehen auf der Wiese, hellgrau mit schwarzem Hals und Kopf. Das ist die Kanadagans, die sich hier huebsch vermehrt hat und den Farmern Probleme bereitet, indem sie den Weidetieren das Gras wegfrisst. Ein gelaendegaengiges Auto vom DOC holpert ueber das stoppelige Gras und stoppt neben uns. Die Mitarbeiter fragen, wo wir uebernachtet haben und wohin wir unterwegs sind. Sie erzaehlen uns, dass sie hier auf dem Trail damit beschaeftigt sind, die zahlreichen Bruecken zu pruefen. Was denn fuer Bruecken ? Thomas zeigt seine durchweichten Boots und die bis zu den Knien nasse Hose. Wir hatten bisher keine einzige Bruecke, aber dafuer schon 8 Querungen durch den Ada River. Ein weiterer Schwarm von Kanadagaensen steigt vor uns in die Luefte auf und fliegt wahrscheinlich in waermere Gefilde. Hier in Neuseeland wird es jetzt Herbst. Waehrend einer langen Pause bauen wir unser Zelt zum Trocknen auf und legen alle feuchten Klamotten in die Sonne, die sich mal wieder durchgesetzt hat. Wir blockieren den Weg total, als ein junges Paar vorbeikommt, die fast am Ende ihrer Wanderung sind. Die Beiden laufen den Te Araroa von Sueden nach Norden, allerdings haben sie sich in diesem Jahr nur die Suedinsel vorgenommen. Von unserem Lagerplatz am Caroline Bivvy sind es noch knapp 60 Kilometer entlang des Waiau River bis nach Boyle Village. Wir vermuten, dass der Trail nun einfacher wird und wir diese Strecke in zwei Tagen schaffen werden. Die Berge weichen zurueck, das Tal wird immer weiter. Anfangs ist gerade Platz fuer einen schmalen Pfad neben dem Fluss, am Nachmittag laufen wir schon durch eine breite Ebene, allerdings befinden wir uns immer noch in einer von hohen Bergen umgebenen Schlucht. Hier gibt es richtig schoene Wiesen mit Sommerblumen, da macht das schnelle Laufen Spass. Das Wetter ist inzwischen strahlend schoen geworden, die zum Teil noch schneebedeckten Gipfel grenzen sich scharf vor dem blauen Himmel ab. Unser Weg geht ueber in den St. James Walkway, eine sehr einfache und gut markierte Route, die auch viel von Reitern genutzt wird. Nach unzaehligen weiteren Fluss-Ueberquerungen duerfen wir am Ende dieses Tages ueber eine wackelige Haengebruecke den Anne River passieren. Das Gitter am Boden ist schon ordentlich rostig, aber die Maenner vom DOC haben ja heute erst auf Sicherheit kontrolliert. Gegen 17.00 Uhr erreichen wir die sehr schoene Anne Hut, die erst 2011 erbaut wurde, nachdem die alte Huette durch ein Feuer zerstoert wurde. Eine 20-Personen-Huette, riesengross, schick eingerichtet und sehr sauber. Eigentlich wollten wir noch weiter, aber in dieser angenehmen Umgebung laesst es sich gut aushalten. Knapp 30 Kilometer haben wir geschafft, das sollte eigentlich reichen. Wir dehnen die Pause immer weiter aus und koennen unser Glueck kaum fassen, als wir abends immer noch alleine sind. Also richten wir uns die besten Plätze her und geniessen es, bereits um 20.00 Uhr im Schlafsack zu liegen.

Tag 5 : Anne Hut bis Boyle Village
Alleine in unserer sauberen Hütte haben wir super geschlafen und gemütlich am Tisch gefrühstückt, ohne von den allgegenwärtigen Sandflies belästigt zu werden. Die lästigen Tierchen sind nämlich nur am Tag aktiv, während der Dämmerung können die uns nicht sehen. Die Gipfel der Berge ringsum liegen so früh noch in den Wolken. Links von uns sollte der 1862 Meter hohe Mount Jervois aufragen, aber davon ist nichts zu sehen. Der Weg bleibt doch nicht unten, wir müssen wieder aufsteigen. Knapp 300 Höhenmeter sind auf diesem gut ausgebauten Waldweg allerdings keine wirklich große Anstrengung. Da haben wir in den letzten zwei Wochen doch so Einiges mehr zu leisten gehabt. Hinter dem Anne Saddle geht es sanft bergab bis zum Fluss hinunter. In rascher Folge klettern und springen wir über Bäche und größere Wasserläufe. Kaum eine Chance auf trockene Schuhe. Dann kommen ausgedehnte Wiesen in Sicht. Gelbe Wiesenblumen zeigen uns den weiteren Verlauf des Weges an. Komischerweise stehen die in einer langen Reihe links und rechts vom Pfad. Das ist wirklich auffällig, und wir suchen nach einer Erklärung für dieses Phänomen. Haben die Blümchen hier mehr Platz zum Wachsen, oder bekommen die direkt neben der Wegspur mehr Licht ? Zu beiden Seiten wächst das Gras mehr als kniehoch, verschiedene Arten von Unkraut haben sich auf der Wiese breitgemacht. Dazwischen stehen auch heute wieder die hübschen Kanada-Gänse in großer Anzahl. Mittags erreichen wir die Rokeby Hut, wo wir Pause machen möchten. Aber auch diese Hütte ist nur für zwei Personen eingerichtet, klein und dunkel. Zwar etwas besser als das schmutzige Caroline Bivvy, aber unserer Meinung nach ist auch die Rokeby Hut nur als Not-Unterkunft bei schlechtem Wetter geeignet. Unsere Rast verlegen wir lieber an einen anderen Ort. Direkt vor einer Brücke über den Boyle River finden wir einen schönen Platz im Schatten einiger Bäume. Danach führt uns der St. James Walkway erstaunlicherweise wieder in einen dichten Wald. Damit hatten wir eigentlich überhaupt nicht mehr gerechnet, die Beschreibung im Buch ist für diese Etappe wieder denkbar schlecht. Es geht nochmal über etliche Hügel, bergauf und bergab, aber nach dem alpinen Gelände der letzten Tage empfinden wir diesen Teil trotzdem als entspanntes Laufen. Nur 5 Kilometer weiter machen wir einen Abstecher zur Boyle Flat Hut. Diese Hütte älteren Baujahres ist nur über eine Hängebrücke erreichbar. Draußen gibt es sogar eine angrenzende Pferdekoppel, auf der die Reiter ihre Pferde parken können. Der Weg hoch zu Ross führt natürlich nicht über die Swing Bridge, sondern unten durch's Flussbett. Die Boyle Flat Hut gefällt uns gut, sie ist richtig gemütlich eingerichtet mit Holzmöbeln wie aus Omas Zeiten. Wir haben noch eine tiefe Schlucht zu durchqueren, die sich tief ins Tal einschneidet. Dann sind wir endlich im Magdalen Valley und biegen auf die letzte Etappe nach Boyle Village ab. Um 17.00 Uhr haben wir unser Ziel erreicht und sind schon wieder knapp 30 Kilometer weiter auf dem Trail. Der Name " Boyle Village " hört sich nach einem Dorf an, aber es gibt hier nur einen Wander-Parkplatz und ein Outdoor Education Center. Dorthin lassen sich die meisten Hiker ihre Proviant-Pakete schicken, allerdings sollen die Betreiber sehr unfreundlich sein. Sonst gibt es absolut nichts ! Wir möchten auf gar keinen Fall in Boyle Village bleiben, sondern wir brauchen einen Supermarkt, um endlich mal wieder frische Lebensmittel einkaufen zu können. In St. Arnaud war das Angebot an Obst und Salat auch schon sehr eingeschränkt, Fleisch, Wurst, Käse und Milchprodukte waren unbezahlbar. Der ursprüngliche Plan war, für einen Ruhetag und großen Einkauf nach Reefton oder Westport zu fahren. Ziemlich schnell werden wir von einem netten Kiwi mitgenommen, allerdings nur bis nach Spring Junction, was etwa auf der Hälfte der Strecke liegt. Hier gibt es eine Tankstelle mit Imbiss, wo wir uns ein schnelles Abendessen gönnen ( wieder nur Fast-Food, irgendein getoastetes Etwas mit fleischhaltiger Füllung ). Es herrscht nur sehr wenig Verkehr, deswegen laufen wir ein paar Kilometer entlang der Hauptstraße weiter, bis wir eine halbwegs brauchbare Stelle für unser Nachtlager finden. Meine Socken sind schon wieder durch,  und es wird wohl nicht das letzte Paar bleiben.


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26.02.2016

Richmond Range 18.02. - 25.02.2016

Tag 1 : Havelock bis Pelorus Bridge und weiter bis Maungatapu Road

Waehrend der Nacht hat es wie aus Kuebeln geschuettet, morgens um 8.00 Uhr stoppt der Regen endlich. Wir verschenken noch ein paar Lebensmittel an ein aelteres Ehepaar, das auch mit schmalem Budget unterwegs ist. Eine angefangene Flasche Oel, Butter und Cornflakes werden gerne angenommen. In Anbetracht unserer schweren Rucksaecke trennen wir uns schliesslich sogar von den letzten beiden Dosen Bier. So sehr wir uns auch am Abend darueber freuen wuerden, keiner hat Lust, sich die Dosen zusaetzlich einzupacken. In einem Laden fuer Bootszubehoer und Fischerei koennen wir unsere Rucksaecke wiegen. Thomas kommt mit dem Proviant fuer 7 Tage und 1,5 Liter Trinken auf insgesamt 20 Kilo Gepaeck. Ich trage mit Essen und 1 Liter Trinken beim Start 15 Kilo plus meine Bauchtasche - das ist auch mehr als genug. Zunaechst laufen wir ein Stueck am Highway entlang. Dann biegt der Weg ab, es geht ueber eine Bruecke auf eine schmalere Landstrasse. Durch die Wolkenbrueche der letzten Tage herrscht ueberall "Landunter". Felder und Wiesen links und rechts von uns sind geflutet. Hinter der Bruecke sehen wir, dass weite Teile unseres Te Araroa ebenfalls unter Wasser stehen. Die Pfuetzen sind ueber mehrere hundert Meter Laenge mindestens knietief. Die erste Senke passieren wir noch ziemlich locker in Sandalen. Kaum sind wir durch diese Riesenpfuetze hindurch, da stehen wir schon vor der naechsten langen Strecke, die richtig tief aussieht. Man kann gar nicht abschaetzen, ob das Durchwaten heute fuer uns ueberhaupt machbar ist, oder ob wir noch einen weiteren Tag abwarten muessen. Ein Postauto kommt von hinten heran und stoppt. Der Mann betrachtet sich die Situation und meint, dass er hier wohl nicht durchkommt. Er scheint sich gut auszukennen in der Gegend und weiss auch, dass gerade Niedrigwasser ist. Der Wasserstand wird also noch weiter steigen. Jetzt oder nie ..... Der Postmann wuenscht uns "Viel Glueck" bei der Durchquerung und fragt noch, ob wir unsere Schnorchel dabei haben. Sehr witzig ! Aber wir muessen da durch, noch laenger wollen wir nicht in Havelock bleiben. Thomas laeuft vor und tastet mit seinen Stoeckern vorsichtig die braune Bruehe ab, damit wir nicht in einem Schlagloch versinken. Wir halten uns moeglichst genau zwischen den Weidezaeunen, denn da muss ja irgendwo die Mitte der Strasse sein. Etwas hoeher als knietief, eigentlich kein Problem, aber es haelt auf. Danach koennen wir unsere festen Schuhe wieder anziehen und marschieren erstmal zuegig weiter, bis Thomas feststellt, dass er seine Brille verloren hat. Oh nein - schon wieder ! Er laeuft nochmal  gute 30 Minuten auf der Landstrasse zurueck, waehrend ich mit den Rucksaecken warte. Leider ohne Erfolg, die Brille bleibt verschwunden. Wieder eine Stunde verdaddelt. Von dort aus fuehrt unser Weg lange am tosenden Fluss entlang, der enorm an Breite zugenommen hat. Ein braunes grosses Etwas schwimmt in der schnellen Stroemung vorbei. Das ist doch wohl nicht schon wieder eine tote Kuh ? Ich mag gar nicht so genau hinsehen. Es geht einfach weiter, ueber sumpfige Wiesen und Weiden, die ganze Zeit feucht bis sehr nass. Seit wir die Landstrasse verlassen haben, laufen wir den Dalton Track. Unzaehlige Male muessen wir Wasser in jeder Form ueberqueren. An einer Stelle erscheint uns der ehemals kleine Bach, den wir uebersteigen sollen, viel zu wild. Thomas prueft die Wassertiefe mit seinem Stock .... nein, da gehen wir lieber nicht durch. Deswegen suchen wir uns einen anderen Weg weiter oberhalb und kommen an einer Kuhweide heraus. Nun muessen wir nur noch wieder zurueck auf den Trail. Erstaunlicherweise sehen wir einen Igel, der sich mit verkniffenen Augen und ziemlich verwirrt an der Strasse entlang tastet. Komisch, die sind doch sonst immer nur platt auf der Fahrbahn zu finden. Kurze Zeit spaeter laeuft noch ein anderer Igel anscheinend orientierungslos an uns vorbei. Thomas vermutet, dass den possierlichen Tieren ihre Behausungen abgesoffen sind. Sonst nur nachtaktiv, hat der starke Regen sie wohl tagsueber aus ihren Loechern getrieben. Auf einer Wiese stehen seltsame Rinder, die sind ganz schwarz und haben einen breiten wollweissen Streifen wie einen Ring um den Bauch. Alle sehen so aus, genau gleich gezeichnet, Kuehe, Bullen und Jungtiere. Das muss eine ganz besondere Rasse sein. Dann kommen wir an einem Gehege mit sehr hohem Zaun vorbei, in dem Rotwild grast. Ein Hirsch und seine 7 Frauen, denen es hier offensichtlich sehr gut geht, bis sie an ein Feinschmecker-Restaurant verkauft werden. Nach 20 Kilometern erreichen wir die Pelorus Bridge, wo es einen Campingplatz mit angegliedertem Cafe gibt. Wir haben extra eine warme Mahlzeit weniger eingeplant, weil wir eigentlich hier nochmal warm essen wollten. aber - dumm gelaufen - das Cafe hat bereits geschlossen, als wir um 17.00 Uhr dort ankommen. Also muessen wir schon an unsere Vorraete, und es gibt nur belegte Brote statt Hamburger mit Pommes. Am Picknick-Tisch treffen wir ein junges Paar, welches schon seit vier Jahren mit dem Fahrrad um die Welt reist. Sehr interessant, wir tauschen eine Menge Tipps und Erfahrungen aus. Es gibt unendlich viele Moeglichkeiten, um andere Laender zu entdecken und dabei hautnah Kontakt zu Menschen und Natur zu haben. Das Reisen per Fahrrad gehoert allerdings vorerst nicht zu unseren weiteren Plaenen. Trotz unseres spaeten Starts schaffen wir noch knapp 30 Kilometer, bis sich dunkle Wolken am Himmel zusammenbrauen. Gerade als die ersten Tropfen fallen, da finden wir einen Platz fuer unser Zelt, und Thomas baut im Regen unser Lager auf.         

Tag 2 : Maungatapu Road bis Middy Creek Hut
Heftiger Regen ohne Unterlass, die ganze Nacht hindurch. Manchmal prasselt es so heftig auf unser Zeltdach, dass wir einige Spritzer abbekommen, die der Stoff nicht abhalten kann. Aber ansonsten bleiben wir ueberwiegend trocken. Morgens stopfen wir alles nur notduerftig in die Rucksaecke und laufen bis an eine Bruecke, wo wir uns sortieren und ordentlich einpacken. Vor unserem Zelt hatten sich Millionen von Sandflies versammelt, die im Trockenenen warteten, bis wir den Eingang oeffneten. Da mussten wir ganz schnell weg. Waehrend wir uns neben der Strasse anziehen, kommt ein Auto vorbei. Der Fahrer wundert sich nicht gross, sondern winkt freundlich und wuenscht uns "Good Luck !" Die Neuseelaender sind einfach nur nett ! Die Welt ist immer noch grau und feucht. Ueberall schiesst gesammelter Regen aus den Bergen und ueber die Strasse in den Fluss. Nach der 5. Durchquerung habe ich nasse Fuesse. Alle Baeche sind reissende Stroeme geworden. Bergauf laufen wir manchmal in fliessendem Wasser, welches uns nur so entgegen rauscht. Wir kommen an einem Hain mit Eukalyptus-Bauemen vorbei, die herrlich wuerzig duften. Hinter einer Kurve trauen wir unseren Augen kaum : Da steht ein schickes Wohnhaus mitten in der Einoede. Das ist aber ein weiter Weg zum Einkaufen. Wie dumm, wenn man dann die Milch vergessen hat .... Und ob hier wohl ein Postbote herausfaehrt, der die Briefe bringt ? Nebenan sehen wir wieder ein riesiges Gehege mit Rehen, die Zucht scheint auf der Suedinsel sehr beliebt und lukrativ zu sein. Unser Weg geht ueber in den Pelorus River Track. Eine Menge entwurzelter Baeume, die wohl der Sturm losgerissen hat, versperren uns so manches Mal den Durchgang. Auf dem Trail liegt ueberall Kleinholz verteilt, das Unwetter muss also ordentlich gewuetet haben. Dann kommt eine dieser furchtbaren Haengebruecken ohne festen Boden, die scheint auch schon bessere Tage gesehen zu haben. Das Betreten ist wieder nur fuer eine Person erlaubt, also werden wir schoen langsam und nacheinander ueber das Metallgitter auf die andere Seite balancieren. Direkt unter uns sehen wir die wilden Fluten des Pelorus River, da kann es einem wirklich Angst und Bange werden. Hoffentlich halten die Drahtseile ! Und nachdem das geschafft ist und der Adrenalin-Pegel wieder auf ein normales Level gesunken ist, da stehen wir vor einem kleinen Wasserfall. Auch da muessen wir irgendwie hindurch, also wieder Schuhe ausziehen. An der Emerald Pool Picnic Area machen wir eine laengere Pause und lernen Marten kennen. Er stammt aus den Niederlanden und verbringt zwei Wochen Urlaub damit, nur die Richmond Range zu laufen. Irgendwie ist der Mann merkwuerdig, spricht sehr schnell und aufgeregt, ein totaler Hektiker. Marten hat sich seinen gesamten Proviant fuer 12 Tage im Fluggepaeck von zu Hause mitgebracht. Er hat einen Zipp-Beutel mit Kruemeln, die wie Paniermehl aussehen und isst waehrend unserer ausgiebigen Rast nur zwei Salzkekse, die er auch noch in den Haenden zerbroeselt. Irgendwie kommt uns dieser Mensch ziemlich seltsam vor, denn er stresst auch schnell wieder los, um vor allen Anderen an der Huette anzukommen. Eine Wespe sticht mich in die Achselhoehle, waehrend ich einfach nur so da sitze und nichts mache. Keine Ahnung, warum .... ich habe einen schwarzen langaermeligen Pulli an, aber das Biest sticht trotzdem hindurch. Sehr schmerzhaft ! Ich liebe die Natur und Tiere im Allgemeinen, aber Insekten mit Stachel werden nie meine Freunde werden. So langsam und fast unmerklich geht es immer weiter bergauf. Auf der gegenueberliegenden Seite sprudelt ein imposanter Wasserfall aus dem Berg. Der Pelorus River wird durch unzaehlige Zulaeufe gespeist und immer breiter. Noch vier weitere Haengebruecken warten auf uns, drei davon sind sehr wackelig und ohne festen Boden. Eine Bruecke hat immerhin ein schmales Brett in der Mitte, auf dem knapp zwei Fuesse beim Laufen nebeneinander passen. Der erste North-Bounder kommt uns entgegen. Das sind die Te Araroa-Wanderer, die ganz im Sueden gestartet sind und andersherum bis nach Cape Reinga im Norden laufen. An der Captain Creek Hut treffen wir wieder auf Marten. Diesmal erscheint uns der Hollaender viel ruhiger und entspannter als beim ersten Zusammentreffen. Er bietet uns sogar eine Tasse Tee an, dafuer bekommt er von uns einen leckeren Muesli-Riegel als Abwechslung zu seinem Kruemel-Essen. Marten erzaehlt uns, dass nicht die hohen Berge vor uns die groesste Herausforderung sind, sondern dass die groesste Gefahr auf den Fluss-Passagen lauert. Nach kurzer Unterhaltung machen wir uns wieder auf den Weg, denn wir haben die naechste Huette als Ziel anvisiert. Eine sehr gute Entscheidung, denn in der Middy Creek Hut, die fuer 6-Personen Platz bietet, bleiben wir ganz alleine. Sehr komfortabel !

Tag 3 : Middy Creek Hut bis Browning Hut
Waehrend eines Toiletten-Gangs in der Nacht haben mich draussen die Muecken zerstochen, was eine laengere Juck-Attacke zur Folge hatte. Danach habe ich bis zum Wecker-Klingeln tief und traumlos durchgeschlafen. Um 6.00 Uhr morgens ist es in der Huette stockfinster, am Himmel stehen noch die Sterne. Beim Hellwerden geht es los, und gleich um 7.30 Uhr haben wir schon wieder die erste fiese Haengebruecke zu meistern. Nicht gerade das, was ich mir so frueh wuensche, aber man gewoehnt sich dran. Richtiges Fruehstueck gibt es erst nach zwei Stunden an der Rocks Hut. Der Anstieg ist angenehm. es geht ueber Geroell und Felsen stetig weiter nach oben. Im Gegensatz zur Nordinsel gibt es hier so gut wie keine Matschloecher, die uns aufhalten. Wir schaffen den Weg eine Stunde schneller als vorgesehen. Huebsche Singvoegel mit gelber Brust flattern um uns herum. Sie sind sehr zutraulich und begleiten uns auf weiten Teilen der Strecke, indem sie neben uns von Baum zu Baum fliegen. Auf weichem Waldboden laufen wir einen schoenen Pfad immer hoeher und hoeher. Irgendwann befinden wir uns zum ersten Mal oberhalb der Baumgrenze. Hier wachsen nur noch niedrige Straeucher, Moose und Flechten. Erinnerungen an die White Mountains auf dem Appalachian Trail werden wach. Blauer Himmel, keine Wolken am Himmel, die Sonne knallt auf uns herunter. Wir laufen nacheinander ueber mehrere Gipfel. Weite Ausblicke nach allen Seiten, wir koennen die Stadt Nelson und in der Ferne das Meer sehen. Es ist atemberaubend schoen hier oben ! Nach einem ordentlichen Abstieg ins Tal gelangen wir an einen Fluss, der zum Baden einlaedt. Zeit fuer eine ausgiebige Wasch-Aktion im eiskalten Wasser. Anscheinend gibt es hier gerade keine Sandflies, dafuer eine Menge wilder Bienen und Wespen. Die Zikaden zirpen um die Wette, was bei der sonstigen Stille ringsum ein lautes, monotones Rauschen im Ohr erzeugt. In Neuseeland gibt es 42 verschiedene Arten von Zikaden mit einer Fluegel-Spannweite zwischen 30 und 80 Millimeter. Sie haeuten sich im Wachstum, und wir sehen einen Kokon, aus dem wohl gerade erst eins dieser Insekten geschluepft ist. Viel zu frueh erreichen wir die Browning Hut, die wir zum Uebernachten geplant hatten. Das ist wieder nur ein kurzer Lauftag, aber wir haben unsere Etappen extra so gewaehlt, dass wir in eine andere Huetten-Taktung kommen. Dadurch haben wir die Chance, die Naechte nicht mit den anderen Gruppen-Hikern zusammen verbringen zu muessen. Anhand der Register wissen wir immer ziemlich genau, wer vor uns ist bzw. hinter uns nachkommt. Ausserdem wollten wir ganz bewusst die Old Man Hut auslassen, weil sie nicht auf dem Trail liegt und nur durch eine Stunde Umweg durch steiles Geroellfeld zu erreichen ist. Bisher ging unsere Rechnung sehr gut auf, wir bleiben wieder alleine. Morgen und uebermorgen werden knackige Tage fuer uns, da haben wir ordentlich Steigungen und viele Laufstunden vor uns. Also werden wir heute nochmal den fruehen Feierabend in unserer privaten Huette geniessen.  

Tag 4 : Browning Hut bis Slaty Hut
Der Tag beginnt erneut sehr frueh fuer uns. Und es wird nicht langweilig. Auf dem Weg zur ersten Huette muessen wir immer wieder Baeche ueberqueren, die mehr Wasser fuehren als gewoehnlich. Zunaechst klappt das auch ganz gut ueber Trittsteine oder mit einem beherzten Sprung, aber irgendwann stehen wir vor einem tieferen Strom. Nuetzt nichts, Hose hochkrempeln, Schuhe und Socken ausziehen, Sandalen an und hindurch. Nacheinander durchwaten wir so einige Male verschiedene Wasserlaeufe, deren Namen ich bald nicht mehr auseinander halten kann. Nach 1,5 Stunden haben wir schon die Hacket Hut erreicht. Dort treffen wir auf einen Jaeger, den ich waehrend seines schlimmen Akzents kaum verstehen kann. Ausserdem macht ein junges Paar hier wohl ein Abenteuer-Wochenende im Zelt. Die haben wir um 9.00 Uhr offensichtlich gerade geweckt. Wir tauschen die Sandalen gegen die Wanderschuhe und halten uns nicht laenger auf. Aber bereits nach kurzer Zeit fuehrt unser Weg wieder direkt zum Fluss. Auf der anderen Seite ist das Te Araroa-Zeichen erkennbar. Also wieder ueberqueren, am anderen Ufer geht es ueber Kieselsteine ganz knapp immer am Wasser entlang weiter. Danach noch ein paar Mal dasselbe Spiel .... man muss durch den Fluss, um dem Weg auf der gegenueberliegenden Seite weiter zu folgen. Einige Male gelingt es mit Balancieren und Huepfen, dann aber finden wir keine geeignete Stelle mehr zum Fjorden. Von jetzt an laufen wir einfach nur noch mit Schuhen und Struempfen hindurch. Die Sandalen auszuziehen, das war auf jeden Fall ein Fehler. Ich weiss nicht, wie viele Male wir insgesamt den Fluss in beide Richtungen hin und zurueck ueberqueren. Fuer mich ist die Vorstellung, nun den Rest des Tages mit nassen Fuessen zu laufen, ganz schrecklich. Ich bewege mich gerade weit ausserhalb meiner Komfortzone und werde quengelig. Thomas kennt das schon und kann sehr gut damit umgehen. Er schaut mir tief in die Augen und holt mich auf den Boden der Tatsachen zurueck. Sooo schlimm ist das dann ja auch alles gar nicht ! Als wir uns endlich vom Fluss entfernen und wieder kraeftig aufsteigen, da habe ich mich wieder abgeregt. Eine laengere Pause im Wald laesst Schuhe und Socken schon etwas trocknen, den Rest muss die Mittagssonne besorgen. Knapp 4 Stunden und 900 Hoehenmeter weiter kommen wir bei der Starveall Hut an, die frisch renoviert vor dem blauen Himmel leuchtet. Wir befinden uns auf einer schoenen Lichtung mit tollen Ausblicken nach drei Seiten hin. Die Silhouetten der Bergkaemme grenzen sich scharf vor dem klaren Horizont ab, weisse Watte-Woelkchen am Himmel, dazu eine unbeschreibliche Ruhe um uns herum. Friedliche Mittagspause am Picknick-Tisch, ein grosser Topf Tee gehoert unbedingt dazu. Sonst gibt es ja seit Tagen immer nur Wasser ohne Geschmack. In der Huette liegen einige Extra-Mahlzeiten, die wohl Jemand uebrig hatte. So kommt Thomas trotz unserer knapp kalkulierten Lebensmittel zu einer zusaetzlichen warmen Suppe. Und dann greifen die Wekas an ! Zuerst picken sie an unserem Schweisstuch herum und schleppen es einen Meter weiter ins Gebuesch. Dann wird die Einlegesohle von Thomas in den Schnabel genommen und wieder ausgespuckt. Der naechste Diebstahl-Versuch gilt seiner Unterhose, die auf einem Podest zum Trocknen haengt. Weka-Vogel zieht sie ganz dreist herunter, was ein sofortiges Eingreifen erfordert. Mann, was sind die frech ! Wir duerfen wirklich nichts draussen herumliegen lassen. Nach unserer erholsamen Pause steigen wir weiter auf und laufen an der Flanke des Mt. Starveall ( 1511 Meter ) entlang. Ab hier wird der Weg durch Steinmaennchen oder 2 Meter lange orangefarbene Stangen markiert. Wir sind nun wieder oberhalb der Baumgrenze, die Luft ist frisch und klar. Es waechst noch sehr sparsam etwas hartes Gras, das Moos an den Felsen ist hellgrau bis dunkelbraun gefaerbt. Erstaunlicherweise haben sich selbst auf den Berggipfeln ein paar Blumen durchgesetzt. Weisse Blueten auf langen Stielen trotzen der Witterung. Zwischen dem Geroell kann man winzig kleine rote Beeren entdecken. Waehrend der letzten Stunde unserer Wanderung schiebt sich von hinten aufkommend dichte Bewoelkung heran. Es sieht aus, als koennte es heute noch Regen geben. Aber wir haben Glueck - auf dem Grat und an unserer Seite des Berges bleibt es schoen und trocken. Nach diesem herzhaften Anstieg muessen wir auf der anderen Seite durch Krueppelwald wieder tief hinunter. Und noch ein letztes Mal geht es 300 Hoehenmeter bergauf bis zur Slaty Hut, die sich auf 1400 Metern Hoehe befindet. Es ist schon wieder Keiner zu Hause, die Huette gehoert uns alleine. Zum Abschluss dieses anstrengenden vierten Tages goennen wir uns zwei Packungen Back Country Cuisine ( laut Aufschrift jeweils fuer zwei Personen ). Solche guten Mahlzeiten haben wir vorher noch nie gekauft, weil sie ausgesprochen teuer sind. Aber auf dieser harten Etappe, wo wir mehr Essen als sonst tragen muessen, haben wir uns ausnahmsweise diese gesunden und energiereichen Tueten geleistet. Kosten mal eben 50,- Dollar fuer zwei Tage, sind aber wirklich lecker, und im Gegensatz zu unseren sonstigen 2-Minuten-Nudeln fuehlen wir uns danach richtig satt. Ein Festmahl in der Mitte der Richmond Ranges, damit wir morgen wieder ordentlich Gas geben koennen. 

Tag 5 : Slaty Hut bis Mt. Rintoul Hut
Es ist wieder dunkel, als der Wecker morgens klingelt, aber daran habe ich mich inzwischen gewoehnt. Wir sind wirklich ausgesprochen diszipliniert auf dieser Strecke durch zum Teil hochalpines Gelaende. Draussen vor der Tuer ist es neblig und kalt, um uns herum nur Wolken. Trotzdem macht es Spass, so frueh unterwegs zu sein und den Tag erwachen zu sehen. Diese Stille um uns herum ist einmalig. Nur eine verirrte Ziege meckert rechts von uns am Hang. Als Fruehsport gibt es einen Aufstieg zum Slaty Peak, von dort aus laufen wir auf einer langen Bergkette und bleiben meistens in der Hoehe. Schon bald klart es auf, das Wetter will wohl wieder schoen werden. Ganz weit entfernt kann man das Rauschen eines Wasserfalls im Tal hoeren. Ansonsten nur Ruhe, Einsamkeit und grenzenlose Natur um uns herum. Wir befinden uns heute, am 5. Tag unserer Tour, genau in der Mitte der Richmond Range. Das bedeutet, wir sind wirklich von allen Seiten von richtigen Bergen umgeben. Wir koennen einen phantastischen Ausblick vom naechsten Gipfel geniessen, denn der Himmel ist inzwischen strahlend blau. Schon um 10.00 Uhr morgens, viel frueher als erwartet, erreichen wir den Old Man Summit mit 1514 Metern Hoehe. Statt der angegebenen vier Stunden haben wir den Weg bis hierhin in etwas mehr als zwei Stunden geschafft. Zur Belohnung erlauben wir uns eine ausgedehnte Fruehstueckspause auf dem sonnigen Gipfel. Bis zum Abzweiger zur naechsten Huette bleibt der Trail richtig schoen, zwar mit steilen Abschnitten, aber insgesamt sehr gut zu gehen. Wir haben uns bis jetzt nicht ueberfordert, sondern hatten drei Ruhetage in Havelock und haben uns auch danach in der ersten Haelfte der Richmond Range eher zurueckgehalten. Deswegen fluppt es auch heute wieder ausgesprochen gut. Wir fuehlen uns immer noch frisch und ausgeruht. Ein Thru-Hiker, der nach Norden unterwegs ist, erzaehlt uns, dass er die letzten Naechte immer in vollen Huetten verbracht hat. Er meint, dass die Leute, die uns voraus waren und durch das schlechte Wetter ausgebremst wurden, nun alle sehr erschoepft sind. Einigen ist durch die Wartezeit sogar das Essen ausgegangen. Da haben wir es eindeutig besser eingerichtet. Uns geht es richtig gut, Proviant ist auch noch genug vorhanden. Wir haben unsere Kraefte gespart fuer den schwierigen Mittelteil, wo die Anderen bereits ordentlich abgebaut haben. Die Old Man Hut liegt zu unserer Linken, aber da wollen wir gar nicht hinunter, weil es einen Umweg mit 200 Hoehenmetern Auf- und Abstieg bedeuten wuerde. Danach beginnt der bisher schwierigste Teil, schwindelerregende Passagen entlang von harschen Felswaenden. Klettern, Steigen, Balancieren .... manchmal muessen die Stoecker weg und beide Haende zu Hilfe genommen werden. Aber es ist alles gut zu bewaeltigen, technisch nicht besonders schwierig. Beim Vergleich mit dem Appalachian Trail denke ich immer wieder : Die White Mountains waren viel schwieriger. Technische Finessen sind hier nicht erforderlich, aber man sollte auch keine Hoehenangst haben, wenn zur linken Seite der Abgrund lauert. Konzentration und alles schoen langsam angehen - das ist unsere Devise. Man wird ja vernuenftiger mit dem Alter. Am Nachmittag wird es dann doch noch heftig anstrengend. Wir muessen steil aufsteigen bis auf den Gipfel des Little Rintoul ( 1643 Meter ). Oben herrscht dicke Nebelsuppe, keine Sicht nach Nirgendwohin. Es ist feucht und kalt. Also schnell wieder hinunter, durch ein rutschiges Geroellfeld stolpern wir 200 Hoehenmeter tiefer. Das spuert man ordentlich in den Knien, obwohl wir bisher sehr schonend gelaufen sind. Von dort aus sieht man bereits den naechsten Gipfel im Weg liegen. Der Mount Rintoul ist mit 1731 Metern der hoechste Berg der Ridgemond Range. Ueber Geroell und wackelige Felsplatten kaempfen wir uns wieder 300 Hoehenmeter hinauf. So langsam schwinden unsere Kraefte und auch die Lust am Kraxeln und Steigen. Noch ein weiteres riesiges Geroellfeld muss durchquert werden. Mir scheint es, als ob das ewig dauert. Nicht umsonst werden auf der Te Araroa-Seite im Internet 5 Stunden fuer 4,5 Kilometer Distanz veranschlagt. Wir konnten es nicht glauben, aber viel schneller geht es wirklich nicht. Um 18.00 Uhr erreichen wir ziemlich erschoepft die Mt. Rintoul Hut. Wir sind bis jetzt vier Naechte alleine geblieben, aber heute laufen wir in eine kleine Gruppe hinein. Drei Leute, die an diesem Tag von der Old Man Hut gekommen sind, also lediglich 4,5 Kilometer zurueckgelegt haben. Damit konnten wir bei unserer Planung natuerlich nicht rechnen. Alle drei sind Raucher, nicht besonders angenehm. Die Huette bietet Platz fuer sechs Personen, und zum Weiterlaufen ist es zu spaet. Wir richten uns die oberen Etagenbetten her und liegen schon um 20.00 Uhr auf der Matratze.     

Tag 6 : Mt. Rintoul Hut bis Top Wairoa Hut
Die letzte Nacht war unruhig, wir haben beide schlecht geschlafen. Auch das Kaffee-Trinken in der Huette ist nicht besonders entspannend, deswegen starten wir noch frueher als sonst. Zunaechst steigen wir kraeftig auf - was sonst ? Der Gipfel des Purple Top ( 1532 Meter ) liegt noch komplett in den Wolken. Man kann so gerade noch mit viel Muehe den naechsten Markierungspfahl erkennen. Wir erreichen schon nach 3 Stunden und 10 Minuten den Abzweiger zur Tarn Hut und koennen es kaum glauben. Schon da ? Auf dem letzten DOC-Schild war diese Entfernung mit 5 Stunden angegeben. Kurze Pause, dann gleich weiter ..... wir haben uns einen langen Tag vorgenommen, weil wir nicht noch einmal mit der rauchenden Dreier-Gruppe in einer Huette schlafen moechten. Und der Weg ist einfacher als erwartet, das kommt unseren Plaenen sehr entgegen. Zwar geht es immer noch bergauf und bergab, aber wir sind nach wie vor in guter Verfassung und laufen die Kilometer einfach so weg. Der Rucksack ist auch schon wesentlich leichter geworden. Immerhin ist heute unser sechster Tag in der Ridgemond Range. So langsam muessen wir die Muesli-Riegel und Tortillas abzaehlen und einteilen. Der dritte North-Bounder kommt uns entgegen. Insgesamt sollen in diesem Jahr nur etwa 10 Leute gestartet sein, die den Te Araroa von Bluff im Sueden bis nach Cape Reinga im Norden gehen. Unser Weg fuehrt weiter durch Wald mit niedrigem Baumbewuchs. Anstieg, Abstieg, Gegenanstieg ..... dann geht es nur noch steil hinunter bis zum Wairoa River, 900 Hoehenmeter abwaerts in die Tiefe. Wir kommen erstaunlich schnell vorwaerts, denn das Gelaende ist trocken und griffig. Eine unangenehme Haengebruecke ohne festen Boden bringt uns auf die andere Seite des Flusses, wo wir schon bald die Mid Wairoa Hut entdecken. Wahnsinn - schon wieder haben wir nur 3 Stunden gebraucht fuer eine Tour, die mit 4,5 Stunden angegeben war. Ein sehr schoener Platz mit viel Wiese drumherum und einem Picknick-Tisch vor der Huette. Der Fluss rauscht direkt nebenan vorbei. Aber fuer mich ist das kein guter Ort zum Bleiben. Bienen, Wespen, Muecken und Sandflies lassen uns die Pause lieber im Inneren verbringen. Von dort aus haben wir uns noch eine weitere Etappe vorgenommen. Die starken Regenfaelle vor ein paar Tagen haben auf dem Weg einen Erdrutsch verursacht. Felsbrocken, Erde und ganze Baeume sind den Hang hinuntergestuerzt. Te Araroa ist an dieser Stelle unpassierbar geworden, deswegen muessen wir uns einen neuen Weg oberhalb des Ufers suchen. Auch danach bleibt es spannend. Wir muessen zum Ende des Tages noch insgesamt acht Fluss-Ueberquerungen machen, ausserdem zwei kleinere Seitenarme des Wairoa River ueberwinden. Zwischendurch gibt es Aufstieg und Abstieg, immer auf schmalem Grat parallel zum Fluss. Einen relativ ruhigen Fluss-Abschnitt nutzen wir, um in einem kleinen Pool zu baden. Beim Einseifen zerreibe ich ein Dutzend Sandflies, die sich auf meiner Haut niedergelassen haben. Das Wasser ist eiskalt, zum Haarewaschen kann ich mich nicht ueberwinden. Wir wundern uns ueber ein dickes Drahtseil, welches in einer ausgesetzten Kurve am Abhang als Sicherung angebracht ist. Was soll denn dieser Quatsch ? Erstens hat kein Long-Distance-Hiker Karabiner und Sicherungsseil im Rucksack dabei. Und ausserdem....was ist denn mit den weiteren 3000 Metern, die man ungesichert und ebenso gefaehrlich rutschig zuruecklegen muss ? Ein Wasserfall, der ueber fuenf Stufen in die Tiefe stuerzt, liegt auch noch auf unserem Weg. An der obersten Felsreihe suchen wir uns die ruhigste Stelle, um durch den Wasserfall auf die andere Seite zu gelangen. Es wird nicht langweilig. Um 19.00 Uhr erreichen wir die Top Wairoa Hut, wir haben unser Tagesziel erreicht. Es liegen bereits drei Personen ziemlich ermattet auf den unteren Betten. Es handelt sich um zwei echte Kiwis, die von der Nordinsel heruebergeflogen sind, um ihren Urlaub in der Ridgemond Range zu wandern, Und dann lernen wir noch Liu kennen, eine Thru-Hikerin italienischer Abstammung, die auch den ganzen Trail alleine laeuft. Das Maedel hat keinen Proviant mehr, aber die neuseelaendischen Gentlemen haben Liu grosszuegig mit Muesli-Riegeln, Backcountry Cuisine und teurem Fertig-Fruehstueck beschenkt. Insgesamt ist das eine ganz nette Gesellschaft, vor allen Dingen sind sie alle muede und ruhig.     


Tag 7 : Top Wairoa Hut bis Motueka River
Gut geschlafen haben wir, ausgeruht sind wir und frueh unterwegs. Schon wieder blauer Himmel, die Luft hier oben ist klar und sehr kalt. Noch einmal muessen wir unsere Kraefte mobilisieren, denn es geht immer noch hinauf und hinunter. Wir ueberqueren den Mt. Ellis mit 1615 Metern Hoehe. Die Sonne waermt schon um 9.00 Uhr morgens, so dass wir auf dem Gipfel eine Pause mit toller Aussicht geniessen koennen. Zur Linken liegt der Red Hill, der mit 1791 Metern Hoehe auch sehr imposant aussieht. Leider hat unsere Kamera inzwischen den Dienst quittiert, also gibt es kein Foto. Die Batterien sind leer, wir brauchen unbedingt mal wieder eine Steckdose zum Aufladen. Vom Mt. Ellis aus geht es steile 900 Hoehenmeter bergab bis zum Motueka River. Da macht es sich doch langsam bemerkbar, dass wir bereits einige sehr anstrengende Tage hinter uns haben. Unten gibt es zwei Fluss-Querungen, die wir beinahe mit trockenen Schuhen schaffen. Naja, nicht ganz, mit einem Fuss rutsche ich vom Stein ab und trete ins knietiefe Wasser. Aber das ist jetzt auch egal. Nach ueber 5 Stunden strammen Laufens und einem letzten steilen 15-Minuten Anstieg erreichen wir die Hunters Hut, die nagelneu und luxurioes ist. Hier waere ein toller Platz zum Bleiben, aber nach einer Mittagspause machen wir uns auf den weiteren Weg. Die Landschaft um uns herum ist wunderschoen. Grosse Felder mit rotem Gestein liegen vor uns, ueber die wir nur langsam vorwaerts kommen. Inzwischen hat ein boeiger Wind eingesetzt, der mich einmal fast von den Felsen weht. Dadurch werde ich unsicher und laufe noch eine Spur langsamer. Ploetzlich stehen wir wieder vor einem Erdrutsch. Baeume, Wurzelballen, Felsen und Erdklumpen sind ins Flussbett hinabgepoltert und muessen umklettert werden. Danach steigen wir wieder auf, diesmal schimmert das Gestein gruen in der untergehenden Sonne. Mineralien verschiedenster Art bringen die verschiedenen Faerbungen hervor, immer wieder sehen wir andere Nuancen. Um uns herum nur Berge nach allen Seiten, unter uns schlaengelt sich der wilde Fluss in Kurven durch die Schlucht. Unsere Freundin Manja, die den Trail vor zwei Jahren gelaufen ist, hat diese Kulisse als Winnetou-Landschaft beschrieben - und genau so sieht es auch aus. Thomas stellt ganz treffend fest : Das sah hier schon vor 10.000 Jahren so aus ! Uns kommt eine junge Frau mit schlankem Rucksack entgegen, eindeutig ein Indiz fuer Te Araroa-Hiker. Das Maedel ist tatsaechlich alleine unterwegs und laeuft den Trail in umgekehrter Richtung. Sehr mutig, aber ueberhaupt nicht gespraechig. Um 17.30 Uhr erreichen wir die Porters Hut, wo wir die beiden Neuseelaender antreffen, die schon wieder in der Waagerechten liegen. Wir moechten sowieso nicht bleiben, sondern machen nur kurze Pause, um noch ein paar Kilometer mehr zu schaffen. Eine Stunde spaeter stolpern wir fast ueber einen jungen Mann, der total erledigt mitten auf dem Weg neben seinem Rucksack sitzt. Es stellt sich heraus, dass er aus Deutschland stammt und ebenfalls den Trail von Sueden nach Norden laeuft. Wir quatschen eine Weile und tauschen ein paar Informationen aus, was den weiteren Verlauf betrifft. Dann muessen wir weiter, denn die Dunkelheit rueckt naeher. Natuerlich findet man in diesem Gelaende nicht so schnell eine ebene Stelle fuer's Zelt. Die Marker liegen weit auseinander und sind schon fast nicht mehr zu erkennen. Wir muessen noch mehr als eine weitere Stunde zuegig laufen, bis wir wieder unten am Ufer des Motueka Rivers ankommen. Dort sucht Thomas uns einen feinen Platz auf einem sandigen Flecken. Der Wasserstand ist seit dem letzten Regen stark gefallen, so dass wir hier am Rande des Flussbettes eigentlich trocken bleiben muessten. Es ist schon richtig spaet, bis unser Lager eingerichtet ist. Trotzdem kochen wir unsere letzte Mahlzeit direkt am Wasser und geniessen die wunderbare Abend-Stimmung alleine zu zweit. Schon morgen werden wir fertig sein mit der Richmond Range, da kann man fast ein bisschen wehmuetig werden.        

Tag 8 : Motueka River bis St. Arnaud
Wir hatten ein weiches Lager im Sand mit dem beruhigenden Rauschen des Flusses im Ohr. Trotzdem wachen wir ziemlich kaputt auf, die Nachtruhe war einfach zu kurz. Inzwischen stecken uns die letzten beiden Tage doch in den Knochen. Gestern und vorgestern waren wir 12 bzw. 13 Stunden unterwegs, davon jedes Mal satte 10 Laufstunden, der Rest Pausenzeit. Die Fuesse schmerzen, und die Beine sind schwer. Trotzdem freuen wir uns ueber einen tollen Tagesbeginn. Erstaunlicherweise ist es nicht feucht, und die Luft ist schon morgens um 6.30 Uhr recht warm. Nur die eine Million Sandflies stoeren, die sich ueberall hinsetzen und zubeissen, wo sie ein Stueck nackte Haut entdecken. Mit Pullover und Daunenjacke bekleidet trinken wir unseren letzten Kaffee auf den dicken Kieselsteinen am Fluss. Wir haben sehr gut geplant und eingekauft fuer diese Etappe : Milchpulver und Zucker sind gerade leer, Kaffee ist vielleicht noch fuer eine Tasse da. Ausserdem drei Tortillas fuer unser Fruehstueck, ein paar Kekse und etwas Knabberzeug. Heute queren wir nur noch 2-3 Mal ueber den Motueka River, das wird uns wahrscheinlich demnaechst fehlen. Ein weiterer durch starke Regenfaelle verursachter Abrutsch versperrt uns den Weg. Aber auch dieses Hindernis koennen wir ohne Probleme umgehen, indem wir die steile Kante hinaufklettern und auf der anderen Seite wieder hinunterrutschen. Vom Flussbett ganz unten muessen wir wieder stark aufsteigen bis zu unserer letzten Huette. Es geht einige Kilometer an einem schraegen Abhang entlang, immer der prallen Sonne ausgesetzt. Das letzte Stueck des Trails fuehrt uns durch Sumpfgebiet. Hier sind wir wieder einmal froh, dass wir das schlechte Wetter in Havelock abgewartet haben und deswegen relativ trocken laufen koennen. Um 10.00 Uhr morgens erreichen wir die Red Hills Hut, die auf 910 Metern Hoehe gelegen ist. An dieser Stelle zeigt uns ein DOC-Schild an, dass der Ridgemond Range Forest Park zu Ende ist. Leider ! Wir hatten eine unbeschreiblich tolle Woche mit besten Wetter-Bedingungen und haben alle Herausforderungen so gut gemeistert, dass wir eigentlich direkt auf die naechste Etappe starten moechten. Der Weg hinaus ueber einen Forstweg dauert nur 1,5 Stunden, danach geht es zum Abgewoehnen ein bisschen bergauf und bergab auf einem Waldweg. Hier begegnen uns die ersten Sportler und Tages-Touristen - die Welt hat uns wieder. Der letzte Abschnitt besteht aus 10,6 Kilometern entlang der Strasse bis nach St. Arnaud. Das ist der Teil, der uns dann doch noch ziemlich plaettet. Wir mieten uns in der Travers-Sabine Lodge ein und nehmen unser Paket mit Essen entgegen. Darin enthalten ist der Proviant fuer die naechste Woche, weil es hier im Dorf fast nichts zu kaufen gibt. Duschen, saubere Waesche, ein weiches Bett fuer die Nacht - nach einer Woche voller Entbehrungen koennen wir das so richtig geniessen !

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17.02.2016

Havelock 16.-17.02.2016.

SEVERE WEATHER WATCH FOR MARLBOROUGH, CANTERBURY HIGH COUNTRY,CHRISTCHURCH, SOUTHERN LAKES, TAUMARUNUI, TAIHAPE, TARANAKI, WANGANUI,WELLINGTON ISSUED BY METSERVICE AT 1136hrs 16-Feb-2016
HEAVY RAIN FOR PARTS OF THE SOUTH ISLAND AND WEST OF THE NORTH ISLAND. ALSO, STRONG WINDS FOR CENTRAL NEW ZEALAND.
Note: In this update North Taranaki has been included in the Watch.
A series of fronts over the Tasman Sea, preceded by a moist northerly flow, are expected to move northeast over the South Island on Wednesday, and the remainder of New Zealand during Thursday.
Heavy rain is expected in the north and west of the South Island during Wednesday and early Thursday, and in the north and west of the North Island from late Wednesday through to Thursday. Northerly winds are also expected to become strong about central New Zealand during Wednesday and early Thursday.
A heavy rain Warning is in force for FIORDLAND, WESTLAND, BULLER, NELSON, MARLBOROUGH and MOUNT TARANAKI.
This Watch is for the possibilty of HEAVY RAIN reaching warning criteria in the following areas...
The OTAGO and CANTERBURY HEADWATERS: Heavy rain is expected about the main divide from early Wednesday morning to Wednesday night. This Watch is for possibility that rainfall accumulations could exceed warning amounts within 15km east of the divide during this time. 
The MARLBOROUGH SOUNDS and RAI VALLEY: Periods of heavy rain are likely on Wednesday and early Thursday morning.
NORTH TARANAKI across to TONGARIRO NATIONAL PARK: A period of heavy rain is expected from Wednesday evening to Thursday morning.
This Watch is also for the possibilty of SEVERE GALES in the following areas...
CANTERBURY HIGH COUNTRY, BANKS PENINSULA, MARLBOROUGH, WELLINGTON, TARANAKI and WANGANUI: Northerly winds are expected to rise to gale in exposed places from Wednesday afternoon to late Thursday morning, and may becoming severe during this period. 

People are advised to keep up to date with forecasts in case parts of this Watch are upgraded to a Warning.

So weit also der Wetterbericht mit Unwetter-Warnung.
Puh - ist das langweilig ! Schon der dritte Tag unfreiwilligen Wartens ..... und es regnet wie aus Kübeln. Hier im Dorf gibt es noch nicht einmal eine öffentliche Bücherei,  in der wir am großen Computer im Internet herumdaddeln könnten. Das bedeutet, Homepage mühsam am Handy schreiben. Trotzdem war es sicherlich eine kluge ( oder bequeme ) Entscheidung, unseren Aufenthalt in Havelock nochmal um eine Nacht zu verlängern. Gestern waren wir im berühmten Mussel Pot essen. Muscheln - was sonst ? Auf verschiedenste Weise zubereitet : gekocht, gegrillt, paniert, eingelegt, geräuchert und sogar in der Vorsuppe. Muss man hier mal gemacht haben, aber so ganz mein Fall war es nicht. Das Bargeld-Problem haben wir auch gelöst. Zufällig haben wir einen Bus an der Straße stehen sehen, der nach Picton fahren sollte. Thomas konnte noch nicht einmal das Ticket bezahlen. Aber die Busfahrerin war sehr nett und hilfsbereit. Nach einem Anruf in ihrer Zentrale wurde der Fahrpreis von unserer Kreditkarte abgebucht und Thomas konnte einsteigen. Er musste auch gar nicht bis nach Picton, weil der Bus vorher in Blenheim angehalten hat, wo es einen Geld-Automaten gibt. Zurück ging's dann per Anhalter, insgesamt war er drei Stunden unterwegs. Heute dann wieder ein sehr schleppender Tag .... Ansichtskarten geschrieben, Hose und Rucksack genäht, Informationen über unsere nächsten Long Trails gesammelt. Der PCT und der CDT, beide in den USA, stehen noch auf unserer ToDo-Liste. Haben unten in der Hotel-Bar ein paar Runden Billard gespielt. Das konnten wir vor 30 Jahren wirklich besser. Und jetzt sitzen wir im Cafe nebenan bei guter Musik und haben nichts weiter zu tun. Werde deswegen an dieser Stelle mal noch ein paar ältere Fotos hochladen. 

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16.02.2016

Havelock 15.02.2016.

Havelock will uns nicht gehen lassen ! Bis zum ersten Kaffee war unsere Welt noch in Ordnung, aber dann bringt ein vernichtender Wetterbericht unsere ganze schöne Planung durcheinander. Mittwoch, Donnerstag und Freitag soll es heftige Regenfälle geben, dazu noch viel Wind und sogar Sturm über den Sounds. Wir haben knapp 50 einfache Kilometer vor uns, bevor es in der Richmond Range so richtig schwierig wird. Heute, am Montag, wollten wir unsere Rucksäcke mit Proviant für 8 Tage vollpacken und dann in zwei Tagen diesen leichteren Teil ablaufen. Mittwoch wollten wir den eigentlichen Aufstieg starten, genau dann, wenn die Schlechtwetter-Front anfängt. Wir überlegen lange hin und her, wie wir jetzt am Besten weiter vorgehen sollen. Inzwischen gibt es sogar eine Unwetter-Warnung auf der Te Araroa-Seite im Internet. Es ist unverantwortlich, bei dieser Prognose an den alten Plänen festzuhalten. Schlimmstenfalls müssten wir 2 oder 3 Tage in einer der Hütten auf Wetterbesserung warten. Wie viele Personen dann dort gleichzeitig Schutz suchen, das ist allerdings völlig ungewiss. Könnte sein, dass sich ein Dutzend oder mehr Hiker in einer viel zu kleinen Hütte einrichten müssen. Da haben wir natürlich überhaupt keine Lust drauf. Und das Essen wird dann ebenfalls knapp, weil wir nicht auch noch Proviant für zusätzliche Warte-Tage tragen möchten. Unser Zelt ist bereits abgebaut, und die Rucksäcke sind fertig gepackt. Eigentlich sind wir voll motiviert zum Weiterlaufen, aber vernünftiger wäre es, erst am Mittwoch mit der leichten Etappe zu starten. Okay, dann werden wir im Regen unterwegs sein, haben aber mit hoher Wahrscheinlichkeit gute Aussichten auf besseres Wetter auf dem anspruchsvollen Teil. Wir entscheiden uns dazu, per Anhalter in die größere Stadt Nelson zu fahren, um die unfreiwillige Pause etwas interessanter zu gestalten. Dort soll es sehr schön sein, außerdem gibt es mehr und günstigere Einkaufsmöglichkeiten. Ein neues Problem taucht auf, denn offensichtlich ist der Touristen-Ort Nelson komplett ausgebucht. Es gibt kein Zimmer mehr in unserer Preisklasse. Zähneknirschend finden wir uns damit ab, dort auf dem Campingplatz zu wohnen. Wieder ein paar mehr Nächte im Zelt, wo doch ein nettes Zimmer so schön wäre zum Herumgammeln. Meine Laune wird immer schlechter. Wir stehen lange an der Straße und halten den Daumen 'raus, aber alle Autos fahren vorbei. Endlich hält ein Wagen, aber der junge Mann fährt nur etwa 10 Kilometer weiter, bis Nelson sind es aber ungefähr 100 Kilometer Strecke. Das nützt uns also nicht viel. Danke, wir bleiben an der Straße stehen und versuchen es weiter. Vielleicht sollten wir lieber nach Blenheim in die andere Richtung trampen ? Auch diese Idee hat sich bald erledigt, denn auch in Blenheim scheint es kein bezahlbares Zimmer zu geben. Inzwischen bin ich nur noch genervt. Nach zwei Stunden Warten auf eine Mitfahrgelegenheit geben wir es auf. Wir bleiben einfach hier, kaufen morgen für die Richmond Range ein und werden dann am Mittwoch auch bei schlechtem Wetter starten. Havelock ist ein kleines Dorf, nicht gerade das, was ich mir für die freien Tage wünsche. Es gibt noch nicht einmal einen Geldautomaten hier. Wir haben kein Bargeld mehr und müssen jeden kleinen Einkauf mit der Kreditkarte bezahlen. Eine Post habe ich vergeblich gesucht. Immerhin kann man im Ort Briefmarken kaufen - in der Apotheke. Aber selbst in diesem Kaff ist es schwierig, für die nächsten zwei Nächte unterzukommen. Das erste Motel ist uns zu teuer, das zweite Motel ist komplett ausgebucht, ein Mehrbett-Zimmer im Hostel erscheint mir nicht besonders attraktiv. Schließlich finden wir ein einfaches Zimmer über einem Restaurant zum vernünftigen Preis. Ohne Internet und Fernseher, Gemeinschafts-Toilette und Dusche auf dem Flur, Altbau und mit Oma-Möbeln eingerichtet. Aber für umgerechnet 40,- Euro pro Nacht ist es ganz okay. Wir machen einfach das Beste draus, stürzen uns in die weitere Planung der Südinsel und ruhen uns aus.


 

15.02.2016

Queen Charlotte Track 12.-14.02.2016.

Der Te Araroa startet auf der Südinsel nicht in Picton, wo die Fähre anlegt. Das ist wieder sehr unpraktisch, dass man nicht einfach weiterlaufen kann. Stattdessen muss man einen Transport mit dem Wassertaxi organisieren. Wir haben uns für die Gesellschaft " Beachcomber Cruises" entschieden, denn die bieten Rabatt für TA-Hiker an. Wieder klingelt der Wecker früh, wir müssen um 8.30 Uhr am Hafen sein. Für 50,- Dollar pro Person bekommen wir eine 90-minütige Fahrt durch die Fjorde geboten, was wirklich unheimlich reizvoll ist. Unterwegs stoppt unser Beachcomber und dreht langsame Kreise um ein paar Blaue Zwerg-Pinguine. Das sind die kleinsten Pinguine der Welt, und sie sind nur in Neuseeland heimisch. Also schon etwas Besonderes, dafür interessiert uns der Seehund etwas später nur wenig. Anlegestelle und Startpunkt für den "Queen Charlotte Track" ist die Ship Cove. Diese Bucht wurde von Captain James Cook so benannt, der im Januar 1770 hier angelandet ist. Ihm und seinen Reisen ist in der Ship Cove ein Denkmal gewidmet, vor dem sich die fotografierenden Tages-Touristen sammeln. Wir frühstücken hier erstmal gemütlich und warten, bis sich die anderen Leute in alle Himmelsrichtungen verteilt haben. Dabei machen wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Weka-Vogel. Der Weka ist ein flugunfähiger Vogel, sieht etwa aus wie eine Mischung aus Ente und Huhn. Er ist ebenso typisch für Neuseeland wie der Kiwi. Vorher auf der Nordinsel haben wir noch nie einen Weka gesehen, hier laufen gleich mehrere zwischen den Picknick-Tischen herum und warten, dass etwas Essbares für sie abfällt. Außerdem gibt es am Strand eine Familie Austernfischer mit zwei Jungen, die ein lautes Gezeter veranstalten, als wir denen zu nahe kommen. Ein großer Teil des Queen Charlotte Track verläuft durch privates Land. Jeder Wanderer muss in diesem Gebiet eine Gebühr für das Durchlaufen dieses Privat-Eigentums entrichten. In unserem Falle kostet der Pass für 5 Tage 18,- Dollar pro Person. Zähneknirschend zählen wir auch das, aber über die enormen Extra-Kosten regt sich hier jeder Thru-Hiker auf, der ja im Durchschnitt 4-5 Monate auf dem Trail unterwegs ist. Endlich starten wir unsere Durchquerung der Südinsel, zunächst geht es mal ordentlich bergauf bis auf einen Sattel mit Aussichtspunkt. Der ist schon besetzt von mehreren Tagesgästen, die von verschiedenen Gesellschaften mit Booten angekarrt werden und einige Stunden hier herumlaufen ( mich erinnert das ein bisschen an Helgoland ). Wir marschieren direkt weiter und steigen auf der anderen Seite hinunter zur Resolution Bay. Von da aus verläuft der Te Araroa schön einfach rings um die Küste herum. Der Weg ist ungewohnt breit und eben, weil er für die vielen Spaziergänger ausgesprochen gut gewartet wird. Wir sehen auf dieser unteren Ebene sogar zwei kleine Planierraupen am Rand stehen. Also für uns ein sehr angenehmer Start, nachdem wir doch in Wellington wieder so viele Tage kaum gelaufen sind. Wir kommen richtig gut voran in diesem Gelände. Plötzlich sticht mich eine Wespe in die Armbeuge, einfach so während des Laufens. Es tut höllisch weh, aus Reflex schlage ich drauf, dabei bleibt der Stachel in der Wunde stecken. Die Stelle brennt und schwillt sofort an. Kurze Zeit später dasselbe nochmal, eine Wespe sticht mich am Hals. Wieder ist es sehr schmerzhaft im ersten Moment, lässt aber schneller wieder nach. Später werde ich noch zwei weitere Male durch's T-Shirt gestochen, das ist dann nur noch halb so schlimm. Thomas meint, dass es vielleicht die hellblaue Farbe meines T-Shirts ist, welche die Biester anzieht. Guter Gedanke, da werde ich morgen doch lieber ein Oberteil in Nicht-Blumen-Farbe anziehen. Es bleibt dabei, bis zum Abend kassiere ich keine weiteren Stiche mehr. Diesen wunderschönen ersten Tag mit super Aussichten auf türkisblaues Wasser, grüne Berge und Inseln beenden wir an der Camp Bay. Hier gibt es einen Zeltplatz vom DOC, wo wir allerdings schon wieder bezahlen müssen, allerdings einen Freundschaftspreis von 12,- Dollar. Der Boden ist trocken und hart, genau wie gestern in Picton auf dem Camping-Platz. Wir sind erneut sehr froh über unsere neuen Luftmatratzen, die uns trotzdem weich schlafen lassen.

Während der Nacht hat sich ein Possum an unseren Futterbeuteln zu schaffen gemacht, die wir aus alter Gewohnheit in den Bäumen aufgehängt haben. Das unheimliche Schreien und Fauchen war schon eine Weile zu hören, bevor die Geräusche draußen ganz eindeutig auf Essens-Diebstahl hindeuteten. Das geht ja nun gar nicht, also musste Thomas aufstehen und sich mit dem dreisten Tier anlegen. Das Possum zeigte zunächst nicht viel Respekt, mit den Walking-Stöcken liess es sich dann aber doch vertreiben. Unsere Vorräte kamen also mit ins Zelt, Bären gibt es hier ja nicht. Es dauerte nicht lange, da war das unverschämte Possum schon wieder in der Nähe. Nun ging das Geknister an unserer Mülltüte los, die ebenfalls an einem Ast hing. Das interessierte uns aber mitten in der Nacht nicht so doll. Hauptsache, das Essen war gerettet !Wir haben uns vorgenommen, bis auf Weiteres früh aufzustehen, um der Brat-Hitze ein wenig auszuweichen. Deswegen sind wir schon um 7.00 Uhr wieder auf dem Trail. Frühstück gibt es erst bei der nächsten Shelter. Da wird während der Pause auch unser Zelt zum Trocknen aufgebaut. Ein Weka interessiert dich ganz stark dafür, läuft ein paar Mal drum herum, um das komische Ding auszuchecken und pickt schließlich hinein. Während wir unseren Tee trinken, werde ich dann auch noch unter dem Tisch ins Bein gezwickt. Das geht nun aber wirklich zu weit ! An der Wand in der Hütte hängt ein großes Schild, welches sagt, man soll den Weka nicht füttern. Er stiehlt wohl nicht nur Essen, sondern auch Kleidungsstücke und Ausrüstung. Die vielen Tages-Gäste scheinen dafür zu sorgen, dass diese Vögel nicht nur zutraulich, sondern immer frecher werden. An unserem zweiten Tag auf dem Queen Charlotte Track geht es hinauf und hinunter, aber immer noch auf einem richtig gut angelegten Weg. Viele Höhenmeter Steigung und immer schön der Sonne ausgesetzt, so das wir ordentlich ins Schwitzen kommen. Wir haben unsere Pause noch nicht beendet, da kommen schnaufend ein paar Wanderer oben an und werfen sich ins Gras. Dann nochmal sechs, und dann nochmal vier .... Eine Gruppe von 20 Wanderwütigen mit ihrer Führerin fällt in unsere bis gerade noch so ruhige Shelter ein. Die Gruppenleiterin macht sich unverschämt breit, packt ihr Köfferchen aus und fängt an, Kaffee und Tee für ihre Leute zu kochen. Hilfe ! Das reicht uns, wir packen schnell unseren Kram zusammen und sehen zu, dass wir schnell den nächsten Berg hochkommen. Ein alter Ziegenbock wackelt eine Weile vor uns über den Weg. An der nächsten Hütte, wo wir unsere Wasserflaschen auffüllen, da sitzt ein junges Mädchen aus den Niederlanden ziemlich trübsinnig herum. Es ist erst 14.30 Uhr, aber sie kann nicht mehr weitergehen, weil sie starke Schmerzen in den Gelenken hat. Nach drei Wochen Laufpause auf der Nordinsel hat sie nun gerade erst wieder angefangen, aber es geht nicht. Das ist wirklich frustrierend ! Wir fragen noch, ob sie Proviant oder Schmerz-Mittel von uns haben möchte ..... Da erreicht eine andere Gruppe von Wanderen die Shelter, ebenso abgekämpft wie die von vorhin. Wir ergreifen die Flucht und laufen ohne Unterbrechung weiter bis zu einem Punkt hinter der Abhol-Station für die Tages-Touristen. Sind nun schon weit gekommen und möchten eigentlich langsam Feierabend machen, aber wir haben nicht mehr genug Wasser zum Kochen und Trinken. Ein Schild weist auf einen Campingplatz zur Linken hin, allerdings liegt der abseits vom Trail in 1,5 Kilometern Entfernung. Mal zwei macht das drei Extra-Kilometer, und wir haben schon etwa 30 Kilometer unter den Füßen. Außerdem müssten wir dort schon wieder 32,- Dollar für die übernachtung zahlen, das kommt nicht in Frage. Weiter geht's bis zum nächsten Abzweiger, wo auf einem DOC-Schild der Weg zu einem Camping-Resort zur rechten Seite mit 10 Minuten angegeben ist. Wir brauchen inzwischen unbedingt Wasser, also müssen wir wohl diesen kleinen Umweg gehen. Aber es scheint so, als wären 10 Auto-Minuten gemeint gewesen. Wir laufen 20 Minuten über eine Straße bergab, hinter jeder Serpentine folgt eine weitere Kurve, bis wir schließlich ganz unten am Wasser sind. So lernen wir die Mistletoe Bay kennen, sehr idyllisch gelegen und offensichtlich nur etwas für gutbetuchte Gäste. Thomas fragt, was eine Uebernachtung für uns im Zelt kosten würde. Wir sind doch sehr überrascht über die Auskunft, dass man hier überhaupt nicht zelten kann. Hotel, Motel, Lodge, Appartement gibt es, nur Campen ist nicht möglich. Der Betreiber will uns allen Ernstes wieder zurückschicken dorthin, wo wir bewusst dran vorbei gelaufen sind. Immerhin bekommen wir unseren Wasser-Vorrat aufgefüllt ( zuerst möchte er uns Flaschenwasser aus dem Kühlschrank verkaufen ). Eine teure Cola trinken wir sofort vor der Rezeption leer, da können wir wenigstens den Müll hier lassen. Danach heißt es, die ganze Straße wieder bergauf zu laufen, bis wir weitere 30 Minuten später endlich wieder auf dem richtigen Weg sind. Zwei Kilometer weiter finden wir einen perfekten Platz und verbringen direkt neben dem Weg eine sehr ruhige Nacht ohne Possums und Wekas. Die treiben sich wohl nur dort herum, wo viele Menschen picknicken.

Sonntag ist leider schon der letzte Tag auf dem Queen Charlotte Track. Wir sind zu schnell und brauchen dafür nur 2,5 Tage, obwohl unser Pass für fünf Tage gilt. Es sind nur 7 Kilometer bis zum DOC-Platz an der Davies Bay, wo man direkt am Meer zelten kann. Hier stärken wir uns für die nächsten 10 Kilometer bis in den kleinen Ort Anakiwa. Am Beginn der Häuser-Ansammlung wirbt eine Bude mit "Coffee to go", aber wir möchten lieber einen leckeren Flat White in einem richtigen Café genießen. Das kommt aber leider nicht, früher als erwartet sind wir schon wieder 'raus aus dem Dorf und durch Anakiwa hindurch. Wir geraten mitten in einen Triathlon-Wettbewerb, eine Radfahrer-Gruppe kommt uns entgegen. Mehr als 10 Kilometer neben der Straße liegen noch vor uns. Da kommt ein Holiday Park unterwegs ja wie gerufen. Beinahe traue ich mich nicht hinein, denn dieser hat schon wieder 4 Sterne+ auf dem Logo stehen. Aber hier werden wir vom Camping-Betreiber sehr freundlich mit einem Becher eiskaltem Wasser empfangen. Wir plaudern eine Weile nett, bekommen unsere Wasserflaschen aufgefüllt, können den Müll dort lassen. Perfekt, diese Adresse werden wir uns für das nächste Jahr merken. Eine schwierige Passage liegt noch vor uns, ein 3,5 langes neues Stück Te Araroa. Dieser Teil soll steil und anstrengend sein, so dass wir zuvor noch eine längere Pause einlegen. Wir finden auch den richtigen Zugang zum Track, biegen aber aus Versehen gleich zu Beginn falsch ab. Offensichtlich gibt es parallel zum neuen Weg einen weiteren neuen Pfad. Wir laufen nicht auf der hohen und steilen Route, sondern ganz gemäßigt in der Mitte um den Berg. Irgendwann führt uns diese Variante wieder auf die Straße, der wir nun bis nach Havelock folgen. Wir haben mal wieder nicht richtig aufgepasst, weswegen wir ein paar Kilometer mehr auf der Straße haben, allerdings war es bei dieser Hitze eine einfachere Route. In Havelock schlagen wir unser Zelt für eine Nacht im Holiday-Motor Camp auf. Dusche und Waschmaschine sind ein Fest. Im Bad steht eine Personenwaage, nach deren Anzeige ich bisher 10 Kilo abgenommen habe. Mein Wespenstich am linken Arm ist immer noch geschwollen und hart, es schmerzt immer noch. Die anderen drei Stiche sind kaum noch zu spüren.  Abends essen wir zusammen mit Stefan und schmieden Pläne für die kommenden Wochen. Morgen früh müssen wir den Einkauf für die Richmond Range erledigen, die Empfehlungen raten zu 10 Tagen Proviant. Leider sieht der Wetterbericht für Mittwoch und Donnerstag gar nicht gut aus. Wir wissen noch nicht, ob wir bei dieser schlechten Prognose überhaupt morgen starten. Die Richmond Range ist sehr anspruchsvoll und auch lang. Man muss dort jederzeit damit rechnen, 1-2 Tage in einer der zahlreichen Schutzhütten schlechtes Wetter auszusitzen. Deswegen soll sich auch Niemand wundern oder Sorgen machen, wenn wir die nächsten zwei Wochen nichts von uns hören lassen.


 

11.02.2016

Nordinsel letzter Tag - Südinsel, wir kommen ! 11.02.2016.

Der letzte Vormittag in Wellington vergeht wie im Flug. Zunächst muss unser Paket mit den Lebensmitteln zur Post gebracht werden. Es ist schwerer als erwartet - 10 Kilo Futter für die lange Zeit ohne Einkaufsmöglichkeit. Unsere Lieferung liegt morgens früh zwar noch nicht am Schalter bereit, aber beim zweiten Anlauf bekommen wir unser lang ersehntes Paket endlich ausgehändigt. Dank der von Sharron gefaxten Unterlagen, Visa-Verlängerung und Zoll-Befreiung, kostet uns dieser Spaß nur noch 49,- Dollar extra an Gebühren. Das ist doch schon viel besser als die ursprünglich verlangten 180,- Dollar. Dafür musste Thomas dem Zoll drei Besuche abstatten, etliche Extra-Kilometer laufen und eine Menge überzeugungsarbeit leisten. Aber seine Mühe und das ganze Gelaber haben sich gelohnt. Wir gehen zu Fuß zur Railway-Station, von wo aus wir mit einem Shuttle-Bus zum Fähranleger des Interislander gebracht werden. Dort müssen wir unser Gepäck aufgeben, das läuft wie beim Check-Inn am Flughafen ab. Um 14.45 Uhr legt unsere Fähre ab, die eine Distanz von 50 nautischen Meilen bzw. 92 Kilometern durch die Cook Straight in etwas mehr als drei Stunden zurücklegt. Diese Verbindungsstrecke zwischen der Nord- und der Südinsel Neuseelands ist auch für uns Segler eine besonders schöne überfahrt. Die Meerenge zwischen den beiden Hauptinseln Neuseelands verbindet die Tasmansee mit dem Pazifischen Ozean. Erinnerungen an unsere Reise durch Patagonien werden wach. Hier gibt es eine Fjord-Landschaft aus Bergen, Schluchten und grünen Inseln bei sommerlichen Temperaturen zu bestaunen. Unsere Fahrt geht bei strahlendem Sonnenschein und kristallklarem Wasser durch den Queen Charlotte Sund bis nach Picton am Endpunkt des Marlborough Sounds. Um 18.00 Uhr legt die Interislander-Fähre an. Scheint ein hübscher Ort zu sein, die Angaben schwanken zwischen 3000 und 4500 Einwohnern. Nach einem kleinen Spaziergang entlang der Promenade erreichen wir den Top10-Holiday-Park, wo wir diese erste Nacht auf der Südinsel verbringen möchten. Freundlicher Empfang, aber die wollen schon wieder 44,- Dollar haben für's Campen. Der Platz ist ziemlich klein, entsprechend beengt und wuselig ist es um uns herum. Der Boden, der wohl früher mal Wiese war, ist betonhart. Beim Zelt-Aufbauen bricht mir einer der Heringe in der Mitte durch. Bei diesem Untergrund sind wir nun richtig gluecklich darüber, dass wir unsere neuen Matten heute doch noch bekommen haben.  Allerdings muss ich leider feststellen, dass eine meiner Sandalen kaputt ist. Die habe ich ganz kurz vor dem Start, also vor gut 3 Monaten, in Whangarei gekauft. Und nun hat sich der Fersenteil mit dem Riemchen von der Sohle gelöst. Wahrscheinlich hält das noch ein paar Tage, aber spätestens in Christchurch muss da etwas passieren. Ist das vielleicht noch ein Garantie-Fall ? Ich muss einen Laden finden, in welchem Teva-Sandalen verkauft werden. Ob die dort kulant sind und eventuell beim Hersteller anrufen wegen Umtausch ? Alternativ kann ein guter Schuster die schadhafte Stelle wahrscheinlich mit Spezial-Kleber soweit reparieren, dass sie bis zum Ende unserer Wanderung durchhalten. Aber die nächste große Stadt liegt noch in weiter Ferne. Vor uns liegen zunächst der Queen Charlotte Track und danach eine 8-10 Tage dauernde Bergtour durch die Richmond Range. 


 

10.02.2016

Wellington 07.02.-10.02.2016

Am nächsten Tag geht es weiter mit der Organisation für die Südinsel. Die Bücherei hat am Nachmittag für drei Stunden geöffnet, also gibt es gutes Internet. Wir brauchen nochmal neue Ausdrucke der Wanderkarten und Weg-Beschreibungen. Darauf folgt eine stundenlange Bastelarbeit mit Ausschneiden und Aufkleben, die Thomas sich zum Glück vornimmt. Die meisten Geschäfte haben auf, obwohl heute Sonntag ist. Meine Tagesaufgabe besteht darin, mir eine neue kurze Hose zu kaufen. Pflegeleicht soll sie sein, dabei unempfindlich, schnell trocknend und natürlich ultraleicht. Die Shorts, die ich mir vor drei Monaten in Whangarei gekauft habe, die rutscht mir fast bis zu den Knien. Ja, die Pfunde purzeln, der Speck ist weg. Thomas hat sich selber einen Gürtel gebastelt, das Zubehör stammt aus einem Schneider-Laden. Ich werde endlich fündig, nachdem ich mir das Sortiment in fünf verschiedenen Outfitter-Läden angesehen und etliche Hosen anprobiert habe. Eine leichte kurze Hiking-Shorts, entspricht nicht so ganz meinen Vorstellungen, weil sie nicht stadtfein genug ist. Aber zum Laufen genau richtig, um mehr als die Hälfte reduziert und passt. Größe S - unglaublich, aber wahr ! Abends auf dem Campingplatz werden wir noch einmal von der Crew der Pacifico mit Essen und Trinken verwöhnt. Vielen Dank, ihr Lieben !


Am Montag wird das letzte Stück des Trails nachgeholt. Der Te Araroa endet nämlich nicht direkt in Wellington, sondern geht von dort aus noch einige Kilometer weiter südlich bis zur Island Bay. Wir starten in der City und laufen entlang der Oriental Parade den Southern Walkway. Es geht mal wieder bergauf und ist wieder anstrengender als erwartet. Oben vom Mount Victoria aus bietet sich uns eine schöne Aussicht zur Küste und über ganz Wellington. Weiter geht es, nicht ganz ohne Suchen, denn es gibt viele Mountain-Bike-Strecken und Wanderwege in der Umgebung. Unsere Route führt durch den Melrose Park, anschließend noch über einen weiteren Berg. über einen steilen Pfad aus Lehm erreichen wir den Gipfel des Mount Albert. Es gibt verschiedene Varianten, aber unser Te Araroa ist die steilste Route. Von dort aus dürfen wir dann endlich abwärts laufen. Inzwischen ist es Mittagszeit, und die Sonne brennt schon wieder unerträglich heiß. Thomas schmerzt sein Hühneraugen-Fuß, so dass er die festen Schuhe gegen Sandalen tauscht. Wir durchqueren den Sinclair Park und laufen immer weiter hinunter zur Küste. Endlich erreichen wir die Island Bay, von da aus ist es nun wirklich nicht mehr weit. Nur noch ein Stück durch den Shorland Park, an dessen seeseitiger Begrenzung der Gedenkstein steht. Dieses Stein-Denkmal wurde anlässlich der offiziellen Eröffnung des Te Araroa am 3. Dezember 2011 aufgestellt. Für uns bedeutet er das Ende der Nordinsel nach 1700 ( und mehr ) gelaufenen Kilometern. Die längere Etappe des Te Araroa ist geschafft, knapp drei Monate haben wir dafür gebraucht. Nun liegt die Südinsel mit ca. 1350 Kilometern Strecke vor uns. Die ist noch weniger besiedelt, es gibt kaum Städte auf oder am Trail. Dadurch haben wir längere Etappen ohne Einkaufsmöglichkeit und ohne Internet vor uns. Wir müssen noch besser planen, großzügig einkaufen und uns Futter-Pakete an ausgewählte Orte voraus schicken. Des Weiteren warten 18 Berge über 3000 Meter Höhe auf uns. Wir sind sehr gespannt !

Die weiteren Tage vergehen wie im Flug. Es gibt immer etwas zu tun, und nichts klappt auf Anhieb. Unsere bestellten Luftmatratzen wurden versendet und liegen jetzt in Auckland. Der Zoll hält sie fest, wir sollen 140,- Dollar für die Freigabe zahlen. Sehr ärgerlich ! Thomas muss mehrere Male zum Zoll, was immer einen weiten Weg bedeutet. Er muss mit der Whangarei-Marina telefonieren, damit die unsere Visa-Verlängerung und das Schreiben zur Zoll-Befreiung schicken. An dieser Stelle vielen Dank an Sharron, die dieses zwar nicht lesen wird, aber die Segler immer mit Rat und Tat unterstützt. Wir sind so froh, dass wir sie kennengelernt haben ! Thomas läuft zur Chaffer Marina, wo die zweite Hälfte von unserem Te Araroa-Buch seit drei Monaten liegt. Eine weitere wichtige Grundlage für unsere Planung, und es sind sehr schöne Fotos drin. Dienstag bringen uns Hilde und Hermann ein letztes Mal in die Stadt, dann müssen wir uns verabschieden. Die Beiden werden mit dem Leihwagen weiter die Nordinsel erkunden, wir werden in den nächsten Tagen mit der Fähre auf die Südinsel übersetzen. Wir mieten uns in einem Backpackers in der City ein, damit wir etwas zentraler wohnen. Nicht besonders toll, alt und schmuddelig, klapprige Etagenbetten. Sowas ist doch eher für jüngere Jahrgänge geeignet. Aber es ist mit 55,- Dollar pro Nacht recht günstig und immerhin besser als das Backpackers in Auckland. Uns war der Weg zum Campingplatz nach Lower Hutt einfach zu weit, 50 Minuten mit dem Bus fahren, dann noch ein paar Minuten Fußweg, pro Strecke 11,- Dollar für uns zwei. Jetzt, wo die Crew der Pacifico weiterreist, wollen wir dort auch nicht bleiben. Da können wir nun tatsächlich auch abends mal ausgehen, weil wir nicht länger auf den Bus angewiesen sind. Jetzt steht auch einem Wiedersehen mit Stefan, der vorgestern angekommen ist, nichts mehr im Wege. Am nächsten Tag verbringen wir wieder viele Stunden in der Bücherei und im Internet-Café, um zahlreiche Dinge zu organisieren. Abends treffen wir uns mit Stefan im Little Beer Quarter, um unsere Erlebnisse in der Tararua Range auszutauschen und die Beendigung der Nordinsel zu feiern. Mittwoch kosten unsere neuen Iso-Matten wieder ordentlich Nerven, aber die sind nun endlich vom Zoll in Auckland freigegeben und mit etwas Glück morgen hier. Eigentlich wollten wir einen Tag länger warten und haben die Fähre für Freitag gebucht, um die Chancen auf unser Paket zu erhöhen. Aber das war ein Fehler, wie sich später herausstellt. Denn als Thomas in unserem Hostel anruft und unseren Aufenthalt um eine Nacht verlängern möchte, da heißt es : " Geht nicht - ausgebucht. " Damit haben wir nun überhaupt nicht gerechnet. Das Wochenende steht vor der Tür, und in ganz Wellington gibt es kein freies Zimmer mehr. Zumindest nicht in unserer Preisklasse ! Sogar der Campingplatz ist voll, auch da können wir nicht unterkommen. Dumm gelaufen. Was nun ? Wieder an den Computer setzen und eine Unterkunft suchen, dann telefonieren. Thomas macht ein  Hostel ausfindig, in dem wir im 6-er Zimmer unterkommen können. Das gefällt mir aber überhaupt nicht. Nach langem Hin und Her beschließen wir, dass wir nun doch am Donnerstag auf die Südinsel fahren. So brauchen wir hier keine Verlängerungs-Nacht mehr, aber eventuell sind dann unsere Luftmatratzen noch nicht da. Wir können unsere überfahrt stornieren und einen Tag vorverlegen, das kostet nur eine geringe Extra-Gebühr. Nun, wo die Entscheidung gefallen ist, gibt es für uns tatsächlich noch Stress. Wir müssen unbedingt heute unseren Großeinkauf erledigen. Diesmal brauchen wir nicht nur Proviant für die kommenden Tage. Wir müssen zusätzlich ein Paket mit Lebensmitteln füllen, das wir uns dann voraus senden, um eine 10 Tage-Etappe ohne Einkaufsmöglichkeit zu überbrücken. Das haben wir vorher noch nie gemacht, bisher konnten wir unser ganzes Essen immer tragen. Aber auf der Südinsel gibt es einige lange Passagen, wo solche an sich selbst geschickte Futter-Pakete den Rucksack ( und das Leben ) doch sehr erleichtern können. Also gibt es einen Riesen-Einkauf hier in Wellington, danach werden die Lebensmittel möglichst sinnvoll aufgeteilt. Toilettenpapier, Zahnpasta, Seife, Sonnencreme ..... auch solche Dinge darf man auf keinen Fall vergessen, denn unterwegs gibt es demnächst nicht mehr so oft einen Supermarkt auf dem Weg. Donnerstag früh muss unser Futter-Paket zur Post gebracht werden. Wir hoffen ganz stark, dass wir dann auch endlich unsere neuen Iso-Matten in Empfang nehmen können. Zum Fähr-Terminal ist es ein ziemlich weiter Weg, deswegen werden wir ca. 30 Minuten zur Bahnstation laufen und ein Stück mit dem Zug fahren. Wir müssen um 14.00 Uhr am Hafen sein, wo dann unser Gepäck verladen wird. Um 14.45 Uhr legt die Interislander Ferry ab. Unsere Ueberfahrt nach Picton wird etwas länger als drei Stunden dauern, bei schönem Wetter sicher ein Genuss. 


 

08.02.2016

Waikanae bis Wellington 04.02. - 06.02.2016

Die letzte Etappe der Nordinsel liegt vor uns und beginnt gleich richtig gut. Ein Auto hält neben uns an einer Ampel an, während wir gerade aus Waikanae hinauslaufen. Dort drin sitzt eine niedliche alte Dame, die uns strahlend anlacht. Sie klatscht begeistert in die Hände und ruft uns durch's offene Fenster zu : " Glückwunsch ! Gut gemacht !"  Einfach süß - wir freuen uns über diese nette Geste. Heute laufen wir den Kapiti Coast Track. Dieser Weg beginnt damit, dass wir 20 Kilometer am Strand entlang wandern dürfen. Das ist eine schöne Abwechslung zu den anstrengenden Tagen in den Bergen. Links von uns Dünen und Ferienhäuser, rechts von uns liegt die Tasman-See mit der Insel Kapiti. Pechschwarze Austernfischer mit knallroten Füßen und Schnäbeln hüpfen um uns herum. Zwei Kormorane fliegen über uns hinweg. Außerdem gibt es viele junge Möwen, die hier sogar recht hübsch gezeichnet sind. Sie haben noch weiches weißes Gefieder mit hellbraunen Flügeln und grauen Flecken. Nach 4 Stunden entlang des Flutsaums gönnen wir uns ein erfrischendes Bad. Der Strand ist menschenleer, kleine Wellen platschen an den flachen Sandstrand. Wassertemperatur etwa so wie zu Hause im Sommer, ca. 18-19 Grad, also genau richtig zum Abkühlen. Wir sehen sogar Pinguine auf den Felsen im Meer sitzen, kurz bevor wir den Strand-Abschnitt verlassen müssen. Danach kommt die nicht so tolle Centennial Highway Route. Die Sonne brennt schon wieder quälend heiß, während wir uns 5 Kilometer neben dem Highway einen Hügel hinaufschrauben. Feierabend-Verkehr, was aber den Vorteil hat, dass die Autos nicht so an uns vorbeirasen können. Nur langsam schieben sich die Wagen an uns vorbei. Nachteil : Abgase nebeln uns ein. 5 Kilometer neben dem Highway einen Hügel hinaufschrauben. Feierabend-Verkehr, was aber den Vorteil hat, dass die Autos nicht so an uns vorbeirasen können. Nur langsam schieben sich die Wagen an uns vorbei. Nachteil : Abgase nebeln uns ein. Wir sind schon fast oben angekommen und total durchgeschwitzt, als uns vier junge Typen aus ihrem Auto heraus ansprechen. Sie sehen aus wie Gangster-Rapper. Alle haben eine coole Kappe auf dem Kopf, Kapuzenpullover noch darüber, trotz dieser Affenhitze und obwohl sie im Stau stehen. Laute Musik dröhnt aus den Lautsprechern. Aber die sind voll nett und fragen uns, ob wir Durst haben. Schwupp - schon haben sie uns eine 1,5 Liter Flasche eiskaltes Wasser aus dem Fenster gereicht. Das zischt ! So hat der zäh fließende Verkehr auch seine guten Seiten, jedenfalls für uns. Später am Tage machen wir eine schöne Pause an einem kleinen Dorfladen in Pukerua Bay, wo wir am Picknick-Tisch Abendbrot essen und uns zum Nachtisch ein Eis gönnen. Rechts von unserem Weg liegt ein alter Friedhof. Nur ein kleines Stück weiter stellen wir unser Zelt an einem Grünstreifen nahe am Highway auf. Immerhin haben wir 33 Kilometer geschafft, obwohl wir erst gegen 11.00 Uhr aus Waikanae weggekommen sind. Also sind wir müde genug, um trotz der vorbeibrausenden Fahrzeuge sofort einzuschlafen. 


Wir haben die Nacht am Highway erstaunlich gut veebracht und starten morgens den Ara Harakeke Walkway. Zunächst haben wir den Taupo Swamp links und rechts von uns liegen, das ist ein großes Sumpfgebiet voller Mangroven. Kaum eine Stunde unterwegs, da finden wir ein dickes Portemonnaie und ein Handy in Einzelteilen auf der Straße. In der Geldbörse befinden sich zahlreiche Karten, Ausweise und andere wichtige Dokumente. Der Besitzer sollte also leicht ausfindig zu machen sein. Das Handy, wieder zusammengebaut, sieht nagelneu aus. Es sind noch keine privaten Fotos drauf, und es gibt nur zwei gespeicherte Kontakte. Thomas ruft beide Nummern an und erzählt den Leuten, dass wir im Café Oranje in Plimmerton sitzen und warten. Also erstmal Kaffee trinken und abwarten .... In der Zwischenzeit kommt eine SMS von Hilde und Hermann, die mit ihrem Leihwagen ganz in der Nähe sind. Das passt gut, ein paar Minuten später sitzen wir mit der Crew der Pacifico beim Kaffee. Und dann erscheint der Besitzer von Portemonnaie und Handy, um hocherfreut seine Sachen wieder in Empfang zu nehmen. Dominic, ein junger Mann irischer Abstammung und seit einigen Jahren in Neuseeland heimisch, ist ein total netter Mensch ( was wir von den Ausweis-Fotos her nicht vermutet hätten ). Er ist überglücklich, nicht wegen des Geldes, sondern hauptsächlich wegen der anderen Sachen. Dominik möchte uns gerne Finderlohn geben, aber das lehnen wir ab. Also will er uns wenigstens einen Kaffee ausgeben. Puh - okay, dann eben noch einen. Schließlich sitzen wir beinahe drei Stunden im Café, bevor wir uns wieder auf den Weg machen. Links 'raus auf die Straße - wo ist der Trail - ah, da sind ja Markierungen am Laternenpfahl. Wir versuchen, den Te Araroa-Zeichen und Pfeilen zu folgen. Nicht an jeder Kreuzung finden wir die geheimnisvollen Zeichen. Es kommt uns so vor, als hätte irgendein Spaßvogel die für uns so wichtigen Markierungen an ganz entscheidenden Stellen entfernt. Nach einer Weile Schnitzeljagd durch Plimmerton befragen wir MapsMe auf dem Handy. Hm, wir sind nicht genau auf dem Weg, aber ganz nahe dran. Wir müssen nur einmal hier und einmal dort abbiegen, dann sollten wir uns wieder richtig auf dem Trail befinden. Da sind dann bald auch Zeichen mit Pfeilen, denen wir folgen ..... Hügel hinauf und hinunter ..... nur um nach zwei Stunden Laufen festzustellen, dass wir den Abend davor schon an diesem Friedhof vorbei gekommen sind. Wir sind verkehrt herum gelaufen ! Grrrr - ich ärgere mich furchtbar, und es dauert eine Weile, bis Thomas mich wieder ansprechen darf. Um 14.00 Uhr passieren wir die Stelle, an der wir am Morgen gestartet sind. Bedeutet, dass wir etwa 10 Kilometer umsonst gelaufen sind und ein paar Stunden verdaddelt haben. Ich bin immer noch sauer und maule vor mich hin. Thomas findet es eher lustig. Naja, was soll's - nützt ja nichts. Tun wir also, als wenn nichts gewesen wäre, und fangen nochmal von Vorne an. Wieder vorbei am Sumpf, dann durch Plimmerton, aber diesmal richtig. Wir überqueren das Paustahanui Estuary auf einer Brücke und sehen viele schwarze Schwäne in der Aotea-Lagune. Ein absolutes Highlight für uns ist der Adrenalin Forest, den wir am späten Nachmittag durchqueren. Das ist ein riesiger Kletterpark mit 6 verschiedenen Ebenen und Schwierigkeitsgrad-Stufen. Man hat insgesamt drei Stunden Zeit, um den ganzen Parcours zu schaffen und hat in den höheren Leveln schwierige und schwindelerregende Prüfungen zu absolvieren. Der Adrenalin Forest macht seinem Namen wirklich alle Ehre, denn die verschiedenen Routen und Kletter-Aufgaben sind tatsächlich ganz harmonisch mitten zwischen die hohen Bäume eingebaut. Der Anblick ist kein bisschen störend, es gibt kaum künstliche Materialien, einfach Sport und Spiel mitten in der Natur. Gegen 17.30 Uhr kommen wir durch Porirua, wo wir im Supermarkt einkaufen können und einen Picknick-Tisch für's Abendessen finden. Ansonsten gefällt uns der Ort überhaupt nicht, es ist hässlich, und es herrscht viel Verkehr. Uns fällt immer wieder auf, wie unterschiedlich die Städte in Neuseeland sind. In Porirua startet der Raiha Walk, ein kurzer Wanderweg, der uns über einen Hügel aus dem Ort herausführt. Danach beginnen wir den Colonial Knob Track, eine für Spaziergänger und Sportbegeisterte gleichermaßen beliebte Strecke. Wir ernten beim Aufstieg viel Lob und anerkennende Blicke von den Entgegenkommenden. Komplimente wie "Well done !" und "Good Job !" bekommen wir häufig zu hören, während wir uns schnaufend den Berg hochschieben. Schwitzend kommen wir auf einem Gipfel an, aber das ist es immer noch nicht gewesen. Sehr schöne Aussicht, der Colonial Knob jedoch ist noch ein Stück weiter oben. Das schaffen wir auch noch, die paar Meter. Danach werden wir mit einem leichten Abstieg durch einen richtig schönen Wald belohnt. Der Spicer Forest besteht überwiegend aus Pinien und Palmen, der Waldboden ist weich und tut unseren Füßen gut. Den letzten Teil legen wir schon fast im Dunkeln zurück. Wir möchten die Schlappe vom Vormittag wieder ausbügeln, nehmen unsere Taschenlampen zur Hand und marschieren weiter. Nach dem Spicer Forest warten weitere 6 Kilometer auf der Landstraße. Inzwischen ist es stockdunkel, aber es fahren keine Autos mehr. Irgendwie können wir diese letzte Strecke sogar genießen. Es ist sehr ruhig, wir sehen einen tollen Sonnenuntergang voraus, einfach eine phantastische Abendstimmung. Nur leider kein Platz für unser Zelt in Sicht, alles privat, hier gibt es keinen Zentimeter ohne Zaun. Irgendwann haben wir dann doch genug, sind 26 Kilometer auf dem Trail gelaufen, zusätzlich die 10 Kilometer in der verkehrten Richtung. Wir brauchen außerdem unbedingt Wasser, deswegen steigt Thomas bei einer Brücke über eine niedrige Mauer. Da fließt ein Bach, drumherum gibt es etwas Wiese. Keine Ahnung, wem das Grundstück gehört. Egal, es ist mittlerweile schon 22.00 Uhr, ich klettere ebenfalls über die Mauer, und wir bleiben hier. 

Samstag, am 6. Februar, ist Waitangi Day, ein sehr wichtiger Nationalfeiertag in Neuseeland. Im Jahre 1860 wurde an diesem Datum der Waitangi-Vertrag von den Briten und den Maori gemeinsam unterzeichnet. Er besagt, dass den Maori dieselben Rechte zugestanden werden wie den Briten und dass die Maori ihr Land behalten dürfen ( was bis dahin wohl nicht selbstverständlich gewesen ist ). Später wurde dieser Tag, der 6. Februar, als Gründungstag Neuseelands beschlossen und wird hier im Land als ausgesprochen wichtig gefeiert. Für uns bedeutet der Waitangi-Day 2016, dass wir Wellington erreichen und wichtige Einrichtungen wie die Post, die Bücherei und sogar das Marina-Büro geschlossen haben. Aber der Reihe nach ..... Früh aufgestanden, damit uns niemand bemerkt. Um 6.30 Uhr laufen wir schon wieder auf der Landstraße Richtung Süden. Wir müssen über mehrere Hügel aufsteigen bis auf den Mount Kaukau. Es ist morgens noch so frisch, dass wir uns schon im unteren Abschnitt des Berges unsere Kapuzenpullover überziehen. Auf halber Höhe staunen wir nach einer scharfen Biegung über eine ausgedehnte Ansammlung von Häusern an der linken Flanke des Mount Kaukau. Das ist der Ort Johnsonville, viel größer als erwartet und bestimmt nur von reichen Leuten bewohnt. Die Stadt passt überhaupt nicht in diese Gegend, sie ist scheinbar einfach so an den Berg geklatscht worden. Uns gefällt der Anblick absolut nicht, wir sehen nur, dass diese vielen Häuser ein Störfaktor in dieser Berg-Landschaft sind. Oben weht ein eisiger Südwind, es ist bitterkalt und sehr neblig. Die Sichtweite beträgt vielleicht 20 Meter, also gibt es überhaupt keine Aussicht, nur schnell weg hier. Beim Abstieg treffen wir auf eine junge Frau aus Deutschland, die den Te Araroa von Süden nach Norden laufen möchte und gestern erst in Wellington gestartet ist. Das ist für uns nicht so spannend. Trotzdem halten wir an und machen bei ihr Frühstückspause, um ihr noch einige Tipps mit auf den Weg zu geben. Unten angekommen beginnt der Ziel-Einlauf nach Wellington, der erstaunlicherweise nicht so einfach ist, wie wir uns das vorgestellt hatten. Durch den Cummings Park kommen wir in den Vorort Wadestown und müssen uns sehr beherrschen, dort nicht das erstbeste Café zu stürmen. Danach geht es über den Tinakori Hill, wieder ein ungeplanter Hügel auf dem Weg in die City. Wir sind unangenehm überrascht, denn wir müssen schon wieder hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter. Unser Track heißt ab jetzt " Northern Walkway " und geht unter Anderen durch den Te Ahumairangi Park. Dahinter folgt der Botanische Garten, wo wir uns schon ziemlich erschöpft auf die Wiede fallen lassen. Es folgt ein kurzer Handy-Kontakt mit Hilde und Hermann - 5 Minuten später stehen die Beiden vor uns. Wie witzig, dass sie auch gerade einen Ausflug in den Botanischen Garten machen ( allerdings mit dem Auto ). Wir verabreden uns für den Abend. Am Observatorium vorbei kommen wir auf den City to Sea-Walkway, der an modernen Skulpturen vorbei und über einen uralten Friedhof führt. Mittags um 13.00 Uhr sind wir da, in Wellington, der Hauptstadt von Neuseeland. Es gibt in der City ungefähr 190.000 Einwohner, im gesamten Distrikt Wellington leben etwa 300.000 Menschen. Typisch sind ausgedehnte Parks und Grünanlagen, schöne Verwaltungsgebäude prägen das Stadtbild. Eine nette Promenade entlang der Küste mit gemütlichen Bars und künstlerischen Darbietungen schaffen eine entspannte Urlaubs-Atmosphäre. Aber nicht für uns, denn wir haben wieder viel zu erledigen. Das Wichtigste sind neue Schuhe ! Salomon hat mir nicht auf meine Anfrage geantwortet. Hier in Neuseeland verkauft die Firma Salomon fast ausschließlich Wintersport-Artikel. Auf Long Distance-Hiker sind die hier überhaupt nicht eingestellt, dafür laufen noch zu wenig Leute den Te Araroa. Also gibt es wohl keinen Rabatt für mich. Neue Schuhe muss ich mir trotzdem kaufen. Thomas hat da mehr Glück. Er hat seine Keen-Schuhe in Auckland gekauft, das ist erst ein paar Wochen her. Trotzdem ist bereits eine Naht vorne aufgegangen. Bei Kathmandu im Outdoor-Laden kann Thomas die Leute nach langem Gelaber davon überzeugen, dass dies ein Verarbeitungsfehler und damit ein Garantie-Fall ist. Er kommt mit nagelneuen Hiking-Boots wieder, das gleiche Modell wie vorher, einfach nur umgetauscht. Super ! Allerdings hat er jetzt wieder das Problem, dass die Schuhe am Anfang noch hart sind und Druckstellen verursachen. Deswegen schneidet mein praktisch veranlagter Mann gleich an beiden Seiten einen Zentimeter langen Streifen ab, um diesem ärger vorzubeugen. Außerdem hat Thomas ein Hühnerauge am Fuß, dem wir jetzt hier an den Ruhetagen zu Leibe rücken müssen. Das Laufen wird immer schmerzhafter für ihn, das kann so nicht weitergehen. In der Touristen- Info besorgen wir uns einen Stadtplan und den neuen Camping-Führer für die Südinsel. Thomas löst in verschiedenen Apotheken seine Rezepte ein und hat jetzt einen Medikamenten-Vorrat für ein ganzes Jahr. Damit hat sich der teure Arzt-Besuch in Wanganui dann doch gelohnt. Am späten Nachmittag fahren wir mit dem Bus zum Top10Holiday-Park nach Lower Hutt, wo wir für 45,- Dollar unser Zelt aufstellen. Ganz schön teuer, und da ist der 10 % Rabatt schon abgezogen. Heiner und Hilde stehen hier mit ihrem Camper-Van und laden uns zum Essen ein. Es wird ein richtig schöner Abend, gibt lecker Salat und Fleisch und Rotwein. Ach ja, und Dominic hat eine SMS geschrieben, in der er sich nochmals herzlich bedankt. Wirklich ein netter junger Mann !

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03.02.2016

Waikanae off-day 03.02.2016

Wir haben viele Stunden in der Bücherei mit ihren ausgesprochen freundlichen Mitarbeitern verbracht. Hier kann man sich richtig wohlfühlen, es gibt kein Nummern-Ziehen und Gerangel um die Plätze an den Computern. Alles sehr entspannt, deswegen können wir unseren ganzen Internet-Kram in einem Rutsch erledigen und müssen dieses nun nicht mehr in Wellington machen, wo alle Hiker ihre naechste Etappe planen. Morgen früh können wir die Karten und Ausdrucke fuer den Start auf der Südinsel in der Druckerei abholen. Thomas verwendet viel Mühe darauf, noch einmal von Neuem die Verfügbarkeit und Preise unserer Wunsch-Iso-Matten zu checken. Schließlich wird er auch fündig und bestellt diese bei einem neuseelaendischen Online-Versand. Etwas kurz zwar, aber nur diese waren gerade lieferbar, und es spart schließlich auch Gewicht. Mit etwas Glück können wir dann demnächst auf unseren neuen Matten schlafen. Die alten Schlafsaecke behalten wir, die müssen dann noch weiter ihren Dienst tun. Wir haben übrigens festgestellt, dass diese bis -9 Grad Temperatur konzipiert sind. Was haben wir uns denn bloß dabei gedacht ? Wohin wollten wir damals reisen, als wir diese Schlafsaecke fuer unseren Trail 2012 gekauft haben ? Also, es wird auch mit nur halb so viel Daunen noch eine Weile funktionieren. Ich habe unsere Boots-Versicherung Pantaenius angeschrieben, damit die uns unsere aktuelle Versicherungs-Police fuer die Walkabout per e-mail zuschicken. Zu Hause auf Norderney liegt das Original, aber das nützt uns unterwegs herzlich wenig. Und ich habe eine Anfrage an Salomon geschickt mit der Bitte um einen Rabatt auf neue Hiking-Schuhe. Vielleicht sind die ja so nett ? In den USA ist es bei den renommierten Firmen durchaus üblich, dass die den Long Distance-Hikern kostenlos neue Schuhe schicken, wenn die alten während des Trails ( also nach 1000 bis 2000 Kilometern ) auseinanderfallen. Diesen tollen Service konnten wir bereits mehrmals in Anspruch nehmen. Salomon, Keen und Merrell aus den USA sind da super kulant. Vielleicht klappt es ja auch in Neuseeland. Thomas hat im Baumarkt ein Ersatzteil fuer unsere kaputte Zeltstange gekauft. Natürlich nicht original, sondern nur wieder Bastelarbeit, aber vielleicht ueberlebt unser geliebtes Tarp Tent ja so bis zum Ende des Te Araroa. Wäre schön, denn irgendwie hängen wir an dem altersschwachen Ding, was schon so viele Monate unser Zuhause war. Eine SMS von unseren holländische Bekannten der Segelyacht Tara hat uns erreicht. Wir haben sie mal wieder um ein paar Tage verpasst. Jacomine und Roel sind gerade mit der Faehre auf dem Weg zur Südinsel. Eine weitere SMS kam von unseren Freunden von der Pacifico. Sie werden am Wochenende in Wellington sein, wir hoffentlich auch. Da steht einem Treffen dann nichts mehr im Wege. Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen und sind gespannt auf die Erzählungen von ihrem mehrwoechigen Deutschland-Aufenthalt. Auch Anne und Rainer von der Meerbaer haben ihren Urlaub im kalten Deutschland beendet und arbeiten nun in Whangarei fleissig an ihrem Boot. Da die Walkabout und die Meerbaer in der Marina Kissing Point nebeneinander lagen - natürlich - wissen wir jetzt aus erster Hand, dass es unserem Schiff gut geht. Bisschen mehr Rost, das war klar, aber die Walkabout schwimmt gut und wartet auf uns.


 

02.02.2016

Tararua Range 29.01.-02.02.2016

Wir beginnen unsere Tour durch die Tararua Range um 12.30 Uhr mittags, ganz schoen spaet fuer einen Weg, der mit 8-9 Stunden Laufzeit angegeben ist. Neben und unter uns fliesst der Ohau River, den wir auf einer Haengebruecke ueberqueren. Dann sind wir auf unserem Track, und der geht erst einmal steil bergauf. Wir haben die Passage ueber die Gable End Ridge gewaehlt und wollen heute noch bis zur zweiten Schutzhuette kommen. Es geht zunaechst ueber den Mayo Knob, mit 666 Metern Hoehe noch ganz harmlos. Danach folgen der Gable End Mountain mit 903 Metern sowie Richards Knob mit 985 Metern Hoehe. Von dort aus steigen wir über den Dora Ridge Track wieder ab zum Butchers Saddle, wo wir leider mit Matschloechern zu kaempfen haben. Grosse Pause koennen wir uns nicht erlauben, weil wir erst so spaet los sind. Das haben wir uns selber gebacken, da muessen wir jetzt durch. Immer wieder müssen wir klettern und kraxeln, der Weg führt supersteil nach oben. Felsen, Wurzeln und umgestürzte Bäume sind allesamt mit hellgrünem kuschelweichen Moos überzogen. Nebel zieht durch die Bäume, gegen Abend wird die Luft sehr feucht. Noch einmal werden all unsere Kraefte mobilisiert und wieder auf 900 Hoehenmeter aufgestiegen. Dort steht unsere ersehnte Huette, und aus den Fenstern schauen uns einige bekannte Gesichter an. Lisa und Allie ( ja, schon wieder ), John, Dave und ein franzoesisches Paar namens Faustine und Mael sind schon vor ein paar Stunden hier eingezogen und haben sich bereits gemuetlich eingerichtet. Platz ist genug für alle da, Te Matawaii ist mit Matratzen für 16 Personen ausgestattet. Insgesamt haben wir an diesem ersten Tag unserer Bergtour 1300 Höhenmeter Aufstieg und 600 Höhenmeter im Abstieg zurückgelegt. Um 20.30 Uhr waren wir am Ziel, nach nur 18 anstrengenden Kilometern. Das war nahrhaft ! Die Tararua Range ist nichts für Weicheier - wie Thomas es kurz vor dem Einschlafen auf den Punkt bringt.


Am nächsten Morgen sind wir die Letzten, die aufstehen. Wir sitzen noch beim Frühstück, als die Gruppe schon auf den Trail startet. Es fängt kurz darauf an zu regnen, was uns zum weiteren Bleiben veranlasst. Wir sortieren unseren ganzen Kram neu, Thomas fegt und putzt die Hütte fein sauber. Mein Handy ist platt. Ich habe gestern Abend noch einmal unsere Position kontrolliert und danach wohl vergessen, es auszustellen. Nun ist der Akku leer, und ich kann es die nächsten Tage ganz unten in meinem Rucksack vergraben. Als wir um 11.30 Uhr endlich starten, da nieselt es nur noch leicht. Der Weg ist super ! Eine schön ausgetretene Spur führt nach einem steilen Aufstieg über einen Grat zum Gipfel des 1432 Meter hohen Pukematawai. Hier oben wachsen keine Bäume mehr, nur Busch und Gräser. Vereinzelt konnten sich kleine weiße Blümchen durchsetzen, die ein bisschen Aehnlichkeit mit Enzian haben. Ab Mittag setzt sich die Sonne durch. Der Schweiß tropft uns vom Kopf. Es folgt ein gemäßigter Abstieg, dann geht es wieder hinauf auf den nächsten Gipfel. Der Butchers Knob mit seinen 1158 Metern bietet uns tolle Aussichten zu beiden Seiten. Grüne Berge, eine Kette hinter der anderen, soweit das Auge reicht. Phantastisch ! Von dort aus geht es eine Weile abwärts, und plötzlich finden wir uns in einer komplett anderen Vegetationsstufe wieder. Wir laufen durch geheimnisvollen Nebelwald. Die Bäume sind wieder voller Moos, dazwischen wachsen hohe Farne und Flechten. Dann steigen wir ein letztes Mal hinauf, kommen auf eine kleine Lichtung und erblicken ein niedliches Häuschen. Das ist die Dracophyllum Hut, sehr alt und leider auch ziemlich schmuddelig. Diese Schutzhütte auf 1100 Metern Höhe wurde bereits 1966 für Jäger erbaut. Wegen der hier oben herrschenden hohen Luftfeuchtigkeit, viel Regen und Schnee war sie derart verwittert, dass sie im Jahr 2000 vom örtlichen Wanderclub renoviert wurde. Nun ist der Lack allerdings wieder ab. Zwei schmale Pritschen übereinander, die Matratzen nicht besonders ansehnlich, kein Platz innen für Tisch oder Stuhl. Aber uns gefällt es trotzdem hier. Draußen gibt es Bänke zum Sitzen, die Sonne scheint noch lange auf die Lichtung. Das Regenfass ist randvoll, so dass wir unsere Füße und T-Shirts waschen können. Uns steckt der gestrige harte Tag noch in den Knochen. Und außerdem ist die nächste Hütte nur für 6 Personen gedacht, die 6 jungen Leute sind uns voraus und bleiben bestimmt über Nacht dort. Es ist erst 16.30 Uhr, aber nach 700 Höhenmetern Aufstieg und 500 Höhenmetern Abstieg haben wir nichts gegen einen frühen Feierabend. Deswegen beschließen wir, es bei dieser kurzen Etappe zu belassen und in dieser 2-Personen-Hütte zu übernachten. Die Pritschen sind nur etwa 1,70 Meter lang, anscheinend für Zwerge konzipiert, dazu auch noch recht schmal. Thomas bezieht netterweise die Koje oben, noch enger, wenig Kopf-Freiheit und über eine abenteuerliche Leiter aus Aesten zu erreichen. Wie in einer Sardinenbüchse liegt er da, während für mich unten der Platz so gerade ausreicht. Aber egal, wir sind alleine hier und können früh schlafen gehen. 

Thomas weckt mich schon kurz vor 6.00 Uhr und teilt seine Begeisterung mit mit. Es herrscht wirklich eine sensationell schöne Morgenstimmung, sobald wir aus unserer kleinen Hütte heraustreten. Wir befinden uns tatsächlich über den Wolken. Beim Abstieg kann man förmlich beobachten, wie um uns herum Kondenströpfchen sprühen und sich zu Wolken verdichten. Heute führt der Track weiter über die Tararua Range. Unser erster Gipfel ist der Puketoro mit 1152 Metern, gefolgt vom Mount Kelleher mit 1182 Metern und dem Mount Nichols mit 1182 Metern Höhe. Dort steht die Nichols Hut, in dieser Schutzhütte machen wir Mittagspause. Gut gestärkt erklimmen wir dann den höchsten Berg, den Mount Crawford mit 1462 Metern. Vom Gipfel aus sehen wir leider nicht viel, denn während unserer Pause ist Nebel aufgezogen, die gesamte Tararua Range liegt nun überwiegend in den Wolken. Die nächsten Berge vor uns sind der Junction Knob mit 1375 Metern und der Shoulder Knob mit 1310 Metern. Hier haben wir mehr Glück - für einen kurzen Zeitpunkt reißt die Wolkendecke auf und schenkt uns schöne Ausblicke auf die Küste, die Südinsel und Kapiti Island. Danach folgt ein wahnsinnig steiler Abstieg bis zum Otaki River, der fast 4 Stunden dauert. Ist ja eigentlich klar .... Alles was wir vorher aufgestiegen sind, das müssen wir nun auf relativ kurzer Strecke wieder hinunter. Das ist gar nicht gut für unsere müden Knochen. Die Waden zwicken, die Knie knacken, das kann ja nicht gesund sein. Nächste Herausforderung ist eine besonders unangenehme Hängebrücke, auf der wir über den Fluss müssen. Sie ist bestimmt 50 Meter lang und darf immer nur von einer Person betreten werden. Die Dinger schwingen und wackeln schon genug beim Drüberlaufen, diese Swing Bridge hat zudem keinen festen Boden. Es gibt unten kein Brett, sondern nur Maschendraht, auf dem man sich vorsichtigen Schrittes vorwärts tasten muss. Dabei kann man natürlich durch den Draht hindurch bis nach unten auf den Fluss und die Felsen gucken. Geländer zum Festhalten gibt es nicht, aber immerhin auf jeder Seite ein dickes Seil, welches sich ebenfalls munter bewegt. Wir brauchen ziemlich lange, bis wir beide sicher auf der anderen Seite des Ufers angelangt sind. Ab da Laufen wir wieder durch einen Geisterwald. Rundum alles grün von dichtem Moos überzogen, Nebelschwaden ziehen durch die Bäume, die ganze Szenerie wirkt total unwirklich. Hier wachsen seltsame Sträucher und Stauden, die uns bislang unbekannt waren. Es gibt feuerrote Mini-Pilze zu bestaunen, dazwischen immer wieder diese weißen Blümchen. Diese Mehrtages-Tour ist ein wahnsinnig beeindruckender Teil des Te Araroa. Gegen 18.00 Uhr erreichen wir die Waitewaewae Hut und sind ziemlich erledigt. Nur 380 Höhenmeter Aufstieg waren das heute, aber satte 1240 Meter im Abstieg. Als Belohnung winkt ein erfrischendes Bad im Otaki River. Das Wasser ist eiskalt, beim Haarewaschen prickelt die Kopfhaut. Es gibt nichts Besseres, als sich zum Abschluss eines langen Wandertages den Schmutz und den Schweiß von der Haut zu waschen. Und wir bleiben erstaunlicherweise alleine in dieser Riesen-Hütte, die für 18 Personen eingerichtet ist. Die Waitewaewae Hut ist neu, hell und dazu auch noch sehr sauber. Was will man mehr ? Wir liegen schon in den Schlafsäcken, als es draußen noch hell ist.

Kaum haben die Menschen sich zur Ruhe begeben, da fangen die Mäuse in den Dachbalken und auf der Terrasse an zu rennen und zu randalieren. Aber in der Hütte bekommen wir keinen Besuch. Außerdem sind wir es vom Appalachian Trail her gewöhnt, unser Essen ordentlich zu verpacken und aufzuhängen. Wir wachen schon wieder früh auf, weil das Tageslicht durch die vielen Fenster in den Raum scheint. Unser erster Ausblick ist grandios : Urwald, alles sattgrün draußen, meterhohe Farne sind durch die großen Scheiben zu sehen. Draußen ist es kalt und neblig, aber das ändert sich schon bald nach dem Start. Nun ist auch das i-Phone von Thomas ausgegangen. Wir brauchen dringend mal wieder eine Steckdose. So langsam nähern wir uns dem Ende der Tararua Range. In der Hütte hing eine Bekanntmachung aus, dass der weitere Weg wegen eines Erdrutsches verlegt wurde. Eine Umleitung lässt uns 3,8 Kilometer mehr laufen als der ursprüngliche Track hatte. Das macht den Te Araroa wieder ein bisschen länger für uns, ist zwar nicht viel, kostet uns aber knapp 2 Stunden Zeit in diesem schwierigen Gelände. Es bedeutet, noch ein paar Mal mehr bergauf und bergab und einige Male zusätzlich durch kleine Flüsse hin und her queren. Ein ausgedehnter Wander-Rastplatz mit Campingplatz und Picknick-Tischen wartet auf uns am Ende der Tararua Range. Es gibt gut eingerichtete und saubere Toiletten, Trinkwasser, zwei Tafeln mit Hinweisen zu den Wegen, einen Unterstand mit Bänken und viele große Mülltonnen. Hier werden wir den Abfall der vergangenen vier Tage los und machen wegen der Mittagshitze eine 2-stündigen Pause. Das Verrückte daran ist : Wir sind und bleiben ganz alleine an der Otaki Forks Picnic-Area. Es kann Niemand von außerhalb kommen. Durch den Erdrutsch ist auch die einzige Straße nach Otaki Forks beschädigt worden. Es kann keiner mehr heraus oder herein, und das schon seit Wochen. Ein einsames Auto steht auf dem Parkplatz, wahrscheinlich von einem Wanderer, der seinen Wagen nach einem Tagesausflug nicht mehr nach Hause bringen konnte. Am späten Nachmittag starten wir noch den Pukeatua Track. Den möchten wir heute noch zur Hälfte schaffen, damit wir es morgen nicht mehr so weit bis zur Stadt haben. Das verleiht Flügel - naja, fast. Immer am Otaki River entlang, über eine weitere ( normale ) Hängebrücke und eine stabile Brücke aus Metall führt uns der Weg. Dann folgt ein schöner Pfad bergauf, links und rechts grüne Wiese. Obwohl wir auf dem Rastplatz so lange gewartet haben, sind wir immer noch ganz schön der Sonne ausgesetzt. Und wir müssen noch einmal ansteigen, steil und stetig. Wir haben allein auf den ersten zwei Kilometern 300 Höhenmeter zu bewältigen. Da tropft mal wieder der Schweiß. Danach geht es etwas sanfter nach oben, aber immer noch anstrengend genug. Auf halber Höhe verschwindet unser Weg in einem dunklen Wald. Endlich haben wir Schatten, aber dafür auch wieder Matsch. Viele tiefe Schlammlöcher, die wir versuchen zu umgehen. Klappt leider nicht immer, ist uns aber zum Ende eines Tages völlig egal. Eigentlich haben wir schon genug getan, aber trotzdem quälen wir uns von 100 auf 812 Meter Höhe. Auf dem höchsten Punkt dieses Tracks, dem Gipfel des Pukeatua, bauen wir das Zelt in weichem Moos auf. Unsere Gas-Kartusche ist leer, deswegen können wir nicht mehr kochen. Draußen wird es kühl und feucht, also gehen wir sofort schlafen.

Als wir morgens auf unserem einsamen Platz wach werden und den ersten Blick nach draußen werden, ist alles ringsum grau verschleiert. Unser Zelt steht in den Wolken. Es ist kalt oben auf dem Berg, Zelt und Schlafsäcke sind floddernass vom Nebel. Gestern haben wir noch ein gutes Stück vom Pukeatua Track geschafft. Nur noch die Hälfte von diesem Track, etwa 6-8 Kilometer, und danach noch 12 Kilometer Straße bis nach Waikanae. Das Wetter hat sich super gehalten. Es hat sich gelohnt, dass wir in Levin nur das Nötigste ganz schnell erledigt haben und mit einer guten Prognose für 3 Tage in die Berge gestartet sind. Der restliche Weg ist relativ einfach, weil wir ja auf dem höchsten Punkt gezeltet haben. Heute haben wir noch ein paar gute Anstiege, dann geht es nur noch bergab. Immer schön gemäßigt, genau richtig zum Abgewöhnen. Unser Pfad wird immer breiter. Die letzten Kilometer im Wald laufen wir auf einem Weg, wie wir ihn vom Appalachian Trail her kennen. Kurz vor dem Ende dieses Tracks knirscht und knackt es laut über uns. Wir drehen uns um und sehen einen entwurzelten Baum, der schräg über dem Weg liegt und sich an einem Baum auf der anderen Seite anlehnt. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, aber dieser hier sieht sehr wackelig aus. Am Holztor, das den Ausgang markiert, hängt ein Schild : "Achtung - Gefahr - fallender Baum in 300 Metern Entfernung !" Ja, da sind wir gerade drunter durch gegangen. Wie war das noch ? Leben ist immer lebensgefährlich ! Diesen Spruch hat mir mein Vater ins Poesie-Album geschrieben, als ich ungefähr 8 Jahre alt war. Wann haben wir eigentlich das letzte Mal Menschen gesehen ? Das muss vor etwa 4 Tagen gewesen sein, die jungen Leute in der ersten Hütte zu Beginn der Tararua Range. Noch etwa 3 Stunden über Landstraßen bis nach Waikanae. Eine nette Frau hält an und möchte uns im Auto mitnehmen. Wir bedanken uns und erklären ihr freundlich, dass diese Straße ein Teil des Te Araroa ist. Wir müssen laufen ...... Sind ja nur noch ungefähr 10 Kilometer. Wir haben kein Trinkwasser mehr, gefrühstückt haben wir nur einen Müsli-Riegel und etwas Trail-Mix. Unterwegs stehen viele Brombeer-Sträucher am Straßenrand. Aber für uns gibt es leider nichts zu ernten. Die dunklen Brombeeren hängen weit außerhalb unserer Armlänge hinter einem Zaun. Vorne sind nur noch die unreifen grünen Beeren an den Sträuchern. Da hat wohl die 6-er Gruppe mit Lisa und Allie, die uns ein paar Stunden voraus sein müssten, gut gefuttert. Aber dafür gibt es unterwegs Pflaumen zu kaufen. Eine Kühlbox mit schönen blauen Früchten steht dort mit einem Schild " 2 Dollar die Tüte ". Sehr schön ! Wir bedienen uns und genießen das frische Obst, während wir weiter in Richtung City laufen. Der erste Tante Emma-Laden im Ort wird gestürmt. Bananen und kalte Getränke Werden gleich im Park gegenüber verzehrt. Danach geht es zur Bücherei, wo wir unsere Handys aufladen und per Internet ein Zimmer im Ariki Lodge Motel buchen. Die Tararua Range war wunderschön, aber auch sehr anstrengend. Wir brauchen unbedingt einen Ruhetag bevor wir die letzten 90 Kilometer bis nach Wellington in Angriff nehmen.

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29.01.2016

Palmerston North bis Levin 26.01.-29.01.2016

Palmerston North ist eine Stadt, in der sich die Te Araroa-Wanderer sammeln. Die meisten kommen zu Fuß, einige wählen den bequemeren Weg per Anhalter oder setzen sich einfach in den Bus von Wanganui nach Palmerston North. Lisa und Allie laufen durch den Park, mal wieder im selben Tritt mit unserem Tempo. Dann lernen wir eine neue Gruppe Hiker kennen, vier junge Leute, denen wir in den nächsten Tagen noch mehrmals begegnen werden. Noch eine Stunde an der Straße entlang, dann ist dieser unschöne Teil endlich erledigt. Bei der überquerung der Fitzherbert Bridge schimpfen wir noch einmal kräftig über den dichten Verkehr. Wir müssen eine 5-spurige Fahrbahn überqueren, wieder sehr spannend und nicht ungefährlich. Hier startet der Riverside Walkway, der am Manawatu River entlang verläuft und uns endlich aus der Stadt herausführt. Ein schmaler Wanderweg bringt uns zum Bredisloe Park, der nicht besonders attraktiv ist, aber uns schon die Illusion vermittelt, dass wir uns wieder der Natur nähern. Man hört zwar noch den Verkehrslärm, aber nur noch gedämpft. An einer Landstraße sehen wir eine Weide mit Lamas in verschiedenen Farben. Hellbraune, dunkelbraune und weiße Alpakas scheinen sich hier sehr heimisch zu fühlen. Gleich dahinter beginnt der sogenannte "Green Corridor", das ist ein noch sehr junges Projekt vom örtlichen Wanderclub zur Begrünung der Stadt-Umgebung. Noch nicht wirklich schön, weil er noch nicht fertig ist und an verschiedenen Stellen Bauzäune sowie Werkzeuge stören. Mehrere Male überqueren wir den Turitea Stream, dann finden wir eine genau passende Stelle für unser Zelt direkt neben dem Fluss. Ein paar Spaziergänger mit Hunden kommen noch vorbei, während wir beim Tee und Abendessen sitzen. Kurze Unterhaltung, nette Wünsche für den weiteren Weg, die Leute scheinen sich nicht dran zu stören.

Am nächsten Morgen führt unser Weg zunächst über eine schmale Holzbrücke zum Back Track. Der gefällt uns schon ziemlich gut, endlich sind wir wieder im Wald unterwegs. Wir entdecken einen richtig guten Picknick-Platz für die Mittagspause, die Kahuterawa Recreation Area. Hier ist sogar das Zelten erlaubt. Diesen etwas abgelegenen und verwilderten Park müssen wir uns für spätere Ausflüge in Neuseeland merken. Wir sind gerade fertig mit Essen, da fängt es an zu regnen. Schnell wird der Tisch abgeräumt, alles in die Rucksäcke geworfen und wasserdicht verpackt. Wir stapfen etwas überstürzt los, freuen uns über einen richtig netten Weg und stellen nach einer halben Stunde fest, dass wir falsch gegangen sind. Also nochmal zurück und Neustart, diesmal richtig. Der Gordon Kear Forest liegt vor uns, nass und matschig vom Regen, aber sehr schön zum Wandern. Wir sind so froh, dass wir nicht mehr auf Straßen laufen, dass dir diesen Tag trotz Regen voll genießen können. Einige Male müssen wir den Tokomaru River überqueren. Meistens gelingt das trockenen Fußes, weil dicke Kiesel als Trittsteine das Hinüber-Hüpfen erleichtern. An der tiefsten Stelle waten wir knietief durch's Wasser. Der nächste Trail ist der 17 Kilometer lange Burttons Track. Den schaffen wir nur noch bis zum verfallenen Haus von Mr. Burtton. Ein großer offener Platz mit Wiese und Picknick-Tisch markiert genau den Mittelpunkt, dahinter steht noch das alte Haus. Leider ist diese historische Stätte ziemlich ungepflegt und zugemüllt, uns lädt es hier nicht zum Bleiben ein.  An unserem nächsten Pausenplatz hat Jemand mit kleinen Steinchen die magische Zahl 1500 gelegt. Da können wir uns ja gegenseitig gratulieren ! 1500 Kilometer auf dem Te Araroa sind geschafft, dann beginnt ab jetzt die zweite Hälfte.

Der Burtton Track ist klasse ! Auch am kommenden Tag finden wir es einfach nur schön. Der Weg ist nass vom gestrigen Regen, aber die Anzahl der Matschlöcher hält sich in Grenzen. Durchaus akzeptabel, uns gefällt es ausgesprochen. Ein ganz toller Wanderweg, den wir auch gerne mit Besuchern nochmal machen würden. Noch 3 Stunden können wir diesen Wald genießen, dann beginnt der Mangahao-Makahika Track. Dieser ist wieder nur modderig und rutschig, und das über eine ewig lange Distanz. Dazu geht es noch steil hinauf bis zum höchsten Punkt dieser Bergkette, genannt ganz einfach "Spot 657". Dort oben haben wir eine phantastische Aussicht auf die Westküste und die vorgelagerte Insel Kapiti Island. Von diesem Gipfel aus klettern und rutschen wir ziemlich abenteuerlich durch den Matsch nach unten ins Tal. Seit Stunden nasse Füße, gar nicht gut für meine Blasen, die Wanderschuhe werden auch immer schwerer. Für mickrige 6 Kilometer haben wir in diesem schwierigen Gelände glatt 3 Stunden gebraucht. Eine kurze Pause am Horowhenua Lookout sollte eigentlich zum Trocknen unserer Sachen genutzt werden. Inzwischen habe ich alleine schon 11 Socken dort liegen, alle nass. Aber die Sonne verzieht sich, der Himmel wird grau und bedeckt, gar nichts trocknet. Also weiter .... Inzwischen ist unsere Laune nicht mehr so gut, man kann schon so manchen Fluch hören. Wir finden das Alles gar nicht mehr lustig. Aber irgendwann kippt die Stimmung wieder. Der Wald ist so wild und ursprünglich, dass wir uns trotz des Schlammbades plötzlich beide wieder so richtig wohlfühlen. Wir müssen immer wieder über  Flüsse und Bäche springen, steigen, durchwaten ..... Gefühlt kam alle 100 Meter so eine Stelle, irgendwann habe ich aufgehört zu zählen. Es ist schon nach 19.00 Uhr, als wir den Mangahao-Makahika Track beenden. Wir haben noch 5 Kilometer auf einer einsamen Landstraße vor uns bis zur Kreuzung, an der wir morgen zum Einkaufen nach Levin trampen wollen. Auf halber Strecke gibt es ein Outdoor-Center, wo wir hoffentlich Wasser bekommen und dann eventuell kochen können. Wir können unser Glück kaum fassen, als wir am Eingangstor ein Schild mit einer Einladung für Te Araroa-Wanderer erblicken. Essen, Dusche, Waschmaschine, ein Platz zum Schlafen sowie ein kaltes Bier werden uns dort angeboten. Na, das Angebot kommt genau zur richtigen Zeit ! Wasser und eine schöne Stelle für unser Zelt würden uns schon reichen für einen entspannten Feierabend. Aber es kommt viel besser, denn die Chefin vom Outdoor-Center begrüßt uns mit einer umwerfenden Herzlichkeit und einem kalten Getränk. Ein warmes Büffet ist noch aufgebaut, wir dürfen nehmen, soviel wir möchten. Dann zeigt Sally uns die Duschen, unsere nassen und matschigen Klamotten wandern zuerst in die Waschmaschine, gleich danach in den Trockner. Wir sind satt, alles ist wieder sauber, besser geht es nicht. Zum Schlafen dürfen wir uns bei den anderen Gästen in die Mehrbett-Zimmer einquartieren. Sally und ihr Mann John erzählen den Leuten bei jeder Gruppen-Buchung, dass eventuell Te Araroa-Wanderer vorbeikommen und kostenlos untergebracht werden. Das ist wirklich erstaunlich und vorbildlich, wie sie ihr soziales Engagement über den Gewinn stellen. Trotzdem behagt es uns nicht, den uns unbekannten und zahlenden Menschen so auf die Pelle zu Rücken. Thomas stellt unser Zelt hinter dem Haus im kleinen Garten auf, so mit Privatsphäre fühlen wir uns wohler. Eine Gruppe von angehenden IT-Spezialisten hat die Ausbildung gerade beendet und hier eine mehrtägige Sport- und Spiel-Veranstaltung abgehalten. Heute ist der letzte Abend ihres Seminars, es wird ein bisschen Abschied gefeiert. Immer wieder wird uns gesagt, wir sollen uns einfach selber bedienen, sonst müssten die das morgen bei der Abreise ja alles wieder mitnehmen. So kommt es, dass wir nach 2-3 Flaschen Bier und einem Glas Rotwein relativ angetrunken in Tiefschlaf fallen.
 
Im Makahika Outdoor Center gibt es in der Gemeinschafts-Küche ein gutes Frühstück mit Kaffee, Toast und Rührei. Dann verabschieden wir uns von unseren Wohltätern und bekommen von John noch den aktuellen Wetterbericht für die nächsten drei Tage in die Hand gedrückt. Vor uns liegt die Tararua Range, eine mehrtägige Tour, die über eine Kette von hohen Bergen führt. Das kann auch gefährlich werden, weil das Wetter hier sehr schnell umschlägt und sogar zu dieser Jahreszeit Schnee fallen kann. Aber die Prognose für die kommenden 3 Tage sieht gut aus, deswegen beschließen wir, unseren Stadt-Aufenthalt so kurz wie möglich zu halten. Keine Uebernachtung diesmal, geduscht und gewaschen haben wir ja gestern erst. Wir sind gerade erst 5 Minuten auf der Straße und haben kaum den Daumen herausgehalten, da hält schon ein Auto an. Eine nette Dame namens Joan sitzt am Streuer und nimmt uns mit bis nach Levin, wo sie uns direkt vor dem Supermarkt absetzt. Wir brauchen Proviant für 5 Tage, Blasenpflaster, schon wieder eine neue Lesebrille, sonst nichts. Thomas bekommt in der Apotheke seine fehlenden Medikamente, ich bringe noch ein paar Karten zur Post. Wir haben eine e-Mail erhalten, dass unsere bestellten Schlafsäcke und Iso-Matten nun doch nicht postlagernd nach Wellington geschickt werden können. Das ist blöd, wir hatten uns schon auf mehr Schlafkomfort gefreut. Aber so langsam nervt die Sache, der Laden kriegt das irgendwie nicht zu unserer Zufriedenheit geregelt. Ich schreibe denen noch schnell eine Antwort und storniere den gesamten Auftrag. Dann nehmen wir uns eines der vor dem Supermarkt wartenden Taxis und lassen uns die 10 Kilometer aus der Stadt heraus zum Startpunkt unseres nächsten Track fahren. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren, wenn wir es heute noch bis zur Hütte schaffen wollen. Es ist mittlerweile doch schon Mittag, und wir haben noch ungefähr 8-9 Stunden Laufen vor uns.



 

26.01.2016

Wanganui bis Palmerston North 23.01.-26.01.2016

Von Wanganui aus haben wir 32 Kilometer Straße vor uns. Was soll man dazu noch sagen ? Te Araroa ist sehr abwechslungsreich, aber diesen Teil kann man sich wirklich sparen. Wir laufen zunächst 23 Kilometer entlang eines viel befahrenen Highways, natürlich ohne Gehweg für Fußgänger. Es herrscht viel Verkehr, es ist laut, Unterhaltung nicht möglich. Diese Strecke soll laut unserem Buch der "Ratana Track" sein. Thomas bastelt sich wieder einen Abstandshalter aus Stock und gelbem Tuch, den er sich quer zur Straße hinter seinen Rucksack klemmt. Die Sonne knallt gnadenlos auf uns herunter. Es ist viel zu heiß. Schon nach 2 Stunden tun mir die Füße weh vom Asphalt. Am Nachmittag machen wir einen Abstecher ins Dorf Turakina. Wir sind schon 23 Kilometer gelaufen. Dort freuen wir uns über eine Tankstelle, an der wir uns mit Cola und Co. wieder fit machen für die nächste Etappe. Von Turakina aus biegen wir auf eine ruhigere Landstraße ab. Zweimal halten Autos an, die Fahrer fragen, ob sie uns mitnehmen können. Sehr nett ! Aber nein, danke, wir möchten jeden Meter von Norden nach Süden laufen. Allerdings kann ich beinahe nicht mehr mithalten. Thomas geht es richtig gut, er ist voll motiviert, und sein Knie macht überhaupt keine Probleme mehr. Ich schleppe mich die letzte Stunde nur noch mühsam vorwärts und komme humpelnd am Ziel an. Nach weiteren 10 Kilometern auf hartem Straßenbelag haben wir die kleine Ferien-Siedlung Koitiata erreicht. Es riecht nach Meer. Niedrige Dünen sind zu beiden Seiten zu sehen, am Himmel fliegen ein paar Möwen. Das ist ja fast wie bei uns zu Hause. Direkt vor dem Aufgang zum Strand gibt es einen kleinen Campingplatz. Hier werden wir sehr herzlich vom Betreiber-Ehepaar empfangen. Als Te Araroa-Wanderer müssen wir gar nichts bezahlen, wir dürfen einfach so unser Zelt aufstellen. Das haben die Beiden sich so ausgedacht, um die Hiker zu unterstützen, die monatelang auf dem Trail unterwegs sind. Aber das ist ganz geheim, wir sollen es nicht weitersagen. Wir unterhalten uns eine Weile nett und tragen uns gerne ins Gästebuch ein. Hier sehen wir, dass auch John und Dave die letzte Nacht hier verbracht haben. Die Platzwartin erzählt uns, dass auch Dave seine Füße auf dem Weg von Wanganui hierher kaputt gelaufen hat. Ich habe jedenfalls eine fette Blase unter dem rechten Fuß, die aufgestochen und verarztet werden muss. Die linke Wade zwickt beim Laufen, da wo mir beim Abstieg vom Tongariro der Krampf hineingefahren ist. Und meine Schultern schmerzen vom Rucksack. Wir können auch gar nichts mehr vertragen !

Während der Nacht hatten wir das beruhigende Rauschen der Brandung im Ohr und damit wunderbar geschlafen. Hier am Koitiata Campground beginnt unser nächster Track, die Santoft-Route. Juchhu - es geht endlich mal wieder an den Strand. Ein schmaler Weg führt durch die Dünen dorthin. Wir werden mehrfach von Einheimischen angesprochen, sind alle sehr gesellig und freundlich zu uns. Zunächst müssen wir eine Lagune umgehen, weil ich gerade das vorletzte Blasenpflaster aufgeklebt habe und damit nicht ins Wasser möchte. Die Menschen aus dem Dorf sind unheimlich interessiert an unserer Wanderung. Wir quatschen mal hier und mal da und kommen so nur langsam vorwärts. Thomas ist ganz fasziniert vom Kontiki-Fischfinder. Lange bleiben wir bei den Anglern stehen. Es wird gefachsimpelt, und Thomas hilft beim Anland-Bringen eines 8 Kilo schweren Snappers. Der Strand sieht beeindruckend aus, ganz anders, als man das gewöhnt ist. Schwarzer feinkörniger Sand, soweit das Auge reicht. Das Besondere daran ist das viele Totholz, welches bei jeder Flut angespült wird und sich hier sammelt. Weiß ausgeblichene Baumstämme, dicke äste und Kleinholz liegen kreuz und quer verteilt in beiden Richtungen am Strand. Nach 4 Kilometern müssen wir den Koitiata Stream überqueren. Eine wackelige Angelegenheit, denn wir balancieren über morsche Baumstämme im Wasser, die wie beim Mikado übereinander gefallen sind. Am anderen Ufer wird der Weg dann schwieriger, weil wir nicht mehr direkt am Strand laufen können. Wir sind morgens eine Stunde vor Hochwasser gestartet, nun erlaubt uns die Tide nicht mehr den direkten Weg an der Wasserkante. Die Wellen klatschen bis an die Dünen, so dass wir durch Pudersand und Gestrüpp hinauf und hinunter müssen. Hier wurde sogar Strandhafer angepflanzt, wie im Osten von Norderney. Viel Sand in den Schuhen, die Füße werden immer schwerer. Die Sonne brennt uns wieder erbarmungslos auf's Hirn, bzw. auf die Sonnenhüte. Erst nach 4 Stunden am Strand und durch die Dünen biegt unser Weg ab in den Santoft Forest. Wie gnädig, endlich etwas Schatten ! Wir laufen einige Kilometer auf einer Forststrasse durch junge Pinienwälder und frisch gepflanzte Ahorn-Bäume. Viel zu kurz ist dieses Waldstück, dann geht es schon wieder auf's freie Feld. Eine Frau auf einer Weide sieht, wie wir uns dahinschleppen und ruft uns zu : "Wenn ihr etwas Kaltes trinken moechtet, dann kommt durch das naechste Gatter links zu meinem Haus am Waldrand. " Da lassen wir uns gerne einladen, es gibt Wasser und Pfirsiche im Schatten auf der Veranda. Heather ist es eine erstaunliche Frau, denn sie spricht mit ihren Kuehen, die sie anscheinend auch verstehen. Ihr gehoeren 40 Kuehe, die sie "meine Maedchen" nennt, dazu noch eine Menge Kälber und ein Bulle, der die Oberaufsicht führt. Heather hat schon einige Te Araroa-Wanderer eingeladen und interessiert sich sehr fuer den Zustand des Trails und unsere Probleme, wie das Wasser, fehlende Informationen und teure Zeltplaetze. Sie ist in ihrer kleinen Gemeinde engagiert und versucht, ihre Ideen und Verbesserungsvorschlaege bei den Politikern vorzubringen. Sehr lobenswert,  das wird es fuer die nachfolgenden Hiker einfacher machen. Zum Schluss gibt sie uns den guten Rat, nicht beim oeffentlichen Campingplatz zu 14,- NSD pro Person zu uebernachten, sondern unser Zelt einfach nach Anbruch der Dunkelheit imn einem Park hinter dem Sportplatz aufzubauen. Gute Idee, so machen wir es dann auch und verbringen die Nacht auf einer Wiese unter dicken Baeumen. Wir mussten noch nicht einmal ueber den Zaun klettern, denn das Tor wird nachts nur fuer Autos abgeschlossen. Als Fussgaenger kann man immer noch hinein, und es gibt kein "Camping verboten"-Schild. Es gibt dort zwar ein Haus, in dem der Platzwart wohnt, aber entweder bemerkt er uns nicht, oder unser kleines Zelt am Rand stoert ihn nicht.

Wir haben Vollmond, der sehr hell durch unser Moskitonetz herein scheint. Viele unheimliche Geraeusche sind waehrend der Nacht im Park zu hoeren. Hier ist richtig was los, unterschiedliche Tierstimmen, Possums, ein Uhu schreit, dazu fortwaehrend Knistern und Knacken in den Baeumen um uns herum. Schon frueh brechen wir unser Lager ab, denn wir wollen ja nicht unangenehm auffallen. Bluff ist eine ganz interessante Kleinstadt, nur 1500 Einwohner, keine Touristen. Dafür gibt es erstaunlich viele Restaurants, Imbissbuden und Bars, ein Info-Center und viele gute Ideen wie Stadtplan an der Brücke zum Ort, Vorschlaege fuer Uebernachtungsmoeglichkeiten etc. - alles sehr hilfreich. Bei McDonalds stärken wir uns mit 2 Kaffee, Frühstück gibt es aus dem Supermarkt. Dann beginnt wieder ein Marathon auf der Strasse in der prallen Sonne. Einzige Pause im Schatten machen wir in einem kleinen Pavillon von Mt. Lees Scenic Reserve. Das ist eigentlich ein Teehaus mit angegliederter Lodge, aber das Aussengelaende ist zum Glueck auch fuer Besucher geöffnet,  die dort nichts verzehren und kein Zimmer moechten. Sehr nett und lange Zeit der einzige Platz im Schatten. Entlang der Feilding Route laufen wir 20 Kilometer bis in die nächste Stadt. Auf dem zentralen Platz in der City legen wir uns zwei Stunden auf den Rasen. Es ist einfach zu heiss, wir sind total fertig. Ausserdem hat sich unter meinem rechten Fuss eine weitere Blase gebildet. Thomas sticht sie auf, das letzte Pflaster kommt drauf, Auftreten bleibt schmerzhaft. Mehr sehen wir nicht von Feilding. Am späten Nachmittag starten wir die Bunnythorpe Route. Dazu muss man bemerken : Der Te Araroa ist den ganzen Tag seit Bulls tadellos markiert. An jedem Abbieger und jeder Kreuzung findet man ein gut sichtbares Zeichen. Wenigstens gibt es keine Extra-Kilometer heute wegen Verlaufens. Aber die Sonne quält uns immer noch. Der Teer am Strassenrand schmilzt in der Sonne und bleibt an den Spitzen der Stoecker kleben. Mit müden Beinen und kaputten Füßen erreichen wir gegen 20.00 Uhr nach weiteren 10 Kilometern die kleine Siedlung Bunnythorpe. Wir werfen uns mitsamt unserem Gepäck auf eine Bank vor der öffentlichen Toilette. Eigentlich möchten wir keinen Schritt mehr weiter heute. Thomas schlägt vor, in der Taverne nebenan ein Bier zu trinken und dort zu fragen, ob wir unser Zelt dahinter auf der Wiese aufstellen dürfen. Während wir noch überlegen, werden wir von einer jungen Frau angesprochen, die uns einen Platz in ihrem Garten anbietet. Aber sehr gerne, danke für das nette Angebot ! Bier gibt es nun heute keins mehr, aber dafuer nette Unterhaltung und einen schoenen Rasenplatz. Libbie hat 2 Töchter, 2 Katzen, 2 Kühe, 2 Schafe und einen Ehemann namens Elvis. Total unkompliziert nimmt sie uns mit zu sich nach Hause. Ich darf sogar duschen und alle ihre wohlriechenden Seifen und Shampoos benutzen. Ein toller Abschluss eines langen und nervigen Tages !

Früh aufgestanden, um der brütenden Hitze zu entgehen, aber schon um 8.00 Uhr morgens brennt die Sonne. Es sind nur 10 Kilometer auf einer Hauptstraße bis nach Palmerston Nord. Hier verbringen wir viele Stunden des Tages im Schatten eines Parks, in der Bücherei und beim Einkauf für die nächste Etappe. Gleich geht es weiter, ein festes Tagesziel haben wir nicht.


 

22.01.2016

Wanganui - City 20.01.-23.01.2016

Abgabestation fuer unser Kanu ist der Top10 Holiday Park in Wanganui. Dann senden wir ein letztes Mal unser GPS-Signal, damit der Kanu-Verleiher sieht,  dass wir am Ziel angekommen sind. Hier bleiben wir eine Nacht, morgen werden wir dann weitersehen. An der Rezeption werde ich superfreundlich empfangen. Ich hadere ein bisschen mit dem Preis von 42,- NSD nur fuer's Zelten. Aber 4 Sterne haben eben ihren Preis, und dieser Campingplatz ist wirklich super ausgestattet und unglaublich sauber. Die Mitarbeiterin empfiehlt mir die Mitgliedschaft im Top10 Holiday Park Club. Damit sparen wir ab sofort jedes Mal 10 %, zum Beispiel demnaechst in Wellington. Ausserdem gibt es diese 10 % Rabatt auch auf die Faehre von der Nord- zur Suedinsel. Die Mitgliedskarte ist 2 Jahre lang gueltig. In Australien gibt es damit Ermaessigung in mehr als 180 BIG4 Holiday Parks. Na, da wollen wir doch auch noch hin. Das lohnt sich, ich bin begeistert. Bei der Angabe meiner Personalien stellen wir fest, dass wir auch Deutsch reden koennen. Die Rezeptions-Mitarbeiterin ist ebenfalls aus Deutschland und macht hier ein Studien-Semester. Wir bekommen zur Entspannung ein kostenloses Bad im privaten SPA, ein Geschenk fuer alle Hiker, die mit dem Kanu ankommen. Und sie bietet uns fuer morgen frueh einen Shuttle in die Stadt an, weil die ein paar Kilometer entfernt ist. Besser geht es nicht. Wir müssen noch die 6 wasserdichten Fässer leerräumen, Thomas putzt das Kanu sauber, der Müll von einer Woche muss entsorgt werden. Dann wird unser Lager auf einer schönen grünen Wiese aufgebaut. Ein paar Meter daneben erkennen wir das Zelt von Jürgen,  den wir schon fast verloren geglaubt hatten. Wir freuen uns und tauschen unsere Erlebnisse der letzten Tage aus, aber heute werden wir nicht alt. Wir sind total ueberfordert von dem Trubel. Nachdem wir drei Tage lang ganz alleine auf dem Fluss waren und keine Menschen gesehen haben, ist uns hier eindeutig zu viel los. Es war ein langer und anstrengender Tag, dazu noch zu viel Sonne. Kopfschmerzen machen sich breit, wir gehen bald nach dem Abendessen schlafen.


Die Nacht war nicht sehr erholsam. Wir sind es einfach nicht mehr gewöhnt, mit Stimmengewirr, klappenden Autotueren und Verkehrslaerm zu schlafen. Morgens trinken wir noch einen Kaffee zusammen mit Jürgen, dann bringt uns die nette deutsche Studentin bis vor unser im Internet gerade gebuchtes Motel. Toller Service - danke ! Der Betreiber vom Astral-Motel empfaengt uns mit einem freundlichen Laecheln im Gesicht. Es ist erst 10.00 Uhr morgens, wir sind viel zu früh dran zum Einchecken. Aber gar kein Problem. Wir haben ein Schnaeppchen gemacht und fuer nur 88,- NSD das billigste Zimmer gebucht. Aber der Chef bietet uns ein kostenloses upgrade an, weil dieses so frueh noch nicht fertig ist. So bekommen wir ein helles Appartement mit eigenem Bad, Doppelbett, Tisch, Sofa, Kuechen-Ausstattung, Fernseher und sehr gut funktionierendem WIFi zum günstigen Preis. Waschmaschine und Trockner muessen wir auch nicht bezahlen, das ist alles inclusive. Ein niedliches Baby in Windelhose krabbelt um uns herum. Was fuer ein Empfang ! So nett wie hier in Wanganui hatten wir es ja schon lange nicht mehr. Vielleicht sollten wir noch einen weiteren Tag bleiben. Zu erledigen gibt es mehr als genug. Thomas braucht neue Medikamente. Ohne Rezept bekommt er seine Tabletten aber nicht in der Apotheke. Er muss ein Rezept vom Arzt vorlegen. Dafür muss er allerdings ins Krankenhaus zur Untersuchung. Das liegt nicht direkt in der Stadt, er muss ein paar Kilometer laufen. Alles etwas kompliziert und nervig. Eventuell muessen wir uns um die Reparatur oder einen Ersatz fuer das i-Phone kuemmern. Nach 8 Tagen ohne Spiegel führt mich mein erster Gang zur Kosmetikerin. Man goennt sich ja sonst nichts. Wir benötigen unbedingt einen 3 Meter langen Reissverschluss und Nähzeug, um unser Zelt zu reparieren. Wo gibt es denn hier in der Stadt einen Schneider ? Und kann man da so einen langen Reissverschluss ueberhaupt kaufen ? Unsere Wassertropfen zum Behandeln zweifelhaften Wassers sind fast leer, die sollten wir auch bald neu besorgen. Essen und Trinken müssen eingekauft werden, ausserdem die über Bord gegangenen Sachen ersetzt werden. Sonnencreme, Insekten-Spray, Spiegel .... Ansichtskarten koennte man auch mal wieder schreiben. Bei der Post brauche ich zwei Anlaeufe und muss ewig anstehen, um Briefmarken zu bekommen. Ein Besuch in der Tourist-Info, dann die Bücherei suchen fuer Internet. Wir müssen unbedingt klaeren, ob unsere Lieferung aus Polen inzwischen beim Kanu-Verleih in Taumanurui angekommen ist oder ueberhaupt schon unterwegs ist. Wir sind jetzt in Wanganui und werden natuerlich nicht wieder zurueckgehen. Das Kanu wurde bereits abgeholt, also koennen die unser Paket auch nicht mehr mitbringen. Das bedeutet, dass wir e-mails schreiben muessen, den Kanu-Verleiher anrufen und eventuell die Nachsendung an eine andere Adresse organisieren. Wohin das dann geschickt werden soll ? Keine Ahnung, auch das sollten wir vorher noch klaeren. Dann muss natuerlich die Waesche gewaschen und getrocknet werden. Und die Planung fuer die naechste Etappe bis Palmerston North liegt an. Unsere Liste ist lang, wir können gut noch einen weiteren Tag in der Stadt gebrauchen. Auf jeden Fall haben wir hier genug zu tun und zu organisieren.

Ich habe Lisa und Allie aus den USA in der Stadt getroffen. Die Beiden haben wir das letzte Mal beim Alpine Crossing gesehen. Inzwischen sind wir ja schon gute Bekannte und freuen uns über das unerwartete Wiedersehen. Die Maedels sind einen Tag nach uns im Holiday Park angekommen. Den Hochwasser-Tag haben sie sich auch nicht auf den Fluss getraut. Lisa und Allie haben einen langweiligen off-day in Pipiriki verbracht, was auch nicht viel spannender war als unser Stück Wiese. Gute Seemannschaft ! 
Das i-Phone ist zum Glueck wieder zum Leben erwacht, nachdem es vollstaendig getrocknet ist und vollgeladen wurde. Das erspart uns eine Menge Lauferei. Es lässt sich zwar jetzt nicht mehr ausstellen, aber das sollte im Moment unser geringstes Problem sein. So müssen wir wenigstens vorerst kein neues i-Phone kaufen. Alle Dinge, die bei unserer ersten Kenterung über Bord gingen, haben wir leicht ersetzen können. Thomas war beim Friseur - und bei was fuer einem !  :) 
Unsere bestellten Schlafsaecke und Iso-Matten sind noch nicht losgeschickt worden. In diesem Falle ist das gut fuer uns, denn so koennen wir als neue Liefer-Anschrift " Wellington - postlagernd " angeben. Da werden wir in ungefähr zwei Wochen ankommen. Vielleicht klappt's ja. Thomas hat gestern und heute Stunden und noch mehr Stunden damit verbracht, einen neuen Reissverschluss in unser Zelt einzunaehen. Das war eine unglaublich muehsame Arbeit, die sich aber auszahlt. Wir können den Eingang sicher schliessen und können dadurch wieder in einer insektenfreien Zone schlafen. Allerdings ist beim Aufbauen des Zeltes eine Stange zerbrochen und hat noch zusaetzlich ein Loch in den Stoff gebohrt. Ja, öfter mal was Neues, sonst wird es uns noch langweilig. Vorerst werden die Stange und das Loch mit starkem Klebeband repariert. Das soll so wohl noch eine Weile halten. Aber unsere gesamte  Ausruestung ist gar, das muessen wir mal ganz realistisch sehen und ein paar wichtige Teile ersetzen. Die Medikamenten-Frage ist noch nicht ganz geklaert. Thomas hat einen Haufen Papiere sowie einige Rezepte beim Arzt bekommen und muss damit morgen früh nochmal in die Apotheke. Aber danach soll es dann endlich zu Fuß weitergehen. Nächstes Ziel ist Palmerston North, wo wir eine Adresse von Leuten haben, die wir ganz zu Anfang noch hoch im Norden kennengelernt haben.


 

14.01.2016

Whanganui River Journey 14.01.-20.01.2016

Heute beginnen wir unsere 1-woechige Kanu-Tour auf dem Whanganui River. Diese Fluss-Passage ist offizieller Teil des Te Araroa und wird uns auf einen Schlag ca. 230 Kilometer weiter bringen. Das bedeutet eine Pause fuer unsere Fuesse, dafuer werden wahrscheinlich mehr Muckis in den Armen aufgebaut. Fuer mich ist das Neuland, ich habe keinerlei Erfahrung. Thomas ist bereits 6 Wochen alleine auf dem Yukon gepaddelt. Gezeltet wird irgendwo am Ufer, keine Orte in der Naehe, deswegen werden wir auch kein Internet haben fuer neue Berichte. Wir hoffen auf schönes Wetter und sind sehr gespannt auf die kommende Woche.


Tag 1 : Der Wecker klingelt schon frueh, wir machen uns startklar fuer unsere Kanu-Passage. Abgemacht war ein Treffen um 10.00 Uhr am Cherry Grove, wo das Kanu zu Wasser gelassen wird. Aber bereits um 9.00 Uhr klingelt das Telefon. "Wo bleibt ihr denn ?" Okay, dann beeilen wir uns eben, dafuer werden wir vom gestressten Vermieter mit dem Auto abgeholt. Wir bekommen 6 wasserdichte Faesser, in denen wir all unseren Kram verstauen und kentersicher festschnallen muessen. Ausserdem noch einen Sender, den wir abends anstellen sollen, damit die Kanu-Company immer weiss, wo wir gerade stecken. Es gibt eine kurze Einweisung und viele Sicherheitshinweise, Schwimmwesten an, um 10.30 Uhr geht es endlich los. Es sind erstaunlich viele Stromschnellen auf dem Fluss, das hatte ich mir viel ruhiger vorgestellt. Der Whanganui River ist an vielen Stellen sehr flach, es liegen viele Felsen im Weg, ausserdem Geroell zu beiden Seiten Richtung Ufer. Wir sind gerade erst eine Stunde unterwegs, da kentern wir zum ersten Mal. In einer Stromschnelle werden wir seitlich an einen dicken Stein gedrueckt, der in der Mitte unserer Durchfahrt liegt. Davon bekommen wir schon ordentlich Schlagseite. Ich lehne mich reflexartig nach aussen, aber das ist die falsche Seite. Mutti faellt ueber Bord und geht erstmal baden. Auch meine Iso-Matte schwimmt schnell im Wasser davon, weswegen nun auch noch Thomas aussteigt und unter Aufbietung all seiner Kraefte die Matte wieder ins Boot bekommt. Das Kanu ist randvoll mit Wasser. Leider waren wir so dumm und haben eine Plastiktuete mit Sachen, die wir unterwegs brauchen wuerden, ungesichert auf dem Boden liegen gehabt. Die ist nun leider ueber die Kante auf und davon. Darin waren ein paar Bananen, eine Tuete Chips, unsere Sonnencreme, das Insekten-Spray, meine Lippen-Salbe und mein Spiegel. Also sehr existentielle Dinge ..... nun haben wir eine Fluss-Fahrt ohne Sonnenschutz und Moskito-Spray vor uns, ausserdem 8 Tage nicht in den Spiegel schauen. Ist schon ziemlich bloed, aber da sind wir selber Schuld. Wer rechnet denn damit, dass wir auf so einer harmlosen Kanu-Fahrt, die laut Verleiher jeder ohne Probleme machen kann, sofort kentern ? Auch uns "alten Hasen" passieren solche leichtsinnigen Fehler - hoffentlich nur einmal. Meine Waesche, die ich noch im Zimmer gewaschen und noch nicht ganz trocken bekommen habe, ist auch wieder klitschnass geworden. Und das Schlimmste : Thomas hatte sein I-phone in der Hosentasche, das ist auch komplett mit baden gegangen. Trotz wasserdichter Schutzhuelle ist es ausgegangen und sagt keinen Mucks mehr. Hoffentlich koennen wir das wieder zum Leben erwecken ! Zunaechst einmal paddeln wir an Land, um das Kanu leer zu schoepfen und uns neu zu sortieren. Das I-phone wird auseinandergenommen und getrocknet, bleibt aber immer noch stumm. Nach gut drei Stunden machen wir Pause an der Campsite Ohinepane, um auch den Rest zu trocknen. Ich bekomme die Arme kaum noch hoch, da kann ich mich schon fast auf einen heftigen Muskelkater einstellen. Thomas muss mir aus der Schwimmweste heraushelfen. Die Sonne knallt, die Sandflies stechen unbarmherzig - und wir stehen hier ohne Sonnenmilch und Insektenmittel. Faengt gerade nicht so gut an .... Bei der Weiterfahrt sehen wir eine schwarze Kuh am rechten Ufer liegen. Sie ruehrt sich nicht, als wir vorbeipaddeln, hebt nur kurz den Kopf in unsere Richtung. Sie liegt ganz ruhig auf allen vier Beinen und macht keine Anstalten zum Aufstehen. Wahrscheinlich ist sie die steile Boeschung hinabgestuerzt und hat sich verletzt. Wieder ueberlegen wir, was zu tun ist und wem wir Bescheid geben koennen. Ein bisschen Verlust beim weidenden Vieh scheint hier normal zu sein. Bereits weiter flussaufwaerts haben wir eine verendete Kuh am linken Ufer liegen gesehen. Das scheint hier Niemanden zu interessieren. Eine weitere brenzlige Situation erleben wir, als wir uns nur halbherzig entschlossen an der falschen Seite durch Stromschnellen hindurch bugsieren wollen. Zuerst moechten wir es links herum versuchen, dann doch lieber auf der anderen Seite. So klappt natuerlich weder das Eine noch das Andere. Ploetzlich befinden wir uns in der Mitte und sitzen mit unserem Kanu auf einem Felsen fest. Wegen der starken Stroemung wurde das Kanu komplett gedreht und zeigt nun mit dem Heck voraus. Alles Manoevrieren hilft nichts, Thomas muss aussteigen und uns wieder in die richtige Position ziehen. Dann kann's weitergehen. Mit hoher Geschwindigkeit rasen wir durch die Stromschnellen flussabwaerts. Um 17.00 Uhr erreichen wir den vorher gebuchten Campingplatz Poukaria, den wir uns mit drei jungen Urlaubern aus Daenemark sowie einem Deutschen teilen. Juergen aus Berlin ist eigentlich mit dem Fahrrad unterwegs in Neuseeland. Zusaetzlich hat er sich vorgenommen, einige "Great Walks" zu laufen. Dazu gehoert auch diese Whanganui-Passage, also eine sehr abwechslungsreiche Reise. Wir finden, das ist eine wirklich gute Idee, einen Aktiv-Urlaub noch interessanter zu gestalten. Abends stellen wir das GPS vom Kanu-Verleiher an und geben unser erstes Heile-Angekommen-Signal ab. Im Register des DOC lesen wir schon von anderen Wanderern bzw. Kanu-Fahrern am 11.01. einen Eintrag von einer verletzten Kuh am Ufer.  

Tag 2 : Der Himmel ist ueberwiegend bedeckt. Das gefaellt uns gut, denn dann gibt es wenigstens keinen Sonnenbrand. Der Fluss ist hier viel ruhiger heute und fliesst traege dahin. Es gibt nur wenige Stromschnellen, die wir unbeschadet passieren. Wir lassen es gemuetlich angehen, denn die heutige Entfernung ist geringer als die von gestern. Die Natur zeigt sich wieder grandios. Links und rechts liegen hohe Berge mit Urwald-Bewuchs, die sich nahe an den Fluss draengen. Wir fahren durch eine Schlucht und bestaunen die Landschaft. Wilde Ziegen grasen am Ufer, ein paar Schafe sind zu sehen. Bussarde fliegen dicht ueber uns auf der Suche nach Beute. Sonst sehen wir Niemanden bis zu unserer Pause in Whakahoro. Wir hatten eigentlich ein kleines Dorf erwartet, aber es gibt nur eine Huette mit Wiese zum Zelten, drei Haeuser und ein Cafe. Dort treffen wir Juergen, mit dem wir uns auch am Abend wieder den Lagerplatz teilen. Der Tag ist schon fast langweilig. Man koennte auch sagen "entspannt". Wir haben uns mit unserem Kanu angefreundet und verstehen damit besser umzugehen. Erst am Nachmittag bekommen wir etwas Wind auf die Nase und muessen etwas kraeftiger paddeln. Unser reservierter Platz an der Mangapapa Campsite ist wieder sehr schoen. Waehrend des Abendessens beginnt es zu regnen, aber wir koennen von unserem Picknick-Tisch auf der Wiese umziehen unter das Dach der Shelter. Um 21.00 Uhr liegen wir bereits im Schlafsack, als wir ploetzlich draussen Stimmen hoeren. Juergen kommt, um uns zu erklaeren, dass die jungen Daenen so spaet noch kommen. Wir koennen es nicht fassen ! Es ist bereits dunkel, die Drei haben noch nicht einmal Stirnlampen griffbereit. Das Anlanden ist hier schwierig, aber Juergen ist noch auf und eilt ihnen zu Hilfe. Ohne den Fluss-Verlauf richtig richtig sehen zu koennen, haben unsere Daenen mit Glueck Felsen und Baumstaemme umschifft. Wir denken :"Jugendlicher Leichtsinn!" Aber es ist ja gutgegangen, und die Drei benehmen sich vorbildlich, d.h. ruhig. Es wird nicht mal mehr gekocht, sondern sie verschwinden ganz schnell in ihrem Zelt. Vielleicht war die abendliche Fahrt doch aufregender, als sie zugeben moegen.

Tag 3 : In der Nacht hat sich ein Possum an unserer Muelltuete zu schaffen gemacht, die wir am Tisch haben stehen lassen. Normalerweise interessieren die Tiere Neuseelands sich kein bisschen fuer Menschenmuell. Aber dieses Mal waren Avocado-Schalen dabei. Avocados haben wir sonst nicht dabei, weil wir die natuerlich nicht tragen wollen. Aber genau diese kamen bei den Possums gut an, alles Andere blieb unberuehrt. Morgens ist es wieder dicht bewoelkt, und es sieht nach Regen aus. Ab Mittag klart der Himmel auf. Wilde Natur begleitet uns den ganzen Tag ueber. Viele kleine Wasserfaelle stuerzen sich zu beiden Seiten ueber die Felskanten in den Whanganui River. Verrottete Baumstaemme liegen im Wasser, an den Ufern noch viel mehr Totholz, das wahrscheinlich von den Abhaengen herunterfaellt und liegenbleibt bis zum naechsten Hochwasser. Zwei kaputte Kanus sehen wir waehrend unserer sonst einsamen Fahrt. Eines liegt mit einem Riss in der Schale verlassen am Ufer, das andere hat sich in der Mitte des Flusses um einen treibenden Baum gewickelt, wie bei einem boesen Auto-Unfall. Heute zeigen sich noch mehr wilde Ziegen, die an den schraegen Abhaengen grasen - die scheinen sich in diesem Gelaende geschickter zu bewegen als die Kuehe. Einen spannenden Abstecher machen wir in eine enge Schlucht mit stillstehendem moderigem Wasser. Das Kanu kann kaum wenden am Ende dieser Sackgasse. Es sieht beeindruckend aus, wie sich die Schlucht zu den Seiten hin ueber uns noch mehr verengt, bis nur noch ein kleiner Spalt zu erkennen ist, durch den etwas Tageslicht dringt. An der John Cull Hut und Campsite machen wir eine ausgedehnte Pause. Hier versieht eine junge Frau mit ihrer Tochter ihren Dienst als Caretakerin, was so etwas wie Platzwartin und Aufpasserin ist. Die Huetten muessen ebenfalls vorher reserviert werden, sind relativ teuer und meistens ausgebucht. Aber fuer uns kommt diese Art der Gemeinschaftsunterkunft sowieso nicht in Frage, wir zelten lieber auf den weniger besuchten Plaetzen. Auf der linken Seite des Flusses liegt die Tamatea's Cave, eine grosse Hoehle, die ein heiliger Ort fuer die Maori ist. Ein Stueck weiter winken uns zwei Frauen vom Ufer zu, die dort ihr kleines Zelt aufgebaut haben. Wir sind etwas erstaunt, denn wild campen ist hier im Nationalpark streng verboten. Sie rufen uns zu, dass ihr Kanu kaputt sei und sie bereits einen GPS-Alarm ausgesandt haben, damit sie abgeborgen werden. Tatsaechlich liegt das Kanu der Beiden in zwei Teile zerbrochen am Rand. Ich kann es beinahe nicht glauben. Okay, die Frauen sind etwas propper gebaut, aber dass diese Dinger so leicht auseinanderbrechen, das haette ich nicht gedacht. Wir fragen, ob wir helfen koennen, ob sie Essen oder Trinkwasser brauchen. "Nein, alles okay, wir werden gleich abgeholt." Na gut, dann fahren wir weiter. An unserer gebuchten Mangawaiiti Campsite waeren wir beinahe vorbeigepaddelt. Es gibt kein Hinweis-Schild, und die Landestelle ist kaum zu erkennen. Gerade eben noch kriegen wir die Kurve und sind mal wieder begeistert von unserem idyllischen Lagerplatz ohne Massen-Tourismus.

Tag 4 : Nur acht Kilometer, fuer die wir knapp zwei Stunden brauchen, sind es bis zum Mangapurna Landing. Dort steigen wir aus und machen eine 45-minuetige Wanderung zur "Bridge to Nowhere". Der Name hoert sich spannend an, die Geschichte der Bruecke ist wirklich kurios. Sie wurde im Ersten Weltkrieg fuer eine geplante Besiedlung erbaut, aber die Gegend war zu unwirtlich, und das Projekt wurde abgebrochen. Zwischen den beiden Weltkriegen haben die wenigen Bewohner diese Region wieder verlassen. So ist diese Bruecke schon seit Jahrzehnten absolut nutzlos und endet ohne Strassen-Anbindung tatsaechlich im Nirgendwo. Nur mit dem Kanu, die Normal-Touristen mit Jetbooten und ueber den kleinen Track kann man sie erreichen. Leider sind gleichzeitig mit uns bereits einige Gruppen mit ihren Fuehrern unterwegs, das verleidet uns das Erlebnis dieses grandiosen Bauwerkes etwas. Auch bei unserer kleinen Rast am Aussichtsturm werden wir fast ueberrannt, waehrend wir auf der Treppe unseren Apfel essen. Naja, wir machen uns lieber wieder auf zum Kanu, um die stille Einsamkeit auf dem Whanganui zu geniessen. Die Jetboot-Fahrer an der Anlegestelle benehmen sich nicht besonders freundlich gegenueber den Kanu-Fahrern. Wahrscheinlich sind sie veraergert darueber, dass wir aus eigener Kraft und ohne ihre Dienste zu bezahlen, den Ausflug zur Bruecke wagen. Der Fluss wird immer breiter, die Stroemung geringer. Manchmal lichtet sich die Schlucht, die Berge werden niedriger,  und man kann gelegentlich Farmland in der Ferne erahnen. Ganz vereinzelt sind Haeuser zu sehen, mal eine Kuh oder ein paar Schafe. Ausserdem scheint dieser Abschnitt des Whanganui den Voegeln zu gefallen. Reiher stehen am Ufer, drei schwarze Schwaene schwimmen ganz ohne Furcht neben unserem Kanu, auch verschiedene Sorten von Enten scheinen sich hier wohlzufuehlen. Wir amuesieren uns sehr ueber eine ganze Gruppe von 14 bunten und einer weissen Gans, die nacheinander in einer Reihe aus dem seichten Wasser steigen und wirklich "wie im Gaensemarsch" ueber einen Trampelpfad im Wald verschwinden. Nach unserer Wanderung zur Bruecke machen wir keine Pause mehr, denn die Sandflies drohen uns aufzufressen, sobald wir in Ufernaehe kommen. Also bleiben wir lieber in der Mitte vom Fluss und entspannen uns hin und wieder, indem wir uns einfach treiben lassen. Aber nach fuenf Stunden am Stueck tut uns Beiden der Hintern ordentlich weh vom langen Sitzen. Direkt vor dem Anlanden muessen wir noch durch eine heftig brodelnde Stromschnelle und bekommen ordentlich Wasser ins Kanu. Wir werden zwar klitschnass, koennen aber so gerade noch die Balance halten. Nach 32 Kilometern Paddeln und 6 Kilometern Laufen haben wir genug getan. An der Ngaporo Campsite sind wir zunaechst alleine und stellen unser Zelt auf einem Plateau mit Blick auf den Whanganui direkt neben einem Picknick-Tisch auf. Schoener geht es einfach nicht ! Aber am Himmel brauen sich dunkle Wolken zusammen, die schnell naeherkommen. Als wir gerade beim Abendessen sitzen, da donnert es schon ziemlich nah. Schnell baut Thomas das Zelt nochmal ab und parkt um auf einen geschuetzteren Platz unter Baeumen. Der Regen kommt alsbald, und gerade rechtzeitig vor dem grossen Wolkenbruch legt unten noch ein junges Paar an. Die Beiden sind total gestresst, sie scheinen richtig Angst zu haben. Als der junge Mann ein normal-schweres Zelt auspackt und die Heringe mit einem Hammer einschlaegt, da wird uns sofort klar : Das sind keine Hiker. Josh und Stef stammen aus Neuseeland und sind zu einer 4-Tage-Abenteuertour aufgebrochen. Noch sehr jung, richtig niedlich sind die Zwei, auf jeden Fall angenehme Gesellschaft. Von Josh und Stef erfahren wir, dass die etwas molligen Damen mit dem zerbrochenen Kanu erst heute Mittag von ihrem Not-Landeplatz abgeholt worden sind.

Tag 5 : Bereits nach einer Stunde erleben wir unsere naechste Voll-Kenterung. Eine als gefaehrlich beschriebene Stromschnelle mit 1 Meter hohen Wellen haut unser Kanu aus dem Kurs. Dazu muss man wissen, dass wir nur 20 Zentimeter Freibord an den Seiten haben. Nass ist also sowieso schon vorprogrammiert. Dieses Mal gehen wir beide sofort komplett baden, und unser Kanu dreht sich um. Alles, was oben war, schwimmt jetzt unten. Aber wir haben ja dazugelernt, alles ist sicher befestigt und wasserdicht verpackt. Wir haben keine Verluste zu beklagen. Allerdings gestaltet sich das An Land-Schwimmen wegen der reissenden Stroemung heute schwieriger als bei unserer ersten Kenterung. Man muss sich selber ueber Wasser halten und dabei versuchen, irgendwie naeher in Richtung Ufer zu kommen. Das Kanu muss festgehalten werden, auch das Paddel darf man nicht loslassen. Insgesamt schon ziemlich aufregend, aber es klappt wunderbar. Das Wasser hat eine angenehme Temperatur und scheint auch relativ sauber zu sein. Ausgerechnet an diesem Tag bin ich mit voller Montur eingestiegen, damit mich die Stechtiere nicht belaestigen koennen. Also mit langer Hose, Socken und Schuhen - nun ist alles triefnass und klebt am Koerper. Aber macht nichts, das Wetter ist sonnig. Zunaechst einmal muessen wir unser vollgelaufenes Kanu umdrehen und leerschoepfen, dann geht die wilde Fahrt weiter nach Pipiriki. Hier endet fuer die Meisten die Fluss-Passage, an diesem Sammelpunkt werden normalerweise die Kanus abgeholt. Aber wir haben die laengere Tour von 6-8 Tagen gebucht und duerfen uns noch ueber viele weitere Kilometer auf dem Whanganui River freuen. Pipiriki ist ein kleines "Settlement", es gibt dort nur drei Haeuser und einen Kanu-Verleih. Dort bekommen wir immerhin ein Eis und einen Kaffee aus dem Automaten, zusaetzlich noch wertvolle Tipps fuer die weitere Passage und einen aktuellen Wetterbericht. Ab 15.00 Uhr sind oertliche Gewitter angekuendigt, aber bis dahin haben wir noch ein paar Stunden Zeit. Naechster kleiner Ort ist Jerusalem, aber dort sieht es aehnlich tot aus wie in Pipiriki. Wir halten gar nicht an. Waehrend wir uns noch umdrehen und den Anblick des Dorfes mit seiner schoenen Kirche von hinten geniessen, da haut es uns schon wieder fast um. Eine Stromschnelle mit einer engen Kurve bringt uns etwas aus dem Gleichgewicht. Wasser schwappt von beiden Seiten reichlich hinein, wieder laufen wir voll bis zum Rand, aber wir kippen nicht um. Das Kommando zu Thomas nach achtern lautet :"Schoepfen!" Es kippelt und bleibt minutenlang instabil, aber wir schaffen es gerade noch, das Kanu und uns vor dem Kentern zu bewahren. Wieder sind wir patschnass bis auf die Haut, aber wir muessen nicht ans Ufer. Es bleibt spannend an diesem Tag. Inzwischen haben wir Wind von hinten, der uns ordentlich schiebt. Die naechste Stromschnelle ist schon in Sicht. Ein grosser Baum liegt quer im Fluss. Ganz knapp unter der Wasseroberflaeche war dieses Hindernis nicht von Weitem erkennbar. Man sieht nur links ein paar Aeste und rechts ein verrottetes Stueck Holz. Wir moechten durch die Mitte fahren. Erst im letzten Moment sehe ich, dass sich dazwischen ein dicker Baumstamm befindet. Nun ist es sowieso zu spaet, wir koennen nicht mehr ausweichen. Kommando nach achtern :"Festhalten !" Dann rumpeln wir bereits ueber den Stamm, sitzen kurz auf, aber unser Kanu bleibt schoen aufrecht in der Spur. Nichts passiert - weiter geht's. Einige herrenlose Kanus liegen am Rand, wir wundern uns etwas darueber. Die Insel Moutoa Island liegt voraus, an der rechten Seite befinden sich weitere Stromschnellen. Links davon liegt die Anlegestelle Ranana, also versuchen wir unser Glueck dort. Die Dame im Kanu-Verleih von Pipiriki meinte, das muesste funktionieren. Aber es klappt nicht wirklich gut. Auf dieser Seite der Insel ist der Fluss zu flach. Wir holpern ueber Kieselsteine und Geroell. Zu guter Letzt geht gar nichts mehr. Thomas muss aussteigen und das Kanu ein Stueck schieben, bis wir tieferes Wasser erreicht haben. Inzwischen donnert es schon in der Ferne. Schwarze Wolkenwaende kommen bedrohlich schnell naeher. Wir halten Ausschau nach einem Platz fuer eine Zwangspause. Wir landen an einer modderigen Bucht, gerade als die ersten Regentropfen fallen. Schnell stellt Thomas das Zelt irgendwo im Unkraut auf. So warten wir im Trockenen ab, bis das Gewitter vorbeigezogen ist. Nach etwas mehr als einer Stunde troepfelt es nur noch leicht. Wir bauen unser Lager wieder ab und fahren weiter. Komische Stimmung auf dem Fluss. Wir sind ganz alleine, dunkelgrauer Himmel, absolute Stille. Der Nieselregen geht in dicke Tropfen ueber, irgendwann regnet es dann ganz heftig, und wir paddeln immer noch durch die einsame Schlucht. Dann beginnt die Suche nach einem Platz fuer die Nacht. Das ist heute gar nicht so einfach, denn die Gegend ist viel wilder, als wir uns vorgestellt hatten. Zu beiden Seiten geht es steil hinauf, keine gerade Flaeche in Sicht. Mehrmals gehen wir an Land, um nach einer Stelle fuer unser Zelt zu schauen. Immer wieder ziehen wir das Kanu an Land, stapfen durch den Modder, aber wir finden lange Zeit nichts Geeignetes. Es wird schon frueh dunkel. Irgendwann reicht es uns, wir sind nass, und es wird langsam kalt. Endlich, schon nach 20.00 Uhr, finden wir unser Fleckchen Land kurz hinter Matahiwi Landing. Es hat sich richtig eingeregnet. Thomas kocht im Zelteingang. Waehrend dieser kurzen Zeit sammeln sich Dutzende von Sandflies im Inneren, die alle einen trockenen Platz suchen. Nicht gerade entspannend ! Immerhin haben wir heute 41 Kilometer Strecke zurueckgelegt.

Tag 6 : Die ganze Nacht hindurch hat es geschuettet. Der Himmel hatte alle Schleusen geoeffnet. Heftig prasselte der Regen auf unser Zeltdach. Lange Zeit sind wir trocken geblieben, bis sich auf einmal der hintere Hering loeste und die nassen Waende ueber uns nach innen klatschten. Thomas musste also 'raus, um unser Heim wieder aufzurichten. Eine Stunde spaeter nochmal Einsturzgefahr, diesmal hatte sich der Hering und die Verspannung vorne geloest. Der Boden war inzwischen so aufgeweicht und matschig, dass nichts mehr halten wollte. Thomas also wieder nach draussen, alles im stroemenden Regen, um die Schnuere an unseren wasserdichten Faessern festzubinden. Der Fluss neben uns wurde immer lauter, Steine und Baumstaemme wurden mitgerissen, das Geroell am Ufer von der starken Stroemung hin- und hergeschoben. Letzte Aktion dann um 2.00 Uhr in der Nacht : Thomas hatte keine Ruhe wegen dem ansteigenden Wasser und hat das Kanu einige Meter weiter an Land gezogen. Das war eine sehr gute Eingebung, wie wir am naechsten Morgen feststellen. Danach schlafen wir trotz trommelndem Regen und rauschendem Fluss bis um 8.00 Uhr. Wir trauen unseren Augen nicht, als wir aus dem Zelt kommen. Der Fluss ist stark angeschwollen, der Wasserstand  ordentlich gestiegen. Der Whanganui River ist seit gestern um etwa ein Drittel breiter geworden. Wir schaetzen, dass wir heute auch ohne zu paddeln doppelt so schnell sein wuerden wie die vergangenen Tage. Ein reissender Fluss liegt vor uns, mit der starken Stroemung sind unzaehlige Baumstaemme auf ihrer Reise Richtung Ozean. Wir haben so viel Totholz an den Uferraendern und in den stillen Buchten liegen sehen, nun hat das ansteigende Wasser eine Menge davon mitgerissen. Gefaehrliche Geschosse, die in schneller Folge an uns vorbeiziehen. Dann kommt ein Kanu ohne Besatzung angefahren, ebenfalls mit einer beachtlichen Geschwindigkeit. Schwimmwesten liegen noch drin, aber ansonsten keine weitere Ladung. Da hat wohl Jemand nicht hoch genug an Land gezogen oder nicht richtig festgebunden. Das Kanu muss sich selbststaendig gemacht haben, waehrend die Besatzung noch geschlafen hat. Rechts von unserem Platz macht der Fluss eine Biegung, die Kurve verengt sich, und das Wasser laeuft ueber eine kleine Felsentreppe eine Stufe tiefer. Das herrenlose Kanu muss dort irgendwo angestossen sein und bricht vor unseren Augen in zwei Teile, genau wie das der beiden korpulenten Damen vor ein paar Tagen. Ich finde es unglaublich, wie wenig Belastung diese Dinger aushalten und hoffe doch sehr, dass wir unseres in einem Stueck bis nach Wanganui bringen werden. Das Wasser steigt und steigt und steigt .... am Nachmittag immer noch. So koennen wir nicht weiter. Wir muessen abwarten, bis der Fluss wieder ruhiger wird. Also sitzen wir stundenlang auf unserem nur 3 mal 20 Meter grossen Flecken am Ufer und beobachten die Felsen, ob und wie weit sie verschwinden. "Fluss-Kino" nennen wir das. Ein grosser Tier-Kadaver treibt schnell vorbei, der sieht aus wie der Koerper von einem Rind. Vermutlich ist das die tote Kuh, die wir bereits an unserem ersten Tag haben liegen sehen. Nun ist das Wasser mehrere Meter weiter ins Land eingedrungen und nimmt einfach alles mit. Wir machen einen kleinen Erkundungsgang. Einen Hang hinauf kann man ein kleines Stueck klettern, aber der Pfad endet im Nirgendwo. Nach rechts endet unsere Expedition bald vor einer Felsspalte, die durch Abbrueche von Gestein unpassierbar geworden ist. Nach links endet unser Grundstueck an einem Absatz, der gestern hinunter in den Modder fuehrte, aber heute steht das Wasser bis kurz unter die Kante. Es gibt also nicht viel Bewegung und absolut nichts zu tun fuer uns. Nicht besonders spannend hier. Wir sitzen hier am A.... der Welt auf einem matschigen Stueck Wiese und ueben uns in Geduld. Eine Ziege kommt uns besuchen und guckt ganz verstoert. Wahrscheinlich hat sie an dieser Stelle noch nie ein Zelt gesehen. Wir ueberlegen ernsthaft, ob wir vor Anbruch der Nacht noch unseren Platz raeumen und alle Faesser den steilen Hang hinauftragen sollen, um weiter oben auf dem Berg einen sichereren Ort fuer unser Lager zu haben. Wir sehen kein einziges bemanntes Kanu, auch keinen Fischer, noch nicht einmal ein Jetboot. Der Whanganui scheint bei solchen Fluten wirklich unpassierbar zu sein. Langeweile macht sich breit. Zwischendurch müssen wir immer mal wieder im Zelt Zuflucht suchen, weil uns in regelmaessigen Abständen kurze Regenschauer heimsuchen. Um 18.00 Uhr gibt es endlich Entwarnung. Der Wasserstand fällt sichtbar, wir können auf dem unteren Absatz stehen bleiben. Noch eine tote Kuh treibt vorbei, diesmal eine schwarz-weisse, die noch recht frisch aussieht. Ich find's ziemlich ekelhaft und möchte in nächster Zeit nicht mehr in diesem Fluss baden gehen. Früh schon verkriechen wir uns in unsere Schlafsaecke. Noch eine schlechte Nachricht zum Ende dieses oeden Tages : das Zelt geht nun gar nicht mehr zu, der Reissverschluss ist endgültig kaputt. Das ist wirklich schlimm fuer mich, denn nichts fürchte ich so sehr wie Mücken,  Sandflies und andere stechende Insekten. Da muss in der naechsten Stadt unbedingt etwas passieren, bis dahin gilt es noch zwei Nächte mit halboffenem Eingang zu ueberleben.

Tag 7 : Ausgeruht und geschlafen haben wir wirklich genug. Deswegen stehen wir schon um 6.30 Uhr auf und sind eine halbe Stunde später bereits unterwegs.  Der Wasserstand ist ueber Nacht um einen Meter gefallen. Der Fluss ist immer noch sehr breit, aber er fliesst viel langsamer als gestern. Die grossen Gegenstaende sind gestern schon mit der starken Stroemung Richtung Ozean getrieben. Heute schwimmt nur noch loses Kleinholz herum, nichts, was unserem Kanu gefaehrlich werden koennte. Anfangs ist mir noch etwas mulmig zumute, aber wir liegen ruhig und sicher im Wasser. Die letzte knifflige Stromschnelle bemerken wir ueberhaupt nicht, sondern sind einfach durchgefahren. Viel Wasser kann auch seine Vorteile haben. Wir sind schnell .... so schnell ! Viel zu früh erreichen wir das Hinweis-Schild zur Downes Hut. Ich kann es gar nicht glauben, aber wir sind 15 Kilometer in knapp zwei Stunden vorwärts gekommen. Das Anlanden gestaltet dich schwierig, denn die Flut hat eine Menge vom Ufer weggerissen. Auch der Trampelpfad bergauf existiert nicht mehr, der Hang ist von den starken Regenfaellen abgerutscht. Wir nehmen nur unser Essensfass mit ( wichtig !) und klettern durch den Matsch nach oben. Eine sehr schöne Hütte mit Kamin erwartet uns. Aber wir stellen den Tisch und die Baenke nach draußen,  um dort in der Sonne zu frühstücken. Nach all dem vielen Regen der letzten beiden Tage geniessen wir die waermenden Strahlen. Unsere Fahrt verläuft trotz der hohen Geschwindigkeit ganz ruhig und entspannt. Auf diesem letzten Abschnitt gibt es keine Stromschnellen mehr, die den Namen verdienen. Wir dind immer noch alleine auf dem Whanganui River. Seit Pipiriki haben wir keine Menschenseele mehr getroffen. Dafür ist die Tierwelt umso vielfältiger. Wir sehen eine Herde wilder Ziegen am Ufer, mehr als 20 Stück,  viele Jungtiere sind dabei. Die scheinen sich hier prächtig zu vermehren, weil es keine natuerlichen Feinde gibt. Und immer wieder sind Gänse auf dem Wasser und am Ufer, einmal zählen wir eine Gruppe von mehr als 40 Exemplaren. Neuseeland-Falken fliegen am Himmel. Zwei weisse Lamas stehen auf einer Wiese, aber die sind eingezaeunt. Nun kommen auch langsam vereinzelte Farmhäuser in Sicht. Die Zivilisation rückt immer näher, unser Whanganui- Abenteuer geht langsam zu Ende. Vorher machen wir aber noch einen Stopp am Hipango Park, wo wir eigentlich eine Pause geplant hatten. Es gibt dort einen super Landesteg und einen ganz tollen Zeltplatz mit großer Shelter. Leider hat sich kurz vor dem Steg der vergammelnde Kadaver in den Bäumen am Ufer verfangen und stinkt da so vor sich hin. Das verleidet uns das Mittagessen an diesem Ort und wir ziehen es vor, nur einen Apfel im Kanu zu knabbern. Aber der Hipango Park ist ein ausgesprochen schöner Campingplatz, noch dazu kostenlos. Beim nächsten Mal werden wir auf jeden Fall eine Nacht hier einplanen. Etwas später paddeln wir dann auch noch an der zweiten schwarz-weissen Kuh vorbei, die in einem Gewirr von Aesten hängt und auch schon nicht mehr gut riecht. Nun haben wir sie beide überholt,  mehr kommen hoffentlich nicht. Im Dorf Upokongaro halten wir noch einmal an. Der einzige Laden und das einzige Cafe haben geschlossen, dafür gibt es eine hübsche Kirche zu sehen. Eigentlich dachten wir, dass wir noch zwei Tage bis nach Wanganui ( die Stadt ohne "h") brauchen, aber wir werden heute noch ankommen, da die starke Stroemung so gut mitgeschoben hat. Thomas kauft zwei Flaschen Bier in einer Bar, mit denen wir den Abschluss unserer Kanu-Tour zelebrieren wollen.  Unsere letzte Etappe sind nur noch 5 Kilometer, aber die werden noch richtig anstrengend. Der Fluss wird immer breiter, das Gelände offener. Dieser letzte Abschnitt vor der offenen Tasman-See ist ausserdem tidenabhängig, inzwischen haben wir ganz leichte Gegenstroemung. Es wird windig, der Wind kommt von vorne. Das bedeutet Arbeit, die offene Flasche Bier zwischen den Beinen macht das Paddeln auch nicht leichter. Gegen 19.00 Uhr erreichen wir den Top10 Holiday Park von Wanganui, wo wir das Kanu ein letztes Mal an Land ziehen. Wir haben seit Taumanurui in einer Woche insgesamt 230 Kilometer auf dem Fluss zurückgelegt. Dabei sind wir meistens zwischen 30 und 40 Kilometern am Tag gepaddelt, einen Tag haben wir uns nicht vorwärts bewegt. Heute haben wir dank Hochwasser und Schiebe-Strom eine Strecke von 50 Kilometern geschafft. Der Hintern tut uns weh vom Sitzen. Dazu gab es dann fuer mich heute am letzten Tag doch noch einen Sonnenbrand im Gesicht. Die Füße von Thomas sehen aus, als hätte er die Masern, über und über mit roten Punkten übersät. Ich habe es vorgezogen, mich auch unterwegs im Kanu mit zwei Paar dicken Socken vor den Sandflies zu schützen. Wie schade, dass dieser Teil unserer Reise nun viel zu früh zu Ende geht ! Das moechten wir auf jeden Fall noch einmal wiederholen.

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13.01.2016

42 Traverse und Tongariro Alpine Crossing 09.01.-12.01.2016

In unserem Forgotten World Motel haben wir uns richtig wohl gefühlt. Es stimmte einfach alles, allerdings hatte das auch seinen Preis. Sogar das Internet hatte so ein gutes Signal, dass es zum Telefonieren per Skype ausreichte. Der Einkauf für die kommenden 4 Tage ist schnell erledigt, wir kaufen sowieso immer das Gleiche. Abwechslung vom Speiseplan gibt es nur in der Stadt. Haben noch ein paar Leckereien und kalorienreiche Getränke, die wir auf der Bank vor dem Supermarkt vernichten. Wir werden von einem sehr netten Ehepaar angesprochen, während wir dort sitzen. Jenny und Tim besitzen ein Ferienhaus in Owhango, direkt am Start des nächsten Tracks, und möchten uns bis dahin mitnehmen. Sehr schön ! Wir nehmen das Angebot gerne an, denn wir laufen die nächsten drei Wanderrouten sowieso zusätzlich zur normalen Länge des Te Araroa. Nette Unterhaltung, am Liebsten würden die Beiden uns noch zu Kaffee, Tee und Sonstigem ins Haus einladen. Aber mittlerweile ist es schon 14.00 Uhr, und wir wollen noch ein bisschen Strecke machen. Also verabschieden wir uns von diesen herzlichen Menschen, tauschen Adressen sowie e-Mail aus und sind schon ein paar Minuten später am Beginn der "42 Traverse". Hier treffen wir auf eine ganze Gruppe junger Hiker : Lisa und Allie aus den USA, Christoph aus Deutschland, John aus Wales und den Kiwi John. Nachdem wir uns miteinander bekannt gemacht haben, lautet die Devise "Walk and talk". Wir passieren einen Wasserfall auf einer hölzernen Brücke. Die 42 Traverse verläuft viele Kilometer auf einer für Quads angelegten Piste. Es geht zwar stetig bergauf, aber der Weg ist einfach, wir kommen schnell voran. Weiter oben wird der Pfad schmaler und ist zu beiden Seiten mit hohem Schilfgras bewachsen. Das sieht sehr schön aus, aber die Blätter vom Schilf sind sehr hart und schneiden in die Knöchel. Es ist heiß und Wetter für kurze Hosen, deswegen gibt es ein paar blutige Striemen an den Beinen. Zum Abend hin haben wir Blick auf einen schneebedeckten Berggipfel voraus. Ich traue meinen Augen nicht. Müssen wir etwa da hinauf ? Trotz unseres späten Starts schaffen wir noch ganz bequem 23 Kilometer und erreichen den Waione Stream, an dessen Ufer wir einen tollen Lagerplatz finden. Ein beinahe unsichtbarer Geheimgang führt ins Dickicht hinein zu einer ebenen Stelle, die gerade ausreichend ist für unser Zelt. Wasser gibt es direkt nebenan, ein paar Felsen am Fluss eignen sich gut zum Sitzen - perfekt.

Als wir morgens aufstehen, da ist die Welt grau, und es nieselt etwas. Unsere erste Tagesaufgabe besteht darin, dass wir den Waione Stream durchwaten müssen, der Dank des trockenen Wetters der letzten Tage nur knöcheltief ist. Der Mangatepopo Stream einige Kilometer weiter liegt ebenfalls im Weg. Dieser Fluss ist schon etwas breiter, immerhin gut knietief, und fließt mit einer deutlich spürbaren Strömung dahin. Man kann sich schon vorstellen, dass es an dieser Stelle bei höherem Wasserstand Probleme mit der überquerung geben könnte. Unsere 42 Traverse besteht inzwischen nicht mehr aus einem erkennbaren Weg, sondern aus engen Schluchten aus Lehm. Breit genug zum Laufen, aber glitschig ohne Ende. Einmal falle ich bäuchlings in den Matsch und bin von oben bis unten mit gelbem Lehm beschmiert. Habe zum Glück komplette Regenmontur an, ist alles abwaschbar. Erste Blicke auf den Whanganui River, der hier noch schmal und unscheinbar ist. Dahinter haben wir die Gipfel vom Kakaramea ( 1300 m.) und vom Pihanga ( 1325 m.) in Sichtweite, die sehen schon aus wie richtige Berge. Weiter oben verlassen wir die 42 Traverse und müssen auf den Waione-Cokers Track abbiegen. Dieser Trail ist überhaupt nicht markiert. Man kann höchstens eine Spur erahnen, weil die jungen Leute von gestern hier vor uns durchgelaufen sind. Unser Weg führt durch ein großes Feuchtgebiet. Hier verlieren wir den Faden und verlaufen uns im Sumpf. Also geht es wieder zurück, bis wir unsere Richtung wiedergefunden haben. Macht ja nichts, die Schuhe und Socken waren sowieso schon durchnässt. Schließlich kommen wir nicht an der richtigen Stelle vom Trail, sondern ein ganzes Stück weiter die Straße hinauf. Das bedeutet nochmal drei Extra-Kilometer in unserer Gesamtrechnung. Ein Holiday Park liegt auf unserer weiteren Strecke. Das dazugehörige Café hat anscheinend schon länger geschlossen. Die Tische und Bänke auf der Veranda sind komplett zugewachsen und von Unkraut-Ranken umgeben. Hier gibt es wohl nichts mehr. In der Hoffnung, dass man hier einen Kaffee bekommt oder etwas Leckeres kaufen kann, geht Thomas ins Campingplatz-Office. Er kommt mit einer Flasche Cola zurück. Als wir uns aber damit an einen der Picknick-Tische sitzen wollen, da werden wir zurückgerufen. Nein, wir dürfen die Cola nicht auf dem Gelände trinken, weil wir keine Gäste sind. Sowas Unfreundliches haben wir in Neuseeland noch nie erlebt. Thomas meint, der Mann von der Rezeption war verärgert, weil er die hohen Preise für's übernachten kritisiert hat. Es soll pro Person 22,- Dollar kosten, das macht zusammen 44,- Dollar für ein Zelt, das nicht einmal so groß wie ein Doppelbett ist. Das ist wirklich zu teuer für Thru-Hiker, die ungefähr 5 Monate unterwegs sind. Also trinken wir unsere Cola gut sichtbar vor dem Eingang. Während unserer Pause stellen wir fest, dass wir einen fatalen Fehler in unseren Berechnungen haben. Es gibt auf dem morgigen Weg eine Mangatepopo Hut. Dort endet die Beschreibung vom Tongariro Alpine Crossing, die Tour ist im Buch mit 18 Kilometern angegeben. Genau diese Entfernung hatten wir uns für Morgen vorgenommen, einen gemütlichen Tag mit Zeit zum Genießen der alpinen Landschaft. Aber diese Hütte liegt mittendrin und ist keineswegs unser Ziel. Der ganz ähnlich klingende Mangahuia Campsite ist der Endpunkt, an dem wir unsere Etappe beenden werden. Das sind immerhin mal eben 30 Kilometer weiter, die gar nicht geplant waren. Proviant haben wir nur für 4 Tage eingekauft, das Kanu für die Fluss-Passage ist für Donnerstag fest gebucht. Nach dem ersten ungläubigen Schrecken müssen wir umdisponieren. Wir werden also heute schon das Alpine Crossing beginnen. Zum Abend hin noch 6 Kilometer bergauf steigen, morgen ebenfalls etwas mehr als wir uns vorgenommen hatten, Dienstag dann den Rest laufen. Ist nicht ganz so entspannt, aber passt schon. So kommt es, dass wir uns noch bis 20.30 Uhr den Weg zur Ketetahi Hut hinaufkämpfen, wo bereits vier Leute der gestrigen Truppe gemütlich beim Essen sitzen. Die Anderen erzaehlen, dass sie die gleichen schlechten Erfahrungen wie wir beim Holiday Park gemacht haben. Sie durften ihr mitgebrachtes Essen dort nicht verzehren, und es wurde lautstark auf die " schrecklichen Hiker " geschimpft. Die haben wohl noch nicht gemerkt, dass man mit denen ordentlich Geld verdienen koennte. Die Ketetahi Hut war ursprünglich einmal für 6 Personen eingerichtet. Jetzt aber ist sie offiziell geschlossen, da ein heftiger Steinschlag im Bettenraum einen großen Schäden angerichtet hat. Das Loch im Dach ist knapp einen Meter im Durchmesser, Holzsplitter und Glasscherben liegen auf dem Boden verteilt. Der andere Raum mit Tischen und Küchenzeile steht den Wanderern nur für die Nutzung am Tage zur Verfügung, aber die jungen Leute machen es sich auf dem Fußboden bequem zum Schlafen. Wir ziehen unsere Privatsphäre vor und bauen das Zelt auf der Terrasse vor der Hütte auf. Es ist windig und könnte eine kalte Nacht werden in 1450 Metern Höhe. Deswegen ziehen wir ordentlich viel Klamotten an, lange Unterwäsche, Mütze auf, außerdem kommt noch das Thermo-Inlet zusätzlich in den Schlafsack. Es wird richtig kuschelig und gemütlich, bis wir durch lautes Gekecker und Gemecker geweckt werden. Komische Geräusche, die mit Nichts zu vergleichen sind. Thomas kann durch das Moskitonetz an seiner Seite zwei Possums erkennen, die ordentlich am Schimpfen sind. Was stört die denn daran, wenn unser Zelt hier für ein paar Stunden steht ? Nach einer Weile haben wir nur noch ein Possum zu Gast, welches in knapp einem Meter Entfernung vor uns auf der Mauer sitzt. Wir beobachten das eigentlich sehr niedliche Tier lange Zeit durch unser vorderes Netz. Irgendwann schlafen wir dann doch trotz Possum-Kino wieder ein. Der Himmel ist absolut sternenklar. Es kann kaum einen schöneren Ort für unser Zelt geben.

 
Morgens um 5.00 Uhr ist die Nacht vorbei. Draußen herrscht dicker Nebel, es ist grau und feucht. Das Zelt ist nass, auch die Schlafsäcke sind klamm. Leider bessert sich das Wetter nicht so wie gewünscht, der Himmel bleibt meistens bedeckt. Nur für kurze Augenblicke reißt die Wolkendecke auf und lässt blauen Himmel durchkommen. Also wandern wir ohne Super-Aussicht durch die Vulkan-Landschaft. Es riecht nach Schwefel. Zu beiden Seiten liegen großflächige Lava-Felder. Wir kommen am Lake Rotoaira und an den Emerald- Lakes vorbei, die wegen der gelösten Mineralien darin grünlich schimmern. Nacheinander führt unser Weg am North Crater vorbei, dann über den Central Crater. Herr der Ringe laesst gruessen. Der Red Crater ist mit 1886 Metern der höchste Punkt vom Tongariro Alpine Crossing. Darauf folgt der South Crater, mit Blick auf den 2287 Meter hohen Ngaurahoe-Vulkan zur Linken und den Tongariro-Gipfel mit 1967 Metern zur rechten Seite. Eine beeindruckende Kulisse, hier oben präsentiert sich die Natur in gewaltiger Schönheit. Aber leider wird dieses tolle Erlebnis getrübt durch die Menschenmassen, die uns ab etwa 8.30 Uhr entgegen kommen. Das Tongariro Alpine Crossing ist einer der berühmten "Great Walks" in Neuseeland. Reisebusse karren die Touristen zu Hunderten an. Aus organisatorischen Gründen wird die Route normalerweise von Süden nach Norden begangen, damit es nicht so ein Gerangel gibt. Wie eine riesige Karawane schlängeln sich die Wander-Begeisterten mit ihren Bergführern in einer endlos erscheinenden Reihe über die Berge.  Jenny, die uns vorgestern im Auto mitgenommen hat, hatte uns bereits gewarnt mit ihrer Beschreibung : "Like ants." - wie die Ameisen. Wir laufen von Nord nach Süd und damit gegen den Strom. Geschätzt haben wir in drei Stunden so ungefähr 500 Menschen passieren sehen. Erst gegen 11.30 Uhr reißt der Strom ab. Nein, das ist kein Spaß. Und es nimmt uns leider einen Teil des Hochgefühls, welches diese wirklich großartige Tour sonst hervorrufen würde. Wir nehmen uns ganz fest vor, noch einmal wiederzukommen, um diesen Track zu einer ungewöhnlichen Uhrzeit und mit weniger Trubel zu wiederholen. Ein Abstecher bringt uns zur Mangatepopo Hut, aber dort halten wir uns nicht lange auf. Unser Hütten-Pass gilt hier nicht, man muss die Uebernachtungen im Voraus reservieren und unverschämt teuer bezahlen. Dabei ist diese Hütte nicht größer und kein Stück besser als diejenigen, in denen man umsonst übernachten kann. Aber die liegt in einer viel von Touristen bereisten Region und wird als "Great Walk" teuer verkauft. Die Ketetahi Springs können wir nur aus einiger Entfernung betrachten. Ein Hinweis-Schild klärt uns darüber auf, dass die Thermal-Quellen Privatbesitz sind und man den Weg nicht verlassen darf. Wir verstehen die Welt nicht mehr. Wie können Dämpfe, die aus einem Vulkanschlitz quellen, Jemandem privat gehören ? Das wird uns alles zu komisch, schnell Weg von hier ! Im Abstieg über Stufen bekomme ich einen heftigen Wadenkrampf. Obwohl Thomas mich sofort am Wegesrand hinsetzen lässt und das Bein massiert, kann ich danach nur noch humpelnd weiterlaufen. Der Krampf ist zwar weg, aber ein stechender Schmerz sitzt für den Rest des Tages mitten in der Wade. Der nun folgende Mangatepopo Track ist wenig interessant für Urlauber und deswegen auch nicht so gut in Schuss. Aber wir sind froh, dass wir hier nur noch einige wenige Wanderer antreffen. Im künstlich erscheinenden Dorf Whakapapa Village endet dieser Weg. Hier gibt es ein protziges Grand-Hotel namens "Château Tongariro" und einen Holiday-Park sowie einige teure Villen, die sich Gutbetuchte mieten können. Außerdem gibt es ein paar schicke Cafés und eine sehr moderne Touristen-Information mit Souvenir-Verkauf. Immerhin sind die Damen in der Touri-Info sehr nett. Wir dürfen unser Zelt zum Trocknen draußen auf der Wiese aufstellen. In der Damentoilette kann ich mich umziehen und mir die Füße waschen. Eine Viertelstunde freies Internet gibt es auch noch gratis - was will man mehr ? Ach ja, Essen .... Das empfohlene Café unten im Grand Hotel lassen wir lieber links liegen. Dafür finden wir weiter unten an der Straße die Bar Tussock. Dort ist es auch nicht gerade preiswert, aber dafür gibt es freundliche Bedienung, super Musik und gute Portionen. Ein Billardtisch steht auch da, aber wir wollen ja noch weiter. Deswegen trinken wir lieber kein Bier, sondern Kaffee. Sonst wird das nichts mehr mit dem Laufen, zumal es gerade anfängt zu regnen, als wir den Laden verlassen. Wir beginnen also noch um 17.30 Uhr den Whakapapaiti-Mangahuia-Track. Ein richtig naturbelassener Wald, das hätten wir nun gerade hier nicht erwartet. Unser Weg ist feucht und schlammig, Wurzeln und zerfallene Bäumen erschweren das Vorwärts-Kommen. Dutzende von Brücken führen immer wieder über verschiedene kleine Flüsse. Kleinere Bäche müssen durchwatet werden. Manchmal rinnt uns das Wasser beim Aufstieg entgegen, dabei regnet es nur noch ganz leicht. An Zelten ist hier nicht zu denken, dieser Wald hat keine ebene Stelle zu bieten. Es geht hinauf und hinunter, manchmal steil und rutschig. Irgendwann stehen wir an einem Wegweiser, der ins Nichts zeigt. Zunächst einmal wissen wir gar nicht, wo wir lang sollen. Okay, man muss sich erst nasse Füße holen, indem man durch einen Bach stapft. Dann entweder links oder rechts davon halten - aber da ist kein Weg. Wir befinden uns in einem Sumpf. Netterweise sind hin und wieder Stangen mit Markierungen zu sehen, damit wir nicht völlig die Richtung verlieren. So langsam haben wir keine Lust mehr auf diesen Morast. Immerhin sind wir schon seit 5.00 Uhr wach, haben fast 30 Kilometer und ordentlich viel Höhenmeter geleistet. Bald wird es dunkel, wir wollen endlich Feierabend haben. Maulen hilft nichts, nur Vorwärts-Laufen bringt uns hier 'raus. Endlich ist dieser endlos erscheinende Sumpf zu Ende, es schließt sich wieder ein kleines Waldstück an. Ein etwas schiefer, aber gerade ausreichend großer Platz direkt am Mangahuia Stream lässt mich fast in Jubelschreie ausbrechen. Geschafft ! Das Zelt steht, bevor es völlig dunkel ist. Direkt vor einem steilen Abhang, der zum Fluss hinuntergeht. Dass wir wegen der Nähe zum Wasser unzählige Mücken, Motten und sonstige Insekten im Innenraum haben, das stört mich nur halb so sehr wie sonst. Mückenspray, ein paar Mal in die Hände geklatscht, und dann haben wir unsere Ruhe. Wir sind hundemüde, und das laute Rauschen vom Fluss begleitet uns beim Einschlafen.

Der nächste Morgen - Dienstag - beginnt wieder mit leichtem Nieselregen. Wir befinden uns immer noch im Matsch-Wald. Der Weg ist über Nacht natürlich nicht trockener geworden. Also laufen wir zwei Stunden lang durch Morast und Pfützen, klettern matschige Abhänge hinauf, stolpern über dicke Baumwurzeln. Aber es ist ja nicht mehr weit, wir haben gestern tatsächlich noch etwa zwei Drittel dieses schwierigen Weges geschafft. Meine Schmerzen in der Wade sind weg, alles gut. Früher als erwartet stehen wir an der Straße und halten den Daumen 'raus. Klappt heute nicht so gut mit dem Trampen, sehr wenig Verkehr in unserer Richtung. Wir warten schon über eine halbe Stunde darauf, dass uns endlich Jemand mitnimmt. Ob das an unseren matschigen Klamotten und Wanderschuhen liegt ? Ein Kleinwagen mit einer Frau am Steuer fährt an uns vorbei, dreht dann um und kommt zurück. Mary-Ann und ihr Sohn Douglas fahren in unsere Richtung und nehmen uns mit bis nach Taumarunui. Zum Ende der fast 1-stündigen Autofahrt bekommen wir viele gute Wünsche mit auf den Weg und eine Adresse, wo wir jederzeit anrufen können, wenn wir Hilfe brauchen. Wieder einmal haben wir sehr nette Menschen getroffen, die unser Leben und unsere Reise bereichern. In Tamarunui findet das übliche Stadt-Programm statt : Duschen, Wäsche, Supermarkt, Bücherei wegen Internet. Wir freuen uns über eine e-Mail von Jenny und Tim mit angehängtem Foto, das kurz vor dem Start zur 42 Traverse entstanden ist, und ebenfalls über Post von Twiga-Helga aus Oesterreich. Sehr schön ! Thomas ruft vorsichtshalber nochmal beim Kanu-Verleih an, um unsere Abholung für Donnerstag zu bestätigen. Wir haben erfahren, dass ein Großteil der Whanganui-Passage auch einer der beliebten "Great Walks" ist, das freie Zelten ist also nicht erlaubt. In der Touristen-Info sagt man uns, dass wir unsere Uebernachtungen reservieren müssen, deswegen buchen wir die ersten vier Campingplätze entlang des Whanganui im Voraus. Und wir treffen Matt und Kelsey - ja, schon wieder. Die beiden werden morgen mit einer größeren Gruppe ihre Kanu-Fahrt starten. Wir haben einen Tag länger Zeit hier und werden den Anderen dann hinterher paddeln. 

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11.01.2016

Pureora Forest bis Taumarunui 05.- 08.01.2016

Von unserem Lagerplatz beim Pureora Forest Park aus starten wir den mehrtägigen Haunhungaroa Track. Anfangs folgt der Te Araroa 8 Kilometer lang dem Timber Trail, einer für Mountain Biker sehr gut präparierten Piste. Natürlich geht es bergauf, aber schön gemässigt und einfach für uns. Ich bekomme einen Ast ins Gesicht und handele mir damit einen Kratzer auf der Wange ein. Nicht schlimm. Der Timber Trail teilt sich kurz vor dem Gipfel, ab hier müssen wir auf dem Toi Toi Track steil in die Höhe klettern. Der Mount Pureora mit seinen 1165 Metern ist bisher unser höchster Berg und vulkanischen Ursprungs. Wir kommen zwar auf dem letzten steilen Stück gut ins Schwitzen, aber dieser Anstieg heute war eine der leichteren Uebungen. Der Pureora Forest gefällt uns ausgesprochen gut, ein dichter Mischwald und weicher Boden, mit Nadeln übersät. Die Hauhungaroa Range verläuft in gleichmäßigem Auf und Ab über zahlreiche Gipfel, wie auf einer Kette reihen sich die Berge aneinander. Das ist genauso, wie es uns gefällt. Was uns nicht so gut in den Kram passt,  das sind die unterschiedlichen Abstände zwischen den Schutzhütten. Bis zur ersten Hütte lautet die Zeitangabe " 5,5 Stunden Laufzeit ". Von der ersten bis zur zweiten Hütte sollen es dann 8,5 Stunden sein. Von der zweiten bis zur dritten Schutzhütte sollen es knackige 10 Stunden Wanderzeit sein. Am vierten Tag braucht man nach den Angaben des DOC etwa 2, 5 Stunden, um aus dem Wald herauszukommen, und DANACH noch 32 Kilometer auf Straßen bis zum nächsten Ort Taumarunui. Völlig blöde Einteilung - wie soll man denn da vernünftig planen ? Wir entschliessen uns dazu, heute einen kurzen Lauftag zu machen und uns an die Hütten-Abstände zu halten, weil wir nicht sicher sind, ob man dazwischen im Gelände überhaupt zelten kann. So kommt es, dass wir einen sehr frühen Feierabend haben. Nur 17 Kilometer bis zur Bog Inn Hut - wir sind bereits um 15.00 Uhr dort angekommen. Eine schnuckelige kleine Bretterbude mit 4 Pritschen und Plastik-Matratzen drin. Die Hütte wurde bereits 1960 gebaut, sie ist also älter als wir. Etwas düster,  etwas schmuddelig,  aber völlig ausreichend für die Nacht. Ein junger Jäger kommt vorbei, aber er möchte noch weiter. Er ist auf der Suche nach einem Hirsch. Das Erstaunliche daran ist, dass er nur Pfeil und Bogen benutzt, um sein Wild zu erlegen. Wir unterhalten uns eine Weile, er studiert seine Wanderkarten ausgiebig und verabschiedet sich dann wieder. Wir haben die Bog Inn Hut für uns alleine und verbringen eine ausgesprochen ruhige und bequeme Nacht.
Ein entspannter Tagesbeginn in unserer klapperigen Huette, danach liegen nur 18 Kilometer auf dem Hauhungaroa Track vor uns. Wir haben eine gute Passage, denn die letzten Tage ist das Wetter schoen gewesen. Die Schlammloecher sind weitgehend ausgetrocknet. Wir muessen nicht mehr knietief durch Matsch und Pfuetzen stapfen, sondern kommen schnell vorwaerts. Man kommt sich vor wie in einem Geisterwald. Die Staemme der Baeume sind mit dichtem gruenen Moos bewachsen, unten wachsen zahlreiche Flechten und hohe Farne. Alles sieht so aus, als ob diese Region fast immer in dichtem Nebel liegt. Aber bei uns herrscht heute strahlender Sonnenschein. Gigantische Baum-Riesen zu beiden Seiten lassen uns immer wieder stehenbleiben und staunen. Der Weg fuehrt ueber den Weraroa Mountain mit 1088 Metern Hoehe. Hier wird die Vegetation schon sparsamer, die Baeume wachsen nur noch ganz niedrig. Ein weiterer Gipfel ist zu ueberqueren, aber der Anstieg faellt uns nicht schwer. Der weiche Waldboden federt und gibt bei jedem Schritt nach. Das ist wirklich eine Wohltat fuer unsere geschundenen Fuesse. Um uns herum sehen wir oft breite Graeben, wo die Erde von Wildschweinen umgepfluegt wurde wie ein Acker. Aber gesehen haben wir noch keins von diesen scheuen Tieren - macht aber auch nichts. Ploetzlich stehen wir vor einem Abhang, einer Wand aus schluepfriger Erde, die fast senkrecht in die Tiefe geht. Da muessen wir hinunter ? Rueckwaerts kletternd und uns mit beiden Haenden an den Baeumen festklammernd rutschen wir irgendwie bergab. So geht es noch eine Weile weiter ins Tal, da bleibt kein Flecken mehr sauber. Das ist nun gerade wieder gar nicht seniorengerecht ! Nachdem wir viele Hoehenmeter auf diese Weise nach unten geschafft haben, koennen wir uns wieder auf einem schoenen Waldweg entspannen. Dann kommt die naechste Ueberraschung : Wir stehen auf einmal vor einem Fluss, die Markierung auf der anderen Uferseite bedeutet, dass wir den ueberqueren sollen. Weder unser Buch noch die Te Araroa-Seite im Internet haben dieses erwaehnt. Also wechsele ich die Hiking-Schuhe gegen die Sandalen aus und wate durch's Wasser. Thomas balanciert ueber einen dicken Baumstamm, auch das klappt gut. Nach 8 Stunden Laufen erreichen wir bereits unsere naechste Schutzhuette und sind zunaechst eine Stunde alleine dort. Aber das soll nicht lange so bleiben, denn die Waihaha Hut ist fuer 8 Personen konzipiert und liegt zentral auf einem Weg, der von mehreren Stellen aus gut zu erreichen ist. Zwei junge Maedels aus den USA, ebenfalls auf dem Te Araroa unterwegs, und eine junge Familie mit ihrem knapp 5-jaehrigen Sohn gesellen sich zu uns. Ein unruhiger Haufen, wie Thomas bemerkt. Das Kind ist noch am ruhigsten von allen. Die Maedels quatschen und kichern bis weit nach Mitternacht, waehrend wir als muede Wanderer schon um 20.00 Uhr auf der Matratze liegen. Der Vater kocht ein aufwendiges Essen in der Huette, danach folgt ein ebenso umfangreicher Abwasch, ein lauter Wasserkocher scheint dauernd in Betrieb zu sein und raubt uns den letzten Nerv. Kurzum - an Schlaf ist fuer mich diese Nacht kaum zu denken. Trotzdem haben wir wieder einen Meilenstein auf unserem Weg geschafft, die 1000-Kilometer-Marke ist geknackt.  
Am naechsten Morgen stehen wir sehr frueh auf, um dem Morgenrummel zu entgehen. Viele Kilometer schlaengelt sich der Weg direkt am Ufer des Te Awaiti-Stream entlang. Immer wieder muessen wir den Fluss von einer Seite zur anderen und wieder zurueck ueberqueren. Das hat uns vorher auch keiner gesagt, wir sind mal wieder ueberrascht. Der Wasserstand ist niedrig, daher kein Problem. Eine Range mit zahlreichen Auf- und Abstiegen erwartet uns, aber allesamt einfach zu gehen. Am Nachmittag wandern wir ueber den Gipfel des Mount Motere. Von hier aus soll man eigentlich gute Ausblicke auf den Lake Taupo haben. Wir sehen aber gar nichts, denn der Gipfel ist ringsum von hohen Baeumen und Buschwerk zugewachsen. Also gibt es keine tolle Aussicht, wir laufen einfach nur drueber und weiter. Im Abstieg sind viele Kleintier-Fallen am Wegesrand aufgestellt. Ratten, Wiesel, Marder und andere kleine Raubtiere sollen in den Kaefigen dingfest gemacht werden, weil sie die einheimische Natur zerstoeren. Possum-Fallen sehen wir keine, diese Plage scheint man hier gut im Griff zu haben. Eigentlich hatten wir maechtigen Respekt vor diesem heutigen Wandertag, denn die Entfernung zwischen den Huetten war mit 10 Stunden Laufzeit angegeben. Wir hatten einen strammen Tag in schwierigem Gelaende erwartet, aber irgendetwas scheint in diesen Berechnungen nicht zu stimmen. Wir erreichen die Hauhungaroa Hut bereits nach 5 Stunden, obwohl wir eine ganze Stunde Pause unterwegs gemacht haben. Es ist gerade erst Mittagszeit, deswegen marschieren wir weiter. Es geht knapp drei Stunden lang steil abwaerts. Mal wieder sind wir froh, dass es einige Tage nicht geregnet hat. Das macht die Sache doch gleich viel einfacher, ansonsten kann man auch leicht doppelt so lange einplanen. Thomas stellt fest, dass er seine Brille verloren hat, wahrscheinlich bei unserer letzten Pause. Ist aber nicht so schlimm, denn spaetestens in zwei Tagen kann er sich eine neue kaufen. Bis dahin teilen wir uns meine Lesebrille. Als wir aus dem Wald herauskommen, da sind immer noch einige Stunden Tageslicht uebrig. Wir haben als Naechstes satte 35 Kilometer auf Strassen vor uns. Da wir uns noch relativ fit fuehlen, starten wir sogleich mit unserem road walk und schaffen tatsaechlich noch weitere 15 Kilometer. Das entschaerft den morgigen Tag ganz gewaltig, denn nun sind es nur noch 20 Kilometer  bis in die naechste Kleinstadt. Die Landschaft hat sich nun wieder total veraendert. Diese Gegend ist nur noch laendlich und beinahe unbewohnt. Sehr vereinzelt stehen einfache Bauernhaeuser, dazwischen nur Weideland, soweit das Auge reicht. Sattgruene Huegel, die manchmal durch Zaeune oder kleine Baeche abgetrennt werden. Die Hunderte von Schafen haben schmale Pfade in die Wiesen getreten, die sich hell von dem Gruen abheben. Diese engen Spuren winden sich so durch die Weiden, dass wir uns wie im Auenland vorkommen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass gleich die Hobbits in einer Reihe froehlich pfeifend durch die Landschaft huepfen. Darueber strahlt ein klarer blauer Himmel mit einigen weissen Watte-Woelkchen. Das ist schon fast Postkarten-kitschig. Ein superschoener Tag, an dem wir viel mehr Distanz zurueckgelegt haben als vermutet. Unser Lager schlagen wir einfach am Strassenrand unter einer dicken Fichte auf. Nicht besonders schoen, aber so koennen wir in aller Fruehe gleich weiterlaufen.
Der naechste Morgen ist grau und nass. Schnell packen wir unseren Kram zusammen und freuen uns auf den leckeren Kaffee in der Stadt, die ja nicht mehr allzu weit entfernt ist. Bereits um 8.30 Uhr sehen wir einen Picknick-Tisch und einen Holz-Verschlag mit einer Einladung fuer Te Araroa-Hiker "Water and Lolly-Stop". Das ist "Sam's Shop" - hier werden Eier von eigenen gluecklichen Huehnern verkauft. Aber es gibt auch frisches Wasser, Trinkbecher, ein grosses Glas mit Bonbons und ein Buch zum Eintragen. Es dauert nicht lange, da kommt Sam Pepper persoenlich, um uns zu begruessen. Er ist ein pfiffiger Junge von 11 Jahren, der diese tolle Idee hatte und damit vielen Wanderen eine Freude macht. Es ist eine willkommene  Unterbrechung auf diesem langweiligen Marsch entlang der Strasse. Wir bleiben nicht lange, weil es unangenehm nieselt und uns sofort kalt wird. Aber diese nette Geste bleibt uns in sehr guter Erinnerung, und Sam soll auf jeden Fall ein paar Ansichtskarten von unserer weiteren Reise bekommen. Nach knapp 4 Stunden haben wir bereits den kleinen Ort Taumarunui erreicht und sitzen im McDonalds fuer Essen, Trinken und freies Internet. Wir buchen uns im Motel "Forgotten World" direkt gegenueber ein. Inzwischen regnet es in Stroemen - das passt gut. Nach einer ausgiebigen Dusche und Waschmaschine schaffen wir es gerade noch ein Stuendchen in die Buecherei, um dort einige wichtige Sachen am Computer abzuwickeln. Wir bestellen uns neue Schlafsaecke und bessere Iso-Matten, damit werden die Naechte in Zukunft etwas komfortabler. Die Planung fuer die naechsten Etappen steht an. Informationen von der Te Araroa-Seite und neue Karten muessen ausgedruckt werden. Ausserdem reservieren wir ein Kanu fuer die bevorstehende Fluss-Passage auf dem Whanganui River. Dieser Kanu-Teil gehoert zum Te Araroa-Trail dazu und kann anstatt Laufen gepaddelt werden. Wir moechten aber nichts von Neuseeland verpassen. Deswegen werden wir in der kommenden Woche einige Tracks wandern, die parallel zum Fluss liegen. Nach diesen zusaetzlichen Wanderwegen moechten wir per Anhalter die Strecke zurueck nach Taumarunui, wo wir dann am Donnerstag unser Kanu in Empfang nehmen und beladen koennen. 


 

09.01.2016

Te Kuiti bis Taumarunui

Wir haben eine sehr schoene Passage hinter uns, den Haungaroa Track, der mehrere Tage dauert. Der erste Tag ab Te Kuiti begann und endete mit Dauerregen. Das truebt die Stimmung und Motivation ganz betraechtlich, aber ab dem 2. Wandertag wurde es immer besser. Wir haben unsere ersten beiden Naechte in DOC - Huetten verbracht und dabei gemischte Erfahrungen gemacht. Heute hatten wir noch 20 Kilometer von unserem letzten Lagerplatz bis nach Taumarunui, wo wir unsere naechste Etappe planen muessen. Das Essen wurde knapp, denn wir hatten nur fuer 5 Tage Proviant einkalkuliert. So laeuft man natuerlich schneller, und wir waren bereits um 11.30 Uhr am Ortseingang bei McDonalds. Es beginnt heftig zu regnen, waehrend wir noch beim ersten Kaffee sitzen. Eigentlich wollten wir aus Kostengruenden unser Zelt auf einem Campingplatz aufstellen, aber der grauschwarze Himmel ueberzeugt uns davon, dass wir uns besser ein Motel-Zimmer suchen. Alles gesund, alles fein !


 

09.01.2016

Te Kuiti bis Pureora Forest 03.-04.01.2016

Es hat tatsächlich durchgeregnet seit gestern um 11.00 Uhr - das Geld für die zusätzliche Nacht hat sich voll gelohnt. Wir starten mit 2 Extra-Kilometern, weil unser Motel etwas außerhalb vom Trail gelegen ist. Leichter Nieselregen geht bald in konstanten Regen über, so dass ich schon nach einer halben Stunde durchgeweicht bis auf die Unterhose und ordentlich genervt bin. Ich weiß, das gehört dazu, wenn man monatelang zu Fuß im Wald unterwegs ist. Aber deswegen muss es mir ja noch lange keinen Spaß machen ! Heute liegen der Mangaokewa Reserve Track und der Mangaokewa River Track vor uns. Hört sich beides ziemlich nass an. Wir laufen an einer Gabelung mal wieder verkehrt, links herum und natürlich bergauf, anstatt den Weg rechts unten zu gehen. Mir reicht es schon fast, ich habe keine Lust mehr und will wieder zurück in unser trockenes Zimmer. Es ist schon erstaunlich, wie sich penetranter Regen auf die Stimmung auswirkt. Wir müssen den Fluss Mangaokewa auf einer sehr schmalen Hängebrücke überqueren. Die ist noch wackeliger als unsere bisherigen und darf immer nur von einer Person betreten werden ( steht auf dem Warnschild beim Aufgang ). Diesmal haben wir ein nur 20 Zentimeter schmales Holzbrett unter den Füßen. Zu beiden Seiten nur ein luftiger Maschendraht als Rausfall-Schutz, kein Geländer zum Festhalten. Na prima, aber es ist eigentlich ganz einfach. Was gibt es von diesem trüben regnerischen Tag sonst noch zu berichten ? Wir sehen eine weitere Herde wilder Ziegen, die sich in diesem Gebiet anscheinend sehr wohl fühlen. Und Thomas muss sich wieder als Stier-Bändiger beweisen, als ein paar Bullen auf unserem schmalen Weg stehen. Er treibt sie in eine Ecke und zurück, während ich hinter einem Zaun in Deckung gehe und mit ausreichendem Sicherheitsabstand warte, bis ich an den mächtigen Tieren vorbei komme. Ein Highlight ist das Durchqueren eines Eukalyptus-Waldes. Die beinahe weißen Stämme der Bäume ragen kerzengerade in den grauen Himmel. Das sieht sehr imposant aus, wenn man den Kopf in den Nacken legt und nach oben schaut. Abends regnet es immer noch. Wir richten uns ein nasses Lager in einem modderigen Wald und hoffen auf Wetter-Besserung.

Die ganze Nacht hindurch prasselt der Regen auf das Zeltdach. Um 7.00 Uhr morgens hört es endlich auf, und wir ziehen Bilanz : 44 Stunden lang hat es ununterbrochen geregnet. Davon haben wir 23 Stunden gemütlich im Zimmer verbracht, 12 Stunden leicht feucht im Zelt gelegen, nur 9 Stunden haben wir voll abgekriegt. Das ist ja eigentlich ein ganz guter Schnitt. Es hätte schlimmer kommen können. Kurz nach dem Start stehen wir an einer Kreuzung und nehmen leider schon wieder den falschen Abbieger. Der Te Araroa ist leider nicht durchgehend markiert, mal gut, mal schlecht, mal gar nicht oder einfach verkehrt. Ist alles schon dagewesen. In diesem Fall fehlt wieder jegliche Markierung oder sonstiger Hinweis. Vielleicht sollten wir uns doch ein GPS zulegen ? Als wir unseren Fehler bemerken, da haben wir schon wieder 2 Kilometer zu viel gemacht. ärgerlich ! Ich bin immer noch oder schon wieder nicht gut drauf. Die Stimmung bessert sich erst, als wir auf einer schönen Wiese am sprudelnden Waipa River eine lange Mittagspause machen. Leider liegt dieses nette Fleckchen auf einem Privat-Grundstück, und wir verschaffen uns unberechtigten Zugang dazu, indem wir ein Weidetor öffnen. Das ist uns im Moment aber ziemlich egal. Wir brauchen unbedingt Wasser zum Trinken und einen sonnigen Platz, um unsere Sachen zu trocknen. Zum Glück scheint es Niemanden zu stören, dass wir uns hier fast zwei Stunden ausgebreitet haben. Keiner kommt und schimpft. Den ganzen Tag lang geht unser Te Araroa nur entlang von mehr oder weniger befahrenen Straßen. Insgesamt 35 Kilometer Strecke, und wirklich nur Straße. Was soll man dazu noch sagen ? Die Füße schmerzen schon am Nachmittag. Das Internationale Kulturzentrum, in dem es laut unserem Buch Kaffee und Snacks geben soll, hat schon geschlossen, als wir gegen 18.00 Uhr dran vorbei kommen. Aber dafür sind wir ganz begeistert von einem Rastplatz mit Trinkwasser, Toiletten, Picknick-Tischen und gepflegtem Rasen. Der Parkplatz gehört zum DOC Info-Center, welches aber auch nicht mehr besetzt ist. Ein offizieller Camping-Platz liegt in 500 Metern Entfernung, die möchten wir nicht mehr laufen. Außerdem muss man dort wahrscheinlich bezahlen, hier ist es umsonst, und wir sind alleine. Viele Gründe, um zu bleiben. Morgen werden wir den Hauhungaroa Track beginnen, für den wir wahrscheinlich 4 Tage brauchen werden.


 

02.01.2016

Fotos

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01.01.2016

Te Kuiti 31.12.2015 - 02.01.2016

Ein glückliches und gesundes Neues Jahr !

Hier ist Silvester bereits vorbei. Wir sind gestern in Te Kuiti angekommen - nach 912 gelaufenen Kilometern auf dem Te Araroa. Haben uns ein Motel-Zimmer für 2 Nächte gegönnt, leckeres Essen gekocht, dazu zwei Bierchen getrunken, Silvester im Bett vor dem Fernseher verbracht. Die gute Nachricht : Thomas hat sein Knie an den letzten 3 sehr anstrengenden Tagen überhaupt nicht gespürt - gar keine Beschwerden mehr.

Neuseeland-Karte unserer Aufenthaltsorte :
www.fraukeschwenty.jimdo.com


 

30.12.2015

bis Te Kuiti 29.-30.12.2015

So, der Hihikiwi Track ist Vergangenheit, den haben wir gestern noch zu einer anstaendigen Zeit hinter uns gebracht. Meinem Ruecken geht es erstaunlich gut, einige Arnika- Kuegelchen und die Nacht auf einer nur knapp 1 Zentimeter duennen Iso-Matte haben wohl ausreichend Entspannung gebracht. Auch Thomas kann nicht meckern, denn sein Knie zeigt keinerlei Anzeichen von Ueberanstrengung, obwohl gestern ein harter Tag war. Von unserem unwirtlichen Zeltplatz am Strassenrand aus haben wir zunaechst 4 Stunden road-walk vor uns. Mittags haben wir auf diese Weise bereits 18 Kilometer geschafft. Nicht schoen, aber schnell. Die Sohlen meiner Schuhe sind beide an den Innenseiten gebrochen. Es geht wohl noch eine Weile damit weiter, aber ungewoehnlich ist es schon. Mein dritter Long-Trail mit immer derselben Marke und immer dem gleichen Modell, aber diese Stelle war noch nie beschaedigt. Das ist wohl ein Tribut an die unzaehligen Kilometer, die wir ueber harten Asphalt laufen. Ausserdem ist der Reissverschluss von unserem Zelt kaputt. Er laesst sich nur noch ganz vorsichtig und nur in einer Richtung aufziehen. Gestern haben wir zwei grosse Loecher im Moskitonetz unten am Fussende entdeckt, die wir aber sofort repariert haben. Vielleicht muessen wir bald in ein neues Zelt investieren. Unsere Schlafsaecke haben schon insgesamt drei Flicken. Die kaputten Stellen, aus denen die Daunen herausquellen, haben wir einfach mit Tape geklebt. Auch unsere alten Iso-Matten werden immer unbequemer. Wir sind ja auf den Te Araroa mit unserer Ausruestung aus dem Jahr 2012 gestartet. Zelt, Rucksaecke, Schlafsaecke, Iso-Matten sind alle schon 6 Monate auf dem Appalachian Trail und in den Dientes de Navarino benutzt und ordentlich beansprucht worden. So langsam muessen wir mal darueber nachdenken, das eine oder andere Teil unserer Ausruestung zu ersetzen. Bis nach Bluff werden wir damit wahrscheinlich nicht mehr kommen. Meine Brille hat sich auch gerade verabschiedet, ein Bügel ist abgebrochen. Nicht weiter schlimm, denn eine Lesebrille wird es in Te Kuiti sicherlich geben, die ist leicht zu ersetzen.
So anstrengend der gestrige Tag am Pirongia auch war, heute werden wir mit einer wunderschoenen und einfachen Strecke bei bestem Wetter belohnt. Den ganzen Nachmittag ueber koennen wir zuegig auf einem gut erkennbaren Pfad laufen und uns ueber die tolle Landschaft freuen. Das ist richtig Erholung und Natur pur. Wir durchwandern das Omarama Scenic Reserve, finden einen Bach mit sauberem Wasser und kochen dort. Pat kommt vorbei, kurzer Small Talk, wir werden uns sicher noch oefter treffen in den naechsten Tagen. Vor einem steil angelegten Waldweg finden wir ein gerades Stueck Wiese und damit einen ruhigen Platz fuer die Nacht.

Ein lautes Vogel-Konzert weckt uns bereits um 5.00 Uhr früh. Aus dem Zelt heraus raubt uns ein blutroter Sonnenaufgang fast den Atem. Solche Momente sind es, die uns immer wieder hinaustreiben und gerne alle Unbequemlichkeiten in Kauf nehmen lassen. Schon bald müssen wir einen Fluss ueberqueren, den Moakurarua Stream. Wir haben eine trockene Periode hinter uns, der Wasserstand ist niedrig, also kein Problem. Ein totes Possum liegt mitten auf dem schmalen Weg, bereits im Verwesungszustand und weithin zu riechen. Ausweichen ist nicht moeglich, also Nase zuhalten und schnell drueberklettern. Igitt ! Hier im Bezirk Waikato sehen wir das erste Mal wilde Ziegen. Heute treffen wir auf ein weibliches Tier mit seinem Jungen. Die erwachsene Ziege hat einen unnatuerlich langen und nach hinten verdrehten Hals. Aengstlich sind die Beiden nicht, sondern grasen ruhig am Wegesrand. Als sie endlich davonspringen, da kann das Muttertier nur in einer Art Seitwaerts-Gang laufen. Es gibt hier in Neuseeland keine natuerlichen Feinde, nur deswegen koennen auch Tiere mit so einem Geburtsfehler in der Wildnis ueberleben. Dann liegt der Mahoe Forest Track vor uns, sehr gut gepflegt, weil dieser DOC-Weg viel von Touristen begangen wird. Eine Farn-Allee ist nett anzusehen und bietet uns Schatten in der Mittagshitze. Von dort aus geht es weiter ueber den Waitomo Walkway. Dort ist eine Menge los, denn wir nähern uns dem fuer seine Hoehlen bekannten Dorf Waitomo. Große Parkplaetze mit -zig Autos, dazu stehen mehrere Reisebusse an der Straße vor dem Eintritts-Schalter. Eigentlich hatten wir ueberlegt, nur einen halben Lauftag ( 16 Kilometer bis hierhin ) zu machen und uns dann ein Zimmer fuer die Nacht zu nehmen. Aber Waitomo Village ist völlig von Touristen ueberlaufen und viel zu teuer. Im Cafe mit angrenzendem Laden bezahlen wir 19,- Dollar fuer zwei Tassen Kaffee und zwei kleine Cola. Das ist nichts fuer uns. Wir buchen per Internet ein Motel in Te Kuiti fuer den kommenden Tag ( Silvester ). Bis dorthin sind es noch 15 weitere Kilometer, die wir gleich in Angriff nehmen. Schon bald nach dem Start treffen wir wieder auf Stefan, mit dem wir die nächste Etappe gemeinsam laufen. Wir teilen ein unheimliches Erlebnis mit einer Bullenherde, die sich sehr untypisch verhaelt. Normalerweise kehren Kuehe um und entfernen sich, wenn wir Menschen uns naehern. Diese aber nicht, ganz im Gegenteil. Sie kommen geschlossen auf uns zu und scheinen an der Holztreppe auf uns zu warten, die wir gleich uebersteigen muessen. Das ist schon ziemlich merkwuerdig, mir wird dabei ganz mulmig zumute. Thomas steigt als etster auf die Weide und sperrt mit seinen Stoeckern ein Stueck ab, waehrend Stefan und ich uns respektvoll ganz nahe am Zaun vorbeidruecken. Geschafft ! Thomas muss hinterher zugeben, dass diese Situation schon etwas grenzwertig war. Anscheinend waren diese jungen Bullen gerade im Flegelalter und fuehlten sich gemeinsam besonders stark. Auf der nächsten Weide grasen zum Glück wieder Kuehe, die sich "normal" verhalten und uns anstandslos durchlassen. Es wird nicht langweilig. Die Zeit vergeht wie im Flug, waehrend wir uns ueber Gott und die Welt unterhalten. Irgendwann merken wir, dass wir dringend eine Pause benötigen. Drei Stunden am Stück, das schaffen wir sonst nie. Wir sind ziemlich erledigt und hauen uns ins Gras. Ausserdem wollten wir sowieso heute unterwegs campen und morgen erst in der Stadt ankommen. Leider ist unser Wasservorrat schon wieder am Ende. Wir schleppen uns weiter, immer mehr Huegel tun sich vor uns auf. Der Te Araroa führt rings um Te Kuiti herum, so dass sich die Strecke immer weiter verlaengert. So manches Mal sind wir in Versuchung, einfach das Zelt auf einer Kuhweide aufzubauen und hineinzukriechen. Aber ohne Kochen und ohne Trinkwasser ist das ziemlich blöd. Inzwischen wissen wir durch eine SMS von Stefan, dass der kleine Camping-Platz im Ort Hiker-Discount gibt und durchaus erschwinglich ist. Also kämpfen wir verbissen weiter, bis wir um 20.30 Uhr nach 31 Kilometern dort ankommen, wo wir eigentlich erst morgen sein wollten. Der Platzwart empfaengt uns etwas muffelig, aber als Te Araroa-Wanderer dürfen wir fuer nur 8,- Dollar pro Person uebernachten, warme Dusche und Kuechenbenutzung sind inclusive. Das ist mal ein guter Handel und sollte Schule machen. Stefan und Pat "wohnen" ebenfalls hier. Wir sind sehr zufrieden,  dass wir uns bis hierhin durchgebissen haben.
Te Kuiti ist eine Kleinstadt mit etwa 4200 Einwohnern, Touristen gibt es hier so gut wie keine. Im gesamten Distrikt Waitomo leben insgesamt nur knapp 10.000 Menschen. Und es gibt, abgesehen von Te Kuiti, keine weitere Siedlung über 500 Einwohner. Hier lebt der offiziell amtierende Weltmeister im Schafscheren. Und wir haben gelernt, dass in Neuseeland auf JEDEN Einwohner 14 Schafe kommen. A
m Silvester-Tag führt unser erster Gang zum Supermarkt. Dort treffen wir Matt und Kelsey, ein sehr liebenswertes Paar aus den USA. Schon vor Auckland haben wir die Beiden kennengelernt, und seitdem sehen wir sie jetzt bereits zum vierten Mal. Anscheinend haben wir das gleiche Lauftempo und legen immer aehnliche Distanzen zurück. Wir freuen uns, denn Matt und Kelsey sind schon fast wie alte Bekannte fuer uns und haben eine wahnsinnig positive Ausstrahlung. Nach dem Grosseinkauf verbringen wir eine halbe Stunde in der Buecherei, bevor diese fuer die Feiertage schliesst. Natuerlich gab es eine neue Lesebrille, ohne geht nichts mehr. Die Waesche wurde gleich zweimal gewaschen, auch unsere stinkigen Rucksaecke haben wir in die Waschmaschine gestopft. Alles fertig - nun haben wir nichts mehr zu tun ausser Ausruhen und unser schönes Zimmer im Panorama Motor Inn genießen.
Eigentlich hatten wir die Absicht, am 2. Januar gut erholt auf die nächste Etappe zu starten. Beim Packen morgens stellen wir fest, dass wir viel zu viel eingekauft haben. Es ist noch so viel Essen und Trinken übrig - wer soll das alles tragen ? Und der Himmel ist bleigrau, der Wetterbericht sieht richtig übel aus. Nach einigem Hin und Her entscheiden wir uns, noch eine weitere Nacht zu bleiben. Eine sehr gute Entscheidung ! Check-out wäre um 10.00 Uhr gewesen, um 11.00 Uhr fängt es an zu regnen und hört auch den ganzen Tag und die kommende Nacht nicht mehr auf. Der Himmel hat alle Schleusen geöffnet,  auf den Straßen herrscht "landunter". Gehwege stehen unter Wasser, der Asphalt dampft, wenn der Regen die vorher heisse Straße abkühlt. Wir sind heilfroh, dass wir noch in unserem kuscheligen Zimmer bleiben dürfen und denken an die armen Hiker, die sich da draußen durch Regen und Matsch kämpfen. 


 

29.12.2015

Pirongia 28.12.2015

Von unserem Campingplatz aus haben wir einen 7 Kilometer langen Aufstieg vor uns. Das erste Drittel des Weges erinnert uns an den Appalachian Trail, ein sehr schöner Weg führt uns durch dichten Mischwald. Dann wird es steil und immer steiler, dazu noch nass und matschig. So langsam wird es anstrengend, die Waden zwicken schon vom Steigen. Das letzte Stück vor dem Gipfel dürfen wir über Bretterstege und Holzstufen laufen. Der Pirongia ist vulkanischen Ursprungs und mit 959 Metern der höchste Berg im Waikato-Bezirk. Oben auf dem Gipfel steht ein Turm mit Aussichts-Plattform. Dort lernen wir Stefan aus Düsseldorf kennen, der auch auf dem Te Araroa von Norden nach Süden unterwegs ist. Es entwickelt sich sofort ein interessantes Gespräch, denn auch Stefan ist schon viel gereist und hat schon Einiges von der Welt gesehen. Etwas später kommt noch Pat aus New York oben an, den haben wir das erste Mal am Tage nach Auckland getroffen. Der DOC ( Departement of Conversation ) unterhält auf dem Pirongia eine große Hütte für 20 Personen, dazu gehören noch einige Zeltplätze, eine Shelter, Toiletten sowie Wasser aus der Regentonne. Wir machen noch einmal Pause und kochen auf dem Gipfel. Die beiden jungen Männer leisten uns Gesellschaft, wir essen und quatschen. Schnell vergeht die Zeit, plötzlich und unerwartet ist es schon 16.30 Uhr. Wir wollen nicht in der Hütte übernachten, sondern uns noch an den Abstieg wagen. Da müssen wir uns jetzt aber beeilen, denn das Hinweis-Schild beschreibt die Dauer dieses Tracks mit 3,5 -5 Stunden. Der Weg nach unten ist auf jeden Fall viel schlimmer als der Aufstieg. Der nächste Berg voraus ist der Hihikiwi mit 900 Metern Höhe. Wir müssen noch über mehrere Gipfel, es geht anscheinend über jeden Hügel, der in Sichtweite liegt. Bergab ist das Gelände unheimlich schwierig, steil und matschig. Wie sieht es hier bloß aus, wenn es geregnet hat ? Thomas schreit einmal auf, weil er sich vertreten hat. Aber es ist nichts passiert, war wohl nur der Schrecken und die Angst um sein Knie. Dann fällt er hin und landet auf dem Hosenboden im nassen Dreck. Ich rutsche zweimal nacheinander aus und stürze nach hinten, weil mich das Gewicht vom Rucksack umreißt. Da liege ich nun wie ein Käfer auf dem Rücken im Morast und bin langsam ziemlich genervt. Das Ganze hier artet in eine Schlammschlacht aus. Die Füße sind schon lange nass, der Modder läuft von oben in die Schuhe. Außerdem haben wir die Zeit im Nacken und müssen uns beeilen, dass wir noch vor Einbruch der Dunkelheit herauskommen aus dem Matsch-Wald. Kurz nach 20.00 Uhr erreichen wir das Ende vom Hihikiwi-Track. Den muss man auch nicht unbedingt nochmal machen. Es war ein langer Hiking-Tag, wir sind ziemlich fertig. Bei einem meiner Stürze habe ich mir wohl den Rücken vergurkt, habe jetzt zum Feierabend ziemliche Schmerzen beim Drehen und Bücken. Hoffentlich kann ich morgen laufen ! Unser Zelt bauen wir einfach direkt am Ausgang des Weges auf, obwohl dort eine kleine Nebenstraße verläuft. Wir haben keine Lust mehr, noch weiter zu laufen und einen besseren Platz zu suchen, da es schon so spät geworden ist. Direkt nebenan plätschert der Omanawa Stream, da werden noch die Schuhe, Füße und Beine gewaschen. Es weht mal wieder ein eiskalter Wind, ich bin froh über meine neue Daunenjacke. Mit einem Topf Tee setzen wir uns noch einen kurzen Moment auf die Treppenstufen, dann fallen wir sofort in Tiefschlaf.


 

28.12.2015

erster Tag ab Hamilton 27.12.2015

Wir haben nach unserem gestrigen halben Tag in Hamilton schon wieder genug vom Stadt-Leben und hektisch herumrennenden Menschen. Zum Glück sind wir, anders als von Auckland, sehr schnell heraus aus dem Trubel und haben nun wieder ländliche Gegend vor uns liegen. Morgens ab 4.00 Uhr krähen die zahlreichen Hähne im Taitua Arboretum, so dass wir früh am Start sind. Die Nacht war phantastisch, sternenklarer Himmel und ein dicker Vollmond mit rötlichem Hof drumherum. Wir beginnen den Tag mit dem "City to Mountain Trail". Wie der Name schon sagt : 'Raus aus der Stadt und ab in die Berge. Die Kapamahunga Range wartet auf uns. Mittendrin erhebt sich der Pirongia, mit knapp 1000 Metern der höchste Berg des Bezirks Waikato. Zunächst haben wir knapp 10 Kilometer grüne Hügel und Farmland zu überqueren. Es geht immer schön hinauf und hinunter, dazu müssen wir etwa alle 50 Meter einen Ueberstieg auf Holzstufen überwinden (wahrscheinlich übertrieben, aber gefühlt kommt es uns so vor ). Einige Gehege mit Rehen erscheinen uns neben den sonst üblichen Rinder- und Schafweiden sehr exotisch. Vor Auckland haben wir bereits Hirsch-Farmen gesehen, diese werden zur Fleisch-Erzeugung gezüchtet. Auch Lamas werden in Gehegen gehalten, hier steht aber nicht das Fleisch, sondern die feine Alpaka-Wolle im Vordergrund. Im kleinen Ort Whatawhata verbringen wir beinahe 2 Stunden mit einem ausgiebigen Frühstück im Café "The Lizard". Hier ist unsere vorerst letzte Versorgungsmöglichkeit für die nächsten 4-5 Tage. Einkaufen müssen wir nichts, aber wir brauchen dringend Strom für unsere Geräte. Wir hängen unsere Kamera und das Handy an die Steckdosen und genießen noch einmal die volle Ladung Koffein und Protein vor dem nächsten Abschnitt. Von dort aus müssen wir entlang einer Hauptstraße zum Beginn des nächsten Tracks laufen. Auf halber Strecke hält ein Auto mit einigen jungen Leuten an. Der Beifahrer kurbelt sein Fenster herunter und fragt Thomas, ob er ein Bier möchte. Na klar - und schwupp, da werden zwei Flaschen herausgereicht, der Wagen fährt weiter. Mitnehmen und für später Sparen funktioniert nicht, denn die Bierflaschen sind bereits geöffnet. Wir setzen uns also in den Schatten an den Straßenrand und trinken unser "Waikato Draught". Zum Glück sind es nur kleine 0,33 Flaschen und mit nur 4% Alkohol, aber es haut ganz schön 'rein. Liegt es am Bier, dass wir komplett in die falsche Richtung laufen ? Unser Te Araroa-Buch aus dem Jahr 2012 beschreibt den Karamu-Track, und den machen wir auch. Landschaft, Distanz und Zeit passen genau zur Beschreibung, nur kommen wir an einer ganz anderen Stelle heraus. Wir sind aus Versehen den Kapamahunga Walkway gelaufen, der wirklich sehr schön ist, aber das Ende liegt 15 Kilometer von dem Punkt entfernt, an dem wir eigentlich sein sollten. Wir stehen am falschen Highway und entschließen uns nach einigem überlegen, dass wir per Anhalter zurück auf die richtige Seite des Berges fahren sollten. Schon nach wenigen Minuten mit Daumen 'raus hält ein nettes Paar. So machen wir mal wieder die Bekanntschaft mit ganz außergewöhnlichen Menschen. Sie bieten uns an, dass sie uns bis zum Start des nächsten Trails bringen, obwohl sie eigentlich ganz woanders wohnen. Zudem ist der Mann bis vor einigen Jahren professioneller Jäger gewesen. Er kennt sich supergut aus hier in den Wäldern und mit der heimischen Tierwelt. Sehr interessant, was der alles zu erzählen hat über die Hütten, die Camping-Situation, die Wasserqualität und den Schweregrad der vor uns liegenden Routen. Wir lernen, dass Fasan und Truthahn keine einheimischen Vögel sind, sondern eingeführt wurden. Der so häufig vorkommende schwarz-weisse Vogel ist der Magpie, eine Elsternart. Der Vogel, der mit einer glockenklaren Stimme auffallend hübsche Melodien trällert, das ist der Bell-Bird, eine Sperlingsart. Die lila-blaue Feder, die ich so besonders schön fand und aufgehoben habe, die stammt vom Wood Pigeon ( Frucht-Taube ). Die letzte einheimische Eule in Neuseeland ist der Kuckucks-Kauz ( Morepork ). Igel, die es hier sehr zahlreich gibt, sind keine einheimischen Tiere. Diese Insektenfresser wurden Ende des 19. Jahrhunderts von Siedlern eingefuehrt und haben sich auf der Nordinsel betraechtlich vermehrt. Das Wasser aus dem Fluss soll ohne Behandlung trinkbar sein, und es gibt hier viele Trouts ( Forellen ). Waikato ist Maori-Sprache und bedeutet "  fliessendes Wasser ". Ganz einfach - hätten wir uns ja denken können. Wir hören gespannt zu und versuchen, uns alle diese interessanten Informationen abzuspeichern. Dann werden wir an einem Rastplatz mit vielen guten Ratschlägen herzlich verabschiedet und steigen die letzten 3 Kilometer hinauf bis zur Kaniwhaniwha Campsite. Picknick-Tische, Toiletten, sogar Mülltonnen gibt es hier. Nur eine Großfamilie hat sich mit drei Zelten breitgemacht und ein Lagerfeuer entzündet, ansonsten ist nichts los. Wir suchen uns einen schönen Platz etwas abseits für unser Zelt. Dann nehmen wir noch ein erfrischendes Bad im Fluss nebenan und waschen unsere Klamotten aus, bevor wir diesen ereignisreichen Tag mit Tee und warmem Essen ausklingen lassen. Wieder einmal eine Menge erlebt und dank unseres Verlaufens haben wir ganz tolle Leute kennengelernt !


 

27.12.2015

letzter Tag bis Hamilton 26.12.2015

Samstag haben wir nur etwa 10 Kilometer bis zur nächsten Stadt Hamilton. Dafür stehen wir extra früh auf, denn wir möchten vor 10.00 Uhr morgens ankommen, damit wir nach Deutschland anrufen können. Daraus wird allerdings nichts, denn ein älterer Herr fängt uns bereits um 7.30 Uhr an der Straße vor seinem Haus ab und lädt uns zum Kaffee ein. Das können wir doch nicht ablehnen ! Brian und seine Frau Linda sind schätzungsweise bereits in den Achtzigern. Dazu gehört noch ein 15-jähriger lieber Labrador-Rüde. Der erinnert uns mit seinen steifen Beinen und seinem Alzheimer-Verhalten sehr an unsere alte Hunde-Dame Gini. Brian sitzt in seinem blaukarierten Schlafanzug, mit Bademantel und Opa-Pantoffeln am Tisch. Seine Frau schleppt mehrere Karten an und breitet sie aus, Neuseeland, Europa, Deutschland. Die beiden alten Herrschaften sind wohl schon sehr viel gereist und interessiert an Allem. Wir müssen von unserer Wanderung berichten, von unserem Boot erzählen, auf der Karte Norderney und die Ostfriesischen Inseln zeigen. Kaffee und traditionelles Weihnachts-Gebäck werden gereicht. Danach gibt es noch eine Führung durch den Garten, uns werden Apfelsinen und Radieschen aus eigenem Anbau mitgegeben. Inzwischen haben wir uns so lange aufgehalten, dass aus dem Telefonieren heute wohl nichts mehr wird. Der Unterschied zu Deutschland von genau 12 Stunden macht es wirklich schwierig, zur richtigen Zeit in einer Stadt zu sein und funktionierendes Internet zum Anrufen per Skype zu haben. Unser netter Te Awa-Weg begleitet uns noch einige Kilometer, bevor wir unter einer Eisenbahn-Brücke hindurch und über eine Treppe hinauf direkt in der Innenstadt von Hamilton landen. Hier gibt es ein großes Shopping-Center, und dort ist heute die Hölle los. Man könnte meinen, das ist der Weihnachts-Geschenke-Umtausch. Aber nein - es ist Boxing Day ! Das ist so etwas wie der Winter-Schluss-Verkauf bei uns zu Hause, das haben wir am Morgen von Brian und Linda gelernt. Warum so ein Wahnsinn hier in Neuseeland ausgerechnet am 2. Weihnachtstag stattfindet, das konnten uns die Beiden allerdings auch nicht erklären. Uns geht der Trubel schon nach kurzer Zeit gewaltig auf die Nerven. Schnell kaufen wir eine neue Gas-Kartusche für unseren Kocher, das war das Dringendste. Ganz nebenbei fällt noch eine Daunenjacke für mich ab, ultra-leicht und mit 50 % Rabatt. Morgens früh und abends ist es nämlich trotz des Sommers sehr frisch, und spätestens auf der Südinsel hätte ich mir auf jeden Fall etwas Warmes zum Ueberziehen kaufen müssen. Ein gut ausgebauter Weg führt uns über Tills Lookout, von wo man bereits unsere nächste Herausforderung in der Ferne sehen kann, den Pirongia. Ein Park im Außenbezirk von Hamilton soll unser Ziel für die Nacht werden. Verschiedene einheimische Bäume werden hier gepflegt und gezüchtet, ein kleiner Ententeich gehört dazu. Ueberall laufen Hühner frei herum, so zahm und daran gewöhnt, dass man sie füttert. Das Vogelvolk pickt 

beim Abendessen ganz frech mitten zwischen uns herum. Im Taitua Arboretum ist zwar am frühen Abend noch eine Menge los, aber es gibt etwas abseits eine Shelter mit Holzbänken, in der wir uns erstmal gemütlich ausbreiten und Tee kochen. Unser Zelt bekommt einen weichen Platz unter Bäumen, als es im Park ruhiger und dunkel wird. Autos sind nicht zu hören, nur die Grillen zirpen, und ein paar Vögel singen noch. Das wird ganz bestimmt eine ruhige Nacht werden.
 


 

26.12.2015

Mercer bis Hamilton 23 - 25.12.15

Wir haben nun die Auckland-Region verlassen und befinden uns im Bezirk Waikato. Dieser Fluss ist insgesamt 425 Kilometer lang und enorm breit. Er wird unser ständiger Begleiter in den nächsten Tagen sein. Zunächst geht der Weg leider wieder nervtötend einige Kilometer auf Asphalt entlang der Autobahn. Dann müssen wir durch mannshohe Gräser, Busch und Stechginster. Schließlich führt uns der Te Araroa tagelang auf einem krüppeligen, von Löchern durchsiebten Deich entlang des Waikato River Tracks. Eine tote Kuh liegt direkt neben uns am Ufer, ohne ersichtlichen Grund umgefallen. Einfach nur tot, zum Glück recht frisch, und sie stinkt noch nicht. Eigentlich würden wir gerne Jemandem Bescheid sagen, aber wo ist hier der nächste Farmer ? Weit und breit nur Weiden und Deich, wir marschieren also einfach weiter. Ein kleines Stück müssen wir durch einen Sumpf, aber der schlimmste Teil ist mit einem 30 Meter langen Brettersteg gangbar gemacht. Im Waikato River herrscht viel Leben, die Wasserqualität scheint okay zu sein. Riesige Karpfen und Goldfische ( koi carps ) tummeln sich gut sichtbar im schnell fließenden Fluss. 
Am Donnerstag haben wir erstmal nur 2 Kilometer auf Landstraße bis zu einer Großbaustelle vor der Ortschaft Rangiriri. Irgendwie finden wir unseren Weg durch die vielen Absperrungs-Hütchen und provisorischen Leitplanken. Dann müssen wir tatsächlich zu Fuß den Highway überqueren - in Deutschland undenkbar. Zur Belohnung für diesen Nervenkitzel gibt es leckeren Kaffee und Eis im einzigen geöffneten Café. Direkt vor einem Friedhof mit Denkmal aus dem Maori-Krieg von 1863 ( Battle of Rangiriri ) genießen wir eine schöne Pause am Picknick-Tisch. Auch hier erfreuen wir uns an einer "sprechenden Toilette" mit chromblitzendem Bediener-Tableau. Diesmal haben wir sogar ein Video mit Ton für unsere WhatsApp-Gruppe gemacht. Ich find's herrlich ! Des Weiteren konnten wir aus einiger Entfernung eine junge Frau beobachten, die minutenlang vergeblich versucht hat, diese hochmoderne Toilettentür zu öffnen. Schließlich hat sie aufgegeben und das nächste Café aufgesucht. Kleinigkeiten, über die wir uns köstlich amüsieren können. über die imposante Rangiriri Bridge laufen wir hinaus und bis zum Nachmittag weiter. Die nächste Stadt ist Huntly, schon etwas größer. Dort gibt es einen Supermarkt, in dem wir uns mit Proviant für die nächsten Tage eindecken. Unser Weihnachts-Essen : Wir kaufen uns ein gebratenes Hähnchen, dazu gibt es Tortillas , Alfalfa-Sprossen und 2 Liter Orangensaft. Leider hat es angefangen zu regnen, während wir mit dem Einkauf beschäftigt waren. Deswegen setzen wir uns mit unseren Iso-Matten auf den Boden unter das Vordach vom Supermarkt, damit wir im Trockenen essen können. Eigentlich haben wir es dort sogar recht gemütlich. Die meisten Leute lächeln uns an und grüßen sehr nett. Irgendwann kommt mir der Gedanke : Wenn wir jetzt einen Becher vor uns hinstellen, dann würden wir wahrscheinlich sogar noch Geld verdienen. Es ist doch schließlich Weihnachten ! Nach dieser ausgiebigen Pause überqueren wir den Waikato zweimal nacheinander über große Betonbrücken. Von da an haben wir 6 Kilometer auf der Riverview Road vor uns, einer verkehrsreichen Straße ohne einen noch so schmalen Streifen für Fußgänger. Wir sind froh, als wir endlich zum Abend hin den Beginn des Hakarimata Tracks erreichen. Wir steigen noch bis zum unteren Aussichtspunkt hinauf und finden dort einen nicht besonders geraden, aber dafür weichen, Zeltplatz unter dicken Pinien. Heiligabend genießen wir auf einer Bank mit Ausblick auf den Fluss und die Lichter der Stadt Huntly. Allerdings haben wir dabei alles an, was der Kleiderbeutel hergibt inclusive unserer Regensachen, denn es ist empfindlich kühl und nieselt immer noch.
Es hat die ganze Nacht hindurch kräftig geregnet. Bei unserem Start am 1. Weihnachtstag ist der Wald immer noch von oben und unten nass. Dazu herrscht dicker Nebel in der Höhe, der uns bis in den Nachmittag begleitet. Der Hakarimata Track ist sehr anspruchsvoll. Ein Schild am Beginn warnt : Man soll diesen Weg nur bei bester Gesundheit, mit hervorragender körperlicher Kondition und festem Schuhwerk laufen ! Okay, das trauen wir uns zu, obwohl so ein Aufstieg bei Nässe immer erschwerte Bedingungen bedeutet. Natürlich ist es matschig und glatt, die Gefahr des Ausrutschens sowohl beim Aufstieg als auch im steilen Abstieg größer als ohne Regen. Aber was will man machen ? Wir sind nun mal gerade jetzt hier an dieser Stelle, auch wenn es in der Nacht geregnet hat. Wir können ja schlecht jedes Mal umdrehen und ins Hotel gehen, wenn das Wetter nicht passt. Irgendwann klart der Himmel auf, die Sonne kommt heraus. Am höchsten Punkt der Hakarimata Range befindet sich ein Holzturm mit einer Aussichts-Plattform und ein Hubschrauber-Landeplatz. Hier bauen wir während unserer wohlverdienten Pause das Zelt auf, hängen alle Klamotten auf und bekommen binnen einer Stunde alles wieder schön trocken. Der restliche Abstieg gestaltet sich dann sehr einfach. Breite Holzstufen erleichtern die ganz steilen Passagen, so dass wir in weniger als zwei Stunden unten im Tal sind. Nur so zum Vergleich : 5 Stunden hat der Aufstieg bis zum Aussichtsturm gedauert. Der Waipa River liegt nun vor uns und ist über die Waingaro Bridge leicht zu überqueren. Direkt auf dem Te Araroa liegt der kleine Ort Ngaruawhia. Selbst an Weihnachten hat hier ein kleiner Laden geöffnet, der von Indern geführt wird. So kommen wir mal wieder leicht an kalte und koffeinhaltige Getränke, die uns mit neuem Schwung den weiteren Verlauf in Angriff nehmen lassen. Ab hier beginnt der kombinierte Rad- und Wanderweg " Te Awa ". Er steckt noch in den Kinderschuhen, sollte eigentlich 2015 in voller Länge fertiggestellt sein. Aber es fehlt noch ein gutes Stück - dummerweise genau in der Mitte. Plötzlich geht es nicht mehr weiter am Fluss entlang, wir enden in einer Sackgasse vor einem hohen Metallzaun. Zurück kommt natürlich nicht in Frage. Wir sind nicht die ersten Hiker, die so denken, wie man anhand von Spuren sehen kann. Also turnen wir um den Zaun herum, laufen über einen Golfplatz ( nichts los am 1. Weihnachtstag ) und dann noch am Rand entlang über ein privates Grundstück bis zur Hauptstraße. Nach einer halben Stunde finden wir die Fortsetzung des Te Awa. Ein Gespräch mit Einheimischen klärt uns darüber auf, dass dieser Weg wegen Grundstücks-Streitigkeiten noch nicht komplett ist. Auf jeden Fall ist es eine Wohltat, auf diesem breiten Rad-/Wanderweg einfach nur laufen zu können, ohne ständig konzentriert auf die Füße schauen zu müssen. Und wunderschön ist es außerdem. Er führt immer direkt am grünen Ufer des Flusses entlang, auf der anderen Seite reihen sich schicke Häuser mit gepflegten Gärten aneinander. An einer großen Rasenfläche mit Picknick-Tischen beschließen wir den Tag und freuen uns, dass wir so weit gekommen sind.


 

22.12.2015

Auckland bis Mercer 18.-22.12.2015

Bevor ich es vergesse : Trans-Ocean e-mail-Adresse gilt nicht mehr lange, bitte ändern auf :  sy.walkabout@gmail.com      

Falls Jemand Interesse an meinem Blog auf englisch hat, weil der viel weniger umfangreich und deswegen leichter zu aktualisieren ist : 
www.trailjournals.com   ....   und dann ....
 search : Skipper

Die ersten paar Kilometer führen uns durch Stadtgebiet, das kennen wir alles schon. Auch auf den Mount Eden sind wir bei unserem Aufenthalt vor 6 Wochen bereits gestiegen, allerdings ist es uns damals viel schwerer gefallen als heute. Gleich danach verläuft der Te Araroa durch einen vielbesuchten Park bis auf den Gipfel des One Tree Hills. Es ist Wochenende, viele Leute hier. Der Akarana Trail liegt vor uns, das ist zunächst einmal der Coast to Coast Walk. An dessen Ende können wir sagen :  "Wir haben Neuseeland vom Pazifik bis zur Tasman See durchquert." Allerdings müssen wir für unseren Geschmack viel zu viel Strecke auf Straßen zurücklegen. Das ist nicht schön, war aber irgendwie klar um Auckland herum. Eine ganze Weile suchen wir im Gewirr von verschiedenen Autobahnen und Schnellstraßen nach dem richtigen Weg. Eine Brücke führt unter der Autobahn hindurch zum Orpheus Drive - da finden wir das Te Araroa-Zeichen wieder. Zum Abend hin wird die Landschaft doch noch ganz nett. Wir durchqueren den Ambury Park, allerdings muss man hier reservieren und für's Zelten soll man 15,- Dollar pro Person bezahlen. Kommt also für uns nicht in Frage. Der Watercare Coastal Walk und der Mangere Foreshore Track verlaufen am Manukau Harbour und an einer idyllischen Lagune entlang. Mangroven und Vulkangestein wechseln sich an dieser Küste ab. Dutzende von schwarzen Schwänen schwimmen auf dem ruhigen Wasser, immer die Elternpaare zusammen mit ihren Jungtieren. Außerdem können wir zahlreiche andere Wat- und Stelzvögel beobachten, während wir direkt am Ufer unser Abendessen zubereiten und diesen hektischen Tag in Ruhe ausklingen lassen.
Die Oruarangi-Brücke bringt uns bald heraus aus diesem Natur-Reservat. Schon stecken wir mitten drin in einem hässlichen Industrie-Gebiet. Kläranlage, Müll-Umschlagstation, Tankstellen, Auto-Verleiher .... und wir müssen eine Straße nach der anderen ablaufen. Auch das ist der Te Araroa - kann man sich nicht aussuchen, wo uns der Weg entlang führt. Am Flughafen nutzen wir das Angebot an Restauration und trinken leckeren Kaffee, der uns für den weiteren Marsch fit macht. Es wird einfach nicht schöner, auch wenn noch die Otuatana Stonefields, der Botanische Garten und der Totara Park auf unserer Route liegen. Das Beste am Tage ist ein leckeres Erdbeer-Eis an einem chinesischen Kiosk, welches vor unseren Augen aus frischen Früchten hergestellt wird. Einfach nur lecker ! Von den 60 Kilometern in den ersten zwei Tagen sind wir mindestens 40 Kilometer auf meistens viel befahrenen Straßen gelaufen. Unsere Füße haben ordentlich gelitten auf dem harten Asphalt. Aber wir sind jetzt 'raus aus dem Großraum Auckland und können hoffen, dass es ab morgen wieder besser wird.
Sonntag geht es erstmal nur ein paar Kilometer weiter bis nach Clevedon. Aber die neuen Schuhe machen Probleme. Wir müssen alle paar Minuten anhalten, damit Thomas irgendwas ändern kann. Neue Schnürtechniken, mal fester, mal lose, mal hoch, mal tief. Nützt aber alles nichts, es bilden sich hässliche Beulen, die empfindlich schmerzen. Auf halber Strecke muss Thomas die Druckstellen verarzten und mit Moleskin polstern. Noch ein Stück weiter, immer noch mit Schmerzen beim Laufen, wird kurzer Prozess mit den neuen Schuhen gemacht. An beiden Seiten wird ein Keil herausgeschnitten, da wo es drückt und scheuert. Schon besser, aber beim nächsten Stopp wird ein großzügiger Streifen von beiden Schuhen abgesäbelt. Nun ist es okay, so erreichen wir schließlich Clevedon. Hier ist gerade zufällig Farmer's Market. Handwerker und Künstler bieten ihre selbstgefertigten Waren an. Wir sehen wieder viele schöne Dinge, die wir gerne kaufen würden. Aber geht ja leider nicht. Von dort aus soll es nun aber endlich "richtig" losgehen. Wir laufen zunächst den kurzen Kimptons Track. Der Wairoa River Track folgt als Nächstes und führt uns direkt am Wairoa River entlang. Er bietet tolle Ausblicke auf den Hauraki Golf und die Coromandel Halbinsel, die wir ja schon mit dem Leihwagen erkundet haben. Darauf folgt der Hunuas Ranges Track, der ist schon länger und nicht an einem Tag zu schaffen. Wir haben Zeit und möchten noch einen Seitenweg gehen, der einen Abstecher zu einem Wasserfall verspricht. Hier möchten wir baden und unsere T-Shirts auswaschen. Aber daraus wird wohl nichts, denn dieses Ausflugsziel ist über eine Straße zu erreichen. Auf dem Parkplatz stehen 40-50 Autos, und dementsprechend viele Menschen tummeln sich im Park. Eisbude, Kiosk, Grill - für das leibliche Wohl ist gut gesorgt. Ein Generator daneben macht einen Höllenlärm, um Strom zu erzeugen. Wir schauen uns den Wasserfall nur von Weitem an und machen, dass wir wieder wegkommen. Zwei Ladies mit einem weichen und sauberen Hündchen sprechen uns an und stellen eine Menge Fragen zu unserer Wanderung. Nachdem wir alles sehr ausführlich beantwortet haben, da will sich die eine der Damen nochmal vergewissern und fragt : "Wie ... Sie sind nicht mit dem Wagen da ?" Uns fällt dazu gar nichts mehr ein - schnell wieder zurück in den Wald ! Im Hunua Ranges Regional Park fühlen wir uns richtig wohl. Die Landschaft ist zwar nicht spektakulär, aber dafür von schlichter Schönheit. Wir laufen auf dem Massey Track, danach den Wairoa-Cossey Track, gefolgt vom Wairoa Loop Track. Einen riesigen Stausee sehen wir aus ganz unterschiedlichen Perspektiven, zunächst von einer Aussichts-Plattform aus großer Höhe, dann steigen wir ab, umrunden diesen Stausee, um auf der anderen Seite wieder in die Höhe zu steigen. Wir möchten zum Repeater Campsite, einem ganz einfachen Platz, auf dem das Zelten nicht nur erlaubt, sondern auch noch kostenlos ist. Der Weg ist weiter als erwartet. Es wird ein langer Tag, den wir erst bei völliger Dunkelheit gegen 22.00 Uhr beenden. Wir haben Glück und sind ganz alleine mit Shelter, Picknick-Tisch und grüner Wiese. Wir sind wieder 32 Kilometer weiter gekommen, obwohl wir erst um 12.00 Uhr aus Clevedon gestartet sind. Aber wir sind todmüde, und die Füße schmerzen.
Ein ruhiger Tagesbeginn am Mittwoch mit Ausschlafen und gemütlichem Frühstück, immer noch ist kein anderer Wanderer in Sicht. Wir müssen den Milne Stream überqueren und nutzen die Gelegenheit zum Baden und Waschen. Was für ein toller Platz ! Sauberes Wasser, ein kleiner Strand aus Kieselsteinen, umgeben von dichten Büschen und Bäumen. Der Tag hat wirklich super angefangen. Geht auch schön so weiter, denn es liegt noch ein weiterer Campingplatz auf unserem Weg. Bei der Lower Mangatawhiri Campsite gibt es zunächst Tee, dann wird Mittagessen gekocht. Wir möchten es etwas ruhiger angehen und nicht so viele Kilometer laufen. Eine ganz tolle Strecke erwartet uns im zweiten Teil der Hunuas Ranges. Es gibt eigentlich keinen Weg, höchstens eine schmale Spur, die aber auch von Tieren stammen könnte. Dicke Wurzeln am Boden lassen uns stolpern. Immer wieder müssen wir mit vollem Gepäck über umgestürzte Baumstämme klettern und wissen nicht, ob und wo der Track dahinter weitergeht. Außerdem sind da noch dicke Luftwurzeln, die uns behindern, indem sie uns am Rucksack oder an den Iso-Matten festhalten. Aber das ist Natur pur - einfach überwältigend schön und spannend. Es liegen verschiedene Berggipfel vor uns. Zunächst kämpfen wir uns auf Peak No. 445 und sind schon nach wenigen Minuten komplett durchgeschwitzt. Von dort aus verläuft unser Weg insgesamt 6 Kilometer lang auf einer Ridge, immer wieder geht es steil bergauf und bergab bis zum Peak No. 234. Das ist wirklich anspruchsvoll und hält auf, wir schaffen nur noch 2 Kilometer in der Stunde. Unterwegs finden wir einen Stern an einem Baum, den ein anderer Hiker dort hingehängt und beschriftet hat. Alle Thru-Hiker, die im Norden bei Cape Reinga gestartet sind, haben an genau dieser Stelle die 700 Kilometer-Marke geschafft. Prima - es geht voran ! Leider macht sich das Knie von Thomas nach der strapaziösen Kletterei wieder bemerkbar. Deswegen belassen wir es heute wirklich bei einem kurzen Wandertag und machen schon um 18.00 Uhr Feierabend am Ufer des Mangatawhiri River.
Dienstag wird freiwillig früh aufgestanden - kein Kunststück, denn wir lagen gestern schon um 19.30 Uhr in der Horizontalen. Wir möchten nach Mercer, denn unser Buch sagt, dort soll es einen McDonalds geben. Das bedeutet fettes Essen, kalte Cola und Internet auf dem Handy. Grund genug, sich zu beeilen, denn wir haben nur noch altes Brot zum Frühstück. Eine Swing Bridge soll uns über den Fluss helfen. Die Brücke besteht aus einem ca. 30 Zentimeter breiten Bretterboden, und zu beiden Seiten sind Netze gespannt, die ein Herunterfallen verhindern sollen. Ein festes Geländer gibt es nicht. Das Ding wackelt und schwingt, dass mir dabei Angst und Bange wird. Das ist nichts für Menschen mit Höhenangst. Die haben wir beide nicht, aber trotzdem meckere ich meinen Mann an, weil ich denke, dass er extra wackelt. Die ersten 6  Kilometer des Tages müssen wir wieder entlang einer Straße laufen. Das ist doof, aber es geht schnell vorwärts. Ein kleines Stück führt der Weg tatsächlich entlang des Highway 2, also über die Autobahn. Das ist richtig ätzend und gefährlich. Unglaublich, dass diese Strecke zum Te Araroa gehört. Thomas bastelt sich einen Abstandshalter aus einem Stock, den er sich quer an den Rucksack klemmt. Daran kommt noch ein gelbes Tuch als Fahne, damit kommen uns die Autos hoffentlich nicht mehr zu nahe. Auch dieses Stück geht vorbei, und wir überleben es. Nun liegt der Mangatawhiri Track vor uns, viele Kilometer entlang dieses recht breiten Flusses. An beiden Ufern befinden sich kleine Deiche, darauf weiden Kühe. Unser Weg verläuft ewig lange schnurgerade oben auf dem Deich. Man muss höllisch aufpassen, wo man hintritt wegen der Hinterlassenschaften der Kühe und weil diese überall Löcher im Boden hinterlassen haben. Links und rechts vom Pfad wachsen Gräser, die zum Teil bis in Brusthöhle stehen. Das wäre wohl der Tod für jeden Heuschnupfen-Geplagten. Später nähert sich die Spur immer weiter dem Fluss an und wird noch schmaler. Man kann so gerade noch einen Fuß vor den anderen setzen und den Weg nur erahnen, weil heute früh schon zwei andere Wanderer vor uns hier entlang gegangen sind. Bereits am Mittag haben wir 18 Kilometer hinter uns gebracht und genießen unser Fast Food. Mercer ist gar keine richtige Stadt, das hatten wir anders erwartet. Eigentlich gibt es hier nur eine Tankstelle, an der man auch teuer einkaufen kann sowie einen Food-Court ( = Fressmeile ) mit reichhaltigem und ungesundem Angebot. Eine etwas größer aufgemachte Autobahn-Raststätte, das kommt dem noch am Nächsten, was sich hier an Gebäuden angesammelt hat. Dazu gehört auch ein Hostel, in dem wir Bier trinken, gute Musik hören, Billard spielen und uns noch eine Pizza teilen. Etwas schmuddelig und schräg ist es hier in Podge's Place, aber die Besitzer Podge und Sandra machen fehlende Sauberkeit und Luxus durch ihre herzliche Art wieder wett.


 

16.12.2015

Waipu bis Auckland 09.-17.12.2015

Kiwi-Nachthaus und Museum waren absolut lohnenswert. Auch der Besuch auf der Walkabout war positiv. Alle Leinen sind kontrolliert, die Bilge ist trocken, kein Ungeziefer an Bord. Also alles okay, wir koennen neu starten und hoffen, dass das Knie Ruhe gibt.
Mittwoch klingelt der Wecker schon um 6.00 Uhr. Schnell sind die Rucksaecke gepackt und das Mietauto abgegeben. Um 9.00 Uhr sitzen wir im Bus, der uns nach Waipu bringt, wo wir unsere Wanderung vor genau einer Woche unterbrochen haben.
Zuerst geht der Weg insgesamt 13 langweilige Kilometer ueber eine vielbefahrene Strasse und dann zum Glueck ueber eine Forststrasse weiter. Wir laufen den Langsview Track und den Brynderwyn Track, alles relativ einfach. Danach wird es spannend und sehr schoen, der Te Araroa fuehrt lange Zeit mit tollen Aussichten ueber die Mangawhai Cliffs bis zu einem kleinen Sandstrand. Mal wieder ist das Trinkwasser ein Problem. Thomas geht zu einem einzeln stehenden Haus, um dort nach Wasser zu fragen, aber es wird ihm nicht aufgetan. Hier stehen nur teure Ferienhaeuser, die schon kleinen Villen aehneln. Einige haben sogar Swimming-Pools mit verfuehrerisch glaenzendem hellblauen Wasser im Garten. Und wir haben Durst ! Nirgends ein Mensch zu sehen, ueberall nur "Privat"-Schilder, Videokameras und Hinweise auf Sicherheitsdienste. Nein, hier fuehlen wir uns nicht willkommen. Aber was nuetzt es, wir bauen unser Zelt etwas versteckt am Duenenrand auf und verzichten mal wieder auf warmes Essen. 
Das Highlight des Tages sind einige Vogelfamilien, die ziemlich aufgeregt am Wegesrand herumwuseln. Es sind Schopfwachteln ( Californian Quail ), die tatsaechlich immer paarweise ihre nur haselnussgrossen Kueken ausfuehren. Ein Elternpaar mit 6 Jungen und ein Paar mit insgesamt 10 Vogelbabies zaehlen wir. Die Kleinen sind total niedlich und noch etwas unbeholfen. Sie flitzen nach links und rechts und ueber die Strasse, eines faellt dabei sogar auf die Nase und rappelt sich wieder auf, um dann schnell weiterzurennen. Sooo niedlich ! Die Vogeleltern haben einige Muehe, ihre aufgeregten Jungtiere beieinander zu halten. Natuerlich bleiben wir stehen, bis sie sich wieder sortiert haben, denn wir wollen sie ja nicht noch mehr beunruhigen.
Der Donnerstag beginnt mit einem Kaffee in der Strand-Bar von Mangawhai Beach. Kurz darauf erreichen wir den naechsten Ort, der uns wieder etwas ganz Besonderes bietet : eine sprechende Toilette. Eine angenehme Automatenstimme ertoent, nachdem man die Tuer per Knopfdruck auf einem chromglaenzenden Bediener-Tablett geschlossen hat. Sie sagt uns, dass die Tuer jetzt verriegelt ist und man nun genau 10 Minuten Zeit hat fuer seine Verrichtungen, bevor sie sich automatisch wieder oeffnet. Dann ertoent leise Musik im ansonsten sterilen Toilettenraum - sehr schoen.
Kurz darauf geht unser Weg wieder am Strand entlang, wo wir Familie Austerfischer treffen. Nicht die Sorte, wie wir sie bei uns so zahlreich sehen koennen, sondern die schwarze Sorte, der Black Oystercatcher. Auch hier wird wohl gemeinsam gefuettert und erzogen. Mama, Papa und drei flauschige Kinder spazieren vor uns am Strand und lassen sich nur wenig stoeren. Nachmittags laufen wir ueber eine schmutzige Gravel Road, als ploetzlich ein Lastwagen ueberholt und uns mit einer dicken Staubschicht bedeckt. Wir sind davon wenig begeistert. Aber der Truck-Fahrer macht es wieder gut, indem er vor seinem Haus ein paar Kurven weiter auf uns wartet und uns zu einem Kaffee einlaedt. Na klar, da sind wir gerne dabei ! Marvin zeigt uns ganz stolz sein grosses Grundstueck, seine Pferde und Fotos der Familie. Im Haus ist alles total unaufgeraeumt und super chaotisch, aber der Mann ist unheimlich nett und herzlich zu uns. Marvin muss nach seiner Pause wieder an die Arbeit, wir haben noch weitere 15 Kilometer am Strand vor uns. Auf dem Te Arai Beach Walk liegt nur ein Huegel im Weg. Den Te Arai Point muessen wir bergauf und bergab durch dichtes Buschwerk ueberqueren. Immerhin kommen wir bis zum Abend auf stolze 33 gelaufene Kilometer, und Thomas hat keine Beschwerden im Knie. Zeltplatz direkt neben dem Pakiri River, genug Wasser fuer heute, alles gut.    
Als wir Freitag am Fluss aufwachen, da regnet es ziemlich heftig und ist kalt. Ein bloeder Tagesbeginn, denn wir wissen jetzt schon, dass es den ganzen Tag ueber nirgends eine Moeglichkeit zum Unterstellen und Trocknen geben wird. Der Te Hikoi o te Kiri-Track und der erste Teil des Dome Forest Tracks liegen vor uns. Der Omaha Forest zeigt sich nicht von seiner besten Seite, denn es ist dort sehr modderig und glatt. Wir muessen ueber einen Gipfel, den Tamahunga, wo der Wind den Regen fast waagerecht weht. Wir frieren, am Liebsten wuerde ich die naechste Herberge als Unterkunft nehmen und unter die warme Dusche gehen. Aber nuetzt nichts, wir muessen weiter, sonst kommen wir hier nicht weg. An einer Strasse steht eine junge Frau in Gummistiefeln und quatscht mit einem Mann in einem Wagen, der uns soeben ueberholt hat. Sie sprechen uns an und fragen, ob sie uns irgendwo hinfahren sollen. Nein, danke, wir laufen lieber, und in diesem nassen Zustand moechten wir uns auch nicht in ein fremdes Auto setzen. Aber sie laden uns zu sich ins Haus ein, bieten uns eine Dusche, Waeschetrockner, Kaffee und Muffins an. Jasmin stammt urspruenglich aus den Niederlanden, ihr Mann Matt ist ein echter Kiwi. Zur Familie gehoeren 4 Toechter, die Juengste ist 3, die Aelteste 8 Jahre alt, dazwischen gibt es noch die Zwillinge. Was fuer eine reizende Familie ! Nach dieser Aufwaermphase im gemuetlichen Wohnraum gehen wir trocken, gestaerkt und gutgelaunt an die restliche Etappe. Der weitere Weg gestaltet sich ziemlich eklig, denn wir muessen durch Gorse Bush ( Stechginster ), der hier weite Teile unseres Trails ueberwuchert. Da muss man sich durchbeissen, auch wenn es piekt und stachelt. Am Ende des Tages finden wir einen zwar nassen, aber akzeptablen, Platz fuer unser kleines Zelt am Ufer des Waiwhiu Stream. Wasser gibt es genug, wir muessen unser Zelt von innen trockenwischen, dann ab in die Schlafsaecke und auf besseres Wetter hoffen.
Samstag haben wir den zweiten Teil vom Dome Forest Track vor uns. Der Waiwhiu Stream muss ueberquert werden, was auch trockenen Fusses gelingt. Danach laufen wir etwa eine Stunde immer nah am Fluss entlang. Der Weg ist sehr matschig und rutschig. Danach fjorden wir noch einmal den Fluss und kommen endlich aus dem feuchten Wald heraus. Inzwischen hat sich die liebe Sonne durchgesetzt, so dass wir in einer laengeren Pause auf einer Lichtung alle unsere Sachen trocknen koennen. Das Zelt wird aufgebaut, die feuchten Schlafsaecke in die Buesche gelegt, unsere nasse Kleidung aufgehaengt. Sieht gut aus, wie wir uns hier ausgebreitet haben, aber es kommt sowieso Niemand vorbei. Am Nachmittag gibt es noch eine nette Unterbrechung im Cafe "Dome Tearooms", welches einsam auf einem Huegel steht. Wir haben uns weitere 16 Kilometer auf dem Moirs Hill Track vorgenommen. Gegen 19.00 Uhr erreichen wir den Gipfel des Moirs Hill bei schoenem Wetter und bauen dort unser Lager fuer die Nacht auf. 
Eigentlich sollten wir es wissen : Man baut sein Zelt nicht auf einem Berggipfel auf. Das Wetter ist umgeschlagen, es hat sich ein heftiger Sturm zusammengebraut. Dazu regnet es ohne Unterlass. Zunaechst warten wir noch ab, ob es besser wird, aber irgendwann bricht das Zelt um uns herum zusammen. Ein Hering hat sich hinten aus der Verspannung geloest, die nassen Zeltwaende fallen ueber uns zusammen. Hoechste Zeit zum Aufstehen, mal wieder die nassen Klamotten in die Rucksaecke stopfen und schnell weg hier. Lausig kalt ist es hier oben, ein starker Wind weht, Regen kommt von allen Seiten. Ganz davon abgesehen, der Moirs Hill ist wirklich nicht schoen. Den kann man gut auslassen, ohne etwas verpasst zu haben. Den Dunn's Track und den Puhoi Track schaffen wir in Rekordzeit, weil uns so kalt ist und wir bei diesem Schietwetter keine Pause machen koennen. Je weiter wir ins Tal absteigen, umso mehr klart der Himmel auf. Endlich kommt die Sonne wieder heraus, gerade als wir den Ort Puhoi erreichen. Eine ausgedehnte Picknick-Area mit Tischen, Toiletten und einem kleinen Lebensmittel-Laden bieten alles, was man fuer eine lange Pause braucht. Von hier aus sollte man eigentlich mit einem Kanu den Puhoi River flussabwaerts paddeln. Aber der Kanu-Verleiher verlangt 100,- Dollar fuer zwei Personen, das erscheint uns viel zu teuer fuer eine 2-stuendige Fahrt auf dem Fluss. Wir beschliessen, dass wir diese Strecke auf der Strasse umgehen und  fahren per Anhalter zum Wendersholm Regional Park auf der anderen Seite. Das klappt sehr gut, ein netter Opa nimmt uns in seinem schicken Wagen mit. An der Stelle, wo das Kanu anlegen sollte, da beginnt der Hibiscus Coast Walk. Dies ist ein ausgesprochen schoener Wanderweg, der uns ueber sanfte Huegel durch idyllische kleine Orte wie Waiwera und Hatsfield fuehrt. Wieder einmal klettern wir ueber Klippen an der Kueste und laufen an einem langen Sandstrand entlang. Auf halber Strecke treffen wir einheimische Fischer, die bei Niedrigwasser Saecke mit Seeigeln gesucht haben. Das soll eine Delikatesse sein, erklaeren sie uns und fragen, ob wir sie probieren moechten. Ich spiele "Maedchen" und lehne dankend ab. Aber Thomas laesst sich nicht lange bitten. Die Fischer sind doch sehr erstaunt, als er zwei von diesen glibberigen Seeigeln einfach so roh wegschlabbert. Das haetten sie sicher nicht erwartet. Aber Thomas ist "das Tier" - wuerde Hermann von der Pacifico jetzt sagen. Die letzte Huerde schaffen wir nicht mehr, denn das Wasser laeuft auf. Der Weg an den Klippen entlang ist versperrt, so dass wir umkehren und den Strand verlassen muessen. Dafuer laufen wir einen huebschen Weg durch ein nettes Wohnviertel ueber einen Huegel und haben dabei staendig Aussicht auf's Meer. Also ist unser Umweg diesmal nicht wirklich schlimm. Je spaeter der Abend, umso dringender wird jedes Mal die Suche nach einem Platz fuer die Nacht. Am Beginn vom Orewa Beach finden wir einen kleinen Park und sind schon in Versuchung, hier das Zelt aufzustellen ( was wahrscheinlich verboten ist ). Ich spreche einen jungen Mann an, der gerade das Gebaeude der Pfadfinder verlaesst und abschliesst. Er ist sehr nett und verstaendnisvoll. Wir bekommen von ihm die Erlaubnis, dass wir hinter dem Haus auf privatem Grund zelten duerfen. Super, denn so koennen wir ganz beruhigt schlafen und vorher sogar noch unser Abendessen ganz bequem an den Picknick-Tischen vom Rastplatz nebenan zubereiten. Vielen Dank an die Boy Scouts von Orewa Beach !    
Nach 5 Tagen strammen Laufens wollen wir einen Tag Pause einlegen. In Orewa setzen wir uns ins naechste Cafe und buchen online ein Zimmer fuer die kommende Nacht. So landen wir im Beachcomber Motel, wo wir uns ueber Dusche, Waschmaschine, Fernseher und ein weiches Bett freuen. Thomas bleibt den ganzen Tag "zu Hause", um seinem Knie eine Auszeit zu goennen. Ausser Supermarkt und einem kleinen Rundgang durch die Stadt passiert auch bei mir nichts weiter. Wir geniessen unser Zimmer sehr und haben nicht den Wunsch, Irgendetwas zu unternehmen.  
Am naechsten Tag geht es weiter auf dem Hibiscus Coast Walk. Wir kommen durch den schon etwas groesseren Ort Silverdale, danach wieder Natur pur. Der Weiti River hat nur wenig Wasser, so dass wir ihn gut ueberqueren koennen. Aber die naechste Huerde liegt vor uns, ein langes Stueck entlang des Okura Estuary. Hier laufen wir wieder einige Kilometer auf dem Okura Bush Walkway wie im Watt bei Niedrigwasser. Die Tide passt, so dass wir es wagen koennen, auf die andere Seite zu stapfen. Ich ziehe Schuhe, Socken und Shorts aus und mache einen ersten Versuch ohne Gepaeck. Das Wasser im Okura River ist gut huefttief, schon bald ist der Schluepfer nass. Aber wir duerfen nicht lange zaudern, denn die Flut kommt. Also wieder zurueck, Thomas zieht sich ebenfalls aus, die Rucksaecke werden auf dem Kopf balanciert. So schaffen wir es bis ans andere Ufer, es ist spannend und macht Spass. Aber danach ist uns ziemlich kalt, die Temperaturen sind noch nicht besonders sommerlich, und wieder weht ein eisiger Wind aus der Antarktis. Beim Laufen wird uns schnell wieder warm. Jetzt fuehrt der Weg ueber kleine Huegel  und Weideland. Gegen 19.00 Uhr erreichen wir den Long Bay Regional Park, wo angeblich ein Campingplatz sein sollte. Den gibt es aber leider nicht, an der Tuer zum Ranger-Office steht ein "Camping verboten"-Schild. Wie doof ! Wir wollen Feierabend machen, und besser wird die Lage bis Auckland sicher nicht. Also bleiben wir und kochen erstmal an einem der Tische Tee und warmes Abendessen. Thomas haelt Ausschau nach einem geeigneten Platz, wo wir ungesehen schlafen koennen und findet auch eine schoene Stelle, die fuer unser kleines Zelt ausreichend ist. Zum Zaehneputzen benutzen wir die oeffentlichen Anlagen, aber waehrend wir gerade mit unserer Abendtoilette beschaeftigt sind, klopft es draussen. Der Wachdienst ruft, weil er das Gebaeude abschliessen moechte. Okay, wir beeilen uns und setzen uns dann noch eine Weile auf eine Bank ausserhalb des Parks, bis die letzten Autos und Spaziergaenger verschwunden sind. Zugang hat man trotzdem vom Strand aus, deswegen koennen wir ohne einzubrechen zu unserem vorher ausgesuchten Platz zurueckkehren, um dort das Nachtlager aufzubauen. Wunderbar ruhig ist es hier, dazu hoeren wir die Brandung ganz nah, denn wir sind nur durch eine kleine Duenenkette vom Strand getrennt.
Mittwoch klingelt unser Wecker bereits um 5.00 Uhr morgens. Schnell sind wir auf den Beinen, haben unser Zeug zusammengepackt und sind aus dem Park verschwunden, bevor sich Jemand an uns stoeren kann. Es wird gerade erst hell, als wir loslaufen. Wir wollen es bis zum Mittag nach Auckland schaffen, damit wir dort noch etwas vom Tag haben. Wir geniessen es sehr, so frueh bei bestem Wetter unterwegs zu sein. Anfangs sind wir total alleine am Strand, ab 7.00 Uhr treffen wir einige wenige Jogger und Hundebesitzer. Wir durchqueren einige schoene Wohnviertel und vornehme Villengegenden mit netten Ausblicken auf den Hauraki Golf. Die Orte Milford und Takapuna sind wohl wegen ihrer Naehe zu Auckland eher etwas fuer Besserverdienende. Der Te Araroa verlaeuft ab hier immer an der Kueste entlang. Wir wandern am Strand entlang durch die Long Bay, die Browns Bay und 6 weitere kleine Buchten. Einen grossen Teil der Strecke koennen wir direkt am Ufer entlang, denn wir haben schon wieder Niedrigwasser. Das ist eine sehr schoene Kletterei ueber die weissen Klippen. Der Akarana Trail und der Cliff Top Walkway sind ganz einfache Wanderwege, so dass wir schnell vorwaerts kommen. Bei der vorletzten Bucht wird es uns schliesslich zu gefaehrlich, denn das Wasser laeuft inzwischen auf und wir wissen nicht, ob wir uns noch um die naechste Ecke wagen koennen. Dort moechten wir den Strand verlassen und zur Strasse hinaufsteigen. Aber an der Holztreppe, die den einzigen Zugang nach oben ermoeglicht, da kommen wir nicht weiter. Die Treppe ist wegen Bauarbeiten gesperrt, und die Bauarbeiter lassen nicht mit sich diskutieren. Sie wollen uns nicht durchlassen. Auf unser Bitten telefoniert der Vorarbeiter schliesslich mit seinem Vorgesetzten - aber "nein". Wir sollen  trotz des auflaufenden Wassers um die naechste Klippe gehen, so wie "die locals" das auch machen. Na gut, wenn die das sagen .... Wir sind immer noch unsicher, aber klettern weiter und vorwaerts. Das ist ziemlich abenteuerlich mit unseren schweren Rucksaecken und den Walking-Stoecken. Wir muessen uns beeilen, weil die Flut kommt. An zwei Stellen funktioniert die Umrundung nur, indem wir mit unseren Schuhen durch's Wasser patschen. Aber geschafft !  Danach geht der restliche Weg nur noch ueber die Strassen bis in den schicken und teuren Vorort Devonport. Wir kommen am Windsor Park und am J.F. Kennedy Memorial Park mit seinen vielen Kriegs-Graebern vorbei. Wir staunen ueber einen riesigen Gummibaum direkt am Hafen. Dieser hat riesige Luftwurzeln ausgebildet, die senkrecht wieder bis auf die Erde  wachsen wie dicke Saeulen. Wahnsinn, was die Natur sich da wieder ausgedacht hat ! Schnell waren wir, frueher als erwartet kommen wir am Faehranleger an und fahren mit einem schnellen Katamaran auf die andere Seite der Bucht. Dort suchen wir uns eine Internet-Moeglichkeit und mieten uns in einem Backpacker's Hostel sehr zentral in der City ein.
In Auckland gibt es endlich neue Hiking-Schuhe fuer Thomas. Die sollen jetzt eigentlich bis zum Ende durchhalten. Wir haben nun ein Drittel der Nordinsel geschafft, das hoert sich noch nicht besonders weit an. Aber wir sind froh, dass es anscheinend weitergehen kann auf unserem Te Araroa-Trail. Ein Besuch im Info-Center des DOC steht noch auf dem Programm. Hier bekommen wir wichtige Informationen, koennen aber auch einige Kritikpunkte loswerden. Und wir kaufen uns den Pass, mit dem wir zukuenftig in vielen Schutzhuetten uebernachten koennen. Im Norden ist das Angebot nicht besonders gross, aber im weiteren Verlauf wird man oefter an diesen Huetten vorbeikommen. Besonders auf der Suedinsel, wo die Temperaturen empfindlich kalt werden koennen, wird uns dieser Ausweis bei der Wahl des Nachlagers helfen. Ausserdem muessen wir in der Stadt wichtige Post erledigen und mal wieder unsere Homepage aktualisieren. Leider gestaltet sich das Einstellen von Fotos wieder schwierig. Entweder erkennt der Computer unsere Bilder nicht oder wir bekommen keinen Zugriff auf unsere Seite. Irgendwas hakt meistens, so dass wir die Fotos nicht so einsetzen koennen, wie wir uns das wuenschen. Das Ganze kostet immer viele Stunden an Zeit und Geld fuer's Internet-Cafe. Wahrscheinlich werden wir in der naechsten Zeit etwas weniger ausfuehrlich berichten, denn nach Auckland haben wir lange Etappen ohne City-Aufenthalt vor uns. 


 

07.12.2015

Car Camping 02.-08.12.2015

Wir werden in den naechsten Tagen die etwas weitere Umgebung erkunden, da wir ja nun eine ganze Woche mobil und nur durch die Behandlungstermine eingeschraenkt sind. Zunaechst steht natuerlich die Erkundung unserer Hoehlen auf dem Programm. In diese kann man mit Stirnlampen ziemlich weit eindringen. In einer Gesamtlaenge von 175 Metern laufen wir durch eine enge Felsschlucht voller Stalagmiten und Stalagtiten. An der Decke leuchten unzaehlige Gluehwuermchen. Danach brechen wir auf zu einer Rundreise auf die andere Inselseite, unterbrochen von einer Pause auf dem Rastplatz von Paparao. Die Fahrt fuehrt uns 18 Kilometer weit durch den Waipoua Forest auf der Westseite der Insel. Das Kauri-Museum verlangt einen horrenden Eintrittspreis, deswegen besichtigen wir nur das alte Post-Office und die als Museumsraum hergerichtete Schule, die von aussen zugaenglich und gratis sind. Nur ein kleines Stueck weiter die Kueste hinauf koennen wir den mit 17,68 Meter Hoehe groessten lebenden Kauri-Baum Tane Mahuta “ God of the Forest” bewundern. Leider sind alle Orte, die mit dem Auto erreichbar sind, auch ziemlich stark von Touristen frequentiert. Da gefaellt es uns doch besser, die Natur etwas weniger spektakulaer, aber dafuer alleine, zu erleben. Auf dem Rueckweg entdecken wir durch Zufall im kleinen Ort Kawakawa die beruehmte Hundertwasser-Toilette. Der Besuch lohnt sich und ist kostenlos. Friedrich Hundertwasser hat sich hier in seinem bekannten Baustil mit bunten Farben und asymmetrischen Formen verewigt, was ihm einen Platz als Ehrenbuerger der Stadt gesichert hat. 

Freitag nach dem Arzttermin (diesmal Ultraschall-Behandlung und neues Tape) statten wir unseren Freunden auf der Meerbaer einen Besuch ab. Der Kaffee ( noch aus Puerto Montt/Chile ) schmeckt hier immer besonders gut. Danach machen wir uns auf eine laengere Reise in Richtung Auckland, denn wir wollen das ganze Wochenende nutzen. Abends besichtigen wir eine alte Warft, schauen uns den Pakiri Beach an und zelten schliesslich auf einer offensichtlich gut von Kuehen genutzten Wiese.

Samstag moechten wir auf den Farmer’s Market  in Matakana, allerdings sind wir viel zu frueh dort. Wir sind schon um 6.00 Uhr aufgestanden, bevor das grosse Kuhtreiben beginnt. Ausserdem dachten wir, dass so ein Markt frueh am Morgen beginnt. Also erst einmal Kaffee trinken und dann noch ein paar Doerfer und Straende an der Kueste ansehen …. Der Farmer’s Market ist nicht besonders gross, aber dafuer sehr urig. Wir koennen nicht viel kaufen, denn wer will schon das ganze Zeug schleppen ? Von dort aus geht es weiter ueber den Highway bis zum Sylvia-Park bei Auckland. Wir stoebern in einigen Outdoor-Laeden auf der Suche nach neuen Schuhen. Die kaufen wir aber jetzt noch nicht, erst einmal abwarten, ob und wie es weitergeht. Aber eine neue Kamera muss her, denn unser alter Fotoapparat hat wohl etwas zu viel Feuchtigkeit abbekommen und macht fast nur noch verschwommenen Bilder. Das riesige Einkaufs-Center raubt uns den letzten Nerv, wir sind froh, als wir endlich wieder unterwegs sind. Mit Kopfschmerzen fahren wir weiter zur Halbinsel Coromandel, die unser Ziel fuer das Wochenende sein soll. Eine wirklich sehr schoene Landschaft, unsere Fahrt fuehrt uns immer an der Kueste entlang. Die Gegend ist dichter besiedelt als der Norden, es gibt viele Ferienhaeuser und Einrichtungen fuer Urlauber. Kurzer Stopp im Touristenbuero der Stadt Thames, eine Stunde Sonne und Zelt Trocknen an irgendeinem Sandstrand unterwegs. Abends haben wir dann die leidige Suche nach einem Schlafplatz vor uns. Alle Campingplaetze, an denen wir nach dem Preis fragen, nehmen ordentlich viel Geld nur fuer’s Zelten. So landen wir schliesslich bei Pat’s Place, einer alten Dame, die privat und relativ guenstig ihre Wiese, aber auch Gemeinschafts-Unterkunft und private Zimmer vermietet. Fuer 50,- NSD ( umgerechnet 30,- Euro ) koennen wir die Nacht in einem weichen Bett verbringen. Abendessen und Fruehstueck gibt es im gepflegten Garten am Picknick-Tisch. Direkt nebenan fliesst ein kleiner Bach, in dem sich Unmengen dicker schwarzer Aale tummeln, die man anscheinend nur mit der Hand greifen muss. Sonntag fahren wir auf die andere Seite der Halbinsel und entdecken ein bekanntes Schiff in der Fluss-Muendung vor dem Hafenstaedtchen Whitianga. Die “La Belle Epoque” von Claudia und Juergen ankert hier, aber anscheinend ist niemand an Bord. Ein kurzer Rundgang durch den Ort, dann geht es weiter zur Cook’s Beach, wo wir an einem Grillplatz direkt am Sandstrand etwas Sonne tanken, bevor wir nach Hahei weiterfahren. Ein Wanderweg von einer guten halben Stunde bringt uns zur Cathedral Cove. Dies ist ein ganz besonderer Strand, der von bizarren Felsformationen umgeben ist. Um von einem Strand zum naechsten zu gelangen, muss man die Wellen abwarten und im richtigen Moment unter einem Tor im Felsen hindurch schnell um die Ecke waten. Das ist ganz nach unserem Geschmack, nur sind wir auch hier natuerlich nicht alleine. Trotzdem ist die Cathedral Cove der Hoehepunkt unseres Ausfluges zur Coromandel-Halbinsel und unbedingt einen Besuch wert.  Unser Abendessen kochen wir auf einem Rastplatz im Dorf Tairua, von dort aus geht es in 3-stuendiger Fahrt wieder nach Hause auf unseren Zeltplatz bei den Hoehlen. An diesem Abend sind wir erstmals in der Dunkelheit unterwegs und sehen etliche Possums an und auf der Straße. Davon muss es wirklich Unmengen geben in Neuseeland.

Montag machen wir mit Anne und Rainer von der Meerbaer ein paar Ausfluege in die naehere Umgebung. Zunaechst besichtigen wir die Abbey-Caves, ein Rundweg, der an hohen Felsen aus Lehm und mehreren Hoehlen entlang fuehrt. Eine dieser Hoehlen, die Middle Cove, erkunden wir mit unseren Stirnlampen von innen. Lange Gaenge, die zum Teil knoecheltief unter Wasser stehen, dazwischen befinden sich immer wieder nasse Felsen, ueber die man klettern muss. Das ist spannend und geht auch fuer Thomas mit seinem laedierten Knie erstaunlich gut. Danach fahren wir zu den Whangarei-Falls, die auf seiner Hoehe von 26 Metern in die Tiefe stuerzen. Der AH Reed Kauri Park bildet den Abschluss unserer kleinen Rundreise. Auch hier ermoeglichen Bretterstege einen tiefen Zugang in den Wald fuer die Besucher. Die Kauri-Baeume in diesem Park sind allerdings “nur” etwa 500 Jahre alt, das haben wir schon viel aelter und imposanter gesehen. Nachmittags hat Thomas wieder einen Termin  im medizinischen Zentrum, wo hoffentlich das “okay” fuer unsere Fortsetzung des Te Araroa gegeben wird. Morgen werden wir das Kiwi-Haus und Kiwi-Museum besuchen, wo man die sonst nur nachtaktiven Tiere beobachten kann. Ausserdem ist ein kurzer Besuch auf der Walkabout geplant, um einmal nach dem Rechten zu sehen und Arnica-Kuegelchen, Bandagen, Tape, Eisgel, Magnesium fuer die weitere Behandlung zu holen.

 

 


 

01.12.2015

Bream Bay Walk 01.-02.12.2015

Dienstag sieht das Wetter gar nicht gut aus. Nebel und Nieselregen am Morgen, als wir unsere Unterkunft verlassen. Thomas hat um 13.00 Uhr einen Termin in einer medizinischen Einrichtung, wo  er von einer Osteopathin eingerenkt und mit Tape beklebt wird.  Nach  dieser Behandlung schmerzt sein Knie mehr als vorher. Lagebesprechung in der Buecherei, noch kurz in die Apotheke, dann unsere Rucksaecke vom Motel abholen und zum Highway laufen …. Um 16.00 Uhr stehen wir endlich an der Strasse und hoffen, dass wir bald wegkommen. Wir haben Glueck, schon bald haelt ein Auto. Kuriose Geschichte : Der junge Fahrer ist ein Backpacker aus den Niederlanden, der einige Monate in Australien gereist ist und nun nach Ablauf seines Visums mal eben nach Neuseeland geflogen ist. Das Auto hat er anderen Rucksack-Reisenden unter der Hand abgekauft. Soeben hat er einen Freund, der urspruenglich aus Rumaenien stammt, aber schon viele Jahre in Frankreich lebt, dorthin gebracht, wo dieser gestern den Te Araroa verlassen hat. Alles ganz schoen international hier – wie gut, dass alle englisch sprechen ! Ihm ist es egal, wo wir hinwollen, den er hat sowieso kein Ziel und keinen Plan. Wie gut fuer uns, denn so werden wir genau am Startpunkt unseres naechsten Abschnitts abgesetzt.

Unser neuer Wanderweg nennt sich “Bream Bay Walk” und beginnt am Marsden Point, nicht weit von der Marsden Point Marina entfernt, wo wir unsere Einreise-Formalitaeten erledigt haben. Inzwischen ist aus dem Nieselwetter ein penetranter Regen geworden. Aber egal, wir muessen los, wenn wir heute noch ein paar Kilometer schaffen  wollen. Also ziehen wir kurze Hosen an, unser Zeug wird moeglichst wasserdicht verpackt und der Regenponcho ueber alles gezogen. Der Anfang unserer Strecke ist sehr kalt und eklig, denn wir muessen uns am Strand gegen Wind und Regen vorwaertskaempfen. Nachdem wir um die aeussere Kurve der Bream Bay herum sind, wird es angenehmer zu Laufen. Aber haesslich ist es, wenn wir uns umsehen. Dies ist das erste Mal in Neuseeland, dass mir wirklich nicht gefaellt, was wir sehen. Marsden Point ist Industriegebiet, dort steht eine Oelraffinerie, riesige Holz-Verladestationen und Strom-Masten entlang der Duenen, so weit man schauen kann. 

Ein einheimischer Fischer kommt uns am Strand mit seinem Wagen entgegen und fragt, ob er uns irgendwo hinbringen kann. Nein danke, wir laufen lieber durch den Regen ! Der muss uns ja fuer ziemlich bescheuert halten. Wir haben ein sehr nettes Gespraech mit ihm und bekommen noch einige Tipps fuer die bevorstehenden Fluss-Durchquerungen. Die Tide past gut, gegen 19.00 Uhr ist Niedrigwasser. Wir muessen den Ruakaka River an mehreren Stellen durchwaten, aber bei diesem Wasserstand ist das kein Problem. Nicht mehr als knietief, da koennen wir sogar die Hosen anlassen. Am anderen Ufer gibt es ganz in der Naehe einen Campingplatz, aber der sieht ziemlich schick und teuer aus. Also lassen wir das lieber und marschieren noch 3 Kilometer weiter bis zum Uretiti Beach Campsite. Auch hier geht es nicht umsonst, fuer 2 Personen mit Zelt werden 22,- NSD verlangt.  Wir finden das unverschaemt, so etwas kann sich kaum ein Hiker leisten, der 5 Monate ohne Einkommen unterwegs ist. Wir holen uns nur Wasser und laufen weiter. Der Trail fuehrt auf einem schmalen Weg durch die Duenen Richtung Strand. Ein bisschen ausser Sichtweite finden wir eine schoene Stelle, an der wir unser Lager aufbauen. Mittlerweile ist es schon fast 21.00 Uhr und wird schnell dunkel, da wird wohl niemand mehr vorbeikommen.   

Mittwoch  stehen wir schon frueh auf und sind mit der ersten Morgensonne wieder am Strand unterwegs. Nach einigen Kilometern biegen wir auf eine Schotterstrasse ab, die uns in den kleinen Ort Waipu bringt. Thomas hat Schmerzen im linken Knie, gestern und heute konnte er nicht ohne Ibuprofen laufen. Wir fruehstuecken an einem Picknick-Tisch mitten im Ort und ueberlegen, wie wir jetzt damit umgehen sollen. Gegenueber befindet sich ein Medical Center, wo Thomas sich vorstellt und wieder neue Informationen mitbringt. Schliesslich ueberlegen wir, dass wir am Besten zurueck nach Whangarei sollten, um dort eine Behandlung zu beginnen. Alternativ zum Laufen werden wir uns fuer eine Woche ein Auto leihen und kurze Ausfluege in der Umgebung machen. Zwischendurch die Arzt-Termine wahrnehmen und hoffen, dass die Behandlung anschlaegt und wir in einer Woche zu Fuss weiter koennen. 

Dummerweise haben wir ein Paar Sandalen unter’m Picknick-Tisch in Waiapu vergessen. Deswegen muessen wir noch einmal zurueck, nachdem wir unser kleines Auto in Empfang genommen haben. Die Schuhe liegen noch dort, und auf dem Rueckweg nach Whangarei machen wir einen Abstecher ueber eine staubige Schotterstrasse zu den Waipu Caves. Gute Entscheidung, denn so finden wir einen wunderschoenen Platz mit Toilette und fliessend Wasser, sogar einer kalten Dusche, an der offensichtlich das Campen erlaubt ist. Diese grosse Wiese soll unser Zuhause fuer die naechsten Tage werden, damit wir das Geld fuer eine Unterkunft sparen. Warme Duschen und Waschmaschinen duerfen wir in der Whangarei-Marina benutzen. Nachmittags gibt es Akupunktur-Behandlung und neues Tape fuer Thomas. Dieses Mal lautet die eventuelle Diagnose Baenderriss, nachdem am Montag von Meniskus und Operation gesprochen wurde. Mal sehen, wie sich die Dinge weiter entwickeln. 


 

30.11.2015

Whangarei 29.-30.11.2015

Thomas braucht ein paar Tage Pause fuer sein Knie, Beine hochlegen, Kuehlen, und eventuell ist ein Arztbesuch faellig. Ausserdem haben wir segelnde Freunde, die wir hier treffen wollen. Und Sharron von der Whangarei-Marina wartet ganz gespannt auf die Berichte von unserer Wanderung, weil sie selber auch gerne einmal den Te Araroa laufen moechte. Die Stadt hat uns ausgesprochen gut gefallen, bietet sich also fuer eine Unterbrechung an. In Whangarei gibt es alles, was wir brauchen : Supermarkt, Ausruester, Internet, Post und Waescherei, Apotheken und Aerzte.  

Am Montag haben wir eine Verabredung mit Ludger von der “Green Duck”. Auch Jan von der “Phoebe” ist zur Zeit in Whangarei, den werden wir sicherlich ebenfalls treffen. Unsere Freunde von der “Meerbaer” sind unterwegs zur Whangarei Marina. Vielleicht kommen sie heute schon an, damit wir uns noch sehen koennen. Per SMS kam eine Einladung von unseren hollaendischen Bekannten, die uns zum Dinner auf ihrem Schiff “Tara” eingeladen haben. Die Ruhe ist vorbei, heute haben wir noch viele Termine. Morgen soll es dann weitergehen. Es sind erst 400 Kilometer vom Te Araroa geschafft, in den naechsten 4 Monaten liegen noch weitere 2600 Kilometer vor uns. Wir freuen uns auf jeden neuen Tag auf dem Trail, denn die Landschaft ist atemberaubend schön und abwechslungsreich. 


 

28.11.2015

Taurikura bis Whangarei 28.11.2015

Heute haben wir es nicht mehr weit, denn wir moechten nach Whangarei. Nur ein paar Kilometer entlang der Strasse kommen wir in Taurikura an einem kleinen Laden vorbei, der sich fuer ein paar Leckereien zum Fruehstueck anbietet. Frisch gestaerkt fuehrt unser Weg durch ein kleines Wohngebiet, dann ueber kleine Huegel entlang der Kueste. Ein leichter Pfad laeuft entlang der Wasserkante durch gruene Wiesen. Von dort aus koennen wir die Fahrwasser-Tonnen sehen, da ist der Weg in die Bucht, den wir mit der Walkabout vor 5 Wochen hineingesegelt sind. Nach nur 2 Stunden erreichen wir Whangarei Heads, das ist der Endpunkt des Weges auf dieser Seite. Von hier aus sollte man wieder ein Wasser-Taxi nehmen oder einen Fischer bitten, uns auf die andere Seite zu bringen. Wir fahren aber per Anhalter in die Stadt, wo wir ein paar Tage bleiben moechten. Der Trail geht offiziell erst auf der gegenueberliegenden Seite weiter, da koennen wir von Whangarei aus genauso gut mit dem Auto um die Bucht herum zum Beginn des naechsten Te Araroa-Tracks fahren. Das erste Hostel, in dem wir nach einer Unterkunft fragen, hat leider kein Zimmer mehr frei. Inzwischen hat es angefangen zu regnen und will auch anscheinend nicht mehr so schnell aufhoeren. Wir setzen uns in ein Café mit Internet-Zugang und buchen online. Mittags um 14.00 Uhr koennen wir im Cacablanca Motel einchecken und uns entspannen. Die naechsten 2 Tage ist erstmal nur Ruhe angesagt. 


 

27.11.2015

Kauri Mountain Track, Peach Grove Track, Bream Head Track 27.11.2015

In der Nacht bekommen wir Besuch. Wir haben unser Vordach vom Zelt an einem Zaunpfosten festgebunden, der an die nebenan liegende Weide grenzt. Heute scheint ein heller Vollmond, und als wir wach werden, sehen wir zunaechst nur eine braune Kuh, die uns in unser Nachtlager glotzt. Sehr unwirklich und lustig ist dieser Anblick. Das Tier scheint riesig zu sein aus unserer Perspektive, weil wir ja flach auf dem Boden liegen. Immer mehr dieser Rindviecher kommen uns besuchen, rings um uns herum ein staendiges Rupfen und Mampfen. So etwas erlebt man nicht, wenn man zu Hause im Bett liegt.  

Vor uns liegt der Kauri Mountain Track, der sich als leichter Weg einmal ueber den Berg erweist. Oben steht ein Gipfelzeichen mit einer Bank, aber fuer die Pause fehlt schon wieder das Wasser. Ein paar Kilometer weiter steigen wir ueber Felsen hinab zum weissen Sandstrand des Ocean Beach. Es ist total einsam hier, weil man diese Ecke nicht mit dem Auto erreichen kann. Zeit fuer ein erfrischendes Bad in den kalten Fluten, die letzte Dusche ist schon ein paar Tage her. Es ist wirklich eiskalt im ersten Moment, wir schaetzen die Wassertemperatur auf 15-16 Grad. Aber nach dem ersten Schock-Moment tut es richtig gut und macht uns fit fuer die naechste Etappe. Unser Zelt haengen wir zum Trocknen auf, waehrend wir baden, danach ist alles wieder bereit zum Weiterlaufen. Vor uns liegt ein 2-stuendiger Spaziergang direkt an der Wasserkante vom Ocean Beach. Wir geniessen den Gang in der Morgensonne, und wir fuehlen uns mal wieder sehr heimisch hier am Strand. Moewen, Austernfischer und  Strandlaeufer kennen wir nur zu gut, dazwischen picken aber noch viele einheimische Vogelarten am Flutsaum herum.

Nach Erklimmen einer hohen Sandduene am suedlichen Ende des Strandes stehen wir in einem idyllischen Wohngebiet, anscheinend auch wieder nur fuer Sommerfrischler und Rentner. Thomas bittet an einem Wohnhaus um Trinkwasser, damit begeben wir uns zu einem Auto-Parkplatz im Gruenen. Hier stehen Picknick-Tische, wo wir unser Fruehstueck mit Tee und geschmierten Broten bequem und zivilisiert einnehmen koennen. Bis hierhin ist alles gut, wir haben uns ordentlich erholt, aber wissen noch nicht, was danach auf uns zukommt.

Der Bream Head Track liest sich im Buch als einfache Wegstrecke, aber der hat es wirklich in sich. Wir steigen auf und immer hoeher, bis wir uns auf einer Ridge befinden. Man koennte ja meinen, das war’s jetzt mit Steigungen, aber leider geht es immer wieder hinauf und hinunter. Ein Hoehepunkt ist der Whara Summit mit toller Aussicht auf die Bream Bay. Erleichtert machen wir uns vom Gipfel aus an den Abstieg, die Knie knirschen schon. Aber das ist noch nicht alles, was dieser Tag fuer uns bereithaelt. Da liegt noch der Mount Lion vor uns im Weg. Hier ist der Trail gut gepflegt, denn anscheinend wird er viel von Wanderern begangen. In die steilen Abhaenge sind zum grossen Teil Holzstufen  eingelassen, die uns die Sache doch sehr erleichtern. Aber nach einem langen Tag mit schon etwa 25 Kilometern in den Knochen wird es immer schwieriger, die Beine hochzuheben. Insgesamt 840 Stufen ( in Worten : achthundertvierzig ) sind zu bewaeltigen, bis wir endlich auf der anderen Seite des Berges ueber sanft abfallende Haenge wieder das Meeresniveau erreichen. Es reicht fuer heute ! In der Urquharts Bay finden wir oeffentliche Toiletten und Trinkwasser. Damit koennten wir den Tag eigentlich beenden, es fehlt nur noch ein geeigneter Platz zum Campen. Also schleppen wir uns mehr oder weniger langsam noch ein paar Kilometer die Kuestenstrasse entlang, bis wir an einem Zaun ein Schild entdecken, welches uns zum Haus vom Kuenstler Douglas bringt. Er ist Maler und Bildhauer, so ganz nebenbei stellt er sein Grundstueck und die Kuechen-Einrichtung seines Ateliers den Hikern zur Verfuegung. Wir sind froh, endlich Feierabend zu kriegen und zahlen gerne 10,- NSD fuer den Platz in seinem Garten. Auf einem rundum von hohem Bambus  umrahmten  Platz stellen wir das Zelt auf einem flachen Stueck Wiese auf und lassen den Abend an einem wackeligen Picknick-Tisch direkt am Meer ausklingen. Viel getan heute, sehr anstrengend, aber es war mal wieder ein superschoener Tag. 


 

26.11.2015

Mackerel Forest Track, Taiharuru Estuary Crossing 26.11.2015

Auch dieser Tag beginnt mit einem langen Marsch entlang einer Hauptstrasse, nach 4 Kilometern duerfen wir zum Glueck auf einen weniger befahrenen Schotterweg abbiegen. Der Mackerel Forest liegt vor uns, ein angenehm leichter Pfad fuehrt uns durch jungen Pinienwald. Mal wieder schoene Gegend hier, obwohl der Track im Verhaeltnis zur Strecke, die wir auf der Strasse laufen, viel zu kurz ist. Der Waitangi River muss ueberquert werden – ja, schon wieder. Es gelingt nicht auf den Trittsteinen im Wasser. Das heisst, Schuhe ausziehen und auf der anderen Seite wieder anziehen. Immer nah am Ufer entlang steigen wir auf und ab, bis wir zu einer Stelle kommen, an der uns der Taheke River den Weg versperrt. Also muessen wir wieder anhalten und die Prozedur mit den Schuhen wiederholen. Das haelt auf, aber wir haben ja Zeit und keine festen Plaene fuer den Tag.

Nach diesem kurzen Trail durch den Wald folgen schon wieder mindestens 10 Kilometer Strasse, die uns bis Pataua Nord bringt. Hier soll sich angeblich ein Campingplatz befinden, an dem wir gut den Tag beenden koennten. Eigentlich reicht es uns schon, besonders Thomas hat zunehmend Probleme beim Laufen. Aber kein Anzeichen fuer einen Campingplatz. Das Dorf scheint absolut tot zu sein. Vielleicht ist es nur ein Ort fuer Zweitwohnungen und Ferienhaeuser, aber in Neuseeland ist jetzt noch kein Sommer. Es gibt keinen Laden und noch nicht einmal Trinkwasser. Deswegen beschliessen wir, heute noch eine weitere Etappe in Angriff zu nehmen. Wir wollen die Wattwanderung zum anderen Ufer wagen, die eigentlich nur bei Niedrigwasser moeglich sein soll. Aber das Wasser laeuft nun schon seit zwei Stunden wieder auf. Ueber eine lange Holzbruecke kommen wir nach Pataua Sued, wo auch nicht viel mehr los als im noerdlichen Teil. Von dort aus begeben wir uns in das Taiharuru Estuary, ein schlammiges Gebiet, in dem wir mit schweren Fuessen durch Schlick und Mangroven stapfen. Bis jetzt geht es gut, ein paar Kilometer dicht entlang der Kuestenlinie kommt man noch ganz gut vorwaerts. Dann zeigt uns ein Pfahl mit einem orangenen Marker den ersten Punkt der Ueberquerung an. Es herrscht dichter Seenebel, so dass man nur ein paar Meter voraus sehen kann. Das wird noch richtig spannend !  Die Route weist uns den Weg zu einer langen Sandbank, fast wie zu Hause. Von da aus muss man hohen weissen Stangen durch das Schlick-Gebiet folgen. Bei jeder Stange wird jeweils die niedrigste Stelle angezeigt, an der wir durch das Wasser waten muessen. Es geht uns manchmal bis zu den Oberschenkeln, die Stroemung  ist kaum spuerbar. Wir kommen uns vor wie in einem Prickenweg. Wir koennen diese Passage nur deshalb wagen, weil wir mit den Gegebenheiten von Tide und Wattenmeer so vertraut sind. Nach etwa einer Stunde sind wir durch und kommen mit Matschfuessen bis zu den Knoecheln an einer Art Deich mit gruener Wiese an. Dort steht schon ein Zelt, in dem in franzoesisches Paar Quartier bezogen hat. Ein kleines Stueck weiter den Huegel hinauf hat ein junger Amerikaner aus West-Virginia sein Lager eingerichtet. Wir finden ebenfalls noch ein Plaetzchen und sitzen noch lange gemeinsam mit Logan bei unserem typischen Ramen-Nudel-Abendessen und tauschen Erfahrungen und Erinnerungen aus, denn auch Logan ist bereits den Appalachian Trail gelaufen. Zwischendurch bekommen wir Besuch von einer Herde Kuehe, die auf der anderen Seite des Zaunes weidet und uns neugierig begutachtet. Das Wasser laeuft immer weiter auf, bald ist die ganze Lagune vollgelaufen. Man kann kaum glauben, dass wir vor nur drei Stunden noch hier durchgekommen sind. Es war ein langer Tag, aber wir sind froh, dass wir die Taiharuru Estuary Crossing heute noch gewagt haben. Ansonsten haetten wir bis morgen am Nachmittag warten muessen oder mal wieder einen ungeliebten Umweg ueber Strassen laufen. So ist es viel besser, wir sind muede, aber zufrieden.        

 


 

25.11.2015

Matapouri Bush Track 25.11.2015

Es ist trocken, als wir aufwachen. Wir sitzen schon um 6.30 Uhr morgens vor unserem Zelt und trinken Tee in der aufgehenden Sonne.

Zunaechst haben wir 4 Kilometer auf einer Strasse, danach 10 Kilometer leichten An- und Abstieg durch junge Pinienwaelder vor uns. Ein sehr schoener Waldweg, der immer schmaler wird. Wir freuen uns an tollen Ausblicken auf die umliegenden Taeler und die Kueste. Sehr beeindruckend ist auch der Kauri-Gigant "Tane Moana". Dieser Riese hat einen Umfang von 11 Metern und ist damit der größte Kauri-Baum an der Ostküste. Bretterstege mit einer Plattform führen ganz nah um den Stamm herum, so dass wir ehrfürchtig die Rinde berühren können. Wahnsinn, was die Natur so bereitstellt !

Mittagspause machen wir im kleinen Dorf Ngunguru, wo es auch einen kleinen Lebensmittel-Laden gibt. Erst gestern haben wir ein Brot gekauft, aber das ist schon wieder fast weg. Also brauchen wir schon wieder Nachschub, dazu gibt es noch eine Cola und ein Eis. Nur ein kleines Stück weiter entdecken wir eine privat angebrachte Markierung, die nach einem kleinen Umweg durch verwunschene Gärten zu einer Trail Magic führt. Dort steht eine Mikrowelle für die Long Distance Hiker, die mit allerlei nützlichen Dingen gefüllt ist. Linda und ihr Mann sind den Te Araroa im Jahr 2012 selber gelaufen und wissen um unsere Bedürfnisse. Ein Apfel, eine Orange, ein Mückenstift und einige Pflaster wandern in unsere Taschen. Außerdem werden natürlich unsere Wasserflaschen gefüllt, und wir bekommen wertvolle Tipps, wo wir die Nacht verbringen können. Mit diesen Hinweisen finden wir nach weiteren 9 Kilometern einen kleinen Rastplatz am Ngunguru River, wo wir das Zelt direkt neben einem Picknick-Tisch aufstellen können. Sehr schön ! Der kleine Fluss plaetschert uns leise in den Schlaf, und in der Nacht kann Thomas die ersten Kiwis am Ufer beobachten. 


 

24.11.2015

Morepork and Onekainga Tracks 24.11.2015

Abends konnte ich lange Zeit nicht einschlafen. Um uns herum waren laute Geraeusche von im Gebuesch umherstreunenden Tieren zu hoeren, dazu die ganz furchtbar klingenden Schreie von Possums.

Thomas seine Schuhe beginnen sich bereits aufzuloesen. Mein erstes Paar Socken ist durch, und meine Hose beginnt zu rutschen. Als wir zusammen 2012 den AT komplett gelaufen sind, da habe ich bis zum Ende 12 Kilo abgenommen. Als ich 2014 alleine ohne meinen Koch unterwegs war, da habe ich sogar 18 Kilo an Gewicht verloren. Mal sehen, wie sich das hier auf dem Te Araroa entwickeln wird.

Der Fisch ( 3 Snapper ) bleibt hier im Wald liegen, natuerlich ohne Plastiktuete. Es beginnt mit einem heftigen Aufstieg bis auf den Gipfel, von Hansen's Hill, der zum Glueck nur eine halbe Stunde entfernt ist. Gleich dahinter plaetschern einige muntere Baeche, die wir ueberqueren muessen. Das haetten wir gestern gut gebrauchen koennen, aber man kann es hier nie vorher wissen. Der Te Araroa ist nicht so gut planbar wie der Appalachian Trail.

Um die Mittagszeit machen wir einen  Abstecher zum Whananaki Campground. Wie schoen, hier gibt es einen kleinen Lebensmittel-Laden mit Allem, was das Herz begehrt. Lange Pause am Picknick-Tisch, wo wir Sandy und Steve kennenlernen. Die Beiden zeigen sich sehr interessiert an unserer Wanderung und laden uns zu sich nach Hause ein, wenn wir an Palmerston (im Sueden der Nordinsel) vorbeikommen. Adresse und Telefonnummer werden notiert, da muessen wir jetzt nur noch hinlaufen.

Von Whananaki aus geht es 9 Kilometer auf einer Landstrasse weiter bis zu einer langen Holzbruecke, die uns ueber ein fast trockenliegendes Gebiet aehnlich unserem Wattenmeer bringt. Auf einem Schild steht, dieses soll die laengste Bruecke der suedlichen Hemisphaere sein. Bei dem jetzigen niedrigen Wasserstand koennte man genauso gut unten laufen.  

Unser Weg geht ueber in den Whananaki Coastal Track, wo wir oeffentliche Toiletten und damit auch Wasser finden. Das Cafe, welches laut Buch am Sandy Beach sein sollte, das gibt es wohl nicht mehr. Rein zufaellig entdecken wir einen Rastplatz neben der Strasse,  auf dem mehrere Camper-Vans stehen. Wenn die hier uebernachten duerfen, dann koennen wir auch unser Zelt in einer Ecke aufbauen. Kaum ist das Lager eingerichtet, da beginnt es zu regnen und hoert auch waehrend der Nacht nicht mehr auf. Es ist ein sehr beruhigendes und angenehmes Geraeusch, wenn der Regen sachte auf unser Dach prasselt, solange das Zelt dichthaelt. Dazu kommt heute noch das Rauschen der nahen Brandung, denn dieser Parkplatz an der Kuestenstrasse verlaeuft direkt hinter einer niedrigen Duenenkette, wo gerade das Hochwasser weit auf den Strand auflaeuft. Wirklich sehr gemuetlich !

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22.11.2015

Russell Forest Track 22.-23.11.2015

Morgens noch Fruehstueck auf der Flying Dog, danach Kaffee und Kuchen bei den Hollaendern auf der "Tara". Sharron von der Whangarei-Marina ist hier gerade zu Besuch und hat uns einen dicken Brief vom Zoll mitgebracht. Gute Nachrichten von den customs : unserem Antrag auf Visa-Verlauengerung wurde stattgegeben, die Verlaengerung ist bis Ende Juli genehmigt. Wir freuen uns natuerlich sehr darueber, dass dieses so schnell und unproblematisch geklappt hat. Wir sind eben doch schon ein serioeses, aelteres Ehepaar !  :)

Es gibt nun mehrere Moeglichkeiten, um auf die andere Seite der Bucht zu gelangen. Ein Wassertaxi bis max. 5 Personen kostet 100,- NSD, das ist uns entschieden zu teuer. Man koennte sich natuerlich auch jemanden suchen, der einen guenstiger hinueberbringt .... Wir waehlen die Billig-Variante und nehmen die Auto-Faehre mit Stehplatz fuer 1,- NSD pro Person. Am anderen Ufer angekommen muessen wir einige Kilometer mehr laufen als der Te Araroa eigentlich vorsieht, aber wir haben ja Zeit genug.

Gegen Mittag beginnt eine sehr schoene Wanderung bei bestem Wetter. Es geht lange Zeit am Waikare River entlang bis zu einer schmalen Stelle, wo wir fjorden muessen. Danach kommen wir zum Papakauri Stream, wo der Weg eine 4 Kilometer lange Strecke durch's Wasser  fuehrt. Inmitten von Bergwaenden links und rechts muessen wir entweder mitten durch den Fluss waten oder immer mal wieder auf die andere Seite queren. Das Wasser reicht uns manchmal bis zum Po. Wir brauchen laenger als erwartet fuer diesen Teil unseres Tracks, aber die Natur um uns herum ist mal wieder atemberaubend schoen.  

Nachmittags passieren wir eine Shelter vom DOC-Verband, umgeben von einer Wiese, die zum Zelten einlaedt. Aber es ist noch zu frueh zum Anhalten, deswegen machen wir uns an den beschwerlichen Anstieg auf eine lange Ridge. Zum Ende des Tages solche steilen Kletterpartien sind beschwerlich, auch der Abstieg ins Tal gestaltet sich muehsam. Wir sind ziemlich platt, als wir schliesslich einen geeigneten Lagerplatz auf einem verlassenen Grundstueck an der Russell Road entdecken und endlich alle Viere von uns strecken koennen.

Der naechste Morgen beginnt mit 13 Kilometern entlang dieser vielbefahrenen Strasse. Das ist so richtig doof, aber wir haben uns vorgenommen, auch die connector zu laufen. Wir moechten zum Oakura Campground, um dort ein paar Lebensmittel einzukaufen, aber den finden wir mal wieder nicht. An einer Weggabelung kommen wir mit den Leuten ins Gespraech, die dort an der Ecke wohnen. Wieder treffen wir total coole Menschen, die uns sehr interessiert ausfragen. Nach dem ueblichen "Woher, wohin, wie lange ?" fuellen sie zuerst unsere Wasserflaschen auf. Zum Abschied bekommen wir ein Paket mit eingefrorenem Fisch geschenkt, den Thomas sich hinten an den Rucksack haengt. Sehr nett, aber irgendwie unpraktisch, weil wir ja noch nicht einmal eine Pfanne haben. Wir laufen also immer weiter die ewig lange Russel Road entlang, die auch noch immer bergauf zu gehen scheint. Endlich auf dem hoechsten Punkt angekommen, da kommt die Rettung und Aufmunterung in Form von einem schicken Art Gallery Cafe. Wir goennen uns jeder zwei Kaffee, Thomas isst Lasagne mit Salat, fuer mich gibt es ein suendhaft teures Stueck Kuchen. Schliesslich ist mein Geburtstag, und das haben wir uns heute wirklich verdient. Danach latschen wir weiter, die Fuesse werden immer platter, die Rucksaecke immer schwerer, unsere Stimmung war auch schon mal besser. Gegen 17.00 Uhr muessen wir uns leider eingestehen, dass wir uns verlaufen haben. Einen Abzweiger haben wir wohl verpasst und sind deswegen mindestens 10 Kilometer zu weit in die falsche Richtung gelaufen. Was tun ? Wenn wir einfach auf dieser Strasse weitermarschieren wuerden, dann koennten wir morgen am Abend in Whangarei sein, wo wir eigentlich erst in 5-6 Tagen ankommen wollten. Damit wuerden wir einige Wanderwege aus unserem Te Araroa-Buch verpassen, das moechten wir auf gar keinen Fall. Also beschliessen wir, per Anhalter die falsch gelaufenen Kilometer zurueck zu trampen. Ein winzig kleines Auto naehert sich. Ich sage noch :"Da passen ja noch nicht einmal unsere Rucksaecke 'rein." Aber es haelt vor uns, und wir schieben und quetschen alles hinein. So lernen wir Pat kennen, eine aussergewoehnliche und nette Frau. Sie ist eine Maori, die unsagbar stolz ist auf ihr Land und schon ewig auf dem Grundstueck ihrer Ur-Ur-Ur-Grossvaeter lebt. Erst einmal in ihrem Leben war sie fuer 5 Wochen weg aus ihrer Heimat und fand diese Zeit ganz furchtbar. Sie moechte uns gerne ein bisschen von der Gegend zeigen, bevor sie uns auf den richtign Weg bringt. Dabei faehrt sie mit ihrem kleinen Autochen ueber privates Land und zu geheimen Straenden. Thomas muss immer wieder aussteigen und Gatter oeffnen und schliessen. Ueber eine Stunde dauert diese Rundfahrt mit Pat. Dabei erzaehlt sie uns viel ueber Land und Leute, Kultur und Geschichteder Menschen, die hier wohnen. Und dann bringt sie uns tatsaechlich genau zum Startpunkt unseres naechsten Tracks. Diese Frau kennt sich wirklich aus hier. Wir laufen noch ungefaehr 5 Kilometer durch den Wald, bevor wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit eine geeignete Stelle finden, an der wir unser Zelt aufschlagen koennen. Leider ist das Wasser mal wieder knapp. Es sollten einige kleine Fluesse auf dem Weg liegen, aber wir haben keinen passiert, der einigermassen rinkbares Wasser fuehrte. Nun koennen wir ohne Wasser zum Saeubern und Zubereiten auch den inzwischen aufgetauten Fisch nicht zubereiten. Das ist wirklich schade drum, aber Trinken ist wichtiger.

 

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20.11.2015

Opua 20.-21.11.2015

Thomas braucht Pause, er hat Knieprobleme. Deswegen bleibt er am Ort und besucht einige Seminare, die sich mit Wetter, Antifouling, Motor- und Maschinenwartung beschaeftigen. Ich laufe am Freitag mit Anne 7 Kilometer nach Paihia, diesmal die Niedrigwasser-Route am Wasser entlang. Dort macht sie ihren Einkauf und faehrt mit einem Taxi zurueck. Ich gehe noch einmal den Weg oberhalb der Kueste zurueck und nehme dabei noch zwei Seitenwege mit, die mich zu schoenen Aussichtspunkten bringen. Bei Hochwasser sieht die Landschaft ganz anders aus. Der Boardwalk über die Bretterstege durch die Mangroven führt über tiefes Wasser, wo bei den vorherigen Wegen vorgestern und am Vormittag nur Schlamm war. 

Abends gibt es vom Organisations-Team ein Barbecue mit Hamburgern und Salat im Festzelt. Wir treffen Claudia und Juergen von der "La Belle Epoque" sowie Ilja und Stefan von der "Sabir". Wieder gibt es unendlich viel zu Erzaehlen. Ab heute sind wir zum Schlafen bei Biggi und Jochen auf der "Flying Dog" eingeladen. Herzlichen Dank !

Wir bekommen von Biggi ein ausgiebiges Fruehstueck serviert, bevor wir uns auf den Weg zum Cafe mit Internet machen. Samstag um die Mittagszeit kommen endlich unsere Freunde von der Meerbaer an. Seit Tonga hatten sich unsere Wege getrennt, nun ist die Wiedersehens-Freude gross. Von den Veranstaltern wird fuer den Abend zur Princess-Party eingeladen. Aber wir haben keine Lust auf Kostuemzwang, sondern veranstalten einen Abend mit alternativem Programm. Zuerst essen wir mit den Crews von Meerbaer und La Belle Epoque lecker Fish and Chips im Marina-Restaurant. Danach setzen wir uns gemuetlich bei Bier und Chips und Suessigkeiten zusammen und kloenen. Danach geht es wieder auf die Flying Dog in unsere Gaestekoje, wo wir wunderbar erholsamen Schlaf finden.

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20.11.2015

Pahia-Opua-Coastal Track 19.11.2015

Ein schoener morgendlicher Spaziergang fuehrt uns auf schmalem Weg um die Haumai Bay herum. Wir koennen nicht unten am Strand laufen, sondern muessen die Hochwasser-Alternative ueber die Huegel nehmen. Dabei gibt es immer wieder schoene Ausblicke auf den Veronica Channel.

Bereits um 8.30 Uhr erreichen wir Opua, wo viele unserer Bekannten mit ihren Booten einklarieren, da es der erste erreichbare Hafen in Neuseeland mit Zollabfertigung ist. Hier findet diese Woche die Opua-All Points-Ralley statt, zu der wir uns bereits vor vielen Wochen angemeldet hatten. Nun sind wir hier, allerdings ohne die Walkabout. Wir bekommen trotzdem einen Schluessel zu den Sanitaeranlagen sowie einen Ausweis, mit dem wir an allen Veranstaltungen teilnehmen koennen. Viele Gesichter, die wir von Tonga oder von den Society Islands kennen - wir kommen aus dem Quatschen gar nicht mehr 'raus. Es gibt einige sehr nette Angebote zum Uebernachten. Als Basisstation waehlen wir zunaechst die Green Duck, allerdings ist Ludger zur Zeit nicht hier, den haben wir ja in Kerikeri getroffen. Abends machen wir eine organisierte Bootsfahrt durch die Bay of Islands in einem schnellen Katamaran mit. Leider regnet es schon seit dem spaeten Vormittag, die Sicht ist schlecht. In der ersten Nacht schlafen wir auf der Kuhela bei Josh, einem Australier, den wir seit den Gambiers immer wieder um uns haben. Sehr nett - danke schoen !


 

18.11.2015

Waitangi Track 18.11.2015

Mal wieder ein später Start, denn wir sehen nochmal bekannte Gesichter, gerade als wir auf der Hauptstraße aus Kerikeri herauslaufen. Ludger und Heidi von der "Green Duck", die wir ebenfalls auf Tonga kennengelernt haben, machen heute mit dem Leihwagen  einen Tagesausflug nach Kerikeri. Da kann man natürlich nicht so einfach aneinander vorbeigehen, wir steuern das nächste Cafe an und verbringen noch ein gutes Stündchen mit dem Austausch von Neuigkeiten. 
Inzwischen ist es schon Mittagszeit, aber unser heutiger Weg scheint nicht besonders anspruchsvoll zu sein. Entlang breiter Straßen verlassen wir den Ort, besuchen kurz den "Stone Store", eine Mischung aus Museum und Souvenirladen, bevor wir uns in Richtung Kerikeri Inlet wenden. Unsere Inselquerung von West nach Ost liegt hinter uns, denn wir können schon den Pazifik auf der anderen Seite sehen. über Wald- und Forstwege können wir ganz entspannt laufen und kommen trotzdem gut voran. Ein leichter Anstieg führt über den Mount Bledisloe, wo wir einen kleinen Abstecher zu einem wunderschönen Aussichtspunkt machen. Grüne Wiesen und Farmland liegen unter uns, das sieht nach einfachem Wegverlauf aus. Tatsächlich geht es sanft bergab entlang von Weiden und einem riesigen Golfplatz. Wir kommen durch den kleinen Ort Waitangi, passieren dort die Waitangi Bridge und befinden uns mittlerweile schon auf dem direkten Weg nach Paihia. Eigentlich hatten wir uns hier eine flache Stelle zum Zelten gewünscht, aber die kleinen Orte entlang der Küste scheinen fast zusammengewachsen zu sein. Dadurch laufen wir viel weiter, als wir uns eigentlich vorgenommen hatten. Irgendwann haben wir Paihia durchquert, laufen den Haumai Beach bei Niedrigwasser entlang und müssen nochmal eine längere Strecke entlang der Hauptstraße bergauf gehen. Inzwischen wird es beschwerlich, aber immer noch ist kein guter Platz für unser Nachtlager zu finden. Mangrovensumpf auf der einen Seite, auf der anderen Seite nur steile und dicht bewachsene Berghänge, so sieht die Landschaft entlang des Veronica Channels aus. Bretterstege helfen uns trocken durch das Feuchtgebiet, danach führt endlich ein schmaler Pfad aufwärts in den Wald. Aber immer noch ist kein Ende in Sicht, bis wir nach einer weiteren Stunde eine ebene Stelle auf grüner Wiese finden. Es ist mittlerweile schon nach 20.00 Uhr und wird empfindlich kühl, sobald wir unsere Rucksäcke abgeladen haben.  Also wird nur noch schnell das Zelt aufgebaut, ein Topf mit Tee gekocht und Brot gegessen. Morgen werden wir schon den Ort Opua erreichen, viel früher als erwartet. Wir haben also keine Hungersnot.  
 


 

17.11.2015

Kerikeri Track 17.11.2015

Wir möchten diesen Tag nutzen, um den  Kerikeri-Track zu laufen. Ein Shuttle zum Puketi Forest, w